Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 29. Apr 2018, 19:59

Devil Story

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Ein junges Pärchen ist mit Mercedes am Lande unterwegs und als der Wagen eine Platten hat, erleidet die Frau aus unerfindlichen Gründen einen Nervenzusammenbruch und lässt kaum noch beruhigen. Wenig später geraten die beiden in ein Unwetter und landen in einem Schloss-artigen Hotel in einem Küstenort, das jedoch lediglich von zwei älteren Menschen bewohnt wird. Diese erzählen nachts am Kamin eigenartige Geschichten von seltsamen Ereignissen aus der Vergangenheit, degenerierten Menschen und einem Pferd, dass vom Teufel getrieben scheint. Tatsächlich scheint es an dem Ort nicht mit rechten Dingen zuzugehen und als die junge Frau in der Nacht ihr Zimmer verlässt, landet sie unvermittelt mitten in einem abstrusen wie blutigen Alptraum…

Nach „Ogroff“ ist „Devil Story“ nun schon bereits der zweite Splatter-Beitrag aus Frankreich, der mich mühelos an meiner Wahrnehmung zweifeln lässt. Was Regisseur Bernard Launois hier auf den Zuschauer los lässt, spottet wirklich jeglicher Beschreibung und obwohl es hier munter zur Sache geht, darf die Existenz eines Drehbuchs im höchsten Maße bezweifelt werden. Dabei startet der Film ja für den Gorehound durchaus vielversprechend mit ein paar Morden, die im weiteren Verlauf aber nicht mehr näher erklärt werden. Danach geht „Devil Story“ aber ohnehin in eine völlig haarsträubende Richtung und präsentiert fragmentarisch eine Geschichte, bei der nichts zusammenpasst und noch weniger einen Sinn ergibt. Vor ein, zwei Jahrzehnten hätte ich an dem technisch eher bescheidenen Film aus der Trash-Ecke wohl vermutlich viel mehr Spaß gehabt, aber mittlerweile ist es ja für mich nicht mehr so reizvoll zuzusehen, wie sich völlig talentfreie Leutchen für die Nachwelt gehörig zum Affen machen. „Devil Story“ ist zwar mit knapp 70 Minuten recht kurz, aber irgendwie hat man das Gefühl, dass die Hälfte der Zeit nur geschrien oder gewiehert (!) wird und sonst einfach auf gut Glück munter drauf los gedreht wurde. Wenn man damit wirklich den internationalen Markt erobern wollte, dann Gute Nacht und vom Regisseur hat man danach aus wenig verwunderlichen Gründen ja auch nichts mehr gehört. Wer sich 70 Minuten lang mit fragwürdigem Nonsens und eingeschränktem Spaß-Faktor gehörig die Gehirn-Synapsen durch putzen lassen mag, kann ja einen Blick riskieren - aber behauptet hinterher nicht, dass ich euch nicht gewarnt hätte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 30. Apr 2018, 19:25

The Doll House

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Der Arzt Arthur hat nach einem Zwischenfall im Krankenhaus seinen Job verloren und auch Frau und Kind verlassen. Als er gemeinsam mit seiner Freundin Yoko in ein neues Haus zieht, soll das daher auch so etwas wie ein Neubeginn sein. Doch schon kurz nach dem Einzug beginnt sich Arthur merkwürdig zu verändern und auch Yoko fühlt sich in dem Haus zunehmend beobachtet. Als Yoko unter den Umzugssachen eine Puppe mit merkwürdigen Augen entdeckt, weigert sich Arthur diese zu entsorgen und später sorgt auch noch eine Geistererscheinung dafür, dass der Haussegen zunehmend schiefer hängt.

