Die Barbaren - Ruggero Deodato (1987)

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Moderator: jogiwan

Re: Die Barbaren - Ruggero Deodato

Beitragvon jogiwan » 17. Feb 2013, 11:09

Lustiger Big-Budget-Trash von Ruggeor Deodato mit zwei hoffnungslos überforderten Hauptdarstellern, die sich grunzend und mit weiblichen Aufputz durch ein bizarres und quietschbuntes Vorzeit-Szenaria schlägern. Obwohl der Streifen irgendwie schon ein bissl doof ist, hat "Die Barbaren" aber einen immensen Unterhaltungswert und bietet die richtige Mischung aus Humor, Gore und liebenswerten Nonsens. Besonders hervorzuheben ist dabei sicherilch die Szene im (!) Drachen, die man so wohl nur in einem italienischen Film bringen kann. Der Action-Fans in den Achtzigern konnte mit dem humorvollen Werk wohl eher weniger anfangen und für die Paul-Brüder und ihre fragwürdige Leistung gabs sogar eine Nominierung für die "goldene Himbeere". Heutzutage fällt sowas dann auch eher unter die Kategorie "Partyfilm" und wird auch dementsprechend abgefeiert. Dank bekannter Gesichter wie Richard Lynch und Michael Berryman, lustigen Einfällen und gelungener Umsetzung kommt der Kracher aber auf jeden Fall in meine persönliche Barbaren Top 3. Spaßig!
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Re: Die Barbaren - Ruggero Deodato

Beitragvon jogiwan » 9. Apr 2014, 17:51

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In jungen Jahren werden die beiden ausgesetzten Zwillinge Kutchek (Peter Paul) und Gore (David Paul) von der gütigen Königin Canary (Virginia Bryant) vom fahrenden Volk der Ragniks adoptiert, die dank der Zauberkraft eines mächtigen Rubins in rauen Urzeiten als Gaukler, Musiker und Geschichtenerzähler für Frieden sorgen. Als der dunkle Fürst Kadar (Richard Lynch) in den Besitz des Edelsteines kommen möchte, hetzt er die Gaukler und Musiker entgegen den Gesetzen in einen Hinterhalt, während Canary jedoch schon längst dafür gesorgt hat, dass der Rubin an einem entfernten Ort vor den bösen Kriegern in Sicherheit gebracht wird.

Ohne Zauberstein kann Canary jedoch ihr Volk und sich selbst nicht mehr beschützen und als sie von Kadars Männern niedergestoßen und mit dem Tod bedroht wird, werfen sich die kleinen Zwillinge mutig vor ihre Königin. Als Kadar befiehlt, die Beiden an Ort und Stelle zu töten, nötigt Canary dem finsteren Fürsten überraschend ein Versprechen ab. Sie begibt sich ohne Gegenwehr in die Gefangenschaft von Kadar, während sich dieser verpflichtet, Kutchek und Gore am Leben zu lassen und auch in weiterer Folge nicht von seinen Männern töten zu lassen. Dieser willigt ein und lässt die hübsche Königin auch in sein Schloss bringen, wo diese in einem Käfig gehalten wird.

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Die Jahre vergehen und während Canary fortan im Kadars Harem ihr Dasein fristet, schmiedet dieser bereits einen finsteren Plan und lässt die Zwillinge an unterschiedliche Orte bringen, um diese getrennt voneinander bis zur Erschöpfung schuften zu lassen um sie danach zu barbarischen Kriegern heranzubilden. Der Plan scheint auch aufzugehen und als die Beiden zu stattlichen Männern herangewachsen sind, haben diese einander auch schon fast vergessen und sind hasserfüllte Kampfmaschinen geworden. Dieses ändert sich jedoch schlagartig, als sich Kutchek (Peter Paul) und Gore (David Paul) eines Tages in einer Kampfarena gegenüberstehen, wo sie sich mit Schwertern und Äxten gegenseitig töten sollen.

Nach einer Schrecksekunde, in der sich beide ihrer gemeinsamen Herkunft besinnen und die Waffen niederlegen, gelingt ihnen die Flucht und sie kehren zu den verbliebenen Ragniks zurück, die ohne Zauberkraft und Canarys Führung versteckt in den Wäldern müssen. Als diese mitsamt der durchtriebenen Ismene von den ehemaligen und misstrauischen Gefährten gefangengenommen werden, fassen die Zwillinge den Entschluss Canary zu retten und mit Hilfe des Rubins die alte Ordnung wieder herzustellen. Gemeinsam machen sich Kutchek und Gore mit der spitzbübischen Ismene auf den Weg zu einer abenteuerlichen Reise auf, die sie mit bösen Mächten, Drachen und finsteren Kriegern und letzten Endes auch mit Kadar konfrontiert, der seinerseits mit den Beiden noch eine Rechnung offen hat.

