Slaughtered Vomit Dolls - Lucifer Valentine (2006)

Moderator: jogiwan

Slaughtered Vomit Dolls - Lucifer Valentine (2006)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 13. Nov 2017, 13:15

Bild

Originaltitel: Slaughtered Vomit Dolls

Produktionsland: Kanada 2006

Regie: Lucifer Valentine

Darsteller: Ameara Lavey, Pig Lizzy, Maja Lee, Princess Pam, Miss Pussy Pants, Allen Nasty, Hank Skinny

Im Oktober in München habe ich meine individuelle Ekelgrenze wohl soweit ausgereizt wie nie: Zuerst schaue ich mir jenen Film erstmals auf der großen Leinwand an, der damals, mit fünfzehn oder sechzehn, wohl der erste war, der es fertigbrachte, mir den Magen um einhundertachtzig Grad zu drehen – ich rede natürlich von BUIO OMEGA: Ihr könnt vor meinen Augen so viele Fingernägel ausreißen, Leichname ausweiden und Körper in Säurebädern zersetzen, aber der großen Franca Stoppi dabei beizuwohnen wie sie ihre Gulasch-Suppe regelrecht wiederkäut, das ertrage ich wirklich nur alle paar Forentreffen einmal! Danach, im angrenzenden Wirtshaus, reize ich meine Toleranz vollends aus, indem ich mir aus der satten Speisekarte ausgerechnet eine Portion veganen Gulaschs auswählen. Den kann man nun nicht bloß wohl für alle Zeit photographisch im Netz verewigt bewundern, sondern er hat mir außerdem, trotz der widrigen Umstände, ausgesprochen gemundet: Sollte das heißen, dass mein empfindliches Gemüt nun wirklich nichts mehr in seinen Grundfesten zu erschüttern vermag? Zurück zu Hause mache ich die Probe aufs Exempel und schließe metaphorisch den Giftschrank (oder besser: die Festplatte) mit all den Filmen auf, die ich zumeist zwar schon eine ganze Weile im Besitz habe, aber aus naheliegenden Gründen – nämlich mein empfindsames Gemüt! – bislang gemieden habe wie der Teufelsfuß das Weihwasserbecken. Mein jugendlicher Leichtsinn flüstert mir zu: Wieso nicht endlich mal einer kanadischen Produktion aus dem Jahre 2006 eine Chance geben, deren Titel allein die meisten Menschen erstmal drei Kreuze schlagen lassen wird? SLAUGHTERED VOMIT DOLLS ist das Debut-Werk eines unter Pseudonym agierenden Knaben namens Lucifer Valentine, von dem ich vor Sichtung des Films nur drei Dinge entfernt im Gedächtnis habe: Herr Valentine ist a) bekennender Satanist, b) hat eine (sexuelle) Vorliebe für Erbrochenes (Emetophilie nennt das der Sexualtherapeut), und c) mit seinem Erstling ein neues Film-Genre begründet, das auf den griffigen Namen „Vomit Gore“ hört. Ich schätze, die nächsten siebzig Minuten werden heiter werden…

