Tödliche Strahlen - Lambert Hillyer

Moderator: jogiwan

Tödliche Strahlen - Lambert Hillyer

Beitragvon buxtebrawler » 28. Mai 2011, 01:33

Bild

Originaltitel: The Invisible Ray

Herstellungsland: USA / 1936

Regie: Lambert Hillyer

Darsteller: Boris Karloff, Bela Lugosi, Frances Drake, Frank Lawton, Violet Kemble Cooper, Walter Kingsford, Beulah Bondi, Frank Reicher, Paul Weigel, Georges Renavent u. A.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Führung Dr. Rukhs (Boris Karloff) unternimmt eine Expedition nach Afrika, um einen vor Urzeiten abgestürzten Meteoriten zu untersuchen, der ungeheure Kräfte haben soll. Rukh setzt sich vor Ort der gefährlichen radioaktiven Strahlung aus, um Proben zu sichern und gerät in Todesgefahr, wird jedoch von Dr. Benet (Bela Lugosi) mit einem Gegengift vor dem baldigen Tod gerettet. Die Kräfte des Steins erweisen sich tatsächlich als hochwirksam und mit ihnen kann Erblindung bekämpft werden. Nur Rukh wird zunehmend paranoider und beginnt, seine Begleiter zu ermorden, weil er sie verdächtigt, seinen Fund zu ihrem Vorteil ausgenutzt zu haben. Dazu muss er sie nur berühren, denn die Vergiftung ist bei Hautkontakt tödlich...


Quelle: www.ofdb.de
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record) / Der Mann mit der eisernen Maske (Whale) / Rock'n'Roll Nightmare
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
 
Beiträge: 25413
Registriert: 12.2009
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Geschlecht: männlich

Re: Tödliche Strahlen - Lambert Hillyer

Beitragvon buxtebrawler » 28. Mai 2011, 01:33

„Tödliche Strahlen“ von US-Regisseur Lambert Hillyer ist ein schwer unterhaltsamer Science-Fiction-Horror-Film aus dem Jahre 1936, ein früher Beitrag zum schier unerschöpflichen, viele Filmemacher beeinflusst habenden Themenfundus „Radioaktive Strahlen“. Mit den Hauptrollen wurden niemand Geringere als Bela Lugosi („Glen or Glenda?“) und Boris Karloff („Die Hexe des Grafen Dracula“) betraut, durch ihre Arbeiten für die „Universal“ Stars der Frühzeit des Tonfilms und unsterbliche Genre-Ikonen.

Im Auftakt seines Films mischt Hillyer klassische Gruselelemente wie das an Gothic-Horror erinnernde, abgelegene Schloss des Forschers Dr. Rukh (Boris Karloff), in dem er mit seiner blinden, unheimlichen Mutter zusammenlebt, mit futuristischen Ingredienzien. Dr. Rukh hat eine Art Super-Teleskop entwickelt, mit dem es ihm gelingt, bis zum Andromeda-Nebel vorzudringen und durch einen eingefangenen Lichtstrahl Jahrtausende alte Bilder eines Meteoreinschlags auf der prähistorischen Erde zu projizieren. Diese führt er seinen wissenschaftlichen Kollegen vor und zusammen beschließt man, zur Einschlagsstelle in Afrika zu reisen, um das Objekt zu finden und untersuchen zu können. Während der Expedition erinnert „Tödliche Strahlen“ zeitweise gar an einen Abenteuerfilm; ein gelungenes Abwechslungsreichtum, das Interesse weckt. Besessen von seinem Forschungsdrang vernachlässigt er seine Frau, die sich schließlich in jemand anderen verliebt und sich von Rukh abwendet – eine unglückliche Romanze gesellt sich also auch noch hinzu. Es kommt, wie es kommen muss: Dr. Rukh wird von der Radioaktivität des Gesteins verstrahlt und kann fortan nur mit einem Medikament seines Kollegen Dr. Benet (Bela Lugosi) überleben.

Doch die Lebensgefahr ist nicht die einzige Folge seiner Verstrahlung. Alles, was Dr. Rukh im „strahlenden Zustand“, mit frühen Spezialeffekten durch leuchtende Körperteile visualisiert, anfasst, ist dem Tode geweiht. Außerdem wirkt sich sein Zustand negativ auf seine Psyche aus und er wird zu einem wahnsinnigen Mörder, der sich von seinen Kollegen, die die Strahlen humanmedizinisch einsetzen und wohldosiert mit ihr Blinde heilen, hintergangen und übervorteilt fühlt – und so muss einer nach dem anderen sterben.

Was in „Tödliche Strahlen“ aus heutiger Sicht als wissenschaftlicher Humbug erscheint, macht der Film mit dem Charme seiner zeitgenössischen Naivität locker wett und überzeugt mit einer für die damalige Zeit anscheinend so typischen tragischen Note sowie wirklich netten Effekten wie beispielsweise dem unter Strahleneinfluss zerberstenden/zerschmelzenden Felsen. Die charakterliche Fehlentwicklung, die Dr. Rukh erfährt, ist wahrlich erschreckend und führt zu einem ambivalenten des Zuschauers zur Figur, die sich zwischen den Polen Mitleid und Verachtung bewegt. Sie mahnt einerseits symbolisch den verantwortungsvollen Umgang mit Radioaktivität zum Wohle der Menschheit an und warnt andererseits vor ihren Gefahren. Karloff hat man eine so gelungene Maske verpasst, dass ich ihn zunächst fast nicht erkannt hätte und auch Lugosi steht seine ungewöhnliche Rolle als vernunftbetonter Dr. Benet großartig zu Gesicht.

So kann man sich an einer gut funktionierenden Melange verschiedener Genres mit Schwerpunkt auf Science Fiction, am Charme einfacher Spezialeffekte und veralteter wissenschaftlicher Visionen aus der Zeit vor der bemannten Raumfahrt sowie zwei fabelhaft aufspielenden Schauspielgrößen ebenso erfreuen wie an einer inhaltlichen Ausrichtung mit einem gewissen Tiefgang sowie einem kurzweiligen, dramaturgischen Konzept und inszenatorischen Geschick, die auch heute noch keinerlei Langatmigkeit aufkommen lassen. Für Freunde des phantastischen Films mit Sicherheit hochinteressanter, historisch wertvoller Stoff – fast wie ein prähistorischer Meteoriteneinschlag...

@ugo: Hab mir deine schöne Formulierung ("zeitgenössisch naiv") mal ausgeborgt ;)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record) / Der Mann mit der eisernen Maske (Whale) / Rock'n'Roll Nightmare
Benutzeravatar
buxtebrawler
Forum Admin
 
Beiträge: 25413
Registriert: 12.2009
Wohnort: Wo der Hund mit dem Schwanz bellt.
Geschlecht: männlich

Re: Tödliche Strahlen - Lambert Hillyer

Beitragvon untot » 7. Feb 2012, 14:20

Ein liebenswertes Filmchen wirklich, wenn man auf Karloff und Lugosi steht, kommt man um "Invisible Ray" nicht herum. Auch wenn ich Lugosis englischen Akzent sehr mag, so würd ich mir trotzdem eine deutsche Synchro zu diesem Schätzchen hier wünschen.
Die Effekte sind der Knaller, so wie auch ein Karloff mit Locken! :shock: :kicher:
Lugosi darf hier mal wieder den "Guten" mimen und das macht er mit Bravour.
Schönes altes Kino, so lieb ichs! :nick:

7,5/10
Bild
Benutzeravatar
untot
 
Beiträge: 6888
Registriert: 09.2010
Geschlecht: weiblich


Zurück zu "Amerika"


 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste