Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

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Moderator: jogiwan

Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon buxtebrawler » 31. Mär 2014, 12:41

Schönes Spezial, jogschi, und besonders deinen Eingangstext finde ich gelungen! Durchaus kritisch in Bezug aufs italienische Kino, nicht verklärend. Fair auch von dir, dass du deinen eigenen Geschmack nicht so stark mit einfließen lässt und neutral über alle Genres berichtest - sogar über Western. :D
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon Reinifilm » 31. Mär 2014, 12:53

Dank an Jogi für das Special! :D
Der Ator ist tatsächlich der knuffigste D'Amato, der je gedreht wurde... und der zweite Teil (dazu kommt ja bestimmt noch was) ein Trashfilmmeisterwerk!
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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 31. Mär 2014, 14:00

Vielen Dank euch allen für das nette Feedback. Das mit dem Western muss wohl ein Ausrutscher gewesen sein ;)
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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 1. Apr 2014, 09:50

03 - Das Schwert des Barbaren

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Origianaltitel: Sangraal, la spada di fuoco

Alternativtitel: The Barbarian Master / Sangraal der Barbar / The Sword of the Barbarians / Thor - Das Schwert des Barbaren

Regie: Michele Massimo Tarantini

VÖ: 27.11.1982 (Italien)

Darsteller: Pietro Torrisi, Yvonne Fraschetti, Mario Novelli, Xiomara Rodriguez, Margareta Rance

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Vor vielen tausend Jahren herrscht im Land der Seen König Ator friedlich über sein zufriedenes Volk und zieht sich so den Argwohn aus dem Reich der Verfluchten zu. Diese schicken daher eines Tages ganze Horden feindlicher Krieger, die im Morgengrauen eines schicksalhaften Tages auch nahezu alle Bewohner des Tals ermorden. Eine Amme mit Artors neugeborenen Sohn Sagraal im Arm kann jedoch flüchten und schafft es den rechtmäßigen Nachfolger des Königs an einen anderen Ort in Sicherheit zu bringen, der in den Jahren darauf zu einem staatlichen Krieger und Verfechter des Friedens heranwächst.

Doch die Zeiten sind schlecht und als sich Sagraal (Pietro Torrisi) mit seiner Angetrauten Lena (Margareta Rance) und dem spärlichen Rest seines dezimiertes Volkes aufmacht, um einen fruchtbaren Ort zu finden, an der sie in Frieden leben können, wird er Zeuge wie eine Horde Kämpfer ein herumziehendes Volk überfällt. Er rettet daraufhin die hübsche Aki (Yvonne Fraschetti) aus der Hand der bösartigen Krieger und wird von dieser in ihr Dorf eingeladen, in dem der friedliche Belen (Luciano Rossi) über seine Volk herrscht. Als Belen als Dank dem geschwächten Sagraal und seinem Volk anbietet, bei ihm zu bleiben und gemeinsam zu leben, nimmt dieser das Angebot gerne an.

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Der Frieden währt jedoch nur kurz da die bösartige Rani (Xiomara Rodriguez), die Göttin des Feuers und des Todes über die Ankunft des Kriegers in ihrem Land wenig erfreut ist. Kurzerhand befiehlt sie dem bösartigen Barbaren Nanduk (Mario Novelli), dass Sagraal getötet werden muss, der daraufhin eines Morgens das Dorf überfällt und alle Bewohner niedermetzelt und auch Lena tötet, während Sagraal gefangengenommen und an ein Kreuz gefesselt hilflos dem blutigen Treiben folgen muss. Während des Kampfes kann Aki jedoch flüchten und Sagraal befreien und noch ein weiterer Mann mischt sich unter die Krieger, der sich später als hilfsbereiter Wang (Hal Yamanouchi) entpuppt und Sagraal von seinen Wunden heilt.

Wang erzählt Sagraal auch von einem mächtigen Magier namens Rudat, der in den Bergen lebt und die Fähigkeit besitzen soll, sogar Tote wieder zurück ins Leben zu holen. Voll der Trauer um seine Lena beschließt der Barbar, den Magier aufzusuchen und macht sich mit Aki und Wang auf den gefährlichen Weg. Obwohl Nundaks Männer den drei immer dicht auf den Fersen sind, gelingt es den Dreien den Magier aufzusuchen, der Sagraal jedoch ermutigt, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich besser den dunklen Mächten zu stellen, um so auch seiner wahren Bestimmung zu stellen…

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„Das Schwert des Barbaren“ ist neben „Gunan“ und „Ator“ nicht nur einer der ersten Barbarenfilme aus der italienischen Schmiede, sondern auch gleich der zweite Streifen mit Pietro Torrisi in der Hauptrolle, welcher sich neuerlich etwas dreist an Inhalt des erfolgreichen „Conan“ orientiert. Dieses Mal hat jedoch nicht Franco Prosperi am Regie-Stuhl Platz genommen, sondern Michele Massimo Tarantini, der hier dem Genre ebenfalls auf systemerhaltende Weise seinen Stempel aufdrückt und auch ein recht passables Urzeit-Abenteuer mit bösen Kriegern, Hexen, allerlei Fantasiewesen und einem unerschrockenen Titelhelden mit dem etwas sperrigen Namen „Sangraal“ gezaubert hat, dass alles vereint, was man sich von einem derartigen Streifen erwartet.

Die Story von „Sangraal, la spada di fuoco“ handelt ja wie üblich wieder einmal von einem Rachefeldzug unseres barbarischen Helden, welcher hier nicht nur seine ermordeten Eltern, sondern auch noch seine unfreiwillig verschiedene Frau gegen böse Krieger und finstere Mächte rächen darf. Der tapfere Krieger findet Verbündete und schmiedet sogar kurzfristig den kuriosen Plan, seine Gattin mittels Magie wieder von den Toten zurückholen zu lassen. Erst ein weiser Magier ruft Sangraal wieder zu Besinnung, damit sich dieser gegen Ende des turbulenten Streifens und nach einer Wrestling-Einlage dem Bösen mittels überdimensionierter Armbrust entgegen stellen kann.

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Unter den zahlreichen Wald- und Wiesen-Barbaren-Filmen ist „Sangraal“ dann auch sicher einer der Gelungeneren und kann mit einer Vielzahl von lustigen Einfällen, schicken Naturaufnahmen und halbwegs gelungenen Ausstattung glänzen. So gibt es Amphibien- und Waldmenschen, böse und gute Geister, viel Feuer und Action und auch noch unsere Sabrina Siani in einer Rolle als Gold-glitzernde Verführerin, die Lucio Fulci wohl auch etwas zu ihrem Einsatz in seinem Beitrag „Conquest“ inspiriert haben dürfte. Auch die Kostüme der Darsteller sind gelungen und anstatt unseren Titel-gebenden Helden wieder einmal eine scheußliche Langhaardauerwellen-Perücke zu verpassen, hat man sich dankenswerterweise auf ein kleines Hair-Extension geeinigt.

Wie viele seiner italienischen Regie-Kollegen, die immer wieder mal auf anderweitiges Archivmaterial zurückzugreifen hat Tarantini sich für seinen Prolog eine Szene aus Prosperis „Gunan“ ausgeborgt, der im Gegenzug einige von Tarantinis gelungenen Kampfszenen beim Überfall auf Belens Dorf für seinen nächsten Barbaren-Film „Throne of Fire“ zweitverwertet hat. Diese sind aber auch ganz ordentlich gelungen und vor allem die Kampfszenen scheinen in „Das Schwert der Barbaren“ um ein vielfaches durch-choreografierter als in Werken wie dem trashigen „Ator“ oder dem cineastischen Totalausfall „Thor – der unbesiegbare Barbar“. Und während „Ator“ eher trashig-unterhaltsam und „Thor“ auf verbissen ernsthaft gemacht ist, siedelt Tarantini sein Werk irgendwo in der Mitte der beiden Pole an, was dem Film ebenfalls zugutekommt.

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Pietro Torrisi ist ja wie üblich eine Bank und egal ob man ihn jetzt als „Gunan“, „Sangraal“ oder „Ator“ bezeichnet – der Mann agiert immer recht passabel und passt auch körperlich perfekt in die Rolle des urzeitlichen Barbaren. Yvonne Fraschetti als Aki ist zwar nicht der obligatorische Blondinen-Aufputz an seiner Seite, aber ebenfalls sympathisch und hat in der zweiten Halbzeit auch ein paar nette Auftritte. Hal Yamynouchi als kampferprobter Wang darf lustige Kalenderweisheiten von sich geben und dürfte dem Zuschauer wohl auch durch seine zahlreichen Rollen in Endzeitfilmen noch in guter Erinnerung sein und auch Sabrina Siani, die blonde Elfe mit Barbaren-Dauerkarte gibt in der Rolle als Schemen-hafte Versuchung ein kurzes Stelldichein.

„Das Schwert des Barbaren lief im Jänner 1983 und somit knapp vier Monate nach „Conan“ in den deutschen Kinos an und überholte hierzulande sogar den in Italien zuvor veröffentlichten „Gunan“ und wurde nur von D’Amatos „Ator“ geschlagen, der es noch ein bisschen früher in die Kinos hierzulande schaffte. Neben zahlreichen VHS-Veröffentlichungen und Free-TV-Ausstrahlungen hat es der passable Streifen zwar zu keiner eigenen DVD-VÖ aber als Bonusfilm auf die Scheibe von „Thor – der unbesiegbare Barbar“ geschafft. Die Qualität ist aber leider wirklich ziemlich mies ausgefallen und ich musste die Helligkeit des Fernsehers voll aufdrehen um in einigen Szenen überhaupt etwas zu erkennen. Wohlwollende Personen würden die Fassung wohl als totale „Grindhouse“-Version bezeichnen, obwohl sie eigentlich in dieser Form nur noch in die Tonne gehört.

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„Sangraal“ ist zweifelsfrei einer der unterhaltsameren und dennoch unterschätzten Beiträge des italienischen Barbarenfilms, der mit lustigen Einfällen, netten Tricks und einer halbwegs abwechslungsreichen Story aufwarten kann, die sich nicht nur plump an „Conan“ orientiert, sondern auch noch ein paar eigene Ideen verbrät. Auch die solide Inszenierung von Tarantini und der abwechslungsreiche Cast mit vielen ungewöhnlichen Charakteren lassen Tarantinis „Das Schwert des Barbaren“ positiv aus der überschaubaren Masse gleichartiger Werke herausstechen. Die deutsche DVD bzw. das Dasein als Bonusfilm ist zwar ziemlicher Mist und der spaßige Streifen hätte eine würdigere Umsetzung auch redlich verdient - trotzdem sollte man sich als Barbaren-Fan und -komplettist das kurzweilige Werk aber auch in der miesen Fassung nicht entgehen lassen.

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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 2. Apr 2014, 09:22

04 - Thor – Der unbesiegbare Barbar

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Originaltitel: Thor il Conquistatore

Regie: Tonino Ricci

VÖ: 05.02.1983 (Italien)

Darsteller: Bruno Minniti, Maria Romano, Malisa Longo, Christopher Holm, Raf Baldassarre

Thor – Der unbesiegbare Barbar

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Noch bevor sich Kuns der Erhabene und seine Frau über die Geburt ihres gemeinsamen Kindes Thor (Bruno Minniti) freuen können, werden die Beiden an einer mystischen Kultstätte von ihrem gemeinen Widersacher Gnut (Raf Baldassarre) überfallen und auf hinterhältige Weise brutal ermordet. Da Baby Thor jedoch laut Prophezeiung im Erwachsenenalter dazu bestimmt ist, der Herrscher der Welt zu werden wird das Kind von dem gutherzigen Zauberer Etna (Luigi Mezzanotte) vor den Bösewichten gerettet und Kuns magisches Schwert in eine Schlange verwandelt um dieses vor dem unberechtigten Zugriff zu schützen.

