Killing House / Terror - Norman J. Warren (1978)

Moderator: jogiwan

Re: Killing House - Norman J. Warren

Beitragvon horror1966 » 24. Okt 2011, 21:32

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Killing House
(Terror)
mit John Nolan, Carolyn Courage, James Aubrey, Sarah Keller, Tricia Walsh, Glynis Barber, Michael Craze, Rose Collins, Chuck Julian, Elaine Ives-Cameron, Patti Love, Mary Maude, William Russell, Peter Craze, Peter Atard
Regie: Norman J. Warren
Drehbuch: David McGillvray / Les Young
Kamera: Les Young
Musik: Ivor Slaney
Ungeprüft
Großbritannien / 1978

Filmemacher James Garrick (J. Nolan) gibt gerade eine Party und überrascht seine Gäste mit einem Preview seines neuen Horrorfilms. Die Stimmung ist aber schnell getrübt als plötzlich merkwürdige Ereignisse stattfinden. Seine Gäste werden nacheinander Opfer eines seltsamen Fluchs dessen Ursprung wohl in der Vergangenheit der Familie Garrick liegt ...


Ganz zu Anfang des Films denkt man eigentlich, das man es mit einem im Mittelalter angesiedelten Hexenfilm zu tun bekommt, was sich dann aber recht schnell als Trugschluss entpuppt, da es sich lediglich um eine Film-im Film Passage handelt. Doch gleich diese Eröffnung lässt hoffen, das es sich bei "Killing House" um einen sehr atmosphärischen Horrorfilm handelt und diese Hoffnung ist durchaus berechtigt, denn in dieser Beziehung weiss dieser britische Film von Norman J. Warren vollkommen zu überzeugen. Die von der ersten Minute an vorherrschende und sehr unheilvolle Grundstimmung zieht sich konstant durch die ganze Geschichte und kann in so manchen Phasen durchaus für eine aufkommende Gänsehaut beim Betrachter sorgen, was die Grundvorraussetzung für einen gruseligen Horrorfilm darstellt.

Und durch diese herrliche Stimmung, die dieses Werk verbreitet, kann man dann als fan solch atmosphärischer Horrorfilme auch gut und gern einmal über diverse andere schwächen hinwegsehen und ein Auge zudrücken. Ein Alternativtitel des Films lautet "Delirium House" und teilweise fühlt man sich bei dem hier stattfindenden geschehen auch selbst etwas wie im Delirium, denn die Szenerie kommt doch phasenweise ziemlich bizzar und leicht verwirrend daher, so das teilweise eine recht wirre Mixtur aus Giallo-und Familienfluch-Gruselfilm entsteht, die aber ihren reiz hat und auch eine ungeheure Faszination auf einen selbst ausübt. Nicht selten beschleicht einen das Gefühl, das es sich hier um einen Mörder aus Fleisch und Blut handelt, um aber schon in der nächsten Einstellung viel eher an übersinnliche Kräfte und einen Killer aus dem Jenseits zu denken. Doch gerade der dabei entstehende Zwiespalt ist es auch, der diese Geschichte so interessant und teils auch aussergewöhnlich macht. Man fiebert und rätselt richtig mit, wird vom stattfindenden Geschehen gepackt und gefesselt und erliegt fast zwangsläufig der Faszination, die das bizzare Treiben entfaltet.

Die Schwäche, die der Film aber leider beinhaltet, ist die inhaltliche Substanz, die ehrlich gesagt nicht besonders viel hergibt. Es ist im Prinzip nicht mehr als eine recht dünn geratene Rahmenhandlung und das hätte man ganz sicher verhindern können. Etwas mehr Hintergrundinformationen und Passagen aus der Vergangenheit, eine wenigstens oberflächliche Beleuchtung einiger Charaktere und ein paar Minuten mehr Laufzeit hätten hier ganz sicher nicht geschadet und dem Zuschauer ein noch besseres Gesamtpaket präsentiert. So aber reiht sich eigentlich ein Mord an den anderen, ohne das dazwischen inhaltlich sehr viel passieren würde. Dabei hätte man die gesamte Story doch durch etwas mehr Informationen immens aufwerten können und so für einen noch niveauvolleren Filmgenuss Sorge getragen. Mir persönlich hat "Killing House" zwar auch in dieser Form sehr gut gefallen, da mich wie schon erwähnt die unheilvolle Atmosphäre voll in ihren Bann gezogen hat, aber ich kann mir auch sehr gut vorstellen, das es genügend Leute gibt, die sich insgesamt etwas mehr erwartet hätten.

