Tesis - Der Snuff Film - Alejandro Amenábar (1996)

Moderator: jogiwan

Re: Tesis - Der Snuff Film - Alejandro Amenábar (1996)

Beitragvon Adalmar » 15. Mai 2012, 09:17

Nach Einlegen der Laser-Parasite-DVD erwartete mich erst mal ein Schock... dass der Film im Letterbox-Format drauf war, wusste ich ja, aber dass es sich um eine 1:1 überspielte VHS-Fassung handelte, war dann doch ein bisschen hart. Folglich auch kein O-Ton, und die deutsche Synchro zählt auch nicht zu den besten. Der Film spielt an der filmwissenschaftlichen Abteilung der Madrider Uni und zeichnet von dieser Wissenschaft ein ganz schön naives Bild, wie man es aber generell aus recht vielen Filmen kennt, die an Unis spielen. Hier ruft allen Ernstes ein Professor der Filmwissenschaft seine Studenten auf, sie sollten nach ihrem Studium brav Filme nach dem Bedarf des Publikums drehen (als ob ein Filmwissenschafts-Studium jetzt unbedingt lauter beruflich Filmschaffende hervorbringen müsste), um die spanische Filmwirtschaft anzukurbeln, und die Zuhörer klatschen begeistert Beifall. Die Studentin Angela (Ana Torrent) sucht nach gewalthaltigen Filmen als Anschauungsmaterial für ihre Abschlussarbeit ("Ich suche Filme mit Gewaltdarstellungen. Du weißt schon: Brutalos, Pornos und so weiter.") und wird bei Filmnerd Chemma (Fele Martínez) fündig, der ihr in seiner Schmuddel-Wohnung eine Art Faces-of-Gore-Produktion vorführt. Dabei hat mich der äußerst zickige Umgang von Angela und Chemma etwas genervt, die beiden stressen sich endlos gegenseitig an und man fragt sich, warum sie doch immer wieder zusammen rumhängen. Ernst wird aus der Sache, als ein Professor der Uni beim Anschauen eines Snuff-Films, den er Angela zukommen lassen wollte, tot zusammenbricht und auch Angela und Chemma in die Schusslinie kommen. Das wird insgesamt schon recht spannend von Amenábar erzählt, allerdings setzt er dabei (wobei die Plattheit möglicherweise auch von der Synchronfassung mitverschuldet ist, k. A.) zumindest stellenweise auf den Wissens- bzw. Emotionalisierungsstand, den in den 80er und 90ern Sendungen wie "Mama, Papa, Zombie" vermittelt haben. Zu Gewalt in Medien im Allgemeinen gelangt er zu keiner klaren Position, wobei das doch eigentlich der Film die ganze Zeit zu versprechen scheint - die einzige Erkenntnis bleibt, dass im Zweifelsfall jeder eher hin- statt wegguckt. Das hätte nun auch niemand anders erwartet. Und wenn sich herausstellt, dass eine junge Frau in einem Snuff-Video zu Tode gefoltert wurde, hat das Fernsehen nichts besseres zu tun, als ebendieses Snuff-Video in den Nachrichten abzuspielen. Im ganzen wird weniger aufgeklärt als dämonisiert, und der naive Zuschauer wird vielleicht am Ende den Unterschied zwischen gespielter und realer Gewalt auf Bildtonträgern als gar nicht so entscheidend erachten. Letztlich hat mich dieser Film von Amenabár deutlich weniger überzeugt als "Abre los ojos". Ich gebe hier 6/10
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Re: Tesis - Der Snuff Film - Alejandro Amenábar (1996)

Beitragvon dr. freudstein » 10. Dez 2012, 03:34

Nach einigen Jahren mal wieder gesichtet und ich bin immer noch sehr angetan. Fast hätte ich die Auflösung vergessen. Man wird ja auch immer wieder auf die falsche Person gelenkt, dies funktioniert natürlich nur bei der Erstsichtung. Trotzdem kannte ich den Film auch bei der 4. oder 5. Sichtung noch nicht wirklich auswendig. Das Gezicke zwischen den Beiden nervt schon mal ein bisschen, aber Chemma ist nun mal kein Mädchenschwarm, möchte gerne mehr von ihr, sich dieses aber nicht wirklich anmerken lassen pipapo, unwichtig. Ein sehr ernstes Thema ist die Gewalt und damit ist nicht die fiktive, konstruierte in Horrorfilmen gemeint, sondern echte, inszenierte.

Chemma steht auf Mondos, aber diese Aufnahmen sind zwar echt, aber eben nicht speziell für einen Film gemacht, sondern sie herrschte vor und die Kamera hielt darauf. Eine Steigerung dessen ist der Snuff Film. Ein beliebiges Opfer, in jedem Fall aber ein weibliches wird verführt, dem Charme erlegen und dann qualvoll in einzelnen Schritten vor laufender Kamera gefoltert und zerstückelt. Warum immer nur Frauen? Weil sie gut aussehenden Männern auf den Leim gehen, weil sie körperlich oft schwächer sind oder weil es das Publikum verlangt? Nicht aufgelöst wird hier, wie die Snuff Filme an die Kunden kamen, wie der Vertrieb funktionierte. In jedem Fall werden sie aber verlangt und auch das Fernsehen weiß das.

