Black Emanuelle - Bitto Albertini (1975)

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Black Emanuelle - Bitto Albertini (1975)

Beitragvon Onkel Joe » 26. Mär 2011, 19:37

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Originaltitel: Emanuelle Nera
Herstellungsland: Italien/1975
Regie: Bitto Albertini
Darsteller: Laura Gemser, Karin Schubert, Angelo Infanti, Gabriele Tinti, Isabelle Marchall, Don Powell und Venantino Venantini.

Story: Emanuelle ist ein junges und wunderschönes schwarzes Mädchen aus Amerika. Behütet großgeworden, wurde sie noch nie mit Rassenhaß konfrontiert und geht ruhig ihrem Beruf als Fotografin nach.
Da bekommt sie von einem Verleger den Auftrag, eine Reportage über Schwarzafrika zu machen. Im Flugzeug beobachtet sie ein junges weißes Paar, das ungeniert Liebe macht. Emanuelle verliebt sich in den jungen Weißen, eine Story voll Romantik und düsterer Leidenschaft beginnt ...
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Re: Black Emanuelle - Bitto Albertini

Beitragvon Blap » 21. Apr 2011, 12:41

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Cover der italienischen DVD von Stormovie


Emanuelle Nera (Italien 1975, Originaltitel: Emanuelle Nera)

Black Emanuelle feiert ihren Einstand

Ihr Beruf führt die junge Fotojournalistin Emanuelle (Laura Gemser) nach Afrika. Sie wohnt während ihres Aufenthalts bei Gianni Danieli (Angelo Infanti) und dessen Gattin Ann (Karin Schubert). Die Danielis führen auf den ersten Blick ein fröhliches Leben, ständig wird auf ihrem Anwesen gefeiert und üppig gebechert. Doch Gianni und Ann haben sich nicht mehr viel zu sagen, der schöne Schein trügt. Emanuelle wirbelt die Hormone des Ehepaares gehörig durcheinander, verdreht Männlein und Weiblein den Kopf. Auch Gloria (Isabelle Marchall) und Richard Clifton (Gabriele Tinti), die mit den Danielis befreundet sind, können sich der betörenden Ausstrahlung der schönen Fotografin nur schwer entziehen...

In diesem Fall habe ich meinen Inhaltseinblick nicht aus Faulheit kurz gehalten, viel mehr gibt der Plot wirklich nicht her. Überhaupt ist der erste Streifen aus der losen Black Emanuelle Reihe eher bieder und zurückhaltend inszeniert. Regisseur Bitto Albertini wandelt auf gemäßigteren Pfaden, als es bei seinen Kollegen Joe D'Amato und Bruno Mattei der Fall ist. Der geschätzte Herr D'Amato kocht z.B. bei "Emanuelle und die letzten Kannibalen" (Emanuelle e gli ultimi cannibali, 1977), ein packendes "Abenteuer-Sex-Mettgut-Menü" auf flott züngelnder Flamme. Bruno Mattei schickt Frau Gemser während "Laura - Eine Frau geht durch die Hölle" und "Laura II - Revolte im Frauenzuchthaus" (Violenza in un carcere femminile & Emanuelle fuga dall'inferno 1982/83) in den Knast, sie erlebt dort eine Sleaze-Hölle aus Sex, Folter, Erniedrigungen und sonstigen Wüstheiten. Zweifellos bieten die späteren Black Emanuelle Flicks nicht nur mehr "exploitative Schauwerte", sie haben weiterhin sogar die besseren Drehbücher im Gepäck. Die Sichtung von "Emanuelle Nera" ist trotzdem ein Genuss, sofern man nicht nach dem tieferen Sinn fragt und sucht, sondern sich einfach von den schönen Bildern verführen lässt. Carlo Carlini fängt mit seiner Kamera die Reize der Landschaft ein, freilich auch die Vorzüge der knackigen Laura Gemser. Lediglich ein paar kurze HC-Einlagen, in denen die regulären Darsteller gedoubelt wurden, passen nicht so ganz in das ansonsten stimmige Gesamtbild. Dafür erfreut der angenehme Score von Nico Fidenco die Ohren, trifft stets die richtigen Töne.

