bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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Moderator: jogiwan

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 6. Mai 2010, 10:01

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Dinosaurier in New York

Eine Atombombenexplosion weckt im ewigen Eis einen Rhedosaurier aus seinem langen Schlaf, was von dem Wissenschaftler Tom Nesbitt (Paul Hubschmid) beobachtet wird, was ihm hinterher aber niemand glauben will. In der Folge mehren sich unheimliche Ereignisse auf den Meeren, Schiffe verschwinden, ein Leuchtturm wird verwüstet. Dann kommt der Tag, als das Tier tatsächlich im Hafen von New York an Land geht und in den Straßenschluchten Chaos und Verwüstung anrichtet. Problematisch wird die Sache zusätzlich durch die radioaktive Verseuchung, die der Saurier mit sich bringt. Hektisch arbeitet man an einer Waffe...


„Dinosaurier in New York“, auch bekannt als „Panik in New York“ von Regisseur Eugene Lourie, war bei seinem Erscheinen sicherlich stark inspiriert von „King Kong und die weiße Frau“, mit dem Hauptunterschied, dass diesmal ein von Spezialeffekte-Altmeister Ray Harryhausen liebevoll in Stop-Motion animierter urzeitlicher Saurier die Stadt plattwalzen darf. Da es Atombombentests waren, die die Kreatur zum Leben erweckten, wird natürlich eine Kritik am militärischen Umgang mit der Atomtechnologie laut, die allerdings dadurch abgeschwächt wird, dass es eben diese Technologie ist, die das Monster letztendlich stoppt. Objektiv betrachtet ist „Dinosaurier in New York“ ein charmanter, aus heutiger Sicht altertümlicher Low-Budget-Kreaturen-Horrorfilm, der gut unterhält. Filmhistorisch hingegen ist der Film hochinteressant, da ihm eine ganze Reihe ähnlicher Filme folgten und die Japaner zum wesentlich düstereren, ernsthafteren „Godzilla“ inspirierte.

„Ich hätte Ihnen gerne etwas angeboten, aber hier in meinem Büro ist leider alles radioaktiv.“

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Das Grauen aus der Tiefe

Ein radioaktiv verstrahlter Oktopus macht die Meere unsicher. Nach einer Reihe von Zwischenfällen wird ein Ermittlerteam zusammengestellt, dass neben der unvermeidlich obligatorischen Liebesgeschichte auch noch für eine Lösung des Monsterproblems zuständig ist. Die Marine fährt schwere Geschütze auf, aber selbst die Golden Gate Bridge fällt dem achtarmigen Terror zum Opfer. Wer oder was kann das Ungetüm jetzt noch aufhalten?


Nach dem Erfolg von Eugene Louries „Dinosaurier in New York“, in dem ein Ray-Harryhausen-Stop-Motion-Dinosaurier halb New York zertrampeln durfte, wollte man die Kuh noch weiter schlachten und beauftragte Regisseur Robert Gordon mit der Umsetzung einer sehr ähnlichen Geschichte, in der diesmal ein Riesen-Oktopus in San Francisco sein Unwesen treibt und eindrucksvoll die Golden-Gate-Bridge dem Erdboden gleich macht. Angereichert wurde die Schauermär mit einer Romanze zwischen einer emanzipierten Wissenschaftlerin und einem raubeinigen Militärhansel, die auch Platz für komödiantische Einlagen bietet, die Geduld des Zuschauers aber bis zum Auftauchen der Kreatur etwas strapaziert. Eben jene Kreatur hat es aber wieder in sich, angesichts des minimalen Budgets hat Harryhausen erneut ganze Arbeit geleistet. Als bekennender Freund von Meeresungetümen frohlockte ich natürlich bei dessen Eskapaden und war mir nach dem Ende des Films gewiss, einen weiteren herrlichen B-Movie-Monster-Beitrag gesehen zu haben, der keinesfalls in meiner Sammlung fehlen darf.

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Die Bestie aus dem Weltenraum

Vor Sizilien stürzt ein Raumschiff ins Meer. Fischer können nur zwei der Astronauten retten und wenden sich in diesem Notfall an den römischen Zoologen Dr.Leonardo (Frank Puglia) und seine Tochter Mariza, eine angehende Krankenschwester. Gleichzeitig findet ein Fischerjunge ein seltsames Gefäß mit einer Art organischer Masse darin und verkauft sie an Leonardo. Von den geretteten Astronauten überlebt nur Colonel Calder (William Hopper), der mit seinen Männern zur Venus gereist ist, um aus der dort giftigen Atmosphäre eine Probe des dort vorherrschen Lebens zu bergen. Die Probe ist natürlich die seltsame Substanz, die Leonardo gekauft hat und tatsächlich handelt es sich um eine Art Ei, aus dem dann auch bald eine reptilähnliche, auf zwei Beinen laufende Kreatur schlüpft. Sie planen, das Lebewesen nach Rom zu bringen, doch in der Sauerstoffatmosphäre der Erde wächst das Wesen in Rekordzeit zu einer riesenhaften Kreatur heran. Zwar kann man es einmal fangen, doch als es aus Nachlässigkeit erneut ausbricht, richtet es in Rom ein absolutes Chaos an...


