Gefangene Frauen - Michael Thomas (= Erwin C. Dietrich)

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Gefangene Frauen - Michael Thomas (= Erwin C. Dietrich)

Beitragvon ugo-piazza » 12. Sep 2010, 19:24

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Irgendwo in Südamerika fürchtet der Staatspräsident den Besuch einer UNO-Kommission, die nach verschwundenen Mädchen suchen soll. Die schuften nämlich in staatseigenen (!) Bordellen, und das tun sie nicht freiwillig! Zum Glück hat die Geliebte des Präsis (Karine Gambier) eine Idee, sie lässt die Frauen kurzerhand von der Armee kidnappen und auf die "Ratteninsel" Tago Mago in ein leerstehendes Gefängnis schaffen.

Dort werden die Mädels dann von einer Handvoll Männer bewacht (darunter der unvermeidliche Eric Falk und auch ECD himself), was in rasender Geschwindigkeit zu geschlechtlicher Interaktion führt, so darf sich Brigitte Lahaie ("Ich kann nicht ohne Männer sein") nun täglich von Wärter Suarez begatten lassen. Karine hat sich vorher im staatseigenen Fetischshop in Leder neu einkleiden lassen, um auf der Insel eine standesgemäße Kommandantin abgeben zu können. Einen Onkel Doktor gibt es auf dem Eiland auch, nämlich den späteren "Mad Foxes"-Regisseur Paul Grau, der vornehmlich gynäkologische Untersuchungen vornimmt.

Als 3 Frauen, darunter La Lahaie, die Flucht gelingt, führt dies gleich zu einem Aufstand ("Der Präsident ist abgesetzt, weil er tot ist!"), bei dem Suarez die Macht übernimmt, so dass statt Karine nun Brigitte im präsidialen Muschel-Pool planschen darf, während die anderen Frauen gleich wieder an den alten Arbeitsplatz zurückgeführt wurden! Karine wird nackig nach Tago Mago verbannt, wo ihr Zweitstecher Eric Falk nun das Kommando führt und dort mit Karine den nächsten Putsch plant.

Tja, nachdem Onkel Jesus die Züricher Elite-Film nach zwei Jahren Dauerdreh verlassen hatte, drehte Herr Dietrich selbst noch einen Nachklapp zu Francos Frauenknastknallern, wobei das Gewaltpotenzial heruntergeschraubt wurde (Greta wäre eh nicht zu toppen), stattdessen das Hauptaugenmerk darauf gelegt wurde, sämtlichen Geschlechtsmerkmale zu fokussieren. Eric Falk, ehemaliger Karate-Europameister, darf einen wunderbaren nackten Judokampf mit einer Gefangenen liefern (den er klar verliert!!), und Paul Grau stochert mit dem Finger den Mädels in der Muschi rum. Ganz zu Beginn gibt es noch eine Wahl zur "Miss Busen", offensichtlich Material, dass ECD irgendwo im Archiv fand, steht es in keinem Zusammenhang zum Rest des Films.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Gefangene Frauen - Michael Thomas (= Erwin C. Dietrich)

Beitragvon Blap » 28. Feb 2011, 12:37

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Gefangene Frauen (Schweiz 1980, Originaltitel: Gefangene Frauen)

