Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 12. Feb 2018, 20:16

The Fetish Club

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Die amerikanische SM-Queen Tanya Cheex feiert mit ihrem Gefolge als „House of Thwax“ ausgelassene Partys im Londoner Untergrund, die konservativen Politikern und der Polizei ein Dorn im Auge sind. Prompt wird ein uraltes Gesetz aus dem Ärmel geschüttelt, dass auch das Zufügen von Schmerz im beiderseitigen Einvernehmen unter Strafe stellt und der biedere Computerfachmann Peter als Praktikant in die Szene eingeschleust. Der weiß zuerst gar nicht wie ihm geschieht und dennoch findet er zunehmend Gefallen an dem bunten Treiben der Leder- und Latex-Szene und auch Tanya findet Gefallen an der spießigen Jungfrau, die im Gegensatz zu ihren Vollzeitsklaven herrlich unbedarft ist. Dennoch kommt es wenig später zu einem Schauprozess gegen die Amerikanerin, bei dem auch Peter endlich Farbe bekennen muss…

Englische Dramödie aus der SM- & Fetisch-Szene, der wohl in bestimmten Kreisen bereits Kultcharakter besitzt und auch überall gute Wertungen hat. Auf den ersten Blick wirkt „The Fetish Club“ dann auch sehr progressiv und zeigt eine Szene, die den meisten wohl fremd sein wird und aufwendige Latex-Kostüme und Menschen, die sich bereitwillig auspeitschen und mit Elektroschocks malträtieren lassen. Besonders explizit ist der Streifen aber dabei nicht ausgefallen und wer die Szene ein bisschen kennt, weiß ja ohnehin, dass das meiste nur Showcharakter besitzt und sich die Leutchen hier ja auch eher inszenieren, ohne den Sex in den Vordergrund zu stellen. Vielleicht hätte man auch nicht nur sämtliche Fetish-Läden der Insel ausräumen sollen, sondern zusätzlich auch noch ein paar Euro in ein vernünftiges Drehbuch investieren sollen. Die Geschichte des konservativen und gläubigen Peter, der für einen konservativen Politiker die SM-Szene ausspionieren soll, ist ja leider ziemlich mau und auch bei den klischeebeladenen Figuren hat sich Regisseur Stuart Urban ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckert. Zumindest war dem Streifen aber Aufmerksamkeit garantiert, weil die BBFC schon von Anfang an klarstellte, dass Auspeitschungen nicht gezeigt werden dürfen und sich Herr Urban nicht daran gehalten hat. Besonders auf- oder erregend ist „The Fetish Club“ aber trotz Popoklatsch, Elektrostimulation und Sado-Lesben nicht geworden und die ganzen positiven Stimmen kommen dann wohl auch aus der Szene bzw. Leutchen, die sich eben an solchen Filmen, Lack, Leder, Auspeitschungen und unsäglichem Goa-Trance erfreuen können.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Feb 2018, 19:37

The Strain - Staffel 1

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Der Virologe Ephraim steckt gerade mitten in einem enervierenden Sorgerechtsprozess als er eines Abend zum New Yorker JFK-Flughafen gerufen wird, wo ein Flugzeug auf der Rollbahn steht, zu dem der Kontakt abgebrochen ist. Als er mit seiner Kollegin das Flugzeug im Schutzanzug betritt, entdeckt er, dass ein Großteil der Besatzung tot ist, während jedoch keine Hinweise auf einen Todeskampf oder derartiges gefunden wird. Auch die vier Überlebenden können sich an nichts erinnern und um keinen Skandal zu verursachen, wird von der Gesundheitsbehörde der ganze Zwischenfall als Unglück deklariert. Doch mit der Ankunft des Fliegers aus Deutschland hat auch etwas Mysteriöses und Bösartiges aus alten Tagen das Land betreten, dass wie ein dunkler Schatten nach den Bewohnern der Metropole greift und das größtenteils friedliche Zusammenleben der Bürger auf nachhaltige Weise verändern wird…

