The Loreley's Grasp - Amando de Ossorio (1973)

Moderator: jogiwan

Re: The Loreley's Grasp - Amando de Ossorio

Beitragvon Nello Pazzafini » 21. Feb 2012, 13:58

Ich freu mich ja auf die VÖ aber eine neu angefertigte synchro im stil der 70er gibt mir gehörig zu denken :D
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Re: The Loreley's Grasp - Amando de Ossorio

Beitragvon sid.vicious » 2. Mai 2012, 11:06

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Alternativer Titel: When the Screaming Stops, Grasp of the Loreley
Produktionsland: Spanien
Produktion: Ricardo Muñoz Suay
Erscheinungsjahr: 1976
Regie: Amando de Ossorio
Drehbuch: Amando de Ossorio
Kamera: Miguel Fernández Mila
Schnitt: Antonio Gimeno
Spezialeffekte: Alfredo Segoviano
Musik: Antón García Abril
Länge: ca. 85 Min
Freigabe: Ungeprüft
Darsteller: Cristino Almodovar, Luis Barboo, Marisol Delgado, Victoria Hernández, Luis Induni, Josefina Jartin, Tony Kendall, Helga Liné


Eine kleine Ortschaft am Rhein wird von einer Bestie heimgesucht, die ihren Opfern das Herz raus reißt. Ein gewisser Sigurd soll der Sache Einhalt gebieten und auf die Jagd nach der Bestie gehen. Das es sich hier um mehr als einen irdischen Mörder handelt wird Sigurd erst später klar.

Amando de Ossorios Film bietet eine unterhaltsame Story und ist an der Loreley-Sage angelehnt. Natürlich ist es eine recht eigenwillige Version die Ossorio präsentiert, irgendwo zwischen atmosphärischem 70er Horror und klassischen Märchenstil angelegt und mit den damaligen Zeichen der Zeit leicht untermalt. Innerhalb dieses Ambientes geht es auch gleich richtig blutig los. Natürlich sind die Spezialeffekte so angelegt, dass man sie jederzeit als solche registrieren kann, trotzdem bringt der Film innerhalb der Morde eine gewisse Härte an den Tag, gerade gemessen am Jahr 1976… zwei Jahre vor Dawn… lassen wir das…

Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn.
Und das hat mit ihrem Singen die Loreley getan.
(Heinrich Heine)

Mit Singen hat Loreley bei Ossorio reichlich wenig um genau zu sein gar nichts zu tun. Helga Liné, die Darstellerin der Loreley bedient sich anderer Mittel. Erst nach der Wandlung zur Bestie entreißt sie den Menschen ihr Herz um weiterleben zu können. Zuvor ist Ossorios Loreley eigentlich nur ein Mensch der die gleichen Empfindungen hat wie andere auch. Das Helga Liné optisch sehr ansprechend ist, bringt ihr einen weiteren Sympathiepunkt ein. Denn letztendlich ist es nicht Sigurd oder Elke die zur Bezugsperson werden, sondern die mystische Gestalt der Loreley.

Kameratechnisch bietet der Film einige Nachtszenen die in Nebel getaucht wurden und ein paar schöne Landschaftsaufnahmen. Das optische Highlight ist allerdings im letzten Dritten des Films zu bewundern. Die Farben die dort eingesetzt werden aktivieren umgehend einen gewissen Wohlfühlfaktor.

Fazit: Ein netter Film der mit romantschen Zügen auffahren kann und nebenher auch einen gewissen Härtegrad versprüht. Unterhaltsames und gemütliches europäisches Horrorkino. Nichts Spektakuläres, aber trotzdem gut.

7/10
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Re: The Loreley's Grasp - Amando de Ossorio

