Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 29. Aug 2018, 19:58

Overthrow - Söldner des Schreckens

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Der amerikanische Sportreporter John ist gemeinsam mit dem Fotografen Bob auf dem Weg zu einem Sport-Event in Rio, als dieser auf dem Transfer-Flughafen von Santa Domingo den Ex-CIA-Agenten Shaw erblickt, der dafür bekannt ist, in politischen Krisenherden zusätzliches Feuer zu entfachen. Spontan entscheidet John daher Rio zu canceln und dafür in dem krisengebeutelten und unsicheren Land zu bleiben, wo er in Kürze eine Revolution mit entsprechenden Schlagzeilen erwartet. Und tatsächlich scheint John mit seiner Vermutung recht zu haben, es kommt zu Anschlägen und Aufruhr und ehe sich die beiden Männer versehen sind sie auch schon mitten im Krieg zwischen Soldaten, Rebellen und Drogendealern…

Eigentlich ist „Overthrow – Söldner des Schreckens“ schon ein sehr seltsamer Film und Fabrizio De Angelis präsentiert hier irgendwie auf den ersten Blick ein völlig naiv erscheinendes Buddy-Movie mit zwei Journalisten-Knallchargen, die frohen Mutes im politischen Krisengebiet auf die große Explosion warten und sich dabei immer darauf verlassen, dass ihnen als Amerikaner ja ohnehin nix passieren kann. Tut es dann aber doch und der Zuschauer wird Zeuge, wie die beiden Männer abwechselnd von Regierungsbeamten, Rebellen, Drogendealern und sonstigen Zeitgenossen hops genommen, beschossen, verschleppt und/oder gefoltert werden. Dazwischen ist aber natürlich immer genug Zeit für ein Bier, Männergespräche und eine Zigarette, ehe man immer weiter in politische Intrigen vordringt und sich selbst in immer größere Gefahr bringt. Dabei weicht der leichtfüßige, sommerliche und draufgängerische Ton mit zunehmender Laufzeit immer mehr dramatischen Ereignissen und am Ende wird es dann auch tatsächlich ziemlich düster. Jedenfalls hätte ich mir nach dem fast schon komödiantischen Anfang nicht erwartet, dass Herr De Angelis dann doch noch eine andere Richtung und einen anderen Ton einschlägt und dabei auch auf etwaige Zuschauererwartungen wenig gibt. Insgesamt betrachtet liegen hier auch Licht und Schatten, Ernsthaftigkeit und Trash, Komödie und Drama ziemlich nah beieinander und wer außer den Italienern bekommt das schon so halbwegs unter einen Hut, ohne dass dabei der Unterhaltungsfaktor und das Kopfschütteln zu kurz kommt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 30. Aug 2018, 19:14

Abgeschminkt!

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Die Comic-Zeichnerin Frenzy steckt mitten in einer Lebenskrise und auch ihr Comic benötigt laut Aussage ihres Chefs dringend mehr Pep, Sex und sollte sich zur Abwechslung auch auf die positiven Seiten des Beziehungslebens konzentrieren. Frenzy hat jedoch nach einer Reihe von Enttäuschungen den Männern abgeschworen und da trifft es sich gut, dass ihre beste Freundin Maischa gerade eben den hübschen Rene kennengelernt hat und dabei jegliche Vernunft und Rationalität über Bord geworfen hat. Als sich Maischa also an einem Wochenende ihren Rene schnappen möchte, benötigt dieser jedoch eine Begleitung für seinen Kumpel Mark, der zur selben Zeit in der Stadt weilt und da hat Maischa spontan die Idee, ihre ihrer Meinung nach viel zu introvertierte und menschenscheue Freundin dafür einzuteilen…

