Oase der Zombies - Jess Franco (1983)

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Re: Oase der Zombies - Jess Franco (1983)

Beitragvon supervillain » 19. Mär 2014, 01:42

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Also ich habe den früher oft und gerne gesehen und konnte mich sehr mit diesem Film identifizieren und würde ihn durchaus weiterempfehlen...

Ich wollte Dich schon nach dem Identifizierungspotential fragen, doch das wäre zu persönlich. Ich interpretiere das einfach selbst bei der nächsten Sichtung. :)
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Re: Oase der Zombies - Jess Franco (1983)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 19. Mär 2014, 10:39

supervillain hat geschrieben:
Salvatore Baccaro hat geschrieben:Also ich habe den früher oft und gerne gesehen und konnte mich sehr mit diesem Film identifizieren und würde ihn durchaus weiterempfehlen...

Ich wollte Dich schon nach dem Identifizierungspotential fragen, doch das wäre zu persönlich. Ich interpretiere das einfach selbst bei der nächsten Sichtung. :)


Diese Szene - vor allem die deutsche Synchro! - wäre beispielweise eine solche... "Ich bin's!"
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Re: Oase der Zombies - Jess Franco (1983)

Beitragvon Die Kroete » 19. Mär 2014, 20:47

Reinifilm hat geschrieben:
Salvatore Baccaro hat geschrieben:
Reinifilm hat geschrieben:
What?????
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Woher die Empörung? ;-)


Ok, vielleicht sollte ich mir ihn mal wieder ansehen - allerdings habe ich den als ziemlich schlecht in Erinnerung. :mrgreen:


Der Film ist definitiv schlecht! :nick:

Die Frage ist, ob er grottenschlecht oder schön schlecht ist. :?

Bei mir persönlich, ist das in diesem speziellen Fall, stimmungs-abhängig! :opa:
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Re: Oase der Zombies - Jess Franco (1983)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 19. Mär 2014, 21:39

Oh je, da hatte ich doch tatsächlich das Beweis-Video vergessen...

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
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Re: Oase der Zombies - Jess Franco (1983)

Beitragvon supervillain » 19. Mär 2014, 22:39

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Oh je, da hatte ich doch tatsächlich das Beweis-Video vergessen...


Ok, damit hast du mich überzeugt. Bin dabei, einfach mal „woast scho, ich bin’s, ich bin’s…“. :prost:

Gut das du mich keine Vergleiche ziehen hast lassen. Ich dachte spontan die einzige Möglichkeit besteht darin, sich innerhalb eines emotionalen Abwärtsstrudels mit der absoluten Leere zu identifizieren.
Ich mach jetzt Schluss, sonst sagt das über mich am Ende mehr aus, als ich über dich in Erfahrung bringen konnte. *fieses Superschurken Gelächter* hehe
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Re: Oase der Zombies - Jess Franco (1983)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 20. Mär 2014, 00:37

Aus gegebenem Anlass habe ich ihn mir eben nach langer Zeit einmal wieder besehen. Mein Fazit: was für ein Meistwerk! Und das soll keine Ironie sein oder Satire oder so. OASE DER ZOMBIES ist einfach ein wundervoller Film, der mich jedes Mal aufs Neue begeistert.

Drei Dinge fürs Erste:

1. OASE DER ZOMBIES ist einer dieser Filme, wie man sie eigentlich allgemein aus dem Italien der vor allem späten 80er Jahre kennt. Wie sie alle heißen, Martuccis I FRATI ROSSI oder Lamberto Bavas LA CASE DELL'ORCO oder D'Amatos PORNO HOLOCAUST oder Lattanzis KILLING BIRDS, das alles sind Werke, die für mich eindeutig in der Tradition des europäischen Surrealismus stehen. Filme von Bava oder Argento oder Avati oder Bazzoni mögen sich zwar ebenfalls darin hervortun, Plots zu präsentieren, die daherkommen wie weithergeholte Träume, bei diesen merkt man indes stets, und das lässt sie als eingeschränkt surreal im engeren Wortsinne gelten, dass dennoch ein Großteil Planung, Systematik, schlicht Bewusstsein bei ihrer Verfertigung vorhanden gewesen sein muss. SUSPIRIA würde nicht aussehen wie SUSPIRIA, wenn die Verantwortlichen komplett niedergerissen hätten, was ihnen an Sinn und Verstand gegeben war. Dann sehen Filme nämlich aus wie OASE DER ZOMBIES. Billig und schlecht, genau weil sie im Endeffekt davon leben, dass sie sich sozusagen selbst überlassen werden. OASE DER ZOMBIES wirkt beinahe, als sei da kein Regisseur zugegen gewesen, sondern als seien die Bilder aus sich heraus quasi von selbst gewachsen, wie besonders bizarre Kräuter, die man bestimmt rauchen sollte, so wenig passt da wirklich zusammen und so sehr ergibt der ganze Strauch ein faszinierend homogenes Gewächs.