Beitragvon Salvatore Baccaro » 22. Jan 2013, 15:54

Meiner Meinung nach kann man die Horrorfilme des Herrn de Ossorio grob in zwei Kategorien unterteilen: zunächst jene, in denen er sich relativ sklavisch einem bestimmten, entweder bereits bestehenden oder selbst erschaffenen Mythos verschreibt, dessen Regeln er einhält und nicht überschreitet (Beispiele hierfür wären MALENKA und LA NOCHE DEL TERROR CIEGO: bei ersterem versenkt de Ossorio sich vollends im klassischen Vampir-Genre, dem er nichts Eigenständiges, Neues hinzufügt, sondern im Grunde nur das zusammenträgt, was zuvor schon bestanden hat: er tritt demnach, ganz im Gegensatz zu LA NOCHE DEL TERROR CIEGO, nicht als originärer Schöpfer auf, hat mehr die Rolle eines Komponisten inne, der prä-existente Elemente in einer neuen Geschichte organisiert, eine Einschätzung, die bei zweiterem völlig umgekehrt und wohl ein Grund dafür ist, dass LA NOCHE DEL TERROR CIEGO heute solch einen Kultstatus genießt: die reitenden Templer-Leichen sind eben keine richtigen Vampire, keine richtigen Zombies, sondern, obwohl sie natürlich von beiden Mythen Elemente in sich tragen, etwas zuvor nicht Dagewesenes: nichtsdestotrotz ist de Ossorios Umgang mit dieser seiner Kreativleistung exakt derselbe wie mit den vampirischen Schauermären, die MALENKA als Grundlage dienten: hat er einmal konstituiert, wer die reitenden Leichen sind, wie sie sich ernähren und was sie bezwecken, weicht er davon nicht mehr ab, was allerdings natürlich nur gilt, sofern man die Quadrologie der blinden Templer nicht als chronologische, aufeinander aufbauende Filmreihe versteht: de Ossorio hat seinen Mythos natürlich im Laufe der Zeit verändert und variiert, und tischt seinem Publikum eigentlich in jedem reitenden-Leichen-Aufguss eine etwas modifizierte Vorgeschichte der Monstren auf, wandelt das Setting, in dem sie ihr Unwesen treiben, von einer verlassenen Burg im Hinterland über ein Geisterschiff bis hin zu einem malerischen Schloss am Meeresstrand etc., für sich betrachtet sind die Filme aber stets von einer gewissen Strenge, was ihre innere Logik angehnt, in ihnen selbst wirft de Ossorio nie über den Haufen, was er einmal festsetzte) und dann noch jene, in denen er wild zusammenwirft, was ihm seine Phantasie gerade eingibt, und die dadurch wie ein Sammelbecken aus Ideen wirken, die umeinandertreiben, sich entweder abstoßend oder organisch verschmelzend (hierzu zählen freilich solche delirischen Fieberträume wie LA NOCHE DE LOS BRUJOS, aus dessen brodelndem Hexenkessel aus Mädchenenthauptungen, Jaguarweibchen, Voodoo-Mummenschanz und Wiederkehrern wohl niemand so recht schlau werden wird, oder auch der verrückte Versuch, sich amerikanischen Mainstream-Bräuchen anbiedern zu wollen in LA ENDEMONIADA, der sein Vorbild, Friedkins THE EXORCIST, wohl nicht in Bereichen wie technischer Perfektion und ausgefeilter Dramaturgie überflügelt, aber ihn allein dadurch für mich weit in den Schatten stellt, dass er das, was man bei Friedkin als gesellschaftsstützende, gesellschaftslegitimierende Agenda leicht ausmachen kann so weit unterläuft, dass sie in einem wirren, surrealen Treiben kläglich ersäuft).

LAS GARRAS DE LORELEI nun ist eindeutig ein Vertreter zweiter Kategorie, ein kurioser Bastard, der wirkt, als habe de Ossorio bei einem ausgiebigen Spaziergang durch die Weiten seiner Kreativität all das aufgelesen, worüber er stolperte und schließlich, ohne besonders darauf zu achten, ob die einzelnen Bruchstücke sich überhaupt sinnvoll miteinander verbinden, diese zusammengeschmolzen. Ich persönlich finde es schlicht erstaunlich, was genau de Ossorio hier nun zur Versöhnung und Verbrüderung auswählte, und kann gar nicht anders als an das berühmte Bild Lautréamonts denken, wonach ein von ihm beschriebener junger Mann so schön sei wie die zufällige Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch. Nach ästhetischen Gesichtspunkten nämlich kann auch ich LAS GARRAS DE LORELEI, in dem sich nicht nur eine Nähmaschine und ein Regenschirm begegnen, sondern ganz andere, abstrusere und unglaublichere Ideen, Gegenstände, Gestalten aufeinandertreffen, nur als schön bezeichnen, eine Schönheit, die sich wohl nicht jedem erschließt und die vor allem aber auch nicht zu trennen ist, von den angeblichen Brüchen, Uneinheitlichkeiten, "Fehlern", die den Film wie ein Leitmotiv durchziehen.

Das Genre des Monster-Trash (für ein reptiliengrünes Monstrum mit schwarzem Umhang kann ich leider keine andere Bezeichnung finden, zumal das "Kostüm" nun wirklich eins der preisgünstigeren gewesen sein muss) stößt mit einem spezifisch deutschen Mythos zusammen, dem der Lorelei, einer Nixe, die mit ihrem betörenden Gesang vor allem zur Zeit der (literarischen) Romantik in Gedichten von Heine oder Brentano unzählige Rheinschiffer in den Tod zwitscherte, diesen dann aber auch noch mit dem entfernter liegenden Nibelungen-Mythos kreuzt, wenn Lorelei nämlich nicht bloß eine anmutige, jedoch todbringende Sirene sein muss, die sich nachts in besagtes Untier verwandelt, sondern zusätzlich als Hüterin des sagenumwobenen Nibelungenhorts fungiert, die als Diener den Zwergen- und Elfenkönig Alberich an die Seite gestellt bekommt, der hier aber kein Zwergen- und Elfenkönig sein kann, da seine Gestalt die eines bärigen Hünen ist. Bespritzt wird das Ganze noch mit ein bisschen latenter Erotik oder zumindest einer nudistischen Atmosphäre (Anklänge an die zu dieser Zeit noch immer grassierende Epidemie der deutschen Sex-Klamauk-Filmchen kann man zumindest in Ansätzen wahrnehmen, da das Setting des "Mädcheninternats" (das behauptet jedenfalls der deutsche Titel des Films; ich, der ich bislang einzig die englische Synchronfassung vorliegen hatte, dachte bis dato immer, dass die Mädchengruppe nur auf einer Ferienreise sei, und das Internat daher mehr so etwas wie ein Landschulheim ist) Stoff genügend liefert, denselbigen den jungen Grazien vom Leib zu reißen, d.h. de Ossorio frönt auch hier, allerdings nicht ganz so schlimm wie bspw. bei LA NOCHE DE LOS BRUJOS, seinem Kitzel, so viele Frauen unter 30 nackt zu zeigen wie sie das Ensemble nur hergibt. Erwartet werden dürfen außerdem zwar nicht unbedingt auf hohem technischen Niveau angesiedelte, aber doch recht garstige Splatterszenen (das Extrahieren von Herzen durch eine Bestienklaue aus vorwiegend weiblichen Brustkörben), viel Lokalkolorit, da der Film tatsächlich am Rhein gedreht wurde und nicht an irgendeinem spanischen Flüsschen, eine flache Liebesgeschichte, ein wenig Polizeiermittlungsarbeit, stellenweise optische Spielereien, die dem Übernatürlichen der Geschichte geschuldet sind, und ein wissenschaftlicher "Background", der sich als schlechter Witz herausstellt, wenn ein Professor, dessen Labor mehr einer Tierhandlung ähnelt, inklusive einem frei herumlaufenden Schaf, von dem ich gar nicht wissen will, für welche Experimente es herhalten muss, dem nominellen Helden, einem eher unsympathischen Schürzenjäger vor dem Herrn, todernst erklärt, Vollmondstrahlen würden in Loreleis Leib chemische Reaktionen bewirken, die wiederum sie zum Monstrum werden lassen, das nur mittels eines radioaktiven Dolchs zur Strecke gebracht werden könne (übrigens ist die Verbindung von archaischen und modernen Elementen indes ein weiteres Trademark des de-Ossorischen Filmschaffens, man denke nur an die kontrastreiche Gegenüberstellung der Welt der frühen 70er und der mittelalterlichen Schauerromantik der Templerburg in LA NOCHE DEL TERROR CIEGO, oder die Art und Weise, wie die Exorzisten-Thematik in LA ENDEMONIADA mit wesentlich älteren Vorstellungen europäischen Hexentreibens angereichert wird - de Ossorio verfrachtet gerne Relikte vormaliger Märchen-, Legenden- und Schauergeschichtentraditionen in moderne Kontexte oder umgekehrt die moderne Welt in Form der in ihr lebenden Menschen in Welten, die noch unbelastet von ihnen sind und dadurch anachronistisch erscheinen - so ist es ein immer wiederkehrendes Motiv, dass Menschen progressiver Zivilisationen sich in dunklen Vampirschlössen (MALENKA), in Templer-Hochburgen, wo Teufelsfeste gefeiert werden (LA NOCHE DE LAS GAVIOTAS) oder im magisch aufgeladenen afrikanischen Busch wiederfinden (LA NOCHE DE LOS BRUJOS) - sie haben die ihnen vertraute Umgebung verlassen und verlieren somit auch jeden Kontakt zu einem rationalen Denken, das die Erde von arkanen Winkeln und noch ungelösten Geheimnissen entzaubert hat, um in märchenhaften Reichen, die ganz eigene Gesetze begründen, ihren Kopf zu retten - schlussendlich aber, und nichts anderes erzählt LAS GARRAS DE LORELEI, wenn am Ende eben der radioaktive Dolche des bereits ermordeten Professors die Erlösung bringt, siegt die Wissenschaft, der "vernünftige" Geist, das Licht der Aufklärung über das aus Grüften der Vergangenheit hochgestiegene Grauen und verurteilt es dazu, nach seiner physischen Zerstörung, bloß noch in Liedern und Gedichten weiterleben zu können - womit der Film allerdings recht allein auf weiter Flur steht, was de Ossorios Oeuvre betrifft, der ja in seinen Finalen gerne das Gegenteil beschwört, nämlich den Angriff der Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft, sinnbildlich wohl am schönsten durch den Zug dargestellt, der die Templer in ihrem ersten Abenteuer vom Hinterland mitten hinein in die Zivilisation bringt - versteht man den Zug zudem als Metapher für das Medium Film an sich so wird klar, dass de Ossorio seine Kunst wie eine Beschwörungspraktik gebraucht, die die weit von uns geschobenen Archaismen, die vor der Vernunft liegenden archetypischen Vorstellungen wie sie sich in Märchen und Legenden manifestierten, zurück ins Bewusstsein zu rufen.)

In LA GARRAS DE LORELEI erfüllt de Ossorio also nicht nur die nie an ihn gestellte Forderung der von écriture automatique und Absinth trunkenen Pariser Surrealisten, er wird auch, einmal mehr, zum Mythenschöpfer, indem er transferiert, Bedeutungen ihres konkreten Inhalts oder Inhalte ihrer konkreten Bedeutung entkleidet, und zusammensetzt, was nicht zusammengehört. Diese neue Einheit ist das, was ich bei diesem und so vielen anderen Filmen beklatsche, die der gemeine Cineast als Schund verschreit. Da möchte ich lieber noch tausendmal in die wilden Wellen des Rheins eintauchen wie de Ossorio ihn sieht, und seinen an den Haaren herbeigezogenen pseudo-wissenschaftlichen Tiraden lauschen, seiner Kamera über lesbischen Liebesspielen hingegebenen Mädchen folgen und ihm nachsichtig verzeihen, dass das Monsterkostüm dann doch so miserabel geraten ist, als mir auch nur einmal seine oder meine Träume von einer jener Großproduktionen austreiben zu lassen, wie sie uns von den Plakaten und Hochhäusern der Stadt anschreien, dass wir vor ihnen im nächsten Großkino auf die Knie fallen sollen, um sie erst anzubeten und dann zu vergessen.
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Re: The Loreley's Grasp - Amando de Ossorio

Beitragvon Blap » 23. Apr 2013, 22:46

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The Loreley's Grasp - Die Bestie im Mädchen-Pensionat (Spanien 1976, Originaltitel: Las garras de Lorelei)

Herzliches mit Helga

Eine beschauliche Ortschaft am Rhein wird von einer Bestie heimgesucht. Im fahlen Mondlicht rückt das Ungetüm an, reißt entsetzten Opfern das Herz heraus und verschwindet. In der Nähe besuchen jungen Damen eine Privatschule, beunruhigt engagiert man auf Empfehlung den erfahrenen Jäger Sigurd (Tony Kendall), er soll mögliche Übergriffe des grausamen Killers unterbinden. Lehrkraft Elke (Silvia Tortosa) zeigt zunächst wenig Begeisterung für die Anwesenheit des Beschützers, schließlich bringt der smarte Bursche sämtliche Liebeshormone der Schülerinnen in Wallung. Außerhalb Sigurds Arbeitsbereichs kommt es zu weiteren Morden. Der verwirrt anmutende Professor Van Landen (Ángel Menéndez), erläutert dem Jäger eine erschreckende Theorie! Im Schein des Mondes erhebt sich Loreley aus den Fluten des Rheins, verwandelt sich in ein blutrünstiges Monster, ein Monster welches sich von den Herzen seiner Opfer ernährt. Sigurd trifft in der Nähe des Flusses auf eine atemberaubend schöne Frau (Helga Liné), wird von prickelnder Faszination und Zuneigung ergriffen. Handelt es sich tatsächlich um die legendäre Loreley? Kann Sigurd zukünftige Morde verhindern? Welche Pläne hat die rätselhafte Schönheit mit Sigurd? ... und welcher Art sind Elkes Gefühle, deren Abneigung gegen den attraktiven Mann allzu übertrieben und vorgeschoben wirkt ...???

Regisseur Amando de Ossorio ist vor allem für "Die Nacht der reitenden Leichen" (La noche del terror ciego, 1971) bekannt. Diesem Klassiker des spanischen Horrorfilms folgten drei -ebenfalls von de Ossorio inszenierte- Fortsetzungen. Seine Interpretation der Loreley Sage, vermengt mit den Nibelungen, ist weitaus weniger bekannt, sollte Freunde des Genres auf Anhieb für sich gewinnen. Liebhaber bekommen all die herrlichen Zutaten geboten, für die sie Filme dieser Beschaffenheit schätzen und verehren.

Mit Silvia Tortosa und Helga Liné gibt es gleich zwei umwerfend schöne Frauen zu bewundern, die Damen standen auch für Eugenio Martins "Horror Express" (1972) gemeinsam vor der Kamera. An der Seite von Helga Liné würde ich sofort in den Fluten des Rheins versinken, über ihre kleinen Beutezüge bei Vollmond sehe ich gern hinweg. Tony Kendall gibt den coolen Helden, natürlich ganz Macho mit Kippe in der Schnauze und behaarter Brust, Gewehr und Messer stets griffbereit. Ángel Menéndez gibt den verschrobenen Wissenschaftler, Gesichtsruine Luis Barboo macht uns den Alberich, brutaler Scherge des Bösen, herrlich. Luis Induni ringt als Bürgermeister um Kontrolle, aufgebrachter Pöbel möchte große Töne spucken, spätes Mittelalter im Nachkriegsdeutschland. Als Krönung gibt es ein geiferndes Monstrum zu sehen, welches seine Opfer ohne Gnade attackiert. Zwar verzichtet Amando de Ossorio auf nackte Tatsachen, an knisternder Erotik mangelt es indessen nicht. Hier und da klopft der Filmemache ein wenig aufs Mett. Schwabbelherzen werden aus Gummileibern gerissen, Alberich schwingt die Peitsche, Säure zerstört eine Fratze. Selbstverständlich sind die Effekte eher knuffig als schockierend, wirkt das wundervoll absurde Treiben eher liebenswert als wirklich böse. Wenn nicht gerade ein Monster für Unruhe sorgt, scheinen die Schülerinnen vor allem am Swimmingpool zu verweilen, freilich unter den strengen Blicken der Lehrerinnen.

Wer Eurohorror aus den siebziger Jahren ins Herz geschlossen hat, sollte sich diesen feinen Streifen auf jeden Fall anschauen! 2009 entstand die erste Fassung dieses Kurzkommentars, damals nach Sichtung der DVD aus den USA. Inzwischen hat "The Loreley's Grasp" den Weg nach Deutschland geschafft, Shock DVD Entertainment veröffentlichte das Werk auf einer ansprechenden Scheibe. Dort sind nicht nur der spanische Orignalton und die englische Fassung zu finden, es wurde erstmalig eine deutsche Synchronisation erstellt. Erfreulicherweise trifft die Synchro recht gut den Stil der siebziger Jahre, nebenbei wird die Sause nun auch dem letzten Fremdsprachenmuffel zugänglich.

Wundervoller Horrorschatz aus dem Südwesten Europas! Gern erhöhe ich meine Zahlenwertung auf 8/10 (sehr gut). An der immer wieder beschworenen "10/10 Wohlfühlatmosphäre" ändert sich nichts. Grostesk, obskur und knuffiger als knuffig!


