Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 1. Jun 2018, 19:12

Can't stop the Music

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Komponist Jake lebt mit dem Ex-Supermodel Samantha in einer geräumigen Wohnung und träumt davon die Charts aufzumischen. Leider sind seine gesanglichen Qualitäten leider nicht besonders, sodass Samantha vorschlägt, ein Casting zu veranstalten, bei dem auch gleich ein Demo-Tape aufgenommen werden soll. Wenig später wird in einer lauen Sommernacht eine illustre Truppe aus homosexuellen Stereotypen aus dem Bekanntenkreis der Beiden zusammengestellt, die unter dem Namen „The Village People“ auftreten soll. Doch der Weg in die Charts ist steinig und obwohl Samatha und Jack alle Hebel in Bewegung setzten und dabei auch tatkräftige Unterstützung von dem jungen Anwalt Ron erhalten, dauert es einige Zeit und noch mehr Mühen, bis auch die Schallplattenbosse von den Konzept der Band überzeugt werden können.

„The Village People“ sind ja schon popkulturelles Phänomen in der Music-Branche und obwohl die Truppe und ihre unterschiedlichen Charaktere doch sehr eindeutig daherkommen, waren sie in den Siebzigern und Achtzigern so etwas wie Brückenbauer zwischen Gay-Culture und popkulturellen Mainstream. Daraus macht auch „Can’t stop the Music“ kein Geheimnis und der überdrehte, bunte und hoffnungslos angeschwulte Musikfilm mit Sex, Drogen und Alkohol ist natürlich ein großer Spaß, der sich auch einen feuchten Dreck um Konventionen, Anspruch oder Qualitätsmusik schert. Hier steht der Spaß am Leben und Party an erster Stelle und negative Dinge haben in dem quietschbunten Werk keine Chance. Dazu gibt es viel Musik der Disco-Truppe und der Klassiker „YMCA“ fehlt natürlich ebenfalls nicht, der hier auf besondere Weise in Szene gesetzt wird. So viele halbnackte und verschwitzte Männer sieht man ansonsten nur auf der Regenbogen-Seite von XHamster und dennoch macht „Can’t stop the Music“ mit all seinen überdrehten Chaos natürlich großen Spaß und noch mehr Freude. Die sympathische Truppe hat jedenfalls sichtlich Spaß an dem chaotischen Drehbuch bzw. haarsträubenden Werk und das Steve Guttenberg hinterher noch Rollenangebote bekommen hat, ist mindestens genauso verwunderlich wie der Erfolg der gecasteten Band mit ihren Plastik-Discopop und sehr simplen und doch sehr zweideutigen Lyrics im Mainstream. Am besten Vorurteile und Erwartungen komplett über Bord werfen, zurücklehnen und zwei Stunden lang staunen, was hier so alles abgeht. Überflüssig zu erwähnen, dass „Can’t Stop the Music“ für den Fan von obskuren Musikfilmen natürlich unverzichtbar ist!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 2. Jun 2018, 19:28

Black Mirror - Staffel 1

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Ep.1 - Der Wille des Volkes / The National Anthem
Ep. 2 - Das Leben als Spiel / Fifteen Million Merits
Ep. 3 - Das transparente Ich / The Entire History of You

Nachdem unser Arkschi schon so wohlwollende Worte geschrieben hat, haben wir gestern auch gleich die erste Staffel dieser schwer empfehlenswerten Serie auf Netflix geguckt, die mit drei Episoden ja durchaus über- und gut schaubar ist. Doch die drei Episoden zwischen 45 und 60 Minuten haben es ordentlich in sich und gleich die erste Folge ist ja schon ein ziemlicher Schlag in die Magengrube der sensations-und informationsgeilen Gesellschaft, die dank Twitter, sozialen Medien und Co. immer mehr Auftrieb erhält. Auch Folge zwei ist hochinteressant gestaltet und kombiniert menschliches Verhalten in Zeiten von (un)sozialen Meiden mit zweifelhaften Casting-Shows, während die dritte Episode sich um die spannende Frage dreht, was passieren könnte, wenn man Erinnerungen speichern und beliebig abrufen könnte. Alle drei Episoden sind unterschiedlich gestaltet und in sich abgeschlossen und präsentieren ein auf Gedankenexperimenten basierenden Szenario, in dem eine bestimmte Technik eine tragende Rolle spielt. Dabei ist der Titel „Black Mirror“ durchaus wörtlich zu nehmen, denn die Macher der Serie halten uns dabei einen Spiegel vor, doch was dieser zeigt, wird wohl vielen nicht gefallen – ganz im Gegensatz zur ersten Staffel, die mir ausnehmend gut gefallen hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 3. Jun 2018, 19:29