Sieht man „Abgeschminkt“ von Katja von Garnier könnte man glatt meinen, dass es sich hier um einen deutschen Abklatsch von der Serie „Sex and the City“ handelt, die eigentlich ein sehr ähnliches bzw. das gleiche Konzept verfolgt. Doch „Abgeschminkt“ ist bereits fünf Jahr vor Serienstart entstanden und war seinerzeit „lediglich“ der knapp einstündige Abschlussfilm von Katja von Garnier für die Hochschule für Fernsehen und Film in München, der dann sogar erfolgreich im Kino gelaufen ist. Mit knapp 25 Jahren Abstand mag der Streifen mit Katja Riemann und Nina Kronjäger ja vielleicht nicht mehr ganz so originell erscheinen, aber seinerzeit war die Mischung aus frechen und sexuell freizügigen Dialogen, der schonungslose Blick auf die Männerwelt und die spaßige Umgang mit Geschlechterrollen ja schon sehr originell und witzig und ist ein sympathisches Stück deutscher Filmgeschichte, dass auch wenig dafür kann, dass die Kiste der frechen Beziehungskomödien mittlerweile von unzähligen Nachahmer im Film- und Serienformat zu Tode geritten wurde. Technisch ist der Film gut gemacht, flott erzählt und zwischen den witzigen Dialogen und überzeichneten Momenten präsentiert Katja von Garnier zwei gut aufgelegte Darstellerinnen, weibliches Selbstbewusstsein, jede Menge Wahrheiten und erinnerungswürdige Momente. Von mir aus hätte der gut noch eine halbe Stunde länger dauern können. Ein schönes Wiedersehen!

Der schönste Busen der Welt

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Simon Perelstein ist ein smarter Geschäftsmann in der Bierbranche, der eines Tages im Fahrstuhl eines Hotels eine schicksalhafte Begegnung hat. Ein zufälliger Zusammenstoß mit der von allen unterschätzten PR-Agentin Jeanette Apfel hat zur Folge, dass deren üppiger Vorbau auf Simon wechselt. Der ist natürlich über seine Brüste zuerst nicht sonderlich erfreut, arrangiert sich aber wenig später mit seiner Anatomie, nachdem er überall nur Komplimente für seinen Busen bekommt. Mit dem neuen Selbstbewusstsein kommt auch der Erfolg, doch schon wenig später führt das Schicksal die beiden Personen im Fahrstuhl mit neuerlich unberechenbaren Konsequenzen zusammen…

Halblustiger Kurzfilm von Rainer Kaufmann, der ja im Double mit „Abgeschminkt“ gezeigt wurde und auch gemeinsam auf DVD veröffentlicht wurde. „Der schönste Busen der Welt“ ist aber genau das, was man vor einem Film wie „Abgeschminkt“ aber eigentlich nicht sehen möchte und präsentiert einen auf 15 Minuten gestreckten Männerwitz, der Charme und Ironie meines Erachtens völlig vermissen lässt. Außerdem wirkt der Streifen auch so, als ob er wild zusammengeschnippelt wurde und dann noch auf „Fast Forward“ wiedergegeben wird. Die Handlung wirkt gehetzt und meinen Geschmack hat der Streifen jedenfalls nicht getroffen. Wer Tittenwitze mag, kann ja mal einen Blick riskieren, aber ich fand den trotz bekannter Gesichter jedenfalls ziemlich doof. So ganz getreu dem Motto, dass eine Frau nicht gleichzeitig weiblich und erfolgreich sein bzw. die Karrieremöglichkeit steigt umgekehrt proportional wie die Körbchengröße sinkt. Also ziemlich doof, völlig gestrig und auf den Stammtisch gestrickt. Spannend wäre eventuell nur, was Herr Cronenberg aus der ähm... Bodyhorror-Geschichte so alles gemacht hätte. So ist das aber nix!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 31. Aug 2018, 19:46

The Wiz - Das zauberhafte Land

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Die introvertierte Dorothy ist Lehrerin und lebt lieber ein ruhiges Leben in der Vorstadt bei ihrer Tante, anstatt die Welt und neue Leute kennenzulernen. Eines Tages wird sie aber unvermittelt aus ihrem beschaulichen Leben gerissen, als sie gemeinsam mit ihrem Hund Toto in einen Schneesturm gerät und sich an einem fernen und magischen Ort wiederfindet. Dort gerät sie geradewegs in ein Abenteuer aus bösen Hexen, guten Feen und findet unerwartet neue Freunde, die ihr auf der Suche nach dem Weg nach Hause zur Seite stehen. Denn helfen kann Dorothy nur der Zauberer von Oz, der mit seinem Gefolge in Emerald City lebt und noch von keinem gesehen wurde und der Weg in die Stadt ist mit vielen Gefahren verbunden, die es zu bewältigen gibt.

