Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Mai 2019, 19:26

The Dinosaur Project

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Der Abenteurer Marchand vom englischen Kryptozoologischen Institut ist mit seinem Team immer dann zur Stelle, wenn es um die Bestimmung bislang unbekannter Tierarten geht. Als er eines Tages den Auftrag erhält, im tiefsten Dschungel Afrikas der Sichtung eines urzeitlichen Monsters nachzugehen und dabei von einem Kamerateam begleitet wird, schließt sich jedoch unerlaubterweise auch dessen Sohn Luke der Mission an, der gerade eben von der Schule geflogen ist. Als der blinde Passagier von den anderen entdeckt wird, ist es jedoch bereits zu später und der Trupp wird von einem Schwarm urzeitlicher Vögel angegriffen und stürzt ab. Doch das ist erst der Beginn eines Abenteuers, bei dem die Mannschaft noch ganz anderen Lebewesen begegnen wird…

Found-Footage die Drünfzigste, dieses Mal in Form von Video-Material eines Kamerateams und Go-Pro-Kameras eines technisch versierten Burschens, der sich unerlaubterweise dem Forschungsteam seines Vaters anschließt um die afrikanische Version von Nessie zu finden. Der Streifen ist aber inhaltlich ein ziemliches Durcheinander und Regisseur Sid Bennett versucht eher schlecht als recht seine zahlreichen dramaturgischen Baustellen unter einen Hut zu bekommen. Anhand des Titels kann man sich ja bereits vorstellen, dass die Mannschaft hier ja nicht auf die übliche, afrikanische Fauna trifft und tatsächlich stehen schon bald die urzeitlichen Viecher im dichten Dschungel Schlange. Die Geschichte ist dennoch haarsträubend und weil der Vater-Sohn-Konflikt und Dinosaurier alleine noch nicht reichen, hat man noch ein Katastrophen-Szenario, einen Bösewicht, Umweltschutz und noch viele, viele andere Themen in „The Dinosaur Project“ eingearbeitet. Herausgekommen ist ein heilloses Durcheinander und ein Streifen im wahnsinnig seriösen Found-Footage-Stil, der auf völlig unbedarfte Weise auch immer so tut, als wäre es die normalste Sache der Welt irgendwelchen Dino-Wesen zu begegnen. Kein guter Film, aber irgendwie schon spaßig doof, auf eine völlig haarsträubende, Fremdscham-behaftete und zweifelsfrei auch sehr unterhaltsame Weise.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Mai 2019, 19:15

The Great Ecstasy of Robert Carmichael

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Robert Carmichael lebt allein mit seiner alleinerziehenden Mutter in dem englischen Hafenort Newhaven. In seiner Freizeit spielt der talentierte, jedoch auch sehr introvertierte und von seinen Mitschülern gehänselte Junge Cello und hat die besten Aussichten mit einer musikalischen Karriere den tristen Alltag der britischen Arbeiterstadt hinter sich zu lassen. Doch Thomas verbringt seine Freizeit mit zweifelhaften Freunden, nimmt harte Drogen und nimmt auch gelassen zur Kenntnis, als im Drogenrausch eine junge Mitschülerin von mehreren Männern vergewaltigt wird. Das Ereignis scheint die jungen Leute jedoch kaum zu beschäftigen und als wenig später mehr zum Spaß in das Haus eines gutsituierten Paares eingebrochen wird, gibt es ebenfalls keine Grenzen mehr.

