Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 13. Feb 2019, 20:11

Ein Mann sieht rot

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Nach dem eher peinlichen Remake hatte ich Lust auf das Original, welches meines Erachtens auch glaubhafter und stimmiger ausgefallen ist. Im Gegensatz zur Neuauflage wirkt „Ein Mann sieht rot“ auch wesentlich weniger Action-orientiert, schaumgebremst und politisch korrekt, sondern ist ein düsterer Großstadtfilm, der sich seines kontroversen Themas durchaus bewusst ist und dieses auch zur Gänze ausspielt. Das Thema Selbstjustiz ist ja auch ein sehr schwieriges und die Diskussionen angesichts der „positiven“ Effekte eines derartigen Rachefeldzugs gegen gewaltbereite Subjekte, kann man sich ja gut vorstellen. Das heruntergekommene New York der Siebziger scheint ja auch der ideale Handlungsort für so einen Streifen zu sein und heutzutage kann man sich das ja fast nicht mehr vorstellen, wie leer hier nachts die Straßen, Parks und U-Bahnstationen hier sind, weil das tatsächlich kein Platz war, wo man sich aufhalten durfte. Charles Bronson verkörpert die ambivalente Figur jedenfalls auch sehr passend und agiert gegen Ende zunehmend wie die Axt im Walde. Dass er dabei zum Helden stilisiert wird und die eigentlichen Täter gar nicht gefasst werden, ist ja wie zusätzliches Öl, dass hier noch ins Feuer gegossen wird. Ein hübsch provokantes und düsteres Werk, das zurecht als Klassiker gilt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 14. Feb 2019, 19:55

The Breakfast Club

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Der „Coming-of-Age“-Kultfilm aus den Achtzigern, der seltsamerweise immer noch als eine Komödie gehandelt wird, obwohl der Inhalt eigentlich alles andere als zum Lachen ist. Viel mehr ist der Inhalt eher dramatisch gehalten selbst wenn die Charaktere auf den ersten Blick doch etwas überzeichnet daherkommen. Sowohl der Kriminelle, als auch die Außenseiterin (inklusive Verwandlung) sind doch etwas überspitzt dargeboten und auch beim Athleten, der Prom-Prinzessin und dem Streber könnte man auf den ersten Blick von sehr Klischee-lastigen Figuren sprechen, die natürlich als Identifikationsfiguren für ein jugendliches Publikum dienen sollen. Doch John Hughes nimmt seine Charaktere ernst und hinter der Fassade der selbstgewählten Inszenierung als Macker, Macher, Tussi, Streber etc. stecken verletzliche Seelen, deren Probleme irgendwie alle dieselben sind. Doch noch etwas unterscheidet die fünf, zum Nachsitzen verdonnerten Individuen von engstirnigen Mitmenschen – nämlich mit Ehrlichkeit die Kraft gesellschaftliche und sonstige Grenzen zu überwinden und trotz der Unterschiede und dem Trennenden einen gemeinsamen Nenner zu finden, der allen Kraft gibt um kollektiv gestärkt und als verständnisvollerer Mensch aus diesem Vormittag hervorzugehen. Eine wunderbare Botschaft in einem schönen Film, die heutzutage auch aktueller denn je erscheint.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Feb 2019, 19:27

Kinky Boots

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Charlie möchte eigentlich gemeinsam mit seiner Freundin nach London ziehen um dort im Marketing zu arbeiten, als er die überraschende Nachricht vom Ableben seines Vaters erhält. Dieser war zu Lebzeiten Chef einer Schuhfabrik in Northhampton, die sich bei näherer Betrachtung jedoch als pleite entpuppt. Um nicht alle Arbeiter auf die Straße zu setzen, sucht Charlie daher dringend nach einer Marktnische und findet diese durch die zufällige Begegnung mit der Drag Queen Lola in exzentrischen Frauenschuhen für Männer. Doch die neue Geschäftsidee kommt in Northhampton weit weniger gut an und als dort auch noch Lola im Fummel auftaucht, sind Vorurteile nicht weit und das Chaos in der Fabrik perfekt.

