Der Schrecken der Medusa - Jack Gold (1978)

Moderator: jogiwan

Der Schrecken der Medusa - Jack Gold (1978)

Beitragvon Blap » 18. Jul 2010, 21:59

Dieser feine Film verdient einen eigenen Thread. Kurzkommentar inklusive.


Der Schrecken der Medusa (Großbritannien, Frankreich 1978, Originaltitel: The Medusa Touch)

John Morlar (Richard Burton) empfängt in seiner Wohnung einen Besucher. Kein guter Abend für Morlar, denn der Besucher schlägt ihm dem Schädel ein. Kommissar Brunel (Lino Ventura) ist ein französischer Ermittler, der momentan im Rahmen eines Austauschprogramms seinen Dienst in London verrichtet, er wird mit den Ermittlungen beauftragt. Am Tatort gibt die vermeintliche Leiche plötzlich doch noch ein Lebenszeichen von sich. Sofort schafft man das Opfer ins Krankenhaus. Zwar ist Morlar klinisch tot, doch sein EEG belegt eine rege Tätigkeit seines Gehirns. Erste Nachforschungen ergeben, dass Morlar offenbar ein verschrobener Einzelgänger war, der keinerlei Freundschaften pflegte und keine Familie hatte. Die Ermittlungen führen Brunel in die Praxis von Doctor Zonfeld (Lee Remick), Morlar war seit einiger Zeit bei der Psychologin in Behandlung. Zonfeld schildert dem Kommissar das Krankheitsbild ihres Patienten. John Morlar war fest davon überzeugt, dass er Kraft seiner Gedanken bestimmte Ereignisse auslösen könne. So will er für den Tod seiner Eltern verantwortlich gewesen sein, wenige Jahre später ein Feuer an seiner Schule verursacht haben, bei dem mehrere Todesopfer zu beklagen waren. Was zunächst nach den wirren Gedanken eines psychisch gestörten Menschen klingt, wird für den Kriminalisten nach und nach greifbar. In der Klinik liegt Morlar noch immer regunglos im Bett, doch seine Hirnaktivität erreicht ungeahnte Ausmaße. Als Brunel weitere Erkenntnisse erlangt, zeichnet sich die grauenvolle Wahrheit ab. Eine Katastrophe grösserer Dimension bahnt sich an, doch wie soll der Kriminalist seine Vorgestzten davon überzeugen, dass von einem klinisch Toten unfassbare Gefahren ausgehen...???

Was für ein Pfund! "The Medusa Touch" präsentiert sich als explosiver Mix aus Thriller und Horror, streift dabei gar den Katastrophenfilm. Dies mag sich zunächst ein wenig grotesk anhören, doch der Cocktail ist äussert schmackhaft, fasziniert bis zur letzten Sekunde des bitterbösen Finales. Während Kommissar Brunel ermittelt, erhält der Zuschauer in Form von Rückblenden tieferen Einblick in frühere Ereignisse, wird Zeuge der Vorgeschichte um den rätselhaften John Morlar. Betrachtet man den Film primär als Kriminalfilm, wird man vielleicht die ein wenig zu frühe Enttarnung des Angreifers erahnen, der Morlar das Leben aus dem Schädel klopfen wollte. Tatsächlich ist dieser Aspekt aber kein Schwachpunkt, sondern passt perfekt in das Gesamtbild. Die Frage nach dem Täter rückt letztlich sowieso in den Hintergrund. Wer den Denkkasten einschlug bleibt zweitrangig, viel wichtiger ist die Frage nach dem Motiv für die Tat. "Der Schrecken der Medusa" hat mich sofort gepackt, der Streifen sorgt für einige Horrorschauer, kommt dabei aber fast völlig ohne Gewaltschauwerte aus. Daher wird auch der "Anschlag" auf Morlar nicht sonderlich grafisch dargestellt, denn der Film funktioniert auf einer anderen Ebene. Das Grausen schleicht sich heimtückisch an den gebannten Zuschauer heran, der sich plötzlich im Griff des eiskalten Terros befindet, Gnade wird nicht ansatzweise gewährt. Dass "The Medusa Touch" so stimmig und rund läuft, verdankt der Film nicht nur dem guten Drehbuch. Vor allem sind es die drei sehr gut aufgelegten Hauptdarsteller, die sich in absoluter Topform zeigen. Lino Ventura ist die Rolle des kantigen Kriminalisten freilich auf den Leib geschneidert, hier nutzt er allerdings seinen Kopf als Arbeitsgerät, Faust und Knarre bleiben in der Tasche. Lee Remick wirkte in einem weiteren Horrorklassiker mit. Im ersten Teil der "Omen" Reihe, war sie als Ehefrau von Gregory Peck zu sehen, holte sich zusammen mit ihrem (Film)Gatten den Sohn des Leibhaftigen ins luxuriöse Gemäuer. Der wahre Star ist allerdings Richard Burton. Obwohl er nicht besonders häufig zu sehen ist, dazu noch nahezu ausschliesslich in Rückblenden aktiv sein darf, ist seine Präsenz nahezu erdrückend. Wenn Burton mit eindringlichem Blick hypnotisch und abgründig durch das Szenario streift, wird man unweigerlich vom blanken Entsetzen gepackt. Erst vor kurzer Zeit begeisterte mich Burton mit seiner Darstellung des fiesen "Blaubart". In "The Touch of Medusa" ist seine Darbietung nicht minder kraftvoll, sogar noch erschreckender, da "Blaubart" durchaus humorige Momente aufbot und sich weniger "real" anfühlte. Am Rande sei noch erwähnt, dass sich Freunde der Fernsehserie "Die Profis", auf ein Wiedersehen mit Gordon Jackson freuen dürfen. Der Chef der beiden harten Fernsehbullen, ist hier in der Rolle eines Arztes zu sehen.

