The Body - Oriol Paulo (2012)

Moderator: jogiwan

The Body - Oriol Paulo (2012)

Beitragvon horror1966 » 3. Jun 2014, 11:00

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The Body
(El Cuerpo)
mit José Coronado, Hugo Silva, Belén Rueda, Aura Garrido, Miquel Gelabert, Juan Pablo Shuk, Oriol Vila, Carlota Olcina, Patrícia Bargalló, Mia Esteve, Sílvia Aranda, Manel Dueso, Pere Brasó, Albert López-Murtra
Regie: Oriol Paulo
Drehbuch: Oriol Paulo / Lara Sendim
Kamera: Óscar Faura
Musik: Sergio Moure
FSK 16
Spanien / 2012

Die Ermittlungen im Zusammenhang mit einem merkwürdigen Unfall führen Inspektor Jaime Pena zum örtlichen Leichenschauhaus. Dort stellt sich heraus, das der Leichnam der kürzlich verstorbenen Geschäftsfrau Mayka Villaverde spurlos aus dem Kühlraum verschwunden ist. Schnell gerät ihr Ehemann unter Verdacht, in irgendeiner Form in den immer mysteriöser werdenden Fall verwickelt zu sein, ist er doch derjenige, der am meisten vom plötzlichen Dahinscheiden seiner mächtigen, wohlhabenden Ehefrau profitiert. Doch in diesem Fall ist nichts so wie es scheint, und je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto rätselhafter erscheinen die Zusammenhänge...


Auch wenn die Inhaltsangabe dieses Filmes durchaus andeutet das es sich um eine wirklich spannende Geschichte handelt, so wird noch nicht einmal ansatzweise zum Ausdruck gebracht, welch echte Thriller-Perle sich hinter der spanischen Produktion „The Body“ verbirgt. Von der ersten Minute an wird der Zuschauer mit einem Szenario konfrontiert, das in wirklich allen Belangen dem Genre alle Ehre macht und in seiner Gesamtheit einen Gesamteindruck hinterlässt, den man im Prinzip nur mit dem Prädikat genial auszeichnen kann. Dabei verlaufen die Ereignisse doch erst einmal relativ normal ab und führen einen in eine scheinbar vorgezeichnete Richtung, die zum Ende hin eigentlich nur eine bestimmte Lösung präsentieren kann. Ziemlich schnell muss man jedoch erkennen das sich die Abläufe auf keinen Fall so durchschaubar gestalten wie es im ersten Moment scheinen mag, denn hinter der Fassade verbirgt sich ein Geschehen, das wohl durchdacht und definitiv nicht zu entschlüsseln bist, bevor der kurz vor dem Ende eingestreute Plot-Twist sämtliche bis dahin entstandenen Ahnungen gänzlich über den Haufen wirft und alle Ereignisse in ein vollkommen anderes Licht setzt. Das absolut geniale-und auf keinen Fall vorhersehbare Ende ist allerdings nur der totale Höhepunkt eines Filmes, der auch schon zuvor für größtenteils atemlose Spannung und jede Menge Suspense sorgt. Regisseur Oriol Paulo ist nämlich etwas gelungen was nur den wenigsten gelingt, nämlich einen Thriller zu erschaffen, in dem es wirklich keinerlei offensichtliche Andeutungen auf das Ende einer Geschichte gibt, die einem förmlich die Socken auszieht und einen magisch in ihren teils hypnotischen Bann zieht.