Spaßig-harmlose Dramödie nach einer wahren Begebenheit über einen Schuhfabrikanten aus Northhampton, der seine marode Firma mit exzentrischen Schuhen aus den roten Zahlen holte und als Inspiration für diese Culture-Clash-Komödie diente. Die Geschichte ist auch ganz passabel und greift bis zum versöhnlichen Ende auch ganz tief in die Klischeekiste um gängige Vorurteile dann aber natürlich wieder auf den Kopf zu stellen. Das ist in „Kinky Boots“ auch recht gut gelungen, selbst wenn der ganze Streifen für meinen Geschmack dabei immer etwas zu nett ausgefallen ist und die Konfrontation zwischen glamouröser Drag-Queen und weniger glamouräsen Fabriksarbeitern natürlich nicht ohne Brösel bleibt. Das wirkt dann aber seiner omnipräsenten Toleranz-Botschaft immer auch etwas aufgesetzt und schablonenhaft und ein, zwei Mini-Konflikte weniger hätte sicher auch nicht geschadet. Aber sonst gibt es hier nicht viel zu meckern und das erwartete Programm wird solide abgespult und abgesehen von der netten Grundidee ist der Rest auch morgen schon wieder vergessen. Nette Unterhaltung für den Pärchen-Abend oder verregnete Nachmittage mit netter Botschaft, aber auch nicht mehr.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Feb 2019, 19:32

Ghost Stories

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Professor Goodman ist immer dann zur Stelle wenn es darum geht übernatürliche Phänomene als gewöhnlichen Hokuspokus zu entlarven. Als er eines Tages von einem verschwundenen Wissenschaftlicher kontaktiert wird, der ihm einst als Vorbild für seine Arbeit diente, erhält er nicht nur einen Rüffel für seine Arroganz, sondern auch drei Fälle, die sich niemals mit rationalen Mitteln erklären ließen. Mit der Bitte um Aufklärung wird Goodman zu drei Menschen geschickt, die Begegnungen mit dem Übernatürlichen hatten und während Goodman versucht, den Geheimnissen auf die Spur zu kommen, zweifelt er schon bald selbst an seinen Wahrnehmungen und Erklärungsversuchen…

Englischer Epsioden-Horror nach einem Bühnenstück und einem Wissenschaftler als verbindendes Handlungselement, der teilweise wirklich sehr gruselig ausgefallen sind. Zwar bietet „Ghost Stories“ für meinen Geschmack etwas zu viele „Jump Scares“, aber der Rest ist durchaus atmosphärischer Grusel der alten Schule. Jedenfalls sind die drei Geschichten samt Rahmenhandlung meines Erachtens durchaus spannend inszeniert und am Ende gibt es auch noch einen netten Twist, der das Publikum hübsch in zwei Lager spaltet. Eigentlich zu Unrecht, denn „Ghost Stories“ schafft zum überwiegenden Teil den Spagat zwischen oldskooligen und modernen Horror eigentlich ganz gut und auch den Abschluss fand ich sehr originell gegen herkömmliche Zuschauererwartungen konstruiert. Darstellerisch und optisch ist „Ghost Stories“ ebenfalls sehr gelungen und nur bei der deutschen Synchro, die bisweilen etwas steril klingt, hätte man sich vielleicht etwas mehr Mühe geben können. Sonst ist alles im grünen Bereich und Fans von Episoden-Grusel können hier bedenkenlos zugreifen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Feb 2019, 19:15

Trauma - Das Böse verlangt Loyalität

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Vier junge Frauen aus Santiago de Chile fahren für zwei Tage aufs Land um dort im Haus ein paar nette Tage zu verbringen. Doch schon der erste Abend wird zum Alptraum, als auf einmal zwei Männer aus der Umgebung ins Haus eindringen, zwei Frauen auf brutalste Weise vergewaltigen und eine von ihnen ermorden. Am nächsten Tag gelingt es zwar die örtliche Polizei zu informieren, doch die identifiziert die Männer als gewaltbereite Vater und Sohn, die wenig später auch vor nichts zurückschrecken und in einer nahen Bar ein weiteres Massaker veranstalten. Als diese auch noch ein junges Mädchen entführen und keine rasche Hilfe zu erwarten ist, beschließen die verbliebenen Frauen das Mädchen aus der Gewalt der Männer zu befreien und Rache an den Peinigern zu nehmen.