Vielleicht etwas zu lang geraten der Film, heute würde man das flotter drehen und mit noch mehr Schockwirkung. Dennoch weist der Film einiges an Spannung auf, treibt ein wenig Verwirrspiel und stellt immer wieder Überraschungen dar. Auch wenn die Gewalt nicht direkt gezeigt wird, man bekommt sie zu spüren und erschreckt einen. Alle paar Jahre wieder kann man sich ihn anschauen. Jetzt müsste eigentlich 8MM folgen, ich leg ihn schon mal in die Nähe vom DVD Player.

8/10
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Re: Tesis - Der Snuff Film - Alejandro Amenábar (1996)

Beitragvon jogiwan » 20. Mär 2017, 07:31

Wenn man bedenkt, dass Alejandro Amenábar gerade einmal 23 Jahre alt war, als er sein Langfilm-Debüt realisierte und der Streifen mittlerweile auch schon über 20 Jahre auf dem Buckel hat, ist „Tesis“ schon ziemlich beeindruckend geworden. Der Thriller über sogenannte „Snuff“-Filme begleitet die Studentin Angela, die sich für ihre Dissertation wohl nicht ganz uneigennützig das Thema Gewalt in den Medien ausgesucht hat und in einer Mischung aus Abscheu und Neugier ebenfalls der Faszination gefilmter Brutalitäten erliegt. Das kennt wohl jeder hier und Amenábar hält dem Zuschauer auch etwas den Spiegel seiner eigenen Befindlichkeiten vor, in dem er immer wieder mit dessen Erwartungshaltung spielt. In der zweiten Halbzeit rückt die Kritik am „Schneller-höher-weiter“ aber in den Hintergrund und entwickelt sich mehr in Richtung Thriller, der meines Erachtens ebenfalls sehr gut funktioniert. Neben den interessanten und ambivalenten Figuren und der Thematik begeistert „Tesis“ aber vor allem durch seine drei Hauptdarsteller und die nüchterne Art und Weise, wie das Thema angegangen wurde. Vielleicht ist der spanische Thriller aber mit knapp zwei Stunden etwas zu lang ausgefallen und wie üblich wird vom Regisseur auch etwas viel ins Debüt gepackt, aber ich halte „Tesis“ schlicht und ergreifend für einen der besten Filme aus den Neunzigern.
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Re: Tesis - Der Snuff Film - Alejandro Amenábar (1996)

Beitragvon Onkel Joe » 20. Mär 2017, 15:53

Bei diesem Film wäre eine neue VÖ. doch mal eine ganz, ganz feine Sache!
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Re: Tesis - Der Snuff Film - Alejandro Amenábar (1996)

Beitragvon karlAbundzu » 20. Mär 2017, 21:00

Schön,, dass ihr den Film wieder hochholt, damals per Zufall auf ARD(?) gesehen und total begeistert gewesen! Wird mal Zeit für eine Wiedersichtung!!!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Tesis - Der Snuff Film - Alejandro Amenábar (1996)

Beitragvon purgatorio » 25. Mär 2017, 08:26

Was für ein Zufall: Wicked Vision hat den Film gestern für den den 07.09. angekündigt :nick:
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Re: Tesis - Der Snuff Film - Alejandro Amenábar (1996)

Beitragvon jogiwan » 25. Mär 2017, 08:45

purgatorio hat geschrieben:Was für ein Zufall: Wicked Vision hat den Film gestern für den den 07.09. angekündigt :nick:


Großartige Nachrichten! :nick:
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Re: Tesis - Der Snuff Film - Alejandro Amenábar (1996)

Beitragvon sergio petroni » 25. Mär 2017, 08:47

purgatorio hat geschrieben:Was für ein Zufall: Wicked Vision hat den Film gestern für den den 07.09. angekündigt :nick:

Das ist nicht der erste derartige Zufall hier im Forum.... :?
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Tesis - Der Snuff Film - Alejandro Amenábar (1996)

Beitragvon purgatorio » 25. Mär 2017, 09:41

sergio petroni hat geschrieben:
purgatorio hat geschrieben:Was für ein Zufall: Wicked Vision hat den Film gestern für den den 07.09. angekündigt :nick:

Das ist nicht der erste derartige Zufall hier im Forum.... :?


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Re: Tesis - Der Snuff Film - Alejandro Amenábar (1996)

Beitragvon jogiwan » 11. Okt 2017, 06:58

Blau ist das neue rot... ;)

schnittberichte.com hat geschrieben:Tesis - Der Snuff Film ist jetzt ab 16 Jahren

Tesis - Der Snuff Film (1996) kam ungekürzt mit FSK 18-Freigabe in Deutschland auf VHS und DVD heraus, eine Blu-ray soll noch in diesem Jahr von Wicked-Vision Media folgen. Der Titel wurde jetzt neu der FSK vorgelegt und sie vergaben für die ungekürzte Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren.

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