Schon der Schauplatz trägt einen Großteil dazu bei, denn da sich die Geschichte bis auf diverse Rückblenden und wenige andere Momente hauptsächlich in einem Leichenschauhaus abspielt, beinhaltet „The Body“ fast durchgehend eine packende-und äußerst morbide Grundstimmung, die im Zusammenspiel mit den enthaltenen Mystery-Elementen zu einer Atmosphäre verschmilzt, die sich wie eine zweite Haut um den Zuschauer legt und ihn dabei immer tiefer in die Ereignisse eintauchen lässt, die fast im Minutentakt immer bedrohlichere Ausmaße erkennen lassen. Dabei scheinen die Rollen in diesem offensichtlichen Katz-und Mausspiel ganz eindeutig verteilt, so das man sich eigentlich nicht mit dem Gedanken befasst, das dieser Film so dermaßen mit Wirrungen und Wendungen gespickt ist, das es einem phasenweise fast schon die Luft zum atmen nimmt. Zu eindeutig erscheint die Richtung in die das Ganze zu tendieren scheint und dennoch überkommt einen immer stärker das Gefühl, das sich noch etwas ganz Besonderes im Hintergrund hält, das einem eventuell sogar die Sprache verschlägt. Das diese Vorahnung sich zum Ende hin jedoch so intensiv bewahrheiten soll ist ein echter Hammer, denn Oriol Paulo wartet mit einem Finale auf, das man in dieser Form nun wirklich beim besten Willen nicht vorhersehen konnte. War die Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt schon mit jeder Menge Klasse ausgestattet, so lässt die endgültige Auflösung „The Body“ zu den Genre-Vertretern aufsteigen, die man ohne Übertreibung als absolut perfekt bezeichnen kann. Sicherlich wird nicht ein jeder diese Meinung teilen, doch ehrlich gesagt kann man von einem Thriller kaum noch mehr erwarten, als vorliegender Beitrag einem durchgehend offenbart.

Dabei spielen auch die agierenden Darsteller eine nicht gerade unwesentliche Rolle und Paulo kann bei seiner Geschichte dabei auf einen Cast zurückgreifen, der durch die Bank mit herausragenden Leistungen aufwartet. Jeder Charakter wird brillant und überzeugend dargestellt, so das auch bei diesem Aspekt kein einziges Haar in der Suppe gefunden werden kann. Und so fügen sich dann die einzelnen Mosaiksteine zu einem Gesamtbild zusammen das man einfach nur als überragend bezeichnen kann und jeder Thriller-Liebhaber sollte seine helle Freude an dieser Produktion haben, die doch auf den ersten Blick eher unscheinbar daherkommt. Es müssen eben nicht immer die großen Hollywood-Blockbuster sein, diese europäische Inszenierung zählt nämlich ganz eindeutig zu den absoluten Genre-Juwelen und ist ein weiteres prägnantes Beispiel für die teilweise herausragende Qualität des europäischen Kinos. Wie eigentlich immer liegt das selbstverständlich auch in der Sichtweise des jeweiligen Betrachters, doch wirkliche Schwächen sucht man in „The Body“ absolut vergebens, denn sowohl die strukturierte Erzählung, wie auch der gekonnt geschlagene-und immer weiter ansteigende Spannungsbogen, sowie die grandios morbide Atmosphäre bewegen sich auf allerhöchstem Niveau. Hinzu kommt eine perfekte musikalische Untermalung und eine brillant agierende Darsteller-Riege, so das man hier schon fast zwangsläufig die Höchstnote ziehen muss.

Letztendlich ist das natürlich jedem selbst überlassen, wer aber einen vollkommen überraschenden und gut durchdachten Thriller zu schätzen weiß sollte zumindest zu einer Bewertung gelangen, die sich weit über dem ansonsten üblichen Durchschnitt ansiedelt. „The Body“ enthält wirklich alles was einen Film dieses Genres auszeichnen sollte und lässt dabei zu keiner Zeit die so oft verwendeten Andeutungen und Schwächen erkennen, die einen eingebauten Plot-Twist nur zu oft zu einem vorhersehbaren Ende verkümmern lassen. Hier kann man auch viele Dinge vermuten, doch dürften sämtliche logischen Schlussfolgerungen ins Leere treffen, da die Zusammenhänge der Ereignisse zu keinem Zeitpunkt in Erscheinung treten. Dadurch steht der Zuschauer bis zur wirklich letzten Minute förmlich wie unter Strom und fiebert richtiggehend einer Lösung entgegen die einen wie ein Keulenschlag trifft und auf die man wohl nie im Leben gekommen wäre. Manch einer mag nun eventuell argumentieren, das „The Body“ lediglich zur einmaligen Sichtung geeignet ist, da man mit der Kenntnis des überraschenden Endes das Interesse an einer-oder gar mehreren neuerlichen Sichtungen verlieren könnte, doch ehrlich gesagt fasziniert der Film auch beim wiederholten Anschauen immer wieder aufs Neue, woran auch das Wissen um die Auflösung der geheimnisvollen Abläufe rein gar nichts ändert. Zu hochklassig wurde an dieser Stelle eine kreative, überraschende und jederzeit spannende Geschichte kreiert, in der man vergebens nach Schwächen sucht, denn diese sind auch bei einer neuerlichen Sichtung definitiv nicht zu erkennen.


