Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 29. Jul 2018, 19:27

Hotel Transsilvanien 2

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Nachdem das Hotel für Monster in Transsilvanien mittlerweile auch Menschen zugänglich ist und die Vampir-Tochter Mavie ihren Menschenjungen Jonathan geheiratet hat, dauert es nicht lange, bis dem Vampir-Grafen Drak weitere Neuigkeiten ins Haus stehen. Mavis ist schwanger und bekommt einen Jungen namens Davis, der nach alter Familientradition natürlich auch wie ein Vampir erzogen werden soll. Doch bis zum fünften Lebensjahr und der Entwicklung von spitzen Eckzähnen ist es nicht klar, ob aus Dennis ein Vampir oder Mensch wird und während Drak versucht, aus dem Jungen einen Blutsauger zu machen, planen dessen Eltern aber bereits den Umzug nach Kalifornien, falls dieser auf die andere Seite schlagen sollte. Die Lage spitzt sich aber noch weiter zu, als auch noch der konservative Urgroßvater Vlad ins Spiel kommt, der bis dato noch nicht einmal eine Ahnung hat, dass Vampire und Menschen auf friedliche Weise koexistieren können.

Auch die Fortsetzung des Animationshits aus dem Hause Sony setzt erneut auf bekannte Themen wie „Coming of Age“ und „Culture Clash“ und bietet erneut das Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Welten im fernen Transsilvanien. Aus der jungen Paar Mavis und Jonathan sind stolze Eltern geworden und der kleine Dennis scheint zum Missfallen von Opa Drak eher in die menschliche Richtung zu schlagen, was mit einem geschickt eingefädelten Plan verhindert werden soll. Dabei geht es unter anderem auch um Themen wie Selbstbestimmung, die hier aber immer auf humorvolle und augenzwinkernde Weise gelöst werden. Im Gegensatz zum ersten Teil wird auch das Tempo angezogen und den Nebenfiguren wie Frankenstein, dem Mumien-Monster und dem Werwolf mehr Platz und Gags eingeräumt. Insgesamt ist der Nachfolger eigentlich fast noch einen Ticken unterhaltsamer als der Auftakt und sowohl kleine, wie große Kinder kommen hier trotz des erwartungsgemäß versöhnlichen Endes auf ihre jeweiligen Kosten.

Dark Tourist – Ep. 4 (Ex-UdSSR)

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Auch Teil 4 ist eigentlich inhaltlich eine ziemliche Katastrophe und bringt den Neuseeländer David Farrier in die abgeschiedenen und streng geführten Staaten der Ex-UdSSR, wo dieser ein Ex-Atomtest-Areal besucht, einen Raketenstart verfolgt und letzten Endes in Turkmenistan landet, dass neben Nord-Korea zu den isoliertesten Land der Welt zählt. Dabei gibt es zwar durchaus beeindruckende Bilder, aber abermals einen ganz schlechten journalistischen Stil, der dem Zuschauer auch keine Möglichkeit lässt, die präsentierten Bilder und den selbstverliebt-zynischen Kommentare auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Ich nehme David Farrier seine bisweilen sehr banalen Erlebnisse (was hat z. B. ein Raketenstart mit Katastrophen-Tourismus zu tun) jedenfalls nicht ab und vor allem die Erlebnisse in Turkmenistan wirken von vorne bis hinten völlig unglaubwürdig und werden zudem noch ganz tendenziös präsentiert. Statt halbwegs seriösen Journalismus über die durchaus bestehenden Abgründe von weltweitem Tourismus, gibt es hier einen sehr effektheischenden Youtube-Stil und ein offensichtliches Story-Telling, dass stets eine sehr einseitige Sicht der Dinge präsentiert und voll und ganz auf ein sehr naives Publikum zugeschnitten ist.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 30. Jul 2018, 19:48