Ich hake erst mal das ab, was SLAUGHTERED VOMIT DOLLS mir als Geschichte andrehen möchte: Angela ist eine junge Frau, deren Leben sich in einer Abwärtsspirale befindet, wenn es denn jemals eine gegeben hat. Als kleines Mädchen wollte sie noch Balletttänzerin werden, später dann Schauspielerin, nach Zwischenstationen als Striptease-Tänzerin und Prostituierte sitzt sie nun als drogenabhängiges, an Bulimie erkranktes, vom Leben im wahrsten Wortsinn geficktes physisches wie psychisches Wrack in einem Hotelzimmer, und vertraut der Kamera ihre mehr oder minder intime Lebensbeichte an. Zumindest ist es das, was ich am Ende des Films als ungefähren narrativen Kern habe herausschälen können. Worin die Schwierigkeit dieses Schälens besteht? SLAUGHTERED VOMIT DOLLS will eben gar keine Geschichte erzählen, und nutzt seine Hauptfigur und ihr Schicksal lediglich als Vehikel und Lötmaterial dafür, sein ansonsten reichlich disparates Bildmaterial irgendwie notdürftig zusammenzuhalten. Zwar sind quer über den Film verstreut Szenen zu finden, die Angelas körperlichen und seelischen Niedergang dokumentieren, ab und zu hält sie ihre Monologe, in denen wir ein bisschen über ihre Jugendträume und ihre nicht mit diesen kongruente Alltagswirklichkeit erfahren, und oft und gerne zeigt Valentine uns Video-Aufnahmen eines kleinen Mädchens im Bildschirm eines Fernsehers, bei dem es sich scheinbar um das frühere Ich unserer Heldin handeln soll – viel mehr als angerissen wird all das jedoch nicht, und würde man SLAUGHTERED VOMIT DOLLS um etwa fünf Minuten kürzen, hätte man damit auch sämtliche narrativen Bestandteile von Angelas Martyrium aus dem Film entfernt. Woraus aber setzt sich das Werk denn dann zusammen, wenn es nichts erzählt, keine wirkliche Identifikationsfigur besitzt, im Prinzip nirgendwo hinführt und von nirgendwo losgeht? Sollten wir es am Ende gar mit einem nominellen Experimentalfilm zu tun haben? Wer die Antworten auf diese Fragen wirklich wissen will, der lasse nun erstmal alle Hoffnung fahren…

Wenn wir nicht gerade endlos dabei zuschauen dürfen wie Hauptdarstellerin Amerea Lavey, der ich die Magersucht sofort abkaufe, sich in billiger Digital-Optik – die, höre ich die Apologeten dieses Films bereits schreien, natürlich unbedingt integraler Bestandteil des realistischen Anstrichs ist, auf den Valentine hinauswollte! -, und unterlegt von einer Soundkulisse, die klingt, als würde der Score von ERASERHEAD Amok laufen und wie wild in die Ohren der Menge schießen, an der Go-Go-Go-Stange räkelt, mit verzerrter Teufelsstimme irgendwelche unzusammenhängenden, mitunter blasphemischen Monologe winselt, oder – gefilmt ausnahmslos aus POV-Perspektive – mit wechselnden Freiern Sex in Hotelbetten hat, dann frönt Valentine vor allem drei Obsessionen, von denen zwei namensgebend für das Genre sind, dessen Grundstein er mit vorliegendem Film gelegt haben will, und die dritte rein technischer Natur. Kommen wir zunächst zu letzterer: Die Montage von SLAUGHTERED VOMIT DOLLS gleicht in etwa dem, was ich mir unter einem schlechten Heroin-Trip vorstelle. Gegen Null tendiert die Aufmerksamkeitsspanne, die Valentine seinen eigenen Bildern zubilligt. Es wechseln wilde jump-cuts, unmotivierte Szenenwechsel, abstruse Spielereien mit Zeitlupe, Filtereffekten und Kontinuitätsfehlern – natürlich allesamt intendiert, denn wir haben es ja mit KUNST zu tun - , so, als sollten selbst Zuschauer, die dafür nicht anfällig sind, vorsätzlich einem oder mehreren epileptischen Anfällen in die Arme getrieben werden. Zu Beginn dachte ich mir noch: Dieses Schnittgewitter, das wird wohl nur die Exposition sein, eine eröffnende Traumsequenz. Weit gefehlt: Nahezu der gesamte Film gefällt sich darin, auf Ton- und Bild-Ebene so ziemlich alles daran zu setzen, dass man sich bereits nach fünf Minuten komplett verkatert fühlt. Zusammen mit der dürftigen Ausleuchtung, der unruhigen Handkamera, die einen Preis für die heftigste Wankelmütigkeit der Filmgeschichte verdient, und der erwähnten sowieso nicht vorhandene Kohärenz der Einzelbilder gelingt es Valentines auf technischer Ebene bereits, dass ich mich fühle, als würde ich bei hohem Seegang über der Reling hängen.

