Die Nacht der reitenden Leichen - Amando de Ossorio (1971)

Moderator: jogiwan

Re: Die Nacht der Reitenden Leichen - Amando de Ossorio

Beitragvon buxtebrawler » 15. Mai 2011, 17:35

Arkadin hat geschrieben:Ich habe gestern bei Saturn eine BluRay-Box mit allen Teilen für 24,95 rumstehen sehen. Ich vermute aber mal, das ist wieder nur geschnittener, qualitativ minderwertiger Schrott. Aber vielleicht irre ich mich ja auch. Kennt die jemand?


FSK 16? Dann kannste die knicken. Ist vermutlich diese Fassung.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die Nacht der Reitenden Leichen - Amando de Ossorio

Beitragvon horror1966 » 15. Mai 2011, 17:42

Die BR von Carol Media ist defintiv geschnitten.
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Re: Die Nacht der Reitenden Leichen - Amando de Ossorio

Beitragvon Salvatore Baccaro » 31. Mai 2011, 16:43

Eine persönliche Anekdote am Rande: Ich hatte meiner Hochmittelalter-Dozentin damals als Hausarbeitsthema den Templer-Orden vorgeschlagen bzw. seine Rezeption in Film und Literatur am Beispiel von de Ossorios Reitenden Leichen. Zunächst zeigte sich die Gute relativ interessiert, nahm auch dankend die DVD entgegen, die ich ihr auslieh, und dabei vor allem auf die Szene mit dem Historiker verwies (dieser Typ ist wirklich eine kuriose Gestalt, sein Monolog historisch höchstens ansatzweise korrekt, und dann noch durchsetzt mit okkultem Aberglauben, während sein Sohn sich als Freibeuter über Wasser hält: so weit waren zwei Generationen wohl noch nie voneinander entfernt). Die Frau erlebte wohl so etwas wie einen Kulturschock. "Für eine wissenschaftliche Arbeit geben diese Filme wohl dann doch nicht allzu viel her." Dabei dachte ich mir, dass de Ossorios Reihe aus historischer Sicht doch besonders interessant sein müsste. Immerhin werden hier altbekannte Topoi aus den Verteufelungs-Mythen des Ordens aufgegriffen und ziemlich geschickt, amüsant und effektiv in den Kontext des europäischen B-Movie-Horrors verpflanzt. Allein dass die Hintergrundgeschichte von Film zu Film wechselt, wäre schon eine eingehende Untersuchung wert... :opa:
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Re: Die Nacht der Reitenden Leichen - Amando de Ossorio

Beitragvon buxtebrawler » 31. Mai 2011, 16:59

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Ich hatte meiner Hochmittelalter-Dozentin damals als Hausarbeitsthema den Templer-Orden vorgeschlagen bzw. seine Rezeption in Film und Literatur am Beispiel von de Ossorios Reitenden Leichen.


Spitzen-Idee! :thup:
Salvatore, der Dozentinnen-Schreck :D

Allein dass die Hintergrundgeschichte von Film zu Film wechselt, wäre schon eine eingehende Untersuchung wert... :opa:


Diese für unser Forum durchzuführen bleibt dir selbstverständlich unbenommen ;)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die Nacht der Reitenden Leichen - Amando de Ossorio

Beitragvon Salvatore Baccaro » 6. Jun 2011, 22:07

Haha, mal sehen. Ein noch interessanteres Forschungsgebiet wäre für mich im Moment eigentlich fast: "Vergewaltigungsdarstellungen im filmischen Oeuvre Amando de Ossorios". ;)

Stehe ich eigentlich allein mit der Meinung, dass man vor allem den ersten Reitenden-Leichen-Teil getrost als Attacke auf Homosexualität lesen kann? Ich meine, mal ganz beiseite lassend, dass der Film immerhin im faschistischen Spanien entstand, ist ja im Grunde und im übertragenen Sinne die lesbische Liebe der beiden Hauptdarstellerinnen für die ganze Misere verantwortlich, und die Vergewaltigung, wie heißt sie?, Bettys (?) scheint dadurch schon beinahe legitimert zu werden und als eine Art Strafe zu fungieren: überhaupt ist die Szene ja schlicht unglaublich, und wird kurioserweise später mit keinem Wort mehr erwähnt: na gut, die Templer reiten ein, trotzdem wirkt es schon relativ bedenklich, dass Pedro sie einfach mal zwischendurch mißbraucht, sozusagen um sie von ihrem Lesbentum zu heilen (für das allerdings, auch das sollte man bedenken, keine natürliche Ursache vorliegt, sondern seinerseits ein sexueller Übegriff in Bettys Vergangenheit...) Verrückt, verrückt.
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Re: Die Nacht der Reitenden Leichen - Amando de Ossorio

Beitragvon buxtebrawler » 6. Jun 2011, 22:29

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Haha, mal sehen. Ein noch interessanteres Forschungsgebiet wäre für mich im Moment eigentlich fast: "Vergewaltigungsdarstellungen im filmischen Oeuvre Amando de Ossorios". ;)

