Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

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Moderator: jogiwan

Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 29. Mär 2014, 18:10

Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

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Das italienische Genre-Kino bietet eine ganze Reihe von interessanten Strömungen, die seit Ende der Fünfziger die Filmwelt um einiges vielfältiger machen und zahlreiche Sammlungen weltweiter Filmfans wäre ohne packende Sandalenfilme, staubige Spaghetti-Western, Gothic-Horror und den sogenannten Gialli wohl nur halb so bunt. Auch Zombie- und Kannibalenfilme, sowie die Verstrickungen von Macht und Gewalt in politischen Poliziescos und anderen Dramen im Spannungsfeld von Sex und Gewalt sind auch dem Bewusstsein des aufgeschlossenen Filmfans nicht mehr wegzudenken und neben den kultigen Komödien von Bud Spencer und Terence Hill, Schottergruben-Endzeitfilmen und Action-Gülle, erfreuen sich selbst die unzähligen „Mondo“-Filmchen, die unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Aufklärung seit jeher aber eher die niedrigen Instinkte des interessierten Publikums bedienen, noch immer großer Beliebtheit.

Die Filmlandschaft des Land des Stiefels zeichnet sich neben vielen anderen Facetten aber auch die Tatsache aus, dass zahlreiche Filmemacher und ein durchaus etwas zweifelhafter Umgang mit Urheberrechten und Ideen das sogenannte Plagiatskino salonfähig machten, welches sich recht unverhohlen am Erfolg ausländischer Werke orientierte. Waren es zu Beginn noch Sandalen-Filme, die durch amerikanische Historienfilme beeinflusst waren, gab es später mit zahlreichen Western aus italienischer Produktion auch Ergebnisse, die nach Meinung nicht weniger Fans ihre Inspirationsquellen in Punkto Kreativität sogar noch zu übertrumpfen vermochten. Bis in die Siebziger bereicherten auch eher die kreativen Geister die Branche, bis sich dann die „Handwerker“ in der italienischen Filmlandschaft breitmachten, die kostengünstig und im Akkord ihre Werke produzierten und mit ihren oftmals recht uninspiriert erscheinenden Werke auch ihren Beitrag zum kreativen und finanziellen Niedergang der italienischen Filmwirtschaft beigetragen haben.

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Der wirtschaftliche Erfolg zumeist ausländischer Filme war seit Anfang der Achtziger die Grundlage für italienische Werke, die im Akkord produziert wurden und die zahllosen Filmemacher kopierten und übertrumpften sich gegenseitig und schufen Werke, die wohl die Vorstufe zu dem darstellten, was Produktionsstätten wie „Asylum“ heutzutage aus dem Ärmel schütteln. So wären Fulcis Zombie-Werke ohne Romeros „Dawn of the Dead“ ebenso undenkbar, wie die ganzen Schottergruben-Endzeitstreifen ohne den Erfolg der australischen „Mad-Max“-Reihe. Ciro Ippolitos schundiger „Alien – Die Saat des Grauens kehrt zurück“ hätte ohne Ridley Scotts namensgebenden Klassiker niemals das Licht einer breiten Öffentlichkeit erblickt und auch Enzo G. Castellari hätte seinen Tier-Horror-Streifen „Der weiße Killer“ wohl ebenfalls ohne dem weltweiten Erfolg von Spielbergs „Der Weiße Hai“ niemals gedreht.

Diese Beispiele ließen sich jetzt beliebig lange mit den unterschiedlichsten Filmen fortführen und auch die ganze Kiste der italienischen Barbaren-Films wäre ohne den 1982 von John Milius gedrehten Low-Fantasy-Streifen mit dem Titel „Conan der Barbar“ und Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle wohl niemals entstanden. Ausgehend von dessen weltweiten Erfolg entstanden in den Jahren 1982 – 1990 zwölf ähnlich gelagerte Werke aus der Hand neun unterschiedlichen Regisseure, die dem Genres des archaischen anmutenden Barbaren-Films ihren jeweils ganz eigenen Stempel aufdrücken. Die Bandbreite reicht dabei vom billigen Imitat, bis hin zum eigenständigen Werk und zwischen Humor, Surrealismus und Brachialgewalt ist so ziemlich alles zu finden, was das Genre hergibt.

