Das Kabinett des Schreckens - Tobe Hooper (1981)

Moderator: jogiwan

Das Kabinett des Schreckens - Tobe Hooper (1981)

Beitragvon horror1966 » 20. Jul 2010, 22:56

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Das Kabinett des Schreckens
(The Funhouse)
mit Elizabeth Berridge, Shawn Carson, Jeanne Austin, Jack McDermott, Cooper Huckabee, Largo Woodruff, Miles Chapin, David Carson, Sonia Zomina, Ralph Morino, Kevin Conway, Herb Robins
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Lawrence Block
Kamera: Andrew Laszlo
Musik: John Beal
FSK 16
USA / 1981

Amy und ihr Freund Buzz gehen zusammen mit einem befreundeten Teenagerpärchen zum Rummel. Nach Achterbahn, Riesenrad und Süßigkeiten wollen sie noch ins "Funhouse", eine Freak- und Grusel-Show. Gegenseitig ziehen sie sich auf, wer am meisten Angst hat, bis sie aus einer Laune heraus beschließen, sich über Nacht in der Geisterbahn einsperren zu lassen. Der Spaß hat leider allzuschnell ein Ende, als sie beobachten, wie der missgestaltete Sohn des Betreibers sich erst von einer Prostituierten verwöhnen lässt, diese dann aber kurzerhand umbringt. Anschließend beginnt er Jagd auf die Jugendlichen zu machen...


"Kabinett des Schreckens" zählt meiner Meinung nach zu den besseren Filmen von Tobe Hooper. Die Story ist recht simpel, aber sie wird sehr flüssig erzählt und wurde auch durchaus interessant in Szene gesetzt. Es ist ein typischer 80 er Jahre Horrorfilm, der eine besonders dichte und bedrohliche Atmosphäre besitzt, die ihre ganz eigene Faszination auf den Zuschauer ausübt. Und diese Faszination ist durchaus von Beginn an vorhanden, auch wenn in den ersten 30 Minuten nicht gerade viel passiert, ausser das die 4 Jugendlichen über den Rummelplatz schlendern und sich über eher belanglose Themen unterhalten.

Der Film lebt hauptsächlich von der gelungenen Atmo, in Sachen Härte darf man nicht zuviel erwarten. Es gibt zwar einige, wenige etwas härtere Szenen, aber die sind eigentlich nicht der Rede wert. Gorehounds werden hier also nicht auf ihre Kosten kommen, aber es muß ja auch nicht immer nur Gemetzel gebwn. Dafür sind insbesondere die Passagen, die im sogenannten "Funhouse" spielen von einer sehr dichten und bedrohlichen Grundstimmung begleitet, die phasenweise sogar ein herrliches Gänsehaut-Feeling aufkommen lässt, von dem man sich als Betrachter nur zu gern gefangennehmen lässt. Es ist halt einmal mehr diese schier unwidersteliche 80er Jahre-Atmosphäre, die diesem Film beiwohnt und wie man sie aus so vielen Horrorfilmen dieses Jahrzehnts her kennt. Auch spannungsmäßig kann man sich keineswegs beschweren, denn mit der Zeit entwickelt sich aus der zu Anfang noch eher lustigen Rummelplatz-Stimmung ein äusserst spannendes Szenario, das sich bis zur letzten Minute immer mehr verdichtet und auch keinerlei Einbrüche verzeichnet.

Mir persönlich hat insbesondere dieser vollkommene Stimmungs-Umschwung sehr gut gefallen, der nach dem ersten Drittel des Films eintritt, teilweise hat man das Gefühl, das man von einem eher belanglosen Teenie-Filmchen ziemlich abrupt in einen extrem spannenden und atmosphärisch sehr dichten Horrorfilm gewechselt hat, in dem man das aufkommende Unheil förmlich erahnen kann. Das eigene Sehverhalten ändert sich schlagartig, war man vorher noch sehr entspannt und hat sich seicht berieseln lassen, so überkommt einen mit einemmal ein starkes Gefühl der Anspannung, was sich auch bis zum Ende hin nicht mehr ändert. Im Endeffekt kann man diesen Film auch recht gut mit dem 2006 erschienenen Werk "Dark Ride" von Craig Singer vergleichen, auch wenn dessen Film sicherlich eine Ecke härter ausgefallen ist.