Stehe ich eigentlich allein mit der Meinung, dass man vor allem den ersten Reitenden-Leichen-Teil getrost als Attacke auf Homosexualität lesen kann? Ich meine, mal ganz beiseite lassend, dass der Film immerhin im faschistischen Spanien entstand, ist ja im Grunde und im übertragenen Sinne die lesbische Liebe der beiden Hauptdarstellerinnen für die ganze Misere verantwortlich, und die Vergewaltigung, wie heißt sie?, Bettys (?) scheint dadurch schon beinahe legitimert zu werden und als eine Art Strafe zu fungieren: überhaupt ist die Szene ja schlicht unglaublich, und wird kurioserweise später mit keinem Wort mehr erwähnt: na gut, die Templer reiten ein, trotzdem wirkt es schon relativ bedenklich, dass Pedro sie einfach mal zwischendurch mißbraucht, sozusagen um sie von ihrem Lesbentum zu heilen (für das allerdings, auch das sollte man bedenken, keine natürliche Ursache vorliegt, sondern seinerseits ein sexueller Übegriff in Bettys Vergangenheit...) Verrückt, verrückt.


Hm. Ich merke gerade, dass ich den Film verdammt lange nicht mehr gesehen habe. :D
In meiner Erinnerung tummeln sich stylische Knochenmänner in einer morbide-idyllischen Gegend Spaniens und terrorisieren Auswärtige. Es gibt einen schönen Pro- und lange Zeit keinen Dialog. Lesbierinnen? Vergewaltigungen? Sexuelle Übergriffe in der Vergangenheit? Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst :?

Ist notiert für eine baldige Neusichtung, bei der ich auf solche Details (?) achten werde.
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Re: Die Nacht der Reitenden Leichen - Amando de Ossorio

Beitragvon dr. freudstein » 6. Jun 2011, 22:59

HUI, na, ich konnt mich an fast alles erinnern. Gut, habe ja auch mehrere Versionen auf Tape und DVD, so daß öfter mal eine Sichtung vorprogrammiert war. Ne nee, der Salvatore hats gut beschrieben, wie immer in seinem eigenen Stil auch :thup:
Der Pedro vollzog eine Vergewaltigung mit Messer, wurde aber nicht angeklagt trotz unzähliger Zeugen im Gegensatz zum Wetterfrosch (OT) und kam mit einem bisschen Gemecker, aber auch Wohlwollen, so meine ich, davon :?
Nun, die lesbische Beziehung wurde ja nicht detailliert offeriert, veranlaßte die eine Gespielin aber dazu, den Zug zu verlaßen und rannte in ihre letzte Nacht (ohne Frau, dafür in eine Begegnung mit älteren Herrschaften, die mangels Rente - das vom Ösi erfundene Rentensystem wäre zusammengebrochen - sich in einem anderen Zeitvertreib verdienten)
Desweiteren hatte der Pedro noch eine Beziehung zu einer Schmugglerbraut. die aber nicht unbedingt sehr harmonisch war. Hart aber herzlich evt.
Inwieweit das im Kontext (uff) zum Franco-Regime stand, kann ich jetzt nicht genau beurteilen, aber aufgefallen ist mir in jedem Fall ein Anklang auf eine Mißstimmung der Homosexualität, wenn auch erst direkt wachgerüttelt durch den S.B.Sexistische Handlungensweisen sind hier in jedem Fall vorzufinden, ich war auch sehr irritiert :o
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Re: Die Nacht der Reitenden Leichen - Amando de Ossorio

Beitragvon DrDjangoMD » 6. Jun 2011, 23:02

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Haha, mal sehen. Ein noch interessanteres Forschungsgebiet wäre für mich im Moment eigentlich fast: "Vergewaltigungsdarstellungen im filmischen Oeuvre Amando de Ossorios". ;)

Stehe ich eigentlich allein mit der Meinung, dass man vor allem den ersten Reitenden-Leichen-Teil getrost als Attacke auf Homosexualität lesen kann? Ich meine, mal ganz beiseite lassend, dass der Film immerhin im faschistischen Spanien entstand, ist ja im Grunde und im übertragenen Sinne die lesbische Liebe der beiden Hauptdarstellerinnen für die ganze Misere verantwortlich, und die Vergewaltigung, wie heißt sie?, Bettys (?) scheint dadurch schon beinahe legitimert zu werden und als eine Art Strafe zu fungieren: überhaupt ist die Szene ja schlicht unglaublich, und wird kurioserweise später mit keinem Wort mehr erwähnt: na gut, die Templer reiten ein, trotzdem wirkt es schon relativ bedenklich, dass Pedro sie einfach mal zwischendurch mißbraucht, sozusagen um sie von ihrem Lesbentum zu heilen (für das allerdings, auch das sollte man bedenken, keine natürliche Ursache vorliegt, sondern seinerseits ein sexueller Übegriff in Bettys Vergangenheit...) Verrückt, verrückt.


