Kommando Cobra - Yves Boisset (1971)

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Kommando Cobra - Yves Boisset (1971)

Beitragvon Nello Pazzafini » 3. Mai 2013, 01:19

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Kommando Cobra
(aka City Hunter, Tödlicher Auftrag)
OT: Le saut de L´ange

R: Yves Boisset
D: Jean Yanne, Senta Berger, Sterling Hayden, Gordon Mitchell, Raymond Pellegrin


In Marseille wird aufgeräumt unter der Familie Orsini, nachdem die beiden Brüder Lucien & Marc von unserem Gordon Mitchell in der Rolle namens Di Fusco zur Strecke gebracht werden, begibt sich Gordon nach Thailand um auch den letzten der Orsinis, Louis, zu meucheln.
Doch in Thailand geht einiges schief, Di Fusco erledigt unabsichtlich Louis Frau und wird dannach von Louis und seinen vietnamesischen Gefolgsleuten gejagt und zum reden gezwungen. Louis erfährt dadurch das der Auftraggeber in Marseille sitzt und begibt sich zurück in seine Heimat um zusammen mit seinen ehemaligen Kampfgefährten, eben diese 2 Vietnamesen aus dem Indochina Krieg, mit welchen er das Kommando Cobra anführte, rein Tisch zu machen.
In Marseille angekommen erfährt Louis das auch seine Tochter getötet wurde und nun kennt das Kommando Cobra keine Gnade….
Grosses, hartes Franzosenkino von Yves Boisset der hier wirklich keine Gefangenen macht. Hervorragend besetzt gibt’s in diesem Film zuerst einen Mord- und danach einen Rachefeldzug der wahrlich seinesgleiche sucht. Die Story ist clever aufgebaut und spannend bis zum Schluss. Unser Gordon ist einfach grandios als gnadenloser Killer inkl. dickem Schnäuz. Senta Berger ist heiss wie mein Espresso und nicht wirklich eine trauernde Witwe. Die beiden Vietnamesen geben ein köstliches Killerduo ab, Zitat Film „das waren Chinesen, die sind wie Ratten über das Dach verschwunden…“
Sterling Hayden ist auch dabei als US Cop der eigentlich ein Freund von Louis ist/war aber dann natürlich auf Seiten des Gesetzes steht. Louis (Jean Yanne) ist eine grundsolide Besetzung für den Racheengel und er zieht sein Ding bis zum bitteren Ende durch….
Auffallend auch der wunderschöne Score von Francois de Roubaix (z.B. Blut an den Lippen) der höchst melancholisch das ganze Treiben unterstreicht.
Leider leider sind die VHS wie auch TV Fassungen cut um ca. 4 min, zumindest alle die ich kenne – natürlich bei den Gewaltszenen, und von denen gibt es nicht nur viele sondern auch äusserst blutige. Ich wünsche mir eine schöne vollständige DVD im richtigen Format bitte und zücke neuf points.
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Re: Kommando Cobra - Yves Boisset (1971)

Beitragvon sergio petroni » 3. Jan 2017, 11:48

In Marseille ist der Teufel los. Der Korsenclan der Orsinis wehrt sich gegen aufstrebende
Konkurrenz in Person Forestiers (Sbragia) und geht dabei nicht zimperlich zur Sache.
Die Rache folgt auf dem Fuß.
Ein Orsini nach dem anderen segnet das Zeitliche. Der dritte Orsini-Bruder (Jean Yanne),
der sich nach seinem Söldnerdasein vor Jahren schon nach Thiland abgesetzt hat, soll
auch nicht verschont bleiben. Auftragskiller Henry Di Fusco (Gordon Mitchell) wird auf
ihn gehetzt. Nach einem verpatzten Attentat wird die Fehde in Marseille mit
aller Härte fortgesetzt. Dabei spielen Polizei und Politik nicht immer eine
saubere Rolle.

Französischer Actionkracher von Yves Boisset aus dem Jahre 1971 der mächtig
auf die Kacke haut. Schon der Beginn läßt kaum Zeit zum Durchatmen.
Und es geht eigentlich den ganzen Film so weiter. Sterling Hayden als beratender
US-Cop spielt eine tragende Rolle. Ebenso Senta Berger als Orsini-Witwe, die
ein undurchsichtiges Spiel spielt. Der Mord an Alvarez (Paymond Pellegrin, der nur eine
sehr kleine Rolle innehat) sucht seinesgleichen und ist schwer in die Länge gezogen.
Gesehen habe ich eine englischsprachige Version, die einen vollständigen
Eindruck gemacht hat.
Zwischendurch läßt Boisset immer wieder Kritik am bestehenden politischen System
Marseilles durchblicken.
Aber alles in allem haben wir es hier mit einer reinen Exploitations-Granate zu tun.
8/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Kommando Cobra - Yves Boisset (1971)

