Buried - Lebend begraben - Rodrigo Cortés (2010)

Moderator: jogiwan

Buried - Lebend begraben - Rodrigo Cortés (2010)

Beitragvon jogiwan » 26. Apr 2011, 08:18

Buried - Lebend begraben

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Originaltitel: Buried

Herstellungsland: Spanien, Frankreich, USA / 2010

Regie: Rodrigo Cortés

Darsteller: Ryan Reynolds, Ivana Mino

Story:

Als der verletzte LKW-Fahrer Paul Conroy aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, muss er feststellen, dass er offensichtlich in einer Kiste unter der Erde begraben wurde. Als ein Handy im Sarg klingelt, versucht er verzweifelt, jemand auf seine Situation aufmerksam zu machen. Doch als der Akku schwächer und auch die Luft immer knapper werden, schwinden auch seine Chance gerettet zu werden...
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Re: Buried - Lebend begraben - Rodrigo Cortés (2010)

Beitragvon jogiwan » 26. Apr 2011, 08:20

Hollywood-Beau Ryan Reynolds in einem spanischen Indie-Film, der 90 Minuten nur in einem Sarg spielt? Ich war skeptisch, aber jetzt kann ich nur eines sagen: unbedingt ansehen!!! Der Film ist zwar nicht perfekt, aber furchtbar, furchtbar intensiv! Boah... bin ich froh, dass ich den nicht im Kino gesehen hab. Hammer!
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Re: Buried - Lebend begraben - Rodrigo Cortés (2010)

Beitragvon Arkadin » 28. Apr 2011, 16:13

jogiwan hat geschrieben:Hollywood-Beau Ryan Reynolds in einem spanischen Indie-Film, der 90 Minuten nur in einem Sarg spielt? Ich war skeptisch, aber jetzt kann ich nur eines sagen: unbedingt ansehen!!! Der Film ist zwar nicht perfekt, aber furchtbar, furchtbar intensiv! Boah... bin ich froh, dass ich den nicht im Kino gesehen hab. Hammer!


Den Trailer fand ich schon mal gelungen. Im dunklen Kino muss der noch besser rüber kommen als in der Glotze. Werde ich vielleicht demnächst mal antesten.
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Re: Buried - Lebend begraben - Rodrigo Cortés (2010)

Beitragvon horror1966 » 3. Mai 2011, 02:10

Bild




Buried - Lebend begraben
(Buried)
mit Ryan Reynolds, Sprechrollen: Ivana Mino, Samantha Mathis, Kali Rocha, Cade Dundish, Kirk Baily, Erik Palladino, Warner Laughlin, Mary Birdsong
Regie: Rodrigo Cortes
Drehbuch: Chris Sparling
Kamera: Eduard Grau
Musik: Victor Reyes
FSK 16
Frankreich / Spanien / USA / 2010

Das ist das Schicksal von Paul, einem amerikanischen Lastwagenfahrer und Familienvater, der in einem Holzsarg aufwacht. Er wurde lebendig begraben und weiß weder, wer ihm das angetan hat, noch warum. Seine einzige Chance, diesem Alptraum zu entkommen, ist ein Handy. Schlechter Empfang, ein rapide schwindender Akku und Sauerstoffmangel sind die schlimmsten Feinde in seinem Wettlauf gegen die Zeit: Paul hat nur 90 Minuten, um gerettet zu werden.


