Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Nov 2018, 20:12

Isle of Dogs - Ataris Reise

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Natürlich ist „Isle of Dogs - Ataris Reise“ der von Wes Anderson erwartete visuelle Overkill mit liebevoll gemachter Stop-Motion-Technik und skurriler Einfälle soweit das Auge reicht, aber irgendwie war mir die Geschichte gestern irgendwie doch zu Abenteuer-lastig, zu düster und auch zu politisch. „Isle of Dogs“ ist zwar immer noch ein guter Film, bietet aber nicht die Herzlichkeit, den Humor und den Wohlfühl-Faktor von „Der fabelhafte Mister Fox“, der im Gegensatz zu dem hier einfach alles richtig macht. „Isle of Dogs“ hingegen wirkt im Grundton pessimitisch und ist eine Abrechnung mit machtversessenen Menschen und einem totalitären System und die Geschichte über die Suche eines Jungen nach seinem deportierten Hund kann bzw. muss man natürlich auch auf die aktuelle politische Lage umlegen. So hat „Isle of Dogs“ natürlich auch eine Botschaft, die meines Erachtens aber etwas zu dominant in den Vordergrund rückt, während der universelle Teil wie Freundschaft und der Bezug von Mensch zu Tier in den Hintergrund gedrängt wird. Vielleicht ändern weitere Sichtungen meine Einschätzung, aber ein klein wenig war ich gestern beim Abspann dann doch enttäuscht, auch wenn meine Meinung sicherlich als Meckern auf höchsten Niveau zu interpretieren ist.

Hasch mich - ich bin der Mörder

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jogiwan hat geschrieben:Überdrehter Krimi-Klamauk mit Louis des Funés der hier einen Theaterautor Antoine mit finanziellen Schwierigkeiten spielt, der sich während den Vorbereitungen zu einem Kriminalstück auf einmal mit einer echten Leiche konfrontiert sieht. Obwohl er den Leichnam auf kreative Weise verschwinden lässt, taucht dieser immer wieder zu den ungünstigsten Gelegenheiten auf und sorgt für ordentlich Wirbel unter den zahlreichen Gästen des Hauses. Den Streifen hab ich ja schon vor hundert Jahren im Fernsehen gesehen und die Auffrischung auf DVD war gestern dann auch wie das Wiedersehen mit einem alten Bekannten und eine höchst spaßige Angelegenheit. Vor allem der „künstliche Look“ der Kulissen wissen zu gefallen und die bereits von Ugo beschriebene Szene, in der Madame Brisebard realisiert, was ihr Mann getan hat, ist ohnehin der absolute Kracher. Auch ansonsten bietet der temporeich inszenierte Streifen jede Menge aberwitzige Momente, viel schwarzen Humor und Situationskomik am laufenden Band. Dabei überschreitet „Hasch mich, ich bin ein Mörder“ zwar manchmal die Grenze zur Hysterie, aber das verzeiht man dem unterhaltsamen Werk nur allzu gerne.


Gestern noch einmal bzw. schon wieder geguckt und herzlichst dabei amüsiert. "Hasch mich - ich bin der Mörder" ist wirklich eine sehr spaßige, überdrehte Angelegenheit bei der auch kein Auge trocken bleibt und Louis de Funes und Claude Gensac zur Höchstform auflaufen. Skurrile Situationskomik, schräge Figuren, allerlei persönliche Befindlichkeiten und eine spaßige Kriminalgeschichte werden hier auf lustige Weise und kammerspielartig zusammengebracht und ergeben herrlich hysterische 80 Minuten mit zeitlosen Charme und Unterhaltungswert.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Nov 2018, 21:21