Der bumsfidele Frauenknast

Der Präsident einer südamerikanischen Bananenrepublik ist beunruhigt, denn die UN will in seinem Staat diverse Kontrollen durchführen. Da passt es nicht besonders gut ins Bild, wenn man die ausländischen Zwangsprostituierten entdeckt, die in die Bordelle des Landes verschleppt wurden. Doch Carla (Karine Gambier) hat die rettende Idee. Die Freundin des Regierungschefs will die Dirnen auf eine kleine Insel transportieren lassen, auf der sich ein alter und seit einiger Zeit leerstehender Gefängnisbau befindet. Sofort setzt man den Plan in die Tat um, Soldaten der Regierung sammeln die verdächtigen Damen ein. Carla lässt es sich nicht nehmen, auf der Insel höchstselbst ein strenges Regiment zu führen. Nebenbei gehört ihr heimliches Verhältnis zum Wachpersonal, also nutzt sie die Gelegenheit für nette Strandräppelchen mit ihrem Lieblingssoldaten (Eric Falk). Auch Rita (Brigitte Lahaie) wurde auf die Insel deportiert, sie teilt sich ihre Zelle mit zwei Kolleginnen. Obschon die Chefin ein fieses Luder ist, lässen sich die feschen Mädel nicht entmutigen. Jeden Abend freuen sie sich auf den Besuch von drei Wachmännern, die für die Befriedigung wichtiger Bedürfnisse sorgen. Freilich hindert das Vergnügen nicht daran, ganz nebenbei die Flucht vorzubereiten, notfalls sägt man sich mit Hilfe von Nagelfeilen in die Freihheit...

Lieber Erwin C. Dietrich, vielen Dank für diesen herrlichen Film! Der bekannteste und fleissigste Lustmolch der Schweiz hat wieder zugeschlagen, es ist eine wahre Pracht! Als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion, tischt uns der liebe Erwin eine unglaublich putzige Frauenknastgroteske auf. Oft herrschen in diesem Genre Gewalt, Notzucht und Sleaze in Reinkultur vor. Dietrich nutzt die bewährten Zutaten auf eine etwas andere Art, wodurch "Gefangene Frauen" zu einem ganz besonderen Erlebnis wird. Die verschleppten Damen werden zwar kalt abgeduscht, dazu gibt es ab und zu ein paar verbale Schellen seitens der gestrengen Kommandantin. Aber solche Kleinigkeiten können Rita und ihre Gefährtinnen nicht aus der Ruhe bringen, gut gelaunt geben sie sich Reiterspielchen mit den Wachen hin. Selbst wenn eine unartige Dame per Stöckchen gezüchtigt wird, muten die Szene mehr belustigend als "böse" an. Erwin muss ein guter Mensch sein, wie ist sonst zu erklären, dass der Film mit einer "Miss Busen Wahl" beginnt?

Das gesamte Machwerk ist eine Anhäufung grotesker Momente, wirrer Dialoge und dämlicher Fratzen. Halt, die Dummfratzen findet man hier ausschliesslich in der Männermannschaft, die Damen erfreuen nachhaltig die Augen des Betrachters. Lassen wir den geschlagenen Herren also wenigstens im Kurzkommentar den Vortritt, um diese "Nebensächlichkeit" flugs abzufrühstücken. Der Präsi mutet wie eine Mischung aus Che Guevara und Fidel Castro an, doch im Vergleich zu seinen Untertanen wirkt er nahezu unscheinbar. Da hätten wir den abstossend hässlichen Arzt, der den Damen in die Röhre schaut, aber vor allem Nacktfotos ausschneidet und aufklebt. Welchen Zweck diese Sammlung erfüllt kann man sich denken, glücklicherweise geht man an dieser Stelle nicht ins Detail. Das perverse Ärztchen ist dann auch die einzige Person, die als kleine Brise Sleaze durch den Flick weht. Gesichtsruine Eric Falk ist der bekannstste Vertreter des männlichen Geschlechts. Falk sorgt für Schenkelklopfer, er kassiert in einem Kampf reichlich Prügel, wohlgemerkt von einer Insassin. Dadurch verliert er die Achtung seiner Chefin, die sich stattdessen mit der Siegerin in den Laken wälzt. Ja, die Carla hat es faustdick hinter ihren süssen Öhrchen. Wenn die Rittmeisterin beledert auf hohen Hacken durch die Arena stiefelt, weckt ihr Anblick gewisse *räusper* Gelüste. In der Filmographie von Karine Gambier findet man überwiegend HC-Einträge, da wundert ihre Freizügigkeit in "Gefangene Frauen" kaum. Doch bevor es Mißverständnisse gibt, es handelt sich nicht um einen Pornofilm, auch wenn die Region unterhalb des Nabels gern gezeigt wird. Brigitte Lahaie kann ebenfalls auf eine "Mischkarriere" zurückblicken, der leider kürzlich verstorbene Jean Rollin öffnete ihr in dieser Hinsicht vermutlich einige Türen, die sie weit über den Tellerrand des HC-Films blicken liessen. Bei der Lahaie frage ich mich noch immer, wie dieser "mittelprächtige" Kopf auf diesen wundervollen Körper geschraubt werden konnte. Hölle, schaut euch diese Kurven an, welch verlockende Sünde! Spätestens seit der Sichtung des beindruckenden "La nuit des traquées" (1980), halte ich mich mit Kritik in Richtung der Dame zurück. Zu sehr hat sie mich in diesem intensiven, packenden und faszinierenden Werk begeistert. "Gefangene Frauen" fordert ihr natürlich keine schauspielerischen Qualitäten ab, hier sind wieder ganz klar ihre weiblichen Reize gefragt.

