ENDGAME - Das letzte Spiel mit dem Tod - Joe D'Amato (1983)

Söldner, Mutanten und Kriegshelden

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ENDGAME - Das letzte Spiel mit dem Tod - Joe D'Amato (1983)

Beitragvon funeralthirst » 19. Jun 2010, 15:19

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Regie: Joe D'Amato
Jahr: 1983
Bezugsquelle: VPS Verleihtape (sehr rar)

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


Das Dreamteam der Endzeit...

Wenn wir von einem Film wie ENDGAME hören, dann gehen grundsätzlich die Hirnsynapsen an, hat man im Hinterhopf unweigerlich die Vorstellung eines Endzeitfilms. Und das ist natürlich berechtigt und natürlich absolut richtig, denn Joe D'Amatos Billigflick, damals aufspringend auf die Hypewelle der damals gedrehten Mad Max Streifen ist genau das: ein typisch charmanter Italoendzeittrash, wie er charmanter nicht sein könnte.

Joe D'Amato, der unter vielen Italofans, Moralaposteln und sogenannten Jugendschützern bekannte und auch zu unrecht abgestrafte (S)exploitation,- Kommerz,- wie auch Meisterwerkefilmer muss ich im Folgeschuss nicht mehr wirklich vorstellen, denn die Symphatie, die ich gegenüber ihm pflege sollte wohl allseits bekannt sein, verehre ich ihn nahezu abgöttisch für seine Werke wie Buio Omega (1979), Man - Eater (1980) , Absurd (1981), Papaya - Die Liebesgöttin der Kannibalen (1978), Nackt unter Kannibalen (1977) oder seine beiden Conanabklatsche Ator 1 + 2 (1982+83). Und dabei ist er, neben seinem hiesigen Film hier, im Endzeitsektor gar nicht mal so unbekannt und ungeübt, kann er 2020 - Texas Gladiators (1983) noch als sein Eigen bezeichnen. Um eins vorweg zu nehmen: D'Amato macht hier vieles richtig.

Wenn wir im Vorfeld den Erzählungen eines Unbekannten aus dem Off lauschen, während im Hintergrund der Atompilz gen Himmel schreitet, dann ist das stilprägend für den kompletten Film. Die Zerissenheit der zerstörten Welt geprägt, liegt die obrige Welt in Scherben, ihre Gemeinschaft der Menschen gebeutelt unter der Führung einer diktatorischen Macht, haben sie keinerlei Chance auf eine vernünftige, aber auch vorallem keine lebenswerte Zukunft. Die grausam dreckige Szenerie des Zerfalls, so bescheiden die Mittel auch gewesen sind, fängt D'Amato exzellent ein, denn weit und breit offenbart sich uns Trümmer und Schutt der Stadt, die ihren Glanz schon längst verloren hat, während im Dunst des dreckigen Nebels die schwarzgekleideten Wachen, der sogenannte Security Service (SS), vollkommen konsequent eine Allegorie aufs Dritte Reich, den vermeintlichen Abschaum in den Strassen eliminiert.

Der Wohlstand, die Poltik, die Wirtschaft brachte die Zerstörung, die Zerstörung brachte noch mehr Leid, und so der Plan der oberen Macht, die aufkommende Klassengesellschaft, aufgeteilt in Diktatoren & Soldaten, wohlhabende Bürger & Prominenz, die unterste Schicht der Mutanten, aufgeteilt in gute, optisch menschlich aussehende, aber telephatisch Denkfähige und die bösen Mutanten, zurückverfrachtet in ihrer Evolution zu Monstern vollends zu vernichten, stören sie den Plan der Schreckensherrschaft. Darunter, so vehement wie grausam und verbissen, abseits dieses ganzen Leids, herrscht ähnlich wie in Fulcis Schlacht der Centurions (1983) ein Brot und Spiele der endzeitlichen Welt, bereitgestellt um sich innerhalb der Gesellschaft ohne Sinn zu beweisen, denn zu verlieren gibs nicht viel.