Nach „Dinosaurier in New York“ und „Das Grauen aus der Tiefe“, die im Prinzip die gleiche Geschichte erzählten und von Ray Harryhausen meisterhaft animierte, riesige Ungetüme in US-amerikanischen Städten dem Vandalismus frönen ließen, erschien 1957 unter der Regie von Nathan Juran dieser interessante Beitrag zum Sci-Fi-Horror-Genre, in dem ein Wesen von der Venus (!), mitgebracht von – natürlich – US-Astronauten, auf der Erde in rasender Geschwindigkeit aus seinem „Ei“ schlüpft, zu stattlicher Größe heranwächst und unfreiwillig zur Gefahr für Leib und Leben wird. Interessanterweise geschieht dies alles diesmal nicht in einer Großstadt der USA, sondern zunächst in Sizilien und später in Rom. Somit sorgt schon einmal die Kulisse für Abwechslung ggü. anderen Monsterstreifen aus den 50ern, aber auch der als „Ymir“ bekannte (?), reptilienartige Außerirdische wurde facettenreicher als Godzilla & Co. und fast schon tragisch dargestellt, was ihn von Dinosauriern, Riesenoktopussen etc. unterscheidet. Denn statt in Rage alles kurz und klein zu hauen, hat dieser Angst vor Mensch und Tier und ist nicht grundsätzlich böse gesinnt. Dass sich die Zerstörungsorgien in Anbetracht dieses Umstands in überschaubaren Grenzen bewegen, ist dabei logisch, wenn auch ein wenig schade. Dafür aber wird der Zuschauer Zeuge eines Kampfes zwischen „Ymir“ und einem Elefanten, was man nun wirklich nicht alle Tage zu sehen bekommt. Aus der Masse der Filme dieser Art ragt auch der Beginn des Films heraus, der, im Übrigen witzig stereotyp gezeichnete, sizilianische Fischer mit dem Absturz des US-Raumschiffes konfrontiert und, was Spannung und Dramatik betrifft, einige Schritte weiter geht als unbedingt seinerzeit üblich. Tricktechniker Ray Harryhausen gibt wieder alles und macht „Die Bestie aus dem Welt(en)raum“ zu einem wahren Vergnügen. Toller Monsterfilm, der das „Schema F“ wenigstens ein wenig verlässt und nicht zuletzt dadurch Freunde solcher Filme hervorragend unterhalten dürfte.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Beitragvon buxtebrawler » 6. Mai 2010, 12:40

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Calvaire – Tortur des Wahnsinns

Der Sänger Marc Stevens (Laurent Lucas) reist quer durch die belgische Provinz, um auf Feiern oder in Altersheimen aufzutreten. Als er sich während eines nächtlichen Unwetters auf dem Weg zu einem Weihnachtsauftritt befindet, hat sein Kleinbus in einem entlegenen Waldstück ein Panne. Ein scheinbar verwirrter Mann namens Boris (Jean-Luc Couchard), der auf der Suche nach seiner Hündin ist, bringt Marc zur nahe gelegenen Pension des ehemaligen Komikers Bartel (Jacky Berroyer), der ihm sofort ein Zimmer und die Reparatur seines Wagens anbietet, als er erfährt, dass Marc ein Entertainer ist. Marc nimmt das Angebot dankend an und beschließt in dem heruntergekommenen Hotel zu übernachten. Wie sich schon wenig später herausstellt, erweist sich dies als großer Fehler, denn der einsame Bartel will Marc nicht mehr gehen lassen und auch die restlichen Bewohner des entlegenen Landstrichs entpuppen sich als äußerst unangenehme Zeitgenossen...