Valentine schneidet gerne. Das wissen wir jetzt. Er mag es aber nicht nur, Filmszenen zu zerstückeln. Seine zweite Obsession ist: Die Zerstückelung menschlicher Körper. Natürlich nur in der Phantasie. Aber die lebt er in SLAUGHTERED VOMIT DOLLS vollumfänglich aus, und zwar in einer schmuddeligen Snuff-Ästhetik, die man eigentlich eher eine Anti-Ästhetik nennen sollte. Vornehmlich junge Frauen werden in irgendwelchen Folterkellern, die für mich in keinem erkennbaren Zusammenhang zur „Haupthandlung“ stehen, auf denkbar unappetitliche Weise vom Leben in den Tod befördert. Durch langsames Entfernen der Augäpfel. Dadurch, dass Gesichter bei lebendigem Leib gehäutet werden. Oder auch ganz klassisch durch das Abtrennen von Armen mittels Kettensärgen. Besonders eindrücklich sind die Splattereffekte dabei nicht – wenn auch halbwegs gut durch Valentines unmotivierte Montage-Technik kaschiert: Man erkennt eben einfach nicht viel, wenn alle paar Sekundenbruchteile sinnbefreit die räumlich-zeitliche Kontinuität aufgebrochen wird. So zappelig der Schnitt, so ausgewalzt sind diese Pseudo-Snuff-Segmente auf der anderen Seite. Man stelle sich die Augen-Szene in, sagen wir, Lenzis CANNIBAL FEROX oder in einem beliebigen Fulci-Zombie-Reißer auf drei, vier, fünf Minuten ausgebreitet vor – und natürlich wesentlich weniger kompetent gefilmt, und untermalt mit nervtötendem Geisterbahn-Muzak, und von der Optik her so, als hätte ich das mit einer Handykamera in meiner Küche gefilmt -, und man hat eine ungefähre Vorstellung von einem DER Höhepunkte des Films. Ungelogen schafft es Valentine, minutenlang zu zeigen wie ein spitzer Gegenstand – was genau das sein soll, lässt mich die miserable Ausleuchtung leider nicht eruieren: ein Schraubenschlüssel vielleicht? – in einer Augenhöhle herumbohrt, nur um dann, als der Apfel endlich vom Baum ist, sich nochmal minutenlang an der benachbarten Höhle schaffen zu machen. Ich konstatiere: Wenn Lucifer Valentine irgendwas nicht besitzt, dann einen Hauch von Gespür für Timing - denn, falls er gerade zufällig mitlesen sollte, nein, eine Szene wird dadurch nicht bedrohlicher, ekelerregender, ergreifender, wenn Du nur lange genug mit der Kamera draufhältst, und ebenfalls nein, eine Szene wird auch dadurch nicht effektiver, aufwühlender, oder gar künstlerisch wertvoll, wenn Du so viele Schnitte in ihr setzt wie Du finden kannst, meine Güte...