Blind Date - Skandal in Schwarz

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Angela ist eine ehemalige Modedesignerin, sehr selbstbewusst und die Frau des angesehenen Diplomaten John und auch immer wieder Thema in diversen Klatschspalten. Als sie eines Tages beim Besuch eines Pornokinos auf der Toilette vergewaltigt wird und der Täter entkommen kann, befürchtet John einen Skandal, der ihm auch seine Karriere kosten könnte und ist alles andere als erfreut. Andererseits kommt ihm die Tat auch recht, da er seine Gattin ohnehin schon die längste Zeit mit der hübschen Eva betrügt und Angela auf dem schnellsten Wege loswerden möchte. Schnell wird ein Komplott geschmiedet, das Angela dank eines traumatischen Ereignisses aus der Vergangenheit immer weiter in den Wahnsinn treiben soll…

Herrlich krude und zugleich aber schwer unterhaltsame Mischung aus Softsex, Giallo und Exploitation, der inhaltlich wirklich keine Gefangenen macht und bei dem man aus dem Staunen auch nicht herauskommt. In „Blind Date – Skandal in Schwarz“ wimmelt es nur so von seltsamen Figuren, die allesamt ein falsches Spiel spielen und neben Vergewaltigung, Ehebruch, Mord und Erpressung lässt die haarsträubende Geschichte in diplomatischen Kreisen kaum etwas aus. Nach herkömmlichen Gesichtspunkten darf man „Blind Date“ ja nicht bewerten und es ist eigentlich völlig jenseitig, wie hier mit diesen Themen umgegangen wird. Antonio Bonifacios kleiner Reißer ist dann auch sicherlich nichts für feinsinnige Menschen und Moralaposteln, sondern eher ein Frontalangriff auf die niedrigen Instinkte des vorwiegend männlichen Zuschauers, bei dem ich mich natürlich gut unterhalten fühlte. Die Geschichte schüttelt alle paar Minuten mühelos eine neue Wendung aus dem Ärmel, bietet viel nackte Haut, Marina Hedmann in ihrer letzten Rolle und gegen Ende gibt es sogar einen billig gezimmerten Gore-Effekt, der wie der Rest dann ebenfalls völlig über die Stränge schlägt. Softsex-Filme aus der Entstehungs-Periode sind ja oftmals etwas fade, aber „Blind Date“ ist für den erfahrenen und geeichten Italo-Fan schon ein großer und geschmacksbefreiter Spaß, auch wenn die Qualität der DVD aus dem Hause „Donau Film“ doch etwas besser sein könnte.

Halloween Resurrection

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Ich kann ja nicht behaupten, dass ich nicht vorgewarnt wurde, aber selbst bei geringer oder gänzlich ohne Erwartungshaltung ist „Halloween Resurrection“ doch ein Teil der Reihe, der mit „entbehrlich“ noch am nettesten beschrieben ist. Schon die Einleitung ist leider nicht gelungen und wirft den Inhalt des respektablen und siebten Teils wieder komplett über den Haufen und auch alles andere hechelt ja doch ziemlich den damaligen Zeitgeist hinterher. Die Fake-Schnitzeljagd einer Handvoll Jugendlicher im Original-Myers-Haus für eine Internet-Sendung unter der Leitung von Busta Rhymes ist ja völlig doof und wirkt wie eine schlecht erdachte Mischung aus „Scream“, "Big Brother" und „Blair Witch Project“, die zu der Zeit nun einmal ziemlich erfolgreich waren. Doch hier ist alles eher schlecht zusammengeführt und die verwackelten Kamerabilder stehen auch nicht für Authentizität und Schnelligkeit, sondern sind einfach nur nervig und versuchen das schlechte Drehbuch zu verschleiern. Auch die Darsteller sind alles andere als herausragend und als Zuschauer fragt man sich heutzutage lediglich, wer von den mäßig talentierten Jungdarstellerinnen wohl die Weinstein’sche Besetzungscouch über sich ergehen lassen musste und warum es noch immer kein gesetzliches Schauspielverbot für Rapper gibt. Das ist dann aber schon das Interessanteste an dem Streifen, der zwar nicht langweilig oder ärgerlich, aber trotzdem so unnötig wie ein Kropf ist. „Halloween Resurrection“ braucht wohl kein Mensch und den seinerzeitigen und vorrübergehenden Abschluss der Reihe hätte man da wirklich besser gestalten können.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 12. Nov 2018, 20:59