Reeperbahn

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Ich würde ja mit dem Streifen und seinen Darstellern nicht ganz so hart ins Gericht gehen wie unser werter Salvschi, aber ein guter Film nach herkömmlichen Gesichtspunkten ist „Reeperbahn“ leider wirklich nicht geworden. Das liegt aber daran, dass Timo Rose hier leider vieles vergeigt, was gar nicht hätte vergeigt werden müssen. Die Locations sind eigentlich okay, die Darsteller halbwegs passabel und auch sonst wären die Vorzeichen für ein Werk aus der Semi-Amateur-Ecke durchaus vielversprechend. Doch dann geht es los: die Geschichte ist ganz, ganz schwach, die Dialoge und Monologe sowieso furchtbar und so etwas wie eine Charakterisierung nahezu nicht vorhanden, was zur Folge hat, dass einem die zahlreichen Figuren auch völlig egal sind. Der Kleinkriminelle und sein dusseliger Sidekick, die junge Nutte, die Barkeeperin, der dauerfluchende und gewaltbereite Zuhälter samt Türsteher-Personal – alle Figuren wirken völlig eindimensional, klischee-überladen und in der fragmentarisch dargebotenen Handlung auch völlig leblos gezeichnet. Dazu gesellt sich wahlweise traurige Klaviermusik oder aggressive elektronische Musik oder Metal, damit auch noch der letzte Zuschauer mitbekommt, wie ernst das Geschehen auf der Leinwand gemeint ist und wie man die jeweiligen Szenen gefühlstechnisch zu interpretieren hat. Irgendwie wirkt der Streifen dabei auch so, als hätte Herr Rose nur jede dritte Seite seines aus investigativen „Coupé“-Artikeln mehr schlecht als recht zusammen-erdachten Drehbuchs verfilmt und die Mischung aus Rotlicht-Drama, Pulp-Gangster-Action, Scripted-Reality-Seifenoper funzt insgesamt betrachtet leider gar nicht und nicht nur das die Bezeichnung Finale nicht verdienende Ende von „Reeperbahn“ lässt den Zuschauer doch weitgehend ratlos zurück.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 4. Jun 2018, 21:23

Bugs - Die Killer-Insekten

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Polizist Matt Bollack ermittelt eigentlich gerade an einem Serienkiller-Fall, als er zu einem Tatort in einer neu gebauten U-Bahn gerufen wird. Dort liegt die verstümmelte Leiche eines Polizisten, die mit Speichel eines riesigen Insekts benetzt ist. Als er daraufhin die Entomologin Emily aufsucht, ist diese aufgrund der Menge hochgradig alarmiert und schätzt das Tier auf eine Größe von mehreren Metern. Tatsächlich wurde durch die Bauarbeiten eine prähistorische Käfer-Art freigesetzt, die wenig später auf der Jungfernfahrt mit Investoren ein Massaker anrichtet. Matt und Emily werden mit einem Team der Spezialeinheit in den Untergrund geschickt um sich der Bedrohung zu stellen, die sich jedoch als weitaus größer darstellt, als im Vorfeld angenommen…

Eher unspektakulärer, durchschnittlicher, aber nicht gänzlich unsympathischer Tierhorror-Flick über riesige Käfer in Skorpion-Optik, der wohl für einen US-Nischensender produziert wurde. Dabei wird eigentlich alles präsentiert, was man sich in so einen Film erwarten darf und von den positiven Identifikationsfiguren in Form eines Polizisten und einer Wissenschaftlerin, über das austauschspare Spezialteam bis hin zum mutigen Arbeiter und korrupten Politiker ist auch alles vorhanden. Die Käfer selbst stammen größtenteils aus dem Rechner und die Angriffe im dunklen Tunnel sind dann auch so gestaltet, dass man bis auf den roten Lebenssaft auch eher wenig sieht. Die Story ist natürlich doof, die Leutchen unter Tage geben sich auch immer eine Spur zu abgeklärt bzw. cool und ein paar lustige Filmfehler für Zwischendurch gibt es auch noch. Das 2003 entstandene Werk lässt sich also durchaus gucken und Antonio Sabato Junior gibt sich auch die Ehre, auch wenn man sich hier natürlich nicht viel erwarten sollte. Ich finde ja kleine Käfer gruseliger als diese übergroße Spezies und so hielt sich dann auch das Grausen durchaus in Grenzen. „Bugs“ ist dann auch sicherlich kein Must-See, sondern solider Zeitvertreib für „Die-Hard-Tierhorror-Fans“ und auch eher ein Fall für den verregneten Nachmittag.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Jun 2018, 20:45