God's own Country

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Johnny lebt irgendwo in englischen Nirgendwo in Yorkshire und muss sich seit dem Schlaganfall seines Vaters um die Vieh-Landwirtschaft der Familie kümmern. Doch dieses Leben zwischen Einsamkeit und schwerer Schufterei hat aus den jungen Mann ein seelisches Wrack gemacht, dass sich jeden Tag grundlos betrinkt, feindselig auf seine Umwelt reagiert und als sein Vater einen rumänischen Tagelöhner Gheorghe anheuert, wird auch dieser zunächst Opfer von Johnnys Launen. Als die Beiden jedoch zusammen für ein paar Tage in die Einöde fahren um sich um eine Schafherde zu kümmern spürt er an Gheorges Seite erstmalig die Geborgenheit, die ihm bislang in seinem Leben gefehlt hat…

Francis Lees Streifen über zwei Homosexuelle in der kargen Landschaft von Yorkshire hat ja international ziemlich abgeräumt und wird auch immer wieder mit „Brokeback Mountain“ verglichen, obwohl die beiden Filme imho außer dem landwirtschaftlichen Setting ja inhaltlich eigentich nicht so viel miteinander gemeinsam haben. Im Falle von „God’s own Country“ ist es auch weniger die Gesellschaft oder eine feindselige Umgebung, die der Beziehung zweier Männer im Wege steht, sondern hier ist es die zentrale Hauptfigur selbst, die dem Glück im Wege stehen. Dabei ist Francis Lee nicht nur ein ruhiger, unaufgeregter und wortkarges Drama gelungen, sondern auch ein intimes Portrait eines vereinsamten und verbitterten Landwirts und ein Film über die wunderbare Kraft der Liebe, die selbst im abgeschiedenen Winkel der Erde noch das Leben zweier Menschen und die unwirtliche Gegend erleuchten kann. Ein ruhiger, wunderbarer Film, der authentisch und ehrlich wirkt, mit seinem landwirtschaftlichen Setting und Figuren überrascht und den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.

Dark Tourist – Ep. 5 (Europa)

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Hach, irgendwie habe ich mir ja gar nix anderes erwartet und auch der Trip nach Europa ist ebenfalls nicht sonderlich prickelnd ausgefallen und hat mit dem Thema Katastrophentourismus für mein Empfinden auch nur ansatzweise etwas gemein. Zuerst führt die Reise nach England, wo David Farrier an einem Wochenende auf eine Art Cosplay-Convention für Kriegs- und Geschichtsinteressierte teilnimmt. Also eine Art Heeresmanöver für Leute, die mit ursprünglichen Kostümen und Platzpatronen diesen Teil der Geschichte nachspielen und dabei wird natürlich prompt die Nazikeule ausgepackt. Danach geht es weiter in das „Museum“ eines weiteren Engländers, der sich auf Mörder, Verbrechen und sonstige Dinge spezialisiert hat und dabei ein ähnlich journalistisches Verständnis wie Farrier an den Tag legt und bei dem es hauptsächlich um die Glaubwürdigkeit der Exponate geht. Wen interessiert auch die Glaubwürdigkeit, wenn der Showfaktor stimmt? Im dritten Teil geht es dann auf die geteilte Insel Zypern, wo Farrier gerne den von unterschiedlichen Truppen gesperrten Teil der Stadt Famagusta besuchen möchte um dann ganz überrascht festzustellen, dass dieses nicht so einfach möglich ist und man UN-Schutztruppen und türkisches Militär dabei auch eher nicht filmen sollte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 31. Jul 2018, 19:53

Wäre die Welt mein

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Der junge Timothy ist als offen schwul lebender Schüler der Außenseiter in seiner Schule seiner konservativen Heimatstadt, in der vorwiegend Rugby gespielt wird und auf Moral und Anstand Wert gelegt wird. Als die Abschlussklasse jedoch Shakespeares „Sommernachtstraum“ aufführen soll, bekommt er von der etwas entrückten Philosophielehrerin die Hauptrolle und entdeckt durch den Roman einen Zaubertrank, mit dem er die Menschen in seiner Umgebung kurzfristig in Homosexuelle verwandeln kann. Als er wieder einmal gemobbt wird und auch seine alleinerziehende Mutter Probleme wegen seiner Lebensweise bekommt, nutzt er seinen Trank und die Gunst der Stunde um die ganze Stadt einmal so richtig im homosexuellen Chaos versinken zu lassen…