Jahre vergehen und Thor wächst fernab von anderen Menschen zu einem stattlichen Mann heran und wird von Etna im Kampf und den Belangen des täglichen Lebens ausgebildet. Als die beiden eines Tages eine Gruppe von Menschenfressern begegnen, tötet Thor diese im Kampf und macht auch erstmalig Bekanntschaft mit dem weiblichen Geschlecht, in Form einer Sklavin, deren körperlichen Vorzüge er auch in der darauffolgenden Nacht erfährt. Nachdem er nun den Tod und die Liebe kennengelernt hat, beschließen die Götter, dass es an der Zeit ist, dass Thor seine Mission erfüllt und er begibt mit seinem treuen Begleiter Etna, der die Gestalt einer Eule annimmt, eine lange Reise voller Gefahren auf der Suche nach dem Schwert seines Vaters.

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Nachdem er einen Troll mit magischen Kräften besiegt hat, erreicht er das Land der Amazonen, von denen er nach einem erbitterten Kampf jedoch die hübsche Ino (Maria Romano) am Leben lässt, die den Krieger fortan auf seiner Reise begleitet. Sie ist es auch, die Thor befreit, als dieser von einem feindlich-gesinnten Stamm in einer Fruchtbarkeitszeremonie geopfert werden soll. Dort findet Thor auch den „goldenen Samen“ aus der Prophezeiung und flüchtet mit diesen um nach weiteren Konfrontationen in einem Dorf den Ackerbau einzuführen und sich als Herrscher zu positionieren.

Als Ino auch noch schwanger wird, scheint das Glück perfekt und dennoch erwartet den Krieger erst seine schwerste Prüfung. Das friedliche Dorf wird von Gnut überfallen und seine Männer entführen Ino, während Thor von den brutalen Schergen geblendet wird und der Großteil des Dorfes ermordet. Blind und hilflos wird Thor seinem Schicksal überlassen, ehe er durch die Macht der Götter gerettet wird. Voll Zorn und mit der Hilfe von Etna kehrt er zurück um an der Stätte seiner Geburt das magische Schwert seines Vaters zu finden und Gnuts Schreckensherrschaft ein für alle Mal ein Ende zu setzten.

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Tonino Riccis Ausflug ins Barbaren-Genre unter dem blumigen Titel „Thor – Der unbesiegbare Barbar“ eilt ja in Fankreisen ein ganz besonderer Ruf voraus. So soll es sich bei dem 1983 gedrehten Wald- und Wiesen-Conan-Klons um nichts Geringeres, als den wohl schlechtesten Italo-Barbarenstreifen handeln, der in der Zeit von 1982 bis 1990 im Land des Stiefels gedreht wurde. Und wenn man sich das bisweilen arg dilettantisch-wirkende Werk so ansieht, kann man kaum vorstellen, dass Ricci und sein erklärter Lieblingsdarsteller zuvor und danach unterhaltsame Action-Klopper wie „Rush I & II“ fabrizieren konnten.

Die episodenhafte Geschichte des Streifens würde ja ohnehin schon keinen Blumentopf gewinnen und bietet neben einem Titelhelden auf dem Egotrip allerlei Platz für sehr seltsame und sehr erheiternde Kommentare aus dem Off, wenn Etna dem jungen Thor z.B. die Vorzüge der Weiblichkeit und dem Zuschauer sonstige Weisheiten näherbringt. Diese trashigen Monologe ist dann neben der ebenfalls durchaus stimmigen Musik aber auch schon das einzig Positive an dem furchtbar drögen Streifen, der sich stets übermäßig ernst nimmt und dessen Handlung sich auch ärger wie ein Strudelteig zieht.

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In Punkto Inszenierung kann man ja selbst als geeichter Trashologe nur den Kopf schütteln und da offensichtlich nahezu kein Budget für die Ausstattung zur Verfügung stand, wurde der Streifen auch zum überwiegenden Teil in der freien Natur gedreht. Eine wacklige Brücke mit Skeletten und ein paar improvisierte und notdürfte gezimmerte Hütten sind dann auch schon das Einzige, dass an eine urzeitliche Gegend erinnern könnte und auch die Kostüme der Darsteller sehen so aus, als hätte man rasch ein paar Eierkartons bemalt, Weidenkörbe zurechtgeschnitten und sich eine Handvoll Tierfelle vom Flohmarkt besorgt. Die rülpsenden und schmatzenden Menschenfresser sind dann auch mindestens so peinlich wie die Perücke von Bruno Minniti und die Kampfszenen, die so aussehen, als hätten die Darsteller ohnehin das erste Mal in ihrem Leben eine Waffe in der Hand.

Auch darstellerisch sollte man sich in dem Werk nicht viel erwarten und außer dem sportlichen Bruno Minitti mit bösem Blick und der zauberhaften, aber gnadenlos unterforderten Maria Romano sticht maximal noch Raf Baldessare („Labyrinth des Schreckens“) als langhaarigen Bösewicht und Luigi Mezzanotte a.k.a. Christopher Holm als Magier hervor. Der Rest des Casts besteht dann zu überwiegenden Teil aus eher untalentierten Komparsen, die gleich in mehrfachen Rollen besetzt wurden und immer wieder mal mit bemalten Gesicht, tief ins Gesicht gezogener Kopfbedeckung und/oder Augenklappe im Verlauf der lahmen Geschichte auftauchen dürfen.

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Trotz zahlreicher Filme, vorwiegend aus dem Action-Gülle-Bereich hat es mit dem großen Ruhm für Regisseur Tonino Ricci ja auch nie so richtig gereicht und es gibt vermutlich sogar viele Italo-Fans, den der Name gar nichts sagt. Bekannte Western, Gialli und sonstige Werke wird man in der Filmografie des Regisseurs, der für seine Werke gerne das Pseudonym Anthony Richmond verwendete, auch nicht finden und auch die schmalen Budgets, unter denen Ricci seine Filme oftmals realisierte, sorgen ebenfalls dafür, dass er nur eingeschränkt Bekanntheit genießt. Trotzdem sind gerade seine Filme wie „Rush“ und dessen hierzulande als Nachfolger vermarktete „Rage“ durchaus unterhaltsam und erfreuen sich auch dank Veröffentlichung in der Trash-Collection entsprechender Beliebtheit.

