7th Floor - Jede Sekunde zählt - Patxi Amezcua (2013)

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7th Floor - Jede Sekunde zählt - Patxi Amezcua (2013)

Beitragvon horror1966 » 12. Aug 2014, 13:03

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7th Floor - Jede Sekunde zählt
(Séptimo)
mit Ricardo Darín, Belén Rueda, Abel Dolz Doval, Charo Dolz Doval, Luis Ziembrowski, Osvaldo Santoro, Guillermo Arengo, Jorge D'Elía, Carolina Barbosa, Pedro Angel Di Salvia, Patricia Gilmour, Gaby Ferrero, Dora Fajn
Regie: Patxi Amezcua
Drehbuch: Patxi Amezcua / Alejo Flah
Kamera: Lucio Bonelli
Musik: Roque Baños
FSK 12
Argentinien / Spanien / 2013

Wenn Sebastián seine Kinder in die Schule bringt, spielen sie immer das gleiche Spiel: "Wer ist Erster im Erdgeschoss?" Sebastián nimmt im 7. Stock den altmodischen Aufzug, Luca und Luna sausen über die Treppe. Doch als der Vater an diesem Morgen als Sieger im Parterre ankommt, bleibt es still im Treppenhaus. Kein Junge stürmt um die Ecke, kein kleines Mädchen stimmt ein enttäuschtes Geheul an. Nichts. Stille. Erst denkt Sebastián, dass die beiden ein neues Spiel erfunden haben und sich verstecken, doch sie bleiben verschwunden. Mit wachsender Sorge durchsucht er das ganze Mietshaus, befragt den Hausmeister und alle Nachbarn. Niemand hat etwas gesehen, niemand weiß etwas. Es ist, als hätte das alte Haus die Kinder verschluckt. Panik ergreift Sebastián ...


Thriller in denen Menschen auf mysteriöse Art und Weise von einer auf die andere Sekunde verschwinden garantieren in der Regel für ein äußerst spannendes Filmerlebnis. Auch die vorliegende argentinisch-spanische Co-Produktion schlägt diese Richtung ein und lässt dabei Anlehnungen an Filme wie beispielsweise "Flightplan - Ohne jede Spur" erkennen. Dieses Mal spielt sich das Geschehen allerdings in einem weitläufigen Wohn-Komplex ab, in dem die beiden Kinder des Anwalts Sebastian spurlos verschwinden, was schon nach relativ kurzer Zeit für einen ordentlich aufgebauten Spannungsbogen Sorge trägt. Es scheint also ein wirklich gelungener Thriller zu entstehen der sämtliche Zutaten beinhaltet die nötig sind um den Zuschauer zu fesseln, so präsentieren sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr Verdächtige und auch eventuelle Beweggründe der jeweiligen Protagonisten werden immer wieder eingestreut, um logisch erscheinende Zusammenhänge zu schaffen.

Hat Regisseur Patxi Amezcua zunächst im Prinzip fast alles richtig gemacht, so setzt jedoch nach einer knappen Stunde die totale Ernüchterung beim Betrachter ein. Nicht nur, das zu diesem Zeitpunkt der Schleier des bis dahin mysteriös erscheinenden Szenarios frühzeitig gelüftet wird, es gibt auch in der noch verbleibenden Restlaufzeit nichts mehr, was diesen Film in irgendeiner Art auszeichnen würde. Die Auflösung des Ganzen fällt dabei äußerst banal und auch nicht unbedingt logisch aus, so das der zunächst sehr gute Eindruck der Geschichte doch reichlich verwässert wird. Es ist einfach ziemlich enttäuschend, wie aus dem sicherlich vorhandenen Potential der Geschichte am Ende so wenig gemacht wird und man stellt sich unwillkürlich die Frage, warum der Regisseur nach einem so starken Beginn mit einem solch schwachen Finale aufwartet.

Lediglich das gute Schauspiel von Hauptdarsteller Ricardo Darín tröstet ein wenig darüber hinweg, das der zunächst sehr gut aufgebaute Spannungsbogen mit der Zeit immer mehr verloren geht. Seine Darstellung des verzweifelten Vaters ist nämlich absolut gelungen, wohingegen die anderen Akteure eher blass erscheinen. Doch auch er kann trotz aller Bemühungen den insgesamt mittelmäßigen Gesamteindruck nicht aufwerten, denn zu sehr fallen die auftretenden Defizite ins Gewicht, die bei etwas mehr Fingerspitzengefühl bestimmt vermeidbar gewesen werden. Hätte Amezcua nach seiner frühzeitigen Auflösung wenigstens die verbleibende Spielzeit noch interessant gestaltet, so wäre das noch erträglich gewesen, doch die letzten vor sich hin plätschernden Minuten beinhalten leider gar nichts, was auch nur im Entferntesten als Highlight bezeichnet werden könnte.

