Laura - Ovidio G. Assonitis / Emmanuelle Arsan (1976)

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Re: Laura - Ovidio G. Assonitis / Emmanuelle Arsan (1976)

Beitragvon FarfallaInsanguinata » 7. Feb 2015, 21:54

Die DVD ist bereits 2013 erschienen?! :o
Den Film habe ich seit unzähligen Jahren auf meiner Want-Liste! Aber trotz der über eineinhalb Jahre zurückliegenden Veröffentlichung konnte ich den bisher in keiner "Müller"-Filiale erblicken, obwohl die ja standardmäßig eigentlich immer alle "Donau Film"-Veröffentlichungen einkaufen. :shock:

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Re: Laura - Ovidio G. Assonitis / Emmanuelle Arsan (1976)

Beitragvon Nello Pazzafini » 30. Sep 2016, 00:59

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ein schöner film wenn man den für diese Art Erotikgeschichte offen ist. Ganz ganz wichtig ist der wirklich großartige Score von Franco Micalizzi, einfach sensationell und den Film extrem aufwertend und stimmungsgebend.
Annie Belle ist top, unser Al Cliver steht dem ganzen treiben wirklich in nichts nach und filmt und filmt nonstop, nun das hätten wir alle auch getan!
Wunderschöne Bilder, prickelnde Erotik, traumhafte Musik, ich brauch auf den Sektor nicht mehr aus Italien!
Wie gesagt, offen sein muss man dafür und auch in der "Stimmung" aber dann funzt das Teil!
Danke an Donau Film das der Film nun in guter Quali auf DVD vorliegt. Es gibt zwar ein Wendecover und dann hat man auch das italienische Poster als Cover aber vermarktet wird der Film als simpler "Emanuelle" Streifen was er sicher nicht ist. Wäre das ganze "italienischer" verpackt und angepriesen würde sich der wahrscheinlich recht gut verkaufen, aber so liebe Donau Film wird das nix.

p.s.: Assonitis war definitiv nur der Produzent!

das italienische plakat
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Re: Laura - Ovidio G. Assonitis / Emmanuelle Arsan (1976)

Beitragvon buxtebrawler » 18. Feb 2018, 21:40

„Ich filme nicht einfach irgendwas – ich filme Liebe!“

Die französisch-italienische Erotik-Koproduktion „Laura“ aus dem Jahre 1976 basiert auf dem Roman „Laure“ der gebürtigen Thailänderin und „Emmanuelle“-Autorin Emmanuelle Arsan, die hier auch Regie führte – es sollte ihre einzige Regie-Arbeit bleiben – und selbst mitspielte. Daher wurde der Film hierzulande auch unter dem Titel „Emmanuelle für immer“ vermarktet.

„Denkst du, es gibt eine Zeit, dich zu wollen und eine, dich zu vergessen?“

Laura (Annie Belle, „Black Emmanuelle, White Emmanuelle“), hübsche junge Tochter eines Institutsleiters in Manila, Anhängerin der freien Liebe und Exhibitionistin, lernt den dauerfilmenden Voyeur Nicola (Al Cliver, „Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies“) kennen und lieben und heiratet ihn schließlich. Zusammen schließt man sich der Expedition des Anthropologen Professor Morgan (Orso Maria Guerrini, „Girolimoni - Das Ungeheuer von Rom“) an, die auf die Insel des geheimnisumwitterten Ureinwohnerstamms der Mara führt. Zur Kultur der Mara soll u.a. eine Wiedergeburtszeremonie gehören, mit der eine seelische Reinigung einhergeht, die so weit führen kann, dass man vergisst, wer man ist und ein komplett neues Leben beginnen muss. Begleitet wird die Expedition ferner von Morgans Ehefrau Natalie (Michele Starck, „Nackte Eva“) und Myrte (Emmanuelle Arsan), einer Freundin. Die Expedition wird von vornherein bestimmt von einer aufgeladenen erotischen Atmosphäre...

„Liebe und Freundschaft sind ein und dasselbe.“

Star des Films ist die französische Erotik-Actrice Annie Belle, die, verglichen mit anderen Schauspielerinnen jener Epoche und jenes Genres, zumindest in hiesigen Gefilden ziemlich in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Damit geht einher, dass ihre Filme kaum verfügbar sind. Wie schade das ist, wird dem Connaisseur schnell bewusst, sobald Belle vor der Kamera tritt: Eine hochattraktive Frau, der ihre fesche, seinerzeit durchaus gewagte und sicherlich nicht dem heterosexuellen Mainstream-Geschmack entsprechende Kurzhaarfrisur ganz ausgezeichnet steht. Auf dem Weg zur Universität lernt sie in ihrer Rolle als Laura den Hobbyfilmer Nicola kennen. Aufs Höschen verzichtet sie unter ihren knappen Kleidern gern (und treibt damit die Bewohner Manilas in den Wahnsinn), einen Uni-Vortrag gestaltet sie sich angenehm, indem sie sich mit der Zunge verwöhnen lässt, sportlich betätigt sie sich beim Tennis – ebenfalls gefilmt vom von seinem neuen Motiv besessenen Nicola. Nach und nach offenbart der Film immer mehr von Laura, das ist ziemlich geschmackvoll konzipiert und umgesetzt. Die ersten Sexszenen werden zunächst gar nicht gezeigt, kulminieren jedoch in einem filmischen Höhepunkt: Laura und Nicola haben sich beim Sex gefilmt und sichten das Material, das der Zuschauer dadurch auch zu sehen bekommt. Währenddessen kommt sich das Liebespaar im Vordergrund wieder näher. Das ist erotisches Kino vom Feinsten.

„Eifersucht ist widerlich!“

Nach dem Besuch einer dekadenten Party beginnen die Planungen zur Expedition. Bis es wirklich losgeht, bleibt jedoch noch genügend Zeit zum Nacktbaden und Sex. Laura ist nicht wirklich wählerisch und lässt jede(n) ran, doch der in ihrer Beziehung unterwürfige Nicola meint es genauso ernst mit der freien Liebe und stört sich nicht daran. Zu einem angedeuteten gleichgeschlechtlichen Akt zwischen Laura und der Philippinin Milagos kommt es dann leider doch nicht, dafür widmet sich Myrte der blonden Natalie. Auch eine Transsexuelle kommt auf ihre Kosten. Nicola will nicht länger warten und macht Laura einen Heiratsantrag, den sie annimmt. Nach der Hochzeit startet endlich die Expedition. Der Film hat sich bis hierhin viel Zeit gelassen, die jedoch gut genutzt wurde.

„Wie willst du mich?“ – „In der Öffentlichkeit!“

Die Bootsüberfahrt ist Anlass für weitere schöne, Fernweh weckende Bilder. Sommer und Exotik sind allgegenwärtig. Auch der Professor lässt sich nicht lange bitten und treibt es mit Myrte, beobachtet vom von Laura vergraulten Fremdenführer. Doch wer meint, dass nun langsam Brisanz und Konflikt in die Handlung Einzug halten würden und zu wissen glaubt, dass es nicht unbedingt die beste Idee ist, mit einer Delegation in einen fremden Dschungel auf der Suche nach Ureinwohnern einzudringen, irrt. Was später unter Regisseuren wie Deodato oder Lenzi zu einer Umkehrung der Prämisse führte, lag überhaupt nicht im Interesse Arsans. Ein Glück, mag da mancher einwerfen, doch scheint ab diesem Punkt generell etwas schiefgelaufen zu sein: Waren die Dialoge bereits zuvor etwas plump – aber eben auch herzlichen nebensächlich –, gerieren sie sich nun zunehmend seltsam gestelzt und pseudophilosophisch und der Film wird immer langweiliger. Man übertreibt es nun zu sehr mit der mystisch-esoterisch-philosophischen Verquickung von Sexualität, Partnerschaft, Selbstfindung und Selbstaufgabe, dass die Spannung, die der Ausflug in den Dschungel zu erzeugen versprach, weitestgehend ausbleibt. Irgendwie wähnt man sich auch gefangen zwischen Arsans Versuchen, ihre mitunter befremdliche und krude Auffassung dieser Themen mittels ach so hochgeistigem Geschwurbel zu rechtfertigen auf der einen und der Harmlosigkeit des Streifens auf der anderen Seite, der all dies nicht gebraucht hätte und allein visuell überzeugend genug hätte ausfallen können, hätte er sich voll und ganz auf die tatsächlich weitestgehend unsexistische, gleichberechtigte Auslebung der Fetische und Liebe eines unangepassten, ungenormten, faszinierenden Paars auf ihrem Weg zur total Konsequenz des alten Hippietraums beschränkt, der sie an ihre Ursprünge zurückführt, die sie bei einem sagenhaften Stamm fernab der Zivilisation finden.

Dennoch reicht es noch immer für einige wunderbar ästhetische und sinnliche Szenen, die, unterlegt von Franco Micalizzis stimmiger Musik, die Essenz dieses Films sind, die man letztlich im Gedächtnis behalten und mit einem wohligen Lächeln an diesen schwülen Sommernachtstraum von einem naiven Urlaubs-Erotikfilm zurückdenken wird. Eine Essenz, die nur wenige Jahre später in Italien mit viel Blut und Gekröse besudelt und als Lüge enttarnt werden sollte. Doch das ist ein anderes Kapitel europäischer Filmgeschichte.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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