Darunter, im Fokus dieser Brot und Spiele, hier genannt Manhunt, ein Spiel bei dem sich eine Gruppe Männer durch die Trümmerstadt, begleitet von Kameras bis zum Tode jagd, der wohl bekannte Schauspieler und Italofilmikone Al Cliver, Stammschauspieler bei Fulci und als Gegenüberstellung der D'Amatostammgast George "Man Eater" Eastman, die bereit sind im Kampf alles zu geben. Doch dabei ist Shannon "Al Cliver" Champ als Hauptprotagonist zu entlarven, kann er sich im Kampfe am besten erweisen, bis zum vermeintlichen Ende gegen Akrog (Eastman), den er aber am Leben lässt. D'Amato brilliert mit seiner Kamera, den Wechsel von Dramatik und Action meistert er meistervoll, sodass Zeit zum Atmen schwer fällt, ohne aber in der Zwischenzeit nicht schoneinmal die wirkliche Mission und Inhalt des Filmes anzukündigen, wobei wir eine vermeintliche weitere Ikone von D'Amato kennenlernen: Laura "Black Emmanuelle" Gemser, im Zentrum stehend als telephatischfähige Mutantin propagiert, hilfslos in ihrem Dasein, die es für Shannon zu retten gilt, ohne dafür aber nicht 50 Ocken zu verlangen.

Ab da an wird Endgame zum Hechtfilm, denn ab nun an erweist sich die Choose, die Flucht von Shannon und Lillith (Laura Gemser) aus der Stadt als Flucht durch die Hölle, müssen sie sich abseits der Grenzen der Stadt nicht nur gegen die SS - Schergen wehren, sondern auch gegen die Gefahren der Welt ausserhalb. Das Ganze ist dabei nur allzu typisch, ausgestattet mit Motocrossbikes, gepanzerten Karren, massig Waffen und einem Riesentransporter mit MG - Geschütz obendrauf, mittlerweile zur Kampfarmee mit verschiedenen Kämpfern getürmt, ziehen sie durch das klägliche Land, ein Bild, dass schöner und toller nicht sein könnte, vorallem wenn D'Amato dann und wann, auf dem Wege der Truppe verschiedene Gefahren aufstellt.

Highlight hierbei natürlich der Kampf in der Stadt der Blinden, freundlich gesinnt für den Anfang hin, wendet sich das Blatt, wobei dieses innovative Spiel von D'Amato mit dem Telephatieeinfall hier so seinen Höhepunkt hat (mal vom äusserst wendungsreichen Finale abgesehen). D'Amato versucht mit allen Mitteln eine wendungsreiche und spannende Geschichte zu entwerfen, scheitert dabei nichtmal ansatzweise, und vollbringt die Meisterleistung, dass Ganze wie den Film darstehen zu lassen, den man jeden einsamen Sonntag schauen möchte.

Jeden weiteren Schritt der symphatischen Truppe hofft man mit, da ist es nur konsequent, dass man Eastman dann und wann in das Spiel einblitzen lässt, helft seinem einstigen Feind Shannon in gewissen Momenten, auch wenn sie Beide wissen, dass ihr persönlicher Manhunt nicht vorbei ist. Diese Lichtblicke, nein Auftrümpfe, das i- Tüpfelchen auf dem eh schon grossen i erkannte auch D'Amato und so erfreut man sich bloss an dem Zusammenspiel der 3 Grössen Gemser, Cliver und Eastman. Für den Genrefan ist das bloss die Wucht, vorallem weil man durch die ständig und spannungstechnisch hilfreichen Kämpfe, vorallem sehr gut, ideenreich und trickreich inszeniert, nie zum Luftholen kommt.

