Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein - Jess Franco

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Re: Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein - Jess Franco

Beitragvon Blap » 30. Nov 2012, 12:50

In der vergangenen Nacht mal wieder geschaut. Was vor ein paar Jahren lediglich knuffiger Unfug war, flimmert heute als Dauerorgasmus über den Bildschirm!

Hallo? Dennis Price als tragischer Doc Frankenstein, der arme Kerl wird ständig aus dem Tod gerissen, das Opfer seiner eigenen Forschung, Tod per Monster wäre eine Gnade. Howard Vernon herrlich bööööse, Luis Barboo mit erstaunlich entspannten Gesichtszügen, Alberto Dalbés ermittelt, die junge Lina geistert ab und zu ängstlich umher usw...

Die Kamera zaubert aus fast jedem Raum einen Saal herbei, der Score taumelt irgendwo zwischen Psychedelic, Elektronik, Jazz und Irrsinn umher.

Würde ich genau jetzt den Löffel reichen, ich würde glücklich abkacken!

Mindestens 9/10!!!
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Re: Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein - Jess Franco

Beitragvon purgatorio » 22. Mai 2013, 08:11

EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON FRANKENSTEIN (LA MALDICIÓN DE FRANKENSTEIN, Spanien, Frankreich 1972, Regie: Jesus Franco)

WTF? :shock: Ich glaube ja, drei, vier sehr stimmungsvolle Szenen gesehen zu haben – aber der Rest :? ? Eine unverhohlene Frechheit so etwas als Film zu bezeichnen :opa: :palm: :lol: 3/10
Bild
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Re: Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein - Jess Franco

Beitragvon buxtebrawler » 26. Feb 2016, 15:57

„Bist du ein Teufel?!“

Der 1973 in spanisch-französischer Koproduktion veröffentlichte Spielfilm „Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein“ ist einer von mehreren Euro-Horror-Beiträgen aus den frühen 1970ern des umtriebigen spanischen Vielfilmers Jess Franco („Paroxismus“). Der deutsche Quatschtitel stammt von Andreas Bethmanns „X-Rated“-Label, das den Film im aktuellen Jahrtausend erstmals in Deutschland lizenzierte (und synchronisieren ließ) und soll vermutlich eine Verbundenheit zu Francos 1972er Film „Eine Jungfrau in den Krallen von Vampiren“ suggerieren. Ein Blick in die Rollen und ihre Besetzung lässt aufgrund zahlreicher Überschneidungen aber vielmehr eine Verwandtschaft mit Francos (mir noch unbekanntem) „Die Nacht der offenen Särge“ aus demselben Jahr vermuten.

„Ich sehe, wie die Kreatur Frankensteins mit den wunderschönsten Frauen seine Lust stillt!“

Zusammen mit Vogelfrau Melissa (Anne Libert, „Die Nacht der offenen Särge“) will der finstere Schlossherr Cagliostro (Howard Vernon, „Die Nacht der offenen Särge“) eine neue Spezies erzeugen. Zu diesem Zwecke lässt er Melissa die Kreatur (Fernando Bilbao, „Die Nacht der offenen Särge“) Dr. Frankensteins (Dennis Price, „Die Nacht der offenen Särge“) stehlen, just nachdem sie erfolgreich zum Leben erweckt wurde. Ferner entführen sie Dr. Frankensteins Tochter Vera (Beatriz Savón, „Die Vampire des Dr. Dracula“), um sie mit der Kreatur zu paaren – doch diese gibt sich kämpferisch. Auch Frankensteins Leibarzt Dr. Seward (Alberto Dalbés, „Die Nacht der offenen Särge“) ist zusammen mit Polizeiinspektor Tanner (Daniel White, „Die Nacht der offenen Särge“) an diesem außergewöhnlichen Fall dran. Wird man Cagliostros sinistere Pläne stoppen können?

„Der Tiefenstrahl ist schon zu schwach!“

Anscheinend vollkommen unbedarft, wie man es von ihm bis in die 1970er hinein gewohnt ist, lässt der hier als Dr. Frankensteins Gehilfe wieder persönlich mitspielende Franco seiner Phantasie freien Lauf, würfelt unterschiedliche Genremotive munter zusammen und pfeift beim Zusammenrühren geflissentlich auf innere Logik, Dramaturgie und Sinn. Wie gewonnen, so zerronnen heißt es zunächst für Dr. Frankenstein, der kurz, nachdem er seine silber-metallic lackierte (!) Muskelprotz-Kreatur zum Leben erweckt hat, von der augenscheinlich blinden Vogelfrau (?!) Melissa gebissen wird, eigentlich das Zeitliche segnet und den ihm gebührenden Ruhm gar nicht mehr genussvoll auskosten kann. Auf dem Sterbebett holt er etwas weit aus und kann so Dr. Seward eine wichtige Information nicht mehr übermitteln. Mittels des Tiefenstrahls aus seiner Maschine (der mit Elektrizität und nichts mit dem angeblich so gesunden Mittelstrahl zu tun hat) holt Tochter Vera ihn jedoch für wenige Sekunden zurück ins Reich der Lebenden, so dass er von der gestohlenen Kreatur berichten kann, woraufhin Vera Rache schwört. Diese Prozedur wiederholt sie später, um herauszufinden, wer denn eigentlich sein Mörder sei. Er erzählt ihr von Cagliostro und dass dieser selbst schon lange tot sei, aber eben Bock auf eine neue Rasse habe und sich somit als Hobbyzüchter verdinge. Es erweckt den Anschein, der Tod sei in diesem Film eine zwar irgendwie lästige Eigenschaft, aber ansonsten kein großes Hindernis.