Eigentlich hat „Wäre die Welt mein“ ja eine lustige Story und auch noch ein paar tolle Songs, aber der Rest dieses „Coming-of-Age“-Fantasy-Musicals wirkt trotz seiner von Shakespears „Sommernachtstraum“ inspirierter Highschool-Geschichte doch ziemlich altbacken und hat nur in seinen besten Momenten den Charme, den man sich eigentlich für ein derartiges Werk wünschen würde. Der Rest ist eine aus bekannten Versatzstücken erdachte Mischung aus Mobbing-Geschichte, einer Prise Fantasy und Gay-Musical, dass irgendwie nie so richtig in die Puschen kommt und sich auch eher an ein schwules Publikum richtet. Die Figuren bleiben allesamt recht blass und weder die erwartbare Love-Story, noch die restlichen Handlungsstränge können überzeugen. Zwar ist das Ende dann doch versöhnlich und die Musik-Nummer "Pyramus and Thisby" rockt wirklich ziemlich die Hütte, aber jedes Mal wenn die Musik wieder verstummt ist „Wäre die Welt mein“ ein sehr konventionelles und kaum überraschendes Werk aus der Gay-Kiste, das für meinen Geschmack stets etwas zu sehr auf Nummer sicher geht.

Ep. 5 (Süd-Ostasien)

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Mit der fünften Episode ist David Farrier endgültig beim Mondo-Genre angekommen und geht der Frage nach, ob man in Kambodscha als Tourist für Geld Tiere mit der Bazooka wegpusten kann, fährt von der Regierung bewacht in eine menschenleere Touristenstadt in Myanmar und besucht ein bizarres Begräbnis-Ritual inklusive Schlachtungen irgendwie in Sri Lanka. Vor allem die letzte Episode erinnert dann an die unzähligen und Sensations-heischenden Filme a la „Mondo Cane“ oder „Shocking Asia“, die dem staunenden Publikum vor einigen Jahrzehnten Kuriositäten aus aller Welt näher brachte und dabei auch die Grenzen des guten Geschmacks ausloteten. Hier – und das muss ich Farrier doch anrechnen – bleibt der neuseeländische Journalist aber stets zurückhaltend und zeigt im Gegensatz zu vorangegangenen Folgen auch Respekt vor der fremden Kultur und verzichtet auch auf zu grafische Bilder, die sich hier sicherlich zur Genüge geboten hätten. Wären auch die anderen Folgen so und würde nicht ständig das Wort „Katastrophen-Tourismus“ falsch verwendet, hätte man „Dark Tourist“ ja durchaus interessant finden können.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 1. Aug 2018, 20:05

Die Addams Family

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jogiwan hat geschrieben:Unterhaltsame und temporeiche Komödie über die liebenswerten Addams, die zwar auf den ersten Blick sehr familientauglich daherkommt, aber bei der auch in zahlreichen Szenen immer wieder ein hübsch schwarzer und schelmischer Humor durchblitzt. Die Geschichte über das verlorene Familienmitglied des morbiden Clans ist jedenfalls recht flott und mit hübschen Kulissen in Szene gesetzt und bei den Darstellern gibt es auch nichts zu bemängeln. Barry Sonnenfelds Streifen ist dann auch so sympathisch ausgefallen, dass man ihm seine Anbiederung an den Mainstream auch gerne verzeiht und sowieso und überhaupt zählt der Streifen wie auch sein Sequel zum Besten, was die Kiste der braven Gruselkomödien so hergibt.