2. Mal im Ernst, die Szene, in der unser jugendlicher Held in seiner Elite-Uni das Telegramm überreicht bekommt, in dem steht, dass sein Vater verstorben ist, ist doch wirklich brillant und virtuos inszeniert. In einem Take lässt Franco die Kamera von oben in ein ausladendes Treppenhaus zoomen und folgt dort den Bewegungen seines Protagonist wie einem Insekt. Und das, was da gefilmt wird, macht es noch unglaublicher. Nachdem unser Held relativ gelassen auf die Todesbotschaft reagiert und nur zu seinen Freunden sagt, er müsse jetzt nach Afrika, da sein Vater dort seit dem Krieg gelebt habe, bevor er sich zum Gehen wendet, heftet sich ein Mädchen zunächst an ihn, ihm versichernd, sei sie immer für ihn da und sie würde ihn nie alleinlassen, nur um dann vom nächstbesten Jungen ablenken und in ein Gespräch verwickeln zu lassen, sodass unser Held letztendlich doch alleine die Treppe hinunterstapfen muss. Nichts davon ist real, wirklich gar nichts, weil nichts davon überhaupt den Anspruch daran erhebt. Wir sind hier in dem sinnentleerten Parallelkosmos, in das Alice dem weißen Kaninchen folgte, in dem Isabella von Ägypten von einem Wurzelmännlein geliebt wurde und in dem Louis Aragon uns sein Pariser Landleben vorstellte.

3. Und ebenso im Ernst: dass Franco für eine lange und besonders schießwütige und mit Explosionen und Nazis garnierten Actionszene im Prinzip keinen Finger gerührt und einfach Material aus dem 1971er Kriegsheuler IL GIARDINI DEL DIAVOLO verwendet hat, das er dann nicht mal sonderlich geschickt neu zusammenmontiert und einige Aufnahmen gleich mehrmals benutzt, teilweise seitenverkehrt, damit es nicht so auffällt, das unterstützt mein Gefühl nur noch, dass OASE DER ZOMBIES kein Kind ist, das man ständig bei der Hand genommen hat, um ihm die Welt zu erklären, sondern das, weitgehend in Ruhe wachsen gelassen, sich seine Welt so zurechtrückt wie es sie haben will und dabei vor keinem trashig-geistlosen Einfall zurückschreckt. Pure Emotion, pures Kino, purer Hirnfick Holocaust. Hätte Franco in den 20ern gelebt und gewirkt, frage ich mich, wie sähe die Filmlandschaft heute aus?
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Re: Oase der Zombies - Jess Franco (1983)

Beitragvon supervillain » 20. Mär 2014, 14:40

Fürs Erste???

Spass beiseite, ich nehme das schon ernst was du schreibst. Ich selbst bin nur ganz selten zu 100% ironisch. Ein wenig Wahrheit ist da immer implementiert, ich setze bei dem Thema „Ironie“ auf ein gewisses Selbstverständnis und die Kompetenz der lesenden Person.

Was du schreibst kann ich gut nachvollziehen und so ähnlich würde ich zu Filmen, die außer mir auch niemand mag, beispielsweise DON’T GO IN THE WOODS, BEAST CREATURES oder manch anderen Franco argumentieren. Solche Filme schaffen es gelegentlich mich in surreale Zwischenwelten zu entführen, was mit einer derartigen „Realness“ (surreale Realness ?!? wtf!) von keinem konstruierten Kunstwerk erreicht wird.

Deliere ich jetzt? Wenn ja, bin ich dann angekommen?? Fragen über Fragen. :kicher:
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Re: Oase der Zombies - Jess Franco (1983)

Beitragvon jogiwan » 20. Mär 2014, 14:45

hört sofort auf, Beide! Sonst muss ich mir den auch noch zulegen! :?
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Re: Oase der Zombies - Jess Franco (1983)

Beitragvon italostrikesback » 20. Mär 2014, 14:52

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Aus gegebenem Anlass habe ich ihn mir eben nach langer Zeit einmal wieder besehen. Mein Fazit: was für ein Meistwerk! Und das soll keine Ironie sein oder Satire oder so. OASE DER ZOMBIES ist einfach ein wundervoller Film, der mich jedes Mal aufs Neue begeistert.