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So drehte Franco Prosperi („Verflucht zu töten“) mit „Gunan il Guerriero“ im Jahre 1982 den ersten Streifen, der sich recht dreist an „Conan“ bedient und dabei in allen Belangen doch recht unterdurchschnittlich daherkommt. Mit „Ator – Herr des Feuers“ folgte wenig später der humorvoll-trashige und wesentlich unterhaltsamere Beitrag von Joe D’Amato, der in den Jahren darauf noch zweimal die Regie bei derartigen Werken übernahm. Doch auch weitere Regisseure wie Michele Massimo Tarantino („Ausgestossen – Nackte Gewalt im Fraugengefängnis“), Tonino Ricci („Rush“) und auch Ruggero Deodatto („Cannibal Holochaust“) und Antonio Margheriti ließen es sich nicht nehmen, urzeitliche Helden im barbarischen Ambiente zu inszenieren. Dabei wird es mit den Genre-Grenzen oftmals auch nicht so eng gesehen und vom Ausflug in surrealistische Gefilde, Videoclip-Ästhetik bis hin zu Sci-Fi ist für jeden abseitigen Geschmack etwas dabei.

Obwohl sich der italienische Genre-Film in Fankreisen noch immer großer Beliebtheit erfreut und durch Regisseure wie Quentin Tarantino, Roberto Rodriguez und Konsorten auch wieder vermehrt in den Fokus von nachfolgenden Filmfan-Generationen gerückt wird, sind es aber vor allem die italienischen Barbaren-Filme, die selbst heutzutage noch auf wenig Gegenliebe stoßen. Selbst geeichte Trashologen winken ab, wenn die Sprache auf solche Werke kommt und schöne Veröffentlichungen lassen mangels entsprechender Fanbase ebenfalls auf sich warten. Und so ist es leider Fakt, das der italienische Barbarenfilm auch dank desaströser Bewertungen auf diversen Filmseiten und Nachschlagewerken seit Jahrzehnten eher ein bescheidenes Schattendasein fristet, geschmäht wird und mit wenigen und vorwiegend negativen Ausnahmen auch kaum größere Beachtung findet.

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Dem schlechten und oftmals ungerechtfertigten Image italienischer Barbaren-Werke soll nun ein wenig entgegen gewirkt werden und das nachfolgende Special beleuchtet jeden dieser zwölf Filme und bietet einen kleinen Über- und Einblick in die Welt der heroischen Barbaren, dunkeln Mythen, böser Hexen und Zauberer und urzeitlicher Flora und Fauna, wie sie wohl nur in Italien entstehen konnte. Zwölf unterschiedlich unterhaltsame Werke mit mutigen Kriegern, kämpferischen Amazonen und schrecklichen Herrschern, die von humorvoll, trashig bis düster und brutal auch die gesamte Bandbreite des Genres und noch viel mehr widerspiegeln und die hier und in den jeweiligen Freds in den nächsten Tagen mit massig Bildern vorgestellt werden. Willkommen in der Welt des ledernen Lendenschurzes, der blanken Schwerter, geölten Muckis, Fell-Patschen und Langhaarperücken – willkommen in der Welt des italienischen Barbarenfilms!

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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 29. Mär 2014, 18:21

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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon Theoretiker » 29. Mär 2014, 18:26

Man muss schon ein echtes Faible für auf der grünen Wiese gedrehten No-Budget-Trash haben, um diese Filme unterhaltsam zu finden.

Bislang fand ich von den gesehenen nur zwei erträglich, der originelle "Einer gegen das Imperium" und vor allem "Die Barbaren". Wäre toll, wenn letzterer mal eine vernünftige VÖ bekommen würde, die wäre sofort gekauft.
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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon purgatorio » 29. Mär 2014, 19:28

Klasse Jogi, wieder ordentlich ausführlich die Tastatur gequält :thup:

Ich hoffe ja, dass ich mich ATOR II und THRONE OF FIRE den Bodensatz jetzt durch habe. Kann ja nur noch besser werden :mrgreen: EINER GEGEN DAS IMPERIUM ist da ja schon ein filmisches Kunstwerk :nick: 8-)
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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon DrDjangoMD » 29. Mär 2014, 19:29

jogiwan hat geschrieben:Dem schlechten und oftmals ungerechtfertigten Image italienischer Barbaren-Werke soll nun ein wenig entgegen gewirkt werden


Danke für den wundervollen Text, Jogi! Großartig wie du dich für dieses prächtige Genre einsetzt :prost:

Theoretiker hat geschrieben:Man muss schon ein echtes Faible für auf der grünen Wiese gedrehten No-Budget-Trash haben, um diese Filme unterhaltsam zu finden.

