DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

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Moderator: jogiwan

Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 20. Nov 2011, 21:53

ICH WILL DEINEN KOPF

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Originaltitel: Giù la testa…hombre
Alternativtitel: Adios Companeros
Land: Italien
Jahr: 1971
Genre: Western
Regie: Demofilo Fidani

Handlung:
Die Bande von Butch Cassidy (Hunt Powers), die sich hoffnungslos in der Wüste verirrt hat, schießt eine zweite Gangsterbande über den Haufen um denen Pferde, Waffen und Proviant zu mopsen. Doch, ups, hat man einen von den Gegnern nicht richtig getroffen…Macho (Jeff Cameron) hat das Massaker überlebt und sinnt auf Rache. Gelegenheit bietet sich ihm, als sich Butch Cassidy mit seinem Ex-Kumpanen Ironhead (Gordon Mitchell) entzweit. Macho schleicht sich in Ironheads Bande ein um diesen und Cassidy gegeneinander auszuspielen. Ach ja, und irgendwie unzusammenhängend damit taucht die Figur eines Priesters auf (Klaus Kinski), die wir haben, damit Kinski nicht rollenlos bleiben muss!

Kritik:
Demofilo Fidani wird nicht zu Unrecht der „Ed Wood des Italowesterns” genannt. Im Fließbandtempo produziert er mit niedrigsten Budgets einen Streifen nach dem anderen und schert sich einfach nicht wirklich um Qualität oder Sinn. 1971 gelang ihm aber mit „Für einen Sarg voll Dollar“ aka. „Adios Companeros“ sein persönliches Hoch. Nicht dass der Film überragend war, aber er war wenigstens nicht so schlecht wie die anderen Ergüsse Fidanis. Also beschloss man im gleichen Jahr einen zweiten Film zu machen, mit fast gleichen Darstellern und Crew, der nur zwei Wochen später in die Kinos kam und in deutschen Landen sogar unter dem selben Titel „Adios Companeros“ bekannt ist :palm: . Und ist er so annehmbar wie der erste Film dieses Titels? – Auf keinen Fall!
Diesmal versucht Fidani nicht mal die Felder vor Rom möglichst nach Wüste aussehen zu lassen. Die abenteuerliche Welt des wilden Westens zeigt sich uns hier in Kieselgruben und Lustwäldchen. Die Musik von Lallo Gori ist wunderbar ausgefallen, passt leider stimmlich nicht wirklich zum Film, ist und bleibt aber ein nettes kleines Thema zum immer wieder anhören.
Wer versucht der Handlung zu folgen wird nach spätestens einem Drittel kläglich scheitern. Die Handlungen der Personen sind undurchschaubar und nicht nachvollziehbar. Wir bekommen diverse Subplots, die allen möglichen Zwecken dienen nur nicht der Dramaturgie. So gibt’s da diesen Auftritt vom Kinskerich als schlagkräftigen Gottesmann. Gerade lang genug um das Riesenportrait des berühmten Darstellers aufs Poster zu bannen.
Die Schauspieler sonst sind zwar nicht aller erste Sahne, aber anschaubar. Besonders Hunt Powers als Butch Cassidy weis zu unterhalten, da er seine Rolle mit sehr viel Humor nimmt und als sympathischer Gentlemangangster die Herzen der Zuseher im Sturm erobert. (Auch wenn diese Wirkung vielleicht unbeabsichtigt ist, da er ja der Gegenspieler des Helden ist). Gordon Mitchell gibt wieder mal einen sehr cartoonhaften Oberfiesling, was aber recht viel Laune macht, und Jeff Cameron ist trotz seiner Talentlosigkeit wenigstens nicht nervig.
Man merkt Filmtechnisch lässt sich aus dem Streifen nicht allzu viel herausholen, aber wer nach Trash Ausschau hält wird ihn im Überfluss vorfinden. Neben der konfusen Handlung, der unrealistischen Lokation und den Over- bzw. Under-Acting-Künstlern gibt es ziemlich viel komisches Zeug zum drüber ablachen. Genannt sei hier besonders die „Stadt ohne Frauen“ (als Macho in eine Stadt kommt sind die Straßen voll von Männern die allein oder Grüppchenweise lustwandeln, Frauen sind aber nicht zu sehen) und natürlich die berühmte „Apfel-Szene“. In dieser Szene hat unser Klaus Kinski nichts anderes zu tun als einen Apfel zu nehmen und ein Stückchen abzubeißen. Der Gutste bemüht sich aber zuviel und hat auf einmal den halben Apfel im Mund. Ein normaler Regisseur würde jetzt „Cut!“ rufen, aber nicht Demofilo Fidani und ein normaler Schauspieler würde jetzt aufgeben, aber nicht der Kinskerich – so kaut er einfach eine halbe Minute an dem Ding herum bis er es die Kehle runter hat :kicher: . Dies ist sicherlich die zweitwitzigste Mann-ist-mit-seiner-Nahrung-überfordert-Szene des gesamten Subgenres (nach der Stelle aus „Der letzte Zug nach Durango“ an der mein Anthönchen Steffen sich an einem besonders scharfen Pfefferoni versucht).
Kurz noch zur DVD von Carol Media: Die Leute, welche diese rausbrachten haben nämlich ziemlich mies recherchiert: Der Titel ist „Adios Companeros“, was leichte Verwirrung bei denen schafft, die den Streifen für den anderen „Adios Companeros“ halten. Das Coverbild zeigt einen großen Kinski, der aus irgendeinen Grund sein Kostüm aus „Ein Einsamer kehrt zurück“ trägt :doof: . Natürlich steht sein Name auch in riesigen Lettern daneben. Als Bonus wird uns eine „Geschichte des Italowesterns“ geboten…ha, selten so gelacht. :x
Fazit: Einer der schlechtesten Italowestern mit einer der konfusesten Handlungen aber dennoch unterhaltend wie kein zweiter. Ein Trash-Juwel der besonderen Sorte.
Filmtechnisch: 1/10 :thdown:
Trashige Unterhaltung: 10/10 :thup:
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 20. Nov 2011, 21:55