Obwohl „Thor – Der unbesiegbare Barbar“ über sehr offensichtliche Mängel verfügt, gibt es zumindest bei der Verfügbarkeit keine Probleme. Der über weite Strecken auch recht harmlose Streifen hat es sogar zu einer DVD-Veröffentlichung geschafft, die auch noch den bereits besprochenen Bonusfilm „Das Schwert der Barbaren“ von Michele Massimo Tarantini mit an Bord hat. Auch in der Barbarenbox ist der Streifen vertreten und bietet eine mittelmäßige Bildqualität, selbstgebastelte Titel-Credits im Retro-Look ohne weiteres Bonusmaterial.

Wo es Licht gibt, ist auch der Schatten nicht weit und Tonino Riccis Barbaren-Werk aus der Diskont-Ecke des italienischen Films gehört definitiv zur zweiten Kategorie und den Filmen, über die selbst Genre-Fans lieber den Mantel des Schweigens legen. Ein lahmes Drehbuch, eine lieblose Ausstattung und schauspielerische Leistungen, die größtenteils auch aus dem Amateur-Bereich stammen könnten, machen „Thor – Der unbesiegbare Bereich“ dann auch eher zur Tortur für den Zuschauer, bei dem dank markiger Sprüche und sehr offensichtlicher Filmfehler maximal die hartgesottene Trash-Fraktion noch auf ihre Kosten kommt. Alle anderen werden an diesem lahmen Vertreter aus der Barbarenkiste wohl weit weniger Freude haben, die FF-Taste im Geiste betätigen oder sich selbst mit alkoholischer Getränkebegleitung noch immer schnellstmöglich den Abspann herbeiwünschen.

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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 3. Apr 2014, 11:10

05 - Er – Stärker als Feuer und Eisen

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Originaltitel: Vindicator: La Guerra del Ferro – Ironmaster

Regie: Umberto Lenzi

VÖ: 10.03.1983 (Italien)

Darsteller: Sam Pasco, Elvire Audray, George Eastman, Pamela Prati, Jacques Herlin

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Iksay (Benito Stefanelli), der Häuptling eines urzeitlichen Barbaren-Stammes ist über die Jahre müde geworden und sucht unter seinen Männern eine geeignete Person, die seine Rolle als Beschützer des wandernden Volkes übernehmen kann. Trotz des weisen Beistands des Stammesältesten Rag (Jacques Herlin) kann er sich jedoch nicht zwischen dem besonnenen Ela (Sam Pasco) und seinem eigenen Sohn, dem impulsiven Vood (George Eastman) entscheiden. Kurz darauf wird ihm die diese schwierige Entscheidung auch unfreiwillig abgenommen, als der machthungrige Vood seinen Vater bei der gemeinsamen Wildschweinjagd hinterrücks ermordet und dabei von Ela beobachtet wird.

Als Vood bei der Begräbniszeremonie den Führungsanspruch stellt und Ela den anderen von dem Mord berichtet kommt es zum Streit, in dem auch der weise Rag von Vood ermordet wird. Der zweifache Mörder wird daraufhin von der Dorfgemeinschaft verstoßen und flieht vor den wütenden Männern in ein entferntes Tal, in dem Vulkan Feuer speit. Das Glück scheint dem gewaltbereiten Vood jedoch weiter hold und er findet am Fuße des aktiven Vulkans eine Schwert-ähnliche Waffe aus Eisen, mit der er auch die Konfrontation mit einem gefährlichen und gefürchteten Löwen übersteht.

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Vood kehrt mit der durchtriebenen Amazone Lith (Pamela Prati) in seine Höhle zurück um den verhassten Ela neuerlich z um Kampf herauszufordern. Dieser steht mit seiner Holzkeule jedoch auf verlorenen Posten und wird von Vood besiegt. Nach einer von Lith angezettelten Meuterei wird Ela von Vood an ein Holzkreuz gefesselt und dem Tode überlassen. Ela lässt sich jedoch von der widrigen Situation und selbst von einem Angriff durch Affenmenschen nicht entmutigen und schafft es wenig später sich aus seiner misslichen Lage zu befreien und trifft bei seiner Flucht auf die hübsche Isa (Elvire Audray), die sich um die Wunden des verletzten Kriegers kümmert.

Isa nimmt Ela mit in ihr friedliebendes Dorf, wo dieser auf den pazifistischen Mogo (Willam Berger) trifft und mehr über die gewaltfreie und vegetarische Lebensweise des Stammes erfährt. Zur selben Zeit beginnt jedoch auch Vood mit seinen Männern nicht nur mit der Produktion von weiteren Eisenwaffen, sondern überfällt mit diesen auch die anderen Stämme seiner Umgebung um feindliche Krieger zu ermorden und die Überlebenden zur weiteren Eisengewinnung zu zwingen. Vood weitet seine Schreckensherrschaft und als auf Mogos Dorf angegriffen wird, kommt es neuerlich zur Konfrontation der beiden verhassten Männer…

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Von den zwölf italienischen Kannibalen-Kracher, die im Fahrwasser des „Conan“-Hypes entstanden sind, hat Umberto Lenzi mit seinem 1983 entstandenen „La Guerra del ferro: Ironmaster“ den wohl unterhaltsamsten und auch sympathischsten Beitrag produziert. Der Streifen bietet für den Fan solcher Werke ja nicht nur eine halbwegs originelle Geschichte über Hochmut und Gewalt mit gesellschaftskritischer Komponente, sondern auch einen wunderbaren Cast inklusive den Genre-Veteranen George Eastman, Jacques Herlin und William Berger, sowie eine stimmige Ausstattung, nette Tricks und schöne Bilder von Flora und Fauna von unterschiedlichen Kontinenten, die hier kunstvoll zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt wurden.