Bislang fand ich von den gesehenen nur zwei erträglich, der originelle "Einer gegen das Imperium" und vor allem "Die Barbaren". Wäre toll, wenn letzterer mal eine vernünftige VÖ bekommen würde, die wäre sofort gekauft.


Dann hab ich wohl so ein Faible. Natürlich gehören "Die Barbaren" und "Einer gegen das Imperium" zu den Highlights, "Iron Warrior" und "Conquest" haben mir auch extrem großen Spaß gemacht und über alle anderen ist "erträglich" das Mindeste, was ich über sie sagen kann. Also mir gefällt das Barbaren-Genre schon sehr. :D
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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon DrDjangoMD » 29. Mär 2014, 19:30

purgatorio hat geschrieben:EINER GEGEN DAS IMPERIUM ist da ja schon ein filmisches Kunstwerk :nick: 8-)


Unser Purgschi hat's erfasst! :prost:
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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon FarfallaInsanguinata » 29. Mär 2014, 19:35

Bekenne mich schuldig. :oops:
Obwohl ein Bekannter mal die Meinung vertrat, Barbarenfilme wären genauso gut wie Endzeitfilme, nur eben auf dem entgegengesetzten Ende der Zeitskala, habe ich mich da bis heute nicht rangetraut. Lediglich "Conquest" hatte ich mir mal geschnappt wegen a. Fulci und b. Sabrina Siani, aber war ziemlich enttäuscht. Sogar so sehr, dass ich ihn nicht einmal behalten habe.

Aber vielleicht sollte ich die Lücken in meiner "Filmbildung" endlich schließen. Dein Text liest sich so schön, dass er fast neugierig macht, jogi. ;)
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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 29. Mär 2014, 19:37

ach, da gibts ein paar ganz Spassige und eigentlich hat mir nur einer so überhaupt nicht gefallen - allen anderen konnte ich durchaus etwas abgewinnen und sei es auf der Trashskala. Highlights sind aber ebenfalls vorhanden und "Einer gegen das Imperium" ist definitiv eines davon! :nick:
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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 30. Mär 2014, 08:09

01 Gunan – König der Barbaren

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Originaltitel: Gunan il Guerriero

Alternativtitel: Gunan, King of the Barbarians / The Invincible Barbarian / Mervians Sohn

Regie: Francesco Prosperi

VÖ: 09.09.1982 (Italien)

Darsteller: Pietro Torrisi, Diana Roy, David Jenkins, Lucky Aras, Philip Banks

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Durch eine göttliche Weissagung erfährt der grausame Herrscher Nuriak (Emilio Messina), dass ihn eines Tages ein Krieger vom friedlichen Stamm der Sidan ermorden und sein Schreckensregiment ein für alle Mal beenden wird. Um seinen Sturz zu verhindern beschließt Nuriak daher in weiser Voraussicht, alle Männer und Frauen vom Stamme Sidans zu ermorden und überfällt auch das Dorf, in dem Mina gerade Zwillinge zur Welt gebracht hat. Deren Gatte Damien stellt sich der Übermacht feindlicher Krieger in den Weg und fällt am Schlachtfeld, während es Minas Hebamme im Trubel gelingt, mit den beiden Kindern und vollkommen entkräftet zu einem Amazonen-Stamm zu flüchten, wo die beiden Kinder daraufhin aufgezogen werden.

Die Jahre vergehen und aus den beiden Kindern sind stattliche Krieger geworden, die von den Amazonen auch im Kampf trainiert werden. Da jedoch in der Prophezeiung nur von einem Kind die Rede war, wächst neben dem auserwählten Gunan (Pietro Torrisi ) auch noch sein namensloser Zwillingsbruder (Giovanni Cianfriglia) heran, der wenig davon begeistert ist, dass die Götter schlicht und ergreifend auf ihn vergessen haben. Immer wieder kommt es zum Konkurrenzkampf der Beiden und die Zauberin Marga (Malisa Longo) beschließt, die beiden in einem Wettkampf auf Leben und Tod zu fordern um den Gewinner das Zeichen der Götter in Form eines Anhängers und endgültig den Namen Gunan zu geben.