DJANGO UND DIE BANDE DER BLUTHUNDE

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Originaltitel: Django il Bastardo
Alternativtitel: Django der Bastard; Höllenhunde gehetzt bis zum Verrecken
Land: Italien, Spanien
Jahr: 1969
Genre: Western
Regie: Sergio Garrone

Handlung:
Der Trupp des Ex-Südstaatensoldaten Django (ANTHONY STEFFEN - Diesmal sogar im Original ein Django) wurde von seinen Offizieren an die bösen bösen Nordstaatler verraten. Als einziger Überlebender ist es für Django selbstverständlich Ehrensache die Offiziere zu finden und in die Hölle zu ballern. In episodenhaften Subplots gelingt ihm das anfangs auch recht gut, bis nur noch Murdock (Paolo Gozlino) übrig bleibt. Dieser versammelt in Todesangst alle Halunken die er auf die Schnelle auftreiben kann und erwartet den geheimnisvollen Rächer. Django kommt in der Nacht und das Morden beginnt…

Kritik:
Um diese kreative Geschichte (Sarkasmus!) von einem Typen, der andere Typen umnietet um wieder andere Typen zu rächen, auszuklügeln, nahm sich der Regisseur seinen Hauptdarsteller Steffen als Co-Autor. Heraus kam ein zweischneidiges Schwert. Jene Zuseher, die besonderes Gewicht auf die erste Hälfte des Filmes legen werden diesen Streifen hassen, jene jedoch die sich eher auf die zweite Hälfte beziehen werden ihn garantiert lieben.
Der Anfang ist wirklich ein wenig lahm. Django plant einen umzubringen - Django bringt diesen um. Diese Handlung bekommen wir dreimal bis der Film schlagartig Spannung und Atmosphäre bekommt. Sergio Garrone hat ganze Arbeit geleistet eine unheimliche Stimmung aufzubauen, angefangen damit, dass die Banditen die Zivilisten aus einer Stadt verjagen, wo sich Murdock vor Django versteckt und somit eine Geisterstadt entsteht. Der Film bezieht seine Faszination aus dem gespannten Warten der Verbrecher auf das kommende Unheil. Django hat nämlich den Ruf ein phantomhaftes Überwesen zu sein und niemand weiß ob es überhaupt Hoffnung gegen ihn gibt. Wie ein Gespenst erscheint er auch immer aus dem gleichen Nichts in das er bald wieder verschwindet. Kommt, tötet und ist wieder weg. Dieser Teil übersteigt meiner Meinung nach atmosphärisch selbst den ähnlich ausgerichteten „Satan der Rache“ (Dessen Stärke, im Vergleich zu diesem Streifen, aber in der Kontinuität der Atmo liegt).
Steffen leistet hervorragende Arbeit indem er möglichst wenig tut. Er ist ja bekannt kein Ausdruckgenie zu sein, seine Performance in „Django und die Bande der Bluthunde“ grenzt aber fast schon an Leichenstarre - gut so, dieses Fehlen von Emotionen ist genau das, was der unheimliche Killer braucht. Dieser Django zeichnet sich nicht durch Gefühle aus, seine Stärke ist es eine unbarmherzige Tötungsmaschine ohne menschliche Züge zu sein und dies bekommt Steffen unvergleichbar gut hin. :|
Der Rest der Crew leistet auch seinen Beitrag zum Film. Paolo Gozlino, den wir leider viel zu selten mal in Filmen sehen, bringt einen diabolischen Bösewicht, mit dem wir aber durchaus auch Mitleid haben können; Rada Rassimov zeigt uns eine geldgierige Femme Fatala wie sie im Buche steht und selbst Ostride Pevarello rückt hier ein bisschen aus seiner sonstigen Statistenrolle hervor, einfach weil die ganze Komik des Filmes auf seinen Schultern ruht. In „Django und die Bande der Bluthunde“ finden wir nämlich so gar keinen Witz, nicht mal sympathische Charaktere die uns zum Schmunzeln bringen und plötzlich kommt dann Pevarello als einer der Banditen, der einfach lustiges Zeug sagt und macht.
Von Luciano Rossi werden diesmal alle an die Wand gespielt. Er mimt Murdocks Bruder, eine Figur die man durchaus hätte streichen können. Seine Performance eines vollkommen wahnsinnigen Sadisten mit kindlichen Zügen sichert ihm aber die erinnerungswürdigsten Parts des Filmes.
Musikalisch steht uns übrigens ein flotter Song zur Verfügung dessen einziger Text aus „He, Django!“ besteht. :pfeif:
Fazit: DER Anthony-Steffen-Film: Noch nie war seine Performance so hölzern, noch nie hat sie so gut gepasst. Auch wenn der Film am Anfang ein wenig konfus und monoton daherkommt, macht Garrone dies mit der unheimlich stimmigen zweiten Hälfte wett. 8/10 :thup:
Zuletzt geändert von DrDjangoMD am 22. Nov 2011, 13:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 20. Nov 2011, 21:57

