bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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Moderator: jogiwan

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 4. Jun 2010, 22:18

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Die Folterkammer des Hexenjägers

Im Jahre 1765 greifen die Bewohner des kleinen Neu-England-Städtchens Arkham zur Selbstjustiz, als erwiesen scheint, daß der geheimnisvolle Mr. Curwen Hexenkräfte anwendet, um junge Mädchen in sein Herrenhaus zu holen. Bevor er jedoch verbrannt wird, verflucht er noch sämtliche Einwohner der Stadt. 110 Jahre später kommt der Nachfahre Curwens, Charles Dexter Ward (Vincent Price), in die Stadt und sieht sich den Folgen des Fluchs ausgesetzt: sämtliche Einwohner bringen ausschließlich Mißgeburten zur Welt. Und auch Curwens Geist ist noch nicht zur Ruhe gekommen und befällt den ahnungslosen Ward...


Nachdem Roger Corman mit seinem Episoden-Film „Tales Of Terror“ und der Fantasy-Komödie „Der Rabe – Duell der Zauberer“ eher ungewöhnliche Wege innerhalb seines Edgar-Allan-Poe-Zyklus einschlug, wagte er sich an H.P. Lovecrafts „The Case Of Charles Dexter Ward“ heran und kehrte zurück zum ernsthaften Gruselkino. Die Produktionsfirma allerdings forderte einen weitere Poe-Verfilmung, so dass der Film um ein paar Poe-Zitate erweitert wurde und den Titel „The Haunted Palace“ bekam. Und als wäre das nicht schon irreführend genug, setzte man in der BRD noch einen drauf und suggerierte „Folter“ und „Hexenjäger“, womit der Film nun wirklich nicht viel zu tun hat. Corman konnte erneut auf Stammschauspieler Vincent Price zurückgreifen und schuf mit seinem bewährten Team einen grandiosen Gothic-Horror-Film, der für mich zu den besten der Reihe gehört. Die Ernsthaftigkeit, erreicht durch eine perfekte Atmosphäre, stimmige Kulissen, tadellose Filmmusik und allen voran einen brillierenden Vincent Price in seiner Doppelrolle als besessener Mr. Curwen, wird konsequent und kompromisslos angewandt. Die düstere Farbgebung, Masken von missgebildeten Dorfbewohnern und Spezialeffekte wie eine schreckenerregende Kreatur im Kellergewölbe des Schlosses sowie das Lovecraft-typische Geheimnis um das „Necronomicon“ machen „The Haunted Palace“ für mich zu einem Höhepunkt des klassischen Horror-Kinos der 1960er Jahre, der keine Langeweile aufkommen lässt. Wenn man so will ein absoluter gekonnter Lovecraft-Corman-Poe-Crossover.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 4. Jun 2010, 22:55

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Die Wiege des Teufels

Der blinde Mark, der mit seiner Schwester Christine in Venedig wohnt, wird von grausamen Visionen geplagt, in denen ein Mann mit einem Stock Personen aus Marks Umfeld tötet. Eines Tages kommt ein Gast in die Pension, die Mark und Christine bewohnen, der Mark auf unerklärliche Weise an den Mörder in seinen Visionen erinnert. Als Christine kurz darauf schwanger wird, ist Mark davon überzeugt, dass das Kind der Sohn des Teufels ist...


Mehr oder weniger als Geheimtipp geltender italienischer Horrorfilm von Ugo Liberatore aus dem Jahre 1977. Einerseits erinnert „Die Wiege des Teufels“ stark an Filme wie „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ oder Okkult-Horror wie „Rosemary’s Baby“, andererseits setzt Liberatore durch eine recht kunstvolle Inszenierung, die immer wieder harsch durch harte, blutige Effekte und Ekel-Sequenzen unterbrochen wird, reichlich eigene Akzente. Die Parallelen zu „Wenn die Gondeln...“ sind dem Drehort Venedig, aber auch der unheilvollen Atmosphäre und der Geschichte um eine böse, nicht greif- oder belegbare Vorahnung geschuldet. An „Rosemary’s Baby“ fühlt man sich erinnert, weil es letztlich um eine Paranoia um die bevorstehende Geburt des Teufels Sohn geht. Die erste Hälfte des Films ist dramaturgisch stark, wird anschließend aber zunehmend konfuser und schwer nachvollziehbar. Andererseits lädt er dadurch natürlich auch zum Noch-einmal-Anschauen ein. Interessanter Genre-Beitrag, der zwischen Plagiat und Eigenständigkeit pendelt und dessen evtl. vorhandener Tiefgang sich mir noch nicht erschlossen hat.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon Santini » 4. Jun 2010, 23:11

PERFEKT umschrieben, Herr buxtebrawler!

