Nackte Eva - Joe D'Amato (1976)

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Moderator: jogiwan

Re: Nackte Eva - Joe D'Amato (1976)

Beitragvon buxtebrawler » 30. Okt 2017, 21:44

Salvatore Baccaro hat geschrieben:
Wenn ihr mich nicht kennen würdet, klänge das jetzt bestimmt wie das geile Gegeifere eines unverbesserlichen Gore-Hundes, aber, da ich den Film noch nicht gesehen habe und das eigentlich in nächster Zeit auch nicht vorhatte und von ihm bislang auch noch nie im Zusammenhang mit "Tiersnuff" gelesen habe, die seriös gemeinte Frage: Wie genau sind die Schlangentötungsszenen denn in den Rest-Film integriert, bzw.: Hast Du den Eindruck, dass da wirklich einzig für D'Amatos Kamera Tiere getötet wurden oder handelt es sich um offensichtliches Archivmaterial, das D'Amato aus irgendwelchen Hintergassen-Mondos stibitzt hat...? ;-)


Das klingt auch so, wenn wir dich kennen :P ;)

Ich fürchte, D'Amato hat seinerzeit eine übliche Praxis einfach mit der Kamera eingefangen. Zumindest wirkt es so, als seien als Imbiss auf Marktplätzen tatsächlich Schlangen derart verarbeitet worden - "Schlangenfraß" im wahrsten Sinne des Wortes, gewissermaßen. Ich finde jedoch, dass so etwas in einem Erotikstreifen nichts zu suchen hat.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Nackte Eva - Joe D'Amato (1976)

Beitragvon Salvatore Baccaro » 30. Okt 2017, 23:54

Lieben Dank! :verbeug:
Meine "Snuff-Notizen" erinnern mich daran, dass es zu Beginn von Hammers SEVEN GOLDEN VAMPIRES eine Marktszene geben soll, in der man - wenn auch nur sekundenbruchteilhaft - etwas ähnlich Grausiges sehen soll - wohl dort, sagen meine Notizen, um die Exotik des Schauplatzes zu untermauern -, und die italienischen Kannibalenfilme sind natürlich sowieso nicht weit entfernt, vor allem erinnert es mich aber - und deswegen frage ich unverbesserlicher Gore-Hund auch so verbissen danach - an eine Szene, die ich vor einiger Zeit in dem (wenn man auf schräges Zeug steht, absolut empfehlenswerten!) Roman "Der Zauberlehrling oder Die Teufelsjäger" von Hanns Heinz Ewers aus dem Jahre 1910 entdeckt habe - wenn man mich nicht eines Besseren belehrt, die allerste Szene der Literatur überhaupt, in der das Betrachten eines exploitativen Films mit durch diesen hervorgerufenen dezidiert erotischen, wenn nicht sogar sexuellen Stimulationen im Publikum gekoppelt wird.
Man muss sich das so vorstellen: Frank Braun, der Held des Romans (und zwei weiterer Romane Ewers', den man sich als Freund oder Freundin eher abseitiger Literatur sowieso vormerken sollte; immerhin hat er mit "Alraune" wohl den einzigen Splatter-Roman der Weimarer Republik geschrieben, und war außerdem einer der ersten deutschen Schriftsteller, die sich vollmundig für das neue Medium Kino aussprachen, und hat in seinem Leben vom Weltenbummler über den opiumseligen Avantgarde-Künstler bis hin zum nationalsozialistischen Höfling so ziemlich alles abgedeckt, was man Anfang des letzten Jahrhunderts in Deutschland überhaupt an Rollen abdecken konnte), sitzt mit seiner Affäre im Kino; man guckt die üblichen Aktualitäten - und dann ereignet sich folgendes Wechselspiel aus indexikalischem Sterben auf der Leinwand und zarter Triebregung im Publikum:

"Dann war die grosse Pause zu Ende. Das Licht erlosch, auf dem weissen Vorhange leuchtete der Name des nächsten Films: Schlangenfang auf Java.
Das Bild zeigte einen Laden in Batavia; ein hübsches Liplapmädchen legte einem weissen Herrn ihre Waren vor – Fabrikate aus Schlangenhaut. Der Herr war sehr kauflustig, er erstand Portemonnaies, Briefmappen, Portefeuilles, Peitschen, Stöcke und entzückende kleine Pantöffelchen. Es war ganz gewiss ein sehr feiner Herr, er fragte gar nicht nach den Einzelpreisen, liess sich nur die Summe nennen, zog ein Scheckbuch und schrieb ihr einen Scheck. Dann gab er ihr die Adresse seines Hotels, zog höflich den Hut und ging.
»Nun werden wir sehen, Lotte, wie alle die hübschen Dinge gemacht werden.« flüsterte Frank Braun.
Einen Moment war es dunkel, dann leuchtete ein ander Bild auf. Malaien strichen durch eine Lichtung des Dschungel, immer zwei und zwei, sie schlugen mit grossen Stöcken in das hohe Gras, um die Schlangen aufzuscheuchen. Dann fanden sie eine und flogen wie Katzen auf sie zu. Der eine betäubte den Python mit einem starken Stockschlag auf den Kopf, der andere warf ihm eine Schlinge um den Hals und zog sie fest zu. Dann hoben sie vorsichtig das gut zwei Meter lange Tier auf und trugen es zu einem grossen Korbe. Bald fingen sie ebenso eine zweite Schlange; andere Burschen brachten noch mehr heran. Sieben bunte, herrliche Pythonschlangen fingen sie. Sie umschnürten den Korb, luden ihn auf einen starken Esel und zogen ab.
Dunkel auf einen Augenblick. Er fühlte Lottes leichten Atem, dicht bei seinem Ohre. Er wollte irgend etwas sagen, aber schon leuchtete ein neues Bild auf.
Ein Hof, rechts eine Bambushütte der Eingeborenen. In der Mitte war ein grosses Reck, daran hingen regungslos, am Halse angebunden, die sieben Schlangen; der Schwanz schleppte ein wenig auf dem Boden. Aber sie lebten wohl, eine – die zweite war es von links aus – hob den Schwanz, kletterte an sich selbst in die Höhe, verschlang sich und wand sich in festem Knoten oben um das Reck. Dann kamen ein paar Burschen heran, es waren dieselben, die vorhin im Walde den ersten Python griffen. Einer trug ein langes Messer in der Hand, er trat an das Reck und näherte sich einer der Schlangen. Er machte einen Kreisschnitt rings um den Hals und einen andern vom Halse bis hinab zur Schwanzspitze. Dann nahm er das Messer in den Mund und setzte alle Finger in die kreisrunde Wunde. Und während zwei andere das Tier am Schwanze griffen, festhielten und streckten, zog er mit aller Kraft der Schlange die starke Haut vom Leibe.
Rasch ging er zur zweiten Schlange und zur dritten, in wenigen Minuten waren die sechs Schlangen geschunden. Nur die letzte, die zum Knoten verschlungen oben am Reck hing, liessen sie dort hängen.
Und ein Leben kam in die sechs Schlangenleiber. Sie sahen schneeweiss aus auf dem Bilde, leuchtend weisser, wie irgend etwas, das es gab. Und im langsamen Todeskampfe arbeiteten die gewaltigen Muskeln der Tiere, sie wanden sich, drehten sich, sahen aus wie die schlanken, gewundenen Marmorsäulen, die man in maurischen Palästen sieht.
Sechs nackte, hautlose, schneeweisse Schlangenleiber –
Die Malaien traten zur Seite, nahmen die Häute und reinigten sie. Aber er sah nicht hin, was sie machten, sah nur auf die sechs lebenden Schlangenleiber, die sich zu Marmorsäulen wanden. [...]
Ihre heisse Hand legte sich auf seine. Er fühlte, dass ihr grüner Blick auf ihm ruhte. Er drang durch das Dunkel und drang durch seine Schädeldecke. Er kroch in sein Hirn und trank sich satt an alle dem, was seine Seele fühlte in diesem Augenblicke –
Ihre kleine Hand streifte über seine Wange. Sie berührte leicht sein Ohr und ihr Finger fuhr unendlich weich rund um seinen Hals. Und es war ihm, als griffe sie in die offene Haut und zöge sie hinab, als hinge er selbst dort, eine nackte, weisse, hautlose Pythonschlange, die sich nun wand zu einer marmornen, lebendigen Säule."
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