Ja, der macht noch immer Spaß - selbst bei Temperaturen um die 30 Grad. Und wo sieht man den sonst schon mal Blutfontänen im japanischen Stil in einem Familienfilm mit FSK12-Freigabe? :pfeif:
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 2. Aug 2018, 18:56

Ein Fall für Cleopatra Jones

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Cleopatra Jones ist eine schwarze Superagentin, die nicht lange fackelt, wenn es darum geht die amerikanischen Straßen drogenfrei zu halten. Als sie eines Tages dafür sorgt, dass in der Türkei ein Mohnblumenfeld für die Kokainproduktion weggebombt (!) wird, zieht sie sich den Zorn der amerikanischen Mafia-Patin Mommy zu, die dafür sorgt, dass ihr Herzensprojekt, ein Anti-Drogenprojekt für schwarze Junkies von der Straße von der korrupten Polizei auseinandergenommen wird. Doch Alexandra ahnt, dass mehr hinter der ganzen Sache steckt und mit tatkräftiger Unterstützung ihrer zahlreichen Freunde kommt es zum unvermeidlichen Kampf Gut gegen Böse.

Großartiger Blaxploitation-Film, der eine Art weiblichen James Bond präsentiert, die nicht nur mit Verbrechner kurzen Prozess macht, sondern sich dabei auch stets betont feminin präsentiert. Die 1,88 große Tamara Dobson ist ja schon eine wie eindrucksvolle Erscheinung und der Streifen „Cleopatra Jones“ ist auch voll und ganz auf die hübsche Dame zugeschnitten, die im Fall des Falles auch bei der Verfolgungsjagd, bei der Schießerei, am Motorrad und im Martial-Arts-Zweikampf stets eine sehr gute Figur macht. Die Geschichte über ein Drogenkartell samt der lesbischen Bösewichtin Shelley Winters wirkt eigentlich völlig überzogen und ist auch wenig zimperlich, macht aber großen Spaß und bietet eigentlich alles, was ich mich persönlich in einem Blaxploitation-Streifen erwarte. Die Figuren sind charmant, die Sprüche flott, die Action stimmt und auch der Soundtrack groovt stets angenehm dahin, während unsere selbstbewusste wie resolute Superheldin im Designer-Outfit auch in der aussichtslosesten Situation nicht die Selbstbeherrschung oder die Kontrolle verliert, böse Jungs zur Strecke bringt und dabei ganz gehörig die Unterwelt aufmischt.

Dark Tourist – Ep. 7 (Afrika)

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Nach der durchaus passablen Südostasien Episode ist auch der Ausflug nach Afrika wesentlich stimmiger als die vorangegangenen Episoden und abermals zeigt Farrier Respekt vor fremden Kulturen, anstatt diese auf überhebliche Weise eher zu belächeln und die Quasi-Attraktionen vorzuführen. Wenn man schon in Afrika ist, darf natürlich Voodoo nicht fehlen und in Benin trifft der Journalist auf eine Voodoo-Priesterin, die eine Art Aufnahmeritus an ihm vornimmt, was natürlich sehr exotisch daherkommt und Tierfreunden aufgrund Tier-Opfer nicht sonderlich gefallen dürfte. Bei dem Besuch eines anderen Voodoo-Rituals kippt dann aber relativ rasch die Stimmung und als Zuschauer wird man Zeuge, wie sehr die Leute in diesem Glauben aufgehen und auch vor Selbstverletzung und Gewalt nicht zurückschrecken. Danach wird es aber wieder konventioneller, wenn mit Fahrrädern sogenannte Townships um Johannesburg erkundet werden, die sich als pulsierende Orte voller Leben präsentieren. Als Abschluss besucht Farrier dann noch weiße Separatisten, eine religiöse Splittergruppe die der 1991 abgeschafften Apartheid nachtrauern. Diese sind fest davon überzeugt, dass schwarze Afrikaner die weiße Bevölkerung ausrotten möchten, leben in ständiger Angst mit entsprechenden Notfallplänen und hier ist die Grenze in bester Mondo-2.0.-Manier zwischen „bizarr unterhaltsam“, „erstaunlich“ und „erschreckend“ auch sehr gering.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 3. Aug 2018, 20:13