Lieblingszitat:

"Eine Kuriosität der Transmutation ist, dass die Dekomprimierung der Zellen einsetzt, während sie sterben, um anschliessend mumifiziert zu werden, wie Sie es bei dieser Hand hier sehen können!"
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Re: The Loreley's Grasp - Amando de Ossorio

Beitragvon jogiwan » 24. Apr 2013, 07:59

kommt der jetzt eigentlich noch als ehemals angekündigte FSK-16-Kaufhausversion oder nicht? Ich hab ja die Ami-Scheibe, aber bislang leider noch nicht gesichtet...
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Re: The Loreley's Grasp - Amando de Ossorio

Beitragvon Blap » 24. Apr 2013, 09:54

jogiwan hat geschrieben:kommt der jetzt eigentlich noch als ehemals angekündigte FSK-16-Kaufhausversion oder nicht? Ich hab ja die Ami-Scheibe, aber bislang leider noch nicht gesichtet...


Keine Ahnung. Aber wenn Du bereits die BCI-Scheibe besitzt, kannst Du auf die deutsche Fassung -trotz ansprechender Synchro- getrost verzichten. Habe das Teil nur aus irrem Sammelwahn gekauft, der günstige Börsenpreis hat mich verführt, nun hat die US-DVD ein wenig Gesellschaft.
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Re: The Loreley's Grasp - Amando de Ossorio

Beitragvon buxtebrawler » 24. Apr 2013, 11:03

Blap hat geschrieben:Lieblingszitat:

"Eine Kuriosität der Transmutation ist, dass die Dekomprimierung der Zellen einsetzt, während sie sterben, um anschliessend mumifiziert zu werden, wie Sie es bei dieser Hand hier sehen können!"


Bei solch schönen Zitaten wird die deutsche Synchronisation direkt interessant :kicher:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record) / Der Mann mit der eisernen Maske (Whale) / Rock'n'Roll Nightmare
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Re: The Loreley's Grasp - Amando de Ossorio

Beitragvon ugo-piazza » 24. Apr 2013, 12:41

jogiwan hat geschrieben:kommt der jetzt eigentlich noch als ehemals angekündigte FSK-16-Kaufhausversion oder nicht?


Ich werde drauf warten...
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: The Loreley's Grasp - Amando de Ossorio

Beitragvon ugo-piazza » 29. Mai 2014, 23:04

Als Armando de Ossorio einmal Urlaub am schönen deutschen Rhein machte, war er von der Loreley-Sage so begeistert, dass er daraus die Grundessenz seines nächsten Films kreierte. Freilich griff er sich nicht die wirkliche Loreley-Sage, sondern seine eigene Variante, wonach die Loreley am Boden des Rheins das Rheingold der Nibelungen bewache und dazu verdammt sei, sich in ein Monstrum zu verwandeln, das töten müsse, um selbst am Leben zu bleiben.

Ich gebe ja ohne Umschweife zu, von den alten deutschen Sagen wirklich absolut keine Ahnung zu haben, aber ich finde es faszinierend, wenn ein Spanier sie aufgreift und daraus dann seine eigene Paella kocht, abgeschmeckt mit einer Prise seltsamer Gewürze wie ein radioaktiver Dolch oder einem Catfight zwischen Lores Handlangerinnen. Dass wenigstens teilweise wirklich am Rhein gedreht wurde, erhöht den Authentizitätsfaktor natürlich. Authentisch 1972 ist natürlich die Hose von Tony Kendall, weshalb ihm sämtliche Damen (darunter Helga Liné und Loretta Tovar) an die Wäsche wollen.

Wie eigentlich alle spanischen Horrorproduktionen jener Zeit verdient sich auch dieser Film das Prädikat "besonders knuffig"

Und wenn man sieht, dass der Film, bei dem es doch manchmal recht ruppig zur Sache geht, ab 16 freigegeben wurde, ist es doch wohl höchste Zeit, dass auch in diesem Land Käpt'n Ossorios Geisterschiff wieder in See stechen darf.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: The Loreley's Grasp - Amando de Ossorio

Beitragvon Theoretiker » 30. Mai 2014, 08:14

Ich bin leider auf die derzeit übliche Marketingpolitik hereingefallen und hatte mir das überteuerte MB gekauft. Da falle ich auch nicht mehr drauf rein. :roll:

Nun denn, da kann der Film aber nichts für, der sich als überaus unterhaltsam und überraschend blutig erweist, tolles Lokalkolorit und viel nackte Tatsachen vorweisen kann, sodass die originelle Story ansprechend verpackt daher kommt.

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