Zur restlichen Besetzung gibt es nicht allzu viel zu sagen. Die übrigen Damen sind teils nett anzuschauen, teils möchte man eher den Mantel des Vergessens über ihnen ausbreiten. Passt schon, denn mit Karine Gambier und Brigitte Lahaie bekommt man bereits Blickfänge geboten, die kaum noch Wünsche offenlassen. Als harter WIP-Exploiter geht "Gefangene Frauen" nicht durch, dazu ist der Streifen viel zu zahm geraten. Selbst der Knast wirkt recht hell und freundlich, ferner bekommen wir immer wieder sehr schöne Landschaftseinstellungen zu sehen. Härte und Sleaze sollte man also nicht erwarten. Dem Genuss ist dies keinesfalls abträglich, denn der Film hat andere Stärken. Erwin C. Dietrich setzt auf die Reize seiner weiblichen Stars, die absurde Handlung sorgt für Lachtränen, die Inszenierung ist handwerklich überwiegend solide ausgeführt. Wer einen "bösen" und "brutalen" Reisser erwartet, ist hier mit ziemlicher Sicherheit an der falschen Adresse! Freunde liebenswerter Erotikstreifen (von mir aus nennt es "Softsexfilmchen") könnten ihre Freude haben, sofern man sich für die infantile Handlung erwärmen kann. Mir hat "Gefangene Frauen" jede Menge Spass gemacht, ich habe viele Lachtränen vergossen. Es wird sogar "politisch", im Finale nimmt man südamerikanische Militärregimes aufs Korn. Selbstverständlich auf eine so naive Art und Weise, dass es perfekt zur Ausrichtung des Films passt.

Grosses Lob verdient sich auch die DVD von ABCDVD, die "Gefangene Frauen" in toller Qualität anbietet. Im Bonusbereich findet man vier Trailer zu weiteren Werken, allesamt aus dem Dietrich/Franco Kosmos, zu denen ich bald ein paar Worte schreiben werde.

Ein weichgespülter WIP-Erguss, extrem sympathisch und äusserst knuffig! Sehr gern ziehe ich dicke 8/10 (sehr gut), vielleicht sogar noch ein halbes Pünktchen mehr.