Ich wußte, der Film würde Dich da packen, wo's weh tut. 8-) :lol:

Der evtl. vorhandeneTiefgang wird sich einem wohl nie wirklich erschliessen. :o 8-) :lol:

Alles richtig gemacht, Herr Liberatore. :opa:

Auf zur nächsten Sichtung des Teils. :D :prost: :popcorn:
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 4. Jun 2010, 23:31

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Die Rache der Eierköpfe

Für die beiden Schlauköpfe Lewis Skolnick und seinen Kumpel Gilbert Lowell fängt mit dem Besuch auf dem College ein neuer Lebensabschnitt an: weit von zu Hause weg, endlich selbstständig und auf sich allein gestellt. Doch auf dem Adams-College regieren die Atoms (dt. Fassung „Ameisen“), die Footballspieler und Sportskanonen, die mit ihren wilden Parties den Campus unsicher machen. Als bei einer dieser Parties das Haus der Ameisen abbrennt, nisten die sich im Haus der Erst-Semester-Studenten ein. Die „Nerds“ sind damit gezwungen, sich eine neue Bleibe zu suchen. Und das ist erst der Anfang eines Leidensweges: Immer wieder kommen die Ameisen den „Scheißern“ in die Quere und machen ihnen das College-Leben alles andere als leicht.


Mein lieber Scholli, „Die Rache der Eierköpfe“ ist der geballte 80er-Jahre-Albernheits-Overkill. So zumindest über weite Strecken, wenn die Nerds alias „Eierköpfe“, zwei etwas unbeholfene „Streber“ mit peinlicher Lache, auf weitere Freaks und deren Pendant, die Football-Spieler, treffen und der Film ein Brachialhumor-Feuerwerk abschießt, das irgendwo zwischen Trash und Satire anzusiedeln ist. Der US-Film erschien 1984 unter der Regie von Jeff Kanew und ist unverkennbar ein Kind seiner Zeit. Nach und nach wird der Trash-Anteil zurückgefahren und die eigentliche Geschichte, die Behauptung der Nerds und Freaks gegen die durchtrainierten Typen, erzählt. Diese bricht natürlich eine Lanze für die „Scheißer“, wie sie im Film abwertend von ihren Gegnern genannt werden, lässt diese sogar zu erotischen Erlebnissen samt einiger Freizügigkeiten kommen, verfällt aber auch gerne mal in kitschige Gefilde und sogar eine Gesangs- und Tanzeinlage der „Scheißer“. Das tut dem Unterhaltungswert aber kaum einen Abbruch, denn „Die Rache der Eierköpfe“ ist eine absolut kultverdächtige Mixtur und so dermaßen 80er, dass der Charme des Films jeden ergreifen dürfte, der diese Zeit selbst bewusst miterlebt hat.
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 5. Jun 2010, 00:11

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Scrapbook

Eine junge Frau wird von einem Serienmörder gefangen genommen und gefoltert. Dieser sammelt Dinge von seinen Opfern als Trophäen und läßt sie in sein Tagebuch schreiben, dass er über die Morde führt. Bald bemerkt die junge Frau, dass das Buch ihr einziger Weg ist den Killer zu manipulieren...