„Trauma“ ist ja der "neueste" Skandalfilm, der vor nichts zurückschreckt und sich scheinbar mühelos in die Reihe von kontroversen Schockern wie „A Serbian Film“ und „Martyrs“ einfügt und dementsprechend polarisiert. Technisch ist der chilenische Film auch ganz passabel gemacht, aber inhaltlich ist die ganze Sache auf Dauer doch etwas ermüdend und die heftigen Szenen wirken angesichts der fragwürdigen Entwicklungen und seltsamen Figurenzeichnung doch etwas zu offensichtlich auf Krawall gebürstet. Hier ist es ja die Zeit der Militärdiktatur unter Pinochet, die in Rückblenden als Aufhänger für einen Rape’n Revenge-Streifen der härteren Gangart herhalten muss. Doch wo „A Serbian Film“ eine künstlerische und zugegeben sehr herbe Auseinandersetzung mit der politischen Vergangenheit eines Landes ist, da ist der auf wahren Begebenheiten basierende und chilenische „Trauma“ doch nur ein recht durchschaubarer Schocker, der alles versammelt, was an kontroversen Themen noch als zeig- und zumutbar gelten um dann die Grenzen dessen neu auszuloten. Die Liste an Geschmacklosigkeiten ist hier auch sehr lange und vor allem die sexuelle Gewalt und Folter an Frauen machen von Beginn an klar, dass dieser Film hier definitiv nichts für schwache Gemüter ist. Doch mit fortschreitenter Laufzeit und jeden weiteren Tabubruch wird „Trauma“ zunehmend unglaubwürdiger und verliert sich gegen Ende in einem völlig fragwürdigen Handlungsverlauf, der nur dazu dient, dem Zuschauer eins vor dem Latz zu knallen und dementsprechende Reaktionen zu provozieren. Wer mag kann hier inhaltlich gerne mehr herauslesen, als es mir vergönnt war, aber vermutlich bin ich einfach schon zu "alt" für derartige Provokationen, die wohl nur dazu gemacht werden, seinem Macher und kostengünstigen Produkt einen Moment der Aufmerksamkeit zu bescheren.

The Amazing Transplant

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Der friedfertige und introvertierte Arthur begeht einen Mord an einer jungen Frau und befindet sich auf der Flucht vor der Polizei. Seine besorgte Mutter kann sich die Tat aber nicht erklären und bittet den Bruder ihres verstorbenen Mannes, den Polizisten Bill, sich um den Fall zu kümmern. Anhand eines Adressbuches macht sich der auch auf die Suche nach Arthurs Bekannten und findet weitere Frauen, die von einem seltsamen Verhalten des jungen Mannes berichten, der einerseits freundlich wirkt, im nächsten Moment jedoch wie ausgewechselt über die jungen Frauen hergefallen und diese vergewaltigt hat. Als Bill weitere Nachforschungen betreibt, kommt er auch einem Mediziner auf die Spur, dessen dunkelstes Geheimnis mit Arthurs seltsamen Verhalten zusammenhängt…

„The Amazing Transplant“ ist ja ein weiterer, schier unglaublicher Film von Doris Wishman, in dem der Zuschauer mit den beliebten Zutaten wie Sex und Gewalt konfrontiert wird. Im Gegensatz zum Titel macht der Streifen aber lange ein Geheimnis um das seltsame Verhalten des jungen Arthur, der sich – man darf es an dieser Stelle wohl verraten – das Genital seines besten Freundes transplantieren lässt um so auch dessen Selbstvertrauen im Umgang mit Frauen zu erlangen. Dummerweise wird Arthur daraufhin aber beim Anblick von goldenem Ohrschmuck (!) zum Berserker, der über diese Frauen herfällt um sie wahlweise zu vergewaltigen oder zu ermorden. Das klingt aber in der Inhaltsangabe wesentlich schräger, als der Streifen tatsächlich ausgefallen ist und ist das bizarre Geheimnis erst einmal enthüllt, ist der Streifen auch schon wieder zu Ende. Bis dahin gibt es nackte Leiber und Vergewaltigungen, die aber in dem Softsex-Schmuddler mit Entstehungsjahr 1970 zum Glück auch nur angedeutet werden. Auch die Transplantation wird am Ende nur kurz angerissen und guter Film ist „The Amazing Transplant“ ja auch nicht geworden. Eine Bestätigung, dass dieser Streifen unter dem Titel „Sinnliche Lippen“ jemals in deutschen Kinos gelaufen sein soll, habe ich in meinen Büchern ebenfalls nicht gefunden. Als cineastisches Kuriosum einer sympathischen Regisseurin ist der Streifen aber allemal eine unterhaltsame Sache und im Rennen um den Film mit dem seltsamsten Inhalt ist „The Amazing Transplant“ ja definitiv noch immer vorne dabei, auch wenn das tatsächliche Ergebnis da nicht ganz mithalten kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 18. Feb 2019, 19:41

