Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock

Moderator: jogiwan

Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock

Beitragvon dr. freudstein » 23. Sep 2010, 18:34

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Originaltitel: Rear Window

Herstellungsland: USA / 1954

Regie: Alfred Hitchcock

Darsteller: James Stewart, Grace Kelly, Raymond Burr, Wendell Corey, Thelma Ritter u.a.

Story:
Der nach einem Unfall mit einem gebrochenen Bein an den Rollstuhl gebundene Fotograf L.B. Jeffries (James Stewart) verbringt aus Langeweile die heißen Tage damit, aus seinem Hoffenster die übrigen Nachbarn zu beobachten, in deren Wohnungen er auf der gegenüberliegenden Seite Einblick hat.
Einer seiner Nachbarn ist ein weißhaariger Mann mit streitlustiger, kränkelnder Ehefrau. Eines Nachts sieht er den Mann mehrfach seine Wohnung verlassen und zurückkehren. Tags darauf ist die Frau verschwunden. Jeffries ahnt einen Mord und spannt seine Verlobte Lisa (Grace Kelly) ein, die Sache zu untersuchen. Der Mieter hat ein gutes Alibi, doch Jeffries bleibt mißtrauisch und wird immer überzeugter, daß er recht hat. Schließlich läßt er sich auf ein riskantes Spiel ein und gerät in Todesgefahr...

Quelle: ofdb.de
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Re: Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock

Beitragvon dr. freudstein » 23. Sep 2010, 18:46

AHF Satz Deutschland (WA 1983)

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Re: Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock

Beitragvon Arkadin » 6. Dez 2010, 15:24

Aus dem "Do You Like Hitchcock?"-Faden

buxtebrawler hat geschrieben:
Arkadin hat geschrieben:Und sowohl "Fenster" als auch "Fremde" sind an Atmosphäre und Komplexität nicht zu überbieten! :opa:


Kleiner Einwurf in Form einer unqualifizierten Zwischenfrage (evtl. besser in einem eigenen Thread beantworten?):
Woran machst du die Komplexität von "Das Fenster zum Hof" fest?


Im "Fenster" kreiert Hitchcok eine kleine Minatur-Welt. Offensichtlich geht es um den von James Stewart gespielten Fotografen und seine Freundin (Grace Kelly). Aber der Film bietet noch so viel mehr. Der Film als ganzes setzt sich sich aus vielen kleinen Vignetten zusammen, die Hitchcock meisterhaft arrangiert hat - und dies ohne eine Erklärung, ja ohne Vorgeschichte oder gar einen Text zu liefern. Vor den Augen Stewarts passieren so viele Dinge, die alle für sich bereits Stoff für einen kurzen kleinen Film liefern: Das kinderlose Ehepaar, welches seinen Hund als Kindersatz hat; die verzweifelte Singlefrau, die für sich selbst pantomimische Dates vollführt; der Komponist, der einfach nicht mit seinem Lied weiterkommt; das jungverheiratet Ehepaar usw. All diese Geschichten sehen wir ganz durch Stewarts Augen und müssen sie uns selber im Kopf zusammensetzen. Und jede dieser Geschichten spiegelt wiederum das Thema der Hauptgeschichte wider. Es geht ums sich verlieben und heiraten. Und wie in einem Kaleidoskop werden alle Aspekte beleuchtet: Die unglücklich Verliebten, die Einsamen, die frisch verheirateten, das kinderlose Ehepaar.. und natürlich auch die Horror-Version: Das Ehepaar, welches sich nur noch hasst. Bedenkt man, dass Stewart selber gerade durch die Ehe "bedroht" wird und quasi als Zuschauer all diese alternativen Versionen seines zukünftigen Schicksals "erlebt", dann ist dies doch einfach grandios. Und wenn einem dieser Aspekt nicht genügt, kann man den Film auch als Parabel auf das Kino (mit Stewart als Publikum und dem Hof als Leinwand) oder einfach als verdammt guten Thriller ansehen.
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Re: Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock

Beitragvon buxtebrawler » 6. Dez 2010, 15:33

Danke für deine Ausführung, Arkadin. Ich muss zugeben, bei meiner ersten und bisher einzigen Sichtung des Films sind mir diese Gedanken nicht gekommen. Klingt aber sehr interessant und sinnergebend. Ich sollte dem "Fenster" wohl mal eine Zweitsichtung einräumen, quasi ein "Zeitfenster zum Hof" öffnen. :)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock

Beitragvon Arkadin » 6. Dez 2010, 15:37

Das erinnert mich ein wenig an die Zeichnungen von Sergio Aragonés in den alten "MAD"-Heften. Die hat man beim ersten Durchblättern auch nie bemerkt... und später war es mit das Beste ;)
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Re: Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock

Beitragvon horror1966 » 6. Dez 2010, 15:55

"Das Fenster zum Hof" ist ganz sicher eines der bekanntesten, aber auch besten Werke von Altmeister Alfred Hitchcock. Extrem geschickt hat es der Meister des Suspense es hier verstanden, die eigentliche Thematik des Films etwas in den Hintergrund zu schieben, da sich alles auf die Mordgeschichte konzentriert. Dabei ist doch das eigentliche Thema ganz eindeutig der menschliche Voyeurismus, der wohl in jedem von uns steckt. Doch durch die meisterhafte Umsetzungder Geschichte fällt einem das Kern-Thema dieses tollen Films gar nicht einmal sonderlich auf, was für mich persönlich die eigentliche Meisterleistung dieses Werkes ist.

