The cold hour - Elio Quiroga

Moderator: jogiwan

The cold hour - Elio Quiroga

Beitragvon Die Kroete » 9. Feb 2013, 14:46

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Originaltitel: La hora fria

Herstellungsland: Spanien

Erscheinungsjahr: 2006

Regie: Elio Quiroga

Darsteller: Silke Hornillos Klein, Jorge Casalduero, Omar Munos, Pepe Oliva, Carola Manzanares, Nadia de Santiago u.a.

Inhalt:
Unheimliche Viren lassen die Menschen zu Monstern mutieren. Eine kleine Gruppe von Überlebenden hat sich in einem unterirdischen Bunker verbarrikadiert und lebt von der Außenwelt völlig isoliert fern jeglichen Tageslichts. Ihr Tagesablauf wird bestimmt vom täglichen Kampf ums Überleben. Sie verlassen niemals das Gebäude und verharren wachsam im Neonlicht ihrer kleinen abgeschotteten Welt. Belagert von verseuchten Mutanten leben sie in den bröckelnden Mauern des unterirdischen Komplexes in ständiger Angst um ihr Leben.

Als die Nahrungsvorräte knapp werden, muss ein Teil der Gruppe das abgesicherte Gebiet verlassen, um Vorräte, Medikamente und Munition zu besorgen. Zusammen starten sie einen Ausbruchsversuch und stellen sich dem unheimlichen Feind. Doch in den Tiefen des Bunkers lauert noch etwas weitaus Gefährlicheres.

Fazit:
Durchaus gelungener atmosphärisch-düsterer Endzeitfilm, dem es gelingt, den Zuschauer von Anbeginn in seinen Bann zu ziehen. Wenngleich auch zu Beginn des Films, viel Zeit damit verbracht wird, alle Charaktere vorzustellen und die bedrohliche Situation dem Betrachter nahe zu legen, gewinnt der Film zunehmend im Handlungsverlauf an Idenzität und einer surrealistischen Erzählweise, die sich durch teils unvorhersehbare und unglaubliche Ereignisse, einer fast schon extaseartigen Steigerung erfreuen kann.

Für mich einer der besten Endzeitfilme, der letzten 20 Jahre. Freunde des Genres empfehle ich allerdings erst mal reinzuschauen bevor sie hier gleich kaufen. Action-Fans werden nämlich nicht unbedingt ihre Freude haben, an diesem Isolations-Thriller, der ein Crossover aus Sci-Fi, Fantasy, Horror und Kunst-Kino zu bieten hat.
Gesehen haben, sollte man den Film aber auf jeden Fall. Es lohnt sich!

10/10
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Re: The cold hour - Elio Quiroga

Beitragvon horror1966 » 9. Feb 2013, 15:08

Dieser Film hat mich wirklich sehr positiv überrascht. Es ist hier wirklich gut gelungen, eine sehr klaustrophobische Atmosphäre zu erschaffen, die den Zuschauer von Anfang an in ihren Bann zieht. Die Atmo ist sehr dicht und bedrohlich, so das man auch ein gewisses Gefühl der Beklemmung verspürt. Das hier dargestellte Endzeit - Szenario wird absolut glaubhaft rübergebracht, so das der Zuschauer sich sehr gut in die Situation der Betroffenen hineinversetzen kann.

Das liegt auch nicht zuletzt an den wirklich guten Darstellern, die ihre Charaktäre sehr autentisch und glaubhaft spielen. Durch ihre sehr guten darstellerischen Darbietungen kann man die Auswegslosigkeit und Verzweiflung teilweise richtig fühlen, das hat mich persönlich schon sehr beeindruckt.

Die Spannung wird in diesem Film sehr gut aufgebaut und bewegt sich auf einem konstant hohen Level. dadurch, das die sogenannten "Kreaturen" die meiste Zeit des Films nur erwähnt und nicht gezeigt werden, erhält die Spannung noch einmal einen weiteren Schub und der Fantasie des Betrachters wird freier Lauf gelassen.

Zum Ende hin erhält der Film sogar noch eine etwas härtere Note, es fließt auch einiges an Blut, aber das ist bei diesem tollen Film nicht das Wesentliche. Das Ende ist dann wirklich sehr überasschend und bietet eine Auflösung, die man in dieser Form wirklich nicht erwarten konnte.

Insgesamt gesehen ist "The Cold Hour" eine wirklich gelungene spanische Produktion, die sehr interessant und spannend in Szene gesetzt wurde. Dieser Film ist wirklich mal eine willkommene Abwechslung im Genre und bietet allerbeste Unterhaltung.




8/10
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Re: The cold hour - Elio Quiroga

Beitragvon buxtebrawler » 9. Feb 2013, 19:54

Danke für die Filmvorstellung. Was sagt Spanien-Korrespondent jogiwan dazu?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: The cold hour - Elio Quiroga

Beitragvon jogiwan » 9. Feb 2013, 20:09

ich kenn den noch nicht, hab ihn mir aber für die nächsten Einkäufe vorgemerkt! :)
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Re: The cold hour - Elio Quiroga

Beitragvon untot » 10. Feb 2013, 16:55

Ich hab den auch ganz gut in Erinnerung, schon ne Weile her aber 7/10 würd ich auch geben!
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Re: The cold hour - Elio Quiroga

Beitragvon jogiwan » 15. Feb 2013, 08:30

Ich fand den Anfang von "La Hora Fria" jetzt gar nicht mal so gelungen und anfänglich deutet ja alles etwas auf einen weiteren Found-Footage-Streifen bzw. "Rec"-Klon hin, der interessanterweise jedoch erst ein Jahr danach produziert wurde. Der Film lässt sich auch Zeit, präsentiert ausgiebig seine Charaktere und nur häppchenweise werden dem Zuschauer Handlungselemente zugeworfen, die die Geschichte immer wieder in eine neue Richtung lenken und die Spannung bis zum Finale extrem steigern. Das Ganze ist dann auch sehr fesselnd erzählt, gruselig, atmosphärisch dicht und das Ende lässt den Zuschauer schon etwas geplättet zurück. Verraten will man ja nix, aber ich bin mit meiner Ahnung jedenfalls komplett falsch gelegen. Die unberechenbare und gelungene, weil auch sehr europäische Mischung aus Klaustrophobie-Thriller, Sci-Fi-Horror und Mystery kann man dann auch nur empfehlen, selbst wenn vieles letzten Endes dem Empfinden des Zuschauers überlassen bleibt. Großartiger, kleiner Streifen!
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Re: The cold hour - Elio Quiroga

Beitragvon buxtebrawler » 15. Feb 2013, 11:07

[x] Einkaufswagen
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: The cold hour - Elio Quiroga

Beitragvon dr. freudstein » 15. Feb 2013, 13:54

buxtebrawler hat geschrieben:[x] Einkaufswagen


Ach den getunten mit Winterreifen, portablen DVD PLayer, Heckantrieb etc. ? Ist es wieder soweit :D
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Re: The cold hour - Elio Quiroga

Beitragvon buxtebrawler » 29. Apr 2013, 20:31

„Wer ist Gott?“ – „Das ist so ein Kerl, der uns verlassen hat.“

Zehn Jahre nach seinem Spielfilmdebüt „Fotos“ drehte der spanische Regisseur Elio Quiroga mit „The Cold Hour“ seinen zweiten Film in Spielfilmlänge, einen Endzeit-Horrorfilm, zu dem er auch das Drehbuch verfasste. Eine Gruppe von neun Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts lebt nach einem verheerenden Krieg von der Außenwelt abgeschnitten in einem unterirdischen, bunkerähnlichen Gebäudekomplex. Die Bewohner können ihren Zufluchtsort nicht verlassen, da gleich zwei unterschiedliche, gefährliche Wesen nach ihrem Leben trachten: Von einem hochgradig ansteckenden Virus infizierte, zombieähnliche Kriegsopfer sowie mysteriöse, immateriell erscheinende Wesen, die von Wärme angezogen werden, weshalb man immer wieder Strom und Heizung drosselt und dadurch die titelgebende „kalte Stunde“ erzeugt. Doch als die Nahrungs- und Medizinvorräte zu Neige gehen, muss man den Komplex verlassen – und sieht sich prompt den lauernden Gefahren ausgesetzt. Verlustreiche Gefechte nehmen ihren Lauf…

In den jüngeren vergangenen Jahrzehnten haben die Spanier immer wieder unter Beweis gestellt, dass sie etwas von atmosphärischer Genrekost verstehen und in eben diese Kerbe schlägt auch der zunächst einmal eher unauffällige Beitrag Quirogas. Mit einem vergleichsweise geringen Budget wagte sich dieser an einen klaustrophobischen Endzeit-Thriller, der seine Protagonisten zunächst völliger Isolation und schließlich tödlichem Kreaturenhorror aussetzt. Der lebensfeindlich wirkende Bunkerkomplex ist fast die gesamte Spielzeit über der Ort des Geschehens und dürfte maßgeblich dazu beigetragen haben, mit dem Budget zu haushalten. Überdeckt mit einem giftigen Grünfilter gewinnt der Film eine fremdartige, surreale Note, die dadurch verstärkt wird, dass man sich in Bezug auf die chronologische Einordnung der Handlung bedeckt hält. In welchem Jahr der Film spielt, um welchen Krieg es geht und was genau geschehen ist, erfährt der Zuschauer nicht; die futuristische Situation steht im Kontrast zu Uralt-Cartoons und ebenso alt wirkenden Nachrichtensendungen bzw. politischen Propagandasendungen voller Zynismus, die die TV-Geräte empfangen. Das Informationsdefizit des Zuschauers perfekt macht der Umstand, dass „The Cold Hour“ zunächst aus Sicht des kleinen Jungen Jesus (Omar Muñoz, „Beneath Still Waters“) erzählt wird, der seinen Alltag innerhalb der Gruppe per Videokamera dokumentiert.

Doch keine Sorge, „The Cold Hour“ ist nicht der x-te pseudodokumentarische „Found Footage“-Beitrag und schon gar kein „[•REC]“-Plagiat. In sehr ruhigem Erzähltempo versucht Quiroga über weite Strecken zunächst einmal, den Zuschauer mit den Charakteren vertraut zu machen und seine Neugier zu wecken, der nur sehr gemächlich für ihn neue Informationen erhält und stattdessen immer tiefer in die triste, kalte, aussichtslose Stimmung des Films hineingezogen wird. Dabei wird das Publikum lange – beinahe zu lange – auf die Folter gespannt, denn die Kreaturen, von denen soviel die Rede ist, bekommt es erst nach zwei Dritteln der Spielzeit erstmals zu Gesicht. Bis dahin wirkt „The Cold Hour“ bisweilen sehr bemüht in die Länge gezogen, denn bei allem sozialen Mit-, Über- und Gegeneinander mangelt es doch letztlich an einem wirklich interessanten Subplot. Eifersüchteleien brechen sich Bahn, die minderjährige, doch langsam geschlechtsreife Ana (Nadia de Santiago) scheint von einem älteren Bewohner verführt zu werden, doch richtig zwingend oder konsequent wird nichts davon. Erst, als es zur Konfrontation mit den Kreaturen kommt, wird es grafischer, etwas blutig und splatterig, steigt der Actionanteil und dezimiert sich die Gruppe schließlich gegenseitig in Anbetracht des zerrütteten Verhältnisses untereinander und der eskalierenden Extremsituation – wenn auch nicht immer 100%ig nachvollziehbar und zudem in dunklen Gängen nicht in voller Explizität.

Das Finale sodann führt den Pessimismus des Films konsequent zu Ende und hält als Pointe eine Überraschung parat, doch viele Fragen bleiben ungeklärt. Das ist so schlimm aber nicht, denn längst ist der gut geschauspielerte (populärstes Ensemble-Mitglied des ohne bekanntere Namen auskommenden Films dürfte Silke Hornillos Klein in der Rolle der Mari sein) „The Cold Hour“ unangenehm unter die Haut des aufmerksamen Zuschauers gekrochen und hat dort seine Eiseskälte entfacht. Quiroga hat mit Sicherheit John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ gesehen, reicht mit seinen Möglichkeiten natürlich längst nicht an dessen unvergleichliche Atmosphäre heran, begibt sich aber – abgesehen von Carpenters wilden, entfesselten Mutations-Spezialeffekten – in ähnliche Fahrwasser, die „The Cold Hour“ zu einem sehenswerten, kleinen, zunächst recht unscheinbaren Genrefilm machen, der die Fantasie des Zuschauers anregt und die Selbstzerstörung der Menschheit in dystopischer Science-Fiction-Manier thematisiert, geraubte Kindheiten zeigt und wehrlose, unschuldige Opfer eindringlich ins Bewusstsein rückt.
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