CANNIBAL TERROR

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Originaltitel: Terror Canibal
Land: Frankreich, Spanien
Jahr: 1981
Genre: Horror
Regie: Julio Perez Tabernero

Handlung:
Drei Gangster kidnappen ein kleines Mädchen um Lösegeld zu fordern. Da wir uns hier aber in einem Kannibalenfilm befinden, fliehen die Verbrecher samt Geisel natürlich in den Urwald, wo sie auf der Speisekarte der Einheimischen landen…

Kritik:
…Ich hab irgendwie keine Lust über diesen Film nachzudenken…Je schneller er aus meinem Gedächtnis entfleucht desto besser. Die Handlung ist gaga, die Regie ist noch schlechter und die Darsteller bewegen sich wie Zirkusclowns, welche gerade in einem Spaßwestern auftreten, nur dass dieser Film ernst gemeint ist. Die Deutsche Synchro unterstreicht die Idiotie des Streifens und lässt die Stotterer, welche normalerweise nur herausgeschnittene Szenen nachsynchronisieren wie viele kleine Vincent Prices wirken.
Der Urwald sieht mir verdächtig nach Spanien aus, wie auch die Kannibalen, die man mit indianischer Kriegsbemalung ausgestattet hat um anzudeuten, dass es sich bei ihnen um Eingeborene und nicht um einen Haufen Versager aus dem spanischen Arbeitsmarkt handelt. Bei manchen hat man sich nicht mal die Mühe gemacht ihre gestylten Schnurrbärte abzurasieren. Richtig peinlich wird’s aber erst wenn sie beginnen zu Trommelklängen herumzuhopsen und dämlich in die Kamera zu grinsen.
Der Film ist über dem Trash-Level so schlecht, dass er nicht mal wieder gut ist. Hier und da lässt sich ein bisschen Trash entdecken. Wie der Dialog Vater-Tochter, in dem der Vater seine Göre fragt, welches Tier einen Schnurrbart, spitze Ohren und eine rosa Zunge hat und „miau“ macht und die Tochter darauf unter anderem „ein Hai“ antwortet. Oder die vergeblichen Versuche filmische Kunstgriffe anzuwenden, wie die „Blende“ ins Schwarze, wo einfach die Bühnenbeleuchtung runtergedreht wird und es dann plötzlich ganz schwarz wird. Aber das ist zu wenig Trash, viel zu wenig um die Idiotie von „Cannibal Terror“ wettzumachen.
Fazit: :palm: :cry: :palm: :cry: :palm:
Filmtechnisch: 0/10
Trash: 5/10
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 20. Nov 2011, 21:59

EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON FRANKENSTEIN

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Originaltitel: La Maldición de Frankenstein
Alternativtitel: Das Blutgericht der gequälten Frauen
Land: Frankreich, Spanien
Jahr: 1972
Genre: Horror
Regie: Jess Franco

Handlung:
Der böse böse Cagliostro und seine blutsaugende Vogelfrau Melissa planen eine Superrasse zu züchten um mit ihrer Hilfe die Weltherrschaft an sich zu reißen. Als Zuchtbulle wird Frankensteins Monster auserkoren. Der Schöpfer desselben ist genauso schnell ins Jenseits geschickt wie das Monster entführt, doch nun steht der Schurke vor noch einem Hindernis: Er braucht noch eine Braut für das Monster!

Kritik:
Dieser Film ist in erster Linie wegen seinem Trash-Faktor anzusehen. Die Darsteller sind allesamt Over-Acting-Künstler, das Monster sieht aus wie der kräftiger gebaute Bruder von Silver Surfer und der Regisseur des ganzen Spaßes ist Jess Franco (letzter Punkt spricht für sich selbst).
Immerhin gelingt es dem Trashmeister in einigen Szenen durchaus Stimmung hineinzubringen. Die schwarzen Messen von Cagliostros Anhängern zum Beispiel in weißen Gewändern mit Totenkopfmasken haben mir sehr gut gefallen, auch wenn sie streckenweise ein bisschen langweilig daherkommen. Und auch Melissas blutiges Suchen nach Frischfleisch ist hier und da richtig unheimlich.
Zum Ausgleich dazu verwöhnt uns Franco aber natürlich auch mit besonders doofen Szenen wie die kurzen Wiederbelebungssequenzen von Doktor Frankenstein. Dessen Tochter schafft es nämlich ihren Herrn Papa mit einer seiner Maschinen wieder ins Leben zurückzurufen, sieht aber keinen Grund dieses Spiel mit dem Tode länger als jeweils ein paar Minuten zu betreiben.
Lautes Gelächter meinerseits begleitete ebenso jeden Auftritt Cagliostros, der mit seinem langen Mantel und seinen übertriebenen Gestiken fast schon als Vincent Price für Arme bezeichnet werden kann (für sehr sehr sehr Arme).
Zu erwähnen ist noch, dass auf meiner DVD eine zweite Version zu finden ist. Praktisch der selbe Film, bloß mit einigen eingefügten Nacktszenen. In dieser Version haben viele Szenen eine größere Wirkung. Melissa sieht viel animalischer aus, wenn sie nur mit ein paar Federn und nicht mit dieser dummen schwarzen Robe aus der jugendfreundlichen Version bekleidet ist und auch die Folterszene des Luis Barboo ist nicht mehr so lachhaft, wenn er keinen Lendenschurz a la Tarzan trägt. (Auch wenn mit dem Blick auf Luis Barboos ihr-wisst-schon-was wieder mal ein wenig von meiner italowesterndurchzogenen Kindheit starb.)
Fazit: Trashiges Werk Francos mit einigen wenigen stimmigen Szenen aber leider auch hier und da ein paar Längen.
Filmtechnisch: 3/10
Trahige Unterhaltung: 8/10
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 21. Nov 2011, 20:42

[REC]

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Originaltitel: [Rec]
Alternativtitel: [Rec] - Eiu Albtraum aus Blut, Angst und Terror
Land: Spanien
Jahr: 2007
Genre: Horror
Regie: Jaume Balagueró, Paco Plaza

Handlung:
Im Zuge einer Reportage über die Spanische Feuerwehr werden eine Journalistin und ihr Kameramann in einem unter Quarantäne stehenden Haus eingeschlossen. Probleme zeigen sich, als sich einige Hausbewohner in blutdurstige Bestien verwandeln.

Kritik:
Um eines mal im Vorhinein klar zustellen: Ich mag diesen Film nicht besonders :| . Ich weiß nicht ob es meine Abneigung gegen moderne Horrorfilme im Shaky-Cam-Stil allgemein ist, oder meine Enttäuschung nachdem ich so viele gute Kritiken gelesen habe, aber „Rec“ war für mich nie mehr als eine 6/10. Die Idee ist nett und die Nebendarsteller wirken ziemlich natürlich, aber die Geschichte ist eine Collage von Filler, die ersten zwanzig Minuten ist komplette Sense und der Teil in dem endlich was passiert ist ein kurzer Teil. Die Hauptdarstellerin nervt ziemlich, leider überlebt sie so lange und auch die Pseudomoral am Ende fand ich ziemlich unpassend in diesem Film, da sich die Medienkritik wirklich erst durch das Schlusszitat offenbart; ich kann zwar die Faszination von der anderen verstehen, nur hat er mich persönlich nicht so von den Socken gehaut; ABER! Weil dieser Film in so gut wie jeder Kritik mit dem „Blair Witch Project“ verglichen wird, habe ich ihn mir dann doch noch mal zu Gemüte geführt und ein paar Unterschiede und Ähnlichkeiten zu dem Vorgänger herausgefiltert:

Die größte Ähnlichkeit zwischen „Blair Witch“ und „Rec“ ist wohl, dass die Kamera hier wie dort Teil der Handlung ist, sie ist im Film selbst präsent. Beide Filme zielen auch auf einen möglichst großen Realitätseffekt. Bei Blair Witch ist dies leicht gemacht, das kleine Studentenprojekt mit den unbekannten Darstellern ist leicht als „wahre Begebenheit“ zu tarnen. Bei „Rec“ wird die Sache schwieriger. Es ist eine große Produktion samt Kamerateam, Beleuchter, Sound-Spezialist, Make-Up-Designer, Spezialeffekttypen, usw. Kein Zuseher würde dies für eine reale Begebenheit halten! Also greifen die beiden Regisseure zu anderen Mitteln um ihren Realitätseffekt zu steigern:
Als erstes wäre da zu nennen, dass Rec beachtlich wenig Schnitte aufweist. In Blair Witch wird dauernd zwischen zwei Kameras hin und her gecuttet die ständig aus und wieder ein geschaltet werden. In „Rec“ gibt es nur eine Kamera und wenn die mal abgedreht wird liegt gleich ein guter Grund vor, wie die Aufforderung abzuschalten, weil sowieso nichts Wichtiges geschehen würde.
So entstehen sehr lange Kamerafahrten, die bis zu zwanzig Minuten andauern. Solche Sequenzen sind sicherlich schwer zu drehen. Die Darsteller müssen über einen langen Zeitraum genau wissen, was sie zu tun haben. Geht mal was schief, wird dies dann sehr oft in den Film eingebaut um die Szene nicht noch mal drehen zu müssen. Dies wirkt hier und da sogar richtig gut, wie die Vase, welche einmal umgestoßen wird, was die vorherrschende Stille mit einem ziemlichen Kracher aufhebt.
Es finden sich viele Reverenzen zu bekannten Formaten. So zum Beispiel das Doku-Soap-Thema der ersten zwanzig Minuten. Wir bekommen nichts als das Making-Of eines Berichts über die Spanische Feuerwehr. Wenn ich so etwas sehen will geh ich vielleicht auf ATV, aber nicht ins Kino zu einem Horrorfilm! Warum zwingen uns dann die Regisseure diesen ersten Teil quälender Langeweile zu ertragen bis endlich die blutgierigen Besessenen auftauchen? Ich denke es liegt wieder mal am Realitätseffekt! Eine Dokumentation behauptet von sich selbst immer die Wahrheit zu bringen, so erwarten wir nach den ersten Minuten in diesem Film auch die Wahrheit anzutreffen. Was wir nicht erwarten ist ein Haus voller infizierter Unmenschen (ich umschreibe den Begriff Zombie absichtlich, da es doch keine lebenden Toten, sondern besessene Lebende sind, mit denen wir es zu tun haben, oder hab ich da was übersehn? :? ) und demnach ist es ein ziemlicher Schock wenn wir genau das dann bekommen.
Ein zweites Format auf das angespielt (haha, angeSPIELT ;) ) wird, ist das des Computerspiels. Darin bin ich zwar kein Experte aber einige Einstellungen erinnern doch stark an die Perspektive eines Ego-Shooters. Dies führt zur erhöhten Identifikation mit dem Kameramann. Wie bei einem Videospiel, wo wir die Figur sogar selbst lenken und leiten, befindet er sich in der selben Position wie das Publikum.
Gemeinsamkeiten mit Blair Witch sind neben der fehlenden Filmmusik (auch wenn ich mal eine Kritik gelesen habe, welche ganz besonders die stimmige Filmmusik lobt :doof: ), dass mit den Emotionen der Darsteller ein wenig herumexperimentiert wurde. Während die Regisseure des Studentenprojektes sogar nachts umherschlichen und ihre Akteure erschreckten, ist es bei „Rec“ zwar nicht ganz so krass, aber auch hier wussten die Schauspieler nicht genau, was in den nächsten paar Szenen geschehen wird, damit ihre Angst natürlich wirkt.
So sehr sich „Rec“ auch mit all diesen Mitteln um einen Realitätseffekt bemüht, dass es eine Großproduktion mit durchkonzipierter Dramaturgie ist wird es nie leugnen können. Und auch diese dämliche Schlussmoral! „Blair Witch“ funktioniert ohne Moral und „Nackt und Zerfleischt“ funktioniert, weil die Moral auf die im Film gezeigte Medienkritik antwortet, aber die Moral in „Rec“ funktioniert überhaupt nicht, weil das verhalten der Reporter nie als wirklich negativ dargestellt wurde.
Bleibt nichts mehr zu sagen außer mich bei allen Fans von „Rec“, die ich jetzt enttäuscht habe, zu entschuldigen und mich einmal mehr zu fragen, wer hier jetzt eigentlich die wirklichen Kannibalen sind :? ???
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 21. Nov 2011, 20:44

