ZEHNTES OFFIZIELLES FORENTREFFEN: DELIRIA ÖVER HAMBURG

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Re: ZEHNTES OFFIZIELLES FORENTREFFEN: DELIRIA ÖVER HAMBURG

Beitragvon McBrewer » 24. Sep 2019, 18:51

Die Jubiläumsauflage zum treffen war (auch aus meiner Sicht) ein voller Erfolg.
Ich habe ja von Anfang an, Italo-cinem.de bis heuer deliria-italiano so fast jedes Offizielle Treffen mitgemacht & ich bin immer wieder schwer beeindruckt, welche Größe & Professionalität das alles angenommen hat.
und unsere Treffen sind auch sympathisch(!!!) gewachsen, wie ich finde. Mit Hamburg auch im Jahre 2019 ein super geeigneter Ort, ich kann mich noch sehr genau zehn Jahre vorher erinnern, alles verregnet, ich leicht verschnupft, die ersten zarten Banden freundschaftlich entstanden .
In der Gegenwart wird sich nun jederzeit herzlich gedrückt & zu geprostet, man sieht fast ausschließlich lächelnde Gesichter (ausser vielleicht manchmal bei Onkel Joe eine ernste, skeptische Miene, ob alles klappt, dann aber ein herzliches lachen aus seinem Mund). Die Filmauswahl wieder zum niederknien & ich selbst mag keine Künstlerischen Ausfälle beklagen. Im Gegenteil, ich werde da wohl mal wieder meine Filmsammlung erweitern müssen.
Ich glaube, ich habe es jedem anwesenden mindestens ein Dutzend mal erzählt, das ich mich über ihre Anwesenheit sehr freute. Besonders zwei Delirianer, die ich schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hatte (oder doch schon drei...) Schmerzlichst haben mir persönlich aber auch Delirianer & Delerianerinnen gefehlt, die man lieb gewonnen hat aber aus diversen wichtigen gründen nicht kommen konnten. Ich drücke die Daumen, das es bei einem der nächsten Treffen BITTE wieder klappt & vielleicht bekommen wir dann ja mal wieder ALLE - neue & alte - zu einem Riesigen Treffen zusammen :opa: :prost:

In diesem Sinne, bitte alle weiter machen & vor allem GESUND BLEIBEN, auch wenn die Zeit & Muse manchmal fehlt, trotzdem dem Forum treu bleiben.

bis hoffentlich demnächst
Mrs. & Mr. McBrewer

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PS: ich müsste jedem der Anwesenden vom Forentreffen wieder den Dropboxlink mit unseren zugesandt haben, sollte ich jemenschen vergessen haben, so möge dieser/diese sich doch bitte nochmal bei mir melden
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Re: ZEHNTES OFFIZIELLES FORENTREFFEN: DELIRIA ÖVER HAMBURG

Beitragvon nico giraldi » 24. Sep 2019, 19:20

Auch ich möchte mich nochmal ganz herzlich bedanken für diese tolle Veranstaltung , in der bestimmt viel Vorarbeit gesteckt hat. Die Filme , die tollen Trailer ( vor allem der Trailer von Rosemary´s Baby , den ich vorher noch nie gesehen hatte ) , die Einführungen in die Filme , die Verlosung, bei der ich das excellente Zombie Buch von Paul Drogla gewonnen habe und der tolle Kurzfilm von DR. Monkula , den ich absolut professionell fand.
……dass ich einen Teil von euch mal „ FACCIA A FACCIA „ kennengelernt habe . BUXTEBRAWLER , ONKEL JOE , DR.
MONKULA mit dem ich über YASUAKI KURATA und japanische Aushangbilder geredet habe . KARL AB UND ZU und sein BUDDY . BUXTEBRAWLERS sympathische Freundin die uns ins Schanzenviertel geführt hat.
Nette Gespräche mit SALVATORE , KAMPFGIGANT , PACO und UGO PIAZZA neben denen ich sitzen durfte.
Dank an UGO PIAZZA , der mir dann noch sehr gut den Weg zur S 31 an der Sternschanze erklärt hat, aus dem Laden raus, dann links , an der Kreuzung wieder links und geradeaus.Immer nur links , wie sollte es im Schanzenviertel auch anders sein. :thup:
Viele Grüsse
Nico Giraldi
Ein Fauxpas ist mir im Bierrausch allerdings passiert. Ich erzählte UGO PIAZZA , ich hätte das TOP PIC VHS TAPE von VANESSA für 40 DM verkauft , es handelte sich aber nicht um VANESSA sondern um den Film PATRIZIA von TOP PIC. VANESSA war ja von VMP. :thdown:
Zuletzt geändert von nico giraldi am 26. Sep 2019, 20:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: ZEHNTES OFFIZIELLES FORENTREFFEN: DELIRIA ÖVER HAMBURG