Schauspielerisch sollte man nicht unbedingt Wunderdinge erwarten, denn ist es doch eher recht selten, das Darsteller in Horrorfilmen durch oscarreifes Schauspiel auffallen würden. So ist es also auch nicht weiter verwunderlich, das dies auch hier nicht der Fall ist, jedoch überzeugen gerade die hier agierenden Jungdarsteller durch durchaus solide Leistungen, wie man sie nicht unbedingt täglich präsentiert bekommt. Insgesamt gesehen hat man es also mit einem sehr unterhaltsamen und auch spannenden Horrorfilm zu tun, der ganz eindeutig zu den besseren Filmen von Tobe Hooper zu zählen ist und den man sich auch nach mittlerweile fast 30 Jahren immer wieder gut anschauen kann.


Fazit:


Ohne viel Härte und brutale Szenen ist es hier gelungen, ein sehr hohes Maß an Spannung zu erzeugen, das durch die vorherrschende Atmosphäre noch zusätzlich unterstüzt. Dabei kann man das erste Filmdrittel ohne Probleme etwas vernachlässigen, dient es doch viel eher dazu, den Zuschauer etwas einzulullen, bevor er dann mit einer Stunde Hochspannung konfrontiert wird. Eine kleine Perle des Genres, die auch im Laufe der Zeit rein gar nichts von ihrem Charme und ihrer Faszination verloren hat und immer wieder sehenswert ist.


8/10
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Re: Das Kabinett des Schreckens - Tobe Hooper

Beitragvon buxtebrawler » 21. Jul 2010, 09:38

Tobe Hooper zeichnet zusammen mit Autor Dean Koontz für seinen kreativen Beitrag zum Slasher-Genre ein Bild des Rummelplatzes als furchterregenden Schauplatz von Abartigkeiten und Sündenpfuhl zugleich, betrieben von wenig vertrauenserweckenden, exotischen bis düsteren Gestalten, die allesamt auf die eine oder andere Art Dreck am Stecken haben oder Bedrohungen in sich bergen, sich durch ihre Undurchsichtigkeit und das Tingeln von Ort zu Ort Recht, Gesetz und gesellschaftlicher Ordnung aber entziehen. Dadurch appelliert er an typische Vorurteile des Publikums fahrendem Volk und Schaustellern gegenüber, insbesondere zu einer Zeit, als ein Rummel noch mehr zu bieten hatte als überteuerten, langweiligen Einheitsbrei, und schafft somit eine hervorragende Atmosphäre für einen Genrefilm, der im Prolog erst einmal "Psycho" und "Halloween" zitiert und sich damit vor seinen Vorbildern verbeugt.

Dieses Ambiente gepaart mit übermütigen Teenagern, die Dinge tun, die sie nicht tun sollten und einen der Rummelfreaks bei etwas beobachten, was er nicht tun sollte, ist der Stoff, aus dem dieser typische Slasher gestrickt ist. Allerdings sind die Teenies hier nicht ganz so blöd und unsympathisch wie in anderen Genrevertretern und die Morde fallen weniger spektakulär aus. Dafür gibt es eine tolle Maske des Unholds zu bewundern, etwas Familientragödie und viel Dramatik. Einige Szenen werden von Hooper für meinen Geschmack etwas zu ausladend dargestellt, hier und da hätte etwas Straffung gut getan. Unterm Strich bleibt aber eine kleine Perle für Genrefans, die atmosphärisch und handwerklich überzeugt, ohne dabei das Rad neu zu erfinden.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Das Kabinett des Schreckens - Tobe Hooper

Beitragvon Onkel Joe » 21. Jul 2010, 10:54

Der ist wirklich ganz net geworden, zwar kein 100% Gewinner aber besser als das meiste was der TCM Erfinder sonst so gemacht hat.
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Re: Das Kabinett des Schreckens - Tobe Hooper

Beitragvon purgatorio » 22. Okt 2015, 05:24

DAS KABINETT DES SCHRECKENS (THE FUNHOUSE, USA 1981, Regie: Tobe Hooper)