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Doch auch diesen Kampf entscheidet der ursprüngliche Gunan für sich, der seinen unglücklichen und gedemütigten Bruder jedoch entgegen den Regeln des Wettbewerbes am Leben lässt. Dieser entpuppt sich jedoch als schlechter Verlierer, stiehlt in der Nacht den Anhänger der Götter und macht sich auf den Weg um den Mord seiner Eltern zu rächen. Nuriak ist jedoch schon längst selbst auf der Suche nach Gunan und ermordet seinen vermeintlichen Widersacher, ohne zu wissen, dass es sich dabei um dessen Zwillingsbruder handelt. Als der richtige Gunan die Fährte seines Bruders verfolgt, findet er dieser ermordet und auch er schwört bittere Rache an Nuriak und seinen Männern. In der kurz darauf folgenden Konfrontation mit dem Tyrannen wird Gunan jedoch verletzt und kann sich nur mit Mühe zurück zu den Amazonen flüchten.

Dort trifft der mutige und nach einer Zeit wieder von seinen Verletzungen erholte Krieger auf die hübsche Sklavin Lena (Sabrina Siani), die von den Amazonen zum Zwecke des Gebärens von weiblichem Nachwuchs gekauft wurde. Gunan verliebt sich zum Missfallen von Marga in das hübsche Mädchen und rettet seine Freundin kurze Zeit später auch aus den Händen von gewaltbereiten Wegelagerern. Doch das junge Glück wird bedroht, als auch die verschmähte Marga beschließt, die Liebe der Beiden zu sabotieren und Lena in die Hände von Nuriaks Krieger ausliefert. Als sich Gunan daraufhin auf den Weg macht um seine Geliebte zu befreien, wird dieser bereits von den feindlichen Kriegern erwartet und es kommt erneut zu einer weiteren Konfrontation auf Leben und Tod.

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Nach dem überraschenden und weltweiten Erfolg von John Milius‘ „Conan der Barbar“ mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Italiener ebenfalls auf den Barbaren-Zug aufspringen würden, um am gesteigerten Publikumsinteresse auch noch ein paar Lira zu verdienen. „Gunan – König der Barbaren“ hat ja nicht nur phonetische Ähnlichkeiten zum großen Vorbild, sondern kopiert auch als der erste Italienische Barbaren-Film recht dreist das amerikanische Original und lässt statt einem in die Staaten ausgewanderten Ösi-Bodybuilder den Sandalenfilm-erprobten Pietro Torrisi als mächtiger Krieger durch eine urzeitliche Welt bzw. einen Streifen mit recht simpler Rachestory stampfen.

Das Lexikon des Fantastischen Films urteilte im Jahre 1986 wenig wohlwollend über den Film und bezeichnete „Gunan“ auch als „plattes und ziemlich einfältiges Plagiat“, welches jedoch „noch dümmer“ als die Vorlage sei und gar so viel Mühe hat man sich in der Eile wohl auch nicht gemacht, sodass „Gunan“ auch in Punkto Ausstattung nicht wirklich mit den bekannteren Werken des Genres mithalten kann. Auch die aus der Vorlage kopierte Geschichte wirkt noch simpler gestrickt und abgesehen von Zeitsprüngen immenser Natur wartet „Gunan“ dann auch noch mit dem inflationären Gebrauch von Zeitlupen-Sequenzen auf, die wohl dazu gebraucht wurden, um den kostengünstig entstandenen Streifen auf Spielfilmlänge zu strecken.

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Die ständige Zeitlupe empfand ich dann mit zunehmender Laufzeit eher nervig und auch die zahlreichen Kämpfe sind im Vergleich zu den restlichen Genre-Vertretern mehr als mau und lieblos inszeniert. Zwar hat „Gunan“ ein großes Schwert, welches jedoch zum überwiegenden Teil eher als Schlaginstrument eingesetzt wird. Die Bösewichte gehen ja nach kurzem Kontakt bereits theatralisch zu Boden und blutige Details gibt’s ebenfalls nur in Ausnahmefällen zu sehen. Und wenn, dann sind diese wie im Finale meist auch noch sehr schlecht getrickst, sodass die relativ hohe Freigabe hierzulande auch in keiner Weise gerechtfertigt ist. Generell hat sich hier keiner der Beteiligten vor oder hinter den naturbelassenen Kulissen mit Ruhm bekleckert, auch wenn man sich bei einem derartigen und rasch heruntergekurbelten Plagiat wohl auch nichts anderes erwartet.

