Inquisición - Paul Naschy (1976)

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Inquisición - Paul Naschy (1976)

Beitragvon jogiwan » 17. Dez 2010, 20:21

Inquisición - Paul Naschy (1976)

Bild

Originaltitel: Inquisición

Alternativtitel: Inquisition

Herstellungsland: Spanien / 1976

Regie: Paul Naschy

Darsteller: Paul Naschy, Daniela Giordano, Mónica Randall, Ricardo Merino, Tony Isbert, u.a.

Story:

Zu mittelalterlichen Zeiten kommen die Inquisitoren Fossey, Rodier und Burgot in das von Armut, Not und Pest gebeutelte Städtchen Peyriac, um die Anwesenheit satanischer Kräfte zu prüfen. Fossey (Paul Naschy) entwickelt aber auch bald eine Vorliebe für die optischen Reize von Catherine, der Tochter des Grafen Albert. Die jedoch hat zur Zeit ein heimliches Verhältnis mit dem jungen Jean, den die Seuche gerade die Erbfolge seiner Familie hat hinaufklettern lassen - und nun möchte er mittels seines neuen Status bald um die Hand von Alberts Tochter bitten. Während die Inquisitoren die Gegend durchsuchen lassen und beginnen, junge Frauen auf Hexentum hin zu foltern und zu verhören, wird Jean jedoch auf einer Reise ermordet. Und Catherine hat einen Traum, der den Mord als Auftrag darstellt - weswegen sie sich an die echten Hexen der Gegend wendet, die teilweise schon für sie tätig sind... (quelle: ofdb.de)
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Re: Inquisición - Paul Naschy (1976)

Beitragvon jogiwan » 21. Mai 2012, 16:28

Spanisch müsste man halt können... :?

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


netter Teufel übrigens... ;)
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Re: Inquisición - Paul Naschy (1976)

Beitragvon creepy-images » 14. Sep 2012, 16:12

Ehrlich gesagt war ich von INQUISICION ein klein wenig enttäuscht ohne wirklich sagen zu können wieso. Am Ende war einfach nur die Erwartungshaltung viel zu groß.

Der Film bietet ziemlich klassischen Hexenhorror mit einem etwas ungewöhnlichen Ende und schicken Traumsequenzen.
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Re: Inquisición - Paul Naschy (1976)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 9. Feb 2013, 17:31

Kann das ein Zufall sein? Im November 1975 verstirbt Francisco Franco und entlässt Spanien aus seiner mehr als drei Jahrzehnte währenden Militärdiktatur, und bereits im darauffolgenden Jahr legt Paul Naschy bzw. Jacinto Molina einen Film vor, der radikal mit seinem bisherigen Oeuvre bricht - einen Film im Übrigen, der dadurch, dass Naschy hier nicht nur, wie sonst üblich, als Hauptdarsteller und Drehbuchautor in Erscheinung tritt, sondern zum ersten Mal zusätzlich die Rolle des Regisseurs innehat, als regelrechter Autorenfilm, eine überaus persönliche Angelegenheit, betrachtet werden muss. Naschys bisherige Filme, das erklärt wohl schon das politische Klima, in dem sie entstanden, und in denen ambitionierte Regisseure wie Carlos Saura oder Victor Erice sich noch Ende der 60er, Anfang der 70er in mehr oder weniger schwierig entschlüsselbare Metaphern flüchten mussten, um überhaupt etwas kundtun zu können, das man unter Umständen als politische Meinung auffassen konnte, zeichneten sich, wie übrigens die gesamte spanische Horrorfilmindustrie, dadurch aus, dass sie sich für die Gegenwart so gut wie gar nicht interessierten, vielmehr abtauchten in eine konstruierte, teilweise märchenhafte, teilweise surreale Gothic-Horror-Vergangenheit mit spinnwebenverhangenen Schlössern, vampirischen Grüften und einem Übernatürlichen, das stets in klar fassbarer Form, als Werwolf, als lebender Toter beispielweise, vorlag: es gab da wenig zu erklären und zu deuten, diese Filme machten keinen Hehl daraus, dass ihr primäres Ziel es war, sich in schaurige Geschichten zu vergraben, die einem auch von greisen spanischen Bauernfrauen an einem lodernden Kamin erzählt hätten werden können, und sich nicht mit relevanten, gesellschaftlichen und politischen, Problemen zu beschäftigen. Sicher, vom Setting her unterscheidet sich INQUISICIÓN da nicht sonderlich von Naschys vorherigem Schaffen. Auch hier werden wir mitten in die Vergangenheit geworfen, ins Frankreich des späten 16. Jahrhunderts, wie die Credits vermelden, und rein oberflächlich ist das ein bunter Reigen aus spätmittelalterlichen Kostümen, volkssagenhaften Elementen wie Hexenflüchen und Pestepidemien, und einem okkulten Anstrich, der erst einmal nichts mit dem Hier und Jetzt zu tun zu haben scheint: ein Historienfilm mit Horror-Einschlag, könnte man vermuten, in dem Paul Naschy einmal mehr den Bösewicht gibt, einen fanatischen Hexenjäger namens Bernard de Fossey.