Fazit:


Es bewahrheitet sich doch immer wieder das es gerade die eher unscheinbaren Produktionen sind, hinter denen sich die meiste Qualität verbirgt. Das junge Label OFDB filmworks hat einmal mehr eine untrügliche Nase für ein niveauvolles Film-Erlebnis unter Beweis gestellt und mit „The Body“ eine echte Perle herausgebracht die man keinesfalls ungesehen an sich vorbeiziehen lassen sollte. Für mich persönlich handelt es sich schon jetzt um einen der besten Thriller die ich je gesehen habe und das waren nicht gerade wenige. Wer hier nicht auf seine Kosten kommt ist selber schuld, denn das Werk von Oriol Paulo zählt zum Besten, was das Genre je hervorgebracht hat. Bleibt nur zu hoffen das man auch in Zukunft auch noch viel von dem Regie-Debütanten hören wird, der mit dieser Geschichte sein Gespür für außerordentliche Spannung eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.


10/10
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Re: The Body - Oriol Paulo (2012)

Beitragvon buxtebrawler » 3. Jun 2014, 12:29

horror1966 hat geschrieben:10/10


Wow :shock:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: The Body - Oriol Paulo (2012)

Beitragvon horror1966 » 3. Jun 2014, 12:55

Der Film ist echt der Hammer und meiner Meinung nach ein echter Geniestreich, unbedingt anschauen. :thup: :thup: :thup: :thup: :thup: :thup: :thup: :thup: :thup: :thup:
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Re: The Body - Oriol Paulo (2012)

Beitragvon jogiwan » 15. Jun 2014, 09:11

Als ein verschreckter Wachmann von einem Auto überfahren wird und gleichzeitig der Leichnam einer reichen und überraschend verstorbenen Frau aus der Pathologie verschwindet ist das ja nur der Auftakt für einen der spannendsten Thriller der letzten Jahre. Als Zuschauer wird man in Oriol Paulos Streifen ja ganz schön an der Nase herumgeführt und obwohl der Streifen anfänglich in Richtung Horror und Mystery geht, lebt "The Body" im Grunde davon, dann man häppchenweise Indizien und Rückblenden vorgesetzt bekommt, die ständig ein neues Bild einer bestimmten Sache ergeben. Zu viel will man ja nicht verraten, aber es ist alles stets überraschend, sehr spannend und auch sehr gelungen inszeniert, sodass man "The Body" sicherlich zu den besten und atmosphärischsten Thriller der letzten Jahre zählen kann, der dank seiner Darsteller, seiner Erzählweise und stimmigen Locations komplett überzeugt. Hat mir sehr gut gefallen.
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Re: The Body - Oriol Paulo (2012)

Beitragvon Arkadin » 16. Jun 2014, 09:31

Der Nachtwächter eines Leichenschauhauses rennt panisch durch die Nacht und wird auf seiner wilden Flucht von einem Auto angefahren und fällt ins Koma. Inspektor Jaime Peña (José Coronado) und seine Kollegen ermitteln. Dabei entdecken sie, dass aus dem Leichenschauhaus die Leiche der frisch eingelieferten, reichen Mayka Villaverde (Belén Rueda) verschwunden ist. Sie bestellen deren sehr viel jüngeren Ehemann Álex Ulloa (Hugo Silva) zum Tatort, um ihn nach den näheren Umständen ihres plötzlichen Todes zu befragen. Was sie nicht wissen, Ulloa hat seine Ehefrau am morgen mit einem nicht nachweisbaren, langsam wirkenden Gift umgebracht, um mit seiner Geliebten Carla (Aura Garrido) ein neues Leben anzufangen. Während in den Ermittlern der Verdacht wächst, dass etwas mit Ulloa nicht stimmt, entdeckt diese überall Indizien, die auf seine Tat hinweisen. Wer weiß von Ulloas Verbrechen und versucht ihn in den Wahnsinn zu treiben? Und wo ist die Leiche seiner Frau geblieben? Und wovor flüchtete der Nachtwächter in solcher großen Panik?