Das britische Drama „The Great Ecstasy of Robert Carmichael” taucht ja immer wieder in der Liste von sehr kontroversen Filmen auf, was vor allem an seinem kompromisslosen und gewalttätigen Ende liegt. Dabei zeigt der Streifen in nüchternen Bildern einen Akt der sinnlosen Gewalt, der auch dafür verantwortlich ist, dass viele Menschen hinterher kein gutes Wort über den Streifen verlieren. Doch leider hat „The Great Ecstasy of Robert Carmichael“ auch ein anderes Problem und das liegt meines Erachtens an der äußerst schwachen Figurenzeichnung. Selbst der Hauptcharakter Robert wird kaum beleuchtet und der Film reiht scheinbar wahllos Momentaufnahmen von unterschiedlichsten Personen aneinander, vor der der Zuschauer aber kaum mehr erfährt, dass diese unter der allgemeinen Rezession und Tristesse des englischen Küstenorts leiden. Warum Robert den Kontakt zu zwielichtigen Freunden nimmt und der harte Drogenkonsum seinem Umfeld verborgen bleibt, wird ebenso wenig geklärt, wie der finale Ausbruch von Gewalt, der nicht nur sinnlos, sondern mangels Hintergründe auch völlig schleierhaft bleibt. Nicht, dass man für alles immer eine tiefere Erklärung benötigt, aber im Falle von „The Great Ecstasy of Robert Carmichael“ hat man schon den Eindruck, dass es hier vorwiegend darum geht, dem Zuschauer einen Schlag in die Magengrube zu verpassen, was aber nur teilweise gelingt, weil einem die Figuren im Grunde völlig egal sind. Und dabei wäre der Streifen mit seinen ansprechenden Kamerafahrten und Plansequenzen ansonsten eigentlich gut gemacht. Vielleicht habe ich aber aufgrund der wirklich sehr schwer verständlichen und genuschelten Slang-Dialoge aber auch nur zu wenig mitbekommen… ;)
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 18. Mai 2019, 20:17

Anna und die Apokalypse

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Schülerin Anna, die seit dem Tod ihrer Mutter die Welt in dem Ort New Haven zu klein geworden ist, will nach ihrem Schulabschluss für ein Jahr die Welt bereise und jobbt nebenher in einer Bowling-Bahn für ein Flugticket nach Australien. Doch ihr Vater hat andere Pläne und auch ihr bester Freund würde sich zum anstehenden Weihnachtsfest nichts mehr wünschen, als Anna seine heimliche Liebe zu gestehen. Doch an einem verschneiten Morgen kommt ohnehin alles anders und eine Grippe-Epidemie entpuppt sich als Zombie-Pandemie. Auf dem Weg zur Schule begegnet sie einem Untoten und schon bald hat die forsche Anna auch mehr als nur die üblichen Teenager-Probleme am Hals.

Ein Genre-Film als Musical ist ja eine immer eine etwas heikle Sache, die im Falle von „Anna und die Apokalypse“ aber sehr elegant gelöst wird. Hier stimmt sowohl der Anteil an blutiger Zombie-Action, der Spaß und die schmissige Musik und gelungene Choreographien, die gleichberechtigte Teile der Handlung sind und nicht wie aneinandergereihte Fremdkörper wirken. Die Geschichte mit seiner Weihnachtsthematik ist zwar nichts Neues und mit „Shaun of the Dead“ gibt es ja bereits die ultimative Zombie-Komödie, aber „Anna und die Apokalypse“ ist sympathisch, erfrischend und durchdacht und auch bei weiten nicht so brav wie vielleicht gedacht. Statt „Lala Land“ als Vergleich, würde ich dennoch „Glee“ vorziehen. Den europäischen Ursprung merkt man aber sowohl bei den Figuren und den frechen Texten und was den Schmodder anbelangt, gibt es auch nicht viel zu meckern. Hübsch auch, wie sehr der Streifen seine Figuren ernstnimmt und selbst Sympathieträger in dramatischen Momenten nicht vor einem schrecklichen Ende gefeit sind. Vielleicht mag es nicht zum großen Klassiker reichen, aber man merkt schon, dass ich durchaus begeistert bin. Wer Musical-Filmen nicht abgeneigt ist und nichts dagegen hat, dass auch mal Körperteile und Gehirnmasse durch die Gegend fliegen, ist hier jedenfalls definitiv gut aufgehoben.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 19. Mai 2019, 19:20

SheBorg

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Während eines intergalaktischen Gefangenentransports, gelingt es einem weiblichen und auf Krawall gebürsteten Cyborg kurz vor ihrer Exekution ihren Bewachern zu entkommen und landet ausgerechnet im australischen Outback, wo sogleich die Arbeiter im Umfeld einer Hundewelpenfarm in Kampfroboter verwandelt werden. Zur gleichen Zeit sind die rebellischen Freundinnen Dylan und Eddie mit dem Sänger einer Punkband unterwegs um die illegalen Machenschaften der Welpenfarm aufzudecken und landen mitten im Schlamassel. Doch die beiden Freudinnen wissen sich ihrer Haut zu erwehren und beschließen, gemeinsam mit einem Star-Trek-Nerd die Welt vor dem Schlimmsten zu bewahren.