Was für ein toller Film, der ohne weiteres 2020
um Längen schlägt, jederzeit begeistert und nahezu so typisch schundigcharmant ist, dass man in Gedanken an die Glanzzeiten der 80er Jahre Italoflicks sinniert. Die Position und die Absichten von Eastman sind lange Zeit nicht einsichtlich, auch wenn er der Truppe hilft, ahnt Lillith, die ihre Ahnung Shannon telephatisch in Extremsituationen vermittelt, dass er am Ende alle umnieten will. Das ist nicht nur für die teilnehmenden Darstellertruppe unheimlich und ein Dorn im Aug, sondern auch für den Zuschauer, der sich unter der mysteriösen Mithilfe Eastmans fragt, was wirklich hinter ihm steckt.

Trotzallem bleibt D'Amatos Charakteristik an seinen Figuren natürlich ohne weiteres flach, aber es ist diese Präsens, dieses Naive in der Geschichte, dieser unaufhaltsame Roadtrip, dieses Abenteuer in Richtung heile, neue Welt, das mitschwappt, da kann der noch so teuer produzierte Blockbuster einpacken, steckt hier die Seele drin, die man für einen versüssten Sonntag, fernab jeglicher Realität braucht. Da ist es umso schlimmer, wenn das Ende in seinem Happy - End Dasein sich wendet, um sich dann schlussendlich wieder zu wenden...Leider getrennte Wege für Gemser und Cliver, denn er ist der Gotteslose, der Unerhörte der alten Realität, aber Cliver und Eastman haben ja noch eine Rechnung offen. Bei Manhunt kann es nur einen geben! Ein Bild wie im Western - tosendes Geschrei - Aufprall - Cut. Was für ein kleines Kunstwerk.

Fazit:
Äußerst symphatischer, wendungsreicher und verdammt gut inszenierter Italoendzeittrash der feinsten Sorte. Gute Locations, gute Einfälle, gute Kostüme, exzellente Kämpfe und wunderbare Darsteller Gemser - Cliver - Eastman, die jedem Schundfan ein Lächeln bescheren. Selten war Endzeit so fantasyvoll und toll, ein Jammer, dass ENDGAME bisher nicht auf DVD erschien. Eine Perle des italienischen Exploitationskino.

100%
(Realisten und Nichtfans ,- kenner dürfen gerne so bei 6-7 / 10 anrechnen, meine Bewertung ist nur allzu überschwänglich und aus der Euphorie der Freude heraus)

2020 - Texas Gladiators (7) < Fireflash (9) < Endgame (10)

PS: Gore bzw. Splatter weist die leider geschnitte VPS - Kassette leider nicht auf, ist aber im Gesamten nicht schlimm, explizit bleibt der Film dennoch.
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Re: ENDGAME - Das letzte Spiel mit dem Tod

Beitragvon Doppelgaenger » 25. Nov 2010, 09:58

Italoendzeittrash at it's best. Wirklich klasse der Film :) Auch hier verstehe ich nicht warum noch keine DVD - Auswertung erfolgt ist. So teuer können die Rechte an dem Film doch nicht sein das es sich nicht lohnen würde...
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Re: ENDGAME - Das letzte Spiel mit dem Tod

Beitragvon Jeroen » 19. Jan 2011, 22:28

Endgame ist wahrlich eine Perle des Endzeit-Genres und weit oben in meiner Favoriten-Liste :thup:
Ich bin ja nicht gerade ein Anhänger des Oevres vom Herrn d'Amato, aber hier hat er echt mal einen Knaller abgeliefert der ungewöhnlich professionell und stimmig geraten ist. Ich kenne zwar nur einen Bruchteil seines Schaffens, aber er selbst hat Endgame ja mal als seinen gelungensten Film tituliert, und da könnte er durchaus richtig liegen. Allein Cliver und Eastman in den Hauptrollen, genial. Muss mir den dringend mal wieder zu Gemüte führen.

