Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Moderator: jogiwan

Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon Arkadin » 14. Mai 2018, 23:06

19. April
JAZZAHEAD - POLISH NIGHT
Bremen, Schlachthof/Halle 7

Die Jazzahead – die weltgrößte Jazz-Fachmesse, die jährlich in Bremen stattfindet – habe ich bisher leider nur am Rande mitnehmen können. Den Plan da mal einen Tag zu verbringen hatte ich schon seit einigen Jahren, aber bis auf ein Konzert vor zwei Jahren fand sich dafür irgendwie nie die Zeit. Auch die legendäre Clubnight – wenn sich Bremen in einen einzigen Jazz-Club verwandelt und 50 über die Stadt verteilte Spielstätten den ganzen Abend Jazzkonzerte veranstalten – habe ich bisher nicht mitgemacht. Was eigentlich eine ziemliche Schande ist.
2018 war Polen Partnerland der Jazzahead und dies war eine willkommene Gelegenheit, meine Gattin bereits zu Weihnachten mit einer Karte zu beglücken. Selbstverständlich für die „Polish Night“, die am 19.4. zwischen 18:30 und 0:50 in der Halle 7 und dem Schlachthof stattfand.
Es hat sich gelohnt!

Kamil Piotrowicz Sextet

Die Halle 7 ist ein großer Anbau an die Bremer Stadthalle, direkt neben dem Schlachthof. Zu Freimarktzeiten ist hier „Humptata“ angesagt. Von der Dimension der Halle 7 war ich aber dann doch überrascht. Sie war in zwei große Konzertsäle aufgeteilt worden. Ich hatte da etwas Sorgen bezüglich der Akustik, aber das war alles sehr gut. Zeit sich im geräumigen Foyer umzusehen hatten wir fast keine. Obwohl der Saal 1 schon gut gefüllt war, haben wir doch noch gute Plätze weiter vorne bekommen. Es konnte los gehen.
Das Kamil Piotrowicz Sextet macht mehr experimentellen Freejazz. Das ist nichts, zum nebenbei hören. Die Strukturen der Stücke sind sehr fragmentiert und oftmals sorgt der Bandleader Piotrowicz für elektronische Störgeräusche. Konzentriert man sich aber und lässt sich auf die Musik ein, wird man mit spannenden Melodielinien belohnt. Besonders angetan hatte es mir der Drummer
Krzysztof Szmańda. Was der da mit dem Schlagzeug anstellte, war schon sehr beeindruckend.

Joanna Duda Trio

Während der letzten 10 Minuten des Kamil Piotrowicz Sextet herrscht plötzlich ziemlich Unruhe, weil viele Zuschauer den Saal verließen und sich Richtung Schlachthof aufmachten, wo der nächste Akt, das Joanna Duda Trio, spielte. Wir bleiben natürlich höflich bis zum Schluss und machten uns dann auf den Weg. Der Schlachthof ist zwar nebenan, aber bei den vielen Menschen dauert es so sein zeit, bis man durchkommt. Vor dem Schlachthof hatten unsere guten Freunde von der Schlachthofkneipe zahlreiche Bier- und Leckereienbuden aufgestellt. Da herrscht eine tolle Stimmung und ein wundervolles babylonisches Sprachgewirr. Allerdings verstopften die Menschenmassen auch den Zugang zum Schlachthof, so dass man sich da förmlich durch quetschen musste. Als wir endlich drin waren, wussten wir auch, weshalb so viele früher gegangen waren. Es war voll. Nur weit oben haben wir einen Platz gefunden und da hatte das Joanna Duda Trio schon angefangen. So kamen wir irgendwie nicht in ihre leise, avantgardistisch-elektronische Musik, die sicherlich sehr spannend war. Aber irgendwie konnten wir uns nicht konzentrieren und die dicke Luft dort oben tat sein übriges. Nach vielleicht 10 Minuten sind wir wieder raus. Auch,w eil meine Frau pünktlich beim Marcin Wasilewski Trio sein und möglichst weit vorne sitzen wollte. Mit dem Marcin – einer der Jazz-Superstars in Polen – war sie zu Jugendzeiten mal auf einer Jazzschule gewesen und hat seine Karriere natürlich besonders gut beobachtet. Es war auch gut, etwas Luft zu haben , mal im Foyer zu schlendern, Platten gucken und was zu essen.