In der Inhaltsangabe klingt „Sheborg“ ja irgendwie nach trashigen Grindhouse-Spaß, der auch aufgrund der schicken Covergestaltung ja durchaus mein Interesse geweckt hat. Gerne würde ich den Low-Budget-Streifen aus Down Under ja auch sympathisch finden, doch der Streifen krankt inhaltlich doch an so vielen Dingen, dass hier kaum eine positive Wertung möglich ist. Die rasch erzählte Geschichte über einen Cyborg aus dem All ist nur ein loser Aufhänger und Kampf-, Splatter- und Verfolgungsszenen aneinanderzureihen und überall Blutspritzer und CGI-Nebel darüberzulegen, damit es nicht sofort auffällt, wie kostengünstig hier gearbeitet wurde. In manchen Fällen kann das ja durchaus gut funktionieren, aber im Falle von „Sheborg“ ist das weder witzig, abgeschmackt oder spannend, sondern schlicht und ergreifend ziemlich langweilig, wenn sich nach knapp 20 Minuten die Handlung eigentlich im Großen und Ganzen nur noch wiederholt und der Film trotzdem nicht zu einem Ende kommt. Ein paar Sympathieträger, ein besseres Drehbuch und ein paar Ideen mehr hätten jedenfalls nicht geschadet und so wirkt das Endergebnis auch eher wie ein Fun-Projekt von ein paar ambitionierten Genrefans, der als Kurzfilm wohl weit besser funktioniert hätte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 20. Mai 2019, 19:41

Bunker of the Dead

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Markus und Thomas sind Freunde, die eines Tages den kühnen Plan entwickeln in dem Ort Oberammergau in einen weitgehend unbekannten Nazi-Bunker einzusteigen um dort Gold zu finden, dass laut einem alten Tagebuch dort versteckt sein soll. Als der draufgängerische Thomas mit einem schusssicheren Spezialanzug in den amerikanischen Stützpunkt eindringt, wirkt er zwar von Soldaten entdeckt, schafft es aber trotzdem über einen Stausee und einem unfreiwilligen Tauchgang in den Bunker zu kommen. Dort ist zuerst auch alles ruhig, doch schon wenig später stößt Markus im dunklen Stollensystem auf Nazi-Zombies, die sich sogleich hinter dem jungen Mann hermachen. Doch Markus ist entschlossen den Schatz zu heben und als auch noch Soldaten des Stützpunkts zu einer anderen Mission in den Bunker geschickt werden, droht die Sache endgültig zu eskalieren…

„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form von ganz, ganz authentischen und unglaublich wahren Ereignissen bei einer Schatzsuche in einem Nazi-Bunker, dass trotz Warnungen der US-Regierung auf einer Homepage hochgeladen wurden und so natürlich jetzt auch dem Zuschauer zugänglich sind. Das ist natürlich totaler Quatsch und „Bunker of the Dead“ ein haarsträubender Film mit Nazi-Zombies und sonstigen Unfug, der hier in Ego-Perspektive aufgezeichnet wird. Einen großen Hang zu Blödsinn muss man für so etwas wohl schon mitbringen, aber Regisseur Matthias O. Eich schafft es eigentlich recht elegant im Verlauf des Streifens immer hübsch in Richtung „over-the-Top“ bzw. durch die Decke zu gehen und den Zuschauer mit lustigen wie kruden Ideen zu unterhalten. Die Settings sind stimmig, die Darsteller eher nervig, der Gore-Anteil für eine 16er-Freigabe durchaus hart und die Mischung aus Found-Footage, Adventure-Game und Nazi-Zombie-Thematik funzt meines Erachtens ja ganz gut, auch wenn die Gesetze der Logik bereits lange vor der Sache mit den Nazi-Zombies eigentlich schon völlig außer Kraft gesetzt werden. Wer „Found Footage“ aus der Ego-Perspektive und trashige Horrorfilme mag, wird mit dem deutschen Low-Budget-Beitrag eigentlich recht gut unterhalten und hinter internationalen Vorbildern muss sich „Bunker of the Dead“ meines Erachtens auch nicht verstecken. Entweder wird man das alles ganz, ganz furchtbar oder eben furchtbar unterhaltsam finden – ich zähle zum Glück zur zweiten Kategorie.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 21. Mai 2019, 20:02

Mr. Jones - Wenn du ihn siehst... lauf!