Fame - Der Weg zum Ruhm

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Die schüchterne und unsichere Lisa wünscht sich nichts mehr als berühmt zu werden und stellt sich mit hunderten anderen hoffnungsfrohen Schauspielern, Musikern und Tänzern dem turbulenten Casting für die Aufnahme der New Yorker Hochschule für darstellende Künste. Wenig später wird sie aufgenommen und lernt in den Klassen die unterschiedlichsten Charaktere kennen, die ebenfalls mehr oder minder hart am Erfolg arbeiten. So wie Ralph, der seine Unsicherheit mit Witzen überdeckt und den schwulen Montgomery hänselt, den Tänzer Leroy mit seiner überbordenden Energie, sowie die Sängerin Coco, die mit einer guten Stimme, aber auch einer große Prise Naivität gesegnet ist.

Ende der Siebziger und in den frühen Achtzigern war es ja durchaus üblich in Musikfilmen auch sehr dramatische und gesellschaftspolitische Probleme der damaligen Jugend aufzugreifen und „Fame“ ist dann auch in der Tradition von Filmen wie „Saturday Night Fever“ der ebenfalls davon handelt, dass Jugendliche zumindest eine Zeit lang aus ihrem tristen Alltag ausbrechen möchte. In „Fame“ gibt es hoffnungsfrohe Schauspieler, Tänzer und Musiker die den Traum vom großen Erfolg träumen und dafür auch zu kleinen und großen Opfern bereit sind. Die unterschiedlichen und sehr interessant gezeichneten Figuren und Handlungsstränge werden teils recht turbulent zusammengebracht und doch findet unter der Regie von Alan Parker alles zusammen und am schönsten ist „Fame“ immer dann, wenn aus dem vermeintlichen Chaos auf dem Schirm auf einmal Harmonie entsteht und Lärm und Unordnung zu Musik und Tanz verschmelzen. Diese Momente sind auch voller Energie und Lebensfreude und dennoch schwingt trotz des Optimismus der Figuren auch immer die traurige Bestimmtheit mit, dass viele ihre hoch gesteckten Ziele aus unterschiedlichsten Gründen nie erreichen werden. „Fame“ ist jedenfalls nicht der Gute-Laune-Musikfilm, den ich mir vielleicht im Vorfeld erwartet habe, sondern ein durch die Bank exzellent gespieltes und dynamisch gefilmtes Drama mit Tanz und Musik über junge Menschen mit großen Träumen und harten Lektionen, der mich zwei Stunden vor den Bildschirm gefesselt hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 4. Aug 2018, 19:22

Die Addams Family in verrückter Tradition

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jogiwan hat geschrieben:Sehr spassiger, zweiter Aufguss der liebenswerten "Addams Familiy" mit einer humorvollen Geschichte über eine "schwarze Witwe", die sich mit den Außenseitern die falschen Gegner ausgesucht hat. Dabei lässt Barry Sonnenfeld genüßich "White Trash" auf die morbiden Ansichten der einzelnen Familienmitglieder treffen, was immer wieder zu aberwitzigen Szenen führt. Generell hat dieser Mainstream-Streifen das Herz am rechten Fleck und beweist, dass US-Komödien nicht generell seicht oder schlecht sein müssen. Dass sich hier auch noch spätere Serienstars wie Cynthia Nixon ("S ex and the City) und Tony Shalhoub ("Monk") in kleinen Nebenrollen ihr Stelldichein geben, macht "Die Addams Family in verrückten Tradition" nur noch sympathischer und die Mischung aus Außenseiter-Komödie, Slapstick und liebenswerten Einfällen ist einfach eine riesige Hetz!