Beitragvon Canisius » 25. Sep 2019, 17:05

Danke an alle, die die 2 Tage in HH zu einem Spaßwochenende haben werden lassen. Hervorzuheben sind natürlich die DI-Kuratoren, die Leute vom Metropolis und das begeisterungsfähige und sachkundige Publikum.
:verbeug:
Irgendwie ist es blöd, hier zu wiederholen, was bereits erwähnt worden ist. Ärgerlich ist es allerdings auch für mich, dass die Zeit gefehlt hat, sich mit etlichen Leuten länger zu unterhalten. Dafür habe ich festgestellt, dass spannenderweise das Thema Film oft nur Nebensache war, und man trotzdem interessante Gedanken austauschen konnte.

Kurz ein paar subjektive Bemerkungen zu den Filmen:

Geheimnis des gelben Grabes: Was war Horst Frank doch für ein erstklassiger Schauspieler? Er hat nur eine Nebenrolle und stiehlt doch allen anderen Mitwirkenden mühelos die Show.

Überraschungsfilm: Der Ripper schlitzte auf der Leinwand deutlich derber als im heimischen Wohnzimmer. Sein Quaken war infernalischer und hysterischer, als ich es in Erinnerung hatte. Ein unangenehmer Film. Wie ein Entenschnabel im Unterleib. :twisted:

Nachtschwester: Hat mir halb gefallen. GG hat bessere Filme gemacht (To be 20, Blue Jeans), A. Vitali und L. Banfi nervigere. Passt schon.

Achtbarer Mann: Habe ich erstmalig mit deutscher Synchro genießen dürfen (Arnold Marquis!). Ein ganz feiner und spannender Film vor hanseatischer Kulisse und mit einer der besten Autoverfolgungsjagden im Italokino der 70er überhaupt.
Und meinen Elektroschrott bringe ich ab sofort nach Travemünde! :mrgreen:

Einen Vorschlag für die Zukunft möchte ich noch machen:
Die Idee, das Wochenende bei 'nem Kofferraumbier und Parkplatz J&B aus Einhornplastikbechern „under the bridge“ ausklingen zu lassen ist gut. In Sachen Gemütlichkeit ist aber noch Luft nach oben. Luxus muss nicht sein. Ein wenig mehr Komfort wäre dennoch schön. Alternativen ohne Verzehrpflicht wären bspw. die Hotellobby/ das Hotelzimmer, der Hotelbalkon (für die Raucher) etc.

:prost:
„Seine Stiefel aus frischem Krokodilleder knarrten. Er trug eine Jacke aus gegerbter Elefantenhaut und im offenen Hemd eine Kette aus Leopardenkrallen und Affenzähnen.
Mit dem Outfit, dachte Meuchköt, käme er durch keine europäische Flughafenkontrolle.“
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Re: ZEHNTES OFFIZIELLES FORENTREFFEN: DELIRIA ÖVER HAMBURG

Beitragvon Arkadin » 25. Sep 2019, 23:31

Canisius hat geschrieben:Die Idee, das Wochenende bei 'nem Kofferraumbier und Parkplatz J&B aus Einhornplastikbechern „under the bridge“ ausklingen zu lassen ist gut. In Sachen Gemütlichkeit ist aber noch Luft nach oben. Luxus muss nicht sein. Ein wenig mehr Komfort wäre dennoch schön. Alternativen ohne Verzehrpflicht wären bspw. die Hotellobby/ das Hotelzimmer, der Hotelbalkon (für die Raucher) etc.


Gemütlich ist das nicht, da gebe ich Dir recht (interessanterweise hatten wir auch seit Einführung der Tradition immer Glück mit dem Wetter - es hat nie geregnet). Aber ich finde die "Kofferaum-Bier-Runde" immer sehr schön, denn da kann man bequem rumgehen und es ist einfach sehr viel einfacher mit weitaus mehr Leuten ins Gespräch zu kommen, als noch im Lokal.
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Re: ZEHNTES OFFIZIELLES FORENTREFFEN: DELIRIA ÖVER HAMBURG

Beitragvon Paco » 26. Sep 2019, 09:03

Arkadin hat geschrieben:
Canisius hat geschrieben:Die Idee, das Wochenende bei 'nem Kofferraumbier und Parkplatz J&B aus Einhornplastikbechern „under the bridge“ ausklingen zu lassen ist gut. In Sachen Gemütlichkeit ist aber noch Luft nach oben. Luxus muss nicht sein. Ein wenig mehr Komfort wäre dennoch schön. Alternativen ohne Verzehrpflicht wären bspw. die Hotellobby/ das Hotelzimmer, der Hotelbalkon (für die Raucher) etc.


Gemütlich ist das nicht, da gebe ich Dir recht (interessanterweise hatten wir auch seit Einführung der Tradition immer Glück mit dem Wetter - es hat nie geregnet). Aber ich finde die "Kofferaum-Bier-Runde" immer sehr schön, denn da kann man bequem rumgehen und es ist einfach sehr viel einfacher mit weitaus mehr Leuten ins Gespräch zu kommen, als noch im Lokal.


Das sehe ich ganz genauso! Speziell die Möglichkeit, sich mit mehr Leuten austauschen zu können als z.B. im Restaurant (bzw. jeder anderen Zusammenkunft mit Sitzgelegenheiten), empfinde ich als großes Plus unserer Kofferraumpartys :prost:
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Re: ZEHNTES OFFIZIELLES FORENTREFFEN: DELIRIA ÖVER HAMBURG

Beitragvon purgatorio » 26. Sep 2019, 10:18

Arkadin hat geschrieben:
Gemütlich ist das nicht, da gebe ich Dir recht (interessanterweise hatten wir auch seit Einführung der Tradition immer Glück mit dem Wetter - es hat nie geregnet).

also beim ersten Kofferraumbier in Bremen stand der Frost auf dem Auto - arschkalt ist noch untertrieben. Und ein Jahr später, in Magdeburg, regnete es leicht, möchte ich meinen. Aber wir harten Himmelhunde (auf dem Weg zur Hölle) lassen uns doch den Spaß nicht vom Wetter diktieren :mrgreen:
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Re: ZEHNTES OFFIZIELLES FORENTREFFEN: DELIRIA ÖVER HAMBURG

Beitragvon supervillain » 26. Sep 2019, 13:02

Ich warte immer bis mindestens 1x alles gesagt wurde und häng mich dran. :mrgreen:

Ganz tolles Jubiläum war das in Hamburg. Danke für die exzellente Organisation und die kleinen Leckerbissen mit denen uns manches Mitglied regelrecht verwöhnt (Schokoküsse, Gebäck, Kofferraumbier etc.). Zu den Filmen später, ein achtbarer Mann war große Klasse! Das Gasthaus war auch gut gewählt. Gute Preise, schmackhaftes Essen und ein lockerer Umgang - das war ne sehr gute Basis für die Parkplatz Session.

:knutsch:
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Re: ZEHNTES OFFIZIELLES FORENTREFFEN: DELIRIA ÖVER HAMBURG

Beitragvon Salvatore Baccaro » 26. Sep 2019, 19:02

Meine Sichtungseindrücke:

1) DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES (L'ETRUSCO UCCIDE ANCORA, 1972)
Nicht einmal, dass ich Armando Crispinos Grusel-Giallo bereits einmal in der italienischen Originalfassung gesehen habe, hatte mich darauf vorbereiten können, was für konfuse Feldhasenhaken der Plot dieses eigenartigen, jedweder äußeren und internen Logik trotzenden Films zu schlagen beliebt. Seine Inkohärenz verdankt L’ETRUSCO UCCIDE ANCORA sicher nicht allein der Tatsache, dass Produzent Artur Brauner für die BRD-Fassung, (vermarktet als Bryan-Edgar-Wallace-Abenteuer), fünf Minuten Handlung dem Schneidetisch zum Opfer fallen ließ, (darunter eine wundervolle Großaufnahme einer J&B-Flasche), denn selbst mit diesen ergibt die Räuberpistole um Morde in einer archäologischen Ausgrabungsstätte, die irgendwie mit einem Karajan-Abziehbildchen, einem alkoholkranken Archäologen sowie einer grausamen Etrusker-Gottheit in Verbindung stehen sollen, kaum einmal Sinn genug, dass es mir trotz Zweit-Sichtung möglich wäre, überhaupt zu sagen, worin nun genau die Motivation des Killers gelegen haben soll: Weil man als Kind zusehen muss, wie die eigene Mutter vom jähzornigen Vater den Kopf an der Heizung verbrüht bekommt, entwickelt man einen Fetisch für rote Schuhe, und metzelt sich durch die Damen einer experimentellen Tanzgruppe, um die Morde sodann dem Ex-Mann der neuen Stiefmama in die Schuhe zu schieben, eh? Großartig immerhin: Horst Frank als schwuchtelnder Choreograph, Riz Ortolanis Score, der teilweise klingt, als würde dort schon für CANNIBAL HOLOCAUST geübt werden, sowie einige stimmungsvolle Momente, wenn Alex Cord durch das mitternächtliche Spoleto strolcht. Da ich L’ETRUSCO UCCIDE ANCORA allerdings sowieso als vehementes Plädoyer gegen exzessiven Alkoholkonsum interpretiere, kann man den Pfeil der Kritik auf einer Meta-Ebene vielleicht aber auch gegen die verantwortlichen Drehbuchautoren wenden: Dass diese nämlich den inflationär aufploppenden Pullen mit dem gelben Etikett nicht zugesprochen haben sollen, kann ich mir kaum vorstellen. Dankenswerterweise saß übrigens Hobby-Archäologe Reini neben mir, der nicht nur während des gesamten Films immer wieder seine Ungläubigkeit ob der Vorgänge auf der Leinwand hinausseufzte, sondern mich auch darüber aufklärte, dass die Ausgrabungssequenzen durchaus der Realität archäologischen Treibens entsprechen.

2) DER NEW YORK RIPPER (LO SQUATATORE DI NEW YORK, 1982)
Auch Fulcis Abgesang auf ein New York voller zerschlitzter Schambereiche, U-Bahn-Lüstlinge und Porno-Kinos hatte ich anders in Erinnerung als er sich mir letztlich auf der Leinwand präsentiert hat, nämlich als durchaus routiniert inszenierten, teilweise arg teuflischen Giallo-/Slasher-Mixtur, die eine sehr, sehr bittere Weltsicht vermittelt, und einen Kuriositäten-Bonus dadurch erhält, dass der Killer tatsächlich mit Donald-Duck-Stimme mordet. Bekommen habe ich auf 35mm nun aber eine reichlich misogyne, relativ episodische, letztlich dramaturgisch wenig ausgefeilte Ansammlung von Fragezeichen, die sich wie beim Vorgängerfilm Crispinos schlussendlich für mich nicht zu einem stimmungsvollen Gesamtbild zusammenaddierten: Weil ich ein an Knochenkrebs erkranktes Töchterchen habe, das seinem baldigen Tod entgegensieht, mutiere ich zum wütenden Enterich, der wahllos Frauen auf bestialische Weise ums Leben bringt, Gefallen daran findet, den ermittelnden Kommissar mit Telefonanrufen zu terrorisieren, und die eigene Freundin, obwohl man unter einem Dach wohnt, nur dann attackiert, wenn die sich gerade allein in der U-Bahn befindet, eh? Sicherlich wird New York schön bzw. hässlich eingefangenen als Vorhof zur Hölle, in dessen dekadentem Pfuhl man keinen Fuß setzen möchte, demgegenüber steht jedoch die absolute Konstruiertheit des Plots – (es gibt quasi fünf bis sechs Hauptfiguren, die allesamt irgendwie miteinander in Beziehungen zueinander stehen, für die die suspension of disbelief heftigst strapaziert wird) –, eine Zeigefreudigkeit von Gewalt gegenüber Frauen, die man nun wirklich nicht anders als selbstzweckhaft bezeichnen kann, und Sleaze- und Schmuddel-Szenen im Sekundentakt, aus denen vor allem diejenige heraussticht, in der Alexandra Delli Collis Vagina mit einem schmierigen Männerzeh Freundschaft schließt – (eine Szene, die Reini erneut völlig aus der Fassung brachte.) Nein, dieser Film wird wohl niemals in meinen persönlichen Olymp des Fulci-Kanons hinaufklettern…