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Der angehende Dokumentarfilmer Scott und die Fotografin Penny mieten sich ein Haus in der Wildnis um dort in einer Art Auszeit ihr Leben neu zu ordnen und einen Film zu drehen. Doch nach 50 Tagen ist Routine eingekehrt und Scott hängt ziemlich in den Seilen, als er eines Tages auf das Haus und das Atelier eines mysteriösen Nachbarn stößt, dessen Werke von Penny unschwer als die eines Künstlers namens Mr. Jones identifiziert werden. Die Identität des teils kultisch verehrten Mr. Jones ist nicht nur völlig unbekannt, auch seine Skulpturen haben auf das Publikum eine sehr spezielle Wirkung. Beide sind auch sofort Feuer und Flamme und beschließen ihren Film nun über den gruseligen Nachbarn zu drehen und während Scott Feldforschung in New Yorks Kunstszene betreibt, versucht Penny die umliegend verstreuten Werke zu katalogisieren. Als Scott von seiner Reise zurückkehrt beginnen seltsame Ereignisse und Scott scheint relativ rasch den Boden unter seinen Füßen zu verlieren, während auch Penny immer mehr dem Reiz der rituellen Kunst erliegt.

„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form eines Videotagebuchs eines angehenden Dokumentarfilmers, dass sich nach der Begegnung mit einem ominösen Künstler und dessen Werken immer mehr in Richtung Mystery-Horror entwickelt. Dabei fand ich die Idee mit dem Künstler und seinem Banksy-artigen Image ja recht spannend und originell, bis dem Film nach knapp 40 Minuten aber völlig die Puste ausgeht und der Zuschauer danach nur noch mit nervig geschnittenen Wackelbildern konfrontiert werden, die irgendwann auch nur noch langweilig sind. Die Konfrontation mit dem Künstler führt das angeschlagene Pärchen an seine psychischen Grenzen, Traum und Realität verschwimmen und irgendwann haben beide Halluzinationen, Alpträume und Begegnungen der sonderbaren Art. Der Großteil an Zuschauer hat sich zu diesem Zeitpunkt aber Interesse-technisch wohl schon längst verabschiedet und ich habe schon lange keinen Film gesehen, der nach einer durchaus soliden ersten Halbzeit, so völlig verpufft und in die falsche Richtung geht. Außerdem nervt „Mr. Jones“ – warum auch immer - noch zusätzlich mit ständigen Close-Ups der Gesichter der Protagonisten, die Angst und Panik signalisieren sollen, die sich jedoch in der zweiten Halbzeit jedoch kaum auf den Zuschauer überträgt. Das Finale soll wohl ebenfalls tiefgründig wirken und wie die mysteriös kreierte Aura des Künstlers Spannung erzeugen, doch das geht ebenfalls ziemlich in die Hose. Die erste Hälfte durchaus ansprechend, für die Zweite reicht ein Wort: Autsch!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 22. Mai 2019, 19:21

The Frankenstein Theory

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Wissenschaftler Jonathan Venkenheim ist durch Unterlagen seines Familienarchivs davon überzeugt, dass seine Vorfahren direkt für den Frankenstein-Mythos verantwortlich sind, der dann von Mary Shelley zu ihrem weltberühmten Buch verarbeitet wurde. Seine Theorie lautet, dass sein Urururgroßvater tatsächlich eine Kreatur mit übermenschlichen Fähigkeiten erschaffen hat, die seitdem am nördlichen Polarkreis sein Unwesen treibt. Um das zu beweisen, heuert er seine Freundin Annie und ein Kamera-Team an, die ihn bei seiner Reise zum kanadischen Polarkreis begleiten soll, wo er die Kreatur vermutet. Zuerst läuft auch alles gut und die kleine Truppe reist mit einem örtlichen Führer in die winterliche Tundra, wo neben Kälte und Schnee auch tatsächlich eine Überraschung wartet…