Was soll man von einem Film erwarten, dessen gesamte Geschichte sich in einemr sargähnlichen Holzkiste abspielt und die zudem noch mit nur einem einzigen Schauspieler besetzt ist? Man könnte recht voreilig dem Trugschluß erliegen, das man mit 90 Minuten gepflegter Langeweile konfrontiert wird, denn was soll bei diesen extrem minimalen Grundvorraussetzungen schon großartig passieren, was einen durchgehend gut und spannend unterhalten könnte? Wer sich diese Fragen stellt und dadurch zu der Antwort gelangt, sich diesen Thriller erst gar nicht anzusehen macht einen riesengroßen Fehler, denn trotz seiner spärlichen Ausstattung bietet "Buried" eine Menge mehr als so mancher große Blockbuster. Sicherlich ist das Geschehen an sich allein schon durch den äusserst beengten Schauplatz nicht dazu in der Lage, Abwechslung im üblichen Sinne zu bieten, der Film bezieht seine Spannung und Atmosphäre aus der gegebenen Situation, in der sich der Protagonist Paul Conroy (Ryan Reynolds) befindet und diese ist an Bedrohlichkeit und klaustrophobischer Grundstimmung nur schwerlich zu toppen. Allein schon bei der Vorstellung, das man sich selbst in dieser aussichtslosen Lage befinden würde, sorgt für schweissnasse Hände und ein ganzzeitig vorhandenes Gefühl extremster Beklemmung, denn schon nach wenigen Minuten Spielzeit sieht man sich selbst schon nicht mehr als Zuschauer, sondern befindet sich selbst in dem hölzernen Sarg, denn die Identifizierung mit der Situation und dem Betroffen entsteht mit einer unglaublichen Geschwindigkeit, das man es kaum mitbekommt.

Wohl nur äusserst selten hat man einen Thriller gesehen, der mit wirklich so minimalen Mitteln eine so gewaltige Wirkung auf den Betrachter hinterlässt, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Die Szenerie strahlt dabei eine enorme Sogwirkung aus, die einen förmlich in die Holzkiste hineinzieht und bis zum Rnde nicht mehr freigeben will. Natürlich kann dieses Gefühl nur entstehen, wenn man sich auf diesen kleien, aber äusserst feinen Thriller einlässt und wenn man diversen Kritiken Glauben schenken darf, dann ist längst nicht jeder dazu in der Lage. Da wird teilweise von Langeweile und mangelnder Spannung geredet, wobei man sich fast zwangsweise die Frage stellen muss, ob wir alle den gleichen Film gesehen haben. Vielmehr hat Regisseur Rodrigo Cortes seinem Werk von der ersten Minute an eine herrlich düstere und extrem beklemmende Atmosphäre verliehen, die über die gesamte laufzeit so dicht erscheint, das man sie mit einem Messer durchtrennen könnte. Damit diese aber auch beim Betrachter zur vollen Entfaltung kommen kann, muss man selbstverständlich dazu in der lage sein, sich in die aussichtslose Lage des Betroffenen hineinzuversetzen, der hier lediglich ein Handy zur Verfügung hat, um überhaupt Kontakt zur Aussenwelt aufzunehmen. Und insbesondere die geführten Telefonate sind in meinen Augen ein weiteres großes Highlight der Geschichte, drücken sie doch immer mehr die Tristesse und Hoffnungslosigkeit der Situation aus, in der sich Paul befindet. Kaum jemand hört ihm richtig zu und trotz intensivster Schilderung seiner Lage wird er dennoch immer wieder in Warteschleifen gelegt, was schon eine ordentliche Portion Sarkasmus in die Geschehnisse einfließen lässt. Den absoluten Höhepunkt in dieser Beziehung erlebt man allerdings, als ihn der Personalchef seiner Firma anruft und ihm die fristlose Kündigung ausspricht, obwohl er ganz genau weiss, was mit Paul geschehen ist. Obwohl diese Passage förmlich vor Hohn trieft und vollkommen absurd erscheint, kann man keineswegs darüber schmunzeln, viel zu sehr ist man selbst mit der Ernsthaftigkeit des Szenarios beschäftigt.