MONDO CANNIBALE 3. TEIL – DIE BLONDE GÖTTIN

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Originaltitel: Mondo Cannibale
Alternativtitel: Inferno der Kannibalen; Jess Franco’s Mondo Kannibalen; Mondo Cannibale 3 – Die blonde Göttin der Kannibalen
Land: Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien
Jahr: 1980
Genre: Horror
Regie: Jess Franco, Francesco Prosperi

Handlung:
Die Expedition des jungen Tropen-Experten Dr. Taylor (Al Cliver) geht gehörig in die Hose. Seine Frau wird von Kannibalen vernascht, seine Tochter von denselben entführt, er muss einen Arm lassen und verliert nach einem Klopp aufs Haupt auch noch sein Gedächtnis. Als er dieses Jahre später wiederfindet begibt er sich mit einem Haufen partybegeisterter Snobs erneut in die Tropen um nach seiner Tochter zu suchen, die von den Menschfressern als eine Göttin verehrt wird.

Kritik:
Der Film, welcher von Leuten, die Cannibal Terror nicht gesehen haben, gern als der schlechteste Film dieses Genres bezeichnet wird, hat sich mir gar nicht mal so schlecht gezeigt. Vielleicht hat der Streifen mehr Schwächen als Stärken aber…er hat zumindest Stärken.
Das fröhliche Titelthema, welches mich irgendwie an die Musik aus Edgar-Wallace-Filmen gemahnt, passt zwar nicht zum ganzen Film, ist aber wenigstens den Ohren wohlgefallen.
Die Atmosphäre ist düsterer als gewohnt, auch wenn die verminderten Gore-Szenen (die meisten Morde werden mit Giftpfeilen ausgeführt) „Mondo Cannibale 3“ mehr nach einem Abenteuerfilm als nach einem Horrorfilm aussehen lassen.
Bei den paar Mampferein hat Franco versucht, weniger auf detaillierten Gore sondern mehr auf bedrückende Stimmung zu setzen. Manchmal gelingt ihm das auch durchwegs, nur sind diese Szenen ein wenig zu lang geraten, so dass sich die dichte Stimmung nach kurzer Zeit verzieht um Platz für Unaufmerksamkeit und Langeweile zu schaffen.
Ich habe in meinen Kannibalenfilmen zwar lieber Ivan Rassimov oder Robert Kerman, aber Al Cliver ist und bleibt ein guter Schauspieler, der seine Rolle überzeugend spielt. Sabrina Siani ist zwar eine kleine Schauspielerin aber ein umso größerer Augenschmaus mit ihren langen blonden Haaren, den aufgemahlten Blümchen, dem mikroskopischen Fetzen als ganzes Gewand… :sabber: Wie dem auch sei, zurück zum Thema: Die Nebencharaktere bestehen aus einem Haufen nerviger Idioten, doch man kann sich wenigstens freuen, wenn sie umgebracht werden.
Die aller größte Schwäche des Filmes ist, das viele Teile zu kurz kommen. Die Partygesellschaft auf der Expedition wird innerhalb weniger Minuten gänzlich ausgerottet und der Schluss lässt einige Fragen offen. Auch wenn der Film mit seinen 84 Minuten schon Längen hat, hätte ihn mehr Zeit an anderer Stelle durchaus gut getan.
Für Trash wird, spätestens wenn die Kannibalen beginnen in vorbildlichem Deutsch zu sprechen, auch gesorgt und besonders die Worte die man dem einen Häuptling beim Schlusskampf in den Mund legt sind schon ein paar Lacher wert: „Ich töte dich!“, „Du bist tot!“, „Jetzt muss ich dich töten!“, „Du wirst sterben!“, „Ich bring dich um!“, usw. usw. usw.
Fazit: Kein Film zum lieb haben oder immer wieder ansehen, aber für ein wenig Unterhaltung so nebenbei grade gut. Und wie sage ich nicht immer, solange es kein "Cannibal Terror" ist, kann’s nicht so schlecht sein!
Filmtechnisch: 5/10
Trashige Unterhaltung: 7/10
Zuletzt geändert von DrDjangoMD am 22. Nov 2011, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 21. Nov 2011, 20:46