Marcin Wasilewski Trio

In die dritte Reihe haben wir es dann geschafft. Die erste wäre auch drin gewesen, aber wir sind halt hanseatisch-höflich nicht wie die Irren nach vorne gestürmt. Das Marcin Wasilewski Trio ist schlichtweg großartig. Ganz klassisch Piano, Bass, Schlagzeug. Alle drei ganz große Könner, die perfekt harmonieren. Musik, um sich darin zu verlieren. Anspruchsvoll, aber nicht überkompliziert oder völlig verkopft. Wunderbar.

Monika Borzym

Danach schnell in den Schlachthof. Jetzt poppiger Jazz ala Nora Jones. Die sehr talentierte und ausdrucksstarke Monika Borzym –in polen gerade sehr angesagt ist - die brachte einige Joni-Mitchell-Cover und flirtete mit dem Publikum. Gäste hatte sie auch dabei. Den polnischen Superstar-Saxophonisten Maciej Obara und den Geiger Dawid Lubowicz vom Atom String Quartet. Alles sehr gefällig, sehr (im positiven Sinne) nett.

HIGH DEFINITION QUARTET

Zurück zur Halle 7. Wieder sehr, sehr experimentelle, auf den ersten Gehörgang chaotische Musik, die allerdings beim genaueren Hinhören einen Plan verfolgte. Interessant war der charismatische Bandleader und Pianist Piotr Orzechowski. Es gab einen Moment, wo es so aussah, als ob er mitten im Auftritt den Klarinettisten maßregelt und zu einem vier-Augen-Gespräch hinter die Bühne zitiert. Ob das ein Gag oder ernst war, kann sich nicht sagen. Spannende Musik, aber irgendwie kam weder ich, noch meine Frau da richtig rein. Also machten wir es wie die Zuschauer am Anfang und machten uns 20 Minuten vor Ende auf den Weg zum Schlachthof. Was sehr gut war, denn so liefen wir schnurstracks in eine alte Freundin meiner Frau, die sich als Managerin (und Tante) von Monika Borzym herausstellte. So schnackten die beiden Damen erst einmal ausführlich, während ich mich mit (alkoholfreien) Bier versorgte.

Atom String Quartet

Großartig! Ein Streichquartett, welches mich sehr an das Kronos Quartett erinnerte. Sehr, sehr spielfreudig und mitreißend. Es gab am Anfang „schwere“ Kost, die aber trotzdem leicht verdaulich war. Und dann wurde ein Feuerwerk nach dem nächsten abgebrannt. Die Halle tobte und ging ordentlich mit. Am Ende stand ich auch und gab jubelnden Applaus. Toll! Konnte man das noch toppen?

Kuba Więcek Trio

Jep. Mit dem Kuba Więcek Trio. Kuba Więcek war Teil des Kamil Piotrowicz Sextet gewesen, welches wir als erstes gesehen hatten. Da war er mir aber kaum aufgefallen. Bei seinem eigenen Trio, wo er Klarinette spielt, aber umso mehr. Unglaublich präsent auf der Bühne, virtuos an seinem Instrument und mit großartigen, ins Ohr gehenden Stücken riss der sehr junge Musiker das Publikum mit. Besonders ein Stück, das glaube ich „Jazz Robots“ hieß, habe ich immer noch im Ohr. Wenn ich im Juli in Warschau bin, muss die CD her! Für mich DER Geheimtipp!

Piotr Damasiewicz/Power Of The Horns

Dann zurm letzten Act des Abends. Puh.. am Anfang war es schwer. Da spielten irgendwie alle acht Musiker (davon gleich zwei am Kontrabass, Piano, Schlagzeug und vier Bläser. Superstar Maciej Obara war auch wieder dabei) für sich und nicht miteinander. Doch dann irgendwann finden diese grandiosen Einzelvirtuosen zusammen und bauen einen so gewaltigen Druck auf – Holla! Das ganze war eine halbstündige Improvisation, die immer mehr zu sich fand und am Ende die Hütte unglaublich gerockt.. ähh... gejazzt hat. Auch hier Standing Ovations! Und ein toller Ausklang eines sehr spannenden und interessanten Abends, der uns sehr viel Freude bereitet hat.

Bonus: 21. April

Wojtek Mazolewski Quintet – Erstmals bei der Clubnight am 21.4. gab es auch einen Open-Air-Auftritt. Das Wojtek Mazolewski Quintet fuhr auf einem Truck durch Bremen und spielte an drei Orten umsonst und draußen. Wir waren mit den Kindern vorm Goethe-Theater. So viel war nicht los. Ich glaube, die wenigstens sind für die Band gekommen. Viele saßen da und tranken was oder blieben einfach stehen. Das Wojtek Mazolewski Quintet gehört schon jetzt zu meinen Lieblingen, wenn es um polnischen Jazz geht. Sehr ins Ohr gehende, druckvolle Melodien, die aber immer wieder mit Ecken und Kanten versetzt werden. Was vielleicht auch der eigenwilligen Pianisten Joanna Duda zuzuschreiben ist, deren Auftritt am Donnerstag wir ja verschmäht hatten. Die Zeit rauschte bei dieser wunderbar energiegeladenen Jazzmusik einfach so vorbei. Am Ende gb es viel Applaus. Für mich der Höhepunkt waren die ekstatischen Tanzeinlagen, die unsere beiden Kinder direkt vor der Bühne ablieferten und dem coolen Bandleader Wojtek Mazolewski – glaube ich ab und zu ein breites Lächeln abgerungen haben. Ein perfekter Nachmittag unter blauem Himmel.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 15. Mai 2018, 15:32

Am Samstag (12.5.18) mußte ich mich doch glatt entscheiden: Den ESC, wie seit Jahrzehnten zu schauen, oder endlich mal zu der Geburtstagsfeier eines Bekannten gehen, der mich schon zum vierten oder fünften Mal einld. Der Clou bei ihm: In seiner relativ riesigen WG spielt dann immer eine Band live, und sie ist hier in fünf Minuten Fußweg zu erreiche. Da ich sowieso nicht so richtig im ESC-Fieber kam, und die angekündigte Band meine momentan liebste Rockband ist, ging ich dort hin.
Und es war schön: Nur nette Leute, viel zu trinken und zu essen, Riesenbalkon mit lustiger Aussicht und um kurz vor 22 Uhr fing dann ETA LUX an. Sie spielten zwei Sets à 40 Minuten. Standen auf den Fußboden im größten Zimmer , in dem es natürlich dann doch sehr eng und sehr heiß wurde. Da in dieser WG auch drinnen geraucht wurde, und während des Konzerts die Balkontür zu blieb (Nachbarn), war Luft und Abkühlung so ne Sache, die mit Stoßlüftung zwischen den Songs kaum behoben wurde.
Aber der Sound war toll, und es war sehr hübsch laut, apropos Nachbarn. Die Band gut drauf, klar, in der gelösten Stimmung gab es ein paar kleine Verspieler, und in so einer Wohnung mußte hier und da nachgeregelt werden. Aber die Songs nehmen mich ja immer total mit. Ebeno wie die meisten Anwesenden. Jedenfalls denen, die die Lautstärke durchhielten, die anderen hörten vom Balkon oder aus der Küche nebenan zu.
Die meisten Lieder waren von der neuen LP, ich meine, einen neuen Song erkannt zu haben und mein Lieblingssong aus der Zeit mit dem alten Sänger war auch dabei. Passte alles.
Kurz vor 12 war dann vorbei und da der Gastgeber reinfeierte, gab es kurze Reinfeier - Vorbereitungen, und dann Happy Birthday-Gesinge. Für mich war kurz danach Schluß, ich merkte dann doch die Wirkung des stehenden Rauches, und so bekam ich dann doch noch die spannende Endphase des ESCs mit.
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Zuletzt geändert von karlAbundzu am 15. Mai 2018, 16:03, insgesamt 1-mal geändert.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon Arkadin » 15. Mai 2018, 15:53