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Im Jahre 1987 realisierte Regisseur Ruggero Deodato mit „The Barbarians“ und in amerikanisch-italienischer Co-Produktion seinen kurzweiligen und ganz eigenen Beitrag zum Barbaren-Genre, der auch aufgrund seines Budgets und Ausrichtung auf den internationalen Markt eine Ausnahmestellung bei den italienischen Barbarenfilmen einnimmt. Mit dem größten Budget seiner gesamten Laufbahn, bekannten Gesichtern, einem Muskel-bepackten Zwillings-Duo und offensichtlich auch sehr viel Enthusiasmus im Gepäck schuf Deodato eine waschechte und aufsehenerregende Party-Granate, die zweifelsfrei zu den ganz großen Werken gehört, die jemals in diesem Genre gedreht wurden. „Die Barbaren“ ist zwar seinerzeit weit hinter den eigentlichen Erwartungen der Produktionsfirma zurückgeblieben und heutzutage würde man wohl in kaufmännischer Hinsicht von einem Flop sprechen und dennoch hat sich der Streifen über die Jahre eine große Fanbase erarbeitet, die der durchaus etwas ungewöhnlichen Mischung aus düsterer Barbaren-Action, farbenfrohen Zirkusspektakel und schelmischen Humor zum Glück auch mehr zu schätzen wissen, als das seinerzeit ausgebliebene Kinopublikum.

Deodatos Streifen nach einer Geschichte von James R. Silke greift ja nach „Gunan“ noch einmal die durchaus brisante Zwillings-Thematik auf, wobei im Falle von „Die Barbaren“ auch eher der Zusammenhalt, als das Konkurrenzdenken eine Rolle spielt. Die wie üblich recht einfach gezimmerte Story ist ja auch voll und ganz auf die eineiigen Bodybuilder-Zwillinge Peter und David Paul zugeschnitten, denen offensichtlich auch durchaus bewusst war, dass sie niemals einen Oscar bekommen werden. Wenn die schauspielerischen Fähigkeiten nicht mehr ausreichen, werden ja kurzerhand Grunz-Laute aus dem Ärmel geschüttelt und es ist wenig verwunderlich, dass die Beiden für ihre zweifelhaften und dennoch durchaus selbstironischen Leistungen auch für die goldene Himbeere nominiert wurden.

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Im Vergleich zu anderen Barbaren-Streifen ist hier eindeutig zu sehen, dass mit einer größeren Filmfirma im Rücken und 4 Million US-Dollar auch ein recht stattliches Budget zur Verfügung stand, welches größtenteils wohl in die Ausstattung geflossen ist. Statt billiger Wald und Wiesen-Optik, schlechten Effekten und in Fell gehüllten Statisten, die man an zwei Händen abzählen kann, gibt es hier ja auch aufwendige Studiobauten, gelungene Tricks und jede Menge Komparsen in entsprechenden Kostümen, die den Streifen auch so schon aus der Masse vergleichbarer Werke herausstechen lassen. Zwar wirken manche Szenen doch arg trashig und ernstnehmen sollte man das spaßige Werk auch zu keiner Sekunden und dennoch ist es irgendwie verwunderlich, dass die kurzweilige Mischung aus B-Action, Fantasie-Spaß und Barbaren-Klopper im Doppelpack kein Hit an der Kinokasse geworden ist.

Dabei hat Deodato neben seinen Zwillingen auch eine illustre Schar an interessanten Schauspielern vor seiner Kamera versammeln können. So gibt es einen wie üblich ziemlich gruseligen Richard Lynch als dunklen Fürst Kadar, der zuvor schon in Deotatos „Cut & Run“ zu sehen war. Gleiches trifft auch auf Michael Berryman zu, der hier den sadistischen Kerkermeister macht, der nach Herzenslust andere Menschen quälen darf. Das italophile Herz wird durch kurze Gastauftritte von George Eastman und Nello Pazzafina ebenfalls freudig gestimmt und auf weiblichen Seite punktet Eva La Rue („CSI Miami“) und die hübsche Virginia Bryant, die ein Jahr zuvor auch in Lamberto Bavas zweiten Teil seiner Dämonen-Sause zu sehen war, die hierzulande irreführenderweise als Teil 1 vermarktet wurde. Generell machen alle ihre Sache recht gut und auch wenn die beiden Hauptdarsteller sichtlich überfordert sind, so hatten wohl alle bei den Dreharbeiten großen Spaß.