„The Body“ ist das Spielfilmdebüt des Drehbuchautors Oriol Paulo, der kurz zuvor auch den Thriller „Julia’s Eyes“ geschrieben hatte. Mit diesem teilt er sich nicht nur die Hauptdarstellerin Belén Rueda, sondern auch die generelle Atmosphäre und Struktur. Ebenso wie in „Julia’s Eyes“ lässt Paulo in seinem Film den Regen eine dramatische Rolle in den unheimlichen Szenen spielen, und er arbeitet viel mit Rückblenden, die immer wieder ihre Wahrheit in Frage stellen. Ist das, was der Zuschauer sieht wirklich die Wahrheit oder nur ein geschicktes Täuschungsmanöver des Erzählenden? Sind die Erinnerungen des Protagonisten wirklich verlässlich oder nur eine subjektive Wahrnehmung, die ihn und uns in die Irre leitet? Oftmals wird die selbe Szenen in mehreren möglichen Variationen durchgespielt. Zusätzlich brechen die Rückblenden aber auch den kammerspielartigen Charakter des Filmes auf, der fast ausschließlich während einer regnerischen Nacht in einem Leichenschauhaus spielt. Dies stört zwar immer wieder die klaustrophobische Stimmung, wirft zugleich aber auch immer wieder neue Fragen auf oder gibt scheinbar Hinweise auf die Wahrheit, so dass der Zuschauer ungeduldig dem nächste Puzzelteil entgegen fiebert.

Die Leichenhalle als Handlungsort ist natürlich gut gewählt. Paulo fängt den unheimlichen Ort mit einem großen Sinn für alte alte Gruselfilme ein. Einmal lässt er es sogar in der Leichenhalle regnen, was das Gefühl des Unwirklichen und der Bedrohung noch verstärkt. Tatsächlich ist man zu Beginn auch geneigt, eine übersinnliche Lösung des Rätsels in Betracht zu ziehen. Jedoch wird relativ schnell klar, dass Paulo etwas anderes vorhat. Dabei führt er den Zuschauer geschickt auf eine Fährte, die den Film zunächst recht durchschaubar wirken lässt. Paulos Stärke liegt dabei vor allem darin, dass er dem Zuschauer glauben macht, dass dieser selber langsam die Einzelteile zu einem großen Ganzen zusammenfügt, obwohl er doch nur den Brotkrumen folgt, die Paulo ihm geschickt hingeworfen hat. Dies funktioniert wahrscheinlich vor allem bei dem Publikum ausgezeichnet, die in den letzten Jahrzehnten nicht viele Dutzende Thriller gesehen haben, oder die sich gerne zurücklehnen und dem Regisseur die Aufgabe überlassen, sie durch sein kunstvoll aufgebautes Konstrukt zu führen. Alle anderen werden sich vielleicht an einigen Stellen fragen, was die eine oder andere scheinbar unwichtige Rückblende soll und daraus möglicherweise die richtigen Schlüsse ziehen.

Nichtsdestotrotz ist „The Body“ unglaublich spannend. Während Kamera und das bereits erwähnte, äußerst effektive Set Design eine unheilvolle, gruselige Stimmung erzeugen, sind auch die Schauspieler hervorragend ausgesucht. Dies gilt insbesondere für den spanischen Shooting-Star Hugo Silva, der in den letzten 3-4 Jahren in zahlreichen erfolgreichen spanischen Produktionen von de la Iglesias bis Almodóvar zu sehen war. Während man ihn am Anfang als arroganten, viel zu glatten Schönling abtut, wandelt er sich im Laufe des Filmes immer mehr zu einer Art Sympathieträger. Silva gelingt es seine im Grunde höchst unsympathische Figur Stück für Stück zu demontieren und einen zutiefst unsicheren, verängstigten und irgendwo auch hoffnungslos romantischen Kern, freizulegen. Wie seine Verzweiflung und sein Entsetzen sich langsam steigern, und er dann am Ende vor Sorge um seine große Liebe zusammenbricht, ist schon sehr sehenswert.