Wer jetzt noch mitliest, dem darf ich nun Valentines dritte Obsession etwas detaillierter vorstellen: Er steht drauf, wenn Menschen sich erbrechen. Das wissen wir schon. Aber wie wird dieser Fetisch in SLAUGHTERED VOMIT DOLLS umgesetzt? Im Prinzip stehen Valentine zwei Taktiken zur Verfügung: Da Heldin Angela – die, ich betone das noch einmal, weder personell noch sonst wie mit den ausgedehnten Schlachtszenen in irgendeiner Verbindung steht: sollen das (Alp-)Träume sein? Erinnerungen? Drastisch-metaphorische Darstellungen ihres Seelenlebens? Die Interpretationsräume könnten nicht offener stehen – ja ein essgestörtes Drogenwrack ist, muss sie sich oft übergeben. Das wird natürlich, Valentines Vorlieben gemäß, nicht simuliert, sondern in schöner Indexikalität ausagiert – stilecht mit Finger im Hals, während die Handkamera direkt danebensteht und den Strömen Mageninhalts - gerne auch mal ein halber Ozean an Blut! - in die Toilettenschüssel folgt. Manchmal darf es auch etwas virtuoser sein: Dann erbricht Angela sich auf die Platte eines Glastisches, unter der die Kamera platziert ist. Endlich einmal begrüße ich die miserable Bildqualität mit vollem Herzen. Valentines zweite Strategie, wie man Gore und Vomit zusammenbringt, ist noch einfallsreicher: Ein Opfer namens Pig Lizzy rappelt sich, obwohl ihr inzwischen beide Augäpfel fehlen, noch einmal hoch, schleppt sich durch ein schwach beleuchtetes Zimmer, und würgt sich mehrmals den Magen frei bevor sie endgültig kollabiert. Nachdem ein Mann, der, wenn ich seiner Gürtelschnalle glauben darf, Henry heißt, einer Dame namens Princess Pam – (was für Namen die Leute in Valentines Paralleluniversum haben, ist schon erstaunlich!) – zunächst einen Arm abgesägt hat, drückt er dieser zunächst eine Gitarre (?!) in die verbliebene Hand. (Ohne Scheiß, das war dann eine Szene, bei der mir einfach nur der Unterkiefer herabfiel.) Falls er erwartet hat, dass sie nun einen Neil-Young-Song anstimmt, wird er enttäuscht: Nachdem Pam vor Blutverlust zusammengeklappt ist, manipuliert Henry aber im Gegenzug immerhin mit ihrem amputierten Arm seine Gaumengegend, und erbricht sich sechs Minuten lang – ich habe die Zeit gestoppt: ohne Scheiß, diese Szene dauert geschlagene sechs Minuten! – sowohl auf Pams Leichnam als auch auf sich selbst und nicht zuletzt mitten in die Kameralinse hinein. Der gleiche Henry hat später noch einen Auftritt, bei dem er einem wahllosen Passanten zuerst den Schädel einschlägt, um danach in seine offene Hirnschale zu reihern - und das eigene Erbrochene danach selbst wieder zu trinken: Ihr könnt euch denken, worauf DAS hinausläuft...

Ist das nun Zeichen für meine geistige Gesundheit oder eher für das Gegenteil, dass ich eben im Tippen kurz innehalten musste, und schläfenkratzend feststellte, dass ich es wohl niemals für möglich gehalten hätte, jemals im Leben guten Gewissens Sätze wie die oben schreiben zu dürfen, zu können, zu müssen. Vielleicht ist dieses Innehalten aber eine günstige Gelegenheit, schon mal voreilig zum abschließenden Fazit zu kommen. Es folgt eine Standpunktverortung: Wie man weiß, bin ich abseitiger Filmkost eher zu- als abgeneigt. Ein Werk, das für den Preis eines Kasten Biers entstanden ist, aber erkennen lässt, dass die Verantwortlichen mit Herz und Seele dabei sind, ihrer Kreativität ungezügelten Lauf lassen, sich irgendeiner künstlerischen Vision an die Fersen heften, ist mir tausendmal lieber als jeder millionenschwere, dafür aber herz- und seelenlose Hollywood-Blockbuster, der über kreative Visionen mit Kettenrädern hinwegrollt. Ich kann Valentine nicht vorwerfen, dass sein Herz und Seele außerhalb seines Debuts zu finden sind. Ganz im Gegenteil: Offenbar tut der Mann in vorliegendem Film, was er für gut und richtig hält. Ich mag ihm auch nicht seinen speziellen Fetisch zum Vorwurf machen: Solange alle Beteiligten damit d’accord sind, können er und seine Freunde sich so oft gegenseitig ankotzen wie sie möchten. Was ich ihm aber zum Vorwurf machen muss – und da vorliegender Film dezidiert als kommerzielles Produkt konzipiert ist, für das Valentine von seinen Kunden tatsächlich eine finanzielle Entlohnung erwartet, ist der Vorwurf sowas von legitim: Dass ich selten eine derart nervtötende, ermüdende, penetrante, prätentiöse, pubertäre Ansammlung in ihrer Singularität schon kaum erträglicher Einzelszenen zu Gesicht bekommen habe wie die, aus der SLAUGHTERED VOMIT DOLLS sich zusammensetzt.

Siebzig Minuten lang schwelgen in Kotz-, Gewalt- und Sexszenen, denen die hässliche Digi-Optik, die absolut derangierte Montage ohne das geringste Fingerspitzengefühl, und die völlig sinnfrei aufgepfropfte Geschichte um das Mädchen aus gutem Hause, das auf die schiefe Bahn gerät, und den Weg allen Fleisches geht – nein, das ist eben kein abgründiger Schlüssellochblick in die Vorbereiche der Hölle, transgressive Guerilla-Avantgarde oder gar zu irgendeinem Zeitpunkt in welcher Weise auch immer stimulierend, sondern schlicht ein großer Haufen nicht vorhandener Kompetenz, bei dem ich mich nicht wenig wundere, dass andere Rezensenten irgendwo in diesem geschmacklosen Kauderwelsch Querverbindungen zu Filmen wie SUBCONSCIOUS CRUELTY oder TETSUO erkennen wollen, die, meine ich, in Ligen spielen, von denen Valentine - zumindest, was vorliegendes Werk betrifft - nicht mal die verschwitzten Trikots auswringen darf. Wohl jeder deutsche Wald-und-Wiesen-Amateur-Splatter ist spannender und unterhaltsamer. Wohl jeder dezidierte Fetisch-Porno dürfte für das entsprechende Klientel mehr erregendes Potential besitzen. Wen das Story-Grundgerüst von der „gefallenen Frau“ - bzw. die Streben desselben, die Valentine wahllos in seinem Film aufstellt, ohne dass sie irgendwas tragen würden – anspricht, dem wiederum empfehle ich zum Beispiel solche großartigen Filme wie G. W. Pabst TAGEBUCH EINER VERLORENEN (1929), Otakar Vávras PANENSTVÍ (1937) oder Alberto Gouts AVENTURERA (1960).

Was mich an SLAUGHTERED VOMIT DOLLS am meisten anekelt, ist nicht mal so sehr das viele Würgen und Spucken. Ich kann mir mittlerweile wohl so ziemlich alles schönreden, indem ich es in einen hochkulturellen Diskurs einbette. Schon die Wiener Aktionskunst hat oft und gerne mit Mageninhalten operiert - fragt mal nach bei Otmar Bauer. Was diesen Rebellen mit Grund indes meinem Empfinden nach weitgehend abging, das ist dieser elitäre, abgehobene, angeblich mit allen Wassern des Experimentalfilms gewaschene, nicht mal besonders unterschwellige Gestus, den Valentine mir in SLAUGHTERED VOMIT DOLLS zusätzlich zu dem Erbrochenen andauernd ins Gesicht schmiert. Das erinnert mich an mein Kunststudium: Jemand filmt mit dem Handy fünf Minuten aus dem Fenster eines Bahnabteils holländische Äcker und Felder. Dass das Kunst ist, der Beweis wird einfach argumentativ geführt. Man muss eine Sache lediglich wortreich und klug dazu erklären, name-dropping betreiben, viele Fremdworte kennen. Aber manchmal gleicht es einer Befreiung, bei vollem Lungenvolumen zu sagen: Ein Film ist eine Grotte voller Leichen, die zurecht vergessen wurden!

Was wird mir von diesem Saustall aus Blut und Kotze bleiben? Zweimal habe ich mir vor Fassungslosigkeit mit der Hand gegen die Stirn geklatscht: Das war dann bei Szenen, bei denen ich mir nie hätte vorstellen können, dass die wirklich jemals jemand nicht nur dreht, sondern wirklich auf eine – wenn auch noch so kleine – Öffentlichkeit loslässt. Ich habe außerdem einmal mehr bestätigt bekommen, dass es tatsächlich wenigstens ein Minimum am Talent benötigt, um einen verstörenden Film zu drehen. Ich weiß jetzt zudem felsenfest, dass in mir kein versteckter Emetophiler schlummert. Ach ja, und BUIO OMEGAs Gulasch-Szene bleibt Boss.
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Re: Slaughtered Vomit Dolls - Lucifer Valentine (2006)

Beitragvon jogiwan » 13. Nov 2017, 13:35

Ich bewundere wirklich deinen Mut, dich in jede noch so niederste Niederung cineastischen Schaffens zu begeben. Die Filme von Herrn Valentine kommen einem ja immer wieder unter, wenn man sich mit "extremeren" Werken beschäftigen möchte, auch wenn ich bislang - soweit ich mich erinnern kann - noch nie etwas Positives darüber gelesen habe. Ich wundere mich ja immer wieder, dass es für so etwas doch auch noch einen Markt zu geben scheint, auch wenn sich die meisten das Werk wohl eher in einer ungesunden Mischung aus Neugier/Ekel/Abscheu/Suche nach Grenzerfahrung anschauen werden und im Gegensatz zum Verursacher nicht wirkliches Interesse an der Materie dahintersteckt. Die Frage stellt sich nur, ob so etwas überhaupt noch unter dem Titel "Spielfilm" laufen sollte, oder nicht in der hintersten Ecke eines Sexshop-Fetisch-Special-Special-Interest-Pornoregals besser aufgehoben scheint.
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Re: Slaughtered Vomit Dolls - Lucifer Valentine (2006)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 13. Nov 2017, 16:14

jogiwan hat geschrieben:auch wenn ich bislang - soweit ich mich erinnern kann - noch nie etwas Positives darüber gelesen habe.


Schau mal in die Kritiken bei der OFDB. Es ist wirklich erstaunlich. Valentine wird dort mit Tsukamoto und Pasolini verglichen. Ich kann beim besten Willen nicht begreifen, was jemand, der sexuell nicht gepolt ist wie Herr Valentine selbst, an diesem Machwerk positiv finden kann (mal abgesehen von zwei, drei Szenen, die dermaßen over the top sind, dass es schon wieder unfreiwillig komisch wirkt.) Das imdb-Rating entspricht dann schon eher meinem persönlichen Empfinden.

jogiwan hat geschrieben:Die Frage stellt sich nur, ob so etwas überhaupt noch unter dem Titel "Spielfilm" laufen sollte, oder nicht in der hintersten Ecke eines Sexshop-Fetisch-Special-Special-Interest-Pornoregals besser aufgehoben scheint.


Ein Spielfilm ist das natürlich beileibe nicht, aber für die reine Fetisch-Porno-Kiste ist das, was Valentine zumindest in seinem Debut auftischt, dann vielleicht doch noch zu "zahm": Explizite sexuelle Handlungen fehlen bspw. zur Gänze. Ich kann mir gut vorstellen, dass es da noch viel "heftigere" Ware aus dem Sektor gibt. Tatsächlich hätte ich mir auch die "abgeschlachteten Kotz-Püppchen" noch viel "wilder" vorgestellt. Im Endeffekt hat mich der Film eigentlich nur ermüdet und ob seiner hundsmiserablen Machart verägert.

jogiwan hat geschrieben:Ich bewundere wirklich deinen Mut, dich in jede noch so niederste Niederung cineastischen Schaffens zu begeben.