Ist in diesem Film der Spannungsbogen schon von Anfang an vorhanden, so baut er sich doch mit zunehmender Laufzeit immer weiter auf, handelt es sich doch auch um einen Wettlauf mit der zeit, da Paul von seinem Entführer ein Ultimatum gestellt wurde. So zieht dann auch ab den zweiten Filmdrittel langsam aber sicher auch die Hektik Einzug in das Geschehen, die sich ganz automatisch auch auf einen selbst überträgt. Zudem scheint auch eine Rettung mittlerweile nicht mehr ganz aussichtslos, denn ein Rettungsteam ist auf dem Weg in das Gebiet, in dem Conroy vergraben ist. An diesem Punkt beginnt dann auch die Phase, in der man den Betrachter in ein absolutes Wechselbad der Gefühle stürzt, denn die aufkommende Hoffnung auf Rettung wird immer wieder durch andere Dinge zerstört und die Spannungskurve steigert sich so langsam dem absoluten Siedepunkt entgegen. Es ist wirklich sehr schwer in Worte zu fassen, aber man muss das Gefühls-Chaos selber miterlebt haben, das dieser Film in einem auslöst, ansonsten kann man sich noch nicht einmal ansatzweise vorstellen, welche Emotionen einen während dises Filmes durchtoben, so das man wie gebannt vor dem heimischen Bildschirm sitzt und den Blick auch nicht eine einzige Sekunde davon lösen kann. Mit schweissnassen Händen leidet man mit einem Mann mit, der zwischenzeitlich schon sein Testament mit der Video-Funktion des handys aufgenommen hat, um im nächsten Moment durch einen Anruf wieder viel Hoffnung auf eine gelungene rettungsaktion bekommt.

Rodrigo Cortes spielt wirklich absolut mit den ureigensten Ängsten, die wohl jeder normale Mensch in sich trägt, was während der laufzeit bei einem selbst stark zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig hat er es hervorragend verstanden, das sich Hoffnung und totale Resignation nahezu perfekt miteinander abwechseln, bis es letztendlich zu einem Ende gelangt, das sich viele Leute eventuell anders vorgestellt haben. Wie die ganze Sache nun letztendlich ausgeht, wird an dieser Stelle selbstverständlich nicht verraten, denn das sollte sich jeder am Besten selbst ansehen. "Buried - Lebend begraben" ist auf jeden Fall ein Thriller voller Suspense und extremer Spannung von der ersten bis zur letzten Minute. Ausserdem ist dieses Werk ein absolutes Paradebeispiel dafür, das man selbst mit einem einzigen darsteller und einer Holzkiste als Schauplatz eine Story kreieren kann, die einem teilweise wirklich die Luft zum atmen nimmt weil die aufkommende Spannung ganz einfach kaum zu ertragen ist. Wer einen echten Hochspannungsthriller voller Suspense und mit einer nahezu gigantisch beklemmenden Stimmung zu schätzen weiss, der sollte sich dieses kleine Meisterwerk keinesfalls durch die Lappen gehen lassen. Aber Leute mit Platzangst sollten sich darauf einstellen, das "Buried" für sie eine echte Herausforderung darstellen könnte, denn in diesem Sarg ist wirklich nicht viel Platz.


Fazit:


Meine persönlichen Erwartungen an "Buried - Lebend begraben" waren schon äusserst hich angesetzt, doch wenn ich ganz ehrlich bin, wurden sie noch stark übertroffen. Selten habe ich einen Film erleben dürfen, bei dem man ein solch extremes Gefühl der Beklemmung verspürt, das einen wie eine zu eng geratene zweite haut umschließt. Dadurch verschmelzt man förmlich mit der gegebenen Situation und sieht sich selbst in diesem vergrabenem Sarg liegen. So kann man die verschiedensten Gefühlslagen viel intensiver und besser nachvollziehen die Paul hier durchtoben müssen, wie bespielsweise der ständige Wechsel aus Hoffnung und Resignation. So erscheint dieser Film wie ein interaktives Seherlebnis, an dem man wirklich schon fast korperlich, aber vor allem psychisch beteiligt ist. Cortes hat mit "Buried" einen Thriller geschaffen, den man ganz sicher nicht so schnell vergisst, prägt sich das Szenario doch unauslöschlich in das Gedächtnis ein und hinterlässt eine äusserst nachhaltige Wirkung. Für mich persönlich stellt der Film ein Meisterwerk dar, das im genre ganz oben anzusiedeln ist und das ich nur wärmstens weiterempfehlen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 91 Minuten
Extras: Trailershow


10/10
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Re: Buried - Lebend begraben - Rodrigo Cortés (2010)

