Ausbruch zur Hölle - Robert A. Endelson

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Ausbruch zur Hölle - Robert A. Endelson

Beitragvon dr. freudstein » 17. Mär 2010, 19:42

Ausbruch zur Hölle - Robert A. Endelson
Bild


Originaltitel: Fight for your life

Alternativtitel: I hate your Guts, Staying alive

Herstellungsland: USA/1977

Regie: Robert A. Endelson

Darsteller: William Sanderson, Reginald Blythewood, William Cargill, David Dewlow, Dan Faraldo, Robert Judd u. a.

Story:

Bei einem Gefangenentransport in New York gelingt dem mehrfachen Mörder Jesse und zwei weiteren Schwerverbrechern die Flucht. Ihr mörderischer Trip zur kanadischen Grenze ist übersät mit Gewalttaten. Zuletzt dringen sie in das Haus einer fünfköpfigen Familie ein, die gerade ein Fest begehen will. Aus Spaß quälen und demütigen sie die Familie. Bald hat hat ein riesiges Polizeiaufgebot das Haus umstellt.
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Re: Ausbruch zur Hölle - Robert A. Endelson

Beitragvon horror1966 » 25. Jun 2011, 15:44

"Ausbruch zur Hölle" ist ein herrlich fieser Terrorfilm, der in gewissen Passagen schon ziemlich stark an Wes Cravens "The last House on the left" erinnert. Der film bezieht seine große Stärke nicht unbedingt durch explizite Gewaltdarstellungen, denn von diesen sind trotz der hohen Alterseinstufung eher weniger zu sehen, sondern vielmehr aus der kranken und sydistischen Grundstimmung die von der Geschichte ausgeht. Dabei ist es in erster Linie dem grandiosen Schauspiel von William Sanderson zu verdanken, das sich dem Zuschauer ein äusserst authentisches und glaubwürdiges Szenario offenbart, das man fieser und dreckiger kaum hätte in Szene setzen können. Seine Darstellung des offensichtlich psychophatischen Rassisten ist eine wahre Augenweide, wobei vor allem der unverhohlen zu Tage tretende Rassismus im Focus der Ereignisse steht. Nistet er sich doch mit den beiden anderen Ausbrechern ausgerechnet im Haus einer farbigen Familie ein, in dem sich dann auch innerhalb kürzester Zeit ein perfides Katz-und Maus Spiel entwickelt, das eine ungeheuer starke Intensität entfaltet und dabei immer sadistischere Formen annimmt. Es ist wirklich erstaunlich, welche Demütigungen die Familie über sich ergehen lassen muss, die widerum dem Peiniger eine fast schon höllische Freude bereiten, genießt er doch sichtlich seine Machtposition, die ihm durch den Besitz einer Pistole gegeben ist. Und so beinhaltet der Film die ganze Zeit eine äusserst kranke und dreckige Atmosphäre, die sich mit der Zeit immer weiter verdichtet und das drohende Unheil richtiggehend ankündigt.

Obwohl sich beim Zuschauer durch die gegebene Situation eine Menge Wut aufbaut, ist man gleichzeitig von den Ereignissen fasziniert. Es baut sich immer mehr ein Gefühl in einem auf, das ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch steht, spitzt sich die Lage innerhalb des hauses doch immer weiter zu, da die Demütigungen der Peiniger immer brutalere Formen annehmen, so das die Gewaltspirale sich ständig weiter nach oben dreht und dabei nicht mehr aufzuhalten ist. Als sich durch einen eher zufälligen Umstand dann die Lage zu Gunsten der Familie ändert, eskaliert das Geschehen vollends und die Täter befinden sich auf einmal in der Opferrolle. Aus den zu Beginn so knallharten Männern werden von einer Sekunde zur anderen winselnde Weicheier, die so gar nichts mehr von der künstlichen Härte an sich haben, die ihnen zuvor durch den Besitz ihrer Waffen gegeben wurde. Regisseur Robert A. Endelson hat es hier ganz ausgezeichnet verstanden, den Zuschauer in ein ständiges Wechselbad der Gefühle zu versetzen, nimmt das Geschehen doch durch mehrere Wendungen immer wieder eine vollkommen andere Ausgangssituation ein, durch die man sich zu keiner Zeit sicher sein kann, wie das fiese Szenario letztendlich enden wird. Ständig wechselnde Machtverhältnisse sorgen dabei für ein extrem angespanntes Seherlebnis, das in einigen Passagen wirklich ziemlich schweisstreibend ist und einem keinerlei Verschnaufpause gönnt.