Auch hier bestätigt die erneute Sichtung die obigen Eindrücke und irgendwie finde ich ja wie der Bux den Nachfolger ja sogar einen großen Ticken lustiger und gelungener, als den ersten Streifen. Vor allem die Ereignisse im Camp Chepawa in dem mit Gruppen-Kuscheln, Schleimern und Disney-Marathon mal so richtig aufgeräumt wird, ist absolut herrlich. Nerds an die Macht! :prost:
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Aug 2018, 19:25

Cleopatra Jones gegen die Drachenlady

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Um ein international agierendes Drogenkartell auszuheben schickt Superagentin Cleopatra Jones ihre beiden Jugendfreunde Matthew und Melvin nach Hongkong, die dort mit dem zwielichtigen Chen einen Deal einfädeln sollen. Doch der Deal läuft schief, da Chen den eigentlichen Boss des Kartells übers Ohr hauen möchte, der sich als ebenso hübsche wie eiskalte Besitzerin eines Spielcasinos mit dem Namen Drachenlady entpuppt. Diese entführt Matthew und Melvin und lässt ihre Schergen in der Stadt ausströmen um den flüchtenden Chen zur Strecke zu bringen. Zur gleichen Zeit macht sich aber bereits Cleopatra auf die Suche nach dem Kriminellen und erhält dabei Unterstützung von der hübschen Privatdetektivin Ling, die wie Cleopatra ebenso nicht vor sehr unorthodoxen Ermittlungsmethoden zurückschreckt.

Auch Teil 2 der „Cleopatra Jones“-Reihe ist natürlich eine lustige Sache, auch wenn der Streifen hier nicht in eine comichaft überzeichnete Richtung mit flotten Sprüchen geht und auch eher an einen Fernost-Klopper, als an einen herkömmlichen Blaxploitation-Film erinnert. Das liegt daran, dass mit Hongkong auch ein exotischer Handlungsort gewählt wurde und sich in der Riege der Darsteller auch nur drei schwarze Darsteller finden. Die Story über ein Drogenkartell und die dunklen Machenschaften der Drachenlady sind recht flott erzählt und bieten jede Menge Platz für rasante Stunts und atemberaubende Outfits von Tamara Dobson, die von Unauffälligkeit in ihrem Leben wohl noch nie etwas gehört hat. Wo Cleopatra Jones hinkommt fällt sie auch auf und am Ende rappelt es auch hier ganz ordentlich im Karton, wenn kurzerhand zu flotten Sprüchen ein ganzes Spielcasino auseinandergenommen wird. Zwar fehlt es schon etwas an überzeichneten Witz und Blaxploitation-Charme des Originals, aber auch der Nachfolger ist eine unterhaltsame und turbulente Mischung aus Martial-Arts-Klopper, Agenten-Parodie und Kostümfilm in Fernost-Kulisse, die auch wesentlich spaßiger daherkommt, als die viel zu verhaltenen Kritiken auf der OFDB vermuten lassen.

Corpse Party: Tortured Souls

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Eine Gruppe von Schülern trifft sich samt Lehrerin eines Abends nach Unterrichtsschluss in einer Klasse einer höheren Schule um eine Mitschülerin zu verabschieden, die die Schule wechseln wird. Als die neun Leute jedoch eine Art magisches Ritual durchführen um ihre Freundschaft zueinander zu bestärken landen allesamt und unvermittelt in einer Art Parallel-Universum, die sich als eine mittlerweile bereits abgerissene Grundschule entpuppt, an der grausame Verbrechen verübt wurden. Nun sind an diesem schaurigen Ort jedoch die Rachegeister der verstorbenen Kinder unterwegs und auch der damalige Mörder ist bereit, sein furchtbares Werk weiter fortzuführen. Während die Verstorbenen ihre Hände nach den Seelen der Schüler und Schülerinnen austrecken und dabei mit brutaler Gewalt vorgehen, versuche sich diese verzweifelt vor den Angriffen zu wehren und in einer Art Schnitzeljagd durch die Schule die Ursache des Treibens ausfindig zu machen.