Mindhunters

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Kurzweiliger, wenn auch arg konstruierter Thriller über eine Handvoll angehender Profiler, die auf einer abgelegenen Insel selbst ins Visier eines ominösen Serienkillers gelangen. „Mindhunters“ erinnert im Look natürlich an Filme wie „Das Schweigen der Lämmer“ oder auch „Sieben“ ist aber auf ein eher jüngeres Publikum zugeschnitten, dass es nicht ganz so düster, dafür umso turbulenter mag. Daher hält sich „Mindhunters“ auch nicht mit Nebensächlichkeiten oder so etwas wie psychologischen Tiefgang auf, sondern präsentiert sich als temporeiches Popcorn-Kino für die breite Masse, was in diesem Fall aber nicht etwas Schlechtes bedeuten muss. Regisseur Reny Harlin macht aus dem bisweilen etwas arg unglaubwürdigen Drehbuch jedenfalls einen durchaus funktionalen Spannungsfilm, der zwar mit einem Fuß im Trash steht, aber dabei durchaus gute Laune verbreitet. Mit hohen Tempo, überraschenden Wendungen und halbwegs sympathischen Charakteren werden die großen Logik-Löcher der Geschichte dezent überdeckt und ehe man sich versieht, ist man auch schon im Aha-Finale angelangt. Mittelprächtig, aber zumindest unterhaltsam.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 13. Nov 2018, 20:56

Melissa P. - Mit geschlossenen Augen

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Melissa ist 15, steckt mitten in der Pubertät und ist unsterblich in Daniele verliebt, der sich jedoch als ziemliches Arschloch entpuppt und das junge Mädchen bei einer Party sexuell ausnutzt. Doch Melissa hat nicht vor das Opfer zu sein und beschließt ihrerseits die Männer schlecht zu behandeln, was sich jedoch als Aufgabe nicht sonderlich leicht herausstellt, da sie dennoch weiter die Anerkennung ihres großen Schwarms sucht. Als ihre Oma als einzige Bezugsperson auch noch in ein Heim gesteckt wird und ihre beste Freundin sie hintergeht, ist Melissa am Boden zerstört und findet mit Sex den vermeintlichen schnellen Weg aus den zahllosen Schwierigkeiten einer Welt, die sie immer weniger versteht.

Luca Guadagnino ist ja momentan durch sein Remake von „Suspiria“ in den Fokus der Genre-Filmfans gerückt, während seine vorangegangenen Werke ja eher in Richtung schön gefilmte Arthouse-Dramen mit unaufgeregter Erzählweise gehen. Der im Jahr 2005 entstandene „Melissa P.“ ist wohl die Verfilmung eines in Italien sehr bekannten Romans, der das turbulente Seelenleben einer jungen Schülerin während der schwierigen Phase der Pubertät in den Fokus stellt. Dabei geht es um Themen wie erste Liebe, Familie, Bezugspersonen und erste Erfahrungen, die im Falle von Melissa größtenteils negativ sind. Als erwachsener Zuschauer schrillen ja auch gleich alle Warnsignale, wenn sich die junge Schülerin immer weiter in Situationen begibt, bei denen man im Vorfeld schon weiß, dass diese wohl nicht gut enden werden. Dennoch gehören schlechte Erfahrungen einfach auch zur Charakterbildung und mittlerweile ist unsere Gesellschaft ja auch schon so weit, dass man diese durch diverse Vorgaben gänzlich ausmerzen bzw. nachfolgenden Generationen ersparen möchte, was sich meines Erachtens immer mehr als falsch entpuppt. Dass sich Melissa aber bewusst diesen Situationen aussetzt bzw. sogar gezielt sucht, wird ja vielen Zuschauern nicht unbedingt gefallen und wirkt auf den ersten Blick auch fraglos etwas irritierend. Insofern wirkt der Streifen auch im Spannungsfeld von Beschützerinstinkt des Zuschauers und Selbstbestimmung der Hauptfigur und wirft dabei auch die Frage auf, ob nicht jeder Mensch das Recht auf schlechte Erfahrungen hat bzw. diese sogar in seinem Leben machen sollte. Puh... zum Glück hab ich keine Kinder in diesem Alter... ;) :angst:
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 14. Nov 2018, 19:49