Das VPS-Tape habe ich so um 2004 in einer kleinen Videothek abgegriffen, leider ohne Hülle, dafür aber für nur einen Euro. Guter Kauf. Um den Verlust der Hülle zu kompensieren habe ich mir dann das Kinoplakat ins Haus geholt, welches zu einem der wenigen optischen Highlights in meiner spärlich dekorierten Junggesellenbude wurde. Und natürlich hängt man so ein Schmuckstück nicht irgendwo hin, sondern dort, wo es garantiert mehrfach täglich das Auge erfreut. Aber seht selbst ;)

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Re: ENDGAME - Das letzte Spiel mit dem Tod

Beitragvon dr. freudstein » 19. Jan 2011, 22:38

Cool, der Jeroen (richtig ausgesprochen?) ist wieder da :D
Aber an die Toilettentür? Wann geht man da schon mal hin :?
Wenigstens der Deckel ist unten :thup:

Der Film muß auch auf meinen Zettel, mit Schorsch Ostmann sowieso :popcorn:
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Re: ENDGAME - Das letzte Spiel mit dem Tod

Beitragvon Jeroen » 20. Jan 2011, 21:24

dr. freudstein hat geschrieben:Cool, der Jeroen (richtig ausgesprochen?) ist wieder da :D
Aber an die Toilettentür? Wann geht man da schon mal hin :?
Wenigstens der Deckel ist unten :thup:


Ja, meine Freundin hatte mich damals schon gut erzogen ... Foto ist von 2006 ... oh mann, ich entdecke gerade den schicken Flockati-Bezug auf dem Klodeckel :oops: Seitdem wir eine gemeinsame Wohnung haben, ist solcherlei Deko an der Toilettentür aber ein No-Go :cry:

dr. freudstein hat geschrieben:Der Film muß auch auf meinen Zettel, mit Schorsch Ostmann sowieso :popcorn:


Auf jeden Fall, da machste nix falsch. Der Film ist zwar ein bisschen rar, aber man kann ja auch nicht immer alles für ein Taschengeld als remastered DVD auf dem Silbertablett serviert bekommen. Das Aufstöbern von filmischen Kleinoden ist schließlich das halbe Vergnügen für uns Exploitation-Fans, denn wie schon Lemmy wusste, "the chase is better than the catch" ;) (im Falle Endgame rechtfertigt der catch die chase aber durchaus)
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Re: ENDGAME - Das letzte Spiel mit dem Tod

Beitragvon Arkadin » 21. Jan 2011, 12:39

Wenn ich an "Endgame" denke, zieht sich mir gleich wieder der Magen zusammen. Nein, ich weil ich den Film nicht mögen würde... mir ist nur bei dem Update meiner Liste mit VHS-Kopien aufgefallen, dass scheinbar dieses Tape bei meiner "Qualitätskontrolle" während des letzten Umzugs durchgerutscht ist und zusammen mit TV-Aufnahmen von solchen Krachern wie "Kevin allein in New York" oder "Schlaflos in Seattle" auf der Bremer Mülldeponie gelandet ist. Arrrggghhh.... :cry:
Früher war mehr Lametta
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Re: ENDGAME - Das letzte Spiel mit dem Tod

Beitragvon dr. freudstein » 21. Jan 2011, 14:00

Ach Du Schreck :shock: Du mußt jetzt ganz tapfer sein :thup: Du Schussel :roll:
Schlaflos in Seattle (ein Erbstück selbstverständlich) müßte ich auch noch entsorgen. Vielleicht tauscht den ja jemand anderes gegen ENDGAME ?
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Re: ENDGAME - Das letzte Spiel mit dem Tod

Beitragvon AL NORTHON » 21. Jan 2011, 15:01

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Re: ENDGAME - Das letzte Spiel mit dem Tod

Beitragvon dr. freudstein » 21. Jan 2011, 15:11

Danke, AL :D :prost: :mrgreen:
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Re: ENDGAME - Das letzte Spiel mit dem Tod

Beitragvon AL NORTHON » 21. Jan 2011, 15:42

Ich muß die schlechte Qualität der Bilder entschuldigen,ich hab zwar noch einen Scanner bin aber erstens zu faul,zweitens macht das Teil total auf Idiot,so dass mir jedesmal der Rechner abstürzt beim Scannen.Deshalb gibt es halt immer nur Fotos von mir (außer ich hab noch alte Scans auf der Festplatte).
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