„The Doll House“ ist auch wieder eine nette Überraschung und dieser „Pinku Eiga“-Streifen aus dem Jahr 2004 orientiert sich inhaltlich stark an „Ju-On – The Grudge“ und bietet dementsprechend auch ein paar unheimliche Momente. Die Mischung aus J-Horror und Softsex ist für westliche Zuschauer ja ohnehin eher ungewohnt und hier kommen dann auch noch eine eher ruhige Erzählweise und eine eher nüchterne Optik dazu, was mich an die Streifen des von mir sehr geschätzten Kiyoshi Kurosawa erinnert hat. Der Inhalt des Films und die Figuren wirken ja eher sperrig und Regisseur Takaaki Hashiguchi bietet ein Szenario, das dem Zuschauer eher wenig erklärt und sich dafür mehr auf die Auswirkungen konzentriert. Statt der vertrackten Erzählweise des Originals geht es hier aber durchaus straighter zur Sache und am Ende wartet auch noch eine besondere Überraschung auf den Zuschauer, die ich mir in dieser Form ebenfalls nicht erwartet habe. Insgesamt betrachtet ist „The Doll House“ schon eine durchaus interessante Mischung für Leutchen, die sich für japanische Filme interessieren und sich auch nicht von der Tatsache abschrecken lassen, dass sich hier Horror und Sex die Klinke in die Hand geben.

Space Invaders [Netflix]

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„Space Invaders“ ist natürlich ein großer Spaß und ein Freudenfest für alle, die auf US-amerikanische Invasions- und Monsterfilme der Fünfziger- und Sechziger-Jahre stehen. Hier ist auch alles vertreten, was man sich in einem derartigen Film erwartet mit dem kleinen Unterschied, dass sich die bösartigen Invasoren als Clowns verkleiden und Menschen mit Popcorn beschießen und in Zuckerwatte packen. Was die Chiodo-Brüder hier auch den Zuschauer loslassen muss man ja wirklich mit eigenen Augen gesehen haben und bei der skurrilen Ausstattung des Filmes hat man sich jedenfalls ganz große Mühe gegeben. Die Naivität dieser Filme und die Klischeelastigkeit seiner Figuren werden perfekt auf die Spitze getrieben und mit einem schelmischen Humor vermengt, der „Killer Klowns from outer Space“ auch zu einer sehr liebenswerten und sympathischen Angelegenheit macht. Wenn die Aliens im Clown-Kostüm mit Popcorn-Pistole und Säure-Torten aufdrehen können Pennywise und Rob Zombie ja ohnehin einpacken und das Genre auf lustigere Weise zu persiflieren scheint ja ebenfalls unmöglich. Der qietschbunte, unterhaltsame und überdrehte Streifen ist mittlerweile ja auch von 18 auf 12 (!) heruntergestuft worden und in HD leuchten die Farben des außerirdischen Zirkuszelts dann auch mindestens so hell wie die Augen des begeisterten Zuschauers. Spaßig!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 1. Mai 2018, 20:40

I was a Teenage Werebear - Hairy, Uncut, Ultimate Edition

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Die Sichtung von „Chillerama“ ist ja nun auch schon wieder vier Jahre her und die Erinnerung daran doch ziemlich verblasst. Die „I was a Teenage Werebear“-Episode habe ich aber noch als ganz spaßig in Erinnerung und die Auffrischung in Form der längeren Fassung hat das auch größtenteils bestätigt. Dass die Episode auf 30 Minuten verlängert nochmals veröffentlicht wurde, liegt wohl größtenteils an Hauptdarsteller Sean Paul Lockhart, der ja auch unter den Namen Brent Corrigan bekannt sein dürfte und sich in bestimmten Kreisen großer Beliebtheit erfreut. Ob die Fassung jetzt besser ist, als die kürzere aus der Anthologie kann ich nicht sagen und müsste ich gelegentlich einmal überprüfen. Offensichtlich gibt es hier erweiterte Szenen und ein alternatives Ende in Form einer weiteren Gesangsnummer, die es mit "Happy End" nicht in „Chillerama“ geschafft hat. Im Grunde ist das Ganze aber immer noch ein harmloses, lustig-trashiges "Highschool-Coming-of-Age-Drama-Musical" mit billigen Splatter-Effekten, zotigen Humor und Werwölfen, dass aus seiner Budget-Not eine Tugend macht. Dass Regisseur Tim Sullivan aufgrund des Inhalts Probleme hatte, entsprechende Darsteller für seine Rollen zu finden, mag man ja da nicht so recht glauben. Die Ländercode-freie US-Scheibe bietet die erweiterte Fassung mit jeder Menge Bonus-Material auf DVD-R und wird in Eigenregie oder einschlägigen Seiten vertrieben. Eigentlich alles ok, allerdings hätte ich mir bei einer liebevollen VÖ auch noch Untertitel gewünscht, die jedoch nicht vorhanden sind.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 2. Mai 2018, 20:55