karlAbundzu hat geschrieben:und mein Lieblingssong aus der Zeit mit dem alten Sänger war auch dabei.


"Fucking Seagulls"?
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 15. Mai 2018, 15:55

@Arkschi Wow, ihr habt ja ganz schön viel angeschaut, schön, dass es so geklappt hat.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 15. Mai 2018, 16:05

Arkadin hat geschrieben:
karlAbundzu hat geschrieben:und mein Lieblingssong aus der Zeit mit dem alten Sänger war auch dabei.


"Fucking Seagulls"?


Du meinst richtigerweise "Lesbian Seagulls", aber die Assoziation ist da ja schon mal klar :D
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 16. Mai 2018, 16:38

05.05.2018, Gängeviertel, Hamburg:
MORBITORY + DON GATTO + DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS + DERANGED + CROSS THE BORDER


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MORBITORY-Michael hatte gefragt, ob wir Support für den gemeinsamen Gig mit der aktuell tourenden ungarischen HC-Band DON GATTO machen wollen – und da das Datum endlich mal wieder in den Zeitplan passte, packten wir die Gelegenheit am Schopfe. Dass parallel das Metal-Bash-Festival steigen und die Headbanger-Fraktion uns daher nicht unbedingt die Bude einrennen würde, wusste ich da nicht, wäre mir aber auch egal gewesen. Letztendlich war das Programm dank zwei junger Wedeler Bands sogar auf ganze fünf Combos von HC-Punk über Hardcore und Thrash bis hin zu Death Metal angewachsen. Dennoch geht’s im Gängeviertel i.d.R. sehr entspannt zu, sodass es deshalb ausreichte, am frühen Abend per gechartertem Großraumtaxi (sonst könnte ja einer nicht saufen) mit unserem Equipment dort aufzuschlagen. Zu essen offerierte man uns ein verdammt schmackhaftes Veggie-Chili, das wir auf dem Hof des Viertels bei bestem Wetter einnahmen, wo wir auch die ersten Bierchen zischten und auf Tuchfühlung mit den anderen Bands gingen.

Überraschend pünktlich um 20:00 Uhr eröffneten CROSS THE BORDER den Abend, eine neue Metal-Band aus Wedel um einen alten Bekannten: Den Bass bedient Thorsten, den man von METAL WITCH sowie seinen ehemaligen Aktivitäten bei der Oldschool-HC-Abrissbirne LAST LINE OF DEFENSE kennt. Mit zwei Gitarren spielte man eine Art moderneren Thrash, der mich bisweilen an METALLICA erinnerte – weitere Vergleiche fehlen mir mangels Kenntnis dieses speziellen Substils, der normalerweise nicht ganz so meiner ist. Nach kurzer Eingewöhnungsphase gefiel mir der Stoff jedoch immer besser und gerade nach hinten raus wurde das Set richtig stark. Sehr kontrolliert und versiert gespielte, kraftvolle Songs, die Bock auf mehr machten.