Shoot 'em up

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Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich nicht unbedingt zur Zielgruppe von Filmen wie „Drive Angry“ oder auch „Crank“ zähle, aber gerade „Shoot em up“ ist doch wie ein Partyfilm einer Party, die ich gar nicht besuchen möchte. Es rummst und scheppert an allen Ecken ohne Rücksicht auf Logik oder Verluste, die Geschichte ist völlig gaga und auch sonst konnte ich mich gestern an dem turbulenten Werk so überhaupt nicht erfreuen. Zieht man die ganze Action-Sequenzen ab, bleibt hier ja unterm Strich gar nichts mehr übrig und der Versuch in den wenigen und ruhigeren Momenten des Streifens den drei Hauptcharakteren etwas Tiefe zu verleihen geht doch ziemlich in die Hose. Das stetige Bestreben alles Vorangegangene zu toppen gipfelt ja immer mehr in völlig haarsträubenden Momenten, die meines Erachtens die Grenze zur Lächerlichkeit mehrfach weit überschreiten. Naja, man kann schon verstehen, dass manche Mensche diese ganze Sause lustig finden kann, aber meine Baustelle ist das so überhaupt nicht.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Nov 2018, 20:12

Oscar

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Der cholerische Industrielle Bertrand Barnier wird eines Tages geweckt, da ein junger Angestellter seiner Firma eine wichtige Nachricht für ihn hat. Diese entpuppt sich als groß angelegte Betrugsaktion mit dem Ansuchen auf eine saftige Gehaltserhöhung, da der junge Mann namens Christian den Plan verfolgt, die Tochter von Bertrand zu ehelichen. Der Industrielle fällt aus allen Wolken und dabei ist das erst die erste von noch zahlreichen Hiobsbotschaften, die den mürrischen Mann an diesem Tage noch ereilen werden und reichen Mann und sein Umfeld ins absolute Chaos stürzen.

Unterhaltsame Verwechslungskomödie mit Louis de Funés in seiner Paraderolle als cholerischer Industrieller, der am frühen Morgen eines Tages in seinem schick eingerichteten Haus von allerlei schlechten Nachrichten ereilt wird, aus denen sich im Laufe eines Tages immer weitere Verwicklungen und Verstrickungen ergeben. Dabei fängt der Film relativ ruhig und harmlos an und entwickelt sich dann im Laufe von relativ kurz gehaltenen 82 Minuten zu einem wahren Inferno aus Situationskomik und anhaltenden Verwechslungen, bei denen unterschiedlichste Personen, zahlreiche Befindlichkeiten und mehrere Koffer mit unterschiedlichen Inhalt eine große Rolle spielen. Dabei ist alles sehr temporeich inszeniert und obwohl der Stoff und die Inszenierung ihren Ursprung im Theater nicht verleugnen können, so ist das alles sehr, sehr spaßig und Interior-technisch hübsch anzusehen. Natürlich ist „Oscar“ dabei auch voll und ganz auf seinen Hauptdarsteller zugeschnitten und das cholerische Getue wirkt auch manchmal etwas zu viel des Guten, aber im Falle dieser gelungenen Komödie war mir das ziemlich egal und dank kurzer Laufzeit, knackiger Inszenierung und dem durchdachten Drehbuch gehen dem Film auch bis zum Ende nicht die Ideen aus. Am lustigsten fand ich wie üblich auch ohnehin wieder einmal Claude Gensac als völlig verpeilte Industriellen-Gattin.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Nov 2018, 21:17