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Re: Gefangene Frauen - Michael Thomas (= Erwin C. Dietrich)

Beitragvon Arkadin » 19. Nov 2014, 11:13

Als eine UNO-Kommission ihren Besuch ankündigt, bekommt der Militär-Präsident eines Landes “irgendwo in Südamerika” (Will Stoer) Fracksausen. Denn in seinem Land müssen viele verschleppte Europäerinnen in den örtlichen Bordellen anschaffen. Aber seine Mätresse (Karine Gambier) hat aber die rettende Idee. All diese Frauen sollen gefangengenommen und auf die Insel Tago Mago – genannt “die Ratteninsel” – gebracht werden. Dort bleiben sie dann für die Dauer des UNO-Besuchs eingesperrt. Und weil es ihr Spaß macht, übernimmt sie Aufgabe der Gefängnisleitung gleich selber…

Nachdem Produzent Erwin C. Dietrich mit den von Jess Franco zwischen 1975 und 1977 inszenierten „Frauengefängnis“-Filmen gutes Geld verdient hat, legte er selber unter seinem Regie-Pseudonym Michael Thomas im Jahre 1979 noch einmal nach. Der Titel „Gefangene Frauen“ mag nun nicht besonders originell sein, verrät aber alles darüber, was man in seinem Film zu erwarten hat. Im Gegensatz zu Jess Francos oftmals nihilistischen und brutalen Vertretern, nimmt sich das Frauengefängnis in „Gefangene Frauen“ allerdings relativ zahm aus. Zwar gibt es auch hier die üblichen Folterungen mit Wasserspritze und Peitsche, aber doch sehr zurückgenommen. Und wenn Eric Falk einmal als fieser Wärter eine Gefangene mit dem Rohrstock vertrimmt, so sieht dieser eher wie ein viel zu groß geratener Strohhalm aus und das Ganze erinnern doch eher an Schmierentheater – wozu insbesondere Eric Falks unglaubliche Grimassen beitragen. Da hat Jess Franco mit einem Drahtgestell, einem Plastikeimer und einer wie am Spieß kreischenden Lina Romay doch mit ebenso wenigen Mitteln eine ganz andere Wirkung erzielt.

Überhaupt wirkt das Gefängnis nicht so, als ob hier wirklich jemand um sein Leben bangen müsste. Einmal stellt eine der Insassinnen sogar einen Fluchtversuch in Frage, da man es doch eigentlich ganz gut hätte und jeden Abend Herrenbesuch bekommen würde. Gerade jener „Herrenbesuch“ stößt allerdings ziemlich sauer auf. Auch wenn es „nur“ ein Film ist. Wenn nachts die Wachen in die Gefängniszelle eindringen, um mit den dort einsitzenden Damen Sex zu haben, so ist diese ganz klar der Plan einer Vergewaltigung. Dann die Damen darüber juchzen zu lassen, dass sie endlich mal wieder ein paar Männer haben und „Sex wie Brot und Wasser“ brauchen, halte ich für bedenklich und auch im Rahmen der Dietrichschen Fantasiewelt mit seinen dauergeilen Frauen, weder für lustig, noch unterhaltsam. Hier werden übelste Macho-Phantasien bedient und ein dermaßen schiefes Frauenbild vermittelt, dass man sich dies gut hätte sparen können. Und wenn die schlimmste Bestrafung darin besteht, dass sich nun alle nackt ausziehen müssen, dann ist wahrscheinlich die Teilnahme an einer TV-Show ala „Big Brother“ heutzutage härter als der Aufenthalt auf der „Ratteninsel“ Tago Mago.

„Gefangene Frauen“ fällt überraschend explizit aus. Bei jeder passenden Gelegenheit fährt die Kamera einer der vier Hauptdarstellerinnen zwischen die Beine und filmt in klinischen Details alles, was es dort zu sehen gibt. Da ist es dann wahrscheinlich ein großer Vorteil, dass alle vier aus dem Pornogeschäft stammen und mit solchem Einsatz keine Probleme haben. Während Nadine Pascal und France Lomay (alias Francette Maillol) keine so große Namen aus diesem Business sind, hat Dietrich mit Karine Gambier und vor allem der wundervollen Brigitte Lahaie gleich zwei Superstars des Genres vor die Kamera geholt. Die weißblonde Gambier spielte schon unter Jess Franco in einigen Dietrich-Produktionen mit. Z.B. als naives Opfer in „Die teuflischen Schwestern“ (Kritik hier) oder eher knallhart in dem unglaublich finsteren „Frauen für Zellenblock 9“. Normalerweise spielte sie immer auf der Seite der Guten, hier nun darf sie einmal richtig böse sein. Wobei sie natürlich in keinster Weise die teuflische Intensität einer Dyanne Thorne in „Greta – Haus ohne Männer“ erreicht. Karine Gambier macht eher den Eindruck eines netten Mädchens, dass sich mal hübsch verkleiden und richtig fies tun darf. Man sieht ihr auch an, dass es ihr Spaß macht.

