Ratsy - Francisco Lara Polop

Moderator: jogiwan

Ratsy - Francisco Lara Polop

Beitragvon ugo-piazza » 3. Jul 2010, 20:05

Man kennt das: Die maskierten Täter stürmen aus der just überfallenen Bank und flüchten in einem Fiat, verfolgt von der Polizei. Einer der Täter wird getötet, ein anderer verhaftet. Der Dritte verbarrikadiert sich in einem Haus.

Doch halt: Dies ist Madrid, nicht Milano (und so dürfte der Fiat Ritmo wohl eher ein Seat gewesen sein), und zwar ein Madrid im Umbruch nach dem Ende der Franco-Ära. Und in dem vermutlich leeren Haus befindet sich ein achtjähriges Mädchen, schwer zuckerkrank und teilweise gelähmt, das in ihrem Bettchen dahin vegetiert, weil die Mutter in der Fabrik schuften muss, um ein Überleben zu sichern.

Da bis dato erst 10 Minuten vergangen sind, folgt nun eine längere Rückblende darüber, wie Josef Moya, genannt Ratsy, in diese Situation kommen konnte. Erstmalig straffällig mit 9 Jahren, wird er 1975 aufgrund "terroristischer Aktivitäten" inhaftiert. Nach dem Umschwung wird er aufgrund einer Amnestie für alle "politischen" freigelassen, doch als Jugendlicher ohne Ausbildung findet er keinen Job, auch die kommunistischen und sozialistischen Parteien können/wollen da nicht helfen. Und da aufgrund der Haft der letzte Job 3 Jahre zurückliegt, gibt es auch keine Kohle vom Arbeitsamt. Zunächst lebt er auf Kosten seiner Freundin Julia, die in einem Nachtclub strippt. Aber es scheint klar, dass er einen illegalen Weg beschreiten muss...

Back at the ranch läuft natürlich mittlerweile das übliche Geiseldramaprozedere ab (warum eigentlich gibt es bei diesen Filmen NIE eine brauchbare Tatortabsperrung durch die Polizei???), doch fühlt sich Ratsy sich für die kleine Lucy verantwortlich und sorgt sich rührend um und für sie. Als er erkennt, dass ein einzelner Geiselnehmer irgendwann Schlaf braucht und dann ein Problem hat, lässt er Julia holen, doch die verrät ihn für eine Handvoll Peseten. So kommt es zur finalen Flucht mit dem kleinen Lucy im bereitgestellten Fluchtwagen...

Wie sagt das Cover: "Ausgestossen und verdammt zum Verbrechen - Ein Film, bei dem die Seele weint!"

Und nun fragen wir uns alle mal, wie dieses Werk, dass zumindest ansatzweise Sozialkritik beinhaltet, wohl zwischen "den großen Spitzenfilmen der Gunter Otto Produktion" gelandet ist. Anschauen kann man sich den Film gerne mal, aber was Otto, den alten Pornoschmuddler, wohl daran so gereizt haben mag??
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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