Blame - Narciso Ibáñez Serrador

Moderator: jogiwan

Blame - Narciso Ibáñez Serrador

Beitragvon buxtebrawler » 10. Jun 2011, 14:21

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Originaltitel: Películas para no dormir: La culpa

Herstellungsland: Spanien / 2006

Regie: Narciso Ibáñez Serrador

Darsteller: Nieve de Medina, Montse Mostaza, Alejandra Lorenzo, Asunción Díaz, Mariana Cordero, Cristina Perales

Die alleinerziehende Krankenschwester Gloria (Montse Mostaza) ist mit ihrer Tochter Vicky in eine akute Notlage geraten, aus der ihre Freundin Ana, eine Gynäkologin ihr heraushilft, indem sie beide bei sich im Haus wohnen läßt. Das Angebot hat einen Haken, denn Ana ist Gloria mehr als nur normal zugetan, doch die lehnt die Annäherungen ab, hilft Ana aber bei den illegalen Abtreibungen, die diese nach Feierabend in ihrer Privatpraxis daheim ausführt. Als Gloria wieder schwanger wird, verschlechtert sich das Verhältnis zu Ana, weil Gloria das Kind behalten will, läßt es schließlich aber doch entfernen. Das bewirkt jedoch einige unheimliche Veränderungen im Haus, denn der Fötus verschwindet auf geheimnisvolle Art und Weise und Vicky beginnt, mit einer Blechbüchse herumzulaufen...


Quelle: www.ofdb.de
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Blame - Narciso Ibáñez Serrador

Beitragvon buxtebrawler » 10. Jun 2011, 14:22

Narciso Ibáñez Serrador hatte vor Jahrzehnten mit „Das Versteck“ und „Tödliche Befehle aus dem All“ alias „Ein Kind zu töten…“ zwei Glanzstücke des spanischen phantastischen Films gedreht – doch was ist DAS?! Sein Beitrag zur sechsteiligen, spanischen TV-Horrorfilm-Reihe aus dem Jahre 2006 enttäuscht auf ganzer Linie.

„Blame“ ist im Prinzip ein Drama, das sich einiger Stilelemente des Horrorfilms bedient. Dagegen ist zunächst einmal nichts einzuwenden, ebenso wenig gegen ein langsames Erzähltempo, das sich auf die Entfaltung einer unheilvollen Atmosphäre konzentriert. Mehr noch als bei Mateo Gils „Spectre“ scheinen auch hier die Protagonisten fast schon in Zeitlupe zu agieren, jedoch ohne den gewünschten Effekt beim Zuschauer zu erzielen – es sei denn, einschläfernde Langeweile zu verbreiten wäre die Intention des Films. Über weite Strecken wirken die sparsam eingesetzten Gruselmomente aufgesetzt, fehl am Platz und in kaum einem Zusammenhang zur erzählten Geschichte zu stehend; schnell bemerkt der Zuschauer, dass sie keinerlei Zweck dienen und im zähen Sande verlaufen. Doch welche Geschichte eigentlich? Es geht um zwei gegensätzliche Frauen, die eine, Gloria, wohlhabende Frauenärztin, die ihre Patientinnen gerne zu Abtreibungen drängt und diese auch illegal durchführt und die andere, Ana, alleinerziehende und problemgeplagte Mutter, die bei Gloria unterkommt, welche sich ihr zu einer Abtreibung rät und sich zudem an sie heranzuschmeißen versucht. Nach der Abtreibung plagen Ana Gewissensbisse, die sich in Wahnvorstellungen manifestieren.

Klar, Serrador hat’s irgendwie mit Kindern, Kindesmisshandlungen, Kindesmorden und trat in der Vergangenheit als deren filmischer Anwalt auf. Doch die Art und Weise, wie Abtreibungen hier thematisiert werden, machen „Blame“ zu einem extrem eindimensionalen, tendenziösen Statement gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche und somit zu einem ärgerlichen Filmerlebnis. Frauenärztin Gloria wird als eine Art Monster gezeichnet, ein gefühlskalter Unmensch, der die abgetriebenen Föten verächtlich in der Toilette entsorgt und zudem auch noch lesbisch ist (noch ein wenig Homophobie, anyone?). An einer weiteren Charakterzeichnung zeigte man aber kein Interesse, Hintergründe zu ihrer Person erfährt man kaum. Das macht die wahre Intention des Films nur umso deutlicher. Den Vogel (den Klapperstorch?) schießen allerdings die Gewissensbisse Anas ab, die sich von ihrem abgetriebenen Fötus verfolgt wähnt, sprich: nach der Abtreibung ballaballa in der Birne ist. Das soll vermutlich suggerieren, dass eine Frau, macht sie von ihrem Recht auf Abtreibung Gebrauch, damit rechnen muss, psychische Schäden davonzutragen und wenn diese ausbleiben, ein gewissensloser Unmensch wie Gloria sein muss.

Bei so einem rückschrittlich-moralisierenden, vermutlich religiös geprägten Humbug helfen auch die zweckmäßigen schauspielerischen Leistungen der relativ ausdrucksstarken Schauspielerinnen Nieve de Medina und Montse Mostaza inkl. solider Kinddarstellerin Alejandra Lorenzo als Anas (nicht abgetriebene) Tochter Vicky nicht mehr viel, schon gar nicht, wenn der Film so quälend bemüht mit allerlei Unfug auf Laufzeit getrimmt wurde, dabei aber tatsächlich so wirkt, wie es die vorausgegangenen Beiträge de la Iglesias und Gils gekonnt zu verhindern wussten: Wie ein biederer, langatmiger Fernsehfilm. Reaktionär bis ins Mark und der mit Abstand schwächste Teil der Reihe. Nein, danke, Señor Serrador.
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Re: Blame - Narciso Ibáñez Serrador

Beitragvon kinski » 21. Jan 2012, 00:31

BLAME ist zwar interessant in Szene gesetzt und erzeugt auch eine gruselige Grundstimmung, aber letztendlich dauert es viel zu lange bis wirklich mal was passiert. Und dann ist die Chose auch schon ziemlich schnell vorbei, ohne dass im Finale nochmal ein Zahn zugelegt wird. Eigentlich schade, da hätte deutlich mehr draus gemacht werden können. Einige andere Stories der Horror Anthology haben mich da schon eher überzeugt.

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