Scharfe Kurven für Madame

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Das sogenannte Septime ist ein erstklassiges Restaurant in Paris, dass von seinem gleichnamigen Besitzer mit strenger Hand geführt wird. Unbemerkt von den Gästen herrscht hinter den Kulissen durchaus Chaos, sodass der Lokalbesitzer eines Tages auf die Idee kommt, inkognito sein Lokal zu besuchen um herauszufinden, was seine Angestellten von ihm halten. Weiteres Ungemach kommt jedoch auf den Betreiber zu, als eines Tages ein hochrangiger Politiker nach der Explosion einer flambierten Torte spurlos aus dem Lokal verschwindet. Flugs steht Septime in Verdacht mit ausländischen Terroristen unter einer Decke zu stecken und wird von der Polizei überwacht, während er immer weiter in politische Verstrickungen hineingezogen wird.

Lahmarschige Mischung aus Gastro-Komödie und Agentenfilm-Parodie, die im Falle von „Scharfe Kurven für Madame“ auf wenig elegante Weise zusammengeführt werden. So wirkt das Ergebnis wie ein Film mit zwei sehr unterschiedlichen Hälften, wobei keine für sich irgendwie überzeugen kann. Louis de Funés grantelt sich zuerst durch den Gastronomie-Alltag, ehe der Film in Richtung Eurospy mit kleineren Slapstik-Einlagen geht, etwas mehr Action ins Spiel kommt und alles in einem turbulenten Finale in Val d’Isére gipfelt. Dennoch ist die Geschichte leider wenig spannend und auch größtenteils gar nicht witzig, wobei man natürlich schon das eine oder andere Mal schmunzeln kann. Aber kein Vergleich zu späteren Werken, die wesentlich stimmiger und auch bissiger daherkommen. „Scharfe Kurven für Madame“ ist schlecht gealtert, wirkt unausgegoren und über weite Strecken einfach zu bieder und zu brav, als dass man sich daran heutzutage noch groß daran erfreuen kann. Einzig die Szene mit der „Muskatnuss“ wird wohl in Erinnerung bleiben, den Rest hab ich hingegen gleich wieder vergessen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Nov 2018, 20:24

The Fog - Nebel des Grauens

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„The Fog“ ist ja schon ein Klassiker über den man nicht mehr groß diskutieren muss, auch wenn ich der Meinung bin, dass Carpenter hier eigentlich nicht alles richtig macht. Die Figuren bleiben doch etwas blass, das Grauen vage, der Nebel kommt und geht wie es ihm beliebt und spannend ist das Teil mit seinem jazzigen Easy-Listening-Gedudel ja irgendwie auch nicht sonderlich. Doch was dem Streifen hier etwas fehlt, macht er durch seine wohlige Gruselatmosphäre wieder wett und vor allem das Finale in der Kirche ist einfach nur großartig anzusehen. Irgendwie verbindet wohl jeder hier den „Nebel des Grauens“ mit einem seiner ersten Genre-Erfahrungen und der Film hat auch dazu beigetragen, dass ich mir immer schon einen eigenen Leuchtturm gewünscht habe. Ich mag den Film einfach sehr gerne und auf der neuen Blu-Ray-Disc sieht das Treiben in Antonio Bay einfach wunderbar aus und eine Bonus-Disc mit teilweise neu produziertem Zusatzmaterial gibt es auch noch.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 18. Nov 2018, 21:16

