Die Sünden der ganz jungen Mädchen - Marcello Andrei (1976)

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Die Sünden der ganz jungen Mädchen - Marcello Andrei (1976)

Beitragvon buxtebrawler » 18. Okt 2017, 23:32

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Originaltitel: Scandalo in famiglia

Herstellungsland: Italien / 1976

Regie: Marcello Andrei

Darsteller: Gloria Guida, Gianluigi Chirizzi, Lucretia Love, Giuseppe Anatrelli, Loredana Martínez, Luciana Turina, Mario Maranzana, Gianni Nazzaro, Carlo Giuffrè, Ines Pellegrini u. A.

Don Salvatore stirbt beim Sex im türkischen Bad. Man informiert die Witwe Donna Nunziata (Lucretia Love, „Sein Schlachtfeld war das Bett“), deren Bruder Antonello (Carlo Giuffrè, „Hochwürden Don Camillo“), ein Schriftsteller, hinzustößt. Er soll sich um die 22-jährige Stieftochter Elena (Gloria Guida) kümmern. Elena ist sofort von ihm begeistert...
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Re: Die Sünden der ganz jungen Mädchen - Marcello Andrei (1976)

Beitragvon buxtebrawler » 18. Okt 2017, 23:37

„Ich kann immer noch nicht begreifen, wie sie den Sargdeckel zugemacht haben...“

Der italienische Regisseur Marcello Andrei („Die wilde Meute“) brachte es in seiner Laufbahn offenbar auf lediglich fünf Filme, von seinem Debüt „Heirat auf Sizilianisch“ aus dem Jahre 1963 einmal abgesehen allesamt aus den 1970er Jahren. Mit seinem vorletzten Film versuchte er sich 1976 an einer Erotikkomödie, für die er auf Genre-Ikone Gloria Guida („Oben ohne, unten Jeans“) zurückgreifen konnte – und enttäuschend wenig daraus machte.

„Wir werden uns jetzt öfter sehen!“

Don Salvatore stirbt beim Sex im türkischen Bad. Man informiert die Witwe Donna Nunziata (Lucretia Love, „Sein Schlachtfeld war das Bett“), deren Bruder Antonello (Carlo Giuffrè, „Hochwürden Don Camillo“), ein Schriftsteller, hinzustößt. Er soll sich um die 22-jährige Stieftochter Elena (Gloria Guida) kümmern. Elena ist sofort von ihm begeistert und darf ihm sogar seinen Vollbart abrasieren, den bereits seine Schwester kritisiert hatte. Fand sie vorher, er sähe aus wie ein Tattergreis, merkt sie nun an, er ähnele einem kleinen Jungen. Sie behauptet ihm gegenüber, frigide zu sein und alle Männer abstoßend zu finden, doch beobachtet er sie kurz darauf, wie sie sich vor jemand anderem auszieht und sich lasziv bewegt. Dadurch versucht sie, ihren Onkel aus der Reserve zu locken – was offensichtlich ist, der Film sie aber sicherheitshalber aus dem Off bestätigen lässt.

„Du bist ein Mädchen mit einer Menge Hirngespinste!“

Um ihn heiß zu machen, gibt sie sich lesbischen Spielchen in der Sauna hin, was zur ersten Nacktszene des Films führt. Als Antonello sie zur Rede stellt, behauptet sie, lesbisch zu sein. Er versohlt ihr den Hintern (!), doch ihr gefällt’s. Als nächsten Versuch behauptet sie, dem Fetisch zu erliegen, an seinen Unterhosen zu schnüffeln. Vom alten Bock Caruso lässt sie sich beraten, spielt daraufhin die Nymphomanin und provoziert Antonello mit frechen Sprüchen. Schließlich tut sie so, als sei sie fieberkrank – mit dem Thermometer zwischen den Beinen. Antonello reicht’s nun und er haut ihre eine runter, woraufhin Elena in Tränen ausbricht und ihm ihr Schauspiel gesteht.

„Ich brauche Ihre Hilfe! Sie sind doch ein alter Bock und kennen sicher jede erdenkliche Perversion!“

Doch damit längst nicht genug: Urplötzlich heiratet sie mir nichts, dir nichts einen anderen, Carusos Sohn Saverio (Gianluigi Chirizzi, „Kesse Teens - Die erste Liebe“). Offenbar hatte sie mit Antonello ausgemacht, es mit ihm zu treiben, sobald sie verheiratet ist – mit ihrem nun endlich ebenfalls willigen Onkel wird sie auf der Hochzeitsfeier jedoch unterbrochen. Als Elena von der Hochzeitsreise zurückkehrt, verzehrt sich Antonello endlich nach ihr, doch nun gibt sie sich abweisend. Als sich endlich wieder beide einig sind und gemeinsam in die Badewanne hüpfen, werden sie erneut jäh gestört.

Visualisierte Fantasien, wie Saverio sie zu erschießen droht, sind eine Art Überleitung dazu, wie Elena und Antonello sich hinter dessen Rücken lieben, der ihm nun schlaue Tipps zum Fremdgehen und Heiraten gibt, ohne etwas zu ahnen. Tatsächlich heiratet auch Antonello nun eine andere. Saverio gerät derweil in einen Autounfall und wird schwer verletzt. Im Krankenhaus liegend bittet dieser einfältige Simpel darum, dass Antonellos neue Frau Elena überwacht, um als Pointe seinerseits Elena mit Antonellos neuer Frau zu betrügen.

Nach Antonellos ursprünglichem Auftauchen wurde der zunächst sehr alberne Tonfall spürbar ernster, doch die absurde Handlung bar jeder Sensibilität und jeden Verständnisses für Jugendliche in libidinöser oder amouröser Verwirrung macht aus „Die Sünden der ganz jungen Mädchen“ alias „Flotte Teens und die erste Liebe“ schnell wieder ein billiges, sexklamottiges, unlustiges Filmchen, dem es deutlich an Erotikszenen mangelt. Auch überaus wenig monogame, katholisch fromme italienische Familien wurden schon wesentlich besser filmisch aufs Korn genommen. Der häufig abrupte und holprige Schnitt trägt sein Übriges zum Ärgernis bei, wenngleich Chefschnuckelchen Guida, die diesmal ihr Haar etwas dunkler trägt, natürlich wieder ein Hingucker ist. Dass sie sich hier mit dümmlichem, trivialstem Humor herumschlagen und Altherrenfantasien bedienen muss, ist die reinste Verschwendung.

Fürs Protokoll sei noch angemerkt, dass sich auch Lucretia Love als Witwe einmal oben ohne zeigt.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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