Trotzdem, man muss gar nicht allzu viel da reininterpretieren, um zu erkennen, dass INQUISICIÓN eindeutig auf jener Welle mitschimmt, die zuvor schon Werke wie Michael Reeves Klassiker WITCHFINDER GENERAL oder der unbekanntere tschechische Film KLADIVO NA CARODEJNICE lostraten. Wie diese Filme führt INQUISICIÓN zwar eine bestimmte historische Situation vor, viel Phantasie braucht es jedoch nicht, um diese universaler zu fassen, auszuweiten auf die spanische Realität des Jahres 1976, in dem es denen, die von dem vergangenen Regime sprechen wollten, schon etwas leichter um die Brust wurde. Naschy erweist sich nämlich als ein kühler, genau hinschauender Beobachter, wenn er zunächst einmal die sozialen und emotionalen Strukturen des Dorfes untersucht, in das Bernard de Fossey zu Beginn des Films gelangt, um dort allein mit seinem Erscheinen eine Atmosphäre hervorzurufen, die, wie man das schon kennt, sich aus gegenseitiger Bespitzelung, Paranoia und falscher Beschuldigungen, veranlasst durch die niedristen menschlichen Leidenschaften wie Neid, Rachlust oder sexuelle Geilheit, speist. So dauert es nicht lange und eine Hexe nach der anderen wird dem Inquisitor vorgeführt, Kinder bezichtigen ihre Eltern übler Praktiken, Männer denunzieren ihre eigenen Ehefrauen etc. Dabei ist Naschy überhaupt nicht auf Schauwerte aus. Die wenigen Folter- und Gewaltszenen sind äußerst zurückhaltend inszeniert. Ohne marktschreierische Effekte oder eine überzogene Dramatik scheint der Regisseur seine Figuren wie Insekten in einem Glaskasten zu beäugen, weder anklagend noch mitleidig, sondern vielmehr mit der ohnmächtigen Haltung von jemandem, der erkannt hat, dass der Mensch von Grund auf böse ist. Somit bläst er tatsächlich in das Horn, das vor ihm unter anderem eben schon Michael Reeves oder Otakar Vávra an den Mund führten. So wie man KLADIVO NA CARODEJNICE aus heutiger Sicht recht einfach als Verfilmung der klaustrophobischen Stimmung im kommunistischen Osteuropa verstehen kann und so wie WITCHFINDER GENERAL im Grunde den Versuch darstellt, einen Spielfilm zu drehen, der Hobbes These vom Menschen, der des Menschen Wolfes ist, stichhaltig bebildert, so liegt es, meiner Meinung nach, nahe in Naschys Hexenjagd-Film einen dezidiert politischen Kommentar zum faschistischen Spanien zu sehen, das alles aber natürlich auf einer übergeordneten, allgemeineren Ebene, und ohne falschen Heroismus, denn, wie bei Reeves, ist auch in INQUISICÓN kein Platz für Helden oder edle Charakter: sobald die Situation es fordert, wird da fast jeder zur reißenden Bestie, die über ihre Mitmenschen herfällt.

Wäre das alles, was der Film zu bieten hat, könnte man ihn als späten Vertreter des Hexenjäger-Subgenres abtun und ihm wegen seiner Authentizität, seines schonungslosen Realismus, der auf jegliches unnötige Brimborium verzichtet, bspw. die musikalische Untermalung auf ein Minimum begrenzt, und auf den Zuschauer vor allem entnüchternd und desillusionierend wirkt, eine Sonderstellung in Naschys Filmographie zugestehen. INQUISICÓN geht aber noch weiter. In beiden eben genannten Vergleichsfilmen ist das Übernatürliche, das Hexenwesen, ausschließlich eine Projektion religiösen Fanatismus oder ganz und gar irdischen Machtstrebens. Die Hexen, die in WITCHFINDER GENERAL oder KLADIVO NA CARODEJNICE gepackt werden, sind eben keine Hexen, sie werden von den kirchlichen Autoritäten erst zu welchen: im Grunde sind sie arme Opfer, die nicht mal den Namen des Teufels aussprechen können, ohne zu zittern. In dem Dorf, dessen Mikrokosmos INQUISICÓN portraitiert, ist das Hexenwesen indes eine Realität, wenn auch eine ambivalente. Bis zuletzt bleibt nämlich offen, ob die Frauen und Männer, die einen Pakt mit dem Teufel schlossen, dies nun tatsächlich taten oder es sich bloß einbildeten. Selbst jene Szene, in der der Satan persönlich auftritt, wurde ganz offensichtlich so gefilmt, dass es eher so wirkt, als seien die anwesenden Hexen und Hexer so sehr abgedriftet in einem (Drogen?-)Rausch, dass das Auftreten des Leibhaftigen sich auch allein in ihrer Phantasie hätte abspielen können. Für jede einzelne Szene, in der in den Film das Dämonische einbricht, gilt dabei dasselbe. Subtil versteht Naschy es, eindeutige Antworten zu vermeiden.