Guillermo del Toro ist ja auch ein Guter, der den Genre-Fan schon seit langem mit interessanten, aber nicht unumstrittenen Werken beglückt und derzeit ja auch wegen „The Shape of Water“ in aller Munde ist. „The Strain“ ist eine von ihm und Chuck Hogan entwickelte Serie über eine Vampir-Pandemie in New York, die zahlreiche Elemente seine Werke wie „Cronos“ und „Blade II“ wieder aufgreift und daraus eine über weite Teile ziemlich spannende Angelegenheit macht. Der Auftakt bzw. die ersten Folgen sind ja ziemlich stark und spielen geschickt mit menschlichen Urängsten wie Kontrollverlust und die Sorge um Familie und Freunde. Allerdings mischen sich dann im weiteren Verlauf immer wieder unnötige Elemente und Durchhänger in die Serie, mit der sich die Handlung und Spannung keinen großen Gefallen tut und meines Erachtens auch nicht sein müssten. Was mich aber wieder mal am meisten gestört hat ist die Tatsache, dass die erste Staffel nach 13 Episoden und knapp 10 h Laufzeit für den Zuschauer ein vollkommen offenes und völlig unbefriedigendes Ende bereit hält und keinen einzigen (!) von ohnehin sehr vielen Handlungssträngen richtig zu Ende führt. Klar soll das Interesse des Zuschauers aufrecht erhalten werden, aber doch bitte nicht indem man die Geschichte einfach irgendwo in der Mitte abbricht. Da helfen meines Erachtens dann auch kein spannendes Szenario, keine interessante Figuren und auch kein hübscher Look darüber hinweg, dass man sich als Zuschauer von der modernen Serienlandschaft wieder einmal - wie so oft - völlig verarscht fühlen darf.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 18. Feb 2018, 19:17

Panic

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In der beschaulichen Kleinstadt Newton entwickelt eine Chemiefirma im streng geheimen Auftrag der Regierung einen chemischen Kampfstoff. Als es bei einem Laborversuch zu einem Unglück kommt, können jedoch einige Versuchstiere fliehen und auch ein Professor verschwindet spurlos. Als es wenig später zu grauenvollen Morden kommt, wird der Regierungsbeauftragte Kirk nach Newton geschickt und trifft dort neben dem engagierten Polizeichef auch auf die hübsche Forscherin Jane, die fieberhaft an einem Gegenmittel arbeitet um eine Ausbreitung zu verhindern. Dennoch beschließt die Regierung einen Notfallplan, der die Auslöschung der gesamten Stadt vorsieht und während sich in der Kleinstadt langsam Panik ausbreitet und ein mutiertes Monster durch die Kanalisation schleicht, hat auch Kirk alle Hände voll zu tun, um das Schlimmste zu verhindern…

Regisseur Tonino Ricci hat unter den Namen Anthony Richmond ja gleich eine Vielzahl cineastischer Gurken zu beantworten, wobei sich einige seiner Streifen in einschlägigen Kreisen ja dennoch einer gewissen Beliebtheit erfreuen. Seine 1981 entstandene Mischung aus Katastrophenfilm, Kleinstadtdrama und Mutationshorror ist aber alles andere als ein gelungenes Beispiel und präsentiert den Zuschauer ein lahmes Szenario, dass nie so richtig in die Puschen kommt und – wenn überhaupt – eher auf unfreiwillige Weise erheitert. Die Geschichte über ein missglücktes Forschungsexperiment wird himmelschreiend unbeholfen und wenig konsequent erzählt und auch die Figuren agieren stets so gelangweilt, dass so etwas wie die Titel-gebende „Panic“ erst gar nicht aufkommt. Stattdessen gibt es Langeweile am laufenden Band und auch das Finale ist unspektakulär und dabei auch noch so herrlich unlogisch, dass man sich ernsthaft fragen muss, wer Herrn Ricci diese haarsträubende Geschichte eigentlich abkaufen soll. Da kann dann selbst das beliebte Duo David Warbeck und Janet Agren, sowie man anderes bekannte Gesicht aus der Italo-spanischen Genre-Schmiede, die englischen Locations, manch goriger Moment und das hübsche Bild der Ländercode-freien Blu-Ray aus den Staaten nichts mehr retten. Örks!