Chihiros Reise ins Zauberland

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jogiwan hat geschrieben:Wunderbarer Anime von Hayao Miyazaki über ein junges Mädchen namens Chihiro, die mit ihren Eltern aufs Land zieht und sich unvermittelt in einer Welt zurechtfinden muss, in der es von bizarren Wesen und Geistern nur so wimmelt. Dabei vermeidet die spannende Geschichte über Freundschaft und Selbstfindung wie bei Miyazaki üblich jegliche Schwarz-Weiß-Malerei und hat auch eine ökologische Botschaft. Der farbenfrohe und mit Handlung vollgestopfte Streifen erschlägt den Zuschauer förmlich mit seiner Fülle an Ideen und die knapp zwei Stunden vergehen auch wie im Flug, während man Zeuge wird, wie die schüchterne und ängstliche Chihiro ohne Berührungsängste mutig ihren Weg geht. Besser kann man einen Kind-gerechten Anime wohl auch nicht machen und Miyazakis Streifen ist auch einer dieser Filme, die man sich immer wieder anschauen kann, ohne dass dabei auch nur eine Sekunde Langweile aufkommt. Auch wenn ich persönlich aber „Prinzessin Mononoke“ für seinen besten Film halte, kommt „Chihiros Reise ins Zauberland“ aber dann gleich an zweiter Stelle.


Und an dieser Einschätzung hat sich auch nix geändert! ;)
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 3. Mai 2018, 19:56

Cold Blooded

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Der 24jährige Cosmo hat ein etwas einfaches Gemüt, lebt im Keller einer Seniorenresidenz und arbeitet tagsüber für die Mafia als kleiner Buchmacher, der am Telefon Wetten annimmt. Als eines Tages sein neuer Boss Gordon die glorreiche Idee hat, ihn zum Auftragskiller auszubilden ist er daher wenig begeistert und lernt eher widerwillig den Umgang mit der Waffe. Als ihn der erfahrene Killer Steve unter seine Fittiche nimmt, entpuppt sich Cosmo jedoch rasch als Naturtalent, das seine Aufträge auch mit kaltblütiger Präzision zur vollsten Zufriedenheit von Gordon ausführt. Doch es dauert naturgemäß nicht lange, bis er mit seinem Gewissen in Konflikt kommt und als er sich auch noch in die junge Yoga-Lehrerin Jasmine verliebt und einen unliebsamen Auftrag erhält, wird es für Cosmo Zeit sein Leben und seine Job-Perspektiven zu überdenken.

Mitte der Neunziger und nach „Pulp Fiction“ waren Auftragskiller in dunklen Anzügen wohl ziemlich hip und auch im Hollywood-Mainstream gern gesehen. In „Cold Blooded“ ist es ein junger und etwas naiver Buchmacher, der sein Talent als Auftragskiller entdeckt und gemeinsam mit seinem Partner für die Mafia in Ungnade gefallene Personen um die Ecke bringt. Dabei versucht Regisseur Wallace Wolodarsky dem blutigen Treiben in bester Tarantino-Manier eine schwarzhumorige, sarkastische und ironische Note zu geben, in dem er seine Figuren und Szenario ziemlich überzeichnet. Leider erscheint „Cold Blooded“ aber nicht so originell und auch nicht so spaßig und inhaltlich gibt es auch wieder die üblichen Zutaten, die man in Mafia-Auftragskillerfilmen ja auch schon hundertfach gesehen hat. Jason Priestley ist zwar hübsch gegen den Strich gecastet, aber irgendwie nimmt man ihm seine sehr oberflächlich gezeichnete Figur nicht wirklich ab und auch die Art und Weise wie das Auftragskillerduo zu Werke geht, wirkt doch eher ziemlich unglaubwürdig und alles andere als professionell. „Cold Blooded“ ist dann meines Erachtens doch auch ziemlich unausgegoren und setzt sich mit seiner Mischung aus naivem Killer-Psychogramm, brutaler Pulp-Action und soapigen Zügen prompt zwischen die Stühle. Der Teenie-Schwarm als kaltblütiger Killer ist dann auch schon die einzige Pointe in einer ansonsten eher humorfreien Actionkomödie, die doch ziemlich offensichtlich und eher vergeblich in Punkto Charme, Witz und Coolness seiner übergroßen Vorlage "Pulp Fiction" nachhechelt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 4. Mai 2018, 19:29

Roadie

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Der grobschlächtige, draufgängerische und handwerklich begabte Travis Redfish arbeitet eigentlich als LKW-Fahrer bzw. am Recycling-Hof seines exzentrischen Vaters und seiner Schwester und ist nie um eine Idee verlegen, wenn es darum geht Dinge zu reparieren und wieder in Gang zu bringen. Mit seinen Fähigkeiten ist er daher auch der ideale Roadie und als er eines Tages mitten in der Wüste einen Rock-Promoter samt Groupie und Wagen-Panne findet, wird er nachdem er dessen Wegen repariert hat vom Fleck weg engagiert. Obwohl Redfish keine Ahnung und eigentlich auch kein Interesse am Rock-Zirkus hat, wird er innerhalb weniger Tage zum unersetzbaren Mitglied der Truppe, der auch keiner technischen, bürokratischen oder menschlichen Herausforderung zurückschreckt.

„Bands make it rock, but roadies make it roll…“ In den Achtzigern stellte man sich das Rockerleben ja noch ziemlich aufregend vor und auch als Roadie kam man wohl zwischen kollektiven Koksen, Rudelbumsen, Saufereien und Kneipen-Schlägereien wohl kaum dazu, noch die Arbeit zu machen, für die man eigentlich bezahlt wird. In dem Rock-Märchen „Roadie“ geht es dann auch um den dicken, naiven, aber eigentlich herzensguten Travis Redfish, der mit seiner Gabe alles zum Laufen zu bringen, auch zum Star der Roadie-Szene wird und nebenher auch noch sein Herz an den Groupie Lola verliert, die ihrerseits aber nur Augen für Alice Cooper hat. Die episodenhafte Geschichte des überdrehten Films ist zwar nichts für Genre- oder Logik-Puristen, bietet aber viel Platz für Action, Fun und musikalischen Gastauftritte von Blondie, über Roy Orbision bis hin zu Alice Cooper, der hier mit und ohne Bühnen-Make-Up zu sehen ist. Alles hübsch überdreht und immer etwas rüpelhaft bleibt hier auch kein Stein auf dem anderen und bei genauerer Betrachtung ist „Roadie“ auch gar nicht mal so harmlos, sodass man sich angesichts des Inhalts über die deutsche FSK-6-Freigabe doch eher wundern kann. Meat Loaf ist vielleicht kein Parade-Darsteller, aber in meinen Augen ein sympathischer und wohl auch sehr trinkfester Zeitgenosse, der hier auch ordentlich Gas gibt und den Bühnenarbeitern im Hintergrund ein Denkmal geschenkt hat, auf dass man ähm… sagen wir mal so… mit ein paar Einschränkungen durchaus stolz sein kann. Die Musik kommt ebenfalls nicht zu kurz und am Ende läuft dann erwartungsgemäß dann alles völlig aus dem Ruder, sodass der Zuschauer hübsch geplättet zurückbleibt. Sicherlich kein cineastisches Highlight und auch nix für Feingeister, aber eine spaßige, augenzwinkernde und stets überzeichnete Mischung aus Musikfilm, Midnight- und Road-Movie, der eine Zeit und einen Lebensstil beschwört, den es wohl so auch nicht mehr gibt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Mai 2018, 20:33

