Nachts, wenn Dracula erwacht - Jess Franco (1970)

Moderator: jogiwan

Nachts, wenn Dracula erwacht - Jess Franco (1970)

Beitragvon untot » 3. Nov 2010, 01:58

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Originaltitel: El Conde Drácula

Herstellungsland: Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien

Erscheinungsjahr: 1970

Regie: Jesus Franco

Darsteller: Christopher Lee, Herbert Lom, Klaus Kinski, Fred Williams, Maria Rohm, Soledad Miranda,
Paul Muller, Jack Taylor, Teresa Gimpera, José Martínez Blanco...

Inhalt:
Nachdem der angehende Anwalt Jonathan Harker bei seinem Aufenthalt im Schloss des Grafen Dracula die schreckliche Identität seines blutsaugenden Gastgebers erkannt hat, stürzt er sich in panischer Angst aus dem Fenster.
Wieder bei Sinnen findet er sich in der Klinik des Dr. Van Helsing wieder.
Dieser hat bereits nach Jonathans Verlobter Mina geschickt, die sofort in Begleitung ihrer Freundin Lucy anreist, um ihrem Liebsten bis zur vollständigen Genesung beizustehen.
Weder Jonathan noch Van Helsing ahnen, dass sich der Vampirgraf in dem alten Gemäuer gegenüber der Klinik eingenistet hat, und die Ankunft der jungfräulichen Damen kaum erwarten kann ...

Fazit:
Auch wenn der Film von vielen verrissen wird, mir gefällt er.
Es ist halt ein Jess Franco Film und man sollte vorher wissen was einen erwartet. ;)
Zuerst hält sich die Handlung ziemlich genau an Stokers Buch, wird aber später zunehmend freier, was ja kein Nachteil sein muß, auch über einige Logiklöcher könnte man sich, wenn man etwas penibler ist, wundern, muß man aber nicht! :mrgreen:
Ich finde, die gute Besetzung reißts wieder raus, Christopher Lee als Dracula, Herbert Lom als Van Helsing und natürlich Klaus Kinski, der hier den irren Renfield hervorragend mimt, obwohl er den ganzen Film über kein Wort spricht, denn irre und Kinski, das passt ja irgendwie immer.

6,5/10
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Re: Nachts, wenn Dracula erwacht - Jess Franco

Beitragvon Blap » 3. Nov 2010, 03:43

Zu dieser Prachtperle habe ich (zufälligerweise) einen Kurzkommentar auf Lager:


Nachts, wenn Dracula erwacht

Jonathan Harker (Fred Williams) reist im Auftrag seines Arbeitgebers nach Transsylvanien. Dort soll er dem Grafen Dracula (Christopher Lee) wichtige Dokumente übergeben, der Graf plant sein Schloss zu verlassen, und sich an anderer Stelle niederzulassen. Bald kommt es jedoch zu unfassbaren Ereignissen, Harker kann mit Mühe und Not aus dem Schloss entfliehen, wacht irgendwann in einer Klinik für Geistesgestörte auf. Professor Van Helsing (Herbert Lom) will den Ausführungen des jungen, verstörten Mannes zunächst keinen Glauben schenken. Als Mina (Maria Rohm) -die Verlobte Harkers- und deren reizende Freundin Lucy (Soledad Miranda) den geschwächten Jonathan besuchen, scheint sich dessen Zustand langsam zu bessern. Das Grauen lauert jedoch bereits in der Finsternis, Lucy wird zum Ziel des blutsaugenden Grafen. Kann Van Helsing dem Terror ein Ende bereiten...???

Christopher Lee als Dracula. Sofort denkt man an die insgesamt sieben Dracula Filme die er für Hammer abdrehte. Doch "Nachts, wenn Dracula erwacht" (1970) hat nichts mit den Hammer Werken zu, hier bekommt man es mit einer Sause von Jess Franco zu tun. Franco hat es inzwischen auf nahezu zweihundert Filme gebracht, der alte Herr ist noch immer aktiv. Natürlich kann sich dieser Streifen nicht annährend mit den herrlichen Hammer Filmen messen, doch das muss er auch überhaupt nicht. Klar, die Bestzung ist klasse gewählt, jedoch mangelt es an Dramatik, Atmosphäre und Ausstattung. Besonders die zweite Hälfte des Filmes wirkt oft ein wenig dahingeschludert, was bei Jess Franco ja irgendwie dazu gehört. Ein paar Worte zu den Schauspielern, deren Leistungen hier eindeutig das Highlight darstellen. Christopher Lee spielt gewohnt souverän, er ist einfach DER Blutsauger aller Blutsauger. Herbert Lom ist ebenfalls eine sichere Bank, Klaus Kinski ist in einer Nebenrolle zu sehen. Herr Kinski sitzt in einer Gummizelle, schmiert sein Essen an die Wand, verspeist Insekten und schaut wirr aus der Wäsche, herrlich! Die leider viel zu früh verstorbene Soledad Miranda ist immer eine Freude für das Auge, Maria Rohm weiss ebenfalls zu gefallen.