US-Amateuer-Sicko von Eric Stanze aus dem Jahre 2000, der in billiger Snuff-Optik und mit schwer an „The Texas Chainsaw Massacre“ erinnernder Kulisse daherkommt. Die Idee des verwahrlosten, irren Serienmörders in einem amerikanischen Dorf, der ein „Scrapbook“, eine Art mit Fotos und Zeitungsartikeln ausgeschmücktes Tagebuch, über seine Untaten führt, ist gar nicht schlecht. Ihm fehlt noch ein letztes Opfer, um sein „Scrapbook“ zu komplettieren - wird aber psychologisch manipuliert, als er sein Opfer auffordert, ihre Gedanken in sein Buch zu schreiben. Wer hier nun allerdings ein raffiniertes, packendes Psychoduell voller Tiefgang erwartet, ist auf dem falschen Dampfer. Fast die gesamte Spielzeit über setzen Stanze und sein Autor Tommy Biondo, der gleichzeitig die männliche Hauptrolle einnimmt, auf explizite, menschenverachtende, harte Szenen, die den Schauspielern sogar mehr als nur Mut zur Nacktheit abfordern. Die Vergewaltigungsszenen sind an der Grenze zum Hardcore und es wird mehrmals versucht, übliche Genregrenzen zu sprengen. Dabei hilft die weibliche Hauptdarstellerin Emily Haack, die nicht nur absolut großartige schauspielerische Leistungen vollbringt, sondern sich für nichts zu schade ist und anscheinend Spaß daran hat, dem Film ein möglichst hohes Maß an Authentizität zu verleihen. Dass sie mit ihrem interessanten äußeren Erscheinungsbild dabei nicht unbedingt das Klischee einer Horror-„Scream-Queen“ erfüllt, trägt sein Übriges zum positiven Gesamteindruck ihres Auftretens bei. Zu den Psycho-Manipulationen des Serienkillers kommt es leider erst gegen Ende des Films und diese verlaufen sehr geradlinig und werden schnell abgespult. Das ist schade, wird dadurch doch das Potential der Geschichte kaum ausgereizt. Somit hat man es letztendlich mit billigem Rape & Revenge zu tun, der mehr auf Härte als auf alles andere setzt und bei dem ich mich mehrmals fragte, warum ich es mir das überhaupt antue. Dennoch: Aufgrund der ambitionierten Schauspieler, allen voran Emily Haack, nicht uninteressant. In jedem Falle absolut masseninkompatibel.
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 6. Jun 2010, 18:05

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Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie

Im dunklen Mittelalter läßt Prinz Prospero (Vincent Price), ein sadistischer und grausamer Despot und Satanist das Land ausbluten und quält die Bevökerung, während er in seinem Palast für seine "Freunde" rauschende Feste gibt. Seine Geliebte Juliana (Hazel Court) steht ihm in Grausamkeit in nichts nach. Eines Tages entführt er aus einem nahen Dorf die unschuldige Francesca (Jane Asher), sowie ihren Freund Gino (David Weston) und ihren Vater Ludovico. Prospero zwingt den Dreien ein satanisches Spiel auf, nachdem einer der Männer sterben muß und entläßt anschließend den Anderen wieder in eine trügerische Freiheit, denn vor den Toren des Schlosses wütet die Pest, der rote Tod. Während Prospero sich und seine Freunde zu einem gewaltigen Maskenball vor der Welt und dem Tod versteckt, trifft Gino einen Mönch in einer blutroten Kutte, der mehr über die Seuche weiß...


Nach seinem Ausflug in Lovecraft’sche Gefilde setzte Roger Corman seine Reihe von Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen 1964 fort, indem er sich der Kurzgeschichte „Die Maske des roten Todes“ annahm, sie kräftig erweiterte und so ganz nebenbei mit „Der Hüpffrosch“ auch noch eine weitere Poe-Geschichte integrierte. Heraus kam dabei eine Geschichte um einen dekadenten, reichen Adligen, der für die Menschheit nur Verachtung übrig hat und sowohl die arme Dorfbevölkerung, als auch Angehörige seines Standes mit misanthropischen Sadismen quält. Vincent Price verkörpert auch diese Rolle voller Inbrunst, dass es eine wahre Freude ist, seinen negativen philosophischen Kommentaren über die Menschheit und ihre Religionen zuzuhören. Hier offenbart sich auch ein gewisser Facettenreichtum des Charakters, denn die Analysen des Prinzen sind so verkehrt sicher nicht, wenngleich seine Konsequenzen, die u.a. in der Anbetung des Teufels münden, gar grausamer Natur sind. Neben Price verblassen sämtliche anderen Schauspieler gnadenlos, einmal abgesehen von den in knallbunte Mönchskutten gewandten, seltsamen Gestalten, von denen die Rotgekleidete die rote Pest ins Dorf bringt und letztendlich auch keinen Grund darin sieht, vor Reichtum und Adelsgeschlecht halt zu machen – unabhängig davon, wen sie gerade anbeten. Diese fatalistische, hoffnungslose Ausrichtung des Films wurde von Corman und seinem Team in eine wunderschöne, symbollastige Farbgebung getaucht, durch die atmosphärischen Kulissen unterstrichen und von unwirklich erscheinenden Maskenbällen und sadistischen Spielereien aufgebauscht. Die Mühe, die sich Corman gemacht hat, den dünnen Poe-Stoff auf Spielfilmlänge auszudehnen, ringt mir durchaus Respekt ab. Allerdings wirkt die Handlung bei Nichtkenntnis der übrigens grandios inszenierten Schlusspointe mitunter ein wenig zerfahren, für Poe-Kenner hingegen evtl. zu sehr künstlich aufgebläht und in die Länge gezogen. Dennoch ein gelungenes Experiment mit leichten Schwierigkeiten bei der Dramaturgie. Für Corman-, Poe-, Price- und Gothic-Horror-Fans eine klare Empfehlung.
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 6. Jun 2010, 20:09