Ein Toter spielt Klavier

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Die nach einem Reitunfall auf den Rollstuhl angewiesene Penny fliegt an die Côte d’Azur um dort nach zehn Jahren erstmals wieder auf ihren leiblichen Vater zu treffen, der von ihrer Mutter geschieden lebt. Doch bei ihrer Ankunft ist der Vater überraschend verreist und neben dem Chauffeur und dem Hausmädchen, kümmert sich die Stiefmutter scheinbar rührend um die Befindlichkeiten der sensiblen, jungen Frau. Doch schon in der ersten Nacht kommt es zu einer gruseligen Begebenheit, als Penny den Leichnam ihres Vaters in einem stillgelegten Trakt des Gebäudes findet, der wenig später wieder verschwunden ist. Später gibt es weitere Ereignisse die Penny verstören und zunehmend an ihrer Wahrnehmung zweifeln lassen, während sie in dem Chauffeur einen Vertrauten findet, der wie Penny ebenfalls überzeugt ist, dass es in dem Haus nicht mit rechten Dingen zugeht.

Hübsch fotografierte und in Szene gesetzte Mischung aus Krimi und Suspense über eine junge Frau im Rollstuhl, die in einer Villa an der französischen Rivera in einem Strudel aus mysteriösen Ereignissen gerät. Die junge, sensible und körperlich eingeschränkte Penny ist ja mit ihren unschuldigen Reh-Äuglein irgendwie auch die perfekte Identifikationsfigur, die man angesichts der Ereignisse auch sofort in den Arm nehmen und trösten möchte. Die restlichen Figuren sind ebenfalls sehr gut gezeichnet und die zahlreichen Hinweise für den Zuschauer auch so gestreut, dass man nie so genau weiß, ob „Ein Toter spielt Klavier“ jetzt eher in die Thriller- oder doch eher in Richtung Paranoia-Drama tendiert. Das Ende ist jedenfalls überraschend und zwischendrin gibt es auch ein paar nett inszenierte Schock-Momente, die seinerzeit den Herzschlag des Publikums sicherlich ganz ordentlich in die Höhe trieb. Heutzutage wirkt das zwar alles etwas gediegener und weniger aufregend, aber ist immer noch ein spannendes Vergnügen, dass auch recht kurzweilig und unvorhersehbar inszeniert wurde und vor allem auch von der eindringlichen Darstellung Susan Strasbergs lebt. Sehr schön!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 19. Feb 2019, 19:33

Tales from the Hood

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Drei Kleinkriminelle wollen bei einer Kontaktperson eine Lieferung Drogen abholen, der sich jedoch als sehr exzentrischer Bestattungsunternehmer entpuppt. Dieser erzählt den drei Nachwuchs-Gangstern vier unheimliche Geschichten von den Toten, die bei ihm in den Särgen liegen. Diese Geschichten handeln von einem schwarzen Bürgerrechtler, der von weißen Polizisten ermordet wird und als Toter auf Rache sinnt, einem Buben, der jeden Nacht von einem Monster besucht wird, einem überheblichen Rassisten, der den Fluch eines alten Südstaaten-Hauses zu spüren bekommt, sowie einem Gangster, der mit ungewöhnlichen Methoden rehabilitiert und wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden soll.