Fabrice du Welz beschritt mit dem 2004 veröffentlichten „Calvaire – Tortur des Wahnsinns“ aus dem belgisch-französischen Raum etwas andere Wege. Wähnt man sich zunächst in einem typischen Backwood-Terror-Film, fällt einem bereits recht früh die ungewöhnlich ruhige Inszenierung auf, die fast gänzlich auf Filmmusik verzichtet und eine bedrohliche, triste Atmosphäre schafft. Als der Liebeslieder singende, etwas verweichlicht wirkende Protagonist nach einer Autopanne auf einen anscheinend leicht verrückten Mann trifft, der ihn wiederum zum zunächst normal wirkenden, alten Bartel führt, denkt man unweigerlich an bewaffnete Hinterwäldler, die früher oder später Marc nach dem Leben trachten werden. Doch statt mit Hieb- und Stichwerkzeugen schwingenden Freaks bekommt es der Zuschauer zunächst mit den tiefen seelischen Abgründen Bartels zu tun, der seiner Ex-Frau nachtrauert und nach und nach seine viel tiefer liegende Verrücktheit offenbart – unter der Marc schließlich zu leiden hat. Hier vermischt sich dann die typische Backwood-Thematik mit Psychothrill á la „Misery“ und bekommt eine ausgeprägte tragische Note. Im Dorf, in dem Sodomie zum guten Ton zu gehören scheint und die Geräuschkulisse geprägt ist vom Schreien des Viehs, versucht Marc verzweifelt, seiner unwirtlichen Situation zu entkommen – muss jedoch die Erfahrung machen, dass Bartel und der verwirrte Typ vom Beginn nicht die einzigen sind, die sich geistig ziemlich neben der Spur befinden… Dabei kommt es zu wunderbar verschrobenen Szenen, die mich zunächst verwirrten und schockierten, mir im Nachhinein aber das eine oder andere Lächeln aufs Gesicht zaubern. Bei allem Respekt und Wohlwollen gegenüber der gewagten, „sanften Dramaturgie“ hätte ich mir zwischenzeitlich dann aber doch etwas mehr gewünscht, was den Zuschauer bei der Stange zu halten vermag. Über die Gesamtlänge des Films waren mir einige Passagen ZU entspannt und… einschläfernd. Trotzdem lohnt es sich, aufmerksam zu bleiben und Zugang zu diesem interessanten, etwas anderen Backwood-Terror-Film zu finden – der zu mehrmaligem Ansehen einlädt und sich womöglich von Sichtung zu Sichtung in seiner Wirkung umso mehr entfaltet. Meine Kurzkritik entstand nach dem ersten Ansehen und ich bin selbst gespannt, inwieweit ich meine Meinung evtl. noch ändern werde.
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 7. Mai 2010, 13:48

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Der Teufel führt Regie

Nick Lanzetta (Henry Silva) liquidiert im Auftrag von Don Giuseppe D'Agnello (Claudio Nicastro) den Mafioso Attardi und etliche seiner Clanmitglieder mit einer Panzerfaust, während diese das Programm eines Pornokinos genießen. Nur eins der Mitglieder des Clans, Cocchi (Pier Paolo Capponi), war bei dem Attentat nicht anwesend. Postwendend kommt seine Racheaktion: Er entführt D'Agnellos Tochter Rina (Antonia Santilli). Wieder muss Lanzetta die Sache regeln, während der mächtige Don Corrasco (Richard Conte) und der korrupte Commissario Torri (Gianni Garko) jeweils ihr eigenes Intrigensüppchen kochen...


Was für ein Brett. Fernando Di Leos Italo-Action-Thriller „Der Teufel führt Regie“ aus dem Jahre 1973 ist ein beinharter, zynischer, menschenverachtender Kommentar zu mafiösen Gebilden aus Macht, Korruption und Skrupellosigkeit und in seiner konsequenten Machart sicherlich schwer mit anderen Filmen, die eine ähnliche Thematik verfolgen, vergleichbar. Henry Silva mimt mit seiner eiskalten Ausdruckslosigkeit den professionellen, kaltblütigen Mafiakiller Lanzetta und feuert schon direkt zu Beginn mit einem Granatenwerfer auf die sich aus Mafiakadern zusammensetzende Besuchergruppe eines privaten Untergrund-Pornokinos, so dass der Zuschauer schon zu diesem frühen Zeitpunkt ganz genau weiß, was ihn hier erwartet. Knall auf Fall im wahrsten Sinne des Wortes geht es weiter mit etlichen Liquidationen zwischen den verfeindeten Gruppen und es werden, von einem – natürlich – attraktiven und – natürlich – nymphoman veranlagten Töchterchen eines oberen Mafioso einmal abgesehen, keinerlei Gefangenen gemacht. Werden anfangs nur die Leichen verbrannt, geschieht dies später auch mit lebendigen Personen. Bis auf eine höchst skurrile Sexualbeziehung zwischen jenem Betthäschen und Lanzetta, die geprägt ist von dessen Frauenverachtung und Gewalttätigkeit, aber auch einen interessanten Einblick in seine triste Behausung, die ein Abbild seines Seelenlebens zu sein scheint, offenbart, bietet Di Leo in „Der Teufel führt Regie“ keinen Ausweg aus der Spirale aus Hass und Gewalt, es gibt keine strahlenden Helden (genau genommen nicht einmal nichtstrahlende), keine Liebe, kein Vertrauen, keine positiven Emotionen – bzw. führen diese wie im Falle des um seine Tochter besorgten Vaters unmittelbar zur Vernichtung. Das pessimistische Gesamtwerk wird in seiner Wirkung allerdings darin getrübt, dass es, um es wirklich ernstnehmen zu können, zu übertrieben ausfiel und die Charaktere in ihrer Eindimensionalität keine Identifikation zulassen. Hauptfigur Lanzetta wird somit am ehesten zur Identifikationsfigur für den Zuschauer, der sein Handeln bestaunt und sich vor soviel Härte ungläubig Augen reibt. Henry Silva passt die Rolle des Lanzetta ganz hervorragend und auch alle anderen Darsteller machen ihre Sache gut, besonders gefiel mir Pier Paolo Capponi als Cocchi mit seiner Gangstervisage. Perfekt untermalt wird das Spektakel von einer grandiosen Filmmusik. Ein höchst unterhaltsamer Genre-Beitrag, der die typischen Zutaten auf die Spitze treibt und in Sachen kalter Härte Seinesgleichen suchen dürfte.
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Beitragvon buxtebrawler » 7. Mai 2010, 15:18