Gut, das mag die bedauernswerte Frau anders sehen, die Cagliostro in seinem Schloss vor versammelter Freakschaft enthaupten lässt („Eine saubere Trennung!“). Gern gibt er sich purem Sadismus wie Folterspielen mit Gefangenen hin und nutzt außerdem seine Gabe aus, Menschen mittels magnetischer Kraft in ihrem Willen zu manipulieren, was er u.a. an Vera exerziert. Dr. Seward, von all dem noch nicht allzu viel ahnend, reanimiert Dr. Frankensteins abermals, was immer besser zu funktionieren scheint. Beide plaudern über Veras Pläne, Frankenstein stirbt mal wieder. Seward aber lässt die Maschine eingeschaltet, woraufhin sich Frankenstein selbst reanimiert (!), plötzlich aufsteht und auf Seward losgeht. Beständig wechselt Franco den Fokus, so dass sich nie eine wirkliche Hauptrolle herausbildet, er seine Handlung aber andererseits unvorhersehbar hält: Eigentlich kann jeder jederzeit abnippeln. Andererseits kann innerhalb dieser abstrusen Geschichte jedoch generell eigentlich immer alles passieren, woraus sich wiederum eine Menge Gelegenheiten ergeben, die Franco ungenutzt lässt und stattdessen eher langweilige Füllszenen integriert. Eine davon ist jedoch von größerer filmhistorischer Relevanz (zumindest im Franco-Universum) und dreht sich um die einfach in der Gegend herumliegende Esmeralda, die plötzlich eine Stimme aus dem Off vernimmt, die mit ihr spricht. Sie läuft durch den Wald, durch den auch weißbekuttete Gestalten schleichen und auch sie steht in irgendeiner Verbindung zu Cagliostro, ist ansonsten aber weitestgehend losgelöst vom Rest der Handlung. Tatsächlich wurden diese Szenen offenbar nachgedreht und nachträglich eingefügt, um den Film auf Länge zu bringen. Das Besondere an ihnen: Sie bedeuteten Lina Romays erste Filmrolle und den Beginn einer langen, sich gegenseitig befruchtenden Zusammenarbeit mit ihrem späteren Ehemann Jess.

Sonderlich blutig oder sonstwie grafisch hart ist „Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein“ mit seinen um Theatralik bemühten Darstellern bis auf die eine oder andere Folterszene nicht, etwaige „Spezialeffekte“ sind simpel getrickst und durchschaubar. Seine „Alles kann, nichts muss“-Stimmung wird unterlegt bis gestört von Komponist Daniel White (eben jenem, der auch Tanner spielt), der sowohl mit atmosphärischen Orgelklängen als auch leichter Dudelkost und dominanten, dissonanten Geräuschkulissen hantiert. Der möglicherweise von Franco, insbesondere in Zusammenarbeit mit Romay, erwartete Sleaze-/Erotik-Faktor ist in der spanischen Fassung fast gänzlich den strengen Zensurvorschriften unter dem Namensvetter des Regisseurs, dem faschistischen Diktator General Franco, zum Opfer gefallen, jedoch in der Exportfassung in alternativen Szenen vorhanden – „Vogelfrau“ Anne Libert z.B. ist hier nur spärlich mit ein paar Federn bekleidet und die Opfer einer Auspeitschung müssen wie Gott sie schuf die Hiebe über sich ergehen lassen. Diese Szenen werten den Film tatsächlich auf, weil sie nicht nur für einen kleinen Erotikfaktor sorgen, sondern Francos Kostümschau mehr Körperlichkeit verleihen.

„Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein“ ist ein trashiger Spaß für fortgeschrittene Franco- und España-Horror-Affine, der gern zwischen gelungener, gar nicht mal so billig anmutender Optik auf der einen (Kameramann Raúl Artigot leistet prinzipiell gute Arbeit, schießt aber mit seinen Zooms, Unschärfen etc. manchmal übers Ziel hinaus) und amateurhafter, konfuser Inszenierung auf der anderen Seite schwankt, mal auf der Stelle tretend und monoton, mal entfesselt und dem Wahnsinn nahe. Eingeweihte werden ihre Freude gerade auch aufgrund der francotypischen bizarren Einfälle damit haben, alle anderen schlummern womöglich entweder weg oder wünschen sich einen komatösen Vogelfrauenbiss herbei...
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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