Über „Corpse Party: Tortured Souls“ bin ich als Anime-Fan ja bereits mehrfach gestolpert und irgendwie hörte sich diese Mischung aus Horror und Slasher ja auch ganz passabel an. Zumindest in Punkto Gore werden hier trotz FSK16-Freigabe auch kaum Gefangene gemacht und die Art und Weise wie hier Augen zerstochen werden und Körperteile und Innereien durch die Gegend fliegen, hätte auch sicher unserem Lucio Fulci gefallen. Leider ist das Drehbuch aber völlig dämlich und offensichtlich handelt es sich bei der Vorlage um ein Survival-Horror-Game, dass hier in vier Folgen mit knapp 2 Stunden Laufzeit als Mini-Serie auf den Schirm gebracht wurde. Die Geschichte ist ein wirrer Mix aus Rachegeister-Geschichte, Schulmädchen-Liebe und Mörder-Puzzle, das wohl auch für ein jugendliches Publikum zugeschnitten ist, dass über die Hintergründe dieses Franchise auch mehr Bescheid weiß. Als eigenständiges Produkt kann „Corpse Party“ meines Erachtens nicht überzeugen und die brachiale Gewalt gegen Kinder und Jugendliche fand ich ja auch nicht sonderlich sympathisch, vor allem, weil die vier Episoden auch inhaltlich und atmosphärisch überhaupt nicht überzeugen können und die brutalen Schauwerte allesamt plakativ und effektheischend daherkommen. Bleibt abzuwarten, ob die Real-Verfilmung die offensichtlich in den Startlöchern steht, etwas besser ausfällt, aber so ist das alles schon sehr, sehr entbehrlich.

Dark Tourist - Ep. 8 (Wieder in Amerika)

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In der achten und letzten Folge der ersten Staffel kehrt David Farrier wieder in die Staaten zurück und besucht zuerst eine Hollywood-Tour über die Manson-Morde, ehe er dessen größten Fan trifft, der sich als dauerkiffender Freak samt Gefolge entpuppt und ihm einen Gesprächstermin bei dessen ehemals besten Freund vermittelt. Dann geht es weiter ins Landesinnere, wo er auf Leute trifft, die glauben, dass die Apokalypse kurz bevor steht und sich jeweils auf ihre eigenen Art darauf vorbereiten, ehe es zu einem pensionierten Army-Menschen geht, bei dem man sich einer Folter-Prüfung unterziehen kann um seine eigenen Limits auszutesten. Das ist dann aber wohl wirklich nur für Leute, denen sonst gar nichts mehr einfällt, die auch „Waterboarding“ noch als spaßige Sportattraktion ansehen und auch nichts gegen Degradierung und physische wie psychische Ausnahmesituationen haben.

Nach zwei durchaus interessanten Folgen ist der Abschluss dann wieder eher mau und insgesamt ist „Dark Tourist“ als Serie leider nicht annähernd so interessant und spannend ausgefallen, wie es das Konzept im Vorfeld eigentlich vermuten lassen hätte. Die Welt bietet so viele interessante Plätze und ich persönlich hätte mir jedenfalls mehr Mondo und weniger Freakshow und Youtube-Journalismus gewünscht und insgesamt geht es auch eher um bizarre Auswüchse des Wohlstands- und Elends-Tourismus und religiöse Spinner, die sich für ihre bisweilen völlig absurde Welteinstellung selber abfeiern. Dass diesen Leuten hier dann auch noch größtenteils sehr unkritisch und ausreichend Raum für ihre Selbstdarstellung eingeräumt wird, macht „Dark Tourist“ dann leider für mich zu einen unsympathischen Ereignis, bei denen auch die durchaus spannenden Afrika- und Südostasien-Episoden nicht mehr viel retten können.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Aug 2018, 20:17

Fear Island - Mörderische Unschuld

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Eine Gruppe von Studenten fährt mit dem Boot auf eine endlegende Insel um dort noch einmal so richtig auf den Putz zu hauen, bevor die bevorstehenden Lebensplanungen die Gruppe auseinanderführen wird. Doch irgendetwas an dem Ausflug auf die vermeintlich menschenleere Insel läuft gehörig schief und nach dem Wochenende sind fast alle Besucher der Insel tot und lediglich die junge Jenna überlebt schwer traumatisiert und versucht gemeinsam mit einem ermittelnden Beamten und einer Gerichtspsychologin die näheren Umstände des Wochenende zu rekonstruieren.

Reichlich mittelprächtiger, aber guckbarer Teenie-Slasher im Stil von „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ aus amerikanischer TV-Produktion, der insofern einen eigentlich recht unglücklichen Start hat, da man schon von Anfang an weiß, dass es nach einem misslungenen Wochenende lediglich eine Überlebende gibt und somit auch schon die Spannung wegfällt, wer von den feierwütigen Teenies am Ende übrig bleiben wird. Die mäßig spektakulären Ereignisse werden dann in Rückblenden aufgerollt und dabei erscheint „Fear Island“ dann stets so haarsträubend unlogisch, dass wohl nur diejenigen Slasher-Freunde auf ihre Kosten kommen, die sich angesichts fragwürdiger Momente und Entwicklungen bestens unterhalten fühlen. Sicherlich liegt bei näherer Betrachtung des Drehbuchs doch so einiges im Argen und dennoch fand ich „Fear Island“ durchaus sympathisch und halbwegs solide gemacht, sodass man sich als Slasher-Fan mit einer leichten Affinität zum Trash für knapp 90 Minuten durchaus gut unterhalten fühlen darf. Die Darsteller passen, die Settings sind okay und am Ende gibt es auch noch eine kleine Überraschung, sodass man gut und gerne darüber hinwegsehen kann, dass die ganze Sause eigentlich noch dazu viel zu blutarm inszeniert ist.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Aug 2018, 19:24

Geisterstunde / Todesvisionen

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Meine Vorredner haben ja eigentlich schon alles zu diesem eher unbekannten Episoden-Grusler gesagt und leider ist „Geisterstunde“ oder auch „Todesvisionen“ leider nicht das weithin unterschätzte Genre-Meisterwerk aus deutschen Landen, sondern selbst mit viel Wohlwollen eher ein ziemlich lahmes Vergnügen, bei dem kaum einer der Beiträge inhaltlich oder auf sonstige Weise überzeugen kann. Die erste Episode mit dem afrikanischen Fetisch ist so schnell vorbei wie auch wieder vergessen, während die zweite Episode mit der Doppelgängerin durchaus interessant startet und sich dann in akuter Ideenlosigkeit verliert. Bei „Kristalltod“ stammt das Drehbuch immerhin von Andreas („Masks“) Marschall und hier ist auch ein Italo-Einfluss nicht von der Hand zu weisen. Mit einer durchaus ansprechenden Geschichte, hübschen Ausstattung und schönen Bildern im Geiste von Herrn Argento und es ist auch wenig verwunderlich, dass diese Folge auch die Beste der vier darstellt, auch wenn diese Form über Inhalt stellt. Am Ende gibt es dann noch die soapige Geschichte einer Frau, die ihren Gatten in Notwehr um die Ecke gebracht hat und von bösen Visionen gequält wird, die viel zu lange, viel zu doof und viel zu unspektakulär ausgefallen ist um wohl irgendeinen Zuschauer überraschen zu können. Insgesamt drei eher lahme Gruselepisoden in Kombination mit einem Beitrag, den man sich als Italo-Fan durchaus ansehen kann machen aus „Geisterstunde“ dann leider auch keine sonderlich empfehlenswerte Angelegenheit, sondern eher zu einem anschaulichen Beispiel, was bei deutschen Genre-Produktionen so alles im Argen liegt.
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