Laura Gemser ist mir zwar noch immer zu dürr, doch ihrer natürlichen und auf besondere Art faszinierenden Ausstrahlung kann (und will) ich mich nicht entziehen. Die Rolle der Emanuelle wurde ein wenig anders angelegt, als in den weiter oben gennanten Filmen der Fall ist. Die schöne Fotografin fungiert nicht als moralische Instanz und/oder makellose Sympathieträgerin, sondern ist eher berechnend gezeichnet, spielt mit den Begierden ihrer Bewunderer(innen). Karin Schubert gelingt als gelangweilte Ehefrau eine solide Vorstellung, wenn sie sich bereits in der Frühphase des Films mit einem Tankwart vergnügt, ist sofort klar wo der Hase lang läuft. Leider kann ich mit den Reizen der Frau Schubert nichts anfangen. Auf mich wirkt die Dame so erotisch wie ein verfaulter Kopfsalat vom Discounter, der im Hinterhof langsam aber sicher in der Biotonne vergammelt. Die grauenvolle Kurzhaarfrisur vertreibt auch noch die letzten Reste meiner Gelüste (Alter Chauvi, widerlicher Drecksack!). Isabelle Marchall gehört zwar ebenfalls nicht zu meinen bevorzugten Damen, kommt aber immerhin deutlich hübscher als Karind Schubert daher. Die Herren schlagen sich durchaus achtbar, der 2010 verstorbene Angelo Infanti punktet mit (s)einer nahezu tragischen Darbietung. Garbiele Tinti, der Laura Gemser 1976 heiratete, bleibt recht blass und austauschbar. Mein heimlicher Star der Sause ist Venantino Venantini. Oft sieht man Venantini in eher bodenständigen Rollen, doch diesmal darf er als versoffener Möchtegernkünstler richtig aufdrehen, sondert mit wilder Frisur wirre Sätze ab, herrlich!

Hier und da ein wenig Gefummel und Geknutsche, ab und zu ein kleines Räppelchen. Um mehr Nährwert vorzutäuschen, sehen wir Laura Gemser nach einem Exzess mit Eingeborenen vor einem Schild stehen, auf dem bedeutungsschwanger zu lesen ist: Do not walk beyond this Point! Doch Emanuelles Nachdenklichkeit währt nur kurz, wenig später muss eine halbe (oder ganze) Mannschaft junger Sportsmänner den Riemen auf die Orgel spannen. Gewissermaßen eine Art von Befreiungsschlag, um den liebeskranken Verehrer endgültig loszuwerden, garniert mit ein paar pseudo-philosophischen Ausführungen. Weitere "Plattsymbolik" gesellt sich hinzu, der eingeführte Tankstutzen, das eindringlich arbeitende Gestänge einer Dampflok. Wenig Handlung mündet in ein dezent tragisch-pathetisches Finale, garniert mit einem Anflug von zarter Melancholie. Eine Gemser-Show für Fans, Einsteiger greifen besser zu anderen Filmen mit der schlanken Schönheit.

Mir liegt die italienische DVD von Stormovie vor. Die gebotene Qualität geht in Ordnung, doch hätte man den Film nicht auf eine DVD-5 gequetscht, wäre die Kompression vermutlich ein wenig weiter in den Hintergrund getreten. Der Ton ist in italienischer und englischer Sprache enthalten, ein Booklet (16 Seiten) rundet das Paket ab. Allerdings kommt das Heftchen lediglich in italienischer Sprache daher, vorwerfen kann man dies einer Scheibe aus Italien selbstverständlich nicht.