3) NACHTSCHWESTER MÜSSTE MAN SEIN (L'INFERMIERA DI NOTTE, 1979)
Es gibt Geräusche, auf die reagiere ich regelrecht allergisch. Dazu gehört: Das schrille Schreien eines Schweins, das weiß, dass es gleich geschlachtet werden wird, und: Viel zu lautes Staubsaugerschnauben, und: Das Kratzen von Kreide auf einer Schultafel, und: Wenn in italienischen Sexkomödien alle Knallchargen wie wild durcheinanderschreien, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. So geschehen in vorliegendem Gag-Feuerwerk um eine Nachtschwester, die einen vermeintlich todkranken und schwerreichen Onkel aus Übersee (inklusive falschem Bart) pflegen soll, auf dass die Verwandten das Erbe einstreichen, während besagter Onkel aber in Wirklichkeit ein Gauner ist, der es auf einen angeblich mit Brillanten gespickten Kronleuchter abgesehen hat. Die Erotik ist kaum der Rede wert, sprich, die Momenten, in denen Gloria Guidas Busen blitzt, kann man an einer Hand mit drei Fingern abzählen, von dem Plot ganz zu schweigen, der in einem debilen Humorverständnis vor sich hin mäandert, dass es beinahe schon wieder eine Lust ist – wobei ich das beinahe besonders betonen möchte: Wirklich großartig wird es eigentlich nur in der völlig plotfernen Disco-Szene, wo Guida nebst Partner erst an einem Tanzwettbewerb teilnehmen, und unsere Aphrodite sodann aufgrund ihres engelsgleichen Stimmchens einen Plattenvertrag einheimst, der gehörig mit einer (ungekürzten!) Darbietung ihres Smash-Hits „La Musica È“ gefeiert werden muss. Es gibt Dinge, die kann man sich echt nicht ausmalen, und wie das Kino während dieser drei, vier Minuten brütete, das muss man gefühlt haben, um es zu glauben...

4) EIN ACHTBARER MANN (UN UOMO DA RISPETTA, 1972)
Heist Movies sind nun ebenfalls, wie comediae sexy all’italia, nicht mein bevorzugtes Genre, und mit den Namen von Stars kann man mich auch selten ködern, doch erweist sich der Spannungsfilm Michele Lupos, (von Lars liebevoll der „Wolfsmichel“ getauft), als grundsolide Unterhaltung mit hübschem Hamburger Lokalkolorit, einem launig aufspielenden Cast um Kirk Douglas, Florinda Bolkan und Giuliano Gemma, und einer minimalistischen Handlungsführung, die sich nicht mit zeitraubenden Nebenschauplätzen oder allzu psychologisierender Charakterzeichnung abgibt. Etwas befremdlich fand ich zwar eine gefühlt fünfminütige Verfolgungsjagd quer durch die Hansemetropole, deren Sinnhaftigkeit für die eigentliche Handlung sich mir immer noch nicht erschließt, (und bei der, wenn ich das richtig erkannt habe, auch schon mal das Modell der einander hetzenden Fahrzeuge munter wechselt), und weshalb man unbedingt mit einem aufbrausenden Jungspund einen Bruch begehen will, der a) ein Auge auf die eigene Freundin geworfen hat, und b) von einem Killer, der der Einfachheit halber „Killer“ heißt, verfolgt wird, das müsste mir Kirk Douglas Figur einmal in einer ruhigen Minute erklären. Allerdings kann man mit Szenen, in denen Männer in Banken und Pfandleihhäuser einsteigen, um Schmuckstücke und Millionen zu entwenden, sowieso nicht viel falsch machen, da pocht der Puls von ganz alleine, und obwohl ich weit davon entfernt bin, UN UOMO DA RISPETTA zum Meisterwerk zu küren, ein würdiger Abschluss für ein Festival des italienischen Genrekinos ist der in vorliegender vollständiger Fassung zudem scheinbar recht rare Film allemal.