Belén Rueda, die nur in den Rückblenden auftritt, ist wie schon in „Julia’s Eyes“ eine Bank und passt perfekt zu der schönen, aber nicht mehr ganz taufrischen Dame aus der oberen Gesellschaft, die sich ihren jungen, nicht standesgemäßen Mann eher wie ein Spielzeug hält und mit fiesen Scherzen quält, statt ihn wie einen ebenbürtigen Partner zu behandeln. Dabei wirkt sie ebenso undurchdringlich und überlegen, wie verletzlich. Als Gegenspieler Ulloas macht der Polizist Peña eine gute Figur. José Coronado spielt den alternden Ermittler, der selber eine ganze Menge Probleme mit sicher herumschleppt und oftmals wie eine tickende Zeitbombe wirkt, sehr überzeugend. Wenn auch diese Figur etwas zu karikaturhaft gezeichnet wird, um sie als echten Menschen, und nicht nur als Filmfigur wahrzunehmen. Ein Kompliment hier an den Maskenbildern, der Coronado in einigen Rückblenden tatsächlich Jahre jünger aussehen ließ.

Oriol Paulo schafft es spielten, den Zuschauer den ganzen Film über zu fesseln und den Puls hier und dort hochzutreiben. Ist der Abspann aber gelaufen und der Zauber des Augenblicks ein wenig verflogen, zeigt sich in der Rückschau, dass einige Elemente nicht ganz in den raffinierten Plan passen, dessen man hier Zeuge wurde. Einige nicht vorhersehbare Zufälle helfen dabei, dass alles so funktioniert, wie gedacht. Auch wird hier an ein paar Stellen die Glaubwürdigkeit einer bestimmten Situation etwas überstrapaziert, was einen im Nachhinein ein wenig ärgert, da man sich ein wenig an der Nase herumgeführt fühlt. So tut man am Ende besser daran, den Film nicht großartig zu reflektieren und sich ganz vom Moment gefangennehmen zu lassen.

„The Body“ ist ein hochspannender Thriller, der kunstvoll mit Horrorelementen spielt und seinen Protagonisten durch ein geschickt konstruiertes Fegefeuer treibt, welches ihn vom arroganten Täter zum verzweifelten Opfer schrumpfen lässt. Mit einem hervorragenden Hugo Silva in der Hauptrolle, weiß der Film bestens zu unterhalten, auch wenn sein finaler Dreh für den erfahrenen Zuschauer keine so große Überraschung darstellt und einige Handlungselement im Nachhinein nicht ganz in das clevere Gebilde passen.
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Re: The Body - Oriol Paulo (2012)

Beitragvon Theoretiker » 24. Jan 2016, 09:01

Uneingeschränkt empfehlenswerter Thriller, der eine spannende, genreübergreifende Entwicklung durchläuft, und am Ende in der Tat eine überraschende Auflösung präsentiert.

THE BODY beweist, dass auch mit kleinerem Budget gute Filme abgeliefert werden können, und auch gerade abseits der großen Studios unterhaltsames Kino produziert wird.

Geheimtipp - 8/10
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Re: The Body - Oriol Paulo (2012)

Beitragvon buxtebrawler » 2. Jun 2016, 23:53

„Wenn ich die Augen schließe, bist du noch bei mir!“

Der Psycho-Thriller „The Body“ aus dem Jahre 2012 ist das Regie-Debüt des Spaniers Oriol Paulo, der 2010 bereits als Drehbuchautor des artverwandten „Julia’s Eyes“ in Erscheinung getreten war.

Der Nachtwächter des Leichenschauhauses hetzt panisch durch die Dunkelheit und wird von einem Auto überfahren. Der alarmierte Inspektor Jaime Peña (José Coronado, „Last Days – Tage der Panik“) stellt fest, dass die Leiche der vermögenden und einflussreichen Mayka Villaverde (Belén Rueda, „Das Waisenhaus“) aus dem Leichenschauhaus verschwunden ist, die kurz zuvor an einem Herbstinfarkt, ausgelöst durch ein Mordkomplott ihres wesentlich jüngeren Mannes Álex Ulloa (Hugo Silva, „Sex, Party und Lügen“), gestorben war, der eine jüngere Geliebte (Aura Garrido, „Ghost Club – Geister auf der Schule“) hat. Dies weiß Peña nicht, ist Álex gegenüber jedoch äußerst misstrauisch. Dieser wiederum wird seit dem Verschwinden der Leiche immer wieder mit Indizien, die auf seinen Mord hinweisen, konfrontiert. Gibt es einen Mitwisser, der ein perfides Spiel mit Álex treibt – oder lebt Mayka gar noch…?