„Gunan“-Darsteller Pietro Torrisi konnte zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits auf eine bewegte und längere Filmkarriere als Darsteller und Stuntman zurückblicken und bringt als Bodybuilder und Gewichtheber auch die idealen physischen Voraussetzungen für eine derartige Rolle mit. So spielte Torrisi auch mehrfach an der Seite von Bud Spencer, in zahlreichen Sandalenfilmen und Western und selbst Fellini hat seine Dienste beansprucht. Seine Darstellung des Barbaren unter dem klingendem Pseudonym „Peter McCoy“ war dann auch so gelungen, dass der werte Herr in „Das Schwert der Barbaren“ und „Throne of Fire“ gleich nochmals in Perücke und Lederlendenschurz schlüpfen und an der Seite der bezaubernden Sabrina Siani agieren durfte.

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In der Rolle der eifersüchtigen Zauberin Marga, die wahlweise wohlgesonnen oder feindselig agiert, gibt es Malisa Longo zu sehen, die ein Jahr später auch in „Thor – Der unbesiegbare Barbar“ eine eher undankbare Rolle hatte. Eine Gemeinsamkeit, die sie mit Giovanni Cianfriglia teilt, der ebenfalls in Riccis Barbaren-Gurke zu sehen ist und hier den namenlosen Zwillingsbruder eindrucksvoll verkörpert. Die bereits erwähnte Sabrina Siani ist hübsch wie immer rundet den Cast des Streifens recht harmonisch ab und agiert wie üblich recht freizügig und darf sich gleich mehrmals von ihren „Gunan“ aus der Hand feindseliger Kräfte retten lassen.

Die DVD aus dem Hause Voulez Vous/Intergroove ist ebenfalls keine Offenbarung für den Fan und bringt den urzeitlichen Helden ist mäßiger Qualität und offenkundig auch noch im falschen Bildformat auf die Bildschirme. Links und rechts fehlt ja immer ein bisschen und da Prosperi gerne auch mal wichtige Details seiner Geschichte an den Rand packt, kann man manche Dinge auch nur erahnen. Ob die bisherigen VHS-Veröffentlichungen im deutschsprachigen Raum da besser gelungen sind, kann ich mangels Kenntnis nicht beurteilen. Neben dem deutschen Trailer, gibt es zwar mit „Ator II“ noch einen Bonusfilm, aber und auch noch eine kurze Bildergalerie, weiteres Material ist aber nicht vorhanden.

Unterm Strich ist „Gunan – König der Barbaren“ dann auch ein eher mäßig gelungenes Filmchen, das nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass es nur deshalb produziert wurde, um am Erfolg des „Conan“-Filmes ein klein wenig mitzunehmen. Dem großen Vorbild ist das rasch realisierte Werk aber in jeder Hinsicht unterlegen und im Vergleich zu den unterhaltsamen Kalibern wie „Yor“ oder „Er – Stärker als Feuer und Eisen“ ist „Gunan“ trotz passablen Titelhelden und einer hübschen Sabrina Siani ein eher unterdurchschnittliches und lahmes Vergnügen, dessen filmhistorische Relevanz eher darin besteht, der finanziell einträgliche Auftakt eines eigenen Genres im italienischen Genrefilm zu sein, welches in den Jahren darauf für den aufgeschlossenen Fan noch ein paar Kracher ablieferte.

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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 31. Mär 2014, 11:34

02 Ator – Herr des Feuers

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Originaltitel: Ator l'Invincibile

Alternativtitel: Ator - Der Barbar / Ator, l'aquila battante / Ator, the Fighting Eagle

Regie: Joe D'Amato

VÖ: 07.10.1982

Darsteller: Miles O'Keeffe, Sabrina Siani, Ritza Brown, Edmund Purdom, Dakar

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Laut einer Weissagung soll der Sohn des Torns eines fernen Tages die Herrschaft des großen Geistes beenden und das geknechtete Land von der unterdrückenden Macht der Spinne befreien. Damit es aber nicht so weit kommt und die bisherigen Machtverhältnisse gewahrt bleiben, befiehlt der böse Hohepriester (Dakar) seinen Kriegern in einer schicksalhaften Nacht, alle Neugeborenen des Landes zu töten um auf diese Weise die Prophezeiung zu untergraben.