Webs

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Ein Trupp von Elektrikern unter der Leitung von Dean wird in ein Abbruchhaus in Chicago geschickt um nach der unbekannten Quelle eines großen Energieverbrauchs zu suchen und dort angekommen entdecken die Männer einen Raum, in dem sich allerlei technisches Zeugs befindet. Als einer der Männer die Knöpfe der Anlage betätigt, öffnet sich kurzerhand ein Portal, dass einige der Männer in eine Art Paralleluniversum befördert, in der die Menschheit nahezu ausgerottet ist und die wenigen Überlebenden von Spinnenmonster und mutierten Menschen bedroht werden. Als Dean auf eine Gruppe Überlebender stößt, wird dieser zu dem Wissenschaftler Morelli gebracht, der das Portal vor dreißig Jahren gebaut hat und seitdem darauf wartet, dass wieder jemand seine Anlage betätigt um die geknechtete Menschheit wieder zurück in eine bessere Welt zu bringen und das Spinnenmonster zu vernichten.

Furchtbar grottiger und völlig langweiliger Horrorfilm aus der TV-Produktion, der sich nur vermeintlich um Spinnen dreht. Vielmehr geht es um ein Portal, ein Paralleluniversum und mutierte Menschen, die sich eigentlich wie Zombies benehmen. Daraus hätte man auch sicher einen lustigen Film machen können, doch unter der Regie von David Wu wird das alles zur Geduldsprobe für den aufgeschlossenen Zuschauer. Die Protagonisten benehmen sich nicht nur völlig unglaubwürdig und machen sich gegenseitig das Leben schwer, sondern geben auch noch dämliche Dialoge von sich, die dem mündigen Zuschauer die Haare zu Berge stehen lassen. Über den Rest der Geschichte mag man ja ebenfalls keine Worte verlieren, weil diese aus bekannten Versatzstücken völlig hanebüchen zusammengetragen wurde. Drehbuchschreiber, die so einen Murks zu verantworten haben, müssten eigentlich mit einem Berufsverbot belegt werden und alles ist hier schlecht erdacht und noch schlechter zusammengebracht, wirkt uninspiriert, lustlos und lahm. Selbst der geeichte Trash-Fan und Allesgucker wird sich hier angesichts eines mehr als eingeschränkten Unterhaltungswertes mit Grauen abwenden, da trotz der kurzen Laufzeit so etwas sie Spannung oder Grusel erst gar nicht aufkommt. Viel schlechter geht wohl kaum.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Jun 2018, 19:26

Creatures - Sixty Feet of Prehistoric Terror

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Ein Trupp von Unterwasser-Forschern ist gerade auf einem Tauchgang im Loch Ness, als ein Seebeben einen riesigen Krater verursacht, der einem renommierten Wissenschaftler das Leben kostet. Da der Trip unter anderem aber von einem amerikanischen Spartensender finanziert wird, der spektakuläre Bilder haben möchte, wird der Draufgänger Case nach Schottland geschickt, wo er das Werk mit dem Team vor Ort weiterführen soll. Dummerweise wurde durch das Beben jedoch ein prähistorisches Wesen freigelegt, das nun mit übler Laune im See seine Runden zieht und Touristen wie Einheimische auf seinem nächtlichen Speisezettel hat Da von der örtlichen Polizei keine Hilfe zu erwarten ist, nimmt Case die ganze Sache selbst in die Hand und versucht mit seinem Team und dem Fischer Blay dem schrecklichen Treiben Einhalt zu gebieten und Loch Ness vor der schlimmen Katastrophe zu bewahren.