Mehr gab’s dann auch mit der Überraschung des Abends: DERANGED, für die Thorsten gleich auf der Bühne bleiben konnte. Die nicht minder neue Thrash-Band aus Wedel um Shouterin Mareike spielte einen wesentlich aggressiveren Stiefel, ritt präzise Attacken und ballerte brutal – und wenn ausufernde – verdammt gute – Instrumental-Parts anstanden, setzte sich Mareike einfach entspannt aufs Schlagzeugpodest oder an den Bühnenrand und wartete, bis ihre Musiker mit dem Solieren durch waren. Gemeiner Knüppelthrash mit fiesem weiblichem Organ und fräsenden Klampfen bei unprätentiösem Auftreten – ich bin begeistert und hoffe auf ein baldiges Live-Wiedersehen!

Manch Refrain ließ sich schnell mitbrüllen, auch wegen des satten, differenzierten P.A.-Sounds in der Bude. Und nicht nur um meine Stimme aufzuwärmen hatte ich hier und da bereits mitgegrölt, nun waren nämlich wir an der Reihe. Die Befürchtung, an ungewohnter Position nach zwei vorausgegangenen Bands bereits hackedicht zu sein, hatte sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Unsere Taktik, auf Michaels Frage nach der Länge unseres Sets wahrheitswidrig mit „So ca. eineinhalb Stunden!“ zu antworten, um wenigstens um die 50 Minuten auszuhandeln, ging jedoch leider auch nicht auf, sodass wir die zwei längsten und tempomäßig eher getrageneren Stücke aus dem Set kürzten. Also wie seit den letzten Gigs bewährt mit unserem Intro und „Pogromstimmung“ gestartet, über die Uralt-Stücke wie „Tales of Terror“ und „Elbdisharmonie“ hin zu mittelaltem Käse à la „IS-SS“ und „Nie der Plan“, dem unserem verstorbenen Ex-Bassisten Stef gewidmeten „Cop Killing Day“, und gespickt mit einer Live-Premiere: „Spaltaxt“ , unserem Stück über Faschos, die sich unserer Szene breitzumachen versuchen und die Scheißegalhaltung manch ach so „unpolitischer“ Bratzbirne demgegenüber. Ziemlich vergurkt haben wir zugegebenermaßen leider ausgerechnet „Hatepunk“: Beim ersten Versuch hing unser Drum-Kopffüßler Dr. Tentakel einen Takt hinterher, bis wir irgendwann raus waren und das Ding noch mal anstimmten. Nun lag er richtig, aber dafür war mir die erste Strophe entfallen und die ließ sich in der Hektik so schnell nicht rekapitulieren. Der Rest des Songs stimmte dann aber… Unsere mangelnde Spielpraxis der letzten Monate machte sich dann eben doch bemerkbar. Die zarte Liebesballade „Ghettoromantik“ markierte den Abschluss, dann konnten wir uns entspannt zurücklehnen, uns betrinken und mal horchen, was die Headliner so machen.

Mit Hardcore aus Ungarn war ich bislang nicht so vertraut, was sich mit DON GATTO nun änderte: Die Band zockte ihren englischsprachigen „Chainsaw Hardcore“ mit ordentlich Spaß inne Backen, kurze, heftige Aggro-Songs zwischen Groove und Geballer mit einem aufgedrehten Sänger, der gern im Publikum herumspringt und dem Crowdsurfing frönt. Besondere Aufmerksamkeit zogen auch die Ansagen des Gitarreros auf sich, der in gebrochenem Deutsch zu verstehen gab, dass es jedes Mal „pervers“ sei, in Deutschland zu spielen, Songs als DIETER-BOHLEN-Coverversionen ankündigte, die (glücklicherweise) gar keine waren und um keinen geil-miesen Spruch verlegen war – was den Spaßfaktor immens erhöhte. Eine ungewöhnliche Coverversion hatte man dann dennoch zu bieten: MINDIGHT OILs „Beds Are Burning“ im Hardcore-Gewand. Geile Scheiße! Davon hatten die Wedeler leider nichts mehr mitbekommen, die bereits nach unserem Gig abhauen mussten, aber die Bude war dennoch längst gut genug gefüllt, dass ordentlich Stimmung aufkam – nur vom „Gedrängeviertel“ konnte diesmal nicht unbedingt die Rede sein, was indes auch mal ganz angenehm war.