DIE SADISTEN DES SATANS

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Originaltitel: Satan’s Sadists
Land: USA
Jahr: 1969
Genre: Bikerfilm
Regie: Al Adamson

Handlung:
Anchor und seine kleine Bande böser Buben durchziehen die Lande stets auf der Suche nach potentiellen Vergewaltigungsopfern. Ein Zwischenfall bei einer Raststädte endet mit einem Massaker dem nur ein Exsoldat und eine Kellnerin entkommen können, die von nun an von den Bikern gejagt werden.

Kritik:
Über die Mittelmäßigkeit wird dieser Film wohl nicht hinauskommen, dazu hat er ein paar Längen zu viel, obwohl er durchaus einige Sachen beinhaltet hat, die mir recht gut gefielen.
Zu loben wäre erst mal die Kameraarbeit. In den Gewaltszenen nimmt sie einen fast schon dokumentarischen Stil an um sich daraufhin wie ein Voyeur gierig über die Opfer herzumachen, was eine sehr wirkungsstarke und verstörenden Methode ist.
Der Soundtrack ist für meinen Geschmack ein wenig träge ausgefallen. Er wirkt zwar gut in deprimierenden Szenen, schafft es jedoch nicht das wilde Biker-Leben melodisch stimmig zu untermahlen.
Die Figur Anchor ist ziemlich cool. Er sieht ja nicht sonderlich aus mit seinem Wuschelkopf, den runden Sonnenbrillen und dem überdimensional hohen Fischerhut, aber Russ Tamplyn spielt die Figur mit sehr viel unheimlicher Ruhe, immer andeutend, dass er jeden Moment explodieren könnte.
Er ist das einzige Mitglied der Biker das dem Namen „Satans Sadisten“ gerecht wird, denn er empfindet sichtliche Freude bei seinem üblen Treiben und seine diabolische Lache ist auch nicht von schlechten Eltern :lol: :twisted: . In einem kurzen Monolog gibt er an, dass er nur so viel Hass empfindet, weil die Leute die nur Lieben vom Establishment unterdrückt werden. Diese Rede ist zwar zu wenig um daraufhin dem ganzen Film eine Botschaft nachzusagen, aber sie reicht um Anchor als tiefgründigen Charakter anzusehen.
Da seine Bikergang nicht allzu umfangreich ist, konnte man Anchors Mitstreitern auch ein paar Charaktereigenschaften anhängen. Dies ist manchmal positiv, manchmal aber eindeutig übertrieben. Wie beispielsweise bei der Bikerbraut, die eine kindlich naive Liebe zu Anchor entwickelt hat, obwohl sie im tiefsten Grunde ihres Herzens ein guter Mensch ist, den das gewalttätige und drogenabhängige Leben ihrer Freunde anwidert – Du bist die Bikerbraut der „Sadisten des Satans“, zeige gefälligst Würde!!!
Das was am Film am meisten stört sind die Helden, die beiden Überlebenden des Massakers. Beides keine guten Schauspieler, er geht noch halbwegs, aber sie regt mich mit ihrem dummen Verhalten und ihrer Unfähigkeit passende Emotionen zu zeigen mehr auf als die Heldin aus „Eegah“! Dies geht so weit, dass ich beim Showdown zwischen ihnen und Anchor eindeutig zu dem sadistischen wahnsinnigen Massenmörder und nicht zu den beiden „Helden“ gehalten habe. Leider bekommt das schlecht spielende Paar im Film eine recht lange Dialogsequenz, während welcher ich, das könnt ihr mir glauben, sehr versucht war einfach vorzuspulen.
Fazit: Mittelmäßiger Bikerfilm mit doofen Helden aber einem coolen Fiesling. 6/10
Zuletzt geändert von DrDjangoMD am 22. Nov 2011, 12:11, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 21. Nov 2011, 20:47

DAS HAUS AUF DEM GEISTERHÜGEL

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Originaltitel: House on Haunted Hill
Alternativtitel: Die sieben Särge des Dr. Horror
Land: USA
Jahr: 1959
Genre: Horror
Regie: William Castle

Handlung:
Das reiche Ehepaar Loren lädt fünf ausgesuchte Gäste in ein gemietetes Spukhaus mit dem Versprechen demjenigen, welcher eine Nacht in dem unheimlichen Gemäuer überlebt, eine beträchtliche Summe Bares auszuzahlen. Doch Mrs. Loren verfolgt noch einen andern Plan…