Dem abtrünnigen Kämpfer Kriba (Edmund Purdom) gelingt es jedoch das besagte Baby in einem entfernten Dorf zu einer Pflegefamilie zu bringen, wo dieser über die Jahre zu einem stattlichen Mann heranwächst, der nichts von seinem vorbestimmten Schicksal ahnt. Als sich Ator (Miles O’Keeffe) jedoch in seine Schwester Sun (Ritza Brown) verliebt und daraufhin gefühlstechnisch verwirrt den Rat seines vermeintlichen Vaters sucht, offenbart dieser dessen ungeklärte Herkunft und die Eltern beschließen, einer Vermählung der Beiden zuzustimmen.

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Das gesamte Dorf versammelt sich für die Hochzeitszeremonie der Beiden, als diese unerwartet von schwarzen Rittern der Spinne gestört wird, da der Hohepriester auch Kriba in dem Dorf vermutet. Ator wird niedergeschlagen und muss hilflos mitansehen, wie seine Pflegeeltern ermordet werden, Sun entführt wird und schwört bittere Rache. Er macht sich auf dem Weg zum entfernten Königreich der Spinne um seine Liebste zurückzuholen und trifft dabei auf Kriba, der ihm seine wahre Bestimmung verrät und in der Zeit danach zu einem Krieger ausbildet, der seinem Schicksal auch gewachsen ist.

Kurz nachdem die anstrengende Ausbildung abgeschlossen ist und Ator in Begleitung eines kleinen Bären seine weite Reise beginnt, wird er auch schon von Amazonen gefangengenommen und trifft dort zum zweiten Mal auf die hübsche Roon (Sabrina Siani), die dem jungen Krieger wenig später zur Flucht vor dem sicheren Tod verhilft. Die beiden schließen sich zusammen, da es Roon auf den Schatz der Spinne abgesehen hat und die beiden begeben sich auf eine gefährliche Reise, die die Beidem mit bösen Hexen, Trugbildern, untoten Kriegern und weiteren Monstern konfrontiert…

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Neben Franco Prosperi und seinem billig produzierten Wald- und Wiesen-„Conan“-Plagiat mit dem Titel „Gunan“ war Joe D’Amato einer der ersten Regisseure aus Italien, die Anfang der Achtziger dem gesteigerten Publikumsinteresse an Barbaren mit einem eigenen Werk Rechnung getragen hat. Sein unterhaltsamer Beitrag mit dem Titel „Ator“, der wenig später sogar eine Fortsetzung erhielt, bietet ja nicht nur eine nette Variation des erfolgreichen Vorbilds, sondern überrascht den aufgeschlossenen Fan auch mit einer halbwegs flotten Inszenierung, humorvoll-trashigen Einfällen, einem sympathischen Cast mit Laura Gemser und Edmund Purdom, sowie einem sichtlich überforderten Miles O’Keeffe als hölzerner Diskont-Schwarzenegger.

Im Gegensatz zu weitläufigen Vorurteilen und bösen Zungen ist D’Amato, der sich hier auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, ja auch ein recht gelungener Vertreter des Barbarenfilms gelungen, der zwar schon sehr trashig um die Ecke biegt, aber auf der anderen Seite auch sehr unterhaltsam und überraschend augenzwinkernd ausgefallen ist. Im Vergleich zu anderen Werken hat man sich bei „Ator – Herr des Feuers“ ja auch richtig Mühe gegeben und hat die herkömmliche Geschichte über Schicksal und Rache mit sympathischen Figuren und gipfelt alles mit einem fulminanten Showdown, in dem nicht nur Arachnophobiker auf ihre Kosten kommen.

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Zwar ist es schon zu erahnen, dass nur ein begrenztes Budget zur Verfügung steht, aber D’Amato und seine Leutchen geben sich redliche Mühe, dieses mit allerlei Ideenreichtum und sonstigen Dingen zu verstecken. So gibt es nicht nur hübsche Locations, die sogar etwas wie historischen Charme ausstrahlen, sondern auch noch zahlreiche Komparsen, die nicht so aussehen und agieren, als wären sie gerade von von einer Steinzeit-Motto-Party gekidnappt worden. Auch in Punkto Schwertkampf bietet „Ator – Herr des Feuers“ solide Choreografien und selbst die Geschichte, die oftmals den Schwachpunkt derartiger Werke ist, kann sich im Falle von Ator durchaus sehen lassen.

