Tatort - Der Diskussionsthread zur Krimiserie

Moderator: jogiwan

Re: Tatort - Der Diskussionsthread zur Krimiserie

Beitragvon jogiwan » 30. Okt 2017, 11:05

Ich guck ja auch nicht, aber irgendwie hat man als Außenstehener den Eindruck, als wolle man in letzter Zeit mit Zwang dem angestaubten Image des sonntäglichen Tatorts unbedingt ein modernes oder von mir aus zeitgemäßeres Antlitz verleihen. Ein bissl Ironie, ein bissl Porno, ein bissl Grusel - die Zielgruppe scheint es jedenfalls nicht sonderlich zu goutieren und ich werde mich wie bisher aus der Diskussion heraushalten! ;)
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Re: Tatort - Der Diskussionsthread zur Krimiserie

Beitragvon karlAbundzu » 30. Okt 2017, 14:22

Ich glaube eher, dass TATORT ein Format, das sich jetzt mal endlich traut, Sachen auszuprobieren, die sonst nicht funktionieren bzw. finanzierbar sind. Weil: Der Tatort ist ja schon hochdotiert und hat eine bestimmte Einschaltquote. Bedingt durch die Münsteraner, die ja so auch total hätten baden gehen können. Und wenn der WK etwas total schlecht findet, kann das eigentlich nur interessant sein. Und Kommentare, die mit den Worten anfangen: Für einen Tatort (mach ich ja selber, ick weeß) nehm ich eigenlich nicht so ernst, da ich einen guten Film sehen will, erwarte einen Krimi, aber wen nicht und trotzdem gut, so what
TATORT FRANKFURT: Fürchte dich
Ein echter Horrorgrusler. Mit verwunschenem Haus, Geist, Bessenheit. Und es wird sogar ermittelt.
Das Kommissar Brix ausgerechnet in einem jahrzehntelang leerstehenden ehemaligen Waisenhaus lebt, mit einer angenehm ungewöhnlichen Vermieterin, ist natürlich günstig für Halloween Horror. Und der zieht viele Register, klassischer Haushorror trifft Geisterspuk in Japan90er - Stil.
Sehr gute Schauspieler, selbst die Jugendliche hat nicht genervt, die allesamt horrormäßig ein wenig drüber agieren.
Spannend, atmosphärisch, erschreckend. Ich mochte den!

PS: WIe es sich für einn richtig guten Horrorfilm gehört, wird hier natürlich auch ein ernstes Thema verhandelt: Kindesmissbrauch und die Schuldfrage bezüglich späterer Traumatisierungen.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Tatort - Der Diskussionsthread zur Krimiserie

Beitragvon buxtebrawler » 31. Okt 2017, 13:07

Tatort: Fürchte dich

Erstmals versuchte sich die Institution „Tatort“ an einer Art Halloween-Special (ohne es so zu nennen): „Fürchte dich“, der sechste Fall des Ermittlerduos Janneke/Brix, wurde im Herbst 2016 unter der Regie Andy Fetschers („Bukarest Fleisch“) gedreht und pünktlich am letzten Sonntag vor Halloween 2017 zur besten Sendezeit ausgestrahlt. Brix‘ Wohnstätte, ein ehemaliges Waisenhaus, muss als verwunschener Ort jahrzehntealter Tragödien und Haunted House für eine Spukgeschichte herhalten, die bis zum Ende rätselhaft bleibt, sich jedoch fleißig bei älteren und jüngeren Horrorgenre-Motiven bedient und die Existenz von Übernatürlichem gar nicht infrage stellt. Herausgekommen ist kein Krimi mehr, sondern ein waschechter humor- und ironiefreier Horrorfilm um Schuld, Vertuschung, kaputte Familien und letztlich gar Kindesmissbrauch, der zudem überraschend grafisch ausgefallen ist und bisweilen recht tief in die Schmink- und Spezialeffektkiste greift, und zwar auf ordentlichem Niveau. Trotz seiner teils für Genrekenner unschwer zu erkennenden Inspirationsquellen und der etwas sehr verwobenen Handlung (liebe „Tatort“-Drehbuchautoren, ihr bekommt nicht mehr als 90 Minuten, egal, wie viele Charaktere, Handlungsstränge und Wendungen ihr auf wie vielen Seiten unterbringt) zählt der zudem gut geschauspielerte „Fürchte dich“ damit zu den besten zeitgenössischen Horrorfilmen, die ich in letzter Zeit gesehen habe.