Vielmehr konzentriert man sich auf die erstklassigen Darsteller, wird von der Schönheit einer bezaubernden Grace Kelly fast geblendet und lauscht den intelligenten Dialogen, die sich konstant durch den gesamten Film ziehen. Hitchcock ist es hier einmal mehr gelungen, einen Film zu kreieren, der einzig und allein in einem einzigen Raum spielt und als Abwechslung lediglich den Blick auf den Innenhof und in die Nachbarswohnungen gewährt. Und dennoch entsteht dabei ein so ungeheuer intensiver Spannungsaufbau, der den Zuschauer ganz automatisch in Beschlag nimmt und ihn richtiggehend fesselt.

Auch die dabei entstehende Atmosphäre verdichtet sich minütlich und nimmt beklemmnde Züge an, die man förmlich spüren kann. Und dann wären da noch die fantastischen Darsteller, die durch ihr extrem authentisches Schauspiel dazu beitragen, dem Zuschauer ein äußerst eindringliches Filmerlebnis zu bescheren, das auch im Laufe der Jahre rein gar nichts von seiner Faszination verloren hat. In gewisser Art und Weise ist "Das Fenster zum Hof" auch ein Spiegelbild unserer eigenen Neigungen, denn in jedem von uns steckt doch ein kleiner Voyeur, der bei passender Gelegenheit seine ureigenste Neugier durch Beobachtungen anderer befriedigt.


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Re: Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock

Beitragvon dr. freudstein » 7. Dez 2010, 00:46

Vielen Dank auch von mir für die tollen Worte :thup:
Ich habe den Film x-mal gesehen und mit jeder weiteren Sichtung erschlossen sich auch mir immer weitere Eindrücke.
Als Heranreifender sah ich natürlich auch nur die Mordgeschichte, wie sie sich aus einzelnen Puzzleteilen zusammensetzte. Keine Indizien, sondern nur Beobachtungen, die den Mord erklären könnten, aber nicht beweisen und auch als harmlos interpretiert werden könnten. So sah es ja auch sein Freund von der Polizei.
Bei weiteren Sichtungen entdeckte man mehr und mehr, wie bereits beschrieben.
Die Probleme der einzelnen Menschen wie Vereinsamung usw.
Zu jedem Mieter gibt es eine eigene Geschichte und teils auch Schicksale, die nicht überzogen dargestellt werden, sondern sich jeder irgendwo wiederfindet.
Manches natürlich in dem damaligen Zeitgeist, aber so fremd uns heute auch nicht.
Dann natürlich der gehunfähige Reporter, der mit seiner Situation nicht klarkommt und aus Langeweile und Frust, aber auch entgangenen Einnahmen sich dem Voyeurismus hingibt, sicher auch eine Berufskrankheit.
Und bei der von Lisa angestrebten Ehe kommen ihm natürlich auch Selbstzweifel und Angst, da diese sich in einer anderen Gesellschaft befindet. Jedes Abend ein neues Kleid, der Luxus... und er der weltreisende Reporter, selten zu Hause, oft Gefahren ausgesetzt.
Es lässt sich so viel aus dem Film herausinterpretieren und daher kann man den Film auch immer wieder neu sichten.
Wer lieber eine zeitgemässe Kulisse bevorzugt, kann sich das Remake anschauen mit dem Superman Christopher Reeve, dem das Schicksal leider auch privat widerfahren ist.
Volle Punktzahl für Hitchcocks Meisterwerk.
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Re: Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock

Beitragvon untot » 7. Dez 2010, 19:19

Wir haben es hier mit einem großartgen Film zu tun, keine Frage, auch die erzählten Geschichten und zuzusehen wie sich ein Teil ins andere fügt ist, grandios.
Was mich an dem Film schon immer gestört hat ist, das mir die Kulissen hier einfach zu künstlich sind, mir wirkt alles zu konstruiert, zu gelackt und geföhnt.
Auch wenn es vielleicht mit voller Absicht so inzeniert worden ist, ich stör mich dran.
Deswegen sagt mir Argento's Film vom Feeling her einfach besser zu, was nicht heißt, das er wirklich besser als der von Hitch ist.

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Re: Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock

Beitragvon buxtebrawler » 7. Dez 2010, 20:38

Ich muss ja zugeben, dass ich bei meiner Ersichtung davon ausging, dass der Clou des Films sein würde, dass der Verdächtige eben DOCH NICHT der Mörder ist und sich der "Voyeur" in etwas hineingesteigert hat - so ähnlich wie in der Alf-Fenster-Tribut-Folge, als Mr. Ockmoneck in Verdacht geriet. :lol: Dort habe ich nämlich erstmals Bekanntschaft mit der Thematik gemacht.

Als er es dann doch war, fand ich das wegen meiner falschen Erwartungen fast ein wenig plump. Auf die ganzen Details, die ihr hier geschildert habt, hab ich dabei gar nicht geachtet...
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Re: Das Fenster zum Hof - Alfred Hitchcock

Beitragvon dr. freudstein » 15. Feb 2011, 12:49

Dank gewonnener Massenkeilerei im Zollamt 8-)

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