Gerne wieder. Noch Empfehlungen? :D
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Re: Slaughtered Vomit Dolls - Lucifer Valentine (2006)

Beitragvon jogiwan » 13. Nov 2017, 16:23

Ich hätte schreiben sollen "etwas positives von jemanden, dessen Meinung für mich Relevanz besitzt". Diese 10/10 Bewertungen von irgendwelchen mächtig harten Spläddakiddies samt Rob-Zombie-Vokabular zu solchen Filmen sind ja auch eher erheiternd, als dass man diese ernstnehmen kann. Ich kann dir aber noch den japanischen "Pinoccio 964" empfehlen, der scheint auch einer ähnlichen Ecke zu kommen und ich fand den nahezu unerträglich, auch wenn ich natürlich ebenfalls tapfer bis zum Ende durchgehalten habe.
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Re: Slaughtered Vomit Dolls - Lucifer Valentine (2006)

Beitragvon Arkadin » 13. Nov 2017, 22:31

Salvatore... ich schwanke immer zwischen Bewunderung und Furcht, wenn ich lese, was Du Dir da ansiehst. Mir wurde schon beim Lesen Deines Beitrages ganz schlecht.
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Re: Slaughtered Vomit Dolls - Lucifer Valentine (2006)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 13. Nov 2017, 23:10

jogiwan hat geschrieben:Ich kann dir aber noch den japanischen "Pinoccio 964" empfehlen[...]ich fand den nahezu unerträglich, auch wenn ich natürlich ebenfalls tapfer bis zum Ende durchgehalten habe.


Danke dafür. Aber trotzdem hast du noch gar nichts zu dem getippt? Den SLAUGHTERED VOMIT DOLLS hast Du ebenfalls gesehen, oder "kennst" ihn nur vom Hörensagen? (...was ich irgendwie für Dich hoffe ;-) )

Arkadin hat geschrieben:Salvatore... ich schwanke immer zwischen Bewunderung und Furcht, wenn ich lese, was Du Dir da ansiehst.


Manchmal findet man aber selbst in den Jauchegruben kotverschmierte Perlen, die, wenn man sie erstmal abgewischt hat, richtig heftig zu schimmern anfangen. Obiger Film ist freilich keine solche...
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Re: Slaughtered Vomit Dolls - Lucifer Valentine (2006)

Beitragvon jogiwan » 14. Nov 2017, 08:36

Salvatore Baccaro hat geschrieben:[align=justify]
jogiwan hat geschrieben:Ich kann dir aber noch den japanischen "Pinoccio 964" empfehlen[...]ich fand den nahezu unerträglich, auch wenn ich natürlich ebenfalls tapfer bis zum Ende durchgehalten habe.


Danke dafür. Aber trotzdem hast du noch gar nichts zu dem getippt? Den SLAUGHTERED VOMIT DOLLS hast Du ebenfalls gesehen, oder "kennst" ihn nur vom Hörensagen? (...was ich irgendwie für Dich hoffe ;-) )


nein, ich hab den nicht gesehen und hab das auch nicht vor. Aber wie gesagt, der Titel taucht ja immer wieder mal auf.
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Re: Slaughtered Vomit Dolls - Lucifer Valentine (2006)

Beitragvon purgatorio » 15. Nov 2017, 06:01

Mir geht es da wie Jogi - man hört und liest viel von diesem Film, wenn man mal nach sehr finsterem Filmschaffen stöbert. Auf schnittberichte gab es da früher sogar Bildberichte (denen nach ich Teil zwei dieser Ekelreihe wohl persönlich noch ekelhafter gefunden hätte) und natürlich in den Kommentarspalten eine Ansammlung von Fanboys, die sich auf ihre Magenhärte eben auch mal in aller (anonymen) Öffentlichkeit einen runterholen. Für mich persönlich ist wohl jeder Beitrag dieser Reihe ein lebenslanges No-Go. Ich brauche das einfach nicht. Und dein Text bestärkt mich darin wieder :mrgreen:
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