Brigitte Lahaie ist unbestritten DER Superstar des französischen Pornos der 70er Jahre. Die mit einem atemberaubenden Körper und einem interessant, exotischen Gesicht gesegnete Französin hat immer wieder den Weg ins seriöse Fach gesucht und kleine Rollen in Filmen wie „I wie Ikarus“ von Henri Verneuil, „Rette Deine Haut, Killer“ von Alain Delon oder „Henry & June“ von
Philip Kaufman inne gehabt. Am Berühmtesten dürfte ihre grandiose Zusammenarbeit mit dem französischen Horror-Poeten Jean Rollin sein. Wenn irgendein Zweifel an ihrem schauspielerischem Talent bestehen sollte, sollte man sich den großartigen „Night of the Hunted“ ansehen. Bei Dietrich war sie in dessen späten Filmen immer wieder in der Hauptrolle zu sehen. Immer mit ihren „Gefangene Frauen“-Co-Stars Nadine Pascal und France Lomay, sowie manchmal auch Karine Gambier. Alle vier haben auch in zahlreichen Pornos zusammen gearbeitet und können fast schon als eingespieltes Team gelten. Nach ihrer aktiven Zeit im Pornogeschäft schrieb sie mehrere erotische Bücher, u.a. eine Autobiographie, und wurde eine erfolgreiche Radiomoderatorin, die täglich auf RMC zwei Stunden lang die Sendung „Lahaie, l’Amour et Vous“ moderiert. In „Gefangene Frauen“ hat sie nicht wirklich viel zu tun, außer ihren göttlichen Körper zu präsentieren.

Die Geschichte von „Gefangene Frauen“ ist völlig hanebüchen. Da sollen alle Prostituierte – angeblich zahlreiche entführte und in die Prostitution gezwungene Europäerinnen – schnell auf eine abgelegene Insel (im Film das fiktive “Tago Mago”, in der Realität Ibiza) geschafft werden, damit eine UNO-Kommission nicht raus bekommt, was in dem fiktiven südamerikanischen Land vor sich geht. Tatsächlich sind es dann am Ende gerade einmal 16 Damen des horizontalen Gewebes, die sich auf Tago Mago versammeln. Und diese scheinen auch alle im selben Etablissement gearbeitet zu haben. Und von wegen gezwungen? Die Damen Lahaie, Pascal und Lomay machen zu keinem Augenblick den Eindruck, sie wären in ihrem Job nicht mit großen Enthusiasmus und Spaß bei der Sache. In den Szenen, in denen sie bei der Arbeit vorgestellt werden, wirken sie fast so, als würden sie dafür bezahlen, Sex zu haben und nicht die Freier. Die Geschichte selber ist dann sprunghaft, an einigen Stellen haarsträubend unlogisch und offensichtlich nur Vorwand, nackte Frauenkörper zu zeigen. Was man aber hervorheben muss, ist die schier unglaubliche Chuzpe, mit der Dietrich zu Werke geht. Das ist zeitweise so dreist, dass man ihm nur Respekt zollen kann, sein Ding so durchzuziehen. Das fängt mit der ersten Szene an, die nicht nur überhaupt nichts mit dem „Hauptfilm“ zu tun hat, sondern auch kurzerhand aus seinem eigenen „Die Mädchenhändler“ von 1972 geklaut wurde. Worum es geht? Die Wahl zur „Miss Busen“, was denn sonst? Hübsch auch, wie auf dem Schreibtisch des Präsidenten ein Spielzeugpanzer steht oder der komplette Sturm auf den Präsidentenpalast allein durch die Geräuschkulisse eines Feuerwerks simuliert wird, was den Präsidenten zu der Einsicht führt, er habe da ein „dummes Gefühl“. Und wenn dann die „Rebellen“ den Palast stürmen, sieht das mehr aus wie ein Dummer-Jungen-Streich, als wie eine Militäraktion. Und wenn im Vorspann stolz verkündet wird, die Außenaufnahmen hätten auf Tago Mago stattgefunden, dann darf man auch breit Grinsen.