Die lokale Death-Metal-Prominenz MORBITORY hatte ich Death-Metal-Muffel erst einmal live gesehen, und das war 2015. Wurde also mal wieder Zeit. Sämtliche Bedenken, die ich gegen Death Metal habe, wurden zerstreut, denn MORBITORY spielt eine dermaßen brutale, unfrickelige, technisch dennoch versierte und flotte Interpretation des Stils, dass sie mich sofort in ihren Bann zogen. Tiefster Gutturalgesang, unnachgiebig riffende und schmerzhaft tötende Klampfen sowie eine präzise Rhythmussektion, die das unverrückbare, stabile Fundament darstellte und der zu lauschen der reinste Drum-Porno war. So macht das Laune!

Im Anschluss dürften sich alle Beteiligten einig gewesen sein, dass das ein geiler, stilistisch im positiven Sinne abenteuerlicher Gemischtwarenladen war, der sich gelohnt hat. Danke an alle, die ihn ermöglicht haben! Wie gewohnt per Taxi transportierten wir schließlich unseren Kram zurück nach Altona und wenn nicht irgendetwas Unvorhergesehenes passiert, stehen wir bereits am 21.07. wieder im Gängeviertel auf der Bühne.

Reich bebildert auch hier:
http://www.pissedandproud.org/05-05-201 ... he-border/
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record) / Der Mann mit der eisernen Maske (Whale) / Rock'n'Roll Nightmare
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon Arkadin » 17. Mai 2018, 19:36

28. April 2018
DEFEKT DEFEKT mit Vorband JOHNNY NOTEBOOK AND THE DARK AGES
Karo, Bremen

Wie hatte ich mich auf dieses Konzert gefreut. Eine meiner Lieblingsbands gleich bei mir ums Ecke. Zweimal lang hinfallen, dann bin ich da. Und dann das: Zeitgleich lief das MonsterMachenMobil in Hamburg. Und die Filme die mich da am Meisten interessierten natürlich am selben Tag, wie das Konzert in Bremen. Doof. Da es mich ungemein wurmte, dass ich den Sänger/Gitarristen Andreas von DefektDefekt mit seiner anderen Band Lord Super dreimal versetzt hatte (1x lief ein anderes Konzert für das ich schon Karten hatte, 1x sagten alle die mitkommen wollte kurzfristig ab, 1x war mir das zu weit draußen in der Pampas und ich hatte kein Auto und keine Lust ganz allein nachts über die Wiesen zu radeln) war ich nun im Gewissenskonflikt. Doch als ich hörte, dass auch eine Vorband spielt war alles gut: Scharf kalkuliert mit etwas Gerenne und klappenden Anschlüssen könnte ich es ganz knapp zur Hauptband aus dem Metropolis in Hamburg ins Karo in Bremen-Walle schaffen.

Als ich um kurz nach 21:00 ziemlich abgehetzt ankam, hatte die Vorband noch lange nicht angefangen. Alles also ganz easy. Erst einmal ein Bier holen und gucken, ob man bekannte Gesichter sieht. Nee. Keiner da. Also am Bier festgehalten und gemerkt: Allein auf ein Konzert ist echt öde. Da steht man dann doof herum und wartet, dass es irgendwann losgeht. Im Kino kennt man die Anfangszeiten, kann die tote Zeit für andere Dinge nutzen und kommt eben kurz vor knapp. Hier nicht. Ab und zu guckte ich mal, ob nicht doch jemand auftaucht, mit dem man ein Wort schnacken kann, aber außer dem Sänger von DefektDefekt – der natürlich ziemlich wenig Zeit hatte - war da leider niemand. Das gefiel mir gar nicht und wird sicherlich auch erst einmal das letzte Mal gewesen sein, dass ich da da irgendwo allein hin bin. Festivals wo man eh immer am Rumlaufen ist, mal ausgenommen.