Ach, was hätte man aus „The Wiz“ wohl nicht alles machen können. Von der „Coming-of-Age“-Geschichte über eine junge Frau, die in der Großstadt ihren Platz finden muss, oder von mir aus auch eine erwachsene Neuinterpretation des wunderbaren Technicolor-Films aus dem Jahr 1939 mit Antirassismus-Message, bis hin zum sexy Pop-Soul-Blaxploitation-Musical, bei dem einen Hören und Sehen vergehen könnte. Aber „The Wiz“ ist alles nur im Ansatz und so gut der Streifen mit seinen tollen Kostümen, Tanzszenen und Effekten auch aussieht, so lahm sind hier leider die Geschichte und die Musik, die wie B-Ware aus irgendwelchen Broadway-Stücken wirkt und niemanden vom Hocker reißen wird. Gesanglich bleiben sowohl Diana Ross, als auch Michael Jackson meines Erachtens weit hinter ihren Möglichkeiten zurück und die von Quincy Jones produzierte Musik aus dem Hause Motown fand ich mehr als überraschend mau und noch weniger eingängig. Auch inhaltlich fehlt dem eher dramatisch gehaltenen Geschehen irgendwie der Witz und Charme und die Suche nach dem Magier kommt nie so richtig in die Puschen und wirkt mit seinem abrupten Ende auch nicht fertig erzählt. Dem gegenüber stehen dann wieder wirklich wunderbare Momente wie die fulminanten Tanzszenen am Ende, bei der keine Kosten und Mühen gescheut wurden oder auch die beeindruckenden Kulissen und Drehorte, sowie die herrliche skurril-scary U-Bahn-Szene, die man schon gesehen haben sollte. Insgesamt bleibt „The Wiz“ aber meines Erachtens weit hinter den Möglichkeiten zurück und hier fehlen einfach die Herzlichkeit, die Fröhlichkeit, der Kitsch und auch der Mut, mal kurzerhand einen absoluten Klassiker der Filmgeschichte toppen zu wollen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 1. Sep 2018, 19:19

Alice, sweet Alice / Communion - Messe des Grauens

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Ich muss ja ehrlich gestehen, dass mich der Steifen irgendwie ja schon seit der ersten Sichtung verfolgt und „Alice, sweet Alice“ ist ja auch ein Streifen, der den Zuschauer mit seiner ungewöhnlichen Mischung aus Drama, Slasher und Psycho-Thriller schon irgendwie nachhaltig zu verstören vermag. Hier kommt mit dem Mord an einem Kind, der verstörten Seele eines weiteren Kindes und religiösem Eifer und seinen Konsequenzen auch so einiges zusammen und veraltete treffen auf moderate Moralvorstellungen in einer authentischen und heruntergekommenen Sechzigerjahre-Atmosphäre, die ebenfalls stets sehr authentisch und glaubhaft wirkt. Dazu kommen auch noch sehr gute Schauspieler, lebendige Figuren, regnerische Vorstadt-Settings und eine eher ungewöhnliche Erzählweise, die nach der Reihe unterschiedliche Personen in seinen Fokus stellt. Die Auflösung erfolgt für Slasher-Verhältnisse auch vergleichsweise früh und dennoch verliert der gelungene und sehr dramatisch gehaltene Streifen nichts von seiner Spannung. Ja, der Herr Sole hat hier schon vieles richtig gemacht und auch das Abschlussbild lässt den Zuschauer mit dem unbestimmten, wie unbequemen Gefühl zurück, dass die Geschichte von Alice hier auch noch nicht fertig erzählt ist. Toller Früh-Slasher, jenseits etwaiger Teenager-Befindlichkeiten, der mit jeder Sichtungs wächst und auch weit besser ist, als Artwork und Titel auf den ersten Blick vermuten lässt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 2. Sep 2018, 19:21

