The Devil's Possessed - León Klimovsky (1974)

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The Devil's Possessed - León Klimovsky (1974)

Beitragvon jogiwan » 17. Mai 2012, 15:43

The Devil's Possessed

Bild

Originaltitel: El Mariscal del infierno

Herstellungsland: Spanien, Argentinien / 1974

Regie: León Klimovsky

Darsteller: Paul Naschy, Mariano Vidal Molina, Guillermo Bredeston, Eduardo Calvo, Germán Kraus

Story:

Baron Gilles de Lancre ist auf der Suche nach einem Juwel, welcher ihn unsterblich machen kann. Um seine Untertanen im Griff zu halten benutzt er ein Terrorregime, das auf Hexerei, böse Geister und den Aberglauben der einfachen Leute aufbaut. Doch schon bald wird dem Volk die Terrorherrschaft zu viel und sie zetteln eine Revolte an... (quelle: ofdb.de)
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Re: The Devil's Possessed - León Klimovsky (1974)

Beitragvon jogiwan » 27. Jan 2013, 10:56

Ein Satz mit X... Normalerweise bürgen die Namen Naschy und Klimovsky ja für Qualität, aber mit diesen Werk haben sich wohl beide keinen großen Gefallen getan. Nicht nur, dass die ganze Sause statt Horror eher in Richtung Abenteuer- und Mantel & Degen-Film geht, auch der Rest wirkt eher uninspiriert, unspannend und kostengünstig inszeniert. Die Geschichte erinnert etwas an "Macbeth" und "Robin Hood" und wurde mit okkulten Zutaten, einem Hauch Gore und einer Revolution angereichert. Alles immer recht plump und billig und irgendwie konnte mich das Teil auch dank mäßiger Bildqualität der Ami-Scheibe nicht so sonderlich überzeugen. Neee... eigentlich gar nicht!
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Re: The Devil's Possessed - León Klimovsky (1974)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 28. Feb 2013, 21:31

Hmmm, ganz kann ich Jogiwans Verriss dieses eher unbekannten Paul-Naschy-Vehikels nicht nachvollziehen. Sicherlich ist EL MARISCAL DEL INFIERNO nun nicht eins jener Werke, für die der gute Mann oder eben Regisseur Klimovsky Unsterblichkeit innerhalb der Filmgeschichte erhalten haben, dennoch kann ich nicht wirklich behaupten, dass der Film mich schlecht unterhalten hätte, denn gerade diese ungewöhnliche Mixtur aus tatsächlich eher kostengünstigem Mantel-und-Degen-Abenteuer mit ausgeprägtem Robin-Hood-Motiv und einer banalen Romanze auf der einen Seite und einem eher an Macbeth erinnerenden Aristorkratendrama voller okkulter Untertöne ist nun nicht unbedingt etwas, das man, im Gegensatz zu manch anderen Genre-Topoi, hundertmal gesehen hat, bringt also auf jeden Fall eine gewisse Kreativität mit, die manche offensichtliche Schwäche wie das bspw. inhaltlich etwas dürftige Drehbuch oder die schon erwähnte sparsame, reduzierte Ausstattung für mich leicht übertünchte.

Offensichtlich ist natürlich, dass für die Figur des Gilles de Lancre niemand anderes als der berühmte Massenmörder und Päderast Gilles de Rais (1404-1440) Pate stand. Leider, und das wäre nun etwas, das ich Klimovsky und Naschy ankreiden muss, wurde das Potential, das eine Verfilmung dieses wilden, ungestümen, im wahrsten Sinne des Wortes zumindest teilweise freien Lebens mit sich bringt, weitgehend ungenutzt gelassen. Statt dass man de Lancre differenzierter zeigt, ihn mehr seinem historischen Vorbild annähert, und auch die ambivalenten Seite zum Vorschein kommen lässt, die Gilles de Rais unstreitbar besaß, stellt Naschy ihn im Grunde als nichts weiter als einen machtbesessenen Fürsten dar, der seine Lust aus Grausamkeiten schöpft und von dem Wahn verfolgt wird, mittels dubioser, ihn betrügenden und ausnehmenden Alchemisten das Geheimnis zu finden, wie man wertlosere Metalle in Gold verwandeln könne - was ja freilich mit den tatsächlichen Begebenheiten übereinstimmt, nichtsdestotrotz aber die Persönlichkeit und Biographie des Franzosen einer starken Vereinfachung unterzieht, wie man sie besonders im Finale sehen kann. Naschy, sozusagen das pure Böse, das noch kurz vor dem eigenen Tod in schierer Selbstüberschätzung davon fiebert, die Weltherrschaft zu erringen, wird eben nicht, wie der historische Gilles, in seinen letzten Stunden von einer niederschmetternden Reue heimgesucht, die seiner Hinrichtung den erhebenden Glanz eines Märtyrerspektakels verleiht. Gerade dieser Widerspruch - einerseits die furchtbarsten Verbrechen, die Gilles de Rais, anders als Gille de Lancre, vorrangig in Form von Sexualmorden an kleinen Jungen verübte (dass speziell diese perverse Eigenart Gilles in dieser Verfilmung unter den Tisch gekehrt wird, scheint mir indes noch am nachvollziehbarsten zu sein, da sie wohl selbst in einem liberaleren Staat als dem Spanien Francos zweifellos zu massiven Zensurproblemen geführt hätte), andererseits eine wahre Gottesfurcht, die ihn stets daran hinderte, dem Teufel seine Seele zu verschreiben, und ihn sein Leben als Sünder mit einem Haupt voller Asche beschließen ließ -, der so unterschiedliche Autoren wie de Sade, Huysmans oder Battaile an der Figur Gilles interessierte, findet in Klimovskys Variante der Geschichte nicht den geringsten Niederschlag: mehr erinnert der Film daher an populäre Märchen wie das des Blaubart, die indirekt auf die Taten des Gilles de Rais zurückzuführen sind, an eine beschönigte, vereinfachte und vor allem mit klischeehaften Storyelemeten aus der bunten Fundkiste der Trivialkunst durchsetzte Aufarbeitung, die weder psychologisch irgendetwas Neues oder Interessantes vorlegt noch auf die spezifischen historischen Begebenheiten eingeht, die die Verschwendungssucht, den sexuellen Sadismus und die Naivität Gilles de Rais mit begüngstigen. (In dem Zusammenhang finde ich es übrigens merkwürdig, dass Frank Trebbin den Film im Jahre 1650 ansiedelt - ich wüsste wirklich gerne, wie er ausgerechnet auf diese Jahreszahl kommt, zumal die Kostüme der Schauspieler eindeutig spätmittelalterliche Züge tragen und außerdem mehrfach im Film ein Krieg mit England erwähnt wird, bei dem es sich ja wohl nur um den sog. Hundertjährigen handeln kann.)
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