Ein klischeeträchtiges Unwetter herrscht von Beginn an vor, das sich durch die gesamte in der Gegenwart spielende Handlung zieht und diese in eine düstere Atmosphäre und verzweifelte Stimmung taucht. Dies entspricht durchaus auch dem Gemüt des Inspektors, der ebenfalls seine Frau verloren und noch immer daran zu knabbern hat – was mit ein Grund für seinen rabiaten Umgang mit dem Verdächtigen Álex sein dürfte. Aufgebrochen wird die gegenwärtige Tristesse immer wieder durch Rückblenden, die den Zuschauer mit Informationen versorgen, die die Polizei nicht hat und Álex’ Erinnerungen visualisieren. Schon relativ früh zeigt Paulo, dass Álex der Mörder seiner Frau ist, macht daraus also kein allzu großes Geheimnis. Diese hatte einen sehr eigenwilligen Humor auf Kosten ihres Mannes, den sie kaum ernstzunehmen schien. Weitere Rückblenden zeigen, wie sie bisweilen aber doch Angst hatte, ihn zu verlieren, sie ihm auf seiner Arbeit nachstellte und ihn mit einem Motorrad überraschte. Dennoch entwickelt der Zuschauer zumindest dafür Verständnis, dass sich Álex in eine andere Frau verliebte.

In der Gegenwart verschwindet nun wie von Geisterhand Maykas Mobiltelefon, jemand jubelt Álex ein Giftfläschchen mit der Substanz, mittels derer er seine Frau umbrachte, unter, das schließlich von der Polizei gefunden wird und eine Einladung zum Unternehmerball inkl. Botschaft Maykas wird ihm zugeschoben. Ferner wird der Sicherheitscode des Überwachungsraums auf den seines Arbeitsplatzes geändert, ein anderes Handy bei einer anderen Leiche gefunden, während Maykas Telefon in einem Restaurant auftaucht. Álex, dem in einer wahren Ekelszene auf dem Klo volle Überwindung abverlangt wird, und dem Zuschauer werden so gleichsam Rätsel aufgegeben und immer neue Fragen aufgeworfen, derer Beantwortung man ungeduldig und fasziniert zugleich harrt. Während all dies immer stärker an Álex‘ Nerven zerrt, dessen vermeintlich perfekter Mord sich schließlich als Nullnummer entpuppt, bekommt man auch weitere Einblicke in das Seelenleben des Inspektors, ebenfalls in Form von Rückblenden.

Nachdem mit dem Privatdetektiv eine weitere entscheidende Rolle eingeführt wurde, überschlagen sich langsam aber sicher die Ereignisse, etwas abgebremst durch eine Rückblende, die nun Álex Kennenlernen mit seiner Freundin aufdröselt. Die wendungsreiche Handlung schlägt gleich mehrere Haken und hat den Überraschungseffekt immer wieder auf ihrer Seite, überzeugt zudem mit pointiertem Timing. Am Ende wird alles sauber aufgelöst, dennoch bleibt der Eindruck, dass „The Body“ schon arg krude konstruiert wurde. Den positiven Eindruck dieses noir’schen Psycho-Thriller schmälert das aber nur wenig und nachdem es hieß „Nichts, was heute Nacht passiert ist, ist Zufall gewesen!“, weiß man, dass auch im Jahre 2012 im spanischen Grusel- und Thriller-Kino noch längst nicht alles gesagt war. Schade, dass Oriol Paulo seitdem anscheinend nichts mehr hat von sich hören lassen... 7,5 von 10 Indizien erscheinen mir da locker gerichtlich verwertbar.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: The Body - Oriol Paulo (2012)

Beitragvon buxtebrawler » 26. Sep 2017, 17:06

Erscheint voraussichtlich am 06.10.2017 noch einmal bei OFDb Filmworks als Blu-ray/DVD-Kombination im Mediabook:

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Extras:
• Trailer
• Making Of
• Behind the Scenes
• Alternativszenen
• Booklet mit Filmbesprechung und Interview mit Regisseur Oriol Paulo

Bemerkungen:
1 Blu-ray + 1 DVD
Mediabook, limitiert auf 250 Exemplare

Quelle: https://ssl.ofdb.de/view.php?page=fassu ... &vid=81141
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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