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Godzilla: Final Wars

Auf eine Reihe schlechter Erfahrungen mit Monsterattacken in der Vergangenheit reagiert die UNO mit einer genetisch modifizierten Kämpferbrigade, die sich des Problems bislang auch erfolgreich annimmt. Nun jedoch erscheinen wie aus dem Nichts Dutzende von Monstern gleichzeitig in allen Weltmetropolen und richten verheerende Zerstörungen an. Tatsächlich entpuppt sich ihr Auftreten als Vorbote und Druckmittel außerirdischer Invasoren. Die aber haben die Rechnung ohne Godzilla und dessen Nachfahre Minira gemacht. (Quelle: amazon.de)


Nach 50 Jahren war Schluss mit der Godzilla-Reihe und „Godzilla: Final Wars“ von Ryûhei Kitamura setzte im Jahr 2004 den Schlusspunkt. Und was für einen… „Godzilla: Final Wars“ wurde zum absoluten Overkill an einfach allem. Ich habe noch keinen Film gesehen, in dem so viele unterschiedliche Kreaturen aufeinandertreffen und gleichzeitig so viele Genres wild durcheinandergewürfelt werden. Wohl so ziemlich alle Monster, mit denen es unsere urzeitliche Riesenechse schon zu tun hatte, tauchen auch hier wieder auf und Kitamura präsentiert uns kitschige Horror-Sci-Fi-Fantasy-Martial-Arts-Eastern-Endzeit-Action mit albernem Komödienanteil, deren optisches Erscheinungsbild nichts mehr mit den billigen Trashstreifen der Vergangenheit zu tun hat. Hier wird ein modernes Effektfeuerwerk in futuristischer Hochglanzoptik geboten, deren Qualitäten allerdings von eindrucksvoll bis lachhaft schlecht reichen. Abgeguckt wurde u. a. von Blockbustern wie „Matrix“, was sich in den zahlreichen Kämpfen, mal in typischer Eastern-Manier und mal mit Laserwaffen ausgeführt, deutlich zeigt. Die Geschichte um Außerirdische mit menschlichem Antlitz, die sich zunächst als Beschützer der Erde aufspielen, dabei aber ein falsches Spiel spielen und durch die Reanimierung sämtlicher Monster – bis auf Godzilla – schließlich die Zivilisation zerstören, wirkt dabei so hanebüchen, aufgesetzt und emotionslos, dass man sie zu keinem Zeitpunkt ernstnimmt und nur sehnsüchtig auf das Auftauchen Godzillas wartet. Dessen großes Finale fiel dann auch eher unbefriedigend aus, da ihm – trotz 120 Minuten Spielzeit – zu wenig Platz eingeräumt wurde. „Godzilla: Final Wars“ will einfach viel zu viel auf einmal und vergisst dabei fast gänzlich den Charme der alten Godzilla-Filme. Zwar wird man als Zuschauer auf oberflächlicher Ebene durchaus passabel unterhalten, da ihm der Film quasi keine ruhige Minute lässt, letztendlich bleibt „Godzilla: Final Wars“ aber seelenloser, japanischer Edel-Trash, der offensichtlich eine jüngere Generation mit geringer Aufmerksamkeitsspanne anzusprechen versucht, mir aber fast epileptische Anfälle beschert. Die spinnen, die Japaner...
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 10. Mai 2010, 13:18

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Godzilla

Radioaktive Strahlung erweckt den seit Jahrmillionen schlafenden Riesensaurier Godzilla wieder zum Leben. Der ist darob ziemlich erbost und trampelt erst mal ausgiebig einige japanische Städte platt, ehe ein Wissenschaftler mit einer neuentwickelten Waffe den Riesen zur Strecke bringt. Die Waffe ist jedoch so schrecklich, daß er im Anschluß daran Selbstmord begeht, um die Welt davor zu bewahren.