Pathfinder

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Sonderlich stimmig ist „Pathfinder“ ja wirklich nicht ausgefallen und würde mir jemand erzählen, dass der Streifen lediglich aus „Deleted Scenes“ der „Herr der Ringe“-Trilogie und „300“ zusammengebastelt wurde, würde ich das wohl auch glauben. Die Action und der Look mögen ja noch halbwegs okay erscheinen, aber die Geschichte ist ja doch ziemliche Grütze und abseits vom Look und den ständigen Schlachten hätte man sich vielleicht auch noch auf andere Dinge, wie Spannung oder Figurenzeichnung konzentrieren sollen. So wirkt „Pathfinder“ wie eine Nummern-Revue aus dem SFX- und Stunt-Department, bei der die Spannungskurve jedes Mal fast nach unten geht, wenn es nicht rummst und scheppert bzw. aufeinander losgegangen wird. Clancy Brown und Ralf Möller habe ich unter ihren Wikinger-Kostümen ja nicht erkannt und Karl Urban und die indigenen Darsteller mühen sich mit finsteren oder verzweifelten Blick durch Schee, Eis, Herrscharen von Wikingern und einem sehr schlechten Drehbuch, dass stets an Uwe Boll und Videospiel-Verfilmungen erinnert. Big-Budget-Trash für den Alkohol-geschwängerten Männerabend, bei der man die bessere Hälfte, Gehirn und Anspruch getrost zuhause lassen kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Mai 2018, 20:27

The Girl with all the Gifts

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In einer nahen Zukunft wird die Menschheit durch eine Pilzspore bedroht, die Menschen quasi in tollwütige Zombies verwandelt und auf gesunde Menschen losgehen lässt. Die Menschheit ist nahezu ausgerottet und die letzten verbleibenden und gesunden Menschen sammeln sich in militärischen Zentren, darunter auch das Mädchen Melanie, die zwar infiziert ist, aber im Gegensatz zu den anderen Betroffenen kommunizieren und lernen kann. Sie soll der Schlüssel zu einem Gegenmittel sein, dass von einer ambitionierten Ärztin Caldwell entwickelt werden soll, die in diesen dunklen Tagen nach einer Lösung forscht. Doch als der Stützpunkt angegriffen und zerstört wird, müssen Caldwell, Melanie und eine Handvoll Militaristen flüchten und wagen sich direkt in die Höhle des Löwen um in einem verzweifelten Schritt doch noch das Überleben der Menschen zu sichern…

Ich hätte ja nicht gedacht, dass mich auf meine alten Tage noch einmal ein Zombie-Film positiv überraschen könnte und dennoch beweisen die Engländer nach „28 Weeks later“ hier sehr eindringlich, dass ihnen diese Thematik einfach liegt. Statt einem plumpen Gore-Szenario bietet der Streifen aus dem Jahr 2016 aber auch eine spannende und vor allem vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema Infektion und zeigt die letzten Tage der Menschheit aus den Blickwinkel eines Mädchen, dass einerseits eine Betroffene, andererseits auch der Schlüssel zur Heilung sein könnte. Was jetzt widersprüchlich klingt, ist in „The Girl with all the Gifts“ aber sehr packend, innovativ und konsequent gelöst und der Zuschauer erfährt nach dem sehr seltsam erscheinenden Beginn auch erst nach und nach die Umstände, die zu der prekären Situation der Überlebenden geführt haben. Zuviel will man daher auch gar nicht verraten und dennoch kann ich „The Girl with all the Gifts“ nur jeden Genre-Fan ans Herz legen, der sich nur annähernd für Pandemie, Zombies und ein Katastrophenszenario interessiert. Toll gespielt, unvorhersehbar, sehr ernsthaft und auch der auf den ersten Blick doch seltsam entrückt erscheinende Look des Streifen haben mir ausnehmend gut gefallen. Tipp!