Dietrich schmuggelt auch immer wieder einige subversive Elemente in seine Filme ein. Hier ist es einerseits eine völlig unfilmische Herangehensweise, mit der er „große Szenen“ regelrecht banalisiert. Wenn Karine Gambier ihren großen Auftritt als Gefängnisdirektorin in engen schwarzem Leder und Nazi-Chic hat, zeigt er vorher, wie sie vom Bett aufsteht, sich völlig unaufgeregt ihre Klamotten anzieht und dann das kleine Zimmer verlässt. Was ihrem folgenden Auftritt natürlich jegliche Wucht nimmt. Solche kleinen Dinge lässt Dietrich häufig einfließen. Gelungen auch seine Darstellung des südamerikanischen Regimes. Natürlich wirkt das Ganze eher wie Kasplere-Theater. Doch wenn ein Präsident dem anderen folgt, nur das Bild an der Wand ausgetauscht wird, ansonsten aber das Leben genauso weiter geht, wie bisher, dann wirkt dies schon fast wie ein bissiger Kommentar gegenüber Militärdiktaturen und ihren Protagonisten. Und dann steht der nächste Anwärter auf den Posten auch schon in den Startlöchern. Natürlich kann man da noch immer nicht von einem guten Film sprechen, aber immerhin gibt es für den Freund europäische Exploitationware hier und dort etwas unterhaltsames zu entdecken.

Mit „Gefangene Frauen“ wollte Erwin C. Dietrich noch einmal Kasse im Genre der „Frauengefängnisfilme“ machen. Das Resultat ist dabei sehr viel zahmer ausgefallen, als die von ihm produzierten und von Jess Franco abgedrehten Exemplare dieser Gattung. Dietrich legt den Fokus aus viel, viel nackte Haut und hat mit Porno-Stars wie der wunderbaren Brigitte Lahaie und Karine Gambier hierfür die richtigen Darsteller gefunden. Hier und da schmuggelt Dietrich dabei einige augenzwinkernde Elemente mit ein, was die Freunde des klassischen Bahnhofskino-Films zu schätzen wissen.

Das Bild der Ascot Elite DVD ist recht gut. Der Ton liegt in 5.1. auf Deutsch und Englisch vor., sowie in der originalen, deutschen 2.0.-Fassung. Sehr gelungen sind die Extras geraten. Einmal gibt es die 14-minütige Fortsetzung des bereits bei „Rolls Royce Baby“ enthaltenen Interviews. Diesmal natürlich mit dem Fokus auf „Gefangene Frauen“, aber Eric Falk erzählt auch viel über seine Filmkarriere und die Arbeit mit Dietrich. Das ist sehr interessant und unterhaltsam mit anzusehen. Ferner gibt es ein fast halbstündiges Portrait und Interview mit dem Stammkamera der von Dietrich produzierten Filme, Karl Baumgartner, der nicht nur die Kamera führte, sondern auch Ko-Produzent, Verleiher und Regisseur in einer Person war. Hörenswert und teilweise schwer unterhaltsam ist auch der Audiokommentar mit Erwin C. Dietrich und Eric Falk. Allerdings kann man Dietrich teilweise schwer verstehen und am Anfang scheint er auch etwas zu weit vom Mikro entfernt zu sitzen. Aber Eric Falk, der zahlreiche Anekdoten beisteuert und hörbar gut drauf ist, allein ist schon eine Schau für sich. Ferner ist wieder das Buch “Mädchen, Machos und Moneten”, sowie ein älteres Interview mit Erwin C. Dietrich aus der “Splatting Image” im CD-ROM-Teil zu finden. Ein Wendecover mit alternativem Motiv gibt es auch noch.