Nachdem ein Jahr zuvor der US-Regisseur Eugene Lourie in Zusammenarbeit mit Tricktechniker Ray Harryhausen mit „Panik in New York“ einen vielbeachteten Überraschungserfolg landete, griff man in Japan die Thematik um eine durch Radioaktivität wieder zum Leben erweckte, urzeitliche Riesenechse auf und schuf mit „Godzilla“ DIE japanische Monster-Ikone schlechthin. Angenehmerweise hat der erste „Godzilla“-Film noch nicht viel mit den folgenden, naiven Billig-Trash-Filmchen gemein, sondern setzt auf eine ungewöhnlich ernste, düstere und wirkungsvolle Atmosphäre. „Godzilla“ ist voll von Parabeln auf das japanische Trauma durch die Atombombenabwürfe und mahnt, ohne aufgesetzt zu wirken, den verantwortungsvollen Umgang mit der Atom-Technologie an. Das Monster fungiert quasi als Synonym für die zerstörerische Wirkung der Atombombenexplosionen und wenn die verheerenden Folgen gezeigt werden, die Kinder weinen etc. macht sich eine beklemmende, verzweifelte Endzeit-Stimmung breit, wie es in dieser Form kaum ein anderer Subgenrebeitrag bislang vermochte. Vor diesem Hintergrund ist auch der moralische Konflikt des Entwicklers einer wirkungsvollen Waffe gegen das Ungetüm zu verstehen, der Sorge hat, dass seine Erfindung in die falschen Hände gerät und sie gegen die Menschheit eingesetzt werden könnte. Auch die integrierte unglückliche Liebesbeziehung trägt nicht sonderlich, wie sonst durchaus üblich, zur Auflockerung des Gezeigten bei, sondern wurde tragisch und dramatisch ausgelegt. Was die Effekte betrifft, hatte das US-„Original“ mit Harryhausens wunderbaren Stop-Motion-Animationen sicherlich die Nase vorn, denn für „Godzilla“ verzichtete man auf diese aufwändige und zeitraubende Technik. Stattdessen steckte man einen Mann in ein Kostüm, was der apokalyptischen Stimmung von Godzillas Auftritten aber nur bedingt einen Abbruch tut. Natürlich ist Harryhausens Dinosaurier schöner anzusehen und durch die mit ihm verbundene Arbeit sympathischer, aber die japanische Lösung ist ebenso simpel wie effektiv. Somit wirken die Zerstörungsorgien aus heutiger Sicht vielleicht tricktechnisch überholt, sind vom Trashgehalt anderer Produktionen aber meines Erachtens weit entfernt. „Godzilla“ gilt vollkommen zurecht als großer Klassiker und Referenz und ist vielleicht der intelligenteste Film seiner Art.

Diese Kurzkritik bezieht sich auf die ungekürzte japanische Fassung.
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 11. Mai 2010, 22:45

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Das Ungeheuer von Loch Ness

Die Verklappung von radioaktivem Abfall führt zur Erweckung eines vorzeitlichen Sauriers, der selbst radioaktive Strahlen aussendend und Blitze verschießend, sich langsam aber sicher London nähert, aber wegen seiner radioaktiven Strahlung nicht mit konventioneller Sprengkraft beseitigt werden kann.