Die Vorband fing dann um 21:30 Uhr an. Johnny Notebook and the Dark Ages kamen aus Wuppertal. Er: Gesang/Gitarre. Sie: Mini-Synthizer, zaghafte Percussion oder etwas Background. Ansonsten war ihre Aufgabe: Unbeteiligt-gelangweites Herumstehen. Was ich jetzt nicht negativ meine. Passte zur Musik, die sich stark an den 80ern orientierte und verdammt schneller Electro-Punk war. Das ging richtig gut ins Ohr und in die Beine. Drums und Co. kamen aus einem iPad. Einige der Songs waren wohl Cover, bei denen ich die Originale nicht kannte oder nicht erkannt hatte („Vibrators“ waren dabei und sollte ich eigentlich kennen). Machte richtig Spaß und lustig war, dass die Beiden erst einmal ein Instrumenten-Check gemacht haben, der schon so geil klang, dass das Publikum spontan Applaus spendete. Nach dem 30-minütigen Gig wurde auch lauthals Zugabe gefordert, worauf die Beiden gar nicht vorbereitet waren („Die Batterien vom iPad sind gleich alle!“), dann aber doch noch schnell ein-zwei Stücke wiederholten.

In der Pause habe ich mir dann auch gleich eine 10-inch von Johnny Notebook besorgt, Die geht so zusammen knapp 20 Minuten und hat 9 Stücke. Danach reicht das auch, weil die doch alle sehr ähnlich klingen. Macht so aber unheimlich Laune. Die Platte ist aber seltsam. Das Vinyl steckt in einer weißen Hülle, ist vollkommen unbeschriftet und das Ganze wurde mit einem Blatt wie aus dem Kopierer in eine Plastikschutzhülle gesteckt. Also alles Marke Eigenbau. So was habe ich bei Vinyl vorher noch nie gesehen.

Danach schnell noch ein Bier, was im Karo immer Ewigkeiten dauert. Weshalb ich dann auch den überraschend schnellen Beginn von DefektDefekt etwas verpasste. Also schnell Richtung Bühne, wo mein Premium-Platz, den ich während der Vorband eingenommen hatte, natürlich weg war. Egal, irgendwie, irgendwo reingequetscht, meiner Neuerwerbung ein schönes Plätzchen gesucht und diese während des Konzerts gegen eine angeschickerte Trulla verteidigt, die die Platte ständig als Untersetzer für ihr Cocktail-Glas nutzen wollte. Egal...

DefektDefekt waren mit ihrem englischen „post punk, new wave and garage punk“ aus den frühen 80ern super wie immer und spielten erfreulicherweise neben den Songs ihrer ersten Platte - die ich alle schon auswendig kenne und immer wieder gerne höre – auch vieles, was mir neu war. Beim neuen Material scheint diesmal der englische Bassist/Gitarrist (das wird ja immer munter zwischen ihm und Andreas getauscht) Tim etwas mehr involviert. Das klang dann für meine Ohren auch etwas härter als sonst. Wobei die neuen Sachen, die Andreas beitrug, wieder einen wunderbaren Beat hatten, aber mir auch wütender als sonst vorkamen. Besonders angetan war ich von einem Song, bei dem ich immer „Lucy Brighton“ verstand. Kann aber auch „Sea of Brighton“ oder irgendwas anderes gewesen sein. Tolles Ding, welches mich angenehm an die Kinks und The Jam erinnert. Ich bin sehr gespannt auf die neue Platte, die wohl im Laufe des Jahres erscheint.

Kurz nach 23h war Feierabend. Ich wollte mich noch von Sänger Andreas verabschieden, konnte ihn aber nirgends finden. So bin ich dann raus, zweimal lang hingefallen und war nach einem langen Tag dann endlich im Bett.
Früher war mehr Lametta
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