Screenshots: http://www.filmforum-bremen.de/2014/08/ ... ne-frauen/
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Re: Gefangene Frauen - Michael Thomas (= Erwin C. Dietrich)

Beitragvon ugo-piazza » 19. Nov 2014, 11:40

Arkadin hat geschrieben:
Überhaupt wirkt das Gefängnis nicht so, als ob hier wirklich jemand um sein Leben bangen müsste. Einmal stellt eine der Insassinnen sogar einen Fluchtversuch in Frage, da man es doch eigentlich ganz gut hätte und jeden Abend Herrenbesuch bekommen würde. Gerade jener „Herrenbesuch“ stößt allerdings ziemlich sauer auf. Auch wenn es „nur“ ein Film ist. Wenn nachts die Wachen in die Gefängniszelle eindringen, um mit den dort einsitzenden Damen Sex zu haben, so ist diese ganz klar der Plan einer Vergewaltigung. Dann die Damen darüber juchzen zu lassen, dass sie endlich mal wieder ein paar Männer haben und „Sex wie Brot und Wasser“ brauchen, halte ich für bedenklich und auch im Rahmen der Dietrichschen Fantasiewelt mit seinen dauergeilen Frauen, weder für lustig, noch unterhaltsam. Hier werden übelste Macho-Phantasien bedient und ein dermaßen schiefes Frauenbild vermittelt, dass man sich dies gut hätte sparen können.



Das würde ich für diesen Film gar nicht mal unbedingt unterschreiben. Viel übler ist diesbezüglich aus der Dietrich-Schmiede der von Gerard Loubeau inszenierte "Heißer Sex auf Ibiza", der auch jeden männlichen Zuschauer angeekelt zurücklassen dürfte.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Gefangene Frauen - Michael Thomas (= Erwin C. Dietrich)

Beitragvon Arkadin » 19. Nov 2014, 11:44

ugo-piazza hat geschrieben:Das würde ich für diesen Film gar nicht mal unbedingt unterschreiben. Viel übler ist diesbezüglich aus der Dietrich-Schmiede der von Gerard Loubeau inszenierte "Heißer Sex auf Ibiza", der auch jeden männlichen Zuschauer angeekelt zurücklassen dürfte.


Ich glaube, dann möchte ich den gar nicht erst sehen. Ich fand, wie gesagt, schon "Gefangene Frauen" da ziemlich grenzwertig.
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Re: Gefangene Frauen - Michael Thomas (= Erwin C. Dietrich)

Beitragvon ugo-piazza » 4. Jan 2015, 18:37

Hier gibt's auf der neuen Scheibe ein sehr interessantes Feature über Peter Baumgartner, ein weiteres Feature mit Erwin Dietrich (der Erwin ist aber echt alt geworden!) und Erik Falk, wo Erwin diesmal mit einer Info zur legendären Nacktjudoszene verblüfft, dass nämlich die Darstellerin selbst über einen schwarzen Gürtel verfügte. Eric gibt ein wenig über seinen Ausflug in HC-Gefilde zum besten. Einen viel zu kurzen Behind-the-scenes-Audiokommentar von den Beiden, moderiert von Uwe Huber gibt es auch noch.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Gefangene Frauen - Michael Thomas (= Erwin C. Dietrich)

Beitragvon ugo-piazza » 4. Jan 2015, 18:47

Arkadin hat geschrieben:Ferner gibt es ein fast halbstündiges Portrait und Interview mit dem Stammkamera der von Dietrich produzierten Filme, Karl Baumgartner, der nicht nur die Kamera führte, sondern auch Ko-Produzent, Verleiher und Regisseur in einer Person war.