The Night comes for us

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Ito ist ein Elite-Auftragskiller, der für Triaden in asiatischen Raum den Mann fürs Grobe macht und gerade dabei ist, mit seinem Team ein brutales Exempel an einem Fischerdorf zu statuieren, als er seine bisherige Karriere überdenkt und ein junges Mädchen vor Tod durch sein Erschießungskommando rettet. Kurzerhand tötet er seine Männer und flieht mit dem Mädchen nch Indonesien, wo schon bald Herrscharen von Auftragskillern hinter dem Mann her, der nur kurzfristig bei Freunden untertauchen kann. Als er auch dort durch einen Verrat gefunden wird, hat das für alle Beteiligten fatale Konsequenzen, doch Ito ist kein Feind, der sich so einfach einschüchtern lässt und nimmt den schier aussichtslosen Kampf gegen die Gangster auf und erhält dabei auch unerwartete Unterstützung…

Herbe Schlachtplatte bzw. Splattergranate in Form eines indoesischen Actionfilms vom „Headshot“-Regisseur Timo Tjahjanto über einen Elite-Auftragskiller, der sich den Zorn seiner Auftraggeber zuzieht und der im Verlauf von zwei Stunden auch keine Gefangenen macht. Hier wird ein Action-Feuerwerk abgefackelt, dass es im Karton nur so rappelt, das Blut hektoliterweise über den Bildschirm spritzt und auch der Adrenalin-Spiegel des Zuschauers konstant sehr hoch gehalten wird. Doch im Gegensatz zum ähnlichen „The Raid“ hat mir hier die Mischung Action, Pathos und Splatter weit besser gemundet und „The Night comes for us“ sieht auch sehr hübsch aus und zeigt, dass die Macher wohl auch die Filme von Gaspar Noe und Nicolas Winding Refn gesehen haben und farbenfrohen Neon-Look ebenfalls zu schätzen wissen. Zwischen den durch-choreografierten Action-Sequenzen finden sich auch immer wieder etwas ruhigere Momente, die dem Werk und seinen Protagonisten zumindest einen Hauch von Tiefe verleihen und nicht nur in Richtung abgefilmtes Ego-Shooter-Action-Game gehen. Sicherlich ist „The Night comes for us“ dennoch ein reißerischer, oberflächlicher Film mit sehr plakativen Elementen, der eindeutig in Richtung „over-the-Top“ tendiert, aber herausgekommen ist durchaus unterhaltsames Popcorn-Action-Kino für Erwachsene, dass den Puls ganz ordentlich nach oben treibt und selbst einen geeichten Horrorfan wie mich angesichts der präsentierten Dauerfeuer-Schmoddritäten erstaunt zurücklässt. Und dass muss man auch erst einmal schaffen. Ist Action jetzt das neue Horror, oder wie? ;)

Ballad in Blood

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Nach einer orgiastischen Halloween-Fetish-Party in einer italienischen Kleinstadt feiern Jacopo und Duke in der Wohnung der beiden Ersamus-Studentinnen Lenka und Elisabeth, die Drogen und Alkohol ebenfalls nicht abgeneigt zu sein scheinen. Doch am nächsten Morgen liegt Elisabeth mit durchschnittener Kehle in ihrem Bett, während sich die restlichen drei dank Filmriss nicht mehr so richtig an die vorangegangenen Ereignisse erinnern können. Trotz des Leichnams verfällt jedoch niemand in Panik und so wird einerseits ein Plan geschmiedet, wie man Elisabeth los werden kann und andererseits auch der vorangegangene Abend samt Party-Besuch rekonstruiert, der zu dem grausamen Mord an der Austausch-Studentin führte…