Eugene Lourie, der bereits beim bahnbrechenden Riesensaurier-Spektakel „Panik in New York“ Regie führte und damit die Japaner zum ebenso bahnbrechenden „Godzilla“ inspirierte, wurde Ende der 50er mit einem in Großbritannien spielenden Quasi-Remake seines Dinoklassikers beauftragt. Obwohl viele Szenen fast 1:1 übernommen wurden, versuchte man doch, dem Drehbuch einen etwas ernsteren Anstrich zu verleihen und orientierte sich dabei am düsteren „Godzilla“. So sind die Dialoge auf einem höheren Niveau angesiedelt, wurde die Rolle des Militärs weniger stark gewichtet und ungewöhnlicherweise vollends auf eine eingestreute Liebesbeziehung verzichtet. Die Hauptrolle, der Meeresbiologe Steve Karnes, fiel dabei auch weniger smart, als, für britische Sci-Fi-Horrorfilme typisch, eher rabiater aus, wie man es z.B. aus den „Quatermass“-Filmen kennt. Einen leider viel zu kurzen Auftritt als sympathisch-kauziger Wissenschaftler Dr. Sampson hat Jack MacGowran inne, dessen Szenen zu den Stärksten des Films gehören. Als Spezialeffektkünstler wurde diesmal anstelle Ray Harryhausens kein Geringerer als Willis O’Brien verpflichtet, der seinerzeit für den Vater aller Riesenmonsterfilme, „King Kong und die weiße Frau“, verantwortlich zeichnete. Leider wurde „The Giant Behemoth“, so der Originaltitel, denn mit dem Monster von Loch Ness hat der Film (leider) eigentlich gar nichts zu tun, trotz aller Ambitionen zu einem Schnellschuss, der merklich unter seinem arg eingeschränkten Finanz- und Zeitplan leidet. Das äußert sich neben dem wenig innovativen Plot vor allem in der Gestaltung der Monster-Actionszenen, für die eigentlich ein mechanisch beweglicher Saurierkopf entwickelt wurde, dessen Technik allerdings kaputtging und in der Kürze der Zeit nicht repariert werden konnte. So wird das Auftauchen des Modells zu einer ziemlich starren Angelegenheit mit unbeweglichen Glotzaugen und steifem Hals. Die Miniaturmodelle z.B. von Fahrzeugen sind deutlich als Spielzeugautos zu erkennen, beim Angriff auf eine Fähre verschwinden wie von Geisterhand plötzlich die Fahrgäste, wenn das Monster ins Bild kommt, nur um in der nächsten Szene wieder aufzutauchen. Zu allem Überfluss ist in diesen Einstellungen auch das Metallgestell des Ungetüms zu erkennen. Dadurch fällt es „The Giant Behemoth“ natürlich schwer, die ernsthafte, düstere Atmosphäre aufrecht zu erhalten und gerät in die Fahrwasser des Billigtrash. Andererseits entschädigen die von O’Brien gewohnt schönen Stop-Motion-Animationen dafür, die den Behemoth durch London stapfen lassen - wenn man auch alles schon einmal in „Panik in New York“ oder eben „Godzilla“ gesehen hat. Zwischenzeitlich geht dem Film dann auch etwas die Puste aus und es schleichen sich ein paar Längen ein. Schade, dass der Film durch den Pfusch seinen eigenen Ansprüchen nicht ganz genügt, denn unterhaltsam ist er auf jeden Fall und für Fans solcher Filme ein interessanter Geheimtipp.
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 13. Mai 2010, 22:20

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Angst

Ein junger Mann (Erwin Leder), der eine zehnjährige Haftstrafe wegen Mordes an einer alten Frau abgesessen hat, wird aus dem Zuchthaus entlassen. Kaum auf freiem Fuß, spürt er gleich wieder das starke Verlangen seine mörderischen Fantasien auszuleben, gibt dem inneren Drang nach und macht sich sofort auf die Suche nach neuen Opfern. Nachdem ihm eine Taxifahrerin nur knapp entkommen konnte, dringt er in eine abgelegene Villa ein, in dem eine ältere Frau (Edith Rosset) mit ihrem behinderten Sohn (Rudolf Götz) und ihrer jungen Tochter (Silvia Rabenreiter) lebt. Der Mann bringt die Familie brutal in seine Gewalt und beginnt ein sadistisches Spiel...


Mit „Angst“ lieferte der österreichische Regisseur Gerald Kargl 1983 ein erschreckend authentisches, auf dem Fall des kranken Mörders Werner Kniesek basierendes Psychogramm eines psychisch derangierten Mannes ab, der direkt nach seiner Haftentlassung wahllos auf der Suche nach seinen nächsten Opfern ist und diese in einer Familie findet, die er in deren Villa überfällt. Der dokumentarische Stil verzichtet auf großes Brimborium und zeigt die Geschehnisse aus der Sicht des Mörders – der aus dem Off seine eigenen Taten und seinen Gemütszustand kommentiert. Die minimalistische Beschränkung auf die Perspektive des Mörders wird zu einem beängstigenden, beklemmenden Martyrium für den Zuschauer, das meilenweit von üblichem Unterhaltungskino entfernt ist, woran die schauspielerische Leistung Erwin Leders einen großen Anteil hat. Der besondere Kniff ist dabei die hervorragende, progressive Kameraarbeit, die die Subjektivität auf die Spitze treibt. Auch vor der expliziten Darstellung von Gewalttaten wird nicht zurückgeschreckt, was „Angst“, untermalt von einem interessanten Synthesizer-Soundtrack, insgesamt zu einem schwereren Brocken als andere Serienmörder-Filme macht, der erst einmal verdaut werden will. Großartiges, ambitioniertes, österreichisches Independent-Kino, das den Zuschauer eiskalt erwischt und nachhaltig zu verstören vermag.
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 13. Mai 2010, 23:27