Trotz seiner Unzulänglichkeiten -vielleicht auch gerade deshalb- weiss "Nachts, wenn Dracula erwacht" zu gefallen. Jess Franco hat eben seine eigene, eigenwillige Art zu arbeiten. Ich kenne zwar nur einen recht kleinen Teil seiner Werke, doch einen gewissen Reiz üben sie immer auf mich aus, ich mag Francos Filme einfach gern. Dieser Streifen dürfte eine meiner ersten Begenungen mit Jess Franco gewesen sein, ich erinnere mich zumindest, dass ich schon vor etlichen Jahren von dem Film sehr angetan war. Übrigens wird Coppolas "Dracula" (1992) ja gern als die erste Verflimung bezeichnet, die sich recht eng an die Vorlage von Bram Stoker hält. Dies kann man so nicht stehen lassen, denn auch "Nachts, wenn Dracula erwacht" schlägt in diese Kerbe, wobei sich die Filme in ihrer Machart natürlich extrem unterscheiden.

Die DVD aus dem Hause Kinowelt ist sehr gut gelungen. Der Film liegt in akzeptabler Qualität vor -Wunder sollte man nicht erwarten, ich kann mir gut vorstellen, dass es um die Vorlagen nicht gut bestellt war- jede Menge Bonusmaterial bekommt der Fan ebenfalls geboten. Eine schöne Veröffentlichung, vielen Dank dafür!

Von mir gibt es dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut). Ich möchte den Film aufgeschlossenen Liebhabern durchaus ans Herz legen, doch es ist kein Werk für den Massengeschmack! Traut Euch!

***

Nachtrag aus heutiger Sicht: Ich liebe diesen Film, ich verliebe mich mehr und mehr in Jess Francos Filme, es gibt viel zu tun!
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Re: Nachts, wenn Dracula erwacht - Jess Franco

Beitragvon Arkadin » 3. Nov 2010, 10:19

Blap hat geschrieben:Nachtrag aus heutiger Sicht: Ich liebe diesen Film, ich verliebe mich mehr und mehr in Jess Francos Filme, es gibt viel zu tun!


Guter Mann! Du bist auf dem richtigen Weg :thup: :prost:

Großartig in "Nachts.." ist vor allem die Szene mit Kinski in der Gummizelle, wo an der Wand und auf Kinskis Gesicht ständig der Schatten des Kameramannes zu sehen ist.
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Re: Nachts, wenn Dracula erwacht - Jess Franco

Beitragvon ugo-piazza » 3. Nov 2010, 21:14

Ich hab den Film vor sehr langer Zeit gesehen und war nicht angetan. Vielleicht sollte ich ihm aber eine neue Chance geben und mir die Scheibe mal besorgen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Nachts, wenn Dracula erwacht - Jess Franco

Beitragvon italofreak1970 » 9. Nov 2010, 13:42

Ich kann mit dem Film auch nicht viel anfangen. Fand den recht langweilig und das bei der doch sehr guten Darstellerriege die der Streifen zu bieten hat. Habe ihn mir jetzt schon 2xangeschaut und werde ihn vor erst auch nicht mehr aus meinem DVD Regal holen. Aber die Doppel-DVD ist wirklich gelungen von Kinowelt.
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Re: Nachts, wenn Dracula erwacht - Jess Franco

Beitragvon dr. freudstein » 27. Nov 2011, 01:56

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Re: Nachts, wenn Dracula erwacht - Jess Franco

Beitragvon kinski » 19. Jan 2012, 21:27

Wenn sich ein Jess Franco eines so berühmten Themas annimmt wie die Geschichte des Grafen Dracula … dann muss das zwangsläufig auf die eine oder andere Art und Weise in die Hose gehen, was bei Trash-Freunden nicht unbedingt etwas Negatives zu bedeuten hat.

Während man seinen Verfilmungen anderer bekannter Stoffe wie z.B. „Marquis de Sade: Justine“ oder „Jack the Ripper“ noch einiges abgewinnen kann, floppt der Dracula-Streifen für mich allerdings an allen Ecken und Enden. Und das hängt nicht zuletzt mit Christopher Lee zusammen, der in gleicher Rolle in den alten Filmen der Hammer-Studios noch unglaublich brillierte und man auf immer den Namen Dracula mit seinem Gesicht verbinden wird. Doch in Francos Werk agiert Christopher Lee extrem schwach. Mit grauem Schnurrbart und übertriebener Mimik wirkt er nur noch wie ein Abziehbild seiner selbst.

Nur ein paar Nebenrollen können NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT etwas Sehenswertes verleihen: die leider schon mit 27 Jahren verstorbene Soledad Miranda als Lucy Westenraa kann ebenso überzeugen wie Klaus Kinski als Fliegen fressender Renfield, der seine Rolle nicht so übertrieben darstellt wie manch anderer und vielleicht gerade dadurch noch durchgeknallter wirkt als es die Rolle ohnehin schon verlangt.