Italienische Genre-Regisseure und ihre Spätwerke sind ja so ein Thema, über das man als Italo-philer Filmfan ja oftmals gerne den Mantel des Schweigens hüllt und auch „Ballad in Blood“ kann daran nicht großartig etwas ändern. Lose auf den Ereignissen von Amanda Knox basierend liefert uns Ruggero Deodato einen mau konstruierten Low-Budget-Thriller mit nervigen Charakteren, frisch aus der Rumpelkammer schlecht erdachter Klischeefiguren. So etwas wie „Ballad in Blood“ kommt wohl leider heraus, wenn man mit knapp 80 glaubt, noch einen Film über jugendliche Austausch-Studenten zu machen und dabei kein Fettnäpfen auslässt, dass sich hier thematisch bietet. Statt Spannung ist „Ballad in Blood“ auch eher unfreiwillig komisch und die wüsten Bilder von der Vorder- und Rückseite des Covers sieht man schon in den ersten Minuten und entpuppen sich als Bilder einer Fetisch-Halloween-Party, die von den vier Figuren besucht wird und kaum einen Bezug zum restlichen Film haben. Der Rest ist zwar freizügig, aber in Punkto Gewalt eher zurückhaltend und „Ballad in Blood“ hätte hierzulande wohl keine Probleme mit einer FSK-16-Freigabe zu kommen. Den billigen Look könnte man „Ballad in Blood“ ja noch verzeihen, aber die Figuren und die Geschichte sind hoffnungslos neben der Spur und auch der kleine Cameo-Auftritt des Regisseurs und viel Wohlwollen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich mit „Ballad in Blood“ weder die Leutchen vor, noch hinter der Kamera oder beim Soundtrack auch nur ansatzweise mit Ruhm bekleckert haben.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 19. Nov 2018, 20:23

Klute

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Der Privatdetektiv John Klute aus einer kleiner Provinzstadt soll das spurlose Verschwinden seines Jugendfreundes klären und landet durch den einzigen Hinweis bei einer Prostituierten Bree in New York. Diese soll von dem Verschwundenen vermeintlich obszöne Briefe erhalten haben und ihm auch begegnet sein. Doch die vermeintlich selbstbewusste Bree hat nach bereits erfolgten Polizei-Verhören wenig Interesse mit Klute zusammenzuarbeiten, was sich erst ändert, als sich das Callgirl zunehmend tatsächlich von einer unbekannten Person bedroht fühlt. Gemeinsam tauchen die beiden immer weiter ein in eine Welt aus käuflicher Liebe und während Klute schon bald weitere Hinweise findet, wird die gemeinsame Zeit mit dem introvertierten Privatdetektiv auch für Bree zur persönlichen Herausforderung bisherige Lebensentscheidungen zu überdenken und sich verdrängten Emotionen zu stellen.

Wunderbar vielschichtiges und noch schöner gefilmtes Thriller-Drama über das Verschwinden eines Technikers und einer einzigen Spur, die zu einem New-Yorker-Callgirl führt. Dabei ist die Thriller-Handlung ja für mein Empfinden ja eher nebensächlich und „Klute“ rückt auch eher die interessante Gefühlswelt des Callgirls in den Mittelpunkt und macht daraus ein unterkühltes Drama voller ambivalenter Figuren, die mit ihrem Leben und Trieben irgendwie nicht zurechtkommen und auch der teils verhuschte Soundtrack und die im Blickfeld eingeschränkten Bilder betonen eine kalte Großstadtwelt, in der sich die Figuren scheinbar schon längst verloren haben. Jane Fonda spielt jedenfalls absolut großartig, während Donald Sutherlands Figur kaum greifbar bleibt. Irgendwie bleiben alle Figuren distanziert und die Regie von Alan J. Pakula vermeidet es auch, das Geschehen auf irgendeine Weise moralisch zu werten. Eigentlich alles sehr, sehr spannend und progressiv für einen doch auch etwas irritierenden Streifen aus dem Jahr 1971 und ich bin auch ganz begeistert. Wäre so etwas wie „Klute“ nicht in den USA, sondern in Italien entstanden, wäre der Streifen vermutlich auch in meiner Giallo-Lieblings-Top-10, was in diesem Fall neben den vorangegangene Geschreibsel ja ebenfalls als absolute Empfehlung gelten darf.
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