„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form von Filmmaterial eines Kamerateams, dass sich gemeinsam mit einem etwas seltsamen Wissenschaftler auf die Suche nach einer mysteriösen Kreatur macht, die auch die Vorlage für den allseits bekannten Frankenstein-Mythos sein soll. Der Streifen ist dabei eigentlich recht ansprechend gemacht und bietet neben seinem zurückhaltenden Spannungsbogen auch jede Menge wunderbarer Naturbilder bereit. Die tief winterliche Tundra ist auch das eigentliche Highlight des Streifens, während der Rest eher ein etwas durchschnittliches Found-Footage-Dingens ohne übertriebene Jump-Scares oder Schmodder ist. Natürlich wartet am Ende eine Kreatur auf die stetig dezimierte Mannschaft, aber so richtig bekommt man dieses nicht vor die Linse. Am Cover und auf der Rückseite gibt es jedenfalls mehr Monster-Action als im Film und auch Jonathans Indizien auf die Existenz des Monsters wirken nicht immer schlüssig bzw. nachvollziehbar, wenn man den Roman von Mary Shelley nicht kennt. Der eher unaufgeregt erzählte Streifen lässt sich auch viel Zeit und verzichtet auch den Einsatz von Wackelkamera, was sicherlich die Frage aufwerfen könnte, warum man dann überhaupt das Found-Footage-Format gewählt hat. Aber sonst gibt es nicht viel zu meckern und die originelle Geschichte, Naturbilder und die Figuren retten den Film auch vor der Belanglosigkeit. Aus der Ecke hat man schon Schlechteres gesehen – Besseres aber natürlich auch.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 23. Mai 2019, 19:42

666 - Paranormal Prison

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Special Agent Watts und sein Team ist immer dann zur Stelle, wenn es um die Aufzeichnung und Aufklärung paranormaler Phänomene geht. Eines Tages erhält das FBI-Team den streng geheimen Auftrag ins Woodsburrow Gefängnis zu fahren, wo das mittlerweile verlassene Gebäude durchsucht und gegebenenfalls gesprengt werden soll, da es in der näheren Vergangenheit gleich eine Reihe von seltsamen Ereignissen mit ungeklärten Todesfällen gab. Dabei stößt die bunt zusammengewürfelte Truppe jedoch auf einen leblosen Körper, der von einer ebenfalls auftauchenden und sichtlich aufgebrachten Ärztin sediert und in eine Zelle gesperrt wird. Denn diese junge Frau hat trotz ihres unschuldigen Aussehens ein düsteres Geheimnis und während versucht wird, dieses aufzudecken, werden auch die Mitglieder des Teams in dem weitläufigen Areal mit ihren furchtbarsten Ängsten konfrontiert…

„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form von Videomaterial eines FBI-Ermittlerteams, welches in einem verlassenen Gefängnis auf eine böse Macht stößt. Wo es in einem Genre Licht gibt, da gibt es natürlich auch Schatten und im Falle von „666 – Paranormal Prison“ wird es leider ganz, ganz schattig. Die Geschichte ist ein buntes Mosaik aus Versatzstücken aus anderen Filmen, die hier scheinbar wahllos und ohne Rücksicht auf Erzählfluss, Glaubwürdigkeit oder Spannungsbogen zusammengewürfelt wurden. Gänzlich haarsträubend ist hier auch der Bezug zum Originaltitel, wo man echt nur noch fassungslos den Ausführungen folgen kann. Zudem nervt der Streifen auch mit seinem dämlichen Macho-Sprüchen und sexuellen Anspielungen, die hier völlig fehl am Platz erscheinen. Das Gebäude sieht so gar nicht nach Gefängnis aus und auch die Mitglieder der Spezialeinheit verhalten sich immer so dämlich, dass es kaum glaubhaft erscheint, dass diese auch nur ansatzweise einen Auftrag positiv und zufriedenstellend erledigen könnten. Statt Spannung gibt es durch ein paar simpel kreierte Jump-Scares unterbrochene Langweile und irgendwann startet dann eine kleine Runde Geisterbahnfahrt, die aber auch kaum noch jemanden interessiert. Wer glaubt, dass man im „Found-Footage“ im Grunde eh nicht viel falsch machen kann, wird mit diesem lahmen Werk jedenfalls mühelos eines Besseren belehrt. Hier passt dann auch wirklich gar nix. Und weil es gerade so schön zur Gefängnisthematik passt: die Höchststrafe bekommt hier ohnehin der Zuschauer.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 24. Mai 2019, 20:03