Regisseur Jack Gold gelang mit diesem Werk ein packendes Stück Kino. Wenn man mit Nachdruck nach einem Schwachpunkt sucht, mag man diesen in den (wenigen) Katastrophenszenen finden. Der Absturz eines Flugzeugs wirkt ein wenig unpassend, tricktechnisch glaubt man eher einen zweitklassigen Desasterfilm zu sehen. Ich hege eine grosse Vorliebe für derartige Special Effects, denen man sofort ansieht, dass sie mit Modellen realisiert wurden. Was in vielen Filmen für Freude sorgt, wirkt hier ein wenig deplaziert. Vermutlich hätte man besser auf solche Momente verzichtet. Die subtile Bedrohung und Boshaftigkeit, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film zieht, hat solche wilden Ausritte überhaupt nicht nötig. Das erstklassige Gesamtbild wird dadurch aber nicht nachhaltig beschädigt, dazu sind die Stärken des Werkes zu ausgrägt und sattelfest. "Der Schrecken der Medusa" bleibt durchweg spannend und faszinierend, versetzt dem Zuschauer einen Schlag in den Nacken, beeindruckt mit sehr guten Darstellern und einem fantastischen Richard Burton! Europäisches Kino feinster Machart, ich verneige mich vor dieser Perle und bedanke mich für die schöne Nacht!

Beim Kauf der DVD sollte man die ältere Ausgabe von VCL meiden. Die neuere Auflage von Concorde überzeugt mit ansprechender Bildqualität, als Boni gibt es lediglich ein paar Trailer, was aber bei dem wundervollen Hauptprogramm locker zu verschmerzen ist! Ganz klarer Kaufzwang!

Dicke 8/10 (sehr gut)

Lieblingszitat:

"Das Ganze ist wirklich eine bemerkenswerte Kette... ...von Zufällen."
Das Blap™ behandelt Filme wie Frauen
Benutzeravatar
Blap
 
Beiträge: 4625
Registriert: 12.2009
Geschlecht: nicht angegeben

Re: Der Schrecken der Medusa - Jack Gold

Beitragvon Nello Pazzafini » 21. Jul 2010, 16:00

grossartiger film, top besetzung und richtig ungute stimmung und wie hat blap geschrieben "die Boshaftigkeit ist spürbar" - seh ich immer wieder gerne an!
Bild

"Ein Grab im K-Gebiet wünscht dir Dein Ugo"
Benutzeravatar
Nello Pazzafini
 
Beiträge: 4302
Registriert: 02.2010
Wohnort: Roma
Geschlecht: männlich

Re: Der Schrecken der Medusa - Jack Gold

Beitragvon buxtebrawler » 21. Jul 2010, 16:06

Dem schließe ich mich gerne an. Toller Film.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record)
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
 
Beiträge: 27639
Registriert: 12.2009
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Geschlecht: männlich

Re: Der Schrecken der Medusa - Jack Gold

Beitragvon horror1966 » 25. Apr 2011, 18:06

Das ist so ein Film,der einen trotz der Jahre, die er auf dem Buckel hat, immer wieder zu faszinieren weiss. Wenn man von Filmen spricht, die eine starke Faszination auf den Zusachauer ausüben,dann steht dieser hier ganz weit oben auf der Liste.