Kritik:
William Castle baut in seinem Gruselfilm eine unheimliche Stimmung mit einigen netten Schockeinlagen auf. Sicher beim ersten Mal ein Erlebnis, doch bei erneuten Ansehen werden zweifellos die dünne Geschichte, die nicht ausreichenden Erklärungen und die miesen Darsteller die Fernsehfreude trüben.
Die Musik verstummt viel zu selten und beginnt nach wenigen Minuten unheimlich zu nerven, das Drehbuch versucht logische Erklärungen für die rätselhaften Phänomene zu finden, die es uns an den Kopf wirft, scheitert dabei jedoch kläglich
(Wenn der eine Geist in Wirklichkeit die Haushälterin war, warum konnte sie dann fliegen, hä?) Genauso ist der „perfekte“ Mordplan, den die Hausherrin schmiedet in Wahrheit so unsicher wie ein Kartenhaus, das von einem Epileptiker aufgestellt wird.
Carolyn Craig als die Unschuld vom Lande ist kaum auszuhalten, ihre Handlungen sind dumm wie…mir fällt kein Vergleich dazu ein, ihre Reaktionen nicht nachvollziehbar und ihre sonstige Performance ziemlich hölzern :thdown:
Elisha Cook Jr. als halbwahnsinniger Vieltrinker mit erschreckender Vergangenheit macht zwar beim Trashliebhaber Laune, besitzt jedoch nicht das Talent verschiedene Gesichtsausdrücke hervorzuzaubern und bleibt daher stets bei dem einen, der wohl in den meisten Situationen passen mag. Auch die restlichen Darsteller sind eher untere Klasse.
Gibt es dann überhaupt einen Grund den Streifen im Regal zu haben? Ja den gibt es und zwar Vincent Price :thup: . Wie immer in Top Form weiß der Mime durch seine ihm eigene Art mit leichtem Hang zu unterhaltendem Overacting die Zuseherherzen höher schlagen zu lassen.
Der Drehort und die Beleuchtung sind auch nach bewährtem Gruselmuster gewählt und tragen das ihrige bei um dem Film, wie gesagt, zumindest beim ersten mal Ansehen, eine unheimliche Stimmung anzuheften.
Auch Trash lässt sich hier und da erkennen: Neben der unwahrscheinlichen Geschichte bekommen wir solche Zuckerln wie ein Skelett an einer Schnur oder abgetrennte Köpfe aus sieht-aus-wie-Pappmache. Die deutsche Synchro ist unterstes Niveau, was uns einerseits einlädt uns darüber lustig zu machen, andererseits auch verkrault, weil wir der herrlichen Originalstimme des Vincent Price nachtrauern.
Fazit: Beim ersten Mal unheimlicher Gruselschocker, bei erneuter Sichtung aber eher nerviges Trashfilmchen, immerhin mit VINCENT PRICE!!!
Filmtechnisch: 6/10
Trash: 6/10
Zuletzt geändert von DrDjangoMD am 22. Nov 2011, 12:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 21. Nov 2011, 20:48

JACK THE RIPPER - DER DIRNENMÖRDER VON LONDON

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Originaltitel: Jack the Ripper
Land: Deutschland, Schweiz
Jahr: 1976
Genre: Horror
Regie: Jess Franco

Dies ist der Film, der mir gezeigt hat, dass Jess Franco mehr ist als ein komischer talentfreier Kauz, der NUR Trashfilme drehte. Nun weis ich, dass er ein komischer talentierter Kauz ist, der HAUPTSÄCHLICH Trashfilme drehte…

Handlung:
Der Kinskerich spielt ausnahmsweise mal einen richtig dufte Typen. Er ist ein augagierter Arzt, der gern mal bei seinen armen Patienten die Rechnung auslässt. Er führt ein ruhiges Leben, am Hungertuch nagend, doch seine Vermieterin bewundert den Philanthropen und erlässt ihm hier und da mal ein wenig Miete. Doch dooferweise hat er Mutterkomplexe und macht sich deshalb selbstverständlich allabendlich auf im nebeligen London Prostituierte zu überfallen und mittels Skalpell in Einzelteile zu zerlegen…

Kritik:
Franco arbeitet hier mit verschiedenen stilistischen Mitteln, um seiner Mörderstory eine dichte und unheimliche Atmosphäre anzuheften. Und hier gelingt ihm das auch auf voller Bandbreite. Er und seine Nebelmaschine verwandeln das Zürich der 70er in ein glaubwürdiges London des 19. Jahrhunderts.
Die Mordszenen sind voller Spannung und Brutalität und dem Rest des Filmes haftet eine depressive Grundstimmung an, die hervorragend zur Thematik passt. Selbst die Traumsequenz, in welcher Kinski den Geist seiner Mutter sieht ist mit einem zwar billigen aber umso ansprechenderen Effekt in Szene gesetzt.
Die Kameraführung ist überdurchschnittlich, fasst lange Einstellungen wie auch Kamerafahrten perfekt ins Bild und die Spielmannsmelodie als Soundtrack ist ebenso passend wie catchie.
Klaus Kinski brilliert, obwohl er den Film persönlich nicht mochte (Zitat: „Ich drehe den Scheiß in acht Tagen herunter“) als wahnsinniger Mörder, welcher, sofern er nicht gerade Prostituierte aufschlitzt, durchaus auch sympathisch sein kann. Wir empfinden sowohl Mitleid für seine gequälte Seele wie auch für seine Opfer, denn den umgebrachten Frauen wird jeweils vor ihrem Ableben beträchtlich viel Screentime gewidmet, so dass wir sie ein wenig kennen und lieben lernen können, bevor sie zerstückelt werden. (Besonders Lina Romay macht es uns als reizendes Freudenmädchen schwer ihren Tod hinzunehmen :sabber: :o :cry: ).
Bei den restlichen Nebendarstellern gibt es ein paar Probleme. Die Helden, der Inspektor und seine Freundin, sind unsympathisch. Er bekommt gar nichts auf die Reihe und sie, deren Gesicht am Cover neben Kinskis leuchtet, kommt die erste Stunde so gut wie gar nicht vor und hat dann zwanzig Minuten vor Schluss ihren großen Auftritt, der aus einem Haufen unüberlegter höchst dümmlicher Handlungen besteht.
Die kleineren Nebenfiguren sind einprägsam aber hier und da für ihre kurze Screentime ein wenig überzeichnet. Gut, Herbert Fux ist ein grandioser Darsteller und unterhält als leichenfindender Fischer, aber dem blinden Bettler hat Franco, welcher auch das Drehbuch schrieb, eindeutig zu viel Können zugedichtet. Der Blinde ist der einzige, der nützliche Hinweise auf die Identität Kinskis liefern kann und weiß durch seine Nase besser wie Kinski aussieht als andere (Augen)zeugen. Er wirkt gewiefter als Tony Anthonys Blindman und das ist für eine Nebenrolle einfach schwer hinzunehmen.
Fazit: Technisch von Franco stimmig gemachte Mörderjagd mit einem perfekten Kinskerich und einigen guten Nebendarstellern. Kleiner Abzug wegen den unterzeichneten „Helden“ und einigen überzeichneten Nebenrollen. (Superblindman to the rescue!) 8/10 :thup:
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Re: DrDjangoMDs Ordination für kränkelnde Filme