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Obwohl sich der Streifen in Fankreisen großer Beliebtheit erfreut und neben Kinoeinsatz auch schon ein paar Mal gekürzt im Free-TV gelaufen ist, lässt eine offizielle und ungekürzte DVD- oder Blu-Ray-Veröffentlichung noch immer auf sich warten. Selbst beim seinerzeit angepeilten amerikanischen Markt vermisst man augenscheinlich eine offizielle DVD-VÖ und wer sich den Streifen legal und ungekürzt ins Regal stellen mag, bleibt derzeit wohl nur der Weg zur italienischen Ausgabe, die jedoch nur die englische Originalfassung, samt italienischer Synchro an Bord hat. Auch hier wäre eine deutsche Uncut-Veröffentlichung auf Silberling nicht nur wünschenswert, sondern auch schon längst überfällig und es bleibt zu hoffen, dass sich irgendwann einmal ein Label dementsprechend erbarmt.

„Die Barbaren“ zählt neben „Er – Stärker als Feuer und Eisen“ und „Yor“ sicherlich zu den unterhaltsamsten und kurzweiligsten Beiträgen zum italienischen Barbaren-Genre, der mit jeder Menge Witz und Tempo, erinnerungswürdigen Momenten und den beiden durchgeknallten Paul-Brüdern glänzen kann. Deodatos Action-Wundertüte ist zwar aufgrund seines großen Budgets und Blockbuster-Qualitäten sicher der kommerziellste und Massen-tauglichste Vertreter der hier besprochenen Werke, dass herrlich selbstironisch und überzeichnet daherkommt, sodass man dem Werk seine bisweilen holprige Erzählweise gerne verzeiht. Ein wunderbar unterhaltsamer Partyfilm für große Kinder und humorvolle Menschen, in dem sämtliche Register gezogen werden und der dank spaßiger Einfälle und launiger Darsteller auch knappt ein Vierteljahrhundert nach seinem ursprünglichen Erscheinen dem aufgeschlossenen Zuschauer und Italo-Freund noch immer viel Freude bereitet.

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Re: Die Barbaren - Ruggero Deodato

Beitragvon Theoretiker » 9. Apr 2014, 18:25

"Die Barbaren" finde ich überaus unterhaltsam, verhältnismäßig hohes Budget, witzige Charaktere, teils ansehnliche Mädels, gefällige Action.

Leider gibt es bei uns ja nur ein Bootleg, vllt. kommt aber ja noch einmal eine vernünftige VÖ.
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Re: Die Barbaren - Ruggero Deodato

Beitragvon purgatorio » 9. Apr 2014, 18:45

hui, das weckt aber Interesse :sabber: Danke für die schöne und umfangreiche Besprechung, Jogi! :thup:
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Re: Die Barbaren - Ruggero Deodato

Beitragvon jogiwan » 9. Apr 2014, 19:05

der ist auch sehr unterhaltsam: ein kunterbuntes Fantasie-Spektakel für die ganze Familie ;)
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Re: Die Barbaren - Ruggero Deodato

Beitragvon Captain Blitz » 10. Apr 2014, 09:06

Ich liebe diesen Film und finde ihn so herrlich trashig und bescheuert. :D Gibt es davon eine vernünftige VÖ?
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Re: Die Barbaren - Ruggero Deodato

Beitragvon Theoretiker » 10. Apr 2014, 18:22

Captain Blitz hat geschrieben:Ich liebe diesen Film und finde ihn so herrlich trashig und bescheuert. :D Gibt es davon eine vernünftige VÖ?


Leider nur eine Bootleg.
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Re: Die Barbaren - Ruggero Deodato

Beitragvon Captain Blitz » 11. Apr 2014, 09:02

Theoretiker hat geschrieben:
Captain Blitz hat geschrieben:Ich liebe diesen Film und finde ihn so herrlich trashig und bescheuert. :D Gibt es davon eine vernünftige VÖ?


Leider nur eine Bootleg.


Hatte ich befürchtet, das im Cannon-Design?
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Re: Die Barbaren - Ruggero Deodato

Beitragvon Theoretiker » 1. Jun 2016, 19:23

Da scheint was von Koch in Planung zu sein, das wäre natürlich grandios! :nick:

Link: http://www.bluray-disc.de/blu-ray-filme ... u-ray-disc
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Re: Die Barbaren - Ruggero Deodato (1987)

Beitragvon Adalmar » 1. Jun 2016, 21:39

Das wäre toll. Will den schon lange mal sehen. Was mir nicht gefällt, ist, dass Koch jetzt anscheinend so gut wie jeden Genrefilm vergangener Jahrzehnte für 30 EUR als Mediabook rausbringt.
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