Ich habe selten eine so extrem dichte und vor allem auch düstere, bedrohliche Atmosphäre in einem Thriller gesehen, wie in diesem hier. Teilweise bekommt man wirklich schweissnasse Hände und kalte Schauer laufen einem über den Rücken. Die Spannung steigert sich hier im Laufe des Films bis zum zerreissen und bewegt sich ständig auf einem sehr hohen Level.

Die ganze Story ist schon absolut genial und vor allem wurde sie sehr interessant in Szene gesetzt. Es gibt hier nicht wie in heutigen Filmen großartige Effekte, der Film wirkt von der Machart her eher sehr bieder. Das tut seiner vorhandenen Klasse aber in keinster Weise einen Abbruch, da hier wirklich sehr viel Wert auf diese fantastische Atmosphäre gelegt wurde.

Die Darsteller sind für diesen Film wie geschaffen und hätten nicht besser ausgewählt werden können. Allen voran natürlich der fantastische Richard Burton, dessen Ausstrahlung und sein starrer Blick einen allein schon total bannen können.

Viele jüngere Leute lassen sich vielleicht vom Alter des Films abschrecken und das ist bei diesem Film ein ganz großer Fehler. Denn von diesem Thriller können sich auch heutige Werke durchaus noch eine Scheibe von abschneiden.

In Sachen Spannung und Atmosphäre macht diesem Film jedenfalls so schnell keiner etwas vor, man sollte "Der Schrecken der Medusa" auf jeden Fall mal gesehen haben.


10/10
Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
 
Beiträge: 5597
Registriert: 06.2010
Wohnort: Hildesheim
Geschlecht: männlich

Re: Der Schrecken der Medusa - Jack Gold

Beitragvon purgatorio » 29. Mär 2015, 08:20

DER SCHRECKEN DER MEDUSA (THE MEDUSA TOUCH, Großbritannien, Frankreich 1978, Regie: Jack Gold)

Der zynische Autor John Morlar (Richard Burton) fiel einem Mord zum Opfer. Sein Schädel wurde mit einer Statue beinahe vollständig zertrümmert. Der französische Kommissar Brunel (Lino Ventura) wird auf den Tatort angesetzt, entdeckt dort aber zu seinem Entsetzen, dass der Autor noch lebt. Offenbar setzen sich die Reste des intakten Gehirns gegen den Tod zur Wehr.

Bei Nachforschungen im Umfeld des eigenartigen Mannes lernt der Kommissar die Psychiaterin Dr. Zonfeld (Lee Remick) kennen, die von Molar eigenartiges zu berichten weiß: Er glaubte, dass er mit seinen Gedanken Katastrophen auslösen konnte, eine Kraft, die im Laufe der Jahre noch anwuchs. Nach Unfällen und kleineren Tötungen plante der verbitterte Mann nun offenbar eine Reihe riesiger Katastrophen auszulösen – ein Plan, an dem das Hirn im zertrümmerten Körper wohl noch immer festhält…

Sehr starke Mischung aus Thriller, Mystery und Katastrophenfilm. Fesselnd und unterhaltsam, wenn auch irgendwie absehbar respektive durchschaubar. Kurz musste ich schlucken, erahnte ich doch unterschwellige Prophetie im Rahmen des mutwilligen Flugzeugabstürzes (erschreckende Parallelen zu Germanwings am 24.03.2015 UND zum 11.09.2001 offenbarten sich hier – manchmal ist die Fantasie eben doch etwas schneller als die Realität). Gefiel mir insgesamt sehr gut! 7-8/10
Bild
Im Prinzip funktioniere ich wie ein Gremlin:
- nicht nach Mitternacht füttern
- kein Wasser
- kein Sonnenlicht
Benutzeravatar
purgatorio
 
Beiträge: 15032
Registriert: 04.2011
Wohnort: Dresden
Geschlecht: männlich

Re: Der Schrecken der Medusa - Jack Gold

Beitragvon ugo-piazza » 29. Mär 2015, 18:05

horror1966 hat geschrieben:Das ist so ein Film,der einen trotz der Jahre, die er auf dem Buckel hat, immer wieder zu faszinieren weiss.