Was den Film ja ebenfalls aus der Masse gleichartiger Werke herausstechen lässt, ist die inhaltliche, optische und darstellerische Ausgewogenheit, die man bei anderen Barbaren-Filmen oftmals vermisst. Der Plot ist halbwegs durchdacht und mit dem notwendigen Ernst inszeniert und dennoch mit genug humorvollen Momenten und Weisheiten versetzt um den Genre-Freund nicht zu langweilen. Neben hübschen Matte-Paintings, Höhlenmalereien und Miniatur-Mammuts gibt es auch Löwen, Büffel und anderes Getier und auf der fantastischen Ebene hat man mit Affenmenschen und Leprazombies ebenfalls die Nase vorn und selbst die Tatsache, dass George Eastman wohl keine Lust auf eine Perücke hatte, wurde sehr originell gelöst.

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Die Geschichte über die Entdeckung der Schmiedekunst und Waffen in den falschen Händen ist ja wie der ewige Kampf von Gut gegen Böse immer halbwegs aktuell und die Fronten sind in „Er – Stärker als Feuer und Eisen“ auch ganz klar verteilt. Wobei hier eigentlich zu bemängeln wäre, dass der Amerikaner Sam Pasco trotz durchdringendem Blick im Vergleich zu seinem Widersacher George „Man-Eater“ Eastman leider etwas auf verlorenen Posten steht und man als Italofan in Lenzis Werk stets geneigt ist, zum Bösewicht zu halten. George Eastman agiert mit Löwenkopf als kaltblütiger Barbaren-Herrscher auch absolut herrlich und spielt als geheime Hauptdarsteller seinen Widersacher auch mühelos an die Wand.

Für den durchtrainierten und auch etwas hölzern agierenden Sam Pasco war es auch der einzige Ausflug in die Schauspielerei und wer sich die Mühe macht, seinen Namen zu googlen bekommt Fotos der Firma „Colt“ und anderen Magazinen präsentiert, auf denen sich der vermutlich homosexuelle Pasco unter dem Namen „Big Max“ auch sehr freizügig präsentiert. Es existieren auch ein paar einschlägige Filme mit dem durchtrainierten Kerl, der als selbsterklärter „Movie Star“ der männlichen Kundschaft auch anderweitig zur Verfügung stellte. Offensichtlich war Pascso im Grunde auch ein sehr netter Kerl, der sich neben Fitnesscenter und Bodybuilding-Bewerbe auch für Opern interessierte und ungeklärten Quellen nach leider an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids verstarb.

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Der restliche Cast ist aber ebenfalls nicht zu vernachlässigen und bietet die hübsche Französin Elvire Audray, die ihr Debüt in den Martino-Giallo „The Scorpion with the two Tails“ hatte und später auch in dem Kannibalenfilm-Nachzügler „Amazonia – Kopfjagd im Regenwald“ zu sehen war. Pamela Prati hingegen war danach eher im italienischen TV zu sehen, und agierte im Jahre 1989 in dem deutschsprachigen Alpenhorror „Sukkubus – den Teufel im Leib“ als sogenannte Sennentuntschi an der Seite von Peter Simonischek. Ebenfalls erwähnenswert sind auch die Darbietungen von Jacques Herlin und William Berger, die man ja immer gerne sieht und selbst Dauer-Nebendarsteller Nello Pazzafini gibt sich im ledernen Lendenschurz ein kurzes Stelldichein.

„Er – Stärker als Feuer und Eisen“ hatte im März des Jahres 1983 auch einen offiziellen Kinostart mit einem doch etwas kuriosen Kinoplakat, das doch etwas vom Film abweicht und wurde später auch mehrfach auf VHS veröffentlicht. Auf Silberling gibt es den unterhaltsamen Streifen, der sich auch in der „Trash-Collection“ gut gemacht hätte, mittlerweile im Rahmen der „Barbaren-Box Vol. 1“ von dem Label MIG, das den Streifen mit drei anderen Streifen mit durchwachsener Qualität aus dem Genre präsentiert. Das Bild ist jedenfalls recht gut und auch der Ton kann sich durchaus hören lassen. Als Bonusmaterial hat es jedoch nur der französische Trailer auf die DVD geschafft, der sich auch eher auf Eastman, als den eigentlichen Hauptdarsteller konzentriert.

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Unterm Strich ist Umberto Lenzi mit „Er – Stärker als Feuer und Eisen“ ein spaßiger, kurzweiliger und abenteuerlicher Streifen gelungen, der alles bietet, was man sich von einem italienischen Barbaren-Film erwartet. Leichtbekleidete und sonnengebräunte Männer und Frauen, die mit Perücken und knappen Outfits durch ein urzeitliches Ambiente stolpern und neben der Entdeckung der Schmiedekunst auch noch eine universelle Geschichte über Macht und dessen Missbrauch präsentieren. Dabei werden von Lenzi und seinem Team gleich derart viele lustige Ideen kunstvoll verbraten, aus denen andere Regisseure wie D‘Amato vermutlich gleich mehrere Filme gezaubert hätten und so ist es auch wenig verwunderlich, dass der Streifen in meiner persönlichen Italo-Barbaren-Hitliste ganz oben rangiert.

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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 4. Apr 2014, 09:19

06 - Conquest

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Originaltitel: La Conquista

Regie: Lucio Fulci

VÖ: 02.06.1983

Darsteller: Sabrina Siani, Andrea Occhipinti, Jorge Rivero, Violeta Cela, Josè Gras Palau

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Der junge Ilias (Andrea Occhipinti) verlässt eines Tages sein Volk um mit dem Weg der Selbstaufopferung und Tapferkeit seine ersten Sporen der Männlichkeit zu erlangen. Nur mit einem Zauber-Bogen und mit viel Enthusiasmus bewaffnet gelangt er so in eine Welt, die von der grausamen Zauberin Ocran (Sabrina Siani) und ihrer getreuen Wolfsbrigade beherrscht wird. Diese unterjocht die ohnehin von Hunger und Krankheit bedrohten Bewohner ihres Landes mit Gewalt und schwarzer Magie und spürt schon wenig später die Bedrohung ihrer Macht in Form eines mysteriösen Neuankömmlings und befiehlt ihres Männern, diesen zu töten.