Beitragvon purgatorio » 17. Mai 2011, 07:55

"Buried" ist ein unheimlich intensiver Streifen! Selten ging mir Hoffnungslosigkeit allein durch die filmische Inszenierung so sehr an die Nieren. Rodrigo Cortes ist eine Meisterleistung gelungen einen unglaublich spannenden 90minüter in einer Kiste anzusiedeln. Interessante und durchdachte Kameraeinstellungen (ich meine, die Kiste hat sechs Seiten - Möglichkeiten sind dort begrenzt!) und ein sich selbst übertreffender Ryan Reynolds tragen wesentlich (ach, eigentlich ausschließlich) dazu bei. Ein beklemmendes must see, schon nur aus filmtechnischer Sicht!
Wie :jogi: schon andeutete, ist's natürlich längst nicht perfekt, der terroristische Akt ist leicht unmotiviert und die Logik ist auch nicht immer in vollen Zügen vertreten - aber wer sich dadurch diesen Streifen vermiesen lässt ist selbst schuld.
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Re: Buried - Lebend begraben - Rodrigo Cortés (2010)

Beitragvon buxtebrawler » 13. Mai 2015, 00:05

„Die Regierung der Vereinigten Staaten verhandelt nicht mit Terroristen!“

Mit dem experimentellen Thriller „Buried – Lebendig begraben“ versuchte sich der spanische Regisseur Rodrigo Cortés („The Contestant“) im Jahre 2010 an der bis dato konsequentesten filmischen Umsetzung der menschlichen Urangst vor dem Lebendig-Begraben-Sein. Der Film entstand in spanisch-US-amerikanisch-französischer Produktion.

Der Konvoi des US-amerikanischen Lastwagenfahrers Paul Conroy (Ryan Reynolds, „Amityville Horror“) wurde im Irak von Aufständischen überfallen. Conroy findet sich in einem Holzsarg unter der Erde wieder, ertastet ein Feuerzeug, mit dessen Hilfe er sich in seinem engen Gefängnis umsehen kann und hört ein Handy klingeln, das man ihm hineingelegt hat. Verzweifelt versucht er, Hilfe herbeizutelefonieren. Plötzlich ruft sein Entführer an, fordert, dass er innerhalb weniger Stunden fünf Millionen Dollar Lösegeld organisiert und dass er mit dem Handy ein Video dreht, in dem er um die Summe bittet. Doch die USA verhandeln nicht mit Terroristen und die Ortung seines unfreiwilligen Aufenthalts gestaltet sich schwierig – derweil wird die Luft immer knapper...

„Buried – Lebendig begraben“ beginnt mit einem schwarzen Bild. Man hört ein Husten und sieht jemanden mit einem Feuerzeug leuchten. Conroy befreit sich von seinem Knebel, löst seine Fesseln an einem Sargnagel und ruft verzweifelt um Hilfe. So beginnt Cortés’ Film, der sich dem absoluten Minimalismus verschrieben hat. Abgesehen von einer Dame (Ivana Miño) in einem Handyvideo kommt er mit Reynolds als einzigem Schauspieler aus. Der Ort bleibt auf den Sarg beschränkt und die Geschichte wird in erster Linie anhand der Dialoge erzählt. Conroy ruft den Notruf an, versucht, seine Frau und weitere Personen zu erreichen und bekommt oftmals lediglich die Mailboxansagen zu hören. Seinem Arbeitgeber spricht er auf die Mailbox und als er das FBI erreicht, wird die Verbindung unterbrochen.

Conroys missliche Lage, die ihm nur minimalen Handlungsspielraum erlaubt, wird zum Überlebenskampf, für den er Panik und andere nur allzu menschliche Emotionen und Reaktionen nach Möglichkeit kontrollieren muss, um keine entscheidenden Fehler zu begehen. Sein Feuerzeug zehrt den Sauerstoff auf, seine Telefonate gehen zu Lasten des Handyakkus. Daraus bezieht der Film seine Dramaturgie bei völligem Verzicht auf Außenaufnahmen, Rückblenden oder andere Stilelemente. Kameramann Eduard Grau jedoch gelingt es, das Kammerspiel mit einer ungewöhnlich dynamischen Fotografie zu versehen, deren zahlreiche Perspektiven dem Sarg zeitweise seine Wände zu nehmen scheinen. Auf einen statischen oder wackligen, an Found-Footage-Realismus angelehnten Look verzichtete man also, was auch die (effektive) eingestreute Filmmusik des Komponisten Victor Reyes verdeutlicht.