Nächstes Jahr dann bitte: 1) SUSPIRIA (1977), 2) ZOMBI HOLOCAUST (1980), 3) Endlich mal irgendeinen weirden Peplum, z.B. URSUS UND DIE SKLAVIN DES TEUFELS (1964) von Deodato/Margheriti, der ist tatsächlich werwölfisch wonnig, und 4) Endlich einmal einen Film aus der Mondo-Sparte, von mir aus gerne gleich MONDO CANE oder etwas Abseitiges aus dem Reini'schen Fundus... ;-) :knutsch: :popcorn:
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Re: ZEHNTES OFFIZIELLES FORENTREFFEN: DELIRIA ÖVER HAMBURG

Beitragvon Canisius » 26. Sep 2019, 20:13

Paco hat geschrieben:
Arkadin hat geschrieben:
Canisius hat geschrieben:Die Idee, das Wochenende bei 'nem Kofferraumbier und Parkplatz J&B aus Einhornplastikbechern „under the bridge“ ausklingen zu lassen ist gut. In Sachen Gemütlichkeit ist aber noch Luft nach oben. Luxus muss nicht sein. Ein wenig mehr Komfort wäre dennoch schön. Alternativen ohne Verzehrpflicht wären bspw. die Hotellobby/ das Hotelzimmer, der Hotelbalkon (für die Raucher) etc.


Gemütlich ist das nicht, da gebe ich Dir recht (interessanterweise hatten wir auch seit Einführung der Tradition immer Glück mit dem Wetter - es hat nie geregnet). Aber ich finde die "Kofferaum-Bier-Runde" immer sehr schön, denn da kann man bequem rumgehen und es ist einfach sehr viel einfacher mit weitaus mehr Leuten ins Gespräch zu kommen, als noch im Lokal.


Das sehe ich ganz genauso! Speziell die Möglichkeit, sich mit mehr Leuten austauschen zu können als z.B. im Restaurant (bzw. jeder anderen Zusammenkunft mit Sitzgelegenheiten), empfinde ich als großes Plus unserer Kofferraumpartys :prost:


Parkplatz-Session-ja, finde ich gut. :thup:
Kofferraumbier-ja, feine Sache. :prost:
Gesprächsrunden-gerne gesehen. :geek:

Im Prinzip sind wir einer Meinung.

Allerdings haben die Parkplätze in HH weniger zum Verweilen eingeladen: Permanenter Taxiverkehr :rambo: , keine Sitzgelegenheiten, keine Toiletten etc. Und das 2 Mal hintereinander. Hat dazu geführt, dass ich früher ins Hotel bin als bei vergangenen Forentreffen.
Im Vergleich dazu waren Köln (Hotelparkplatz, Kaffee-Flatrate in der Lobby und Zugang zu Toiletten) und München (Parkplatz in Hotelnähe, Sitzgelegenheiten am Hotel, Zugang zu Toiletten, die Möglichkeit Zeug abzulegen) angenehmer.
Mir ist natürlich bewusst, dass es auch daran lag, dass es dieses Mal kein Stammhotel als Ausgangspunkt/Basis gab (obwohl ja gefühlt alle im Belmondo waren :kicher:) , dass die Parkmöglichkeiten (in der Nähe des Restaurants) begrenzt sind, und dass man mit einer größeren Gruppe nicht so flexibel ist.
„Seine Stiefel aus frischem Krokodilleder knarrten. Er trug eine Jacke aus gegerbter Elefantenhaut und im offenen Hemd eine Kette aus Leopardenkrallen und Affenzähnen.
Mit dem Outfit, dachte Meuchköt, käme er durch keine europäische Flughafenkontrolle.“
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Re: ZEHNTES OFFIZIELLES FORENTREFFEN: DELIRIA ÖVER HAMBURG

Beitragvon buxtebrawler » 1. Okt 2019, 10:08

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Wirklich großartig wird es eigentlich nur in der völlig plotfernen Disco-Szene, wo Guida nebst Partner erst an einem Tanzwettbewerb teilnehmen, und unsere Aphrodite sodann aufgrund ihres engelsgleichen Stimmchens einen Plattenvertrag einheimst, der gehörig mit einer (ungekürzten!) Darbietung ihres Smash-Hits „La Musica È“ gefeiert werden muss. Es gibt Dinge, die kann man sich echt nicht ausmalen, und wie das Kino während dieser drei, vier Minuten brütete, das muss man gefühlt haben, um es zu glauben...


Glorias Auftritt bekam sogar Szenenapplaus :nick: :D

Salvatore Baccaro hat geschrieben:(und bei der, wenn ich das richtig erkannt habe, auch schon mal das Modell der einander hetzenden Fahrzeuge munter wechselt)


Ah, jemand, dem tatsächlich aufgefallen ist, worauf Magdebürger in seiner Einführung anspielte ;)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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