Und da kann man leider auch die hier agierenden Schauspieler nicht unter den Tisch fallen lassen, denn das dargebotene Schauspiel der meisten Akteure wirkt doch in manchen Phasen seltsam lustlos, wenn nicht sogar gelangweilt. So gibt es dann auch einige Sequenzen, die nicht unbedingt authentisch und überzeugend wirken, sondern vielmehr einen Eindruck hinterlassen, als wenn sie künstlich aufgesetzt wären. Wer aber über die angesprochenen schwächen hinwegsehen kann, der wird mit einem ansonsten doch sehr unterhaltsamen Horrorfilm belohnt, den sich anzuschauen auf jeden Fall lohnt.


Fazit:


Trotz einiger offensichtlicher Defizite ist "Killing House" ein vor allem atmosphärisch vollkommen überzeugender Horrorfilm, bei dem man aber trotzdem viel Potential verschenkt hat. Dennoch ist dieses Werk aber absolut sehenswert und sorgt für gruselige und teils recht blutige Horror-Unterhaltung. Mich hat lediglich das etwas zu abrupte Ende des Films wirklich gestört, denn hier hatte ich doch etwas mehr als das Gezeigte erwartet.


7/10
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Re: Killing House - Norman J. Warren

Beitragvon kinski » 26. Jan 2012, 22:06

Killing House“ scheint zu Beginn ein Mittelalter-Hexen-Horrorfilm zu werden … was sich dann allerdings nur als Film im Film herausstellt. Im weiteren Verlauf geht es Teilen der Filmcrew an den Kragen … allerdings nicht nur denen. Und genau das führt zu Verwirrung. Über weite Strecken des Streifens hat man nämlich keine Ahnung, wohin Trash-Regisseur Norman J. Warren den Zuschauer diesmal führen will.

Klar – phasenweise ist das Gemetzel ganz nett … aber wozu das Ganze? Zudem ist einem nie so ganz klar, wer jetzt eigentlich die Hauptperson des Films sein soll, ergo gibt es auch niemanden mit dem man so richtig mitfiebern kann.

Wenn das alles von Warren so beabsichtigt war … Respekt! Wenn nicht, ist er einfach ein Grottenolm von Regisseur, denn auch „Killing House“ hat erneut wieder was. Ganz besonders in der Schlussphase, als man sich ein wenig an Dario Argento’s Filme wie „Suspiria“ oder „Horror Infernal“ erinnert fühlt: selbständig bewegende Gegenstände; ein wirres Farbenspiel; und auch die Aktion, als einer der Crew fast in den eigenen Filmspulen umkommt, erinnert doch sehr an eine Szene aus „Suspiria“, nur dass da das alles mit Draht passierte. Bedenkt man dann noch, dass „Killing House“ nur ein Jahr nach „Suspiria“ entstanden ist, so kann man nicht ganz von der Hand weisen, dass sich Warren vom italienischen Großmeister hat inspirieren lassen.

Das Finale von „Killing House“ macht die oben beschriebene zwischenzeitliche Verwirrung dann komplett. Danach weiß man nämlich gar nicht mehr irgendwelche Zusammenhänge herzustellen. Unlogisch, schwachsinnig … oder einfach nur cool? Jeder mag für sich das passende Attribut selbst wählen. Fest steht auf jeden Fall, dass auch dieser Warren absolut was hat. Der Typ mag keine Leuchte am Regiehimmel sein, aber er versteht es, seinen Filmen eine eigene und ziemlich einmalige Note zu geben. Und das schaffen manchmal Regisseure mit wesentlich mehr Talent noch nicht mal.