Das nächste Tierhorror-Fiasko, dieses Mal in Form eines mäßigen Fantasy-Films über ein prähistorischen Monsters, das durch ein Seebeben in den Tiefen des Loch Ness aus dem Schlaf geweckt wird und für Unfrieden sorgt. Dabei gehört schon eine große Portion Unvermögen und Ignoranz dazu, die wunderbare Gegend um Loch Ness so derart zu vernachlässigen um dafür den Zuschauer ein furchtbar schlecht realisiertes CGI-Monster zu präsentieren, dass wie ein übrig gebliebener Drache aus einem Amiga-Game aussieht und so auch eher für Erheiterung sorgt. Die Dialoge und die teils hysterischen Charaktere sind natürlich alles andere als glaubwürdig und die Geschichte ist mehr oder minder von Spielbergs "Der weiße Hai" abgekupfert. Regionalität, Originalität und dergleichen sollte man sich in der Ami-Produktion jedenfalls nicht erwarten und statt den zahlreichen und sicherlich interessanten Mythen rund um Nessi auf die Spur zu gehen, gibt es hier eine haarsträubend lahme Geschichte mit austauschbaren Abenteurer-Szenario, dass heutzutage maximal noch die Trash-Fraktion begeistern wird und mit seinen Stereotypen in Schottland selbst wohl keine Freude auslösen dürfte. Insgesamt schon eher eine Enttäuschung – besonders wenn man schon einmal vor Ort gewesen ist und das eigentliche Monster mit eigenen Augen gesehen hat… :troest:

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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Jun 2018, 20:19

Mosquito Man

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Recht annehmbarer und kurzweiliger Monster-Mutationshorror, der ja augenscheinlich fürs Fernsehen gedreht wurde und dafür eigentlich recht herb ausgefallen ist. Die Geschichte ist ein wenig „Mimic“, noch mehr „Die Fliege“ und die Sache mit dem gewaltbereiten Killer, der dummerweise zu einem Monster mutiert, kommt einem natürlich auch bekannt vor. Doch unter der Regie von Tibor Takács wird das alles zu einem netten Horror-Cocktail vermengt, bei dem zwar nicht jeder Effekt aus dem Computer gelungen ist, aber zumindest das Timing und die Spannungskurve halbwegs passt. „Mosquito Man“ hält sich ja nicht lange mit Nebensächlichkeiten oder Erklärungen auf und auch in Punkto Bodycount hält sich der 2005 gedrehte Streifen im blutig-haarsträubenden Finale auch nicht wirklich zurück. Zwar könnte man die üblichen Charaktere, jede Menge unlogisch erscheinender Momente und die etwas vorhersehbare Geschichte bemängeln, aber der Freund von Monsterfilmen trashigerer Prägung wird hier im Großen und Ganzen eigentlich doch ganz gut bedient. Und wie Bux oben schreibt, für ein paar Euro oder weniger, macht man hier nicht viel falsch.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Jun 2018, 19:31

Car Wash

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Im Dee-Luxe-Autowaschsalon in Los Angeles werden die Wagen der Kundschaft noch von Hand gewaschen und die zahlreichen Arbeiter haben angesichts teilweise sehr seltsamer Kundschaft auch so einiges zu tun. Da wäre T.C., der verhinderte Disco-König, der ein Auge auf eine hübsche Kellnerin geworfen hat, genauso wie der lebensfrohe Hippo, der wegen seines Gewichts von den anderen immer wieder verspottet wird. Lonnie versucht als Ex-Sträfling seine beiden Kinder durchzufüttern und seinen Boss davon zu überzeugen, dass er mehr drauf hat, als nur Autos zu waschen, während sich der zweifelnde Duane der „Black Muslim“-Bewegung angeschlossen hat um Fragen in seinen Leben zu finden. Sie und noch viele mehr sind tagtäglich mit kleinen und großen Sorgen und Vorurteilen konfrontiert und lassen sich dennoch nicht die Freude am Leben nehmen.