Fetschers Werk ist ein weiterer enorm polarisierender „Tatort“, der den Jugendschutz extrem ausdreht. Was da zur Prime Time gezeigt wurde, muss normalerweise auf einen Sendeplatz ab 22:00 Uhr verbannt werden. Gut so, denn evtl. trägt dieser Umstand in absehbarer Zeit zu einer Reformation entsprechender überholter Regularien bei und gesteht dem Publikum Erwachsenenunterhaltung bereits um 20:15 Uhr zu. In jedem Falle ist dieser „Tatort“ auch als Statement zugunsten der Akzeptanz des Halloween-Fests zu verstehen, das in diesem Jahr aufgrund des Zusammenfallens mit einem Luther-Jubiläum erstmals bundesweiter Feiertag war und mir ohnehin seit jeher wesentlich näher stand als jedweder religiös-mythologisch definierte Anlass. Noch ein Grund mehr für konservative Kritiker, diesen „Tatort“ zu hassen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Tatort - Der Diskussionsthread zur Krimiserie

Beitragvon jogiwan » 31. Okt 2017, 13:46

kann man den letzten Tatort irgendwo nachgucken - der würde mich ja ausnahmsweise schon interessieren.
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Re: Tatort - Der Diskussionsthread zur Krimiserie

Beitragvon buxtebrawler » 31. Okt 2017, 13:56

jogiwan hat geschrieben:kann man den letzten Tatort irgendwo nachgucken - der würde mich ja ausnahmsweise schon interessieren.


http://www.ardmediathek.de/tv/Tatort/Ta ... d=47255462
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Tatort - Der Diskussionsthread zur Krimiserie

Beitragvon buxtebrawler » 6. Nov 2017, 14:48

Tatort: Zurück ins Licht

Unter der Regie Florian Baxmeyers ermitteln die Bremer Kommissare Inga Lürsen und Nils Stedefreund in ihrem 36. Fall, der sie in die Abgründe der mafiösen Pharmaindustrie führt und mit der Psyche einer sehr speziellen Karriere-„Powerfrau“ konfrontiert. Bei ihr handelt es sich um Maria Voss, einer von Nadeshda Brennicke gespielten Frau mittleren Alters, die sich nach einem schweren Autounfall zurück ins Leben gekämpft und entgegen ursprünglicher Prognosen ihren Bewegungsapparat wieder vollständig hergestellt hat – durch eisernen Willen und viel Selbstdisziplin. Den Toten kannte sie durch ihre Tätigkeit in der Pharma-Branche, was sie ebenso in den Kreis der Verdächtigen rückt wie ihren von ihr getrennt lebenden Mann. Doch an dieser Frau, die gern vermögend, talentiert und erfolgreich wäre, ist, wie sich herausstellen wird, so gut wie nichts echt. Brennicke spielt die aufgesetzte Glücklichkeit und Souveränität ihrer extrem unsympathischen Rolle derart bemüht, gestelzt und selbstgefällig überheblich, dass man es ihr beinahe als mangelnde schauspielerische Fähigkeiten auslegen könnte, dabei verlangt die Rolle im Prinzip danach: Brennicke muss eine psychisch besorgniserregend entrückt wirkende, schlechte Schauspielerin mimen. Damit thematisiert dieser „Tatort“ zerbröckelnde Fassaden sowie krankhaft narzisstischen Ehrgeiz, bei dem bei aller egozentrischen Fixierung nicht nur durch den Mord über Leichen gegangen wird, sondern auch durch die tiefe Verstrickung in Medikamentengeschäfte zu Ungunsten sterbenskranker Patienten. Die sexualpathologische Komponente in Voss‘ Persönlichkeit wird u.a. durch eine bizarre Handjob-Szene auf offener Straße stark betont und findet ihre Entsprechung gewissermaßen in der Beziehung Stedefreunds zu seiner autistische Züge aufweisenden BKA-Kollegin Linda Selb, in deren Zuge Stedefreund-Schauspieler Mommsen sein Geschlechtsorgan einer geradezu an ihm klebenden Kamera präsentieren darf, welches er seltsam bereitwillig und kaum nachvollziehbar kurze Zeit später in Maria Voss einführt. Doch auch ohne den erzwungen wirkenden Sex-Aspekt würde der Seifenoper-Anteil auf nur unregelmäßige Tatort-Gucker, die mit den Charakteren nicht vertraut sind, gewöhnungsbedürftig wirken. Diesen einmal mehr etwas überambitioniert wirkenden „Tatort“ peppt Baxmeyer mit einigen Stilelementen wie Videoausschnitten aus Voss‘ Leben auf und tut ansonsten sein Bestes, den eher in Richtung Psycho-Thriller denn klassischen Kriminalfilm tendierenden Fall im starren 90-Minuten-Korsett auszuformulieren – wobei die Frage bleibt, ob ein Duo wie Lürsen und Stedefreund den richtigen Rahmen für einen Fall wie diesen bietet, wenn es dabei derart austauschbar bleibt und Stedefreund lediglich als verloren wirkender Partner der sich evtl. als Lürsens Nachfolgerin in Szene zu setzen versuchenden Luise Wolfram Zeit zur Selbstdarstellung bekommt. Ein größerer Lichtblick: Die Jungschauspielerin Emma Drogunova als Voss-Tochter Lotte, die sich als hoffnungsvolle Nachwuchsdarstellerin zu verkaufen versteht. Am Ende dieses „Tatorts“ stehen diverse Trennungen, denn auch das ist er: Ein Film über Beziehungsunfähigkeit.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Tatort - Der Diskussionsthread zur Krimiserie

Beitragvon sergio petroni » 6. Nov 2017, 18:27

Aufgrund der Thematik von "Fürchte Dich" habe ich diesen in der ARD-Mediathek nachträglich angeschaut.
Da ich sonst so gut wie keinen Tatort schaue (nicht aufgrund einer Tatort-Aversion, sondern
aufgrund von Zeitmangel), war dieser Film für mich eher ein reiner Genrefilm; den üblichen Tatortvor-
und -abspann einmal ausgenommen.
Munter werden hier vielerlei Genremotive zusammengewürfelt und zu einem recht unterhaltsamen
Brei vermengt. Regisseur und Drehbuchautor Andy Fetscher ("Urban Explorer") durfte sich hier im Rahmen
der Fernsehfilmmöglichkeiten ziemlich austoben. Das sollte man als Genrefan durchaus würdigen!
Ich kann mir schon vorstellen, daß konservative Tatort-Seher hier ihre Probleme haben werden.
Aber: Stillstand ist Rückschritt!
Da ich keinen anderen Fall des Frankfurter Duos kenne (wohnt der Kommissar schon länger in diesem Haus?,
ist die besessene Haushälterin Fanny sonst auch zugegen?), frage ich mich, ob in zukünftigen Fällen auf diesen speziellen eingegangen wird.
Kritikpunkt: die Leistungen der Kommissarin und der jungen Merle fand ich jetzt leider nicht so überzeugend.
Das kann natürlich auch am abgehobenen Sujet gelegen haben!?

Reaktion der ARD: In Zukunft soll die Experimentierfreude der Tatorte wieder zurückgeschraubt werden.....
Schade!
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Tatort - Der Diskussionsthread zur Krimiserie

Beitragvon karlAbundzu » 6. Nov 2017, 23:41

sergio petroni hat geschrieben:A(wohnt der Kommissar schon länger in diesem Haus?,
ist die besessene Haushälterin Fanny sonst auch zugegen?),

ja und ja.
Margarita Broich mag ich ja sehr gern in der Rolle, hier hat sie wirklich eher wenig zu tun. Ist auch eine eher ungewöhnliche tatortkommisarin, während brix (Wolfram Koch) schon eine bekannte Konstellation spielt.
ie das jetzt weiter mit Fanny geht, ist natürlich spannend. Oder: Es wird einfach übergangen, nach dem Motto: Ich kann mich an nix erinnern
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Tatort - Der Diskussionsthread zur Krimiserie

Beitragvon karlAbundzu » 27. Nov 2017, 09:43

TATORT MÜNSTER: Gott ist auch nur ein Mensch
Kurz vor der Eröffnung der weltweit beachteten Skulpturenausstellung in Münster findet man eine Skulptur nach der anderen, die eine Leiche beinhaltet. Thiele und Boerne samt Assistentinnen graben tief in der Kunstszene.
Hm, diesmal nicht so gelungen, der Humor wiederholt sich, über die Kunstszene wird sich allzu klischeehaft lustig gemacht (obwohl ein sehr bekannter Aktionskünstler dabei ist, der dann auch die hübsche Schlusszene hat), und der Fall ist sehr vorhersehbar. Wir erfahren was über die Hippiekindheit von Thiele und leider sind Nadeshda Krusenstern und SIlke Haller wieder nur Stichwortgeberinnen. Ein zwei Lacher, mehr bleibt nicht.

