Die Zärtlichkeit der Wölfe - Ulli Lommel (1973)

Moderator: jogiwan

Die Zärtlichkeit der Wölfe - Ulli Lommel (1973)

Beitragvon untot » 26. Jan 2011, 03:41

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Originaltitel: Zärtlichkeit der Wölfe

Herstellungsland: Deutschland

Erscheinungsjahr: 1973

Regie: Ulli Lommel

Darsteller: Kurt Raab, Jeff Roden, Margit Carstensen, Ingrid Caven, Wolfgang Schenck, Rainer Hauer,
Rudolf Waldemar Brem, Peter Chatel, Christoph Eichhorn, Rainer Werner Fassbinder, Heinrich Giskes
Renate Grosser...

Inhalt:
Deutschland nach dem Krieg...
Der homosexuelle Kleinkriminelle Fritz Haarmann wird von der Polizei zu Spitzeldiensten erpresst. Er nutzt das aus, um sich bei den Strichern als Kriminalbeamter auszugeben um die jungen Männer, in seine Wohnung zu locken, die sie meist nicht lebendig wieder verlassen, denn sie ereilt ein grausiges Schicksal: sie enden als Fleischwarenwaren, auf dem Schwarzmarkt. Zuvor tötet er sie, indem er ihnen die Kehle durchbeißt und wie ein Vampir ihr Blut trinkt.
Bis man Haarmann, der als sanft und sensibel gilt, auf die Schliche kommt, hat er fast 40 junge Männer getötet....

Fazit:
Bei "Zärtlichkeit der Wölfe" scheiden sich die Geister, die einen finden ihn großartig und die anderen mäklen, das der Film völlig aus dem historischen Zusammenhang gerissen wurde und viele Details über den echten Fall Haarmann nicht stimmen usw.
So sieht Kurt Raab seinem Vorbild z.B. nicht im geringsten ähnlich, ist aber völlig egal, denn er spielt diesen Charakter mit bravour.
Man hat Haarmann nämlich hier zu einer Art modernem Nosferatu gemacht und das lag wohl voll und ganz in der Absicht der Macher, eine gewisse Eigeninterpretation reinzubrigen, ich zumindest finde diesen Umstand dem Film sehr zuträglich.
Ich habe jedenfalls nie jemanden behaupten hören das dies hier ein autobiographisches Werk sein soll, vielmehr ist hier ein ganz spezieller und eigenwilliger Film entstanden, der nicht nur in mir, seine Anhänger gefunden hat.

7/10
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Re: Die Zärtlichkeit der Wölfe - Ulli Lommel

Beitragvon Reinifilm » 26. Jan 2011, 11:20

Wundert mich, dass auf der Hülle nicht ganz groß "Vom Regisseur von 'Daniel der Zauberer'" steht. :mrgreen:
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Re: Die Zärtlichkeit der Wölfe - Ulli Lommel

Beitragvon Arkadin » 26. Jan 2011, 11:55

Reinifilm hat geschrieben:Wundert mich, dass auf der Hülle nicht ganz groß "Vom Regisseur von 'Daniel der Zauberer'" steht. :mrgreen:


Das war aber jetzt gemein. :D
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Re: Die Zärtlichkeit der Wölfe - Ulli Lommel

Beitragvon Santini » 29. Nov 2011, 21:24

Läuft in Kürze auch wieder im TV:

In der Nacht von Donnerstag, den 01.12., auf Freitag - ARTE um 00:05.
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Re: Die Zärtlichkeit der Wölfe - Ulli Lommel

Beitragvon Tomaso Montanaro » 5. Apr 2017, 10:44

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Düsteres Psychogramm über den Massenmörder Fritz Haarmann, der in der Zeit der späten Weimarer Republik junge Männer ermordet und ihnen das Blut ausgesaugt hatte. Teilweise in recht spekulativen Bildern inszeniert, gewinnt der Film durch das intensive Spiel Kurt Raabs an Tiefe.