Schräger Stoff so ein Jahrmarkt. Der american White Thrash scheint diese unheimlichen und zugleich faszinierenden Orte ja zu lieben (ich denke da bspw. an die gesamte Ikonografie um Rob Zombie). Tobe Hooper hat mit THE FUNHOUSE eben diese Atmosphäre einzufangen versucht. Darüber vergaß er gänzlich die erste Stunde Laufzeit mit irgendwelchen nennenswerten Ereignissen zu versehen, was mir als europäischer Rezipient jedoch kaum auffiel, da die Exotik eines solchen mir in Gänze unbekannten Ortes doch ausreichend zu fesseln vermochte (wobei ich natürlich einwerfen muss, dass eine Zweitsichtung die erste Stunde wesentlich nüchterner, möchte sagen: kritischer beurteilen würde). Na jedenfalls: Mystik, Irrsinn und Faszinosum des Ortes wird zelebriert, im Anschluss wird (ungewöhnlich seicht) massakriert. Fertig ist das. Macht Spaß, ist sehenswert aber letztlich kein Meisterwerk o.ä.
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Re: Das Kabinett des Schreckens - Tobe Hooper (1981)

Beitragvon Arkadin » 29. Aug 2017, 11:06

Als ich vom Tode Tobe Hoopers erfahren habe, habe ich vorgestern gleich sein "The Funhouse" reinglegt. Bei der ersten Sichtung vor vielen, vielen Jahren fand ich den nicht so dolle. Und tatsächlich braucht der fast eine Stunde, bevor er so richtig in Gang kommt. Für jemanden, der ungeduldig auf Blut und Innerereien wartet eine Qual. Und auch wenn es dann rund geht, hält sich Hooper sehr zurück. Weiß man dies alles und ist mittlerweile in einem Alter, in der die Sturm-und-Drangphase schon viele Monde zurückliegt, kann man sich wunderbar in den Film fallen lassen und seine Qualitäten genießen. Im Grunde ist "Funhouse" ja eine TCM-Variation. Vollständig mit überschaubaren Personenkreis und einer merkwürdigen Familie. Stilistisch trennen beide Film aber Welten. Hooper hat hier eine wunderbar morbide Rummelplatz-Atmosphäre geschaffen, ein Auge für kleine Details und wenn es dann in der Geisterbahn (Funhouse) zur Sache geht, schwelgt der Film in rot-grün-blauen Farben, die an Meister wie Bava und Argento denken lassen. Dazu kommt die erlesene Scope-Fotografie. Und worin Hooper nun wirklich brillant ist: Diese kranke, bedrohliche Stimmung zu kreieren, die hier nicht so unbehauen wie in TCM wirkt, aber immer noch da ist. Toller Film mit einigen Schwächen (die vier Protagonisten sind nicht so wirklich sympathisch und stellen sich reichlich blöd an; die Story um den kleinen Bruder reicht für einen guten Auftakt-Gag, ist danach aber ziemlich sinnlos), die man aber gerne verzeiht. Hooper war schon wirklich ein Guter.
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Re: Das Kabinett des Schreckens - Tobe Hooper (1981)

Beitragvon buxtebrawler » 4. Jun 2018, 16:31

Erscheint voraussichtlich am 26.07.2018 bei Koch Media als Blu-ray/DVD-Kombination im Mediabook:

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Extras:
- Audiokommentar von Tobe Hooper
- Audiokommentar von Craig Reardon und Jeffrey Reddick
- Audiokommentar von Derek Power und Howard S. Berger
- Audiokommentar von Justin Kerswell
- Interview "Carnage at the Carnival" mit Tobe Hooper
- Interview "Miles of Mayham" mit Darsteller Miles Chapin
- Interview "The Barker Speaks" mit Darsteller Kevin Conway
- Interview "A Trilogy of Terror" mit Effekt-Künstler Craig Reardon
- Interview "Masterclass of Horror" mit Mick Garris
- Interview "Something Wicked this Way Comes" mit Produzent Mark L. Lester
- Audiointerview mit Schauspieler William Finley
- Q&A mit Tobe Hooper
- geschnittene Szenen
- Bildergalerie
- TV-Spots
- Radio-Spots
- Trailer

Bemerkungen:
Zum ersten Mal alle weltweiten Extras versammelt in einer Edition.
Neues exklusiv für diese Edition gemaltes Artwork.

Quelle: https://ssl.ofdb.de/view.php?page=fassu ... &vid=86764
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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