The Devil's Backbone

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Wunderbar ruhig erzählte Mischung aus „Coming-of-Age“-Drama und Geisterfilm über eine Handvoll Waisenkinder, die in den Dreißigerjahren mit dem Gräuel des Krieges konfrontiert sind und einem Verbrechen auf die Spur kommen. In „The Devil’s Backbone“ ist die Bedrohung in vielen Formen ständig präsent und dennoch versuchen die Kinder so unbeschwert, wie für sie möglich heranzuwachsen und Antworten auf Fragen zu finden, die von den Erwachsenen um sie herum verweigert werden. Dabei ist Guillermo del Toros Streifen wie so oft im Schaffen des mexikanischen Regisseurs ein durchaus politischer Film, der sich den Mitteln eines Genre-Films bedient und schafft hier wunderbare Figuren, mit denen man gerne mit fiebert. Hier begeistern aber nicht nur die zahlreichen jugendlichen Darsteller, sondern auch der Rest des Casts, die dramatische Geschichte und die hübschen Locations, die sich in der Hand von del Toro zu einem wunderbar melancholischen Film zusammenfügen, der mich jedes Mal aufs Neue begeistert.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 19. Feb 2018, 20:05

Cronos

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Der alternde Jesus Gris lebt als Antiquitätenhändler ein beschauliches Leben in Mexico City und seine Zeit im Laden verbringt er mit seiner Enkelin Aurora, die ihre Eltern früh verloren hat. Als eines Tages Männer seinen Laden betreten und Interesse an einer bestimmten Statue bekunden, findet er im Innern der Figur eine mysteriöse Apparatur in Form eines goldenen Käfers. Diese stammt aus der Verlassenschaft eines Alchemisten und gewährt seinem Besitzer ewiges Leben. Als Jesus aus Neugier die Apparatur verwendet, verändert sich sein Körper und er fühlt sich jünger und fitter. Gleichzeitig steigt aber auch sein Hunger nach menschlichen Blut und während seine Veränderung auch seiner Umwelt nicht verborgen bleibt, droht weiteres Ungemach von einem todkranken Industriellen, der mit aller Macht ebenfalls in Besitz der Apparatur kommen möchte.

Guillermo del Toros mexikanisches Regie-Debüt aus dem Jahr 1993 bietet dem Zuschauer eine interessante Vampir-Variante mit Zombie-Motiven, die ganz ohne Fledermäuse und Schmodder auskommt und wie seine später entwickelte Serie „The Strain“ auch eher die Auswirkungen auf das nähere Umfeld des Betroffenen beleuchtet. Die körperliche Veränderung des alternden Antiquitätenhändlers durch die Apparatur eines Alchemisten bleibt auch seiner Familie nicht verborgen und gleichzeitig ist das Wissen um ein ewiges Leben ein Geheimnis, dass auch andere mit aller Macht besitzen möchten. Guillermo del Toro bastelt mit seinem großartigen Hauptdarsteller Frederico Lupi daraus einen düster-melancholischen Großstadt-Alptraum, der die tragische Komponenten beleuchtet, die mit dem ewigen Leben verbunden sind und dabei auch gänzlich ohne plakative Schockeffekte auskommt. „Cronos“ zählt mit seiner ruhigen Erzählweise meines Erachtens auch zu den interessanteren Filmen aus der Ecke, der mit Originalität und Eigenständigkeit punkten kann und eine ganz eigene Stimmung kreiert, der mit seiner Sepia-Optik zwar eindeutig als ein Film aus den Neunzigern zu identifizieren ist, aber dennoch zeitlos und entrückt wirkt und den Zuschauer auf hübsche Weise auf del Toros nachfolgende Werke einstimmt.
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