High-Rise

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Irgendwie scheine ich mich ja lange vor „High Rise“ gedrückt zu haben und seit gestern gehöre ich auch eher zur Fraktion von Adalmar und Dän, die mit der Dystopie eher nicht so viel anfangen konnten. Dabei wären die Bilder und der Look eigentlich fantastisch und auch die Musik ebenfalls super, aber die Figuren und das Geschehen ließen mich ehrlich gesagt gänzlich unberührt. Außerdem fand ich es auch nicht so ideal, dass die Eskalationsstufe einfach übersprungen wurde und so befindet man sich nach kleineren Mietshaus-Reibereien in der ersten Hälfte in der zweiten auf einmal mitten in einer Allegorie aus erbitterten Klassenkampf, Kolonialisierung und einem Abgesang auf menschliche Werte, die an den Untergang vergangener Zivilisationen erinnern. Als Zuschauer ist das zwar bitterböse und schwarzhumorig anzusehen, aber kaum fesselnd und noch weniger nachzuvollziehen. Die unbequemen Wahrheiten des Lebens fand ich in „Snowpiercer“ z. B. wesentlich besser präsentiert und fesselnder erzählt. Hier hingegen setzt man eher auf Übersättigung durch ständige Reizüberflutung, schnellen Schnitten und Verstörung, was jedoch bei mir nicht funktioniert hat, da mir persönlich zumindest ein Charakter als Anknüpfpunkt gefehlt hat und ich vermutlich auch durch das schicke Interior ständig abgelenkt war. So war mir „High Rise“ auch zu bemüht kunstvoll als Kritik zum gängigen Kapitalismus konstruiert bzw. ein hübsch anzuschauendes Gedankenexperiment in wunderbar retro-futuristischer Kulisse, das trotzdem irgendwie entglitten zu sein scheint.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 3. Sep 2018, 20:24

Female Trouble

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Ich weiß ja nicht, ob John Waters damals schon visionär die aktuelle Medienlandschaft mit ihren Trash-Sternchen im Sinn hatte, als er im Jahr 1974 die spektakuläre „Karriere“ der Dawn Davenport in „Female Trouble“ verfilmte. Auch Dawn hat zwar keine Ausbildung und noch weniger Talent, dafür aber umso weniger Hemmungen und moralische Grenzen um berühmt zu werden und in die Geschichte Amerikas einzugehen. In mehreren Episoden aus den Jugendtagen, den Ehejahren bis hin zur fatalen Begegnung mit einem ambitionierten Pärchen, dass Kunst und Schönheit auf ein nächstes Level stellen möchte, zeigt „Female Troube“ auf stets völlig jenseitige und haarsträubende Weise eine Erfolgsgeschichte der etwas anderen Art, die geradewegs am elektrischen Stuhl endet. Dabei mag der Nachfolger von „Pink Flamingos“ nicht mehr ganz so abgeschmackt und hat auch weniger episodenhafte Ereignisse, aber zartbesaiteten Gemütern wird das Geschehen hier wohl ebenfalls zu viel des Guten sein. Da werden im Ehebett die Kombizange ausgepackt, Gesichter mit Säure verätzt, Kinder mit der Autoantenne erzogen und unliebsame Feinde kurzerhand zur Unterhaltung in den Vogelkäfig gesteckt. Aber alles stets auf so unterhaltsame und überdrehte Weise und dem Hinterteil in Richtung Publikum, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Dass ein Label wie Criterion aber so etwas wie „Female Troubles“ dann noch wunderbar restauriert als Special Edition herausbringt, hätte sich wohl auch der Regisseur am Anfang seiner Karriere aber nicht träumen lassen. Super!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 4. Sep 2018, 19:39

Das Neunte Herz

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Student Martin ist nicht nur ein lebensfroher Draufgänger, sondern auch in Besitz eines Mantels, der ihn unsichtbar macht, wenn wieder einmal wie so oft Gefahr oder Ungemach droht. Als er eines Tages auf eine Gruppe von Schaustellern trifft, verliebt er sich nicht nur sofort in Toncka, sondern erfährt von der Gruppe auch von der mysteriösen Geschichte der örtlichen Prinzessin Adriena. Diese ist scheinbar von einem Fluch belegt, der die hübsche Prinzessin apathisch und antriebslos macht und alle Versuche, die Ursache zu ergründen, blieben bislang erfolglos und hatten zur Folge, dass acht junge Männer spurlos verschwanden. Als Martin durch Zechprellerei und sonstige Vergehen eine lange Strafe im Kerker droht, beschließt er kurzerhand auf das Angebot des Königs einzugehen, als neunter Kandidat hinter das Geheimnis zu kommen und begibt sich mit dem Hofnarr auf eine gefährliche Reise durch Raum und Zeit.