Ich bin übrigens davon überzeugt, dass hier zuminest zeitweise R.W. Fassbinder (der offiziell nur produziert hat) auf dem Regiestuhl saß, zu deutlich kann man in einigen Szenen seine Handschrift erkennen.

7/10 Punkten
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Re: Die Zärtlichkeit der Wölfe - Ulli Lommel

Beitragvon Arkadin » 5. Apr 2017, 11:19

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg kommt es in Gelsenkirchen immer wieder zu geheimnisvollen Morden an jungen Männern. Täter ist der Kleinkriminelle Fritz Haarmann (Kurt Raab), der junge Stricher in seine Wohnung holt, diese dort ermordet und ihre sterblichen Überreste als Fleisch an die umliegenden Wirtschaften verkauft. Die Polizei kommt dem Mörder allerdings nicht auf die Spur, sondern heuert Haarmann im Gegenteil sogar als Polizeispitzel an. Dies bringt diesen auf die Idee, sich als Polizist auszugeben und am Bahnhof weitere junge Männer in seine Wohnung zu locken. Gleichzeitig leidet er darunter, dass sein Geliebter Hans (Jeff Roden) seit Neustem mit dem Zuhälter Wittowski (Rainer Werner Fassbinder) um die Häuser zieht…

1973 erhielt Ulli Lommel nach „Haytabo„, den er zusammen mit Peter Moland inszenierte, erstmals die Gelegenheit bei einem Film allein Regie zu führen. Der Schauspieler, der zuvor in neun Fassbinder-Filmen zu Weltruhm gelangt war, sollte diese Erfahrung so gut gefallen, dass er die Schauspielerei kurz danach aufgab und sich ganz auf die Regie konzentrierte. Der Erfolg seines Erstlings „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ in den Arthaus-Kinos der USA, brachte ihn mit Andy Warhol zusammen, der daraufhin in Lommels Filmen „Blank Generation“ und „Cocaine Cowboys“ auftrat. Der finanzielle Erfolg des kleinen Horrorfilms „The Boogeyman“ ließ Lommel dann endgültig in die USA übersiedeln. Seitdem ist sein filmisches Werk kontinuierlich von schlechten Kritiken begleitet, und die meisten seiner Direct-to-video Werke, die sich vornehmlich wie „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ um Serienkiller drehen, haben es dann auch gar nicht mehr in sein Heimatland geschafft. Zweifelhaften Ruhm erlangte er 2004 noch einmal mit dem legendären „Daniel – der Zauberer“, der zeitweilig die IMDb von unten anführte.

Obwohl Lommel zurecht stolz auf „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ ist und von seinem „Meisterwerk“ spricht, so gehört der Film doch vornehmlich seinem Hauptdarsteller Kurt Raab. Dieser hat nicht nur auch das Drehbuch beigesteuert hat, sondern war auch für das Set Design verantwortlich. So prägt Raabs Arbeit in mehr als einer Hinsicht den Film. Raab ist phantastisch als Haarmann. Ein zutiefst trauriger Mensch, der seinen Platz in der Welt nicht finden kann. Der seine Leidenschaften nicht unter Kontrolle hat und einsam bleibt, auch wenn er sich unter seinen Mitmenschen bewegt. Der von seinem geliebten Hans schamlos ausgenutzt und betrogen wird, obwohl er doch die dominante Rolle in der Beziehung spielen möchte. Der glatzköpfige, kleine Mann, der die melancholischen Augen eines Peter Lorre besitzt und doch gleichzeitig in den erschreckendsten Momenten des Filmes an Max Schreck in seiner Rolle des Nosferatu erinnert. Raab lässt seinen Haarmann zwischen der Opfer- und der Täterrolle pendeln. Gleichzeitig entwickelt der Zuschauer ein Gefühl des Mitleids für ihn, welches aber aufgrund seiner abscheulichen Taten nicht zu rechtfertigen ist. Am Ende bleiben zwei Gesichter Raabs im Gedächtnis. Jenes des freundlichen Herren mit den sehnsüchtigen Augen und der aufgerissene, blutverschmierte Mund des Mörders. Raab dominiert den Film so sehr, dass dabei die Auftritte von Rainer Werner Fassbinder oder Brigitte Mira in Vergessenheit geraten.