Und so entpuppt sich die Geschichte als ein äusserst spannendes Filmerlebnis, das durch seine ständigen Richtungsänderungen für absolute Hochspannung sorgt, die den Betrachter jederzeit bei Atem hält. Das wirklich ausgezeichnete Schauspiel der Akteure ist dabei ein ganz wichtiges Element, sorgt es doch ganzzeitig dafür, das man tief in die Situation eintaucht wodurch man in eine Art Sog gerät, der einen unwillkürlich zu einem Teil des perfiden Psycho-Krieges werden lässt, der sich zwischen den Beteiligten abspielt. Kann man dabei schon recht frühzeitig erkennen, das gerade beim Rädelsführer der Ausbrecher sehr persönliche Gründe für den unverhohlenen Rassismus vorliegen müssen, so bekommt man erst ganz kurz vor dem Ende die Bestätigung für diese Vermutung. Dabei reichen wenige Worte aus die den Hass des Peinigers gegen Farbige erklären, sind sie doch so aussagekräftig, das man keinerlei weitere Erklärungen braucht. Kurz und knapp wird alles genau auf den Punkt gebracht und man kann sich einen sehr guten Eindruck davon machen, wie tief der Hass im Inneren des Mannes verwurzelt sein muss. Das Ende gestaltet sich dann letztendlich so, wie man es sich im Prinzip gewünscht hat und bietet auch noch einmal etwas visuelle Härte, die man im gesamten Film nicht oft zu sehen bekommt. Doch "Ausbruch zur Hölle" hat dies auch gar nicht nötig, entfaltet sich doch durch die gegebene Situation ein äusserst hoher Härtegrad im Kopf des Zuschauers, der auch lange nach dem Ende noch nachhallt.

Letztendlich ist "Ausbruch zur Hölle" ein absolut sehenswerter Vertreter des Rape and Revenge Filmes, der sich auch hinter bekannerstecken muss. Eine sehr spannende Geschichte, die insbesondere durch eine äusserst fiese Atmosphäre zu punkten weiss und zudem mit erstklassigen Schauspielern besetzt ist, von denen ein brillant aufspielender William Sanderson ganz besonders hervorsticht, da seine Performence an Authenzität schwerlich zu überbieten ist. Wer Filme dieser Machart zu schätzen weiss, sollte sich diese Perle keinesfalls durch die Lappen gehen lassen, die ein Höchstmaß an Intensität und Härte im Kopf des Zuschauers freisetzt und einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlässt.


Fazit:

Auch wenn dieser Film vielleicht nicht über den Bekanntheitsgrad eines "The last House on the left" verfügt, bedient er einen mit einem herrlich fiesen Szenario, das gleichzeitig für ein erstklassiges Filmerlebnis garantiert. Starke Darsteller und eine herrlich kranke Grundstimmung sind dabei die ganz großen Stärken eines Werkes, das man unbedingt gesehen haben sollte.


8/10
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Re: Ausbruch zur Hölle - Robert A. Endelson

Beitragvon Blap » 26. Jun 2011, 01:21

Ein echter Knaller, der mir sogar noch besser als z.B. "The last House on the left" gefällt. Ein älterer Kurzkommentar:


Ausbruch zur Hölle

Ein Transportfahrzeug der Polizei wird in einen Unfall verwickelt. Ausser den Beamten sind drei Schwerverbrecher an Bord, allesamt zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Den extrem gefährlichen Straftätern gelingt die Flucht, nachdem sie mit brutaler Gewalt gegen die Polizisten vorgegangen sind. Jessie (William Sanderson) ist so etwas wie der inoffizielle Anführer der Gruppe, die auf ihrer "Reise" in Richtung Kanada eine grausige Blutspur hinterlässt. Schliesslich fallen die beiden Weißen, mit ihrem Kumpan asiatischer Abstammung, in das Haus einer friedlichen und frommen schwarzen Familie ein. Für die drei anwesenden Generationen der Familie Turner beginnt ein fürchterlicher Albtraum. Beschimpfungen sind erst der Anfang, denn die perversen Bestien schrecker vor keiner Untat nicht zurück...

"Ausbruch zur Hölle" (Fight for your Life, 1977) ist ein herrlich fieser Bastard von Film. Weißer und gelber Abschaum fällt gemeinsam über eine aufrechte schwarze Familie her. Egal ob Oma oder jungfräuliche Tochter, keiner ist vor dem üblen Gesindel sicher, es wird gepöbelt, geschlagen und erniedrigt. Langsam aber sicher eskaliert die Situation, auch Menschen ausserhalb des Hauses werden vom Strudel der Gewalt erfasst. Der boshafte Streifen bringt neben der rustikalen Gangart eine intensive Atmosphäre rüber, wie man sie in dieser Form nur in Filmen aus den siebziger Jahren findet. Jeglicher Anflug von "Political Correctness" wird bereits im Ansatz erstickt, klasse!