Der werte Salvschi hat ja kürzlich im Fred von „Die Jungfrau und das Ungeheuer“ auch den Nachfolgefilm „Das Neunte Herz“ wohlwollend erwähnt und auch wenn der 1979 entstandene Streifen am deutschen Cover mit „Der große tschechische Märchenfilm“ beworben wird, so hat sich vor meinen Augen wieder gar Sonderbares abgespielt. Schon das wunderbar animierte Intro gibt die eher morbide Richtung des ganzen Films vor und nach dem turbulenten Beginn mit seinen eher komödiantischen Zügen, landet der Zuschauer wie auch der mutige Student unvermittelt in einer fremden Welt eines bösen Alchimisten, der die Geheimnisse des Lebens und der Zeit entschlüsselt hat und finstere Pläne verfolgt. Aber nicht erst ab diesem Momenten verlässt der Streifen vermeintlich ausgetretene Märchenfilm-Pfade, sondern auch schon vorher wirkt das ganze Geschehen mit seinen Figuren schon immer etwas entrückt und surrealistisch und so gar nicht, wie man sich vielleicht einen harmlosen Film mit fantastischen Elementen und FSK 6-Freigabe so vorstellen würde. Alles in allem ein sehr ungewöhnlicher Ausflug in eine fremde, magisch-inspirierte Welt, die ich natürlich nicht bereut habe, auch wenn das auf den ersten Blick eigentlich nicht so meine Baustelle ist und ich E.T.A. Hoffmann auch erst einmal googeln musste. Ich sollte aber wohl wirklich wieder mehr tschechische Filme gucken.

Hier das bereits erwähnte, sehenswerte und von Jan Svankajer animierte Intro:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Sep 2018, 19:19

Desecration

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Nach dem schrecklichen Unfalltod einer Nonne im Garten eines katholischen Internats, der von dem sechzehnjährigen Bobby verursacht wurde, geschehen in der Schule merkwürdige Dinge. Mehrere Nonnen verschwinden oder sterben auf furchtbare Weise und unter fragwürdigen Umständen und auch Bobby wird mehr und mehr in übernatürliche Ereignisse verstrickt. Freunde verschwinden in Erdlöchern, Bilder verändern ihre Züge und selbst der freundliche Klassenlehrer bekommt diabolische Züge. Der Junge verstrickt sich immer weiter in einem Alptraum, der mit dem frühen Tod seiner Mutter zusammenhängt und aus dem es scheinbar auch kein Erwachen gibt.

Mit „Desecration“ hat Dante Tomaselli ein Low-Budget-Regie-Debüt gedreht, das bei Genre-Fans auch generell gut aufgenommen wurde, selbst wenn hier so etwas wie eine stringente Geschichte gar nicht präsent ist und das ganze Szenario eher wie ein einziger, sehr langer und vielleicht auch etwas überladener Alptraum mit allerlei religiöser Symbolik erscheint. Obwohl das Werk im Jahr 1999 in den Staaten gedreht wurde, erinnert „Desecation“ auch mehr an europäische Exploitationfilme aus den Siebzigern und bietet surreale, unheilvolle und blutige Momente, die dem Zuschauer ohne nähere Erklärungen vor die Füße geworfen werden. Natürlich merkt man dem Streifen sein geringes Budget an und manchmal wirkt „Desecration“ auch etwas zu überambitioniert unheilschwanger, aber insgesamt ist Tomasellis Debüt für den aufgeschlossenen Fan schon ein lohnendes Ereignis, dass vor allem durch seine fiebertraum-artige Struktur begeistert. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich gleich von Beginn von Dingen wie herkömmliche Sehgewohnheiten, Logik und durchgängige Erzählstrukturen lösen kann und auch nichts gegen eine kostengünstige Machart und den üblichen Schwächen aus der Low-Budget-Ecke hat. Die Ländercode-freie US-Blu-Ray-Disc aus dem Hause Code Red bietet den Streifen aber leider in eher bescheidener Qualität, nachdem die Original-Bänder wohl trotz Mitarbeit des Regisseurs nicht mehr verfügbar waren.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Sep 2018, 19:05