Beitragvon Canisius » 19. Feb 2018, 00:32

Diesen Film hatte ich mal in Form einer Videokassette vom Flohmarkt gefischt. Titel war „Tödlicher Auftrag“ und die Auflage war cut as f*ck. Wurde von mir also rasch wieder notverkauft.
In der jüngst gesichteten 88 Minuten Version (z.B. bei ITT veröffentlicht) gewinnt „Kommando Cobra“ allerdings enorm. Um ehrlich zu sein, habe ich schon länger keinen Genrefilm mehr gesehen, in dem so viele Nebencharaktere auftauchen, die durch ihre bloße Anwesenheit gute Laune verbreiten.
Das liegt zum einen an Gordon Mitchell, der als Rollkragenpullover tragender Auftragskiller eingeführt wird und überzeugend agiert. Mit dickem Zefix um den Hals, Rotzbremse unter der Nase und derber Unsympathensynchro kann er sich optisch und vom Habitus von den Nebendarstellern absetzen. Er ist dauermürrisch und macht das Maul nur auf, wenn es unbedingt nötig ist. Auf eine Wertschätzung „Diese Stadt braucht Leute wie Dich!“ pflaumt Gordon zurück “Aber ich diese Stadt nicht!“.:)
Töten und Abkassieren, mehr scheint ihn nicht zu interessieren.
Einfach ein netter Kerl!
Mitchells misslungener Versuch, sein drittes Opfer auszuschalten, ruft unfreiwillig das „Kommando Cobra“ wieder auf den Plan. Thailand-Exilant Louis „Cobra“ Orsini, der vor Ort Legendenstatus genießt, weil er einst Khmer und den berüchtigten Fremdenlegionär Willi Koch (wer hat noch nicht von ihm gehört?) verjagt hat, erweist sich als zu mächtiger Gegenspieler.
Wie abgebrüht „Cobra“ ist, wird bereits vor einem Zusammentreffen der 2 deutlich, als „uns Gordon“ von seinem Fahrer auf ein Schild vor Orsinis Haus hingewiesen wird. Dort hängt die abgehackte Hand Willi Kochs als eine Art Trophäe.
Entsprechend fies
ist dann auch der Abgang, der Mitchell bereitet wird: ihm wird in einer Hütte in beide Knie (?) geschossen und dann wird eine „Cobra“ freigelassen.

Wo wir gerade bei Giftschlangen sind: mit der jungen und attraktiven Senta Berger bietet der Streifen zum anderen einen echten Blickfang. Zwar tritt sie nur vereinzelt auf, spielt ihre Rolle dennoch glaubhaft. Die ehemalige Straßendirne, die sich zur Mätresse verschiedener Männer der Marseiller High Society/Unterwelt hoch geschlafen hat, nehme ich ihr ab. Ihr abwechslungsreiches Liebesleben wird lediglich verbalisiert und schlüpfriges gibt es nicht zu sehen. Man erfährt, dass Senta intrigiert und ein sleaziges Doppelspiel treibt. Auf ihr Selbstbild wirkt sich das weniger aus, betrachtet sie sich doch fortwährend als „Dame“. Dezenten Widerspruch meldet diesbezüglich ihr letzter Liebhaber (und gleichzeitig der Oberfiesling) im Film an. Er erinnert sie feinfühlig daran, wie romantisch sie sich einst kennengelernt hatten:
“Sieh' in den Spiegel. Sieh' Dich an. Die 20 Francs Nutte vom Place Pigalle. Da hast Du noch Deine 10 Nummern pro Nacht gemacht.“
Wie man das als echter französischer Charmeur eben so macht.
Gegen Ende bröckelt Madame Bergers Selbstkonzept, und sie erweist sich als erfahrene Roulettespielerin.
Russisches Roulette, um präzise zu sein.

Herrlich anzusehen, sind auch die 2 vietnamesischen (ex-Kommando Cobra) Killer, die nach Marseille eingeflogen werden. Schon im Flugzeug sind sie bemüht, sich landestypisch zu verhalten und tun so, als ob sie französische Comics (Tin Tin & Mickey Mouse ?) lesen würden. Es ist zum Schreien, wie sie als Touristen getarnt (mit umgehängten Fotoapparaten und drolligen Hüten) durch Marseille wuseln. Und die Messer wetzen! Dabei sind sie so perfekt eingespielt und leichtfüßig wie Artisten eines asiatischen Wanderzirkusses, dass mich sogar ein derber Messermord im Krankenhaus zum Schmunzeln gebracht hat.
Bei der Gestaltung des „Endbosses“, der mit aller Gewalt ein hohes politisches Amt anstrebt, fühlte ich mich an 007 Schurken der alten Schule erinnert.
Wie ein Sonnenkönig residiert er in einem gigantischen Büro (gefühlt mind. 80 Quadratmeter groß!) mit massivem Schreibtisch.
Er lässt sich von einem adipösen Leibwächter bewachen.
Er hält sich in seinem Büro doch tatsächlich Geier in einem Käfig und füttert die Biester mit Hähnchenkeulen.
Er verfügt über einen Gehstock mit integriertem Messer.
Macht das alles Sinn? Nein, aber viel Spaß!
Der eigentliche Hauptdarsteller, der „Rächer“ des Orsini Clans ist ein ziemlich ruhiger und unscheinbarer Charakter. Das gleiche gilt auch für den ermittelnden Kommissar, der, mit viel Fantasie, ein bisschen wie eine verlebte Mischung aus Gert Fröbe und Rainer Basedow aussieht. Beide spielen gut, aber die genannten Nebenakteure stehlen ihnen klar die Show. Den alkoholkranken amerikanischen Kumpel von „Cobra“ hätte ich jetzt fast unterschlagen. Dieser leitet die Endsequenz ein,
in der der letzte Orsini bei untergehender Sonne mit Rückenschuss ins Meer geht.
Erfrischend pathetisch. Es gibt Momente, in denen liebe ich Pathos. Boissets Thriller ist so ein 88 minütiger Moment.
Merci beaucoup, Monsieur Boisset! :thup:
„Seine Stiefel aus frischem Krokodilleder knarrten. Er trug eine Jacke aus gegerbter Elefantenhaut und im offenen Hemd eine Kette aus Leopardenkrallen und Affenzähnen.
Mit dem Outfit, dachte Meuchköt, käme er durch keine europäische Flughafenkontrolle.“
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