Ist es im Falle von John Milius und dessen „Conan“ ein Schlangenkultführer, der ein Dorf niedermetzeln lässt, so ist es bei D’Amato ein ominöser Hohepriester eines Spinnenkultes, der die Eltern unseres Protagonisten auf dem Gewissen hat. Dieser schwört natürlich Rache und ahnt gar nicht, dass die Vorsehung ohnehin noch große Pläne mit dem Krieger vorhat. Später mischt dann auch noch eine Hexe und untote Krieger im Geschehen mit und nur mit Hilfe eines etwas zwielichtigen Kriegers und einer materialistischen Amazone gelingt es unserem Helden zahlreiche Abenteuer unbeschadet zu überstehen.

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In der etwas Titelrolle agiert mit skandalöser Langhaarperücke ein ziemlich durchtrainierter Miles O’Keeffe, der im Jahr zuvor unter der Regie von John Derek und an der Seite von Bo Derek Weltruhm erlangte. Der mag zwar angeblich über ein abgeschlossenes Psychologie-Studium verfügen, aber schauspielerisch ist sein Talent eher als etwas bescheiden einzustufen. Falls man der deutschen Wikipedia-Seite des Streifens Glauben schenken darf, soll sich auch D’Amato wenig angetan von den Fähigkeiten des Hauptdarstellers gezeigt haben und sich in einem Interview für ein italienisches Fanzine sehr negativ über die Darbietung seines Hauptdarstellers geäußert haben.

Der Rest bietet weniger Anlass zur Kritik und vor allem die zauberhafte Sabrina Siani, deren Gesicht ja (fast) untrennbar mit dem Genre verbunden ist, hat hier als Roon eine ihrer schönsten Rollen. Auch Laura Gemser vom D’Amato Stamm-Ensemble gibt sich ein kurzes Stelldichein als verführerische Hexe und Ex-Wrestler Dakar, den man als „Moloto“ aus dem Genre-übergreifenden Kracher „Zombies unter Kannibalen“ kennt, zeigt, dass er weder vor Spinnen, noch vor goldenem Lidschatten Angst hat. Die größte Überraschung in „Ator – Herr des Feuers“ ist aber sicher Edmund Purdom als kriegerischer Kriba, den zumindest ich mir in einer derartigen Rolle wohl nicht unbedingt erwarten würde.

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Da sich D’Amato im Vergleich früherer Werke in Punkto grafischer Gewalt sehr zurückhält und auf Schmodder gänzlich verzichtet gab es im Falle von „Ator“ auch nie Probleme mit der Zensur und das Werk lief neben der großen Leinwand anscheinend sogar im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen. Neben zahlreichen Video-Veröffentlichungen gibt es „Ator“ auch mit Teil 2 in der Barbaren-Box auf Silberling, die den Streifen in durchwachsener Qualität und wohl auch in seiner bislang vollständigsten Form präsentieren. Lediglich am Ende scheint ein kleiner Kampf zu fehlen und da von dem Streifen von Haus aus unterschiedliche Schnittfassungen mit und ohne Epilog erstellt wurden, wird man auf eine ungekürzte Fassung ohnehin vergeblich warten.

„Ator – Der Herr des Feuers“ ist ein spaßiger Unterhaltungsstreifen im Urzeit-Milieu, der meines Erachtens unter Trash-Freunden und abseitigen Filmfans auch etwas zu unterbewertet ist. Sicherlich ist der Streifen mit all seinen Fehlern ein eindrucksvolles Beispiel für angehende Filmschüler und Dramaturgen, wie man es eigentlich nicht machen sollte – dennoch hat das Werk das Herz am rechten Fleck und begeht auch nicht den Fehler, den Zuschauer in irgendeiner Form zu langweilen. Der olle Joe war zwar sicher kein Feingeist oder großer Künstler, aber trotz seiner ausgeprägten Geschäftstüchtigkeit schon ein Guter und stellt das mit grundsympathischen und kurzweiligen Streifen wie „Ator“ auch eindrucksvoll unter Beweis.

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