Eyecatcher hat diese Perle auf den Markt gebracht. Wie üblich kommt die DVD in einer Hartbox daher, die mit unterschiedlichen Covern angeboten wird. Die Qualität ist sehr ordentlich ausgefallen, Bonusmaterial ist allerdings dünn gesät. Vermutlich wird da auch nicht viel zu holen gewesen sein, ich freue mich auf jeden Fall sehr über diese schöne Veröffentlichung. Mir hat dieser dreckige, gnadenlose Film jede Menge Spass gemacht (...und auch Bill Lustig freut sich sicherlich sehr über diese Scheibe). :mrgreen:

Sehr fette 8,5/10
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Re: Ausbruch zur Hölle - Robert A. Endelson

Beitragvon dr. freudstein » 26. Jun 2011, 01:33

Ausbruch zur Hölle

Fassungstitel und Originaltitel: Fight for your Life
Special uncut Edition
Kleine Buchbox, Eyecatcher Movies, ca. 82min., Widescreen 16:9 (1:78:1)
DVD 5, Code O, DD 2.0 (Deutsch oder englisch)
EAN: 4260181210360, ab 18
Bonus: engl. Trailer, Gallerie (Lobby Cards, Cover)

8/10

Hier hab ich ja (wieder Mal) zeitnah versäumt, einen Comment zu hinterlassen (andere aber auch), daher nur meinen FTB Eintrag :palm:

Bild
Fassungstitel: FIGHT FOR YOUR LIFE.

Wieder eine feine Begleitung zu einem feinen Essen, liebes Filmtagebuch. :popcorn:
Naja, etwas feiner war es schon.
Wenn kein Mädel dabei ist (kann man mir nicht wenigstens die Forderung eines Begleitservices erfüllen?)
so kann auch ein sexy Essen die Erfüllung bringen :kotz: und natürlich Bier :prost:

Ja, lieber Fremder, ich weiß schon, gleich kommt hier wieder irgendein Drecksporno reingeschleust.
Aber nix da, Anti-Virenprogramm läuft auf Hochtouren :P

So, schnell, vielleicht schaffe ichs......

Grundstory würde ich mal mit LAST HOUSE ON THE LEFT vergleichen.
3 Schwerverbrecher brechen aus einem Gefangenentransport aus und fliehen, wie man das als Ausbrecher auf Flucht konsequenterweise so tut.
Natürlich geht man wieder seinen Lieblingsgelüsten nach als staatlich anerkannte Gewalttäter und steckt schön sauber seine Fluchtroute mit neuen Leichen ab.
Irgendwann ist die schönste Tour mal zu Ende und begibt sich in eine flugs gegründete Herberge, um dort zu speisen, feiern und seinen bedingt durch längeren Gefängnisaufenthaltes enthaltenen sexuellen Gelüsten (wenn wir die Geschichten mit der runtergefallenen Seife mal ausser 8 lassen) nach. Die Herbergseltern, sehr religiös zudem, sind mit diesem neuen Job allerdings nicht sehr zufrieden, da die Feierlaune der drei Gäste nicht so ganz in ihre Welt passt. Der Jessie Lee Kane hat ja auch eine lockere Zunge und hat irgendwie Probleme mit der Hautfarbe seiner Herbergseltern. Diverse demütigende Anspielungen hierzu zeugen davon. Seine Begleiter, ein Mexikaner und Ostasiate haben aber in etwa den gleichen Humor und befreien die Herbergsfamilie mal von einigen Freunden.
Eins davon war der Sohn des örtlichen Sheriffs und der fand das dann nicht so witzig, diesen Sohn tot in seinen Armen zu empfangen. Da hört der Spass auf und er stürmt im Alleingang den inzwischen gefundenen Unterschlupf der Gesuchten, diese frischgegründete Existenz im Hotelwesen und bereits wenige Stunden später von der Insolvenz bedroht. Leider vergass er seine Deckung und es erwischte ihn (irgendwo im Körper, ist egal wo).
Im Inneren der Herberge haben die Herbergseltern samt Anhang inzwischen Gefallen an der Party gefunden und beteiligen sich im gleichen Masse zu Lasten der Gäste. Sicher, das gehört zum Service, aber die haben ja noch nicht mal bezahlt, ausser mit ihrem Leben. Der religiöse Herbergsvater nimmt dann dem Polizeitrupp gerne noch etwas Arbeit ab und schon ist die Herberge wieder ohne Gäste.

Sehr schön sadistisch und gewaltvoll, das ganze Spektakel. Vom Ansatz her ähnlich wie o. g. Vergleich.
Schöne, kleine Buchbox von EYECATCHER MOVIES, Extras: Bildergalerie, Trailer, Widescreen.
7/10


puuh, der Pornofreund hats diesmal nicht geschafft.
Bis zum nächsten Mal, liebes Filmtagebuch!!!
dr. freudstein
 
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