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Neues vom Wixxer

Ein neuer Wixxer versetzt London in Angst und Schrecken. Gerade als ein Informant (Martin Semmelrogge) von Chief Inspector Even Longer (Oliver Kalkofe) und seinem Kollegen Very Long (Bastian Pastewka) in Bezug auf den Wixxer auf einem Friedhof auspacken will, wird er von diesem erschossen. Es kommt zu einer ersten Verfolgung, die erfolglos bleibt - der Wixxer flüchtet - und an einer Reihe von Gräbern inklusive Inschriften endet. Die beiden Scotland Yard-Agenten schlussfolgern, dass die Personen zu den Namen in naher Zukunft das Zeitliche segnen sollen - fatalerweise befindet sich Very Longs Name auch auf der Todesliste. Victoria Dickham (Christiane Paul) muss ebenfalls um ihr Leben fürchten, was Even Longer aus persönlichen Gründen um jeden Preis verhindern will, da er mit ihr heimlich zusammen ist. Also gilt es schnellstmöglich, die Identität des Wixxers aufzuklären und ihn festzunehmen, bevor noch mehr Menschen sterben. Ihre Nachforschungen führen Even Longer und Very Long in die Irrenanstalt von Hatler (Christoph Maria Herbst) und ein Kloster, in dem das komplette Leben in schwarz-weiß abläuft...


Fand ich als übrigens (zumindest noch) Nicht-Edgar-Wallace-Fan den ersten Teil zwar von seiner Idee, alte europäische Kultfilme liebevoll zu parodieren, sehr sympathisch, was die Umsetzung betrifft aber eher dröge, so hat mich die Fortsetzung „Neues vom Wixxer“ aus dem Jahre 2007 doch positiv überrascht. Wenn mich meine Erinnerung an den ersten Teil nicht täuscht, war die Ausrichtung der Gags seinerzeit noch sehr Wallace-Parodie-lastig, was sich nun geändert hat: Zwar gibt es noch immer reichlich Anspielungen auf die Wallace-Verfilmungen, dazu gesellen sich aber in sehr hoher Dichte vorgetragene Parodien auf andere Filme, Slapstick-Szenen, Situationskomik usw., was Wallace-Puristen noch mehr verschrecken dürfte als der erste Teil, die Fortsetzung aber noch massenkompatibler macht. Zwar zündet bei weitem nicht jeder Gag, aber für die vielen verschiedenen Humor-Typen sollte doch immer mal wieder etwas dabei sein. Viele B- und C-Promis aus deutschem Film und Fernsehen geben sich in Nebenrollen ein Stelldichein, allerdings ist es Bastian Pastewka, der mit seinem Wesen und seiner Mimik den Film „very british“ auf konsequent hohem schauspielerischen Niveau über die Spielzeit rettet. Sein Partner Kalkofe muss da Abstriche machen, was durch seine sehr komisch angelegte Rolle aber nicht allzu negativ ins Gewicht fällt. Joachim Fuchsberger und Wolfgang Völz machen eine gute Figur. Ob mich Christoph Maria Herbst als Hitler-Verschnitt „Hatler“ erheitert oder entnervt, darüber bin ich mir noch nicht abschließend im Klaren... Ähnliches gilt für Christian Tramitz, während ich mir bei Hella von Sinnen sicher bin, sie am liebsten nicht in diesem Film gesehen zu haben.