Betrachtet man Jess Francos Film mal unter weniger gewichtigen Gesichtspunkten, so kann der reine Trashfan dem Ganzen vielleicht noch etwas abgewinnen. So sind sämtliche Nachtszenen dermaßen gründlich in die Hose gegangen, dass es fast schon wieder lustig ist. Mit Hilfe eines Kamera-Filters versucht man dem Zuschauer vorzugaukeln, dass es Nacht ist … nur dumm, dass im Hintergrund oftmals die Sonne zu sehen ist. Und so findet man bei genauem Hingucken noch einige Franco-typische Schenkelklopfer … die aber dennoch nicht über das insgesamt enttäuschende Gesamtergebnis hinweg täuschen können.

Positiv erwähnenswert ist allerdings, dass uns mit der deutschen DVD-VÖ von Kinowelt endlich mal eine längere Version des Films geboten wird als es noch bei den VHS-Ausgaben der Fall gewesen ist. Immerhin gibt es jetzt 13 Minuten mehr zu sehen als zu alten Videozeiten. Die längste verfügbare Version ist dies aber auch nicht.

Fazit : 5/10
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Re: Nachts, wenn Dracula erwacht - Jess Franco

Beitragvon DrDjangoMD » 19. Jan 2012, 21:32

Mir hat der Film eigentlich für Franco-Verhältnisse recht gut gefallen: Verglichen mit einigen seiner anderen "Werke" ist er qualitativ hoch, der Kinskerich und das Herbert Lömchen sind wie immer genial in ihren Rollen und niemand kann bestreiten, dass Christopher Lee mit Schnurrbart einfach Laune macht. Zudem übernimmt das Script einige Elemente von Bram Stokers Roman, die mir in früheren Verfilmungen etwas abgegangen sind, wie beispielsweise Lucys Verlobter, den ich immer für eine interessante Figur hielt, welche in den Verfilmungen aber gern mal weggelassen wird.
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Re: Nachts, wenn Dracula erwacht - Jess Franco

Beitragvon sergio petroni » 20. Okt 2013, 14:58

"Nachts, wenn Dracula erwscht" von Jess Franco aus dem Jahre 1970 sollte eine
werkgetreue Verfilmung des Buches von Bram Stoker werden. Das war auch die
Voraussetzung, um Christopher Lee als Graf Dracula engagieren zu können.

Der Vorsatz ist erkennbar, je länger der Film dauert, desto mehr gerät die
Werktreue jedoch in den Hintergrund. Man darf hier kein hochspannendes
Vampirfeuerwerk mit hohen Produktionsstandards erwarten. Vielmehr hat
der geneigte Zuschauer mit "Nachts, wenn Dracula erwacht" einen typischen
Baustein aus dem Franco-Kosmos in Händen, der mit hochkarätigen Darstellern
und einer durchgehenden Story aufwarten kann.

Wenn man sich darauf einläßt, wird man mit der Franco eigenen "melancholischen
Kamera" belohnt, die bei mir jedesmal einen nachhaltigen Eindruck hinterläßt.
Bestes Beispiel für mich ist dafür "Mansion of the living dead".
Egal welchem Genre sich Franco zuwendet, diese eigentümliche Stimmung
ergreift mich immer bei seinen Filmen und bedeutet zugleich auch einen
wohligen Wiedererkennungseffekt.

Die Musik von Bruno Nicolai untermalt souverän, ohne sich in den Vordergrund
zu drängen. Interessante Dinge zur Entstehung des Films erfährt man im
Bonusbereich der Kinowelt-DVD.
Klaus Kinski hatte im gesamten drei Drehtage in einer nachgebauten Isolierzelle
in Italien zu absolvieren. Dabei spricht er doch tatsächlich ein ganzes Wort im Film.
Christopher Lee und Herbert Lom sind sich am Set in Barcelona nie begegnet. Als Lom
zur Produktion stieß, waren die Szenen mit Lee schon abgedreht.

Produzent Towers, der das Projekt angestoßen hatte, ließ die Crew offenbar zur
Hälfte des Drehs finanziell im Stich, das läßt sich zumindest aus den Worten Francos
schließen. Daraufhin wurde neues Geld eingesammelt, unter anderem auch von Franco selbst.
Dieser Mißstand soll auch dafür verantwortlich sein, daß die filmtechnische Umsetzung
der zweiten Hälfte qualitativ hinter der ersten zurücksteht.

Von mir gibt es 6/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Nachts, wenn Dracula erwacht - Jess Franco

Beitragvon italostrikesback » 7. Okt 2016, 15:04

Wie mir heute aus sehr relativ Quelle zu Ohren kam, soll der Film in der ersten Hälfte 2017 als Blu-ray Mediabook von einem angesehenen Label kommen. Also "kein" österreichischer Labelschmarrn.

Für mich die Nachricht des Tages, weil der Film so viel zu bieten hat. Einerseits Christopher Lee als Dracula aber auch Soledad Miranda, Klaus Kinski, Maria Rohm und Fred Williams und andererseits die Regie Jess Franco (Der Hexentöter von Blackmoor). Dann noch ein toller Score von Bruno Nicolai. Was will man mehr?
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