Sint - Dick Maas (2010)

Moderator: jogiwan

Re: Sint - Dick Maas (NL 2010)

Beitragvon sergio petroni » 30. Jul 2013, 21:53

@horror1966
Danke für deine Ausführungen, der Film flog bislang komplett unter meinem Radar durch.
Scheint aber nach meinem Geschmack zu sein. :thup:
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Sint - Dick Maas (NL 2010)

Beitragvon buxtebrawler » 30. Dez 2017, 03:27

„Der eine sah aus wie Ruud Gullit!“

Der Niederländer Dick Maas, berüchtigt als Schöpfer des „Fahrstuhl des Grauens“ sowie der „Flodder“-Familie, vergriff sich nach seiner schwarzen Thriller-Komödie „Killer Babes“ am Nikolausfest und invertierte dessen Bedeutung für seinen saisonalen Quasi-Slasher „Saint“, der 2010 auf den Filmfestivals der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

An den Nikolausabend des Jahres 1968 hat der Amsterdamer Polizist Goert (Bert Luppes, „Black Book“) keine guten Erinnerungen: Der Nikolaus höchstpersönlich kehrte als Untoter mit seinen Schwarzen Petern zurück und metzelte seine Familie nieder. Denn was die Wenigsten wissen: Der Nikolaus brachte weder Pfeffernuss noch Schokolade, sondern Unheil und Verderben. Zu Lebzeiten terrorisierte er ganze Ortschaften, indem er brandschatzte, plünderte und mordete. Seit sich die Bewohner eines Dorfs erfolgreich zur Wehr setzten, kehrt er immer dann aus dem Totenreich zurück, wenn einen Tag vor Nikolaus der Vollmond am Firmament steht. Sein Ziel: Blutige Rache...

Einen Rückblick ins Jahr 1492 offeriert Maas im Prolog, als er den Bischof und seine Gang bei ihren Untaten, aber auch ihre Hinrichtung durch das aufgebrachte Volk zeigt. Der erste Zeitsprung führt ins Jahr 1968, in dem der Zombie-Nikolaus eine Familie zermetzelt – die des späteren Polizisten Goert, wie sich im weiteren Verlauf herausstellen wird. In der Gegenwart wird in der Schule gejulklappt, was Sophie (Escha Tanihatu) zum Anlass nimmt, per öffentlich vorgetragenem Gedicht mit ihrem Freund Frank (Egbert Jan Weeber, „Godforsaken“) wenig sensibel schlusszumachen. Das mutet zunächst sehr fies an, ist aber eigentlich reichlich egal, denn beide haben sich gegenseitig im eigenen Freundeskreis betrogen. Diese Holländer... Maas zeigt einige schöne Bilder der winterlichen Amsterdamer Metropole, seine Flodders laufen im TV und Goert wird als ob der bevorstehenden Nikolaus-Feierlichkeiten ängstlicher Bulle eingeführt. „Saint“ spielt in einer wohlhabenden Siedlung Süd-Amsterdams, wodurch das Ambiente an klassischen US-Horror erinnert. Maas geht sogar so weit, sich deutlich vor John Carpenter zu verbeugen, wenn er Nikolaus & Co. umringt von dichtem Nebel auf der Bildfläche erscheinen lässt – und sein mehr als alle anderen wissender, jedoch wenig ernstgenommener Goert erinnert nicht von ungefähr an Dr. Loomis aus der „Halloween“-Reihe.

Nach dem ersten Nikolaus’schen Mord wird Frank wegen Tatverdachts verhaftet. Der untote Bischof schleicht sich bisweilen in typischer Slasher-Maniac-Manier an, reitet auf seinem Schimmel aber auch schon mal über die Häuserdächer (was bewusst trashig anmutet). Einige Jump- und False Scares werden als obligatorische Genre-Charakteristika eingesetzt. Goert als einziger Überlebender des Massakers von 1968 kommt Frank schließlich zur Hilfe; gemeinsam versuchen sie, dem Nikolaus und seiner Armee aus Schwarzen Petern etwas entgegenzusetzen. Das letzte Drittel und das Filmfinale bieten Action und Schießereien und arbeiten mit dramatischen Zeitlupen. Nette Masken und einige herbe, grafisch explizite Spezialeffekte (Handarbeit sowie annehmbare CGI) sowie ein wenig Gesplattere bestimmten den Film ebenso auf positive Weise wie die dynamische Kameraführung, die Dramaturgie ohne Durchhänger und die durchaus stimmige Musik zwischen Orchester-, Pop- und Synthieklängen. Im Epilog wird die Wahrheit einmal mehr vertuscht, bevor ein cooles Metal-/Elektro-Instrumentalstück den Abspann untermalt.

Dick Maas scheint so etwas wie ein Garant für unterhaltsame Amsterdamer Genre-Kost zu sein: Ob „Fahrstuhl des Grauens“, „Verfluchtes Amsterdam“ oder „Eine Familie zum Knutschen“. Am stärksten ist er dabei, wenn er seine gering budgetierten Filme mit einem Augenzwinkern und seinem speziellen Humor versieht. Dies ist auch in dieser weihnachtlichen Neo-Slasher-Variation der Fall, die kurzweilig unterhält, wenn sie dem guten schlechten Geschmack frönt, indem sie den Nikolaus-Kult mir nichts, dir nichts frech und provokant durch den Schmutz zieht und einen blutigen Horrorstreifen mit selten zu dominant werdender komödiantischer Schlagseite schafft, der die Tradition fortführt, Slasher an ganz bestimmten Tagen spielen zu lassen und damit den Genre-Freunden entsprechendes Futter an die Hand zu geben, um diese nach ihrer Fasson feiern und überstehen zu können. Dabei hat „Saint“ dankenswerterweise weder mit dem hysterischen Humor anderer Low-Budget-Genreproduktionen noch mit an den Amateurbereich gemahnendem Unvermögen diverser Nachwuchsregisseure etwas zu tun und ist produktionstechnisch bis hin zu den schauspielerischen Leistungen sehr ordentlich und respektabel ausgefallen. Mitunter avanciert er sogar zur Lehrstunde in Bezug auf die holländische Variante des Nikolausbrauchs, der sich u.a. mit seinen Schwarzen Petern anders als hierzulande ausgeprägt hat – wie ja mit der Weihnachtszeit verbundene Bräuche weltweit regional divergieren. Wie der Niklausabend/-tag hierzulande so etwas wie Weihnachten light wurde und als Vorbereitung auf das riesige Brimborium am 24./25./26. verstanden werden kann, so ist Maas’ Schauermär ideal als leichte Genrekost, als mundender Appetithappen in der ersten Dezemberwoche geeignet, bevor wenige Wochen später die schwerere Kost zum Zuge kommt...
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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