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Re: Killing House - Norman J. Warren

Beitragvon jogiwan » 10. Jul 2013, 07:32

Herrlich! Irgendwie hat man bei "Terror" das Gefühl, dass der englische Regisseur Norman J. Warren eine Parodie auf "Suspiria" gedreht hat und dabei auch die Morde aus Argentos Streifen auf augenzwinkernde Weise neu interpretiert. Zwar gibt die Geschichte über Hexen-Flüche noch immer nicht viel her, aber der Streifen macht auch trotz seiner augenscheinlichen Mängel doch großen Spass und Warren hat ebenfalls sichtlich Freude den Zuschauer bei der Nase herumzuführen. Es regnet, rummst und bröckelt an allen Ecken und das Finale ist dann fast ein kleines Inferno mit einer wunderbaren Ausleuchtung. Außerdem ist "Terror" auch noch hübsch blutig und etwas sleazy ausgefallen, was den aufgeschlossenen Fan von derartigen Werken ebenfalls erfreuen wird.
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Re: Killing House - Norman J. Warren

Beitragvon jogiwan » 8. Mai 2018, 07:12

jogiwan hat geschrieben:Herrlich! Irgendwie hat man bei "Terror" das Gefühl, dass der englische Regisseur Norman J. Warren eine Parodie auf "Suspiria" gedreht hat und dabei auch die Morde aus Argentos Streifen auf augenzwinkernde Weise neu interpretiert. Zwar gibt die Geschichte über Hexen-Flüche noch immer nicht viel her, aber der Streifen macht auch trotz seiner augenscheinlichen Mängel doch großen Spass und Warren hat ebenfalls sichtlich Freude den Zuschauer bei der Nase herumzuführen. Es regnet, rummst und bröckelt an allen Ecken und das Finale ist dann fast ein kleines Inferno mit einer wunderbaren Ausleuchtung. Außerdem ist "Terror" auch noch hübsch blutig und etwas sleazy ausgefallen, was den aufgeschlossenen Fan von derartigen Werken ebenfalls erfreuen wird.


Gestern nochmals auf der wunderbaren Ami-Blu-Ray-Disc gesehen, kann ich die oben genannten Worte eigentlich nur wiederholen, auch wenn ich das Wort „Parodie“ jetzt nicht mehr in den Mund nehmen würde. Im Interview erzählt Norman J. Warren ja auch, dass Ende der Siebziger laufend neue und innovative Horror-Filme in die Kinos kamen und ihn Argentos „Suspiria“ so begeistert hat, dass er etwas Ähnliches machen wollte. Herausgekommen ist „Terror“ - ein Film, der zwar keine große Rücksicht auf eine geradlinige Story oder Logik nimmt, dafür den Titel aber Programm stehen lässt und einen Spannungsmoment nach dem anderen auf den Zuschauer los lässt. Dass Warren dabei auch noch etwas augenzwinkernd und nicht immer ernsthaft zur Sache geht, macht „Terror“ dabei eigentlich schwer unterhaltsam und zu einer lohnenswerten Sache, bei der sich auch der Zuschauer nie in Sicherheit wähnen sollte. Besonders hervorzuheben ist dann natürlich der Mord am Produktionsassistenten, der Argento-Fans durch seinen abgewandelten Einsatz von Filmmaterial natürlich gleich bekannt vorkommen wird. Mit einer Laufzeit von knapp 80 Minuten ist „Terror“ zwar vergleichsweise kurz ausgefallen und füllt diese Zeit mit lustigen Einfällen, hübscher Ausleuchtung und schrägen Momenten, die Horror-Fans mit Humor auch zu schätzen wissen. Die Blu-Ray von Vinegar Syndrome ist wie üblich „codefree“, hat eine tolle Qualität, zwei Cover-Varianten, englische Subs für ein besseres Verständnis und auch noch ein paar neue Interviews mit Cast und Crew an Bord.
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Re: Killing House / Terror - Norman J. Warren (1978)

Beitragvon jogiwan » 8. Mai 2018, 17:40

hier der völlig Argento-eske Mord im Filmstudio, den freundlicherweise jemand auf DuRöhre hochgeladen hat: :mrgreen:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
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