Der Mann mit der Torpedohaut - Jean Delannoy

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Der Mann mit der Torpedohaut - Jean Delannoy

Beitragvon kinski » 2. Feb 2012, 15:50

Der Mann mit der Torpedohaut

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Originaltitel : La Peau de Torpédo

Alternativtitel :
Children of Mata Hari
Dossier 212 - destinazione morte
Only the Cool
Pill of Death

Produktionsland : Frankreich
Produktionsjahr : 1969
Genre : Thriller / Drama
Lauflänge : 107 Minuten (franz. VHS) / 98 Minuten (griechische VHS)

Regie : Jean Delannoy
Drehbuch : Jean Cau, Jean Delannoy
Buch : Francis Ryck
Musik : Francois De Roubaix

Darsteller: Stephane Audran, Lilli Palmer, Klaus Kinski, Michel Constantin, Jean Claudio
Frédéric De Pasquale, Noelle Adam, Christine Fabrega, Georges Lycan, Catherine Jacobsen, Angelo Infanti

Story:
Nicolas Krestowicz führt ein Doppelleben, einerseits der harmlose Kunsthändler, auf der anderen Seite ein durchaus geschickter Verbrecher, der im Auftrag seiner Hintermänner einige wichtige Dokumente auf Mikrofilm fotografiert. Mögliche Zeugen tötet er ohne Skrupel (so auch seine Geliebte) und kommt während seines neuesten Coup bei einem weiblichen Organisationsmitglied unter. Dummerweise bekommt seine Frau Dominique (Stéphane Audran) davon Wind und stellt ihn, im festen Glauben ihr Mann würde sie betrügen, zur Rede. Bei einem Handgemenge erschießt die völlig kopflose Frau sowohl ihren geliebten Gatten wie auch seine vermeintliche Geliebte.
Nun hat Dominique gleich zwei Probleme am Hals. Zunächst einmal wird sie von der Polizei wegen der Morde gesucht, zum zweiten vermutet die Organisation, dass sie im Besitz des Mikrofilms sei. Ziellos irrt sie umher, kommt schließlich bei einem Unbekannten - dem Lebenskünstler Fédor - auf einem Schiff unter. Die Verbrecher haben inzwischen ihre Spionin Héléne (Lilli Palmer) auf die Frau angesetzt. Mit Hilfe zweier Killer – Torpedo I (Klaus Kinski) und Torpedo II – soll Dominique ausgeschaltet werden …
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Re: Der Mann mit der Torpedohaut - Jean Delannoy

Beitragvon kinski » 2. Feb 2012, 16:00

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Der Mann mit der Torpedohaut“ ist leider phasenweise zu zähflüssig erzählt. Besonders am Anfang werden manche Szenen unnötig in die Länge gezogen, was die Geduld des Zuschauers arg auf die Probe stellt. Einzig die wie immer toll aussehende Stéphane Audran (bekannt aus Chabrol´s „Der Schlachter“) als scheinbar betrogene Ehefrau Dominique macht den Film zu diesem Zeitpunkt sehenswert.

Erst mit dem Auftritt Kinskis kommt dieser Film so richtig in Schwung. Kinski ist der coole Killer´Torpedo I'. Und wieder einmal weiß er in seiner Paraderolle zu glänzen, was angesichts der immer wiederkehrenden Rollentype allein schon bewundernswert ist. Doch Klaus Kinski gelingt es stets, nie zweimal den gleichen Typ Killer zu spielen. Sein Torpedo ist snobistisch, eingebildet und hat einen ausgeprägten Hang zu schönen Stoffen. Er ist sehr von sich eingenommen, allerdings auch ein Perfektionist in seinem Job. Beeindruckend ist vor allem die Szene, in der Klaus Kinski alias Torpedo I
mit zerschmetterten Knochen am Boden liegend den Polizisten Coster (Michel Constantin) bittet, ihm die Giftkapsel zu geben, weil er den Schmerz nicht aushalten könne.
In diesen kurzen Sekunden und mit ein paar Gesichtsausdrücken gelingt es Kinski, alle anderen Mitspieler in diesem Film zu Statisten zu degradieren.

Mit „Der Mann mit der Torpedohaut“ liegt wieder ein sehr gutes Beispiel des Kinski-Films im Film vor. Erst mit seinem Erscheinen wird der ansonsten etwas behäbige Film so richtig sehenswert. Der Zuschauer wird dann für seine lange Geduld mit 15 Minuten Kinski pur entschädigt und eigentlich würde es auch reichen, sich nur diese Viertelstunde anzusehen.

Zum zweiten Mal treffen Klaus Kinski und Lilli Palmer aufeinander. In „Verrat auf Befehl“ hatten sie keine einzige gemeinsame Szene, diesmal jedoch schaffen die beiden Mimen es, durch ihr großartiges Wechselspiel enorm zu beeindrucken. Lilli Palmer wirkt extrem souvenrän in ihre Rolle als Héléne, wird jedoch nach und nach von Kinski alias Torpedo I aus der Fassung gebracht und lässt ihre schützende Maske fallen. Hier liegt einer der großen Vorteile dieses Films: er geht mit einigem psychologischen Tiefgang auf die einzelnen Charaktere ein.

Durchaus vorstellbar, dass es sich bei den Menschen Kinski und Palmer ähnlich verhalten hat, treffen hier doch zwei sehr unterschiedliche Personen aufeinander – die scheinbare kühle Lilli Palmer und das Enfant terrible Kinski. In jedem Fall beherrschen diese beiden deutschen Stars „Der Mann mit der Torpedohaut“ und lassen ihre französischen Mitstreiter weit hinter sich, wenn man mal von der oben bereits erwähnten Stéphane Audran absieht.

Ansonsten ist "Der Mann mit der Torpedohaut" ein typischer Vertreter des französischen 70er Jahre-Kriminalfilms ... düster, verworren und wohl bewusst zäh ... jeder der Protagonisten scheint ein schweres Schicksal mit sich herum zu schleppen. Französische Genrefilme aus dieser Zeit lassen einen generell schon in den ersten zwei Minuten denken, dass es niemals ein Happyend geben kann. Darauf sollte man sich einstellen, da allein schon die Stimmung, die solche Filme erzeugen, nicht jedermanns Sache ist.

7 / 10
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