Die Verbindung zu Fassbinder ist ganz offensichtlich, auch wenn er selber – so Ulli Lommel – nur drei Tage am Set war und sich ansonsten um nichts weiter gekümmert hat. Lommel hat seinem Mentor genug abgeschaut, um den Film in dem für Fassbinder typischen, traumwandlerischen Groove zu halten. Unterstützt wird er dabei von Raab, der ebenfalls ein Fassbinder-Veteran ist und dessen Drehbuch die selbe leicht gestelzte Theater-Sprache der Fassbinder-Film nutzt. Zudem ist Fassbinders Stammcrew mit von der Partie: Neben Raab und der Mira sind dies Fassbinders Geliebter El Hedi ben Salem (der mit der Mira ein Jahr später die Hauptrolle in dem famosen „Angst essen Seele auf“ spielte), Irm Herrman, Margit Carstensen, Ingrid Caven, Rosel Zech und einige mehr. Neu ist der großartige Kameramann Jürgen Jürges, der hier erstmals im Fassbinder-Umfeld die Kamera führte, zuvor aber schon mit dem außergewöhnlichen „Fussball wie noch nie“ für Furore gesorgt hatte. Fassbinder war von Jürges beeindruckender Arbeit bei „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ so begeistert, dass Jürgens anschließend dessen Filme „Angst essen Seele auf“ und „Fontane Effi Briest“ fotografieren durfte.

Die Kameraarbeit ist auch eines der herausragenden Merkmale von „Die Zärtlichkeit der Wölfe“. Sie hält den Film in einem Dämmerzustand, der an die expressionistische Künstlichkeit eines Film noir erinnert. Sie lässt den Film zudem in einem zeitlosen Raum spielen. Zwar hat Lommel die Handlung von den 20er Jahren – in denen der reale Haarmann sein Unwesen trieb – in die direkte Nachkriegszeit verlegt, doch der Film könnte zu jeder Zeit spielen. Allein der amerikanische Polizeichef und der französische Soldat verorten den Film eindeutig am Ende der 40er Jahre. „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ profitiert auch ungemein von der Umgebung, in der der Film spielt. Die heruntergekommenen, verfallenden Häuser eine Gelsenkirchener Vororts und die karge Industrielandschaft spiegeln die Trostlosigkeit der Seelen wieder, die hier umhergehen. Und das von Raab persönlich ausgestattete, enge und staubig Dachkämmerlein in dem Haarmann haust, hinterlässt einen unangenehmen Eindruck, der einen noch lange verfolgt.

„Zärtlichkeit der Wölfe“ ist ganz Kurt Raabs Film. Er prägt dieses melancholische Portrait eines zwanghaften Serienmörders nicht nur durch seine Darstellung der Hauptfigur und das von ihm verfasste Drehbuch, sondern auch in der kongenialen Gestaltung der Drehorte. Mit seiner Hilfe und der großartigen Kameraarbeit des damals noch fast unbekannten Jürgen Jürges hat Ulli Lommel hier tatsächlich ein Regiedebüt geschaffen, welches er zu Recht als sein Meisterwerk bezeichnet.
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Re: Die Zärtlichkeit der Wölfe - Ulli Lommel (1973)

Beitragvon buxtebrawler » 6. Mär 2018, 15:07

Erscheint voraussichtlich am 27.04.2018 bei cmv-Laservision noch einmal auf DVD:

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Extras:
- Original Trailer
- Einleitung von Regisseur Ulli Lommel
- Featurette "Der Liebesbiss - Haarmanns Opfer spricht": ein Interview mit Rainer Will
- Audiokommentar des Regisseurs, moderiert von Uwe Huber

Bemerkungen:
Limitiert auf 1000 Stück

Quelle: https://ssl.ofdb.de/view.php?page=fassu ... &vid=85022
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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