Ilias wandelt derweil in der nebeligen Gegend umher und rettet wenig später ein junges Mädchen vor gewalttätigen Schergen, ehe er selbst von dem misanthropischen Krieger Mace (Jorge Rivero) bei einem Angriff unterstützt wird. Dieser ist fasziniert von der wundersamen Waffe des jungen Mannes und beschließt Ilias einen Teil des Weges zu begleiten, wenn ihn dieser im Gegenzug in der Kunst des Bogenschießens unterrichtet. Der Einzelgänger Mace entpuppt sich auch als herzensgutes Schlitzohr und gelehriger Schüler, der Ilias jedoch auch vor der Zauberin Ocron warnt, die mit ihrer dämonischen Macht wohl eine Nummer zu groß für Ilias ist.

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Dieser lässt sich von den mahnenden Worten von Mace und kleineren Rückschlägen jedoch nicht einschüchtern und schafft es mit Hilfe seines neuen Freundes auch immer wieder dem Wolfsmenschen Fargo und seine Schergen zu entwischen. Als die feindseligen Mächte auch noch die Freunde von Mace ermorden und Ilias entführen, schaffen es die Beiden, sich wieder aus dem Einfluss der bösen Zauberin zu entziehen. Ocran lässt jedoch nicht locker und begehrt mittels Magie die Hilfe des mächtigen Kriegers Zora aus der Unterwelt, der ebenfalls über die dunkle Mächte verfügt und sich auf die Fährte der beiden Krieger heftet.

Lucio Fulci hat im Laufe seiner jahrzehntelangen Karriere zahlreiche und auch sehr gute Filme in den unterschiedlichsten Genres geschaffen hat, und dennoch ist sein Name untrennbar und oftmals leider auch etwas negativ mit den gewalttägigen Werken und Zombie-Filmen aus Italien verbunden. Wo andere Regisseure den grafischer Horror grausiger Gewalttaten in dem Bewusstsein des Zuschauer überließen, hielt Onkel Lucio immer volle Kanne drauf und so ist es wenig verwunderlich, dass es sich bei dem 1983 inszenierten Ausflug ins Bar „Conquest“ auch um den wohl brutalsten und grafisch explizitesten Vertreter aus der italienischen Barbarenkiste handelt.

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Dennoch hat „Conquest“ auch bei eingefleischten Fulci-Fans einen eher schweren Stand und selbst Leute, die seinem Oevre sehr wohlwollend gegenüberstehen, empfinden seinen ruppigen Ausflug ins Fantasy-Genre als eher mäßig, bis gar nicht gelungen. Das schmale Budget ist dem Streifen auch arg anzusehen und obwohl Fulci nichts unversucht lässt, seine Drehorte in Sardinien als urzeitliche Welt zu verkaufen will sich ein urzeitliches Feeling nicht so richtig einstellen und das Fulci mit vielen Überblendungen, Farbfilter und Gegenlicht arbeitet, lässt den Streifen zusätzlich entrückt wirken, was ihn aber auch aus der Masse vergleichbarer Werke herausstechen lässt.

Die leicht widersprüchliche Geschichte über den jugendlichen Helden, der von den Göttern entsandt scheint, um eine seltsame Welt von einer bösartigen Hexe zu befreien ist zwar nicht sonderlich abwechslungsreich und erinnert im Aufbau an ein „Adventure“-artiges „Jump´n Run“-Game, aber im Vergleich zu anderen Werken durchaus systemerhaltend ausgefallen. Allen Widrigkeiten und Budget-Nöten zum Trotz hat Fulci ja auch einen Barbaren-Streifen geschaffen, der mit eingeschränkter Erwartungshaltung auch gut funktioniert und über eine sehr außergewöhnliche Atmosphäre verfügt, bei denen selbst die mehr schlecht als recht animierten Computer-Effekte nicht sonderlich negativ ins Gewicht fallen.

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An den Kostümen der Darsteller gibt es ja wenig zu meckern und auch wenn die Wolfsmenschen aussehen wie eine Horde Chewbaccas und die Augen der Steinmenschen aus herkömmlichen Glasmurmeln bestehen, sind die teils recht kostengünstigen Kostüme der Figuren doch recht stimmig ausgefallen. Anstatt im Computer zu tricksen, wurde zu der Zeit halt auch noch improvisiert und notfalls die unwirtliche Gegend komplett und durchaus effektiv in Nebel gehüllt. Auch das Setting von Ocras Höhle weiß durchaus zu gefallen und wie bereits erwähnt gibt es auch ein paar herbe und sehr blutige Effekte, die das Werk alles andere als zur familientauglichen Unterhaltung machen.

Leider gibt es ja relativ spärliche Informationen zur Entstehung des Films und auch in einschlägiger Literatur über Fulci und seine Filme wird „Conquest“ immer wieder stiefmütterlich behandelt. Anscheinend führte der Streifen auch zum Zerwürfnis mit Dardano Sacchetti, der Fulci jahrelang als kreativer Drehbuchautor zu Diensten stand und aus der großangelegten Koproduktion mit Mexiko wurde außer der Beteiligung von Jorge Rivero wohl ebenfalls nichts. Mit sehr dürftigem Erfolg an den Kinokassen brachte „Conquest“ die bislang finanziell recht ergiebige Karriere des Regisseurs in Stocken und läutete so auch die eher als uninspiriert geltende und letzte Schaffensperiode des Regisseurs ein.