Vielen Dank für den Denkanstoß. Der Gedanke ist mir nämlich noch nie gekommen. Ich hab die Lesbenszenen und die völlig unsinnige Vergewaltigung einfach als trashiges Intermezzo in einem sonst sehr stilistischen Film hingenommen, aber deine Theorie ergibt wirklich Sinn :thup:
Trotzdem wirkt Betty (?) auf mich als der stärkste Charakter von allen. Sie scheint, als wüsste sie, was sie will. Ihre Freundin ist ziemlich verwirrt, der Haupt-Mann kommt auch ein wenig unentschlossen rüber, die Schmuggler sind Mistkerle und die Templer sind tot.
Wenn ich mich dabei irren sollte bitte um Verzeihung, denn auch bei mir ist die letzte Sichtung eine Weile her, aber in meiner Erinnerung kommt Betty vom Charakter
(mal abgesehen von der Tatsache, dass sie als einzige überlebt)
einem Helden am nächsten.
Sollte mir den Film mal wieder gönnen. Mein Hirn martert sich wirklich gerade, ob zur Homosexualität Stellung genommen wird (oder ob die Lesben nur dazu da sind um die "anspruchsloseren" Zuseher zu erfreuen :sabber: ) und wenn ja, ob diese Stellung ein pro oder ein contra ist.
Mensch, Salvatore, die Frage wird mich die ganze Nacht nicht schlafen lassen :wart:
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Re: Die Nacht der Reitenden Leichen - Amando de Ossorio

Beitragvon DrDjangoMD » 6. Jun 2011, 23:09

dr. freudstein hat geschrieben:Nun, die lesbische Beziehung wurde ja nicht detailliert offeriert, veranlaßte die eine Gespielin aber dazu, den Zug zu verlaßen und rannte in ihre letzte Nacht


Die Frage ist hier nur, ob da wirklich ihrer alten Homosexualität oder ihrer neuen Heterosexualität die Schuld zu geben ist. Ich nehme de Ossorio jetzt mal als Genie hin und behaupte, dass er möglicherweise ausdrücken wollte, dass man zu seinen Idealen stehen sollte. Weil der einen gings ja gut, solange sie eine Vollzeit-Lesbe war, aber auch solange sie eine Vollzeit-äh-nichtlesbe war. Nur als beide Welten aufeinandertreffen wird sie verwirrt und rennt in ihren Untergang.
Die andere hingegen steht dazu eine Lesbe zu sein. Sie kommt als einzige (halbwegs) gut davon. Im Gegensatz dazu wird der Smugglerboss, der sie vergewaltigt, sprich ihren Lebensstil nicht akzeptiert, sofort darauf von den Templern bestraft.
Oder war die Vergewaltigung die Bestrafung für die Homosexuelle...Ich bin verwirrt :?
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Re: Die Nacht der Reitenden Leichen - Amando de Ossorio

Beitragvon dr. freudstein » 7. Jun 2011, 00:09

Der Salvatore macht ja nur sowas mit uns :kicher:
Aber durchaus richtig. Wenn ich da meine Kollegen/innen höre, "wieso soll ich einen Film 2 x gucken (oder öfter), dann kenne ich ihn ja schon" :? :palm: , dann wird mir hier immer mehr bewusst, warum man einen Film nicht 5x, sondern noch öfter gucken sollte, weil man nämlich immer mehr hinein interpretieren kann, als mans eh schon tut (durch die Denkanstöße anderer, wie S.B., Bux und dem ganzen anderen verlotterten Haufen hier).
Der Zeitgeist spiegelt sich ja sowieso, gerade in Genrefilmen, mehr wieder als in anderen, teuren Allerweltsproduktionen. Ansätze zur Kritik, versteckte Anspielungen auf Gesellschaft, Politik, Staat, Umwelt sind ja immer irgendwie vorhanden, sie müßen nur entdeckt werden.Daher sollte man bei seinen Sichtungen Verwirrungen, offen gebliebene Fragen, Auffälligkeiten etc. durchaus ernstnehmen und hinterfragen, denn die Ergebnisse offenbaren uns doch so einige Überraschungen, wie auch hier.Letztendlich kann immer mal Gegensprüchliches Gegensätzliches herauskommen, wir haben den Film ja nicht erschaffen, sind ergo nicht die Künstler mit den Ideen, dennoch als nicht reine FilmKONSUMENTEN ( :arrow: :kotz: , sondern Liebhaber tauchen wir immer in eine andere Gefühlswelt ein als andere und entdecken dabei immer noch weiße Landstriche, auch wenn wir manchmal unterschiedliche Pfade nehmen.

Die eigentlichen Gedankengänge kennt wohl nur der Regisseur oder Drehbuchautor oder manchmal auch keiner.
Zuletzt geändert von dr. freudstein am 7. Jun 2011, 11:24, insgesamt 1-mal geändert.
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