Horror

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Mit „Horror“ geht Indie-Regisseur Dante Tomaselli ja konsequent den Weg weiter, den er bereits mit „Desecration“ beschritten hat und nimmt eigentlich noch weniger Rücksicht auf lineare Erzählstrukturen und Logik. Hier verbindet er quasi zwei miteinander verwobene Handlungsstränge über die Tochter eines Priesters und fünf jugendlichen Kriminellen auf der Flucht, der bereits von Beginn an sehr unheilschwanger daherkommt. Dabei besteht „Horror“ aus einer Aneinanderreihung von unheimlichen, alptraumhaften und mysteriösen Momenten und es kommt wohl auf die Fähigkeit des Zuschauers drauf an, ob sich dieser auf die fragmentarisch erzählte Geschichte mit seinen mehr als merkwürdigen Ereignissen einzulassen vermag. An den Bildern gibt es wieder wenig zu meckern und trotz des knappen Budgets wirken die Settings inklusive verschneiter Gegenden sehr passend und bedrohlich. Darstellerisch gib es auch wenig zu meckern und der Streifen bietet George Joseph Kresge, der es anscheinend als Mentalist in den Siebzigern zu Ruhm gebracht als unheimlichen Pastor hat und auch Felissa Rose vom ersten „Schlafdichweg-Camp“ schaut auf einen Sprung vorbei. Dieser verfilmte Alptraum ist schon sehr nett, aber auch sehr indie und Low-Budget und wird den Mainstream-Horrorfan daher auch eher nur begrenzt ansprechen. PS: Ich will jetzt auch einen diabolischen Ziegenbock!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Sep 2018, 20:14

Muppet's Die Schatzinsel

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Der Waisenjunge Jim arbeitet mit seinen Freunden Gonzo und Rizzo in der üblen Spelunke von Mrs. Bluveridge, in der auch der alternde Pirat Billy Bones seinen Ruhestand genießt und im Rum-Rausch von seinen großen Abenteuern und versteckten Schätzen erzählt. Als dieser eines Tages von gewaltbereiten Piraten aufgesucht wird, drückt er Jim noch rasch vor seinem Ableben eine Schatzkarte in die Hand, die den Weg zu einem gigantischen Schatz weisen soll. Mit der Karte und der Hilfe des etwas seltsamen Seemanns Fozzy heuert Jim daraufhin auch eine erfahrene Mannschaft inklusive Kermit den Frosch als Kapitän an um das Gold zu holen, nichtsahnend dass ihm eine Horde von Piraten bereits näher als ihm lieb ist…

Die turbulente Muppet-Truppe in einem musikalischen Piraten-Abenteuer frei nach „Die Schatzinsel“ in der natürlich wie üblich kaum ein Auge trocken bleibt. Die Geschichte ist ja altbekannt und rasch erzählt und bietet auch wieder viel Platz für viel Puppen-Humor und schmissige Songs. Leider stehen hier jedoch nicht unbedingt die Puppen, sondern eher die menschlichen Darsteller im Vordergrund, was ich etwas schade fand. Wenn ich einen Muppet-Film sehe, will ich natürlich die üblichen Verdächtigen und die Rolle von Kermit und Miss Piggy sind einfach viel zu klein ausgefallen und auch die restlichen Figuren kommen meines Erachtens durch die vorgegebenen Rollen einfach etwas zu kurz. Ansonsten gibt es aber die übliche Mischung aus detailverliebter Ausstattung, fantasievollen Puppen und jeder Menge familienfreundlicher Gags für eine größtmögliche Zielgruppe, bei der mir persönlich aber etwas die herzliche Note gefehlt hat. Die Songs sind aber schmissig und gehen ins Ohr und auch die Handlung wird immer hübsch nach vorne getrieben, sodass man 90 Minuten ohnehin nicht zum Verschnaufen kommt. Wie immer eine unterhaltsame Sache, auch wenn „Die Schatzinsel“ sicher nicht zu den besten Muppet-Filmen zählt.
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