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In der Hauptrolle agiert der junge und etwas schmalbrüstige Andrea Occhipinti, mit dem Fulci bereits ein Jahr zuvor in „Der New York Ripper“ zusammengearbeitet hat. Der sieht zwar nicht unbedingt auch wie ein klassischer Krieger, aber passt ganz gut in die Rolle des etwas naiven Kriegers aus anderen Sphären auf der Suche nach seiner wahren Bestimmung. Jorge Rivero, in seiner ambivalenten Rolle als Menschenfeind bzw. -freund, passt dann schon eher in die Riege der Barbaren-Darsteller und darf im Finale auch so richtig aufdrehen. Nicht zu beneiden ist hingegen die hübsche Sabrina Siani, die dann auch die denkbar undankbarste Rolle bekommen hat, die man sich als ausdrucksstarker Schauspieler nur vorstellen kann.

Lange Jahre war das vielfach geschmähte und dennoch etwas unterschätzte Werk, wie so viele andere Werke des italienischen Regisseurs im deutschsprachigen Raum nur in gekürzter Form und lediglich auf VHS erhältlich. Im Herbst 2012 wurde der Streifen dann im allgemeinen Mediabook-Hype von dem Label „84 Entertainment“ erstmalig ungekürzt in deutscher Sprache und DVD veröffentlicht, wobei diese Fassung in Punkto Bildqualität auch die italienische DVD-Fassung locker in die Tasche steckt. Der teils milchige und grobkörnige Look ist dabei durchaus beabsichtigt, auch wenn dieser HD-Freaks den blanken Schauer über den Rücken zaubern wird.

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„Conquest“ ist ein unkonventionelles gedrehtes, kleines und auch ein bisschen unterschätztes Filmchen, das im Vergleich zu anderen Barbarenfilmen recht psychedelisch daherkommt und dank düsterer Atmosphäre und goriger Momente den geeichten Genre-Freund zwar ungewohnt aber durchaus gut zu unterhalten weiß. Zwar bietet die Filmografie Fulcis weitaus bessere Filme und wer augenzwinkernde und ironische Momente in dem Streifen erwartet, ist hier ebenfalls an der falschen Adresse. Insgesamt überwiegen aber die positiven Momente und hat man sich erst an die nebelig-trüben Bilder und bizarren Einfälle gewöhnt, steht auch dank sphärischer Simonetti-Soundscapes einem unterhaltsamen Ausflug in die Welt seltsamer Mythen und Mysterien auch nichts mehr im Wege.

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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 5. Apr 2014, 13:27

07 - Throne of Fire

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Originaltitel: Il Trono di Fuoco

Alternativtitel: Thron des Feuers

Regie: Francesco Prosperi

Darsteller: Pietro Torrisi, Sabrina Siani, Stefano Abbati, Gianlorenzo Bernini, Peter Caine

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Eines Tages offenbart Belio, der Handlanger Satans, der Hexe Asira (Beni Cardoso), dass sie seinen Sohn austragen soll, der eines Tages den mystischen „Thron des Feuers“ des Königs Argon besteigen soll und so eine Schreckensherrschaft auf immer und ewig besiegeln soll. Dieser Thron wurde einst von Odin geschmiedet, von den Göttern weitergegeben und mit einem Schutz versehen, dass dieser auch nur seinen rechtmäßigen Besitzer akzeptiert und alle anderen in Flammen aufgehen lässt. Wenig später bringt Asira auch ein Kind mit den Namen Morak (Harrison Muller Jr.) zur Welt, der über die Jahre zu einem grausamen Machthaber wird, der die Welt mit seinen Kriegern in Angst und Schrecken versetzt.

Als Karus das Schloss von Argon überfällt und ihn hinterrücks töten lässt um dessen Tochter Belkarin (Sabrina Siani) zu ehelichen um auf diese Weise rechtmäßigen Thronfolger zu werden, ist das jedoch nur ein Teil der Offenbarung, dessen Inhalt Morak jedoch nicht zur Gänze überliefert wurde. Denn nur an einem bestimmten Tag und zu einer bestimmten Stunde ist es Morak möglich, mit den Mächten des Bösen seinen Plan in die Tat umzusetzen. Belkarin vermag während des Angriffs zu flüchten und als sich die Prinzessin in einem Dorf versteckt, befiehlt Morak seinen Männern die junge Frau zu finden und eine Spur der Verwüstung zu hinterlassen.

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Belkarin wird auch wenig später gefunden und in Argons Schloss verschleppt, in dem sich mittlerweile Morak und seine Männer ihre Zelte aufgeschlagen haben. Die Prinzessin denkt jedoch nicht daran den Mörder ihrer Eltern zu ehelichen und erhält in dem Barbaren Siegfried (Pietro Torrisi) auch überraschend einen Verbündeten, der sich mittels Tarnung den Weg ins Schloss bahnt und die Belkarin aus den Klauen des machthungrigen Despoten befreien kann. Die Freude darüber währt jedoch nur kurz und als die Beiden neuerlich gefangen genommen werden, wird Siegfried kurzerhand in den „Brunnen des Wahnsinns“ geworfen und seinem Schicksal überlassen.

Anstatt jedoch klein beizugeben, lässt sich Siegfried jedoch auch von Monstern und Geistererscheinungen nicht unterkriegen und kämpft sich den Weg in ein Verließ, wo er auf seinen verstorben geglaubten Vater, einem Magier, trifft. Dieser kennt die gesamte Überlieferung und verwendet seine letzten Lebensgeister dazu, seinen Sohn mit übernatürlichen, jedoch zeitlich begrenzten Fähigkeiten auszustatten. Während auf dem Schloss bereits die Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen werden, versucht Siegfried neuerlich die Prinzessin zu befreien, als Morak ebenfalls übernatürliche Mächte ins Spiel bringt, um seinen finsteren Plan in die Tat umzusetzen…

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Nach dem rasch heruntergekurbelten „Conan“-Imitat „Gunan“ wagte sich Regisseur Franco Prosperi relativ zeitnah noch ein zweites Mal in die Untiefen des Barbarenfilms und realisierte mit dem beiden Stars aus dem Vorgänger und in seiner letzten Regie-Arbeit ein weiteres Filmabenteuer, dass den Zuschauer neuerlich in eine vorzeitliche Welt der Magier und Hexen entführt. Im Gegensatz zum trögen „Gunan“, der ja irgendwie nie so recht in die Puschen kommt und auch nicht zu den Highlights des Genres zählt, ist „Il trono die Fuoco“ dann auch ein ungleich gelungeneres Werk, dass mit einer unterhaltsamen Geschichte, netten Ideen und auch einigen Überraschungen aufwarten kann.

