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Ohne jede Gnade - Michele Alhaique (2014)

BeitragVerfasst: 5. Aug 2017, 19:39
von Onkel Joe
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OHNE JEDE GNADE – IM REICH DER CAMORRA

Originaltitel: Senza nessuna pietà
Herstellungsland: Italien / 2014

Regie: Michele Alhaique

Darsteller: Pierfrancesco Favino, Greta Scarano, Claudio Gioè, Adriano Giannini, Ninetto Davoli und Iris Peynado.

Story: Der unscheinbare und liebenswerte Bauarbeiter Mimmo wird von Freunden und Kollegen respektiert und geschätzt. Keiner ahnt, dass er eine düstere Zweitexistenz führt: Im Auftrag seines kriminellen Onkels treibt Mimmo auf brutale Art und Weise Schulden ein. Als seine Wege jedoch jene von Callgirl Tania kreuzen, beginnt er nach einer Möglichkeit zu suchen, aus seinem blutigen Nebenjob auszusteigen. Mit verhängnisvollen Konsequenzen ...

Re: Ohne jede Gnade - Michele Alhaique

BeitragVerfasst: 11. Aug 2017, 16:52
von Onkel Joe
Ein guter Film aber mehr ein Drama als alles andere und die beiden Hauptdarsteller spielen ihre Sache Top!
Gute 6/10.

Re: Ohne jede Gnade - Michele Alhaique (2014)

BeitragVerfasst: 11. Sep 2017, 17:49
von sergio petroni
In den Außenbezirken Roms spielt die Geschichte um Mimmo (Pierfrancesco Favino),
der Vorarbeiter auf einer Großbaustelle ist. Er lebt alleine in einer schmucken Wohnung, die von seiner
Haushälterin in Schuß gehalten wird und fährt einen BMW. Das alles kann sich Mimmo
nicht ausschließlich von seinem Job leisten. Nebenher arbeitet er noch als Geldeintreiber für
seinen kriminellen Onkel. Hierbei geht er zusammen mit seinem Partner Roscio oftmals
recht rabiat mit den Schuldnern um.

Als Mimmo eines Tages den Auftrag erhält, das Callgirl Tania (Greta Scarano) zu seinem
Cousin Manuel zu bringen, geschieht das folgenschwere: Mimmo verguckt sich in Tania.
In der Luxuswohnung des Lebemannes Manuel kommt es wegen Tania zu einem folgenschweren Eklat,
woraufhin sich Mimmo und Tania auf der Flucht vor den Häschern des Onkels befinden.

Der stoische und wenig redselige Mimmo erledigt seine beiden Jobs mit der größtmöglichen
Gemütsruhe. Er hat keine Familie und auch keine großen Ansprüche an das Leben.
Die Verwandten Mimmos führen ein dekadentes Leben. Um diesen Standard aufrecht zu erhalten,
benötigen sie einen vom Schlage Mimmos. Loyal und bisweilen brutal.
Man fragt sich, wofür Mimmo die Doppelbelastung auf sich nimmt. Erst gegen Ende wird klar,
daß sein Onkel ihn nach dem Tod der Eltern großgezogen hat, und Mimmo sich ihm verpflichtet
fühlt.

Als der große, schweigsame Mann zum ersten Mal auf die Prostituierte Tania trifft, verändert
sich beider Leben Schritt für Schritt. In Mimmo hat irgendetwas klick gemacht. Zunächst versucht
er, Tania beschützen. Bietet ihr an, sie nach Hause zu fahren, läßt sie bei sich übernachten.
Ihre Annäherungsversuche aus Dankbarkeit wehrt er ab.
Dann kommt der Abend, an dem Cousin Manuel Tania zu sich bestellt. Nur widerwillig liefert
Mimmo Tania im Luxusanwesen des Cousins ab. Unter einem Vorwand kommt er zurück und
sieht, wie Manuel mit Tania umspringt. Da brennen dem Stoiker Mimmo alle Sicherungen
durch. Auf der Flucht kommen sich Mimmo und Tania näher.
Und auch Tania muß sich entscheiden, ob sie ihr bisheriges Leben behalten will.
Ihre Entscheidung trifft sie spontan und ohne zu zögern.

Interessant ist auch die Figur der Haushälterin Mimmos. Sie wird von ihm regelmäßig und korrekt
bezahlt und zeigt Sympathie für ihn. Als Mimmo sie braucht, ist sie sofort bereit, ihm zu helfen.
Wie sich herausstellt wußte sie von seinem Bargeldversteck in der Wohnung, hat dies aber
nie ausgenutzt. Solche Kleinigkeiten, die die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander
verdeutlichen, erfährt der Zuschauer en passant.

Die Hure und der Gangster, aneinandergeklammert, sich gegenseitig vor dem Ertrinken schützend; sehr schön
in einer Badeszene der Beiden im Meer vor Rom bebildert. Regisseur Alhaique liefert stylische,
durchkomponierte Bilder und die mehr als Liebes- denn als Gangstergeschichte der ruhigen Art zu bezeichnende
Handlung hat durchaus ihre fesselnden Momente. Nicht von ungefähr erinnert der zurückhaltende Soundtrack
an die Serie "Gomorrha", stammt er doch vom gleichen Komponisten.
"Ohne jede Gnade" ist ein schönes Beispiel für das neuere italienische Kino.
6,5/10