„Neues vom Wixxer“ ist eine gelungene deutsche Komödie, in der für jeden etwas dabei ist: Aufgeschlossene, zur Selbstironie fähige Wallace-Fans werden sich über viele parodistische Details freuen und Nichtkenner der Materie über den salvengleich abgefeuerten, sehr albernen Humor. Kultverdächtiger wäre diese Filmreihe aber mit Sicherheit geworden, hätte man sie komplett ohne Reminiszenzen an das Massenpublikum durchgezogen.
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 7. Jun 2010, 18:46

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Supermarkt

Hamburg in den frühen Siebzigern: Der 18jährige Willi (Charly Wierzejewski) ist von Zuhause abgehauen und lebt seitdem auf der Straße. Der Journalist Frank (Michael Degen) will ihm aus dieser Situation helfen und lässt ihn bei sich und seiner Freundin wohnen. Willi hält es dort allerdings nicht lange aus und landet erneut auf der Straße. Er verliebt sich in die junge Prostituierte Monika (Eva Mattes) und will sie dazu bringen mit dem Anschaffen aufzuhören. Um an Geld zu kommen lässt Willi sich mit dem alkoholkranken Gangster Theo (Walter Kohut) ein, der ihn zunächst auf den Strich schicken will, um homosexuelle Freier auszurauben. Wenig später macht er Willi zu seinem Komplizen und plant einen Überfall auf einen Geldtransporter...


Roland Klicks „Supermarkt“ aus dem Jahre 1973 ist als Milieustudie angelegt sicherlich ein typisches Kind seiner Zeit. In Hamburg spielend, mag aus heutiger Sicht aber der dokumentarische Stil irritieren, der auf Erklärungsversuche für Willis Verhalten, der minderjährig von zu Hause abgehauen ist und sich auf der Straße durchzuschlagen versucht, weitestgehend verzichtet und auch keine aufregenden Plottwists oder Pointen liefert. Daher fällt es dem Zuschauer schwer, sich mit Willi zu identifizieren und er muss erkennen, dass es sich bei „Supermarkt“ nicht unbedingt um einen sozialpädagogischen Problemfilm handelt. Dennoch sind Ansätze von Sozialkritik durchaus vorhanden, so z.B. in der Figur des um Gutmenschentum bemühten Journalisten, bei dem sich der Verdacht erhärtet, dass er Willi nicht um seiner selbst wegen, sondern vielmehr zur Stärkung seines von aufgrund seines im Bürgertum angelangten gesellschaftlichen Standards vom schlechten Gewissen geplagten Egos helfen möchte – sehr zum Leidwesen seiner entnervten Lebensgefährtin. Am beeindruckendsten aber ist das im Laufe der Jahrzehnte bestimmt zu einem der größten Boni des Films gereifte Zeit- und Lokalkolorit in Form der Trostlosigkeit eines miefigen, hässlichen Deutschlands zu Beginn der 70er Jahre, das hervorragend zur desillusionierenden Handlung des Films passt. Weitere Authentizität erlangt „Supermarkt“ durch den Umstand, dass normale Passanten häufig unwissend und unfreiwillig als Komparsen herhalten mussten. Seinerzeit vermutlich aus der Not heraus geboren, heute ein interessantes Detail, das den dokumentarischen Stil verstärkt. Während der Zuschauer den Werdegang des Protagonisten mal mehr, mal weniger kopfschüttelnd, dann und wann auch verständnisvoll verfolgt, reitet dieser sich mehr und mehr in die sprichwörtliche Scheiße und macht Erfahrungen mit Jugendamt, Straßenstrich und Kriminalität. Statt eines Happy Ends präsentieren uns Klick und sein hervorragender Kameramann Jost Vacano, der u.a. rasante, schnittfreie Kamerafahrten realisierte, eine symbolträchtige, atmosphärische Schlusssequenz, die in ihrer ausweglosen Monotonie den richtigen Schlusspunkt hinter die Geschehnisse setzt. Interessant übrigens das Mitwirken des seinerzeit noch unbekannten Marius Müller-Westernhagens, der nicht nur Willi seine Synchronstimme lieh, sondern auch den sehr stimmigen, melancholischen Titelsong „Celebration“ einsang. Als Fazit möchte ich Roland Klicks „Supermarkt“ als nicht unbedingt lebensbejahendes, ungewöhnliches und eigenständiges Stück Film bezeichnen, das den Zuschauer mit einer nicht immer leicht nachvollziehbaren Handlung auf die Probe stellt und wegen seines Einblicks in eine vergangene Zeit heute vielleicht sogar interessanter als damals ist.
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 7. Jun 2010, 20:20

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The Terror – Schloss des Schreckens

André ist ein napoleonischer Offizier. Eines Tages verliebt er sich an der baltischen Küste in das schöne Mädchen Ilsa. Kurze Zeit später ist sie spurlos verschwunden. Auf der Suche nach ihr taucht er bald beim Schloss des Baron von Leppes auf. Was André nicht kennt, ist die düstere Geschichte seiner vermeintlich großen Liebe: Ilsa ist die seit 20 Jahren tote Schloßherrin - oder der Geist ihrer. Sie will Rache nehmen, Rache an der schon bald der erste Mensch stirbt.


Parallel zu den Dreharbeiten zu Cormans „Der Rabe – Duell der Zauberer“ entstandenes Recycling-Produkt aus den Kulissen und Schauspielern jener gelungenen Poe-Adaption aus dem Jahre 1963. Corman übernahm die Regie allerdings nicht allein, sondern man ließ gleich vier (!) weitere Regisseure am Film arbeiten: Monte Hellman, Jack Hill, Jack Nicholson und – man höre und staune - Francis Ford Coppola. Boris Karloff und der junge Jack Nicholson, die bereits in „Der Rabe“ mitspielten, bekamen die Hauptrollen zugeschrieben, und während Karloff seine Sache solide durchzieht, wirkt Nicholson seltsam stoisch und unbedarft und so gar nicht recht in seine Heldenrolle passend. Das mag aber auch zumindest teilweise der unpassenden deutschen Synchronisation geschuldet sein. Im Gegensatz zu Cormans Poe-Reihe sieht man diesem Film sein geringes Budget wirklich an, alles wirkt recht billig und improvisiert. Die Atmosphäre des Films hat weniger etwas von subtilem Grusel als mehr von Märchenverfilmungen o.ä. Zugute halten muss ich „The Terror“ aber bei allen Schwächen, dass die Handlung recht rasant vonstatten geht und für kurzweilige Unterhaltung sorgt. In Verbindung mit dem interessanten Schauspieler-Ensemble ist „The Terror“ für filmhistorisch interessierte Horror-, Karloff- und Nicholson-Fans bestimmt einen Blick wert. Es gibt jedenfalls sehr viel Langweiligeres und Uncharmanteres, auch in höherbudgetierten Gefilden.
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 8. Jun 2010, 12:44

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Shock!

Janet Stewart kann ihr Glück kaum fassen: Ihr Mann Paul, einst schon totgeglaubt, kehrt aus dem Krieg zurück und man will sich in einem Hotel in San Francisco treffen. Doch die Zusammenführung verzögert sich und da Janet nicht schlafen kann, beobachtet sie das Treiben in einem anderen Hotelzimmer. Hier wird sie Augenzeugin eines Mordes. Das ist wahrlich zu viel für Janets Nerven und sie verfällt in eine Schockstarre und wird so von ihrem Mann am nächsten Morgen gefunden. Zum Glück ist ein Spezialist zu Gast im Hotel. Doch wie es der Zufall so will, ist es ausgerechnet Dr. Cross (Vincent Price) gewesen, der von Janet die Nacht zuvor beobachtet wurde, wie dieser sich der Ehefrau entledigt hat. Als Cross die Fakten zusammenzählt, entschließt er sich, Janet in seine Anstalt liefern zu lassen, wo sie dem Treiben des mörderischen Doktors und seiner durchtriebenen Geliebten Elaine scheinbar schutzlos ausgeliefert ist...


Kleiner, aber feiner US-amerikanischer B-Thriller aus dem Jahre 1946, der recht geradlinig verläuft, durch seine düstere Ausrichtung und handwerklich einwandfreie Umsetzung aber gut zu unterhalten weiß. Vincent Price in der Hauptrolle als aufbrausender, aber innerlich zerrissener und von Gewissensbissen geplagter Arzt und Totschläger spielt seine Rolle überzeugend. Er ist Opfer und Täter zugleich, da er von seiner über Leichen gehenden Geliebten enorm unter Druck gesetzt wird und sich dadurch immer weiter in einen Strudel aus Abhängigkeit und Schuld begibt, bis sich die Ereignisse quasi folgerichtig im Finale wiederholen. Die Angst des durchschnittlichen Zuschauers vor ärztlichen Falschbehandlungen und dem Halbgöttern in weiß totalen Ausgeliefertsein macht sich „Shock!“ für seine Geschichte zunutze und verteilt nebenbei einige (fragwürdige?) Seitenhiebe auf diverse Therapiemodelle. Sicherlich kein großer, vergessener Klassiker, aber grundsolider Genrefilm, der trotz seiner vielen Jahrzehnte auf dem Buckel weniger antiquiert wirkt, als von mir zunächst befürchtet.
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