:nixda: Peter! :opa:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Gefangene Frauen - Michael Thomas (= Erwin C. Dietrich)

Beitragvon ugo-piazza » 9. Jan 2015, 12:17

Gestern ist mir aufgefallen, dass sich unter den Sprachoptionen auch noch ein vollständiger Audiokommentar von Uwe Huber, Eric Falk und Erwin C. Dietrich versteckt hat. So ein Schlingel!

Dem lässt sich entnehmen, dass es die Insel Tagomago wirklich gibt, knapp 1 km vor Ibiza liegt sie. Gedreht wurde aber trotzdem auf Ibiza selbst. Dietrich behauptet, Tagomago würde jetzt dem Chef der Speditionsfirma Kühne & Nagel gehören, aber er liegt dort falsch. Das wäre nämlich Klaus-Michael Kühne, ja, genau der mit den Darlehen für den HSV, der zwar keine Ahnung von Fußball hat, aber trotzdem beim Verein bestimmen will. Da hat Dietrich ihn wohl mit Matthias Kühn verwechselt. Ab schlappen 100.000 € pro Woche kann man die Insel übrigens mieten. http://www.tagomagoisland.com/de/konditionen/index.html

http://www.tagomagoisland.com/de/home/index.html

http://www.welt.de/reise/article1359329 ... eiche.html

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Eric Falk macht insoweit einen sympathischen Eindruck, soweit er über ECD spricht. Da kommt eine große Dankbarkeit zum Ausdruck, sowie die Freude, damals Spaß beim Filmedrehen gehabt zu haben und Teil der "Dietrich-Factory" gewesen zu sein. Schön die Kommentierung seiner Nacktjudoszene, wo Falk damit prahlt, der Darstellerin die Judogriffe beigebracht zu haben und Dietrich kontert, die habe den schwarzen Gürtel gehabt. Bei Falks Äußerungen zu seiner "Sexformel", zu Seancen mit Nostradamus und einigen anderen Äußerungen beschleicht mich dann allerdings das Gefühl, das das jahrelange Praktizieren fernöstlicher Kampfsportarten bislang unbekannte Schäden im Schädel-Hirn-Bereich hervorbringt.


ECD ist im Kommentar leider manchmal sehr schlecht zu verstehen, an einer Stelle sagt er selbst, dass er nun 84 Jahre alt sei und an Parkinson leide. Ich hoffe, dass er sein Lebenswerk, die Wiederveröffentlichung seines Filmstocks, noch vollenden kann.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Gefangene Frauen - Michael Thomas (= Erwin C. Dietrich)

Beitragvon karlAbundzu » 10. Nov 2017, 13:10

GEFANGENE FRAUEN CAGED WOMEN (1980)
auf DVD
Tja, insgesamt eher langweilig, manchmal auch unangenehm, oft albern.
Zwischen teils hübschen Szenen (der anfängliche Busenwettbewerb um den weltweiten schönsten Busen zu wählen, bei der die Damen aber alle aus deutschen Bundesländern kommen, die Arzt schneidet Frauenfotografien den Kopf ab, der Präsi wartet rauchend die Revolution ab, während es draussen kleinlaut kracht) sollen allgemein nur die verschiedensten Vaginen gezeigt werden, in groß.
DIe ständige Wiederholung der immergleichen Szenen nimmt den Film jegliches Tempo, einzig hübsch anzuhören die Musik. Und natürlich einige Frauen hübsch anzusehen.
Auch bei der Annäherung an die Nazilagerfilme durch Commandantes Fetischklamotten mißlingt gründlich, da hab ich schon im 1euroshop kurz nach Karnevalbeginn glaubhafteres gesehen....
Tja, mir gefiel es so eher gar nicht.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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