Von „Car Wash“ habe ich mir eigentlich im Vorfeld doch recht viel erwartet, doch statt dem erwarteten Blaxploitatoin-Disco-Arbeiterdrama tendiert Michael Schultz‘ Werk eher in die sehr episodenhafte Mainstream-Komödienrichtung, der sich über seine zahlreichen Charaktere lustig macht und bei dem die Gags aber nicht so richtig zünden wollen. Interessanter wird der Streifen ja eher dann, wenn es um die Träume, die sozialen Spannungen und auch die Vorurteile geht, denen die Männer aus sozialen Unterschichten tagtäglich ausgesetzt sind und die sich aber trotzdem nicht den Spaß am Leben nehmen lassen. Doch diese Momente geschehen eher beiläufig, werden nie so richtig ausformuliert und müssen sich im Verlauf der sehr turbulenten neunzig Minunten auch immer wieder zotigen und halblustigen Gags unterordnen, die so eher nicht funktionieren wollen. Statt überdrehter Komödie hätte mir ein Arbeiterklassen-Drama mit Disco-Bezug ja besser gefallen und „Saturday Night Fever“ hat es ein Jahr später ja auch gezeigt, wie man es richtig macht. Außerdem kommt Disco eigentlich auch viel zu kurz und daran ändert auch nicht der Besuch der Pointer Sisters oder natürlich der gleichnamige Song von Rose Royce, der im Verlauf der Handlung gleich mehrmals zum Einsatz kommt. Etwas mehr Drama und ein strukturierterer Ablauf hätten dem Film jedenfalls nicht geschadet, auch wenn sich „Car Wash“ trotz eher schwer verständlichen Swag-Englisch in der Originalfassung sicherlich so auch gucken lässt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Jun 2018, 19:36

Gierig

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Natascha ist Journalistin eines Lifestyle-Magazins, macht nebenher Musik und ist mit Gary verheiratet, der als Star der Berliner Avantgard-Szene ein hippes Lokal betreibt, in dem Drogen und Alkohol gefrönt wird. Doch die Ehe der Beiden ist irgendwie seit langem am Ende und beide holen sich den Kick mit fremden Partnern, die dem jeweiligen Partner fast wie Trophäen präsentiert werden. Als Natascha dem Boxer Sugar begegnet, der Natascha zuerst einmal abblitzen lässt, gerät die stille Vereinbarung ins Wanken und als Gary auch noch erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist und sterben wird, müssen die Eheleute schmerzlich erfahren, dass jede noch so ausgiebig zelebrierte Party auch irgendwann ein Ende findet.

Mit „Gierig“ hat Regisseur Oskar Roehler einen doch etwas sperrigen Film gedreht, der einerseits ein Ehepaar ins Zentrum und andererseits auch die Feierhauptstadt Berlin und seine ausufernden Partys in den Mittelpunkt stellt. In Momentaufnahmen einer Ehe am Ende portraitiert Roehler Menschen, die ihr Leben auf exzessive Weise leben und die wohl auch unterbewusst auch wissen, dass diese Art das Leben zu leben auch irgendwann zu Ende sein wird. Nebenher bietet „Gierig“ aber auch einen Einblick in die hedonistische und nicht immer schöne Kunst- und Partyszene Berlins um die Jahrtausendwende und schon die ersten Minuten mit dem Auftritt einer Band namens „Golden Showers“ im WMF dürfte wohl vielen Mainstream-Zuschauern etwas zu viel des Guten sein. Doch obwohl der Streifen durchaus interessante Momente und Locations hat, wer „Gierig“ für meinen Geschmack mit seinen etwas gekünstelt wirkenden Dialogen und Szenenbildern aber doch auch immer etwas zu augenscheinlich auf kontrovers und polarisierend gebürstet, was der Film mit seinem interessanten Grundthema eigentlich gar nicht nötig hätte. Es wird ja auch gar nicht erst versucht, so etwas wie Mitgefühl für die selbstverliebten Protagonisten zu entwickeln und auch die Figuren scheinen so etwas wie Empahtie gar nicht zu besitzen. Daher wird man als Zuschauer die ganzen Entwicklungen in dem pessimistischen Drama auch eher distanziert verfolgen und kann entspannt mit ansehen, wie die Protagonisten in ihrem selbstgewählten Umfeld aus oberflächlichen artsy-fartsy Lifestyle der Weckruf oder auf andere Weise ihr unvermeidliches Schicksal ereilt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Jun 2018, 19:29

Die Saat des Teufels

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Die kriminelle Vereinigung um die hübsche Solange entführt oder kauft Kinder von armen Leuten um diese dann entweder an wohlhabende Eltern zu vermitteln oder deren Organe auszuschlachten. Als die Geschwister Hänsel und Gretel von ihrem eigenen Stiefvater an die Organisation verkauft werden, landen die zwei am Schulweg entführten Kinder schon kurze Zeit später am OP-Tisch skrupelloser Ärzte und die toten Körper werden unter einer Betonplatte begraben. Doch die Geister der beiden Kinder kehren aus dem Reich der Toten zurück um Rache zu nehmen und der verhasste Stiefvater und Solange sind die Ersten, die von den beiden Geschwistern heimgesucht werden. Doch die beiden scheinbar unzusammenhängenden Unfälle sind erst der Anfang einer beispiellosen Mordserie, die vor den Augen der jungen Inspektorin Silvia stattfinden und auch diese rasch an einer irdischen Erklärung zweifeln lassen.