Absolut!


Windscale...
Benutzeravatar
ugo-piazza
 
Beiträge: 8617
Registriert: 12.2009
Geschlecht: männlich

Re: Der Schrecken der Medusa - Jack Gold (1978)

Beitragvon jogiwan » 20. Aug 2015, 06:44

In Memoriam Jack Gold! Ganz großartiger Streifen irgendwo zwischen Thriller, Drama, Mystery und Katastrophenfilm, an dessen Ausgangspunkt ein missglückter Mordversuch an einem zurückgezogen lebenden Schriftsteller Morlar steht, dessen Aufklärung aus unbekannten Gründen jedoch höchste Priorität zu scheinen hat. Als der französischer Ermittler Brunel den Fall bekommt, erfährt dieser durch Tagebücher und dessen Umfeld, dass sich Morlar Zeit seines Lebens für Katastrophen und Unfälle in seinem Umfeld verantwortlich fühlte während er im Koma um sein Überleben kämpft, häufen sich auch andere Verdächtige, die mit dem Mann so seine Probleme hatten. Doch je länger der Brunel und sein Team ermitteln, umso mehr fügt sich ein Bild zusammen, dass nur noch eingeschränkt mit rationalen Argumenten erklärt werden kann und schon bald stellt sich nicht nur der Kommissar die Frage, ob ein Mensch allein mit seinen Gedanken Unheil anrichten kann. Dabei wird die Geschichte und die Gründe, die zum Mordversuch führen in „Die Schrecken der Medusa“ eher langsam aufgerollt und dennoch sehr spannend erzählt, bis sich am Ende dann ein bestimmtes Gesamtbild zusammenfügt und der Streifen des kürzlich verstorbenen Regisseurs Jack Gold in die Vollen geht. Perfektes und intelligentes Filmvergnügen mit übernatürlichen Einschlag und großartigen Darstellern, das die Spannungsschraube langsam aber unerbittlich anzieht und einem Ende, das mit seiner bösartigen Natur auch lange in Erinnerung bleibt.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
 
Beiträge: 31728
Registriert: 12.2009
Wohnort: graz / austria
Geschlecht: männlich

Re: Der Schrecken der Medusa - Jack Gold (1978)

Beitragvon Theoretiker » 13. Nov 2015, 19:55

Wirklich starker Mystery-Drama-Action-Horror-Streifen, der kaum etwas von seiner düsteren Atmosphäre eingebüßt hat, und der eine bitter-böse Story aufweisen kann.

8/10
Bild
Benutzeravatar
Theoretiker
 
Beiträge: 4612
Registriert: 06.2012
Geschlecht: männlich

Re: Der Schrecken der Medusa - Jack Gold (1978)

Beitragvon Canisius » 17. Nov 2015, 20:15

In den hatte ich reingezappt, als der im Frühjahr im TV lief. Der hat mir so gut gefallen, dass ich nicht mehr umgeschaltet habe. Mit Burton und Ventura hat der Film natürlich auch 2 charismatische Schauspieler zu bieten, die durch ihre bloße Präsenz jeden Film aufwerten würden.
„Seine Stiefel aus frischem Krokodilleder knarrten. Er trug eine Jacke aus gegerbter Elefantenhaut und im offenen Hemd eine Kette aus Leopardenkrallen und Affenzähnen.
Mit dem Outfit, dachte Meuchköt, käme er durch keine europäische Flughafenkontrolle.“
Benutzeravatar
Canisius
 
Beiträge: 1172
Registriert: 12.2010
Geschlecht: nicht angegeben

Re: Der Schrecken der Medusa - Jack Gold (1978)

Beitragvon jogiwan » 27. Okt 2019, 18:28

Das nächste Jahr fängt ja schon gut an..."Der Schrecken der Medusa" ab 20.01.2020 von Koch Media

Bild

quelle: beyondmedia.at
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
 
Beiträge: 31728
Registriert: 12.2009
Wohnort: graz / austria
Geschlecht: männlich

Nächste

Zurück zu "England"


 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast