The Abandoned - Die Verlassenen

Moderator: jogiwan

The Abandoned - Die Verlassenen

Beitragvon horror1966 » 10. Jun 2010, 18:01

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The Abandoned - Die Verlassenen
(The Abandoned)
mit Anastasia Hille, Karel Roden, Valentin Ganev, Paraskeva Djukelova, Carlos Reig-Plaza, Kalin Arsov, Swetlana Smoleva, Anna Panayotova, Jordanka Angelova, Valentin Goshev, Jasmina Marinova, Monica Baunova, Marta Yaneva
Regie: Nacho Cerda
Drehbuch: Karim Hussain / Nacho Cerda
Kamera: Xavi Gimenez
Musik: Alfons Conde
Keine Jugendfreigabe
Spanien / 2006

Vor über 40 Jahren wurde Marie Jones als kleines Baby in ihrer Heimat Russland von einer britischen Familie adoptiert. Mittlerweile lebt sie in den USA, hat selbst eine Tochter im Teenager-Alter. Als Marie von einem russischen Anwalt mitgeteilt bekommt, dass sie das Haus ihrer verstorbenen leiblichen Mutter geerbt hat, kehrt sie an den Ort ihrer Geburt zurück. Das heruntergekommene Anwesen liegt abgelegen mitten im Sumpf, nur mit Hilfe des schroffen einheimischen Führers Anatoliy findet sie überhaupt den Weg dorthin. Doch dann ist Anatoliy plötzlich verschwunden. Marie durchstöbert allein das alte Gemäuer und trifft schon in der ersten Nacht auf ein unheimliches Wesen - ein endloser Alptraum beginnt...


Der spanische Regisseur Nacho Cerda war bisher eigentlich eher für seine teils beeindruckenden Kurzfilme wie zum Beispiel "Aftermath" bekannt, doch was hier unter seiner regie entstanden ist, kann man wohl ohne Übertreibung als hervorragend bezeichnen. Gerade in der heutigen Zeit, in der Horrorfilme hauptsächlich durch ihren Härtegrad beeindrucken sollen, ist es eine mehr als willkommene Abwechslung, wenn man einmal einen erfrischenden Gruselfilm zu sehen bekommt, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Und genau das bekommt man mit "The Abandoned" zu sehen, einen sehr intensiven Grusel-Schocker, der eine Geschichte erzählt, die einem zu Beginn eventuell etwas verwirrend vorkommt, aber mit zunehmender Laufzeit immer mehr Klarheit einbringt, so das am Ende des Films keinerlei Fragen zurückbleiben. Doch es ist längst nicht nur die gut durchdachte Story, die hier einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer hinterlässt, es ist das Gesamtpaket, das für einen extrem intensiven und schaurigen Filmgenuss sorgt.

Cerda hat es hier nahezu perfekt verstanden, mit den einfachsten Mitteln den maximalen Horror entstehen zu lassen, was allein schon mit der perfekten Auswahl der Schauplätze beginnt. Denn fast das gesamte Geschehen spielt sich in dem baufälligen Elternhaus von Marie ab, das nur durch die Optik dafür sorgt, das sich beim Betrachter eine Gänsehaut einstellt, die sich über den gesamten Körper verteilt. Die sich hier entfaltende Atmosphäre ist so gruselig und intensiv, das sie einen ganz unweigerlich in ihren Bann zieht. Es entsteht der Eindruck, das man sich selbst in diesem unheimlich wirkenden Gemäuer befindet und so fast zwangsläufig selbst zu einem Teil der Geschichte wird. Fast ist es so, als wenn man mit dem Geschehen verschmelzen würde und jede einzelne Einstellung am eigenen Körper miterlebt. Es ist ganz einfach nicht möglich, sich der Faszination, die von diesem Film ausgeht zu entziehen, vielmehr saugt man die hervorragende Atmosphäre und jedes noch so kleine Detail wie ein Schwamm in sich auf und fiebert der Lösung der mysteriösen Geschichte entgegen.

Zwar kann man nach gut der Hälfte des Films erahnen, auf was das Ganze hinausläuft, doch wer jetzt denkt, das die Spannung darunter leiden würde, der sieht sich schnell eines Besseren belehrt. In anderen Filmen dieser Art wäre jetzt höchstwarscheinlich die Luft raus und der Spannungsbogen würde gnadenlos in sich zusammenfallen, aber hier geschieht eher das Gegenteil, denn Cerda ist es gelungen, die Spannungsschraube trotzdem noch weiter festzuziehen. So erlahmt die Aufmerksamkeit des Zuschauers in keinster Weise, die Faszination bleibt bestehen und man verliert zu keiner Zeit das Gefühl, ein Teil des Geschehens zu sein. Hinzu kommt die Tatsache, das immer wieder eingefügte Schockmomente, die wohldosiert über den gesamten Film verteilt sind, immer wieder für zusätzliche Spannungsmomente sorgen und einem phasenweise die Haare zu Berge stehen lassen.

Ein weiteres großes Plus sind die hervorragenden Darsteller, die durch ihr authentisches und ausdrucksstarkes Schauspiel dafür Sorge tragen, das man hier mit einem wirklich excellenten Filmerlebnis konfrontiert wird, das man als Liebhaber von qualitativ hochwertigen Gruselfilmen nicht so schnell vergisst, insbesondere Anastasia Hille in der Rolle der Marie tut sich hier ganz besonders hervor. Es gibt keinerlei Theatralik, alles hinterlässt einen mehr als nur überzeugenden und glaubwürdigen Eindruck. Selten habe ich in den letzten Jahren einen Gruselfilm gesehen, der es so hervorragend versteht, einen in seinen bann zu ziehen und dabei ein so hohes Maß an Intensität entwickelt, das man ihn körperlich miterlebt. Das merkt man vor allem nach dem Ende, wenn einem so richtig bewust wird, wie geschlaucht und mitgenommen man sich eigentlich fühlt, denn während der Ansicht dieses faszinierenden Szenarios wird einem das gar nicht einmal richtig bewust, da man zu sehr in das Geschehen involviert ist.


Fazit:


"The Abandoned - Die Verlassenen" ist ein Paradebeispiel dafür, das man selbst mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln einen Gruselfilm produzieren kann, der von der ersten bis zur letzten Minute absolut fasziniert und schaurig-unheimliche Unterhaltung bietet. Fans dieser Filme dürften begeistert sein und voll auf ihre Kosten kommen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph)
Laufzeit: 95 Minuten
Extras: Making of, Bildergalerie, Trailer


8/10
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Re: The Abandoned - Die Verlassenen

Beitragvon buxtebrawler » 9. Mär 2012, 01:16

Der spanische Regisseur Nacho Cerdà, der seinerzeit mit seinem Kurzfilm „Aftermath“ berüchtigt wurde, drehte im Jahre 2006 mit dem in spanisch-bulgarisch-britischer Koproduktion entstandenen Horrorfilm „The Abandoned – Die Verlassen“ seinen ersten Film in Spielfilmlänge.

Marie Jones (Anastasia Hille, „The Hole“), gebürtige Russin, aber bereits kurz nach der Geburt von einem britischen Paar adoptiert worden, lebt in den USA und verdingt sich als Filmproduzentin. Ihre biologische Mutter hat sie nie kennengelernt. Als ein Notar ihr eröffnet, dass sie das elterliche Gut geerbt hat, reist sie nach Russland, um das verfallene Haus, das sich auf einer abgelegenen Insel befindet, aufzusuchen. Plötzlich wird sie mit einer ihr verdammt ähnlich sehenden, geisterartigen Erscheinung konfrontiert und trifft zudem auf den Soldaten Nicolai (Karel Roden, „Orphan – Das Waisenkind“), der sich als ihr Zwillingsbruder vorstellt, dem sie aber zunächst misstraut. Welches dunkle Geheimnis birgt das Gebäude, was hatte es mit ihren Eltern auf sich und wie soll sie jemals wieder von der Insel herunterkommen?