Über „Die Saat des Teufels“ liest man hier ja wenig Positives und die null Punkte vom werten und ansonsten ja in der Italo-Kiste eher grundsätzlich-optimistischen DrDjangoMD sind ja auch keine Wertung, die man alle Tage vor die Linse bekommt. Der Streifen macht es dem Zuschauer auch nicht leicht und wer auch immer dieses Drehbuch zu verantworten hat, sollte eigentlich mit Berufsverbot belegt werden. Hier rumpelt es nicht nur im dramaturgischen Gebälk – nein, hier kracht es ja ganz ordentlich und dem fassungslosen Zuschauer werden fast schon surreal anmutende Entwicklungen zugemutet, die so serviert werden als wären es für einen Horror-Thriller die logischsten Sachen der Welt. Leider hat man aber neben der völlig haarsträubenden Handlung auf den Unterhaltungswert aber völlig vergessen und nach der knappen Einführung der hölzernen Charaktere besteht der schludrige Genre-Streifen eigentlich nur noch aus inhaltlichen Wiederholungen und einem nach 50 Minuten rasch aus dem Ärmel gezauberten Nebenplot um einen vermeintlichen Schatz, der aber so rasch wieder fallengelassen wird, wie er aufgenommen wurde. Hier wird alles mit Schmackes in den Sand gesetzt und eigentlich hätte man auch auf die zahlreichen Warnungen in diesem Fred hören können, doch in manchen Dingen bin ich als großer Fan italienischer Werke ja ohnehin unbelehrbar und wenn es eine Daseinsberechtigung für diesen Film gibt, dann wohl für diese zweifelhafte Erkenntnis, dass ich mir in diesen Dingen auch für absolut nichts zu schade bin.

Das Haus des Bösen

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Marco und Sarah sind die Kinder wohlhabender Eltern die eines Tages von einem Einbrecher in ihrer Villa auf dem Lande auf grausame Weise ermordet werden, während sich die beiden im Internat befinden. Der Mord wird durch einen arrangierten Unfall vertuscht und so ahnen auch Marica und Carlo, in deren Obhut die beiden Waisen übergeben werden, nichts von den schrecklichen Ereignissen, die sich in dem geräumigen Haus abgespielt haben. Doch wenig später geschehen seltsame Dinge und während sich Marco und Sarah zunehmend seltsam verhalten und so tun, als wären ihre Eltern noch am Leben spitzt sich die Lage endgültig zu, als die Villa verkauft werden soll und der Täter wieder an den Tatort zurückkehrt.

Dass es im italienischen Genre-Kino immer auch noch eine Spur schlimmer geht, ist ja nichts Neues, aber wenn man nach „Die Saat des Teufels“ auch noch „Das Haus des Bösen“ hinterher guckt, hat man wohl die beiden Streifen mit den unerträglichsten Kinderdarstellern an einem Stück gesehen, die das italienische Kino zu bieten hat. Während diese bei Ersteren aber nur mit roten Augen in der Gegend herumlaufen, Verbrecher ermorden und dazu Liedchen trällern, gibt es hier wirklich mit Abstand die beiden nervigsten Terrorbratzen, die man sich nur vorstellen kann. Die Story selbst wäre vielleicht gar nicht mal so schlecht und irgendwie sind die Einfälle auch recht witzig, aber mit den beiden Fratzen wird der Streifen zur absoluten Belastungsprobe für den Zuschauer und wer plant, selbst neues Leben in die Welt zu setzten, sollte von diesem Fulci-Werk wohl in eigenen Interesse gehörig Abstand halten. Aber auch der Rest der Genre-Fans wird trotz bekannter Gesichter und durchaus passabler Regie von Herrn Fulci kaum auf ihre jeweiligen Kosten kommen und abgesehen von den völlig überzogenen Gore-Einlagen bleibt dank dem alptraumhaften Kinderlachen der „unsympathischen Anti-Darsteller“ (Danke, Arkschi! ;) ) kaum etwas zurück, an das man sich gerne erinnern würde.
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