The Quiet Ones

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Zu Begeisterungsstürmen wird „The Quiet Ones“ wohl niemanden hinreißen und irgendwie wirkt die Mischung aus herkömmlichen Horrorfilm und „Found Footage“-Material schon sehr konventionell und stets einen Ticken zu vorhersehbar. Regisseur John Pogue tut ja so, als hätte es die hunderttausend Besessenheitsfilme davor gar nicht gegeben und reiht frisch und fröhlich allerlei hoffnungslos durchgenudelte Elemente aneinander, die man als Zuschauer eigentlich nicht mehr sehen möchte. Zugegeben, das Setting in den Siebzigern mag ich natürlich und auch die Darsteller sind eigentlich auch super, aber die Geschichte wird völlig lahm erzählt und irgendwie wiederholen sich die Ereignisse wie in einer diabolischen Endlosschleife. Auch die Figuren wirken unterkühlt und wenig lebhaft, sodass man auch nicht wirklich mitfiebern mag. Der „Found Footage“-Anteil soll wohl für zusätzliche Authentizität sorgen, wirkt aber irgendwie unnötig und auch viel zu clean und professionell. Mit Ruhm hat sich hier bis auf die technische Seite und den Darstellern wohl niemand bekleckert und warum auch so etwas wie „The Quiet Ones“, wenn es aus der Kiste Dutzende an ähnlich gelagerten und auch besseren Filmen gibt?
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 25. Mai 2019, 19:11

One Cut of the Dead

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Ein blutiger Low-Budget-Zombie-Film wie viele andere, nur dieses Mal in einem ambitionierten Format und einzigen Take in einem verlassenen Wasserwerk gedreht. Doch dann mischen sich plötzlich „echte“ Zombies ins Geschehen und überrumpeln Cast und Crew. Doch wie so oft im Leben macht man aus der Not eine Tugend und der Regisseur beschließt einfach weiter zu filmen…

Ich habe im Vorfeld bewusst alle Kritiken, Berichte, Trailer und Infos ignoriert und hatte das Glück gestern dann auf positive Weise überrascht zu werden. Ich verrate auch nicht an dieser Stelle außer dem Befehl es mir gleich zu tun und das Werk schnellstmöglich anzusehen. Und ja, eine gewisse Irritation am Anfang gehört dabei auch durchaus dazu…

Und weil es so schön klingt, zitiere ich hier an dieser Stelle statt weiterer Gedanken meinerseits auch lieber filmstarts.de und die Geschichte eines Überraschungserfolgs, wie man sie sich nicht besser ausdenken könnte:

filmstarts.de hat geschrieben:Gedreht mit einem Budget von umgerechnet gerade einmal 27.000 US-Dollar lief der japanische Zombiefilm „One Cut Of The Dead“ am 23. Juni 2018 in nur zwei Kinos in Tokyo an. Zuschauer, die als Zombie verkleidet ins Kino kamen, erhielten zudem einen Rabatt auf den Eintrittspreis, wodurch man sich zumindest ein klein wenig Aufmerksamkeit für den Ministart der Low-Budget-Produktion erhoffte. Und die hat der Film anschließend auch bekommen – und wie: „One Cut Of The Dead“ begeisterte Publikum und Kritiker so sehr, dass der Kinorelease über die folgenden Wochen immer weiter ausgeweitet wurde, bis der Film schließlich in mehr als 200 Kinos gleichzeitig lief und insgesamt mehr als 2 Millionen (!) Zuschauer vor die Leinwände lockte.


Das sei "One Cut of the Dead" auch von Herzen vergönnt! Ganz toller Film! :nick:
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