Grob einordnen lässt sich „The Abandoned“ als Geisterhausgrusler. Das von Cerdà zusammen mit Karim Hussain und Richard Stanley verfasste Drehbuch birgt eine eigentlich nicht sonderlich komplexe Handlung, die jedoch relativ umständlich und in verschiedenen Zeit- und Bewusstseinsebenen verschachtelt erzählt wird. Diese wird visuell eingefangen von der künstlerischen Kamera Xavi Giménez’ („The Nameless“), der fantastische Bilder voll düsterer, trister, auswegloser Stimmung mit Blick für Details und eine (in Bulgarien statt Russland gedrehte) gleichzeitig unwirtliche wie faszinierende Landschaft erzeugt. Zusammen mit einem sich morbide in die Gehörgänge schleichenden Soundtrack und sorgfältig ausstaffierten Kulissen eines Anwesens, das sämtliche Schutz- und Herbergsfunktionen eingebüßt hat, entsteht eine hochgradig gruselige, organische Atmosphäre, die sich anfühlt wie der Biss in einen fauligen Apfel. Einmal mehr beweist ein Spanier, dass er und seine Landmänner in den letzten ein, zwei Jahrzehnten ein Gespür für so etwas haben, wobei ich „The Abandoned“ klar an der Spitze spanischer Genrebeiträge sehe.

Die 40-jährige Hauptdarstellerin, die eine ebenso alte Rolle spielt, lässt man weitestgehend klischeefrei agieren und ein Stück Normalität in einem abnormen Ambiente bieten, das zur Identifikation, nicht aber zur Idealisierung durch den Zuschauer taugt. Karel Roden als Nicolai stellt ebenfalls sein schauspielerisches Talent unter Beweis. Man lässt ihn immer etwas mehr wissen als Marie, ihr stets einen Schritt voraus sein und souveräner erscheinen, letztendlich jedoch genauso zwischen verzweifelter Resignation und Kampfeswille pendeln. Die meiste Zeit beobachtet man diese beiden Hauptfiguren, wie sie nach und nach das Geheimnis des Hauses und die mit ihm in Verbindung stehende Familientragödie zu entpuzzeln versuchen. Häppchenweise, jedoch inhaltlich nicht allzu überraschend offenbart sich das gesamte Ausmaß, wobei die verklausulierte Erzählweise bisweilen etwas anstrengt, jedoch nicht so sehr, dass sie Enttäuschung hervorrufen würde. Sparsam und effektiv eingesetzte blutige Effekte verkommen zu keinem Selbstzweck, sondern betonen die gleichsam diffuse wie handfeste Gefahr des Orts. Außerdem kommen die fiesesten Wildschweine seit „Razorback“ und „Hannibal“ zum Einsatz.

„The Abandoned“ ist ein atmosphärisch perfekter, inhaltlich trauriger Film über die Unabänderlichkeit des Schicksals, der in seiner pessimistischen Ausrichtung das Verlassenwerden als Glück begreift. Ich liebe diese ernsten, humorfreien Iberen-Grusler, die der Stimmung eines verregneten Abends oder einer stürmischen Nacht die Krone aufsetzen und auch ein genreerfahrenes Publikum noch wirkungsvoll zu erschrecken verstehen. Deprimierend und dabei doch so kunstvoll und unterhaltsam – hervorragend geeignet für die gewissen Momente im Leben, in denen man sich in eine solche Gefühlslage hineinsteigern muss, um sie überwinden zu können. Oder eben einfach klassischer, in der Neuzeit angekommener Grusel auf ziemlich hohem Niveau, der die Vermittlung einer intensiven Stimmung hektischer Effekthascherei vorzieht und sein Publikum ernstnimmt, statt es für ADHS-Patienten zu halten.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: The Abandoned - Die Verlassenen

Beitragvon jogiwan » 19. Mai 2012, 09:14

Toller, atmosphärischer und eher ruhiger Grusler von Nacho Cerda ("Aftermath") irgendwo im Spannungsfeld von Mystery und Haunted-House, der auch nur eine Handvoll Personen und ein heruntergekommenes Haus in Russland benötigt um den Zuschauer zu überzeugen. Die vielseitig interpretierbare Geschichte ist zwar recht simpel gehalten, bleibt aber mit mehreren Zeitebenen bis zum Schluss spannend und auch die visuellen Effekte und die trostlosen Settings fand ich sehr gelungen. Darstellerisch gibts ebenfalls nix zu meckern und auch wenn der Streifen sicherlich Geschmackssache ist, bleibt "The Abendoned" Euro-Horror wie ich ihn mag!
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Re: The Abandoned - Die Verlassenen

Beitragvon untot » 20. Mai 2012, 15:41

Den mochte ich auch sehr gerne, hammer Atmo wie ich fand und auch die Story konnte mich überraschen.

7/10
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