Was indes klar ist, das ist, dass die Hexen in seinem Film als subversive Untergrund-Gruppe funktionieren. Ganz in Einlang mit Jules Michelets Abhandlung über das europäische Hexenwesen von 1862, LA SORCIÈRE, stellt Naschy den Hexenzirkel nicht als das ultimative Böse dar, wählt eben nicht die traditionelle klerikale, d.h. abergläubische Sicht, sondern gestaltet ihn zu einer rebellierenden Partisanentruppe, rebellierend gegen die feudalen Gesellschaftsstrukturen, gegen das Terrorregime der Katholischen Kirche, gegen die Unterdrückung des freien Geistes in einer dumpfen, machtbesessenen Welt, eine Gegengesellschaft, die zunächst einmal, rein objektiv betrachtet, nicht besser oder schlechter ist als die, gegen die sie sich erhebt - obwohl, zumindest ich meine das festgestellt zu haben, Naschys Sympathien mehr den Unterdrückten als den Unterdrückern gilt, wodurch INQUISICÓN eben nicht nur das Portrait des Totalitarismus ist, wie er in einer wehrlosen, weil von ihren Leidenschaften hin und her geworfenen Gesellschaft wütet, sondern auch den möglichen Widerstand gegen ihn thematisiert. Der ist zwar auch nicht frei von Greueln (in einer Szene wird bspw. ein Mädchenopfer dem Satan dargebracht), aber wesentlich freier im Geiste. Der Hexenzirkel in INQUISICÒN stellt, so scheint es, die einzige mögliche Alternative für jene dar, die sich spirituell erheben möchten: eine eskapistische Flucht in Religion und Kunst, wie sie Naschy bislang womöglich am eigenen Leib erfahren hat, wenn er, statt politisch zu agieren, in seinen Werwolfspelz schlüpfte. Auffallend ist jedenfalls, wenn man die weibliche Hauptperson, ein Mädchen namens Catherine, in das Bernard de Fossey sich verliebt, und deshalb ihren Verlobten ermorden lässt, um freiere Bahn bei ihr zu haben, betrachtet, dass das Hexenwesen eine unmittelbare Reaktion auf die herrschenden Verhältnisse zu sein scheint. Catherine steigt erst in den Zirkel ein, als sie der Kummer über den Tod ihres Liebsten kaum noch atmen lässt. Erst in ihm wird sie von einem unscheinbaren, an klassische Rollenmuster gebundenen Mädchen zu einer emanzipierten, aktiven Frau, die weiß, was sie will, nämlich sich an Bernard dafür rächen, dass er ihr irdisches Glück durchkreuzt hat. Naschys These ist augenfällig: die moralisch minderwertige Gesellschaft generiert erst solche Aussteigerprogramme wie satanistische Gruppierungen, die sich ihr verweigern, indem sie ihr Heil in ganz anderen Bereichen zu suchen.

In alldem erweist sich INQUISICÓN, dessen Grundstimmung durchweg düster und schwermütig ist, und damit kaum etwas mit dem zu tun hat, wofür der Name Naschy bis dahin bürgte, als ein wahres Meisterwerk des spanischen Kinos, das mich restlos begeisterte. Zusammen mit Carlos Aureds EL RETORNO DE WALPURGIS, seinem Antipoden, einem fast schon reinen Märchenfilm, romantisch bis ins letzte Glied, teilweise gar kitischig-verträumt, ist das wohl der für mich bis hierhin beste Film aus der Feder Molinas. Ich kann nur hoffen, dass sich in seinem durchwachsenen Lebenswerk noch mehr solche Perle finden, auch wenn die verschrobenen, kuriosen Geisterbahn-Fahrten wie LA REBELIÓN DE LAS MUERTAS natürlich ebenso nicht zu verachten sind... ;-)
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