Der Kult - Die Toten kommen wieder

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Vor 25 Jahren hat der charismatische Sektenführer Jim Jacobs die Mitglieder seiner Glaubensgemeinschaft in den Freitod geführt und damit 46 Leben ausgelöscht. Nur die kleine Sarah hat seinerzeit überlebt und wird von der jungen Filmemacherin Maggie kontaktiert, deren Vater seinerzeit als FBI-Agent den Mord der Sektenmitglieder nicht verhindern konnte. Als sich Maggie mit ihrem Team gemeinsam mit Sarah zu dem Schauplatz des Verbrechens aufmachen entdecken sie jedoch in einem heruntergekommenen Haus eine weitere Leiche und Filmmaterial, dass bei der Sichtung ein neues Licht auf den schrecklichen Freitod der Sekte wirft. Doch je weiter die Truppe in die Geheimnisse von Jim Jacobs eintaucht, desto mehr erscheint es auch, dass die vor 25 Jahren drastisch beendete Geschichte noch nicht fertig erzählt ist…

Lahmer US-Horrorilm mit Found-Footage-Anleihen, der das „Jonestown-Massaker“ in Guyana als Vorlage für seine vorhersehbare Geisterbahnfahrt mit inflationären „Jump-Scare“-Gebrauch und Hui-Bui- Seelenwanderung missbraucht. „Der Kult – Die Toten kommen wieder“ ist ja leider nicht sonderlich originell und die Geschichte entpuppt sich als schlecht erdachte Mischung aus allerlei bekannten Versatzstücken des Genres, die auf recht holprige Weise und mit ständigen Rückblenden zusammengebracht werden. Die Darstellung des Predigers fand ich zunehmend sehr nervig und auch der Rest des Drehbuchs wirkt schludrig, unausgegoren und doch ziemlich doof. Das Ende ist auch ohne dem deutschen Titel ebenfalls sehr absehbar und dürfte wohl niemanden überraschen, der in seinem Leben schon mehr als fünf Genre-Filme gesehen hat. Abgesehen davon, dass hier trotz der dämlichen Geschichte natürlich dennoch furchtbar ernsthaft zur Sache gegangen wird, hat mich auch der Look des Streifens mit seinen herunter gedrehten Farben nicht wirklich gefallen und die ständigen Schreckmomente, die keine Spannung erzeugen, fand ich ebenfalls entbehrlich. Hier wirkt alles seltsam unentschlossen und irgendwie fand ich es auch nicht sehr sympathisch, dass ein so ernsthaftes Thema und ein so schreckliches Massaker als Aufhänger für eine so unterdurchschnittliche und lahme Geisterbahnfahrt verbraten wird. Naja…
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Mai 2018, 20:26

Stripped to Kill

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Die Polizistin Cody ist mit ihrer Partner Heineman gerade undercover in einem Park in Los Angeles im Einsatz, als sie zufällig Zeugin wird, wie eine Stripperin bei lebendigem Leib verbrannt wird. Der Täter kann zwar entkommen, aber Cody und Heinemann bekommen den Fall zugeteilt und ermitteln schon Stunden später im Umfeld des „Rock Bottom“-Clubs, in dem das Opfer gearbeitet hat. Als dort trotz der Vorkommnisse am nächsten Abend ein Amateur-Strip-Wettbewerb stattfindet, meldet sich Cody trotz mäßigen Tanztalents an und kommt so nicht nur in Kontakt mit den restlichen Mädels, sondern lernt auch eine für sie völlig fremde Welt kennen.