Am Ende bleibt ein Thriller übrig, der gut eine Stunde lang wirklich gut funktioniert, danach jedoch fast vollkommen in der totalen Belanglosigkeit versinkt. Hochspannung sieht jedenfalls definitiv anders aus und so muss man sich letztendlich mit einem maximal mittelmäßigen Film zufrieden geben, aus dem man weitaus mehr hätte herausholen können. Gute-und mysteriöse Ansätze versinken am Ende in einem belanglosen Finale, das im Endeffekt als eine absolute Enttäuschung bezeichnet werden kann.


Fazit:


"7th Floor - Jede Sekunde zählt" beginnt äußerst stark und beinhaltet eigentlich auch alle Zutaten die ein guter Thriller braucht, wartet jedoch mit einem banalen Showdown auf der den zunächst guten Eindruck der Geschichte merklich abwertet. So eignet sich das Werk wohl auch eher zur einmaligen Sichtung, denn einen sonderlich nachhaltigen Eindruck wird der Film bestimmt nicht hinterlassen.


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Re: 7th Floor - Jede Sekunde zählt - Patxi Amezcua (2013)

Beitragvon Arkadin » 25. Feb 2015, 10:38

Als der ebenso erfolgreiche, wie skrupellose Anwalt Sebastián (Ricardo Darín) eines Morgens seinen Sohn und seine Tochter von seiner Ex-Frau Delia (Belén Rueda) abholt, spielen sie wie so oft das „Treppenspiel“. Dabei liefern sich Kinder ein Vater ein Wettrennen. Während er langsam mit dem Lift fährt, rasen die Kinder durch das Treppenhaus vom 7. Stock ins Erdgeschoss. Doch diesmal kommen sie nicht unten an. Obwohl Sebastián, der vor einem wichtigen Gerichtstermin steht, verzweifelt nach ihnen sucht, bleiben die Beiden verschwunden. Sebastiáns Panik wächst…

Für ein Elternteil ist es der absolute Albtraum: Eben noch hat man fröhlich mit seinen geliebten Kindern gespielt, dann sind sie auf einmal spurlos verschwunden. Aus dieser Prämisse zimmert Regisseur Patxi Amezcua in seinem zweiten Spielfilm “7th Floor” einen ungemein spannenden und intensiven Thriller. Zumindest in der ersten Hälfte. Hier zieht er zusammen mit seinem Hauptdarsteller Ricardo Darín alle Register. Ricardo Darin ist spätestens nach seiner Hauptrolle in dem oscar-prämierten “In ihren Augen” (der damals “Das weiße Band” als bester fremdsprachiger Film im Rennen um den Goldjungen schlug) ein Star. Durchaus zu recht, wie er hier beweist. Trotz seines nicht unbedingt Filmstar-gemäßen Aussehens (er erinnert mich immer etwas an eine ältere Mischung aus Scooters H.P.Baxxter und Tobias Moretti) wirkt er vor allem authentisch und besticht durch großes Charisma. Interessant ist auch, dass seine Figur Sebastián nicht unbedingt ein Sympathieträger ist. Als Anwalt zwielichtiger, aber finanzstarker, Mandanten hat er sein Gewissen schon lange am Gerichtsempfang abgegeben. Zudem hatte er keine Skrupel, seine Frau mit ihrer besten Freundin zu betrügen. Doch die Liebe zu seinen Kindern ist größer als sein persönliches Ego. Auf der verzweifelten Suche nach ihnen zerbröckelt Stück für Stück die Fassade.