Keine Ahnung, warum es „Tales from the Hood“ Mitte der Neunziger nicht das Deutschland geschafft hat, aber an der Qualität der Horror-Anthologie kann es definitiv nicht liegen. Die vier Geschichten samt Rahmenhandlung sind durchwegs spannend, schwarzhumorig, sehr originell erzählt und greifen in ihrem Verlauf auch noch gesellschaftlich relevante Themen wie Rassismus, Gang-Kriminalität, häusliche Gewalt und dergleichen auf. Jede Geschichte verfügt dabei auch eine tiefere Botschaft, die sich jedoch nie in den Vordergrund drängt und den Zuschauer nach einem eher leichtfüßigen Genre-Start auch auf die vierte Geschichte vorbereitet, die dann in bester „Clockwork Orange“-Manier ein richtiger Magenschwinger und unerwartet düster ausgefallen ist. Mehr will man an dieser Stelle auch gar nicht verraten, außer dass mir „Tales from the Hood“ trotz bisweilen etwas gewöhnungsbedürftiger Ghetto-Sprache ausnehmend gut gefallen hat. Die vier Geschichten haben es jedenfalls durchaus in sich und lassen den großen Rest von Anthologie-Horrorfilmen in Punkto Qualität und Originalität auch mühelos hinter sich. Hier ist die Mischung aus Horror, Drama, gesellschaftlicher Relevanz und Witz sehr stimmig ausgefallen, ohne zu sehr in eine bestimmte Richtung zu tendieren oder aufgesetzt bzw. aufdringlich zu wirken. „This is the shit“ und daher bitte dringend auch hierzulande veröffentlichen. Tipp!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 20. Feb 2019, 19:51

I, Zombie: A Chronicle of Pain

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Nach einem kleinen Streit mit seiner Freundin Sarah verschwindet Mark eines Tages scheinbar spurlos nach einem Ausflug in die Natur, bei dem der angehende Biologe eigentlich nur ein paar Proben sammeln wollte. In Wirklichkeit wurde Mark jedoch von einem Zombie gebissen und verwandelt sich langsam ebenfalls in eine Kreatur mit unbändigen Appetit auf Menschenfleisch. Um seine Freundin nicht zu gefährden, kehrt er jedoch nicht mehr zu ihr zurück und nimmt sich eine neue Wohnung, in der er seine Gedanken und körperlichen Fall dokumentiert, genauso wie seinen Hunger auf Menschenfleisch und die Art und Weise wie er zu seinen Opfern kommt. Doch während Marks Geist immer weiter verschwindet und die unkontrollierbaren Triebe überhand nehmen, klammert er sich verzweifelt an die Gedanken an Sarah und bessere Tage, die jedoch von Tag zu Tag weiter schwinden…

Eigentlich wollte ich ja bis auf weiteres keine Zombie-Filme mehr gucken, seit das Genre mit durchschnittlichen Filmen und Serien nahezu überschwemmt wurde. Dieser Low-Budget-Streifen aus Großbritannien hat mich dann aber doch interessiert und Andrew Parkinson hat mit „I, Zombie: A Chronicle of Pain“ ja auch einen Streifen geschaffen, der sich von der Herangehensweise angenehm vom Rest der Schmodderfilme abhebt. Zwar geht es hier auch durchaus blutig zur Sache, aber Hauptaugenmerk der Geschichte liegt auf der langsamen Verwandlung vom Menschen zu einem Zombie und die Auswirkungen auf Beziehungen und das tägliche Leben, dass hier durch die Gedanken eines Biologen auch sehr nüchtern betrachtet wird. Zwar merkt man dem Streifen das nicht vorhandene Budget, die Laiendarsteller und seine lange Entstehungsdauer durchaus an, wer aber nichts gegen kostengünstige Werke hat, kann hier durchaus einen Blick riskieren, sofern man vom obigen Cover nicht auf die falsche Fährte gelockt wird. Statt Splatter und Action steht in dem unaufgeregt erzählten Streifen auch die Psychologie seiner verwesenden Hauptfigur im Vordergrund und erinnert in seiner Herangehensweise und Ausführung tatsächlich etwas an die Werke von Jörg Buttgereit, was hier von mir auch durchaus als Empfehlung gemeint ist.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 21. Feb 2019, 19:59

Sixteen Candles

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Ausgerechnet am sechzehnten Geburtstag muss Samantha mit Entsetzen feststellen, dass dieser wichtigste Tag im Leben eines jungen Teenagers aufgrund der anstehenden Hochzeit ihrer älteren Schwester von allen Familienmitgliedern schlichtweg vergessen wurde. Stattdessen stehen auf einmal die nervigen Großeltern samt chinesischen Austauschschüler vor der Türe, die Samanthas Zimmer in Beschlag nehmen und zusätzlich Nerven kosten. Auch im Liebesleben läuft für die junge Schülerin alles andere als perfekt und statt dem Schulschwarm Jake wird sie lediglich von einem draufgängerischen Streber angebaggert. Als am Abend eine Schulveranstaltung ansteht, wendet sich aber langsam das Blatt und eine wilde Partynacht nimmt ihren Lauf, die auch das Leben zahlreicher anderer junger Menschen an der Schule für immer verändern wird.