Liebhaber kleiner Euro-Erotikstreifen aus den siebziger Jahren kommen auf ihre Kosten, ich habe den Film sofort ins Herz geschlossen. Allerdings erscheint es mir nahezu unmöglich, in diesem Fall eine Bewertung per Zahlenraster vorzunehmen. Die Beiträge von Joe D'Amato und Bruno Mattei liegen im Bereich von 7-8/10 (gut, sehr gut), Bitto Albertinis Werk reicht nicht an diese Flicks heran. Doch eine Bewertung unterhalb 7/10 möchte ich nicht ziehen, dazu mag ich "Emanuelle Nera" viel zu sehr. Ergo bleibt nur der Verzicht auf die unseligen Noten (Von mir aus stellt euch 6/10 + viele Knuffel- und Wohlfühlpunkte vor...).

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Re: Black Emanuelle - Bitto Albertini

Beitragvon buxtebrawler » 1. Sep 2017, 14:55

„Die Schwarzen sind da wie die Kinder!“

Die exotische Schönheit niederländisch-indonesischer Abstammung Laura Gemser stieg 1974 unter der Regie Pier Ludovico Pavonis mit „Amore libero – Free Love“ ins Erotikfilmgeschäft ein und hatte ein Jahr darauf eine bemerkenswerte Nebenrolle in der ersten (und vermutlich besten) „Emmanuelle“-Fortsetzung. Dies brachte findige italienische Produzenten offenbar auf eine kongeniale Idee: Einen an die „Emmanuelle“-Reihe angelehnten Erotikfilm, dessen Protagonistin einen Kontrast zur hellhäutigen Emmanuelle-Darstellerin Silvia Kristel setzt. „Black Emanuelle“ war geboren, um ein „m“ im Namen ärmer, doch die Filmwelt damit um eine Erotik-Ikone reicher. Die Laura Gemser auf den nackten Körper geschneiderte Filmreihe entwickelte schnell ein Eigenleben, doch für den Erstling betraute man noch Bitto Albertini („Drei Spaghetti in Shanghai“) mit der Regie.

„Bist du auf ‘ne Kannibalin eifersüchtig?!“

Die junge attraktive Fotojournalistin Emanuelle unternimmt eine Exkursion nach Nairobi. Dort kommt sie beim weißen Ehepaar Gianni und Ann Danieli (Angelo Infanti, „Die Geschichte der Piera“ und Karin Schubert, „Lasst uns töten, Companeros“) unter, das sie im Flugzeug beim Sex beobachtete. Vordergründig führen diese eine glückliche Ehe, doch insgeheim kriselt es gewaltig zwischen beiden – wie Emanuelle bald feststellt und für ihre eigenen sexuellen Obsessionen instrumentalisiert. Auch Gloria (Isabelle Marchall, „Die Reise nach Palermo“) und Richard Clifton (Gabriele Tinti, „Das wilde Auge“) haben ein Auge auf die gazellenartige Exotin geworfen…

„Black Emanuelle“ greift die Prämisse des Jaeckin’schen Vorbild auf und entsendet eine junge attraktive Frau in exotische Gefilde zwecks sexueller Abenteuer. Albertinis Film beginnt im Flugzeug auf der Reise nach Nairobi und die erste, die ihre sekundären Geschlechtsorgane zur Schau stellen darf, ist nicht etwa Laura Gemser, sondern die hiermit im Erotikbereich debütierende deutsche Karin Schubert, aus der später eine waschechte Porno-Aktrice wurde. In Nairobi wird zunächst gefeiert, dann setzt Ann ihrem Gianni mit einem schwarzen Tankwart Hörner auf. Emanuelle zeigt sich von Ann recht angetan; Albertini visualisiert einen feuchten Lesbensex-Traum Emanuelles, welche Ann auch mal beim Sex beobachtet und dabei masturbiert. Gianni findet sie aber auch toll und Monogamie ist für sie ein Fremdwort.

So sehr die Handlungs-Eckpunkte eigentlich Stoff für ein Drama geboten hätten, so sehr dümpelt „Black Emanuelle“ unterbrochen von einigen amourösen und sexuellen Einsprengseln spannungsbefreit vor sich hin. Weder die kaputte Ehe der Danielis noch die promiskuitive Rolle, die Emanuelle angesichts ihrer weißen Kontakte in Afrika einnimmt, werden über die Softsex-Szenen hinaus eingehender thematisiert. Erst gegen Ende geht’s ans Eingemachte: Emanuelle lässt sich afrikanische K.O.-Tropfen verabreichen und sich während eines musikalischen Stammesrituals öffentlich von einem Ureinwohner durchnehmen. Schließlich muss sie sich gar in einem Zugabteil einer ganzen Cricket-Mannschaft erwehren, genießt jedoch später den Sex mit einem einzelnen, bevor dann doch das ganze Team ran darf – was der Film lediglich andeutet und nicht nur reichlich albern ist, sondern einmal mehr ein fragwürdiges Frauenbild kolportiert: Ein Beinahe-Vergewaltigung ist kein Grund, dass sie nur kurze Zeit später urplötzlich doch Lust auf einen Rudelfick verspürt? Schämt euch, Drehbuchautoren.

Die (unbeholfen umgesetzte) Intention dürfte dabei indes gewesen sein, in der schwarzen Emanuelle nicht nur einen Emmanuelle-Kontrast in Bezug auf die Hautfarbe zu setzen, sondern auch hinsichtlich des selbstbewussten Auftretens und der Herangehensweise an die sexuellen Erfahrungen. So benötigt Emanuelle offensichtlich keinerlei Initiation, an die sie durch dekadente Sex-Gurus herangeführt wird, sondern tritt von vornherein als diejenige auf, die sich nimmt, was sie will und sich ihrer Reize derart bewusst ist, dass sie mit einem gewissen Kalkül vorgeht. Neben einem Erotikdrama hätte sich somit durchaus auch eine bestimmte Form der Parodie angeboten, in der eine schwarze Emanuelle dekadente, hedonistische, von sich selbst eingenommene Kolonialisten in ihre Schranken weist. Doch dafür hätte es neben der Grundidee fähiger Autoren und eines ebensolchen Regisseurs bedurft.

So beschränkt man sich auf den Erotik- und Exotik-Faktor und bedient ein paar Schmuddelphantasien, inszeniert andererseits eine gewohnt sinnlich und grazil anzuschauende Gemser (wobei man jedoch auch nicht viel falsch machen kann) und zeigt sich beim Schnitt mitunter kreativ, wenn symbolhaft frequente Alltagsszenen zwischen die Penetrationen geschnitten werden. Nicht einmal halb so kreativ, sondern schlicht überflüssig und störend sind die Hardcore-Szenen, mit denen die Softsex-Szenen nachträglich angereichert und die natürlich nicht von den hier agierenden Schauspielern vollzogen wurden. Diese reißen unvermittelt aus jeder sich evtl. zart einstellenden prickelnden Stimmung, derer es dem langatmigen, flachen Film jedoch ganz allgemein mangelt. Nicht uninteressant ist evtl. noch, dass Gabriele Tinti kurze Zeit später Laura Gemser ehelichte und fortan häufig an ihrer Seite schauspielerte. Nico Fidencos musikalische Untermalung ist nicht unangenehm, jedoch eher einlullend denn erinnerungswürdige Akzente setzend.

Unterm Strich ist „Black Emanuelle“ ein reichlich holpriger Einstand der Filmreihe, die jedoch bereits ein Jahr später von jemandem fortgesetzt wurde, der offenbar mehr davon verstand: Dem berüchtigten Joe D’Amato. Dazu später an anderer Stelle mehr…
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Black Emanuelle - Bitto Albertini (1975)

Beitragvon Adalmar » 1. Sep 2017, 20:57

Kann es sein, dass Black Emanuelle eine HC-Szene von Karin Schubert mit einem dunkelhäutigen Darsteller beinhaltet, die sogar im Fernsehen (VOX oder so) ausgestrahlt wurde? Kann natürlich auch Bodydouble gewesen sein.

Edit: Ich glaube, es war der von Bux erwähnte Tankwart.
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