Beitragvon DrDjangoMD » 22. Nov 2011, 13:09

DIE LEOPARDEN KOMMEN

Bild

Originaltitel: Il dito nella piaga
Alternativtitel: Im Vorfeld der Hölle
Land: Italien
Jahr: 1969
Genre: Kriegsfilm
Regie: Tonino Ricci

Handlung:
Die Amerikanischen Soldaten Corporal Haskins (Klaus Kinski) und Private Grayson (Ray Saunders) macht die Stationierung in Deutschland ziemlich fertig. Im Zuge gewaltsamer Nervenzusammenbrüche desertieren sie und sollen daher vor ein Erschießungskommando gebracht werden. Glücklicherweise schaut der Feind rechtzeitig vorbei und löscht die Hinrichtungspatrouille aus. Einzig der junge Offizier Sheppard (George Hilton) überlebt und muss sich nun zusammen mit den beiden Kriegsverbrechern durch feindliche Gebiete schlagen…

Kritik:
Man kann schon ahnen worauf dieser Film zielt. Epische Sterbeszenen und Schlusseinstellung auf einem Kriegerfriedhof deuten in Richtung bewegendes Kriegsdrama. Leider gelingt es dem Regisseur Tonino Ricci nicht wirklich dies ergreifend rüberzubringen. Der Film hat sehr viele Trash-Momente, was ihn als Drama unbrauchbar macht. An der ernsten Grundstimmung die Ricci versucht zu erzeugen leiden wiederum die Trash-Fans.
Dabei sind einige Momente richtig gut in Szene gesetzt. Der ausrastende Ray Saunders zum Beispiel, der am Anfang mit manischem Gesichtsausdruck die eigenen Leute niederschießt oder das erwähnte Ende auf dem Kriegerfriedhof bleiben durchaus als berührende Szenen im Gedächtnis.
Problematisch wird es nur, wenn in der nächsten Einstellung das geringe Budget des Streifens wie ein Vorschlaghammer jede epische Stimmung zerschlägt.
Unsre drei Helden geben auch verschiedene Eindrücke. Ray Saunders (wir kennen ihn als Giuliano Gemmas farbigen Freund in „Blutiges Blei“) macht seine Sache sehr gut. Er bemüht sich sympathisch rüberzukommen und liefert uns den üblichen harte-Schale-weicher-Kern-Charakter. Diesen zwar nach Schema F (kinderliebend und alles andere was noch dazugehört) aber immerhin bewegend gespielt.
Klaus Kinski ist für den großen Trash am Ende zuständig. Er spielt seine Rolle anfangs zwar sehr überzeugend und macht bessere Anstalten der Held der ganzen Story zu sein als selbst George Hilton, gegen Schluss zuckt er dann aber nach feinster Kinski-Manier aus und serviert uns eine herrliche Szene: Kinski mit MG vs. einen Großteil der Deutschen Infanterie.
Hilton hat diesmal keinen Spaß am Dreh. Er ist ein prächtiger Schauspieler, wie man an seinen Auftritten in Gialli oder Italowestern sehen kann aber in diesem Film wirkt seine Performance sehr erzwungen. Kein Wunder, denn er spielt einen ziemlich sturen Charakter, den wir nicht mögen, der aber trotzdem der Held ist, weil…äh…Hilton netter anzusehen ist als Kinski, denke ich.
Die Deutschen kommen sehr schlecht weg. Deutsche Soldaten sind in diesem Film nicht mehr als Statisten, die umfallen, wenn Kinski eine Salve abfeuert. Dies schafft wieder den Gegensatz, dass Ricci einerseits versucht viel Moral in den Streifen zu packen (auch Deserteure sind Menschen) andererseits in Sachen Deutsche-Amis eine gewaltige Schwarz-Weiß-Malerei betreibt.
Fazit: Tonino Ricci versucht seinen Kriegsfilm mit sehr viel Moral auszustatten, scheitert dabei jedoch großteils.
Filmtechnisch: 4/10
Trash: 5/10
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