Drei Dinge fürs Erste:

1. OASE DER ZOMBIES ist einer dieser Filme, wie man sie eigentlich allgemein aus dem Italien der vor allem späten 80er Jahre kennt. Wie sie alle heißen, Martuccis I FRATI ROSSI oder Lamberto Bavas LA CASE DELL'ORCO oder D'Amatos PORNO HOLOCAUST oder Lattanzis KILLING BIRDS, das alles sind Werke, die für mich eindeutig in der Tradition des europäischen Surrealismus stehen. Filme von Bava oder Argento oder Avati oder Bazzoni mögen sich zwar ebenfalls darin hervortun, Plots zu präsentieren, die daherkommen wie weithergeholte Träume, bei diesen merkt man indes stets, und das lässt sie als eingeschränkt surreal im engeren Wortsinne gelten, dass dennoch ein Großteil Planung, Systematik, schlicht Bewusstsein bei ihrer Verfertigung vorhanden gewesen sein muss. SUSPIRIA würde nicht aussehen wie SUSPIRIA, wenn die Verantwortlichen komplett niedergerissen hätten, was ihnen an Sinn und Verstand gegeben war. Dann sehen Filme nämlich aus wie OASE DER ZOMBIES. Billig und schlecht, genau weil sie im Endeffekt davon leben, dass sie sich sozusagen selbst überlassen werden. OASE DER ZOMBIES wirkt beinahe, als sei da kein Regisseur zugegen gewesen, sondern als seien die Bilder aus sich heraus quasi von selbst gewachsen, wie besonders bizarre Kräuter, die man bestimmt rauchen sollte, so wenig passt da wirklich zusammen und so sehr ergibt der ganze Strauch ein faszinierend homogenes Gewächs.

2. Mal im Ernst, die Szene, in der unser jugendlicher Held in seiner Elite-Uni das Telegramm überreicht bekommt, in dem steht, dass sein Vater verstorben ist, ist doch wirklich brillant und virtuos inszeniert. In einem Take lässt Franco die Kamera von oben in ein ausladendes Treppenhaus zoomen und folgt dort den Bewegungen seines Protagonist wie einem Insekt. Und das, was da gefilmt wird, macht es noch unglaublicher. Nachdem unser Held relativ gelassen auf die Todesbotschaft reagiert und nur zu seinen Freunden sagt, er müsse jetzt nach Afrika, da sein Vater dort seit dem Krieg gelebt habe, bevor er sich zum Gehen wendet, heftet sich ein Mädchen zunächst an ihn, ihm versichernd, sei sie immer für ihn da und sie würde ihn nie alleinlassen, nur um dann vom nächstbesten Jungen ablenken und in ein Gespräch verwickeln zu lassen, sodass unser Held letztendlich doch alleine die Treppe hinunterstapfen muss. Nichts davon ist real, wirklich gar nichts, weil nichts davon überhaupt den Anspruch daran erhebt. Wir sind hier in dem sinnentleerten Parallelkosmos, in das Alice dem weißen Kaninchen folgte, in dem Isabella von Ägypten von einem Wurzelmännlein geliebt wurde und in dem Louis Aragon uns sein Pariser Landleben vorstellte.

3. Und ebenso im Ernst: dass Franco für eine lange und besonders schießwütige und mit Explosionen und Nazis garnierten Actionszene im Prinzip keinen Finger gerührt und einfach Material aus dem 1971er Kriegsheuler IL GIARDINI DEL DIAVOLO verwendet hat, das er dann nicht mal sonderlich geschickt neu zusammenmontiert und einige Aufnahmen gleich mehrmals benutzt, teilweise seitenverkehrt, damit es nicht so auffällt, das unterstützt mein Gefühl nur noch, dass OASE DER ZOMBIES kein Kind ist, das man ständig bei der Hand genommen hat, um ihm die Welt zu erklären, sondern das, weitgehend in Ruhe wachsen gelassen, sich seine Welt so zurechtrückt wie es sie haben will und dabei vor keinem trashig-geistlosen Einfall zurückschreckt. Pure Emotion, pures Kino, purer Hirnfick Holocaust. Hätte Franco in den 20ern gelebt und gewirkt, frage ich mich, wie sähe die Filmlandschaft heute aus?



Den Film kenne ich noch nicht aber im Bezug auf Franco sehe ich vieles ähnlich, deswegen probiere ich fast jeden Nicht Sex Film* von ihm aus. Ich hätte das nur nie in solch treffende Worte fassen können. Du hast hier etwas erklärt, über das sich viele Franco Fans gar nicht bewusst sind, warum sie ihn mögen. Kompliment!


* So Sachen wie VAMPYROS LESBOS, JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON ZOMBIES, NIGHTMARES COME AT NIGHT oder JUNGFRAU MIT DER PEITSCHE zähle ich nicht zu seinen Sexfilmen.
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Re: Oase der Zombies - Jess Franco (1983)

Beitragvon supervillain » 20. Mär 2014, 15:06

jogiwan hat geschrieben:hört sofort auf, Beide! Sonst muss ich mir den auch noch zulegen! :?


Ja, ja, langsam kommt Stimmung auf. :D

Vor 10 Jahren wirkte der Film auf mich auch eher ernüchternd, statt berauschend und taumelnd. Doch Salvatore schafft es noch dass der Film in naher Zukunft wieder in mein Laufwerk wandert.
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