Ein weiterer Lieblingsfilm meinerseits aus jungen Tagen, der sich bei der erneuten Sichtung noch immer als unterhaltsam entpuppt. Vor seinem Erfolg mit „The Breakfast Club“ gab John Hughes mit „Das darf man nur als Erwachsene“ sein Regie-Debüt, dass sich ebenfalls um die Befindlichkeiten junger Menschen kümmert. Hier aber noch eine Spur klamaukiger und episodenhafter als im Frühstücksclub und Hughes schießt auch manchmal über das Ziel hinaus und präsentiert das Teenagerleben, Figuren und Alltagssituationen doch auf sehr überspitzte Weise. Hinter den grotesken Momenten stecken aber immer kleine Wahrheiten und insgesamt ist auch „Sixteen Candles“ eine sehr unterhaltsame Komödie, die das Herz am richtigen Fleck hat und die gefühlstechnischen Irrungen und Wirrungen der Pubertät von "himmelhoch jauchzend" über "bis zu Tode betrübt" in umgekehrter Reihenfolge anhand zweier Tage im Leben einer Schülerin Samantha auf kurzweilige Weise nachzeichnet. Diese wird von Molly Ringwald auch sehr sympathisch portraitiert und auch der Rest der Darsteller setzt sich auch bekannten Gesichtern zusammen, die hier sichtlich Spaß an der ganzen Sache haben. Alles in allem eine witzige Highschool-Komödie aus den Achtzigern, die gute Laune verbreitet und die man sich inklusive Nostalgie-Faktor auch im etwas fortgeschrittenen Alter noch immer gut anschauen kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 23. Feb 2019, 19:12

Down

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Das Millienium Building ist mit über 100 Stockwerken, Aussichtsplattformen und seinem Art déco-Stil ein Touristenmagnet inmitten von Manhattan. Als jedoch eines Tages einer der Express-Lifte verrücktspielt, ist das erst der Beginn einer ganzen Reihe von seltsamen Ereignissen, die im Zusammenhang mit den Liftanlagen des Gebäudes stehen. Auch der Fahrstuhltechniker Mike gerät in den Trubel, als er der etwas übereifrigen Reporterin Jennifer ein paar flapsige Antworten zum Thema Sicherheit der Fahrstühle gibt, die am nächsten Tag mit großer Schlagzeilen am Titelblatt stehen. Wenig später stoßen die beiden jedoch auf weitere Geheimnisse der Liftfirma, während die vermeintlichen Fehlfunktionen immer bizarrere Ausmaße annehmen.

Dick Maas‘ „Fahrstuhl des Grauens“ aus dem Jahr 1983 war ja schon ein unterhaltsamer Horrorfilm mit satirischen Einschlag über einen Fahrstuhl der verrücktspielt bzw. einer eigentlich ganz alltäglichen Sache, die auf einmal zur Bedrohung wird. „Down“ holt aus der lustigen wie ungewöhnlichen Grundidee ja aber dann noch wesentlich mehr heraus und verlegt seinen monströsen Aufzug mitten nach Manhattan in den fiktiven Millenium-Tower, der bald seine Besucher zum fressen gern hat . Hier ist die Mischung aus seltsamer Bedrohung, schwarzer Humor und mahnende Worte zum Thema künstlicher Intelligenz ja fast noch stimmiger und „Down“ entpuppt sich als kurzweilige Genre-Wundertüte, die großen Kindern großen Spaß bereiten sollte. Bislang hatte ich das Remake ja seltsamerweise als eher entbehrlich bei mir im Hinterkopf abgespeichert und darauf verzichtet, aber was sich hier gestern vor meinen Augen abgespielt hat, war ein ganz großer Spaß, der knapp 110 Minuten auch keinen Durchhänger kennt und auch noch mit sehr bekannten Gesichtern glänzt. Dick Maas ist schon ein Guter und siedelt sich mit seinem eigenen Remake irgendwo zwischen Horror, Komödie und B-Film an, der hier aber Budget-technisch, optisch, inszenatorisch und schauspielerisch aber eindeutig in der A-Liga spielt. Spaßig!
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