Unterhaltsame Mischung aus Slasher, Buddy-Movie und Tanzfilm im Umfeld eines Strip-Clubs in Los Angeles, bei dem auch die Tanzeinlagen natürlich keinesfalls zu kurz kommen. Diese sind streng genommen eigentlich die Hauptattraktion dieses Streifens und Regisseurin Katt Shea inszeniert die Tanzeinlagen auch recht hübsch und dynamisch, während der Krimi-Anteil erst im zweiten Teil des Streifens etwas mehr in den Vordergrund rückt. Die Geschichte des ermittelnden Duos ist ja auch nicht ganz konfliktfrei und natürlich gibt es auch noch eine kleine Love-Story zwischen den beiden Cops. Bisweilen wirkt die Geschichte mit überraschender Auflösung doch auch etwas überhastet und arg sprunghaft erzählt, doch irgendwie fand ich „Stripped to Kill“ mit seiner Extra-Portion Achtziger-Flair schon schwer unterhaltsam. Was ich bemängeln könnte ist die Musik, die ich ehrlich gesagt nicht so prickelnd fand, aber für bekanntere Songs oder bessere Songschreiber war in der kleinen Produktion wohl kein Platz mehr. Doch was den Songs und Refrains an „Catchyness“ fehlt, wird mit akrobatischen Tanzeinlagen der Mädels ohnehin mehr als wettgemacht. Insgesamt betrachtet ist „Stripped to Kill“ dann schon eine sehr lustige und unterhaltsame Sache, die grimmigen Slasher-Horror, lustige Dialoge, Lava-Lampen und jede Mange nackter Haut und Stripclup-Atmosphäre auf trashige und nicht immer geschmackvolle, aber stets unterhaltsame Weise zusammenbringt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Mai 2018, 20:06

Terror

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jogiwan hat geschrieben:Herrlich! Irgendwie hat man bei "Terror" das Gefühl, dass der englische Regisseur Norman J. Warren eine Parodie auf "Suspiria" gedreht hat und dabei auch die Morde aus Argentos Streifen auf augenzwinkernde Weise neu interpretiert. Zwar gibt die Geschichte über Hexen-Flüche noch immer nicht viel her, aber der Streifen macht auch trotz seiner augenscheinlichen Mängel doch großen Spass und Warren hat ebenfalls sichtlich Freude den Zuschauer bei der Nase herumzuführen. Es regnet, rummst und bröckelt an allen Ecken und das Finale ist dann fast ein kleines Inferno mit einer wunderbaren Ausleuchtung. Außerdem ist "Terror" auch noch hübsch blutig und etwas sleazy ausgefallen, was den aufgeschlossenen Fan von derartigen Werken ebenfalls erfreuen wird.


Gestern nochmals auf der wunderbaren Ami-Blu-Ray-Disc gesehen, kann ich die oben genannten Worte eigentlich nur wiederholen, auch wenn ich das Wort „Parodie“ jetzt nicht mehr in den Mund nehmen würde. Im Interview erzählt Norman J. Warren ja auch, dass Ende der Siebziger laufend neue und innovative Horror-Filme in die Kinos kamen und ihn Argentos „Suspiria“ so begeistert hat, dass er etwas Ähnliches machen wollte. Herausgekommen ist „Terror“ - ein Film, der zwar keine große Rücksicht auf eine geradlinige Story oder Logik nimmt, dafür den Titel aber Programm stehen lässt und einen Spannungsmoment nach dem anderen auf den Zuschauer los lässt. Dass Warren dabei auch noch etwas augenzwinkernd und nicht immer ernsthaft zur Sache geht, macht „Terror“ dabei eigentlich schwer unterhaltsam und zu einer lohnenswerten Sache, bei der sich auch der Zuschauer nie in Sicherheit wähnen sollte. Besonders hervorzuheben ist dann natürlich der Mord am Produktionsassistenten, der Argento-Fans durch seinen abgewandelten Einsatz von Filmmaterial natürlich gleich bekannt vorkommen wird. Mit einer Laufzeit von knapp 80 Minuten ist „Terror“ zwar vergleichsweise kurz ausgefallen und füllt diese Zeit mit lustigen Einfällen, hübscher Ausleuchtung und schrägen Momenten, die Horror-Fans mit Humor auch zu schätzen wissen. Die Blu-Ray von Vinegar Syndrome ist wie üblich „codefree“, hat eine tolle Qualität, zwei Cover-Varianten, englische Subs für ein besseres Verständnis und auch noch ein paar neue Interviews mit Cast und Crew an Bord.
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