TATORT HAMBURG (und umzu): BÖSER BODEN
Irgendwo auf dem Rotenburger Land wird ein LKW-Fahrer mit Migrationshintergrund, der für eine Frackingfirma arbeitet, brutal umgebracht. DIe Dorfbewohner, vornehmlich aus dem Biobauernbereich, haben meist bleiche Hautfarbe und Ausschlag.....
Wotan Wilke-Möhring und Franziska Weisz sind ja zwei Gute, und als Co-Drehbuchautor haben wir hier Marvin Kren, der ja mit Rammbock und Blutgletscher zwei mehr als beachtenswerte Horrorfilme drehte.
Und mit Horror haben wir es hier auch zu tun: So wie die Dörfler sich verändern, wie die unheimlichen Kinder sich verhalten, aber auch wie u.a. die Mordszene gedreht wurde, das ist schon wie in einem modernen Horrorthriller. Und das funktioniert, hier haben wir auch in den Nebenrollen gute Besetzungen, die die Wesensveränderungen gut spielen. Kamera und Musik auch gut. Und natürlich hier einen aufklärerischen Ansatz, im Landkreis Rotenburg wird tatsächlich viel Gas gefärdert u.a. durch Fracking, und in den Landkreisteilen gibt es auffallend hohe krankheitsraten bestimmter Krankheiten. Aber: Government denies Knowledge und manchmal erinnern die beiden Kommissare auch an Scully und Mulder. Denn trotz der Themenvielfalt (dazu noch die unterschwellige Fremdenfeindlichkeit bei regional Biobauern) gibt es einiges Unnötiges: Sehr oft wird das Dorf schön von oben gefilmt, es gibt eine "Falke und sein Sohn"-Nebenhandlung, die anscheinend nur dafür da ist, um einen Auftritt von einer mittelbekannten deutschen Rockband zu zeigen. Das hätte man straffen können, um ein bißchen mehr Horror bringen zu können. Aber insgesamt lohnenswert!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Beitragvon buxtebrawler » 27. Nov 2017, 09:57

karlAbundzu hat geschrieben:TATORT HAMBURG (und umzu): BÖSER BODEN
Irgendwo auf dem Rotenburger Land wird ein LKW-Fahrer mit Migrationshintergrund, der für eine Frackingfirma arbeitet, brutal umgebracht. DIe Dorfbewohner, vornehmlich aus dem Biobauernbereich, haben meist bleiche Hautfarbe und Ausschlag.....
Wotan Wilke-Möhring und Franziska Weisz sind ja zwei Gute, und als Co-Drehbuchautor haben wir hier Marvin Kren, der ja mit Rammbock und Blutgletscher zwei mehr als beachtenswerte Horrorfilme drehte.
Und mit Horror haben wir es hier auch zu tun: So wie die Dörfler sich verändern, wie die unheimlichen Kinder sich verhalten, aber auch wie u.a. die Mordszene gedreht wurde, das ist schon wie in einem modernen Horrorthriller. Und das funktioniert, hier haben wir auch in den Nebenrollen gute Besetzungen, die die Wesensveränderungen gut spielen. Kamera und Musik auch gut. Und natürlich hier einen aufklärerischen Ansatz, im Landkreis Rotenburg wird tatsächlich viel Gas gefärdert u.a. durch Fracking, und in den Landkreisteilen gibt es auffallend hohe krankheitsraten bestimmter Krankheiten. Aber: Government denies Knowledge und manchmal erinnern die beiden Kommissare auch an Scully und Mulder. Denn trotz der Themenvielfalt (dazu noch die unterschwellige Fremdenfeindlichkeit bei regional Biobauern) gibt es einiges Unnötiges: Sehr oft wird das Dorf schön von oben gefilmt, es gibt eine "Falke und sein Sohn"-Nebenhandlung, die anscheinend nur dafür da ist, um einen Auftritt von einer mittelbekannten deutschen Rockband zu zeigen. Das hätte man straffen können, um ein bißchen mehr Horror bringen zu können. Aber insgesamt lohnenswert!


Also tatsächlich inspiriert von "Pestizide - Grapes of Death"?
Muss ich mir wohl auch mal ansehen.
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