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Straw Dogs – Wer Gewalt sät…

Der amerikanische Mathematiker David Sumner und seine attraktive Frau Amy ziehen in ein friedliches englisches Dorf. Dort will David in Ruhe eine wissenschaftliche Arbeit beenden. Bald schon belästigen die Einheimischen den zurückhaltenden Intellektuellen und werfen seiner Frau lüsterne Blicke zu. Doch die Situation eskaliert noch weiter...


Regisseur Sam Peckinpah, umstritten und immer wieder für Skandälchen gut, hat mich mit seinem 1971er Werk „Straw Dogs“ tatsächlich auf dem falschen Fuß erwischt. In Erwartung eines nicht unbedingt mehrdimensionalen Rachethrillers wurde ich verblüfft vom Facettenreichtum der Charaktere, deren Verhalten oft eben nicht so einfach in „richtig“ oder „falsch“ zu kategorisieren ist und denen das Drehbuch genügend Zeit gibt, sich dem Zuschauer in all ihrer Unvollkommenheit vorzustellen und ihn mit ihrem Handeln und ihren Reaktionen zu überraschen. Der US-amerikanische Mathematiker David Sumner, großartig gespielt von Dustin Hoffman, der als Fremdkörper in die dörfliche, englische Idylle „eindringt“, die gleichzeitig die Heimat seiner attraktiven Frau Amy, ebenfalls hervorragend gespielt von Susan George, ist, möchte in Ruhe seiner geistigen Arbeit nachkommen und agiert als vernunftbetonter, Konflikte eher scheuender Mensch. Seine Frau hingegen scheint durch die Rückkehr in ihre Heimat ihre Jugend wiederzuentdecken, spielt der Dorfbevölkerung gegenüber mit ihren Reizen und fällt gelangweilt ihrem arbeitenden Mann auf die Nerven. Beide senden die falschen Signale zu falschen Zeitpunkten und provozieren die eingeschworene, bodenständige, aber intolerante und hochmütige, männliche Dorfgemeinschaft, die nur auf Anlässe zu warten scheint, David das Leben schwer zu machen. Die Kommunikation zwischen Amy und David gestaltet sich schwierig und ist geprägt von Egoismus und Unverständnis, was dem Zusammenhalt abträglich ist. Nach und nach eskaliert die stets angespannte Situation, was in einem großen Showdown gipfelt. Zwischendurch wird immer wieder bewusst mit der Erwartungshaltung des Zuschauers gebrochen, z.B. wenn Amy an einer Vergewaltigung durch einen Jugendfreund Gefallen findet oder ein geistig behinderter, der verbalen, aber auch physischen Gewalt der Dorfbewohner ausgesetzter Mann den Vorurteilen entsprechend tatsächlich, wenn auch „aus Versehen“, ein junges Mädchen umbringt, wodurch moralische Konflikte hervorgerufen werden. Fraglich finde ich das Frauenbild, das Peckinpah in seinem nach Western-Art männlich dominierten Film zeichnet – allerdings mitnichten, weil ich das Verhalten Amys als realitätsfremden, sexistischen Affront interpretieren würde, sondern schlicht, weil positive Frauenbilder in „Straw Dogs“ vollends fehlen. Andererseits trägt dies, evtl. beabsichtigt, zur desillusionierenden Stimmung des Films bei, in dem man charakterlich integere Protagonisten vergeblich sucht. Die Identifikationsfigur ist David, dessen zögerliches Verhalten den Zuschauer je nach Sensibilität entweder mit eigenen Ängsten konfrontiert oder ihn verständnislos und ungeduldig auf Konsequenzen warten bzw. hoffen lässt, die letztendlich zwar eintreten, von Peckinpah aber bestimmt nicht als Problemlösung verstanden wissen wollen, was das Ausbleiben eines Happy Ends verdeutlicht. Die letztlich eskalierende Gewalt wird David aufgezwungen und er kann sie nicht länger ignorieren oder verleugnen, was bei Erscheinen des Films anscheinend zu Diskussionen um Gewalt und deren Verherrlichung in Filmen führte. „Straw Dogs“ liefert ein schonungsloses Bild einer Realität, wie sie tagtäglich im Kleinen stattfindet, aber keinerlei Antworten. Statt dessen offene Fragen, mit denen sich der Zuschauer doch bitte selbst auseinander soll. Böse, aber verdammt gut.