Im Gegensatz zu „Gunan“ der ja größtenteils auf Wald, Weide, Wiese und Höhle realisiert wurde, gibt es in „Throne of Fire“ ja ein ganzes Schloss, bei dem zwar die Pappkulissen ständig zu sehen sind, aber im Gesamten dennoch wesentlich opulenter und authentischer wirkt als der diskontöse Vorgänger wirkt. Auch die Geschichte über dunkle Mächte, Prophezeiungen, edle Prinzessinnen und selbstlose Retter, der nach der Halbzeit etwas die Puste ausgeht, ist jedoch wesentlich prickelnder als „Gunans“ simple Rachestory und in der ungekürzten Fassung wird sogar noch ein bisschen geschmoddert, sodass der 1983 entstandene Film dann eigentlich auch in allen Belangen seinen Vorgänger überlegen ist.

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Der Name Siegfried und rückt die Barbaren-Sause ja in die Nähe der Nibelungen-Sage und gar Hauptgott Odin höchstpersönlich soll den Titel-gebenden Thron geschmiedet haben, aber ansonsten hat der Streifen mit seinen Figuren ja eher wenig mit den überlieferten Sagen zu tun. Die Geschichte aus der Feder von Guiseppe Buricchi und Nino Marino ist dann auch ein hübscher Genre-Cocktail aus Barbaren, Ritter, Mythen und Horror und liefert neben seinem düsteren Grundton auch immer wieder humorvollen Momente, wie z.B. Siegfried an der Reckstange und lustige Effekte und Monster, die kostengünstig, aber nicht minder effektiv realisiert wurden.

So gibt es einen „Brunnen des Wahnsinns“ in der unser Held auch auf allerlei lustige Gefahren trifft, bei denen es doch etwas verwunderlich ist, dass es vor ihm niemand wieder herausgeschafft hat. Der dämonische Bösewicht hat ein Antlitz, das nach Pizza aussieht und wenn alles nicht mehr reicht holt Prosperi wie bereits im Vorgänger wieder einmal die bewährte Zeitlupe aus dem Schrank um das Teil halbwegs auf Spielfilmlänge zu bringen. Schade nur, dass sich „Throne of Fire“ nach einem soliden Auftakt in der zweiten Halbzeit etwas arg in Richtung „Katz und Maus“ entwickelt und sich die Ereignisse mit zunehmender Laufzeit auch stetig wiederholen.

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Darstellerisch verlässt sich das Werk wieder einmal überwiegend auf die körperliche Präsenz von Pietro Torrisi, dem hier zur Abwechslung mal ein größeres Frisuren-Desaster erspart bleibt. Seine Erfahrung in diversen Sandalen- Filmen kommt auch der Authentizität des Streifens zugute, der auch in Punkto Kampfszenen wenig Wünsche offen lässt. Unser weißblonder Barbaren-Aufputz Sabrina Siani mit der Ledertanga-Dauerkarte ist wieder einmal recht hübsch anzusehen und greift ebenfalls beherzt zu Waffe und auch Harrison Muller Jr. als machtbesessener Bösewicht Morak macht durchaus eine gute Figur.

Da der Streifen in der ungekürzten Fassung auch nicht sonderlich zimperlich ist Genre-üblich auch der Bodycount relativ hoch ist, wanderte der Streifen bzw. seine Video-Veröffentlichungen im Jahre 1984 auch promt auf den Index und lief bei seinen zahlreichen Ausstrahlungen im Free-TV auch in einer stark gekürzten Fassung, in der nahezu jede brutale Szene zum Opfer fiel. Die Indizierung ist zwar seit dem Jahre 2009 aufgehoben oder abgelaufen, aber eine Veröffentlichung auf Silberling noch immer ausständig. Wer sich „Throne of Fire“ daher ungekürzt ansehen möchte, bleibt bislang nur der Griff zur VHS oder einer ausländischen VÖ.

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„Throne of Fire“ ist und bleibt ein durchschnittlicher Barbaren-Streifen im oberen Härtegrad und viel übernatürlichem Gekröse, das den ironischen Unterton anderer Werke gänzlich vermissen lässt. Zwar bietet Prosperis Streifen eine trashige Inszenierung und mitunter ein paar Lacher für das dementsprechend geeichte Publikum, ist aber im Großen und Ganzen doch eher ernst und unerwartet düster gehalten. In der Liste der überschaubaren Barbarenfilme und „Conan“-Klone aus dem Land des Stiefels nimmt Prosperis Werk mit seiner etwas lahmen und zweiten Halbzeit dann auch eine Wertung im unteren Mittelfeld ein und sollte der Streifen irgendwann auch einmal ungekürzt auf DVD erscheinen, wird er sicher wieder einmal im Player landen.

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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon karlAbundzu » 5. Apr 2014, 16:15

:shock: was ein thread, und mit wie viel mühe du dich da ransetzt. Danke, Jogi, da bekomme ich mal wieder richtig Lust, diese Sandalen - und Conan - Nachfolger zu sehen. ich erinner mich zB gut und gern an ATOR!
nebenbei: Das Plakat von THOR ist aber nicht von 1983, oder?
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Das bärenstarke Italo-Barbaren-Special auf Deliria-Italiano

Beitragvon jogiwan » 5. Apr 2014, 16:38

karlAbundzu hat geschrieben:da bekomme ich mal wieder richtig Lust, diese Sandalen - und Conan - Nachfolger zu sehen. ich erinner mich zB gut und gern an ATOR!


Darum gehts ja! ;)

karlAbundzu hat geschrieben:nebenbei: Das Plakat von THOR ist aber nicht von 1983, oder?


Kann ich mir nicht vorstellen, das hat ja auch mit dem Film wenig zu tun und wurde wohl für die DVD-VÖ gebastelt.
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