Und die Situation spitzt sich zu: Nach knapp einer Stunde lässt sich Cortés zu einer Action-Einlage hinreißen, indem er eine Schlange im Sarg auftauchen lässt, die Conroy mit Feuer zu bekämpfen versucht. So fragwürdig es auch ist, wo plötzlich das Reptil herkommt – nervenaufreibend ist’s allemal. Zu allem Überfluss erfährt er auch noch telefonisch von seiner fristlosen Kündigung, womit der Film die Frage nach dem Wert des Lebens eines Arbeiters stellt und die unsensible „Hire & Fire“-Politik von Unternehmen kritisiert.

Ansonsten hält sich „Buried – Lebendig begraben“ aber mit Kommentaren zum Zeitgeschehen zurück, wenngleich er sein Sujet in die Folgen des US-amerikanischen Angriffskriegs gegen den Irak bettet. Man konzentriert sich vornehmlich auf Conroy und seine persönliche Situation, erfährt ein wenig – nicht viel – über den Entführer und dessen kriegsbedingtes Schicksal und belässt es schließlich dabei. Weder gibt sich Conroy als sonderlicher Patriot zu erkennen, noch lässt man den Entführer politische Ziele verfolgen. Damit verbrennt sich Cortés kaum die Finger, wenngleich der Krieg als Auslöser für Conroys Überlebenskampf benannt wird. Kaum minder barbarisch vermutet andererseits das Verhalten seines Entführers an. Conroy indes interessiert das alles herzlich wenig, denn längst rieselt unablässig Sand in seinen Sarg hinein...

Das Finale und die Pointe lasse ich natürlich unerwähnt, doch beides hat es in sich und rüttelt manch nach einem langen Arbeitstag ob der dunklen, oftmals lichtlosen und damit erneut schlicht schwarzen Bilder und der einen oder anderen Länge ermüdeten Zuschauer wieder wach. Obwohl zeitweise auch das andere Extrem bedient wird und man etwas dick aufträgt, kann das Experiment als geglückt betrachtet werden, denn tatsächlich gelingt es Reynolds mit seinem emotionalen Talent, den Film mit seinem 90-minütigen Solo-Auftritt zu tragen. Für Klaustrophobiker dürfte „Buried – Lebendig begraben“ demnach ein einziger Alptraum sein und aufgrund seiner künstlerischen Reduziertheit und Zuschneidung auf die finale Pointe hält sich die Motivation, diesen Film häufiger als ein einziges Mal zu gucken, in Grenzen – dieses eine Mal jedoch kann eine gleichsam bedrückende und beeindruckende Kino-Erfahrung sein.

Überrascht hat mich allerdings auch, welch guten Empfang so ein Handy auch unter der Erde in einer Holzkiste hat...
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Buried - Lebend begraben - Rodrigo Cortés (2010)

Beitragvon ugo-piazza » 13. Mai 2015, 20:13

buxtebrawler hat geschrieben:
Überrascht hat mich allerdings auch, welch guten Empfang so ein Handy auch unter der Erde in einer Holzkiste hat...


Man lernt doch nie aus.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Buried - Lebend begraben - Rodrigo Cortés (2010)

Beitragvon purgatorio » 14. Jun 2015, 07:55

BURIED – LEBENDIG BEGRABEN (BURIED, Spanien, Frankreich, USA 2010, Regie: Rodrigo Cortés)

Ich kann es nur wiederholen – sehr, sehr intensiver Film, der das Maximum an filmischen und erzählerischen Möglichkeiten aus seiner einen Figur und seinem einen und maximal reduzierten Handlungsraum herausholt. Klar, Logik und Motivation sind nicht immer stimmig, aber es ist doch schon sehr anerkennenswert, wie viel Spannung über 90 Min. innerhalb einer Kiste erzeugt werden kann!
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Re: Buried - Lebend begraben - Rodrigo Cortés (2010)

Beitragvon karlAbundzu » 14. Jun 2015, 11:23

Damals im Kino gesichtet und es war ein unglaublich intensiver Film, wo es mehr um die Beschäftigung des Individuums mit sich selbst als um Terrorismus geht. Toll gespielt.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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