P.S.: Danke an Onkel Joe für den Tipp. ;)
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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 14. Mai 2010, 14:44

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Die Brut

Nola und Frank Carveth (Samantha Eggar, Art Hindle) sind ein unglückliches Ehepaar und ihre Scheidung scheint nahe. Um das zu vermeiden, unterzieht sich Nola einer Therapie im umstrittenen Institut von Dr.Raglan (Oliver Reed), bei der sie ihre Agressionen sichtbar machen soll. Das funktioniert allerdings besser als erwartet, denn wann immer nun Nola einen Haß auf eine Person verspürt, erscheinen kleinwüchsige Lebensformen und "beseitigen" das Problem. Als schon einige Leute ihr Leben verloren haben, darunter auch Nolas Eltern, kommt Frank der Sache schließlich auf die Spur und gerät so bald selbst in Gefahr...


Cronenberg did it again. Wieder gerät eine neuartige medizinische Methode außer Kontrolle, die sich letztendlich in gefährlichen körperlichen Mutationen äußert. Dieses Mal ist es die „Psychoplasmatik“, die unter psychischen Traumata leidenden Patienten helfen soll, allerdings bei Nola Carveth dazu führt, dass sich ihr unterdrückter Hass in abscheulichen, kinderähnlichen Lebewesen manifestiert, die zu Erfüllungsgehilfen ihrer negativen Emotionen werden. Dadurch verarbeitet Cronenberg die Thematik der „Weitergabe“ eigener erlebter Leiden an die Kinder und die möglichen Gewaltausbrüche durch unterdrückte Emotionen und verdrängte Erinnerungen. Diese werden in „Die Brut“ plastisch, sehen bedrohlich aus und wurden gekonnt in Szene gesetzt, so dass der eine oder andere Schockmoment gewiss ist. Allgemein verstand es Cronenberg, seinen Film eine unwirtliche Optik zu verleihen und eine spannende, bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen. Trotz der Kreaturen und einiger brutaler Morde stehen grafisch ausufernde Körperhorror-Elemente eher im Hintergrund und finden eigentlich erst so richtig im Finale statt. Der Film funktioniert mehr auf psychologischer Ebene und lässt sich dadurch nur bedingt mit späteren Körperhorror-Eskapaden Cronenbergs oder z.B. eines Herrn Yuzna vergleichen. „Die Brut“ erscheint weniger schlüpfrig und schmutzig als Cronenbergs Frühwerke „Shivers“ und „Rabid“, dürfte durch das Motiv der tötenden „Kinder“ aber dennoch für so manchen Aufreger gesorgt haben. Niveauvoller, etwas exzentrischer bis surrealer 70er-Horror mit psychologischem Tiefgang.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Beitragvon buxtebrawler » 14. Mai 2010, 16:01

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Das Pendel des Todes

Spanien im 16. Jahrhundert: Als Kind war Don Nicholas Medina (Vincent Price) Zeuge, wie sein Vater die untreue Mutter lebendig einmauerte. Nun stirbt seine Frau Elizabeth (Barbara Steele) an einer mysteriösen Krankheit. Medina ist dem Wahnsinn nahe. Als auch noch sein misstrauischer Schwager Francis (John Kerr) in den Gemächern herumschnüffelt, nimmt der Schlossherr Vaters Folterkammer in Betrieb...


Roger Cormans nach „Die Verfluchten“ zweite Poe-Verfilmung aus dem Jahre 1961 bedient sich ganz ähnlicher Elemente wie der Vorgänger. Wieder wurde die Hauptrolle mit Vincent Price besetzt, wieder geht es um eine Familientragödie, die die jüngste Generation traumatisiert, wieder spielt die Thematik des Lebendig-begraben-Seins eine Rolle – und wieder versteht es Corman, mit kargem Budget opulenten Gothic-Horror in herrlichem Technicolor auf die Leinwand zu zaubern. Das alte Schloss mit seinen Folterinstrumenten wurde sehr schön in Szene gesetzt und das gemächliche Tempo lädt ein, sich entspannt zurückzulehnen und wohligen Grusel zu genießen, während seltsame Ereignisse den Schlossherrn nach und nach in den Wahnsinn treiben... was dann seine Vollendung in einem rasanten Finale findet, in dem das „Pendel des Todes“ zum Einsatz kommt und das mit einer bösartigen Schlusspointe aufwartet. Trotz oder besser gerade wegen all der Parallelen zu „Die Verfluchten“ erreicht „Das Pendel des Todes“ nicht ganz die Klasse des innovativen, überraschend hochqualitativen Vorgängers, sollte aber alle Freunde des wohldosierten, niveauvollen Grusels der alten Schule voll zufriedenstellen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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