Sebastiáns Verzweiflung nimmt immer mehr paranoide Züge an. Irgendwann verdächtigt er einfach jeden, etwas mit der Sache zu tun zu haben. Er bedroht die Bewohner des Hauses, dringt in fremde Wohnungen ein und schreckt auch vor körperlicher Gewalt nicht zurück. Gleichzeitig ruiniert er seine Karriere, da er erkannt hat, dass das Wohl seiner Kinder ihm wichtiger ist. Zunächst beschwichtigt er noch seine Kollegen und bittet sie, mit dem Beginn eines wichtigen und lukrativen Prozesses noch ein wenig auf ihn zu warten. Glaubt man zunächst noch, er könne sich jeden Moment entscheiden, doch zum Gericht zu fahren, so ist er am Ende bereit, für seine geliebten Kinder alles zu opfern. Wie dieser selbstbewusste Machtmensch immer mehr zerfällt und ganz auf das Einzige zurückgeworfen wird, das ihm an Ende noch wichtig ist, wird von Ricardo Darin überaus überzeugend gespielt. Dabei gelingt ihm das Kunststück, Sebastián trotzdem nicht unbedingt zu einem strahlenden Helden aufzubauen. Seine Figur bleibt real, weil ambivalent gezeigt wird. Ein Mann, mit dem man mitfiebert, den man aber nicht unbedingt auf ein Bier einladen würde.

Die Nebenfiguren haben dabei eher weniger zu tun. Insbesondere ist dies bei der ansonsten immer hervorragend agierenden Belén Rueda auffällig. Hatte sie in “Das Waisenhaus“ und erst vor Kurzem in dem spanischen Thriller “The Body” (Kritik hier) strahlen können, so bleibt sie hier blass und unglaubwürdig. Was möglicherweise auch an ihrer Rolle liegt, die zunächst sehr wenig präsent und wenn, zumeist negativ besetzt ist. Sie steht Sebastián bei seiner verzweifelten Suche eher im Weg, als dass sie ihn wirklich unterstützt. Am Ende bekommt sie zwar mehr zu tun, geht aber mitsamt der Geschichte unter. Womit hier schon auf die große Schwäche des Filmes eingegangen werden muss. Während es Amezcua in der ersten Hälfte perfekt gelingt, eine dichte Spannung und allgemeine Stimmung der Bedrohung zu schaffen, geht der Geschichte in dem Moment, in dem sich das Geheimnis um die beiden Kinder als simple Entführung herausstellt, schlagartig die Luft aus. Zwar gelingt es Amezcua auch hier noch, mit einigen Spannungssequenzen, in denen der zunehmend irrational handelnde Vater den scheinbar ausweglosen Versuch unternimmt, das Lösegeld zu beschaffen, seinen Film weiter voranzutreiben. Die Faszination und Angespanntheit, die den Zuschauer zu Beginn noch fest im Griff hatte, hat sich da aber in Luft aufgelöst und wurde durch einen routinierten, aber unspektakulären Thriller von der Stange getauscht.

Macht sich hier schon erste Enttäuschung breit, so muss der finale Twist dann als ein Schlag ins Gesicht gewertet werden. Als ob Amezcua keine Idee mehr gehabt hätte, wie er seine anfangs so packende Story zu einem befriedigenden Ende führen könnte, setzt er auf eine Auflösung, die ebenso banal, wie haarsträubend unlogisch ist, und völlig ohne Not gewaltige Löcher in den Film reißt. Dass dies dann auch noch schlecht gespielt ist, wirkt in diesem Zusammenhang beinahe schon konsequent. Trotzdem sollte man Patxi Amezcua im Auge behalten, denn zumindest teilweise kann er mit “7th Floor” beweisen, dass er es versteht, eine fieberhafte Spannung zu erzeugen. Wie er das Apartmenthaus als ganz eigenen Kosmos voller Geheimnisse und Fallen inszeniert, erinnert entfernt an Polanskis Meisterwerk “Der Mieter“, auch wenn “7th Floor“ natürlich einige Ligen darunter agiert. Vielleicht gelingt es ihm in seinem nächsten Langfilm, diesen dann auch über die Zeit zu bringen.

Leider geht dieser spanisch-argentinischen Koproduktion in der zweiten Hälfte deutlich die Luft aus und das Finale enttäuscht dann endgültig durch seine unlogische Banalität. Bis dahin ist es Regisseur Patxi Amezcua allerdings gelungen, einen überaus spannenden und packenden Thriller zu inszenieren, der vor allem durch seinen wunderbaren Hauptdarsteller Ricardo Darín getragen wird. Umso ärgerlicher ist es, dass Amezcua zum Ende hin, den Karren immer tiefer in den Dreck fährt.

Screenshots: http